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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 07.
Mrz

Stephanie bleibt auch diese Woche bei ihren kleinen Schrittchen, aber dafür weiterhin kontinuierlich. Das Personal ist jedenfalls nach wie vor begeistert und lobt selbst Dinge, die unsereins zunächst nicht als Vorteil wahrnimmt. So hat sie die letzten Tage zum Beispiel mit dem Schreien begonnen – anfangs ausschließlich in der Lautstärke eines Kampfjets, doch mittlerweile fängt sie zunächst leise an und erst, wenn man trotz ihrer kleineren Unmutsbekundung nicht mit dem Ungewollten aufhört, steigert sie sich hoch bzw. wird lauter. Das zeigt sich insbesondere am recht empfindlichen, linken Arm.

Aber an manchen Tagen kann sie dann schon wieder auch völlig anders reagieren, denn wo sie bei mir zuvor noch ihre Sirene angeworfen hat, durfte kurze Zeit später die Ergotherapeutin nach sehr viel gutem Zureden die linke Hand nehmen und in aller Ruhe die Orthese anlegen – ohne Geschrei, ohne Gegenwehr und ohne hohe Herzfrequenz. Mein Kind half sogar aktiv beim Reinschlüpfen und beim Positionieren der einzelnen Finger mit … mein Gesicht sprach in diesem Moment sicherlich Bände: „Du Biest !“

Dieses Sprunghafte ist aber auch in anderen Bereichen deutlich zu sehen. Bei meinen Besuchen ist sie entweder total offen und interessiert, guckt sich mit mir Fotos und eure zugeschickten Videos an …

… hört aufmerksam beim Vorlesen zu und macht auch beim Wiedererlernen von Zahlen, Buchstaben und Tönen super mit, an anderen Tagen ist sie dann aber völlig abwesend und scheint sehr stark mit sich selbst beschäftigt bzw. gedanklich ganz woanders zu sein. Sie liegt dann grübelnd da und führt immer wieder die gleiche Bewegung einzelner Körperpartien durch, z.B. ein ständiges Anheben und Plumpsenlassen des rechten Beins … fast die gesamte Besuchsstunde über. Aber auch hier sind sich die Therapeutinnen und das Pflegepersonal einig: es ist so toll !!!

Freude und Begeisterung riefen bei mir in dieser Woche u.a. diese Entwicklungen hervor:

  • Auf einem DinA4-Blatt habe ich ihr die Zahlen von 0 bis 9 gezeigt, sie noch einmal namentlich benannt und dann mit dem Ja/Nein-Code abgefragt: sie macht zwar immer nur für einen sehr kurzen Zeitraum mit, aber als ich auf die 5 zeigte und fragte, ob das die 5 sei, hat sie das bejaht. Als ihr die 3 zeigte und diese fälschlicherweise als 2 betitelte, hat sie verneint. Es dauert aber nicht lange und sie verliert das Interesse bei so viel Banalität    standard    dann möchte sie nicht einmal mehr das Zahlenbrett angucken und dreht sich demonstrativ weg. Die kleinen Schritte mal wieder …

  • Einem Kind muss man in der Regel erst einmal sehr geduldig beibringen, wie man sich beim Gähnen gesellschaftlich korrekt verhält. Stephanie kann dafür aber ja nicht ihre Hände benutzen, also geht man bei ihr davon aus, dass sie den Mund weit aufreißen wird. Doch erstaunlicherweise ist das nicht (immer) der Fall, denn sie versucht trotz ihres Handicaps gute Manieren zu zeigen und gähnt bei geschlossenem Mund. Ich war jedenfalls sehr beeindruckt, denn beigebracht hat ihr das sicherlich in der letzten Zeit niemand.
  • Als sie mir auf die Frage, ob ich als nächstes aus einem Kinderbuch, einem Krimi oder einem Sachbuch vorlesen soll, nicht mit JA oder NEIN antworten wollte, kam von ihr ein Schulterzucken. Für mich eine direkte Reaktion auf meine Frage, aber nun mit einer völlig neuen Möglichkeit. Zudem scheint sie auch immer wieder mal Aussagen mit einem Hmmmmm zu quittieren … mal sehen, wann ich ihr das sächsische „Nu“ entlocken kann    zwinker
  • Aus dem letzten Buch habe ich immer die kleineren Texte seitenweise vorgelesen und dann gemeinsam mit ihr die Bilder angeschaut und erklärt. Dabei guckt sie sich diese schon sehr intensiv an und als ich mal das Buch bewegt habe, sind ihre Augen dem auch adäquat gefolgt, d.h. sie starrt nicht nur darauf, sondern fixiert auch korrekt.
  • Anfang der Woche wurde das Pflaster am Hals noch regelmäßig ausgetauscht, aber dann hat man es ganz weggelassen und man kann nun das Loch des Tracheostomas sehen. Von innen scheint es schon wieder richtig zugewachsen zu sein, sodass auch hier eine nachträglich Operation sicherlich nicht mehr nötig sein wird. Sorry, das Bild sieht etwas erschreckend aus … es ist kurz nach einer Pflasterentfernung entstanden, aber mittlerweile sieht alles wesentlich unauffälliger aus.

  • Für einen Riechtest habe ich mal eine Packung Früchtetee mitgebracht. Das erste Schnuppern beendete sie noch mit einem deutlichen „Bäh“ als Gesichtsausdruck, aber nach mehrmaligen Versuchen fand sie doch wieder Gefallen am Duft ihres ehemaligen Lieblingsgetränkes – jedenfalls ist Tee eines davon (gewesen).
  • Auch die im letzten Blogeintrag beschriebenen Greifübungen führe ich weiter mit ihr fort. Dabei gebe ich ihr etwas in die Hand und sie versucht, es mit den Fingern zu umschließen. Wenn es dann aber doch nach einiger Zeit aus der Hand rutscht, sucht sie das Verlorene tastend auf dem Bett und legt ihre Hand wieder drauf, um es weiterhin im Zugriff zu behalten.

Vom Klinikpersonal bekomme ich ebenfalls viele positive Rückmeldungen und man schaut wohl auch gerne mal in ihr Zimmer rein bzw. kommt an ihrem Bett vorbei:

  • Tagsüber ist sie in der Regel immer gut drauf, lächelt und lacht viel mit diesen Kurzbesuchern und macht auch freiwillig viel mit … wenn ich dann allerdings abends für die eine Stunde zu Besuch komme, finde ich sehr oft ein müdes Kind vor oder sie ist so groggy, dass sie am liebsten nur noch ganz seicht betüdelt werden möchte. Dafür genieße ich die Zeit am Wochenende umso mehr, denn da habe ich ihre vollständige Aufmerksamkeit – und das zum Teil auch gleich für mehr als nur eine  Stunde.
  • Die Aufrichtung mit dem Stehbrett klappt zunehmend besser (ca. 70 Grad) und auch der linke Fuß lässt sich immer mehr wie gewünscht positionieren. Das Botox scheint also auch hier gut zu wirken.
  • Man berichtet mir von Weinen – so richtig mit verzogenem Gesicht und Tränen – und anderen Gefühlsausbrüchen, vom Austesten bzw. Nachmachen bei Tönen oder Lauten und somit dem Wiederentdecken ihrer Stimme, von der Erweiterung ihres JA und NEIN um das zustimmende „Hmmmm“ und vom Mitmachen bei Dingen, die für uns so selbstverständlich klingen, wie z.B. ein aktives Schnauben beim Naseputzen.

Ich entdecke auch selber bei meinen Besuchen, dass Stephanie sich immer mehr mit einer verbalen Kommunikation versucht und sich ab und zu schon etwas darüber ärgert, dass man sie gar nicht so richtig und vor allen Dingen nicht auf Anhieb versteht. Ich glaube, das ist aus ihrer Sicht bestimmt die nächste „Baustelle“, die sie für sich selbst ausgemacht hat. Sie ist ja vom Wesen her eine sehr kommunikative Person und ich kann mir vorstellen, dass das Zuhören allein nicht so die Erfüllung ihrer Träume ist. Seit gestern hat sie großen Gefallen am Buch „Der Junge, der Maulwurf, dar Fuchs und das Pferd“ von Charlie Mackesy gefunden. Ich habe es von einer Freundin zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen und fand es einfach zauberhaft. Und Stephanie mag es jetzt offensichtlich auch. Wir haben gestern über eine Stunde dafür gebraucht, dabei hat das Buch gar nicht so viel Text    standard    aber Stephanie hat sich auf jeder Seite recht lange und sehr aufmerksam die Bilder angeschaut … mal mit einem Lächeln, mal etwas traurig. Es hat sie offensichtlich sehr berührt.

Ansonsten haben wir heute außerdem mit „Pippi Langstrumpf“ angefangen, aber noch ist mein Kind von der Heldin ihrer Kindheit nicht so ganz überzeugt – vielleicht liegt es aber auch an meinen Vorlesekünsten    zwinker

Ich gebe mir immer sehr viel Mühe beim Vorlesen der vielen Postkarten und Briefe für unser Kind, welche in letzter Zeit bei uns eintrudeln. Mitgeschickte Bilder werden ebenfalls lange von ihr angeschaut, dabei sehr oft auch mit einem Lächeln auf den Lippen. Vielen lieben Dank an die fleißigen Schreiber!!!

Eine Antwort zu “Wie geht es Stephanie ? … Fazit der zweiundzwanzigsten Woche”

  1. Elisabeth sagt:

    Liebe Olga,

    kleine Schritte mit großer Wirkung!
    Es ist so schön zu lesen, wie Steph Stück für Stück wieder in das „normale“ Leben zurückkehrt.
    Immer mehr Mimik und Gestik, mehr Geräusche, mehr Wiedererkennen, weniger OP-Bedarf – eben immer mehr Stephanie.

    Ich denke an Euch und freue mich über jedes kleine und große Erfolgserlebnis!

    Liebe Steph,

    YOU GO GIRL! cool
    Du alter Dickkopf, du unfassbar ehrgeiziger Mensch! Du Maschine, du schaffst alles!

    Dicke Umarmung und die besten Wünsche,

    Elli

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