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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 07.
Feb

Am Samstag hatte Stephanie ihren Geburtstag, doch genau wie vor 25 Jahren hat sie diesen schlichtweg verschlafen!!! Vor allem, da sie laut Pflegepersonal in der Nacht davor wohl nicht so gut schlafen konnte – sie hat sich nicht wirklich schlecht gefühlt, war aber die ganze Zeit munter und meiner Meinung nach mit etwas gedanklich beschäftigt bzw. musste etwas verarbeiten. Sowas rächte sich natürlich am nächsten Tag. Dabei war ich diesmal sogar mit extra viel Gepäck unterm Arm gegen 14 Uhr angereist: mit Video- und Audiobotschaften sowie Grußkarten und Päckchen von Familie und Freunden. Als ich ihr dann auf dem mitgebrachten iPad die ganzen elektronischen Geburtstagsgrüße und -videos vorgespielt habe, klimperte sie schlaftrunken und war zu mehr einfach nicht fähig. Schon zuvor war sie beim Aufrichten (willig wie ein nasser Sack) und Sitzen an der Bettkante wie in Trance und selbst das Anlegen der Handorthesen hat sie diesmal nicht im geringsten gestört … das ist in der Tat eher selten der Fall!

Also haben wir dann eben heute kurzerhand nachgefeiert – diesmal war sie auch wieder viel munterer. Sie freute sich natürlich sehr über die Geburtstagskarten und die Geschenke, hat sehr aufmerksam den Sprachnachrichten gelauscht und die Videos betrachtet.

Aus meiner Sicht konnte sie erneut an den richtigen Stellen lachen und wurde bei den sentimentalen Dingen, wie z.B. bestimmten Erinnerungsfotos mit Freunden, fast schon melancholisch ruhig. Ich wartete jetzt eigentlich nur noch darauf, dass ihr Tränchen über die Wangen kullerten. Wir hatten insgesamt gesehen unseren Spaß und vielleicht bleibt ihr dieser Geburtstag ja doch trotz ihres „Unfalls“ und der Corona-Situation (ohne viele Leute um sich herum) im Gedächtnis haften. Andernfalls wird dann eben der nächste umso größer und herzlicher ausfallen    zwinker

Bleiben wir doch noch mal beim Thema Lachen, denn dies scheint diese Woche wohl alle auf der Station sehr begeistert zu haben. Zum einen sehe ich das an euren zahlreichen Kommentaren und Rückmeldungen, zum anderen haben aber auch das Pflegepersonal und ich immer wieder große Freude daran. Im Entblockungsprotokoll stand, dass sie mit dem Sprechventil sogar „1x tonhaft gelacht“ hat und ich stelle ja auch immer wieder fest, dass sie an den richtigen Stellen lacht und manchmal sogar mit einen „Bauchschüttler“ – also eben nicht nur mit dem Mund im Gesicht, sondern gleich mit dem ganzen Körper.

Mittlerweile bekomme ich zudem zu hören, dass das Personal zudem gerne mal bei ihr im Zimmer vorbeischaut, um sie zum Lachen zu bringen. Einmal wurde ich sogar schon drauf angesprochen, dass sie gleichfalls auch schon ihre dunkle Seite offenbart, denn sie schmunzelt wohl ab und zu recht schadenfroh, wenn sie störrisch nicht das macht, was z.B. die Therapeuten gerade von ihr wünschen. Ja, auch das hört sich wieder nach unserer Stephanie an … eben genau so wie wir sie kennen und lieben.

Ich schätze mal, das man mittlerweile nicht mehr von einem aktiven Wachkoma sprechen kann und auch die Seditiva scheinen größtenteils aus dem Körper herausgewaschen zu sein, denn während ich ihr vorlese, guckt sie sich die Bilder auf der hingehaltenen Rückseite an. Oder als ich einmal auf dem iPad Fotos von unserem gemeinsamen Urlaub in Kanada gezeigt habe, hatte sie ein wirklich großes Interesse daran und es gab sogar Favoriten bzw. Erinnerungen, bei denen sie innerlich und auch äußerlich geschmunzelt hat.

Und heute habe ich gleich zweimal ein deutlich verneinendes Kopfschütteln bekommen, als ich sie nach etwas mit „willst du“ gefragt habe. Bin gespannt, wann sie auch das JA beherrschen wird    zwinker

Genau diese Fortschritte begeistern ebenfalls die Ärzte, die Therapeuten und das Pflegepersonal, denn nach dem letzten großen Team/Patient-Gespräch, bei dem sie sich immer zusammensetzen und austauschen, war der erste Kommentar mir gegenüber gleich „Alle sind mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden“. Wie schon damals zu Zeiten von Schulaufführungen und anderen Auftritten platze ich jedesmal fast vor Stolz – trotz Volljährigkeit bleiben die Mamagefühle halt weiter bestehen.

So auch am Montag, als ich bei ihrer Stehbrett-Therapie mit dabei sein konnte. Vorab wurden ihr die Fussorthesen abgenommen und sie bekam wohl zum ersten Mal seit 17 Wochen wieder eine Hose angezogen – natürlich gleich ihre abgöttisch geliebte Hot-Dog-Schlabberhose … Familienmitglieder und Freundeskreis werden diese sicherlich kennen und sofort wissen, welche ich meine! Beim Umlagern vom Liegebett auf den Kipptisch zeigte sie sich obgleich des Stresses sehr zitternd und verkrampft und vor allem die spastisch bedingte Fehlstellung des linken Fußes wurde auf dem Stehbrett wieder sehr deutlich. Mit dem rechten Fuß kann sie gerade so aufsetzen bzw. stehen, aber der linke ist zu schief angewinkelt, als das man ihn mit dem Körpergewicht belasten könnte. Da wartet sicherlich noch etwas Arbeit auf alle Beteiligten. Wobei diese Fehlstellung beim Sitzen an der Bettkante und Abstellen der Füße auf einer Yoga-Matte schon mal deutlich besser zu korrigieren ging. Es gibt also auch hier eine große Hoffnung auf Besserung.

Jedenfalls wurde sie an dem Abend auf ca. 55 Grad aufgerichtet (Stresslevel und Herzfrequenz spielten nur bis dahin mit) und zeitgleich führte man sogar für ca. 5-10 min eine Entblockung durch. Nach 45 min lag sie wieder in ihrem Bett und alle beteiligten Personen, d.h. zwei Ergotherapeutinnen, eine Physiotherapeutin und eine Logopädin, konnten ihr dann sogar wieder ein paar Lächler entlocken – es war also am Ende gar nicht so schlimm und Stephanie nimmt es aber auch keinem weiter übel, nachdem sie in ihren eigenen Augen so sehr geärgert wurde. Alle Aufregung ist glücklicherweise bei ihr derzeit nur punktuell und kurzzeitig, was man aber bei Patienten in ihrem Zustand nicht als selbstverständlich hinnehmen sollte. Fazit: ich war erneut Stolz wie Bolle!!!

Und dieses Gefühl hielt auch noch über die gesamte Woche weiter an, denn Stephanie bleibt jetzt des Öfteren schon mal für mehr als 10 Stunden am Stück entblockt. Sogar zeitgleich mit dem An- und Ablegen der Orthesen oder wie oben beschrieben während des Sitzens an der Bettkante oder im Rolli und auf dem Stehbrett. Letzte Woche habe ich ja noch von bis zu zwei Stunden Entblocken geschrieben …

Ach, was soll ich sagen … ich bin sowas von glücklich über diese tollen Entwicklungen und auch die täglich informierte Familie (von der Spree bis an die Elbe und bis tief in die Steiermark) zeigt sich sehr begeistert. Jetzt fehlt uns nur noch die gute Nachricht über den Wegfall der Corona-Beschränkungen und die Ausweitung der Besucheranzahl – damit sich eben auch die übrigen Familienmitglieder nach 165 Tagen Krankenhausaufenthalt von ihren Schritten auf dem Weg des Zurückkehrens ins normale Leben überzeugen und das Kind / die Schwester / die Partnerin endlich einmal wieder in die Arme schließen können.

Ich schätze, auch Stephanie wäre sehr froh, wieder mal andere Menschen, vor allem die, die ihr so sehr am Herzen liegen, richtig zu sehen, sie zu hören und auch ihre Umarmung spüren zu können. Denn seit Ende Oktober bin ich ja eigentlich ihre einzige Besucherin – eben seit Carsten nicht mehr mit auf die Station kommen darf. Bis es aber endlich wieder soweit ist, bleibt es nach wie vor beim Vorlesen und auch beim Abspielen von Audio- und Videobotschaften … immerhin eine ganz passable Alternative in diesen Zeiten. Ganz ehrlich, was bin ich froh, dass die Technik heutzutage so viele gute Möglichkeiten zur Kommunikation bietet! Dennoch ist und bleibt eine persönliche Begegnung doch immer noch am besten    standard

Geduld, Geduld, Geduld. Ich schätze, das wird wohl mein Wort des Jahres werden, aber da bin ich ganz gewiss in sehr guter Gesellschaft    zwinker

2 Antworten zu “Wie geht es Stephanie ? … Fazit der achtzehnten Woche”

  1. Daniela sagt:

    Hallo ihr Lieben
    Ich bin so froh von all den guten Dingen zu lesen. Die Medizin und auch die Behandlungen interessieren mich auch immer wenn du alles beschreibst. Es ist doch auch faszinierend zu was wir alles fähig sind heutzutage. Ich hoffe einfach weiterhin dass es nur aufwärts geht für Stephanie und euch. Ich weiss nicht wie ich mich in so einer Situation verhalten würde und ob ich die Kraft hätte, gerade in dieser Zeit. Aber im Endeffekt hat man ja keine Wahl als stark zu bleiben für das Kind. Ich drück euch ganz feste und wünsche weiterhin alles Gute.
    Liebe Grüße aus den USA
    Stephens Familie

  2. Simone sagt:

    Liebe Olga, erstmal alles Gute nachträglich zum Geburtstag an Stephanie Sie sieht so hübsch aus . Ich kenn Sie ja nicht persönlich, aber in Ihren Augen sehe ich den starken Willen und den Frohsinn wie bei dir. Ich drück weiter beide Daumen und freue mich schon jetzt auf den nächten positiven Bericht von dir. LG Simone

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