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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2022 22.
Mrz

Jetzt ist es wirklich passiert: wir haben Stephanie am Sonntagabend nach Lüneburg ins Pflegezentrum gebracht … und es fühlte sich anfangs sooo falsch an. Wir kamen uns auf der Heimfahrt ein wenig wie Verräter vor – blöd, nicht? Doch solche Gedanken hatten wir damals auch schon, als die Entscheidung getroffen wurde, sie nicht mehr jeden Tag zu besuchen. Da hatten wir am ersten Abend in der Wohnung genau das gleiche Gefühl …

Die letzten sechs Wochen kommen uns wie Monate vor, aber nicht wegen der zusätzlichen Arbeit und der schon etwas fremdgesteuerten Freizeitbeschäftigung, sondern mehr aufgrund der vielen Dinge, die wir gemeinsam erleben durften. Wir haben mal in unseren Gedanken gesammelt und die Liste der Erinnerungen ist echt lang geworden: zweimal Notaufnahme, mehrere Besucher, zahlreiche Ausflüge, Stephanies Geburtstag im Februar, unser Hochzeitstag eine Woche später, das Erlernen neuer Dinge, die spontane Fahrt nach Berlin für Sveta und vor allem unsere vielen gemeinsamen Stunden mit unheimlich intensiven Gesprächen. Das sollen nur sechs Wochen gewesen sein? Im Kopf nie und nimmer!

Und dann folgte das, was wir immer wieder herausgezögert haben: Packen.

Spätestens hier kam die erste Traurigkeit auf, aber zum Glück flossen selbst beim Abschied keine Tränen – ich war jedenfalls kurz davor und hätte vom Kind auch so etwas erwartet. Aber wir hielten uns alle ganz tapfer und freuten uns lieber innerlich auf das nächste Wiedersehen in der Woche und vor allem das kommende Wochenende wieder hier in Wentorf.

Zudem war da ja auch noch der Einzug ins neue Zimmer, welches anfangs noch total nackt war …

… aber durch ihr Regal und vor allem ihre Fotos wurde es nach ca. drei Stunden Umzugsarbeiten durchaus wieder etwas heimeliger:

Ich bin echt gespannt, wenn sie uns morgen von ihren ersten Tagen, Eindrücken und Erlebnissen aus dem Pflegezentrum berichten wird. Denn im Gegensatz zu den letzten sechs Wochen haben wir diesmal von ihrem Tagesablauf ja nicht viel mitbekommen. Im gemeinsamen Alltag unter der Woche und bei den Höhepunkten des Wochenendes waren wir schließlich immer hautnah mit dabei … genau da werde ich jetzt mal wieder ansetzten und einen kleinen Einblick geben.

Während unseres Home-Office-Alltags hat sie sich wie bisher auch ganz brav mit Lesen …

… Social Media, Apps, Wordle und Puzzeln …

… die Zeit vertrieben. Bei Letzterem verliebte sich sich vor allem in das Geschenk einer langjährigen Bekannten von mir, die unserem Kind ein Set aus drei 12-teiligen Holzpuzzle zuschickte. Bis auf wenige Ausnahmen und vor allem innerhalb ihrer Aufmerksamkeitsspanne bzw. Konzentrationszeit von ca. einer Stunde schafft sie diese fast ohne fremde Hilfe zusammenzulegen.

Und zu erwähnen ist natürlich auch das Hören von Musik – dank des tollen Wetters war dies zunehmend auf dem Balkon möglich:

Während dieser Stunden ist sie immer ganz ganz weit weg mit ihren Gedanken – Musik war und ist auch weiterhin ihr Leben!

Am Mittwochmorgen konnten wir uns ausnahmsweise mal an diesem Anblick erfreuen:

Denn wir mussten früher aufstehen als sonst, da Sveta kurzfristig einen morgendlichen Onkologentermin in Hamburg bekommen hat. Carsten ist vor allem wegen der Fahrerei mitgekommen und somit konnte Stephanie nicht alleine zuhause bleiben. Während ich also mit Sveta bei der Ärztin war und dolmetschte, warteten die beiden im nahe gelegenen McDonalds und futterten sich durch das Frühstücksangebot:

Für Stephanie ein wahres Erlebnis, vor allem, da sie dort endlich den direkten Vergleich zwischen dem Original und unserer Sandwichmaker-Version der letzten Woche bekam – beides ist verdammt lecker!!!

Doch das größte Abenteuer war auf jeden Fall unser Ausflug nach Büsum am Samstag – leider ohne unseren ukrainischen Gast, der die Nacht davor nicht so gut geschlafen hatte. Nach ca. zwei Stunden Autofahrt mit unserem Anhänger sowie einer unverhofft kurzen Parkplatzsuche sogen wir das maritime Drumherum so gut es ging in uns auf:

Im Fischereihafen gönnten Carsten und ich uns erst mal ein Fischbrötchen, Stephanie entschied sich für Kibbeling mit Remouladensauce – für die Unwissenden: frittierte Fischstücke im Backteig. Danach erklommen wir den Deich und erhaschten einen ersten Blick auf die Nordsee:

Leider war vom Watt nicht viel zu sehen, da wir unseren ca. 6 km langen Deichrundgang während der Flut absolvierten, doch auch ohne diese Besonderheit strahlt diese Ecke hier so viel Schönheit aus. Wir genossen jeden Meter …

… freuten uns über das sehr angenehme Wetter (nicht zu kalt und nicht zu windig) …

… und hatten zu jeder Zeit unseren Spaß:

Wirklich immer? Naja, fast immer …    zwinker

Für wen war diese Tour wohl am entspanntesten? Rrrrrrrrichtig …

Nur auf ein leckeres Steak mussten wir bzw. vor allem Carsten verzichten, da das angesteuerte Restaurant leider wegen Corona geschlossen hatte. Kurz vor dem dem Parkplatz wurden wir aber doch noch fündig und mussten die zweistündige Heimfahrt nicht mit knurrendem Magen bewältigen:

Natürlich gibt es auch in Büsum genügend andere Restaurants, aber viele hatten (noch oder wieder) geschlossen, einige haben die Coronazeit nicht überlebt (z.B. das „Luzifer“) oder sie sind eben nicht so ohne weiteres mit einem Rollstuhl zu befahren (z.B. „Gosch“). Doch egal, die Currywürste mit Pommes haben uns nach dem Spaziergang auch sehr gemundet und glücklich gemacht. Oder können diese Gesichter etwa lügen?    zwinker

Was Sveta während dieser Zeit genau gemacht hat, wissen wir nicht, aber sicherlich verbrachte sie auch ein paar Momente an bzw. in ihrem derzeitigen Lieblingsplatz bei uns:

Und damit bin ich auch schon mit der Beschreibung der 76. Woche durch … über die erreichten Dinge von Stephanie werde ich sicherlich in den nächsten Beiträgen etwas mehr eingehen, denn wie ich schon beim letzten Mal beschrieben habe, ist während des täglichen Umgangs mit ihr nichts Weltbewegendes festzustellen, da alles irgendwie so alltäglich scheint.

Doch jetzt nach zwei Tagen ohne das Kind fallen mir spontan schon ein paar Dinge ein: sie putzt sich selbstständig die Zähne, selbst mit nur einem Finger auf der Tastatur schreibt sie recht flott längere Texte und ich finde, dass sie ihren Körper noch viel besser in den Griff bekommen hat. Gut, die Spastik wirkt sich oft noch sehr hinderlich aus, aber Stephanie gibt nicht auf und versucht eben auch diese Körperteile immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen. Vor allem die linke Hand kommt dabei vermehrt zum Einsatz und beim Essen guckt sie bei uns zunehmend die aufrechte bis hin zur nach vorn gebeugten Sitzhaltung ab, um möglichst wenig auf ihren Kleidungsschutz zu kleckern. Vor allem hinterfragt sie immer mehr und mehr Dinge und möchte dann von uns auch das Wie und Warum wissen. Sie will definitiv zurück zur Normalität und zu ihrer Unabhängigkeit und kämpft mit allen Möglichkeiten – Bravo, weiter so meine Kleene!!!

4 Antworten zu “Wie geht es Stephanie ? … Fazit der sechsundsiebzigsten Woche”

  1. anna sagt:

    Hey, dein Schluss gefällt mir am Besten! Schon beim lesen hält man den Luft an – so weit ist die „Kleene“ lachen schon! Das ihre Körperhaltung sich verbessert hat, merkt man schon auf den Bildern. Kann nur zu euren „Bravo“ dazu applaudieren!

  2. Daniela sagt:

    Hallo ihr Lieben,
    Vielen Dank für den neuen Bericht und die Bilder.
    Freut mich das der Umzug doch gut vonstatten ging.
    Currywurst und Pommes ist immer gut
    Wünsche euch ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Bericht alles Gute!
    Liebe Grüße Daniela

  3. Anne MULLER sagt:

    Super, diese gelb-blauen Herzen!
    Und ich spiele übrigens jetzt öfters mal Wordle, seit ich hier davon erfahren habe… Auch schön für mich, Schloß Reinbek wiederzusehen, ist ja ganz nah von meiner Schwester…

  4. Anne MULLER sagt:

    Super, diese gelb-blauen Herzen, gute Idee und sieht hübsch aus!
    Und ich spiele übrigens jetzt öfters mal Wordle, seit ich hier davon erfahren habe… Echt ganz netter Zeitvertreib für kurz mal zwischendurch.
    Und auch schön für mich, Schloß Reinbek wiederzusehen, ist ja ganz nah von meiner Schwester…

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