Home     I     Olgas Welt

     
 
 
   

 
Kommentar:   

 
Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 14.
Nov

Heute tue ich mich zugegeben etwas schwer mit dem Einteilen der Themen, denn sowohl ein Revue passieren lassen nach Tagen w√§re m√∂glich, aber eigentlich auch nach Fortschritten und Ereignissen – ich habe mich nun letztendlich f√ľr das zweite entschieden.

Am ereignisreichsten war wohl eindeutig der Donnerstag … der 11.11. … St. Martin … und f√ľr diesen Tag hat sich das Pflegezentrum mal wieder etwas ganz Tolles und R√ľhrendes einfallen lassen. Zun√§chst hat man alle Bewohner am sp√§ten Nachmittag zusammengeholt und gemeinsam gegessen – Stephanie war von der Ente und dem Rotkohl total begeistert! Danach brachte man die Anwesenden mit ihren, in den letzten Tagen gebastelten Laternen nach drau√üen und versammelte sie um den Rasen im Innenhof, wo mit Lichtern, Fackeln und Lagerfeuer eine richtig tolle Stimmung geschaffen wurde:

Und mit eben diesen Laternen in den H√§nden stimmten dann alle, Bewohner und Personal, in Begleitung einer Gitarre zu den typischen St. Martin-Liedern an: „Laterne, Laterne – Sonne, Mond und Sterne“ und „Ich geh‘ mit meiner Laterne“. Wir waren sehr erstaunt, wie gut Stephanie die Texte wieder aus ihren Erinnerungen kramen konnte und sie mit uns allen mitgesungen hat – so toll!

Anschlie√üend wurde w√§rmender Punsch gereicht und Stephanie kam sogar sehr sch√∂n mit ihrem hei√üen Getr√§nk in der Tasse zurecht. Nur das Pusten musste Carsten √ľbernehmen …

Und genau dieses direkte Trinken aus der Tasse, also ganz ohne Strohhalm oder andere Hilfsmittel, zeigte sie gleich mehrfach in dieser Woche – f√ľr uns w√§re damit mal wieder ein kleiner Meilenstein von der Aufgabenliste geschafft. Denn egal ob Kaffee aus der Tasse oder ein Kaltgetr√§nk aus dem Pappbecher, es wird nicht gekleckert, nichts zerdr√ľckt oder fallengelassen:

Ok, das Feintuning, wie z.B. das Halten einer Tasse am Henkel, fehlt noch    zwinker

Auch beim Essen geht nun immer weniger daneben bzw. f√§llt auf den Latz. Selbst beim ganz alleinigen Ausl√∂ffeln einer halben Dose Mais (sie war ja sooooo gl√ľcklich √ľber diese K√∂stlichkeit!) hat sie am Ende nicht ein einziges K√∂rnchen vom Teel√∂ffel verloren. Ihre rechte Hand f√ľhrt mittlerweile eine so ruhige und zielgerichtete Bewegung aus, an die vor ein paar Monaten noch gar nicht zu denken war:

Mit Linki konnten wir im Nachhinein noch das unterst√ľtzende Festhalten der Dose √ľben, da Stephanie derzeit noch das Abstellen auf dem Tisch f√ľr einen festeren Stand und das waagerechte Halten nicht ganz konsequent einh√§lt – sie hebt vieles automatisch hoch. Ein solche Maisdose ist n√§mlich doch etwas gr√∂√üer im Umfang als die bisher zu haltenden Yoghurtbecher und das wird dann eben sehr viel komplizierter und anstrengender f√ľr ihre linke Hand …

Eigentlich fehlt ihr jetzt (mal vom Zu- und Vorbereiten abgesehen) nur noch das Essen mit Messer und Gabel bzw. das Schneiden von Dingen. Demnach hat sie die Grundfertigkeiten doch relativ schnell wieder erlernen können, denn sie beherrscht völlig ohne Probleme:

  • die selbstst√§ndige Einnahme von Medikamenten, egal ob fl√ľssig im kleinen Becher oder in Tablettenform
  • das Trinken aus einem Becher, einer Tasse, einer Dose oder einer Flasche
  • das Essen mit Besteck vom Teller oder Brettchen
  • das relativ gute Leeren von Tellern, Sch√§lchen oder Dosen

(Mutter)Herz, was willst du mehr?!?!    standard

Und auch mit ungew√∂hnlicheren Darreichungen kommt sie nach einer kleinen m√ľndlichen und optischen Anleitung wunderbar zurecht. Diesen (neudeutsch) Schaum- bzw. Schokokuss …

… verputzte sie genau so souver√§n und „unfallfrei“, wie auch unsere mitgebrachten TicTacs und „Pfeffis“ (erst lutschen, dann zerbei√üen), Gummib√§rchen und Kaubonbons sowie ihre damalige und heute auch noch allerliebste Kalorienbombe: Donuts

Weil wir die Woche mal im Hamburger Hauptbahnhof waren, kauften wir bei ihrem favorisierten Donut-H√§ndler gleich mal ein Duzend dieser K√∂stlichkeiten ein, die wir dann an mehren Tagen unter uns dreien aufteilten, damit sie auch wirklich mal von jeder Variation probieren konnte. Und dabei strahlte sie wieder wie ein Honigkuchenpferd, mein √ľberaus gl√ľckliches Kind!

F√ľr sie und uns gab es die letzten Tage aber auch noch andere Gr√ľnde zum Freuen. Am Samstag bekam sie z.B. Besuch aus Berlin, mit dem sie wieder alte Erinnerungen austauschen konnte – manches ist sogar recht gut abrufbar gewesen:

Nur an den Besuch von Laura in der Klinik in Geesthacht Mitte Juli konnte sie sich leider so gar nicht mehr so genau erinnern. Doch die beiden haben sicherlich vieles wieder auffrischen k√∂nnen, denn in den fast vier Monaten von damals bis heute hat Stephanie laut wortw√∂rtlicher Aussage einer Therapeutin „einen Quantensprung“ hingelegt … auch wenn mein Kind das nicht immer so ganz sieht und obgleich ihrer Fortschritte immer ein klein wenig ungeduldig ist.

Und um eben genau diese Auffrischung von damaligen Ereignissen weiter zu f√∂rdern, verbringen wir beide an unseren M√§dels-Sonntagen gleich mehrere Stunden mit dem Bl√§ttern durch Fotoalben und dem gegenseitigen Austausch √ľber das Wann, Wo, Warum und vor allem mit wem:

Dadurch wird aber nicht nur ihr Geist und die Erinnerung trainiert, sondern gleich auch ihre Motorik Рguckt euch hier mal an, wie sie mittlerweile selbstständig die Seiten umblättert:

Vor nicht allzu langer Zeit hat sie die Seiten nicht einzeln in die Finger bekommen, beim Blättern geknickt und ihre linke Hand wusste auch noch nicht, welche Hilfestellung in ihr steckt. Ein weiterer Haken auf unserer langen Liste an Baustellen konnte somit endlich gesetzt werden.

Wo sie aber derzeit gar keinen Draht zu findet, ist das √Ėffnen und Schlie√üen einer Pappbox. Wir √ľben jetzt sogar schon mit verschiedenen Gr√∂√üen, aber der z√ľndende Gedanke blieb bei ihr bislang aus. Auf Anweisung und mit kleineren Hilfestellungen bekommt sie zwar irgendwann den Deckel auf, aber eine eigene Strategie hat sich bei ihr leider noch nicht entwickelt. Es scheint so, als h√§tte sie noch immer nicht ganz verinnerlicht, was eigentlich das √Ėffnen und Schlie√üen des Deckels von ihr verlangt. Aber wir bleiben weiter am Ball, um ihr mit diversen gro√üen, kleinen, eckigen und runden Boxen aus Pappe und Blech immer wieder das Prinzip zu zeigen, zu erkl√§ren und zu verdeutlichen. Irgendwann wird es wie bei den anderen Dingen schon Klick machen und dann lachen wir alle √ľber die bisher sehr unbeholfen aussehenden Versuche und gelegentliche Verzweiflung – w√§re ja nicht das erste Mal.

Beim Schachbrett hat es so doch ebenfalls geklappt – was zun√§chst wie ein unm√∂gliches Unterfangen begann, bereitet ihr heute keinerlei Probleme mehr. Das Karomuster bringt sie nicht mehr aus der Ruhe, Schachfiguren und Damespielsteine werden auf Anweisung dort positioniert, wo sie hingeh√∂ren und auch mit dedizierten Feldangaben, wie z.B. A4 oder C7, kann sie durch Abz√§hlen jetzt schon etwas anfangen. Darin ist Stephanie allerdings noch nicht so ganz sattelfest, sodass sie oft noch m√ľhsam z√§hlend jedes Feld abh√ľpft oder manchmal auch statt nur schnurstracks nach oben mal nach rechts oder links abbiegt.

Und sie setzt immer selbstverst√§ndlicher Linki gleich mit ins Geschehen ein, sei es zum Herausholen und √úbergeben oder auch zum Fixieren und Festhalten. Selbst, wenn sie durch diese zus√§tzliche Fummelei (Greifen und Feinjustierung f√§llt ihr mit dieser Hand noch besonders schwer) meist sehr viel langsamer ist, sie gibt einfach nicht auf und von uns bekommt sie alle Zeit der Welt, die sie braucht. Unsere Ungeduld und das Bew√§ltigen der vielen Baustellen k√∂nnen wir heute sehr viel besser koordinieren und auf die jeweilige Gem√ľtslage des Kindes und der Umwelt abstimmen, als noch vor einem halben Jahr. In dem Sinne ist sie sowieso ihr sch√§rfster Kritiker    zwinker

Dabei sieht sie aber leider eben nicht immer die wirklichen „Fortschrittchen“ – wir aber. Und wir testen diese auch hin und wieder mal aus. So z.B. kurz vor dem Gehen, wo Carsten ihr einmal wortlos die Seniorenfernbedienung √ľbergeben hat und sie ohne Anweisungen oder √§hnliches ihren Fernseher einschaltete, den Kanal auf ihr geliebtes „Deluxe Music“ umstellte und auch weil n√∂tig die Lautst√§rke justierte. Wir waren sehr beeindruckt, denn bei der √úbergabe und dem Anlernen im Oktober sch√ľttelten wir beide noch die K√∂pfe dar√ľber, dass sie so viele Probleme mit den lediglich sechs Kn√∂pfen hatte … und jetzt trotz wenig √úbung durch uns: Profimodus!

Zum Abschluss möchte ich noch eine kurze Erklärung zu diesem tollen Bild abgeben:

Am Donnerstag ist eine Therapeutin noch einmal durch die Zimmer gegangen, um auch den Patienten ein kleines St√§ndchen auf der Gitarre zu geben, die eben nicht das Bett verlassen und mit in den Innenhof zum Feiern kommen konnten. So also auch f√ľr die Zimmergenossin von Stephanie. Wir haben nat√ľrlich auch mitgelauscht und wurden in die Findung des dargebotenen Musikst√ľckes mit einbezogen – die Entscheidung fiel am Ende auf ‚ÄěMarmor, Stein und Eisen bricht‚Äú und interessanterweise war unser Kind beim Refrain auch hier relativ textsicher. Man kam danach so ins Gespr√§ch und da Stephanie w√§hrend ihrer Dresdner Zeit mal sowohl Fl√∂ten- als auch Gitarrenspielen gelernt hat, durfte sie das Instrument halten und selbst an den Saiten zupfen – damit hofften wir eventuell noch weitere Erinnerungen ausgraben zu k√∂nnen und Stephanie war ebenfalls nicht ganz abgeneigt. Wir wollen daran nun irgendwann mal ankn√ľpfen und sie zuk√ľnftig auf ihrer Gitarre von damals herumklimpern lassen, denn ggf. kann dadurch sogar etwas mehr Anreiz f√ľr eine noch viel bessere Bewegung (und Verwendung) von Linki mit herausspringen. Das h√§ngt dann am Ende aber nat√ľrlich ganz vom Kind ab …



2021 07.
Nov

Ich glaube, diesmal k√∂nnte es wirklich mal ein etwas k√ľrzerer Eintrag werden … viel Text sollte es jedenfalls nicht geben, denn wir waren nur dreimal bei Stephanie in L√ľneburg (DI, DO & SO – am Samstag kam ihr leiblicher Vater samt Frau aus Sachsen vorbei) und au√üer Essen und √úben ist eigentlich nicht viel passiert, √ľber das man hier berichten k√∂nnte.

Mittlerweile haben wir zudem fest eingefahren Rituale, die ich nat√ľrlich nicht in jedem Blogeintrag ausf√ľhrlich beschreiben m√∂chte. So z.B. das stundenlange Durchgucken von Fotoalben an unserem sonnt√§glichen M√§delstag oder ihr Versuch, eigenst√§ndig eine Pappbox zu √∂ffnen, um dann darin eine kleine S√ľ√üigkeit oder wie heute den Geschmack-des-Tages zu finden:

Leider tut sich Stephanie immer noch sehr schwer damit, aber wir kennen das ja. Wichtig ist, dass man nicht die Geduld dabei verliert, denn stetes Wiederholen hat bislang noch immer zum gew√ľnschten Ziel gef√ľhrt.

Durch das viele Angucken der Fotoalben kehren ebenfalls immer mehr Erinnerungen zur√ľck oder werden durch mein erg√§nzendes Erz√§hlen aufgefrischt. Und bei unseren Spielen mit Zahlen, Bildern und K√§rtchen schleicht sich zunehmend eine Routine ein, die ihr dann hilft, f√ľr neue Dingen gleich von Anfang an ein besseres Verst√§ndnis zu haben.

So konnte Stephanie letztens eine f√ľr sie v√∂llig neue Puzzle-App innerhalb k√ľrzester Zeit verstehen und dabei die Ziele erreichen, ohne vorher noch viele Anweisungen oder Erkl√§rungen von uns zu bekommen, wie es jedenfalls noch vor ein paar Wochen notwendig war:

Carsten hat diese Woche zudem mal wieder das Schachbrett rausgeholt – ihre Verwirrtheit durch das Muster Mitte August werden wir jedenfalls nicht so schnell vergessen:

„Ebenfalls irritiert waren wir, als sie […] so unvorstellbar gro√üe Probleme beim Aufstellen von Schachfiguren hatte. Sie sollte nur die acht wei√üen Bauern auf die zweite Reihe stellen, aber selbst unsere Hilfen per Fingerzeig halfen am Ende nicht und sie stellte die Figur nicht vor den Finger, sondern nur daneben oder versuchte es sogar dahinter. Jede Bauernfigur stellte f√ľr sie eine fast unm√∂gliche Herausforderung dar! Wir vermuten mal, dass sie einfach schon das Schachbrettmuster total √ľberfordert hat …“

Und dieses Mal? Keine Probleme! Alles klappte auf Anhieb!

Sie hat von Carsten die ersten zwei Bauern als Vorlage auf das Spielbrett aufgestellt bekommen und er dr√ľckte ihr danach jede Figur einzeln in die Hand, damit sie diese auf das benachbarte Feld positioniert. Klar, auch hier brauchte sie manchmal noch einen kleinen Fingerzeig auf die richtige Stelle, aber von Verwirrtheit war diesmal √ľberhaupt keine Spur. Am Ende standen in kurzer Zeit alle 16 Figuren dort wo sie hingeh√∂ren und das Kind freute sich wie Bolle … mit uns!

Ich habe insgesamt das Gef√ľhl, dass Stephanie mittlerweile sehr viel schneller begreift und erlernt, als noch vor ein paar Monaten. Innerhalb k√ľrzester Zeit hat sie sich jetzt u.a. schon eine fast autarke Einnahme der Medikamente erarbeitet, bei dem die Fl√ľssigmedizin im Becherchen angereicht werden kann und sie trinkt diesen ohne etwas zu versch√ľtten bis auf den letzten Tropfen aus. Dieses Ein√ľben hat erstaunlicherweise nur ganze zwei Besuchstage gedauert, danach konnte sie es schon. Die Tabletten legt man ihr auf den Tisch und sie greift und schluckt alle, egal wie gro√ü oder klein sie sind. Nur das Auspacken aus dem T√ľtchen oder dem Blister kann sie nat√ľrlich noch nicht.

Und auch von den Therapeuten bekam sie diese Woche eine Art Flei√übienchen (mit Sternchen)    zwinker

Selbst Malen und das Nutzen eines Stiftes geht ihr immer mehr ins Blut √ľber, denn bei diesen Wellenlinien klappt sowohl schon das Nachzeichnen als auch das Setzen einer parallelen Linie sehr viel besser, als noch vor wenigen Wochen bei sehr viel einfacheren Vorgaben:

Vor allem aber, weil sie weiterhin nicht aufgibt, immer ehrgeizig bleibt und am liebsten sogar erst einmal selbst herumt√ľfteln m√∂chte. Bei der oben erw√§hnten Box antwortete sie am Donnerstag auf Carstens Frage nach Hilfestellung („Soll ich es dir noch mal zeigen?“) wortw√∂rtlich: „Nein … wenn ich noch darf?“) – nat√ľrlich durfte sie, auch wenn sie es am Ende leider doch nicht ohne den entscheidenden Hinweis schaffte. Beim Schmieren ihres Brotes erkennt sie ebenfalls immer wieder Verbesserungspotential und ist am Ende sogar total entt√§uscht, wenn die K√ľchenhilfe diesen Part schon (aus Versehen) √ľbernommen hat …

Oftmals scheitert Stephanie aber leider auch einfach nur an ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne bzw. schwindender Konzentration, denn hier merkt man immer sehr deutlich, dass sie mit zunehmender Zeit mehr Fehler macht und somit stetig unkonzentrierter wird. Sei es beim Sprechen (zum Zeitpunkt unseres Kommens wird noch recht deutlich gesprochen, kurz vor dem Gehen fragt man fast schon bei jeden zweiten Satz nach) oder beim √úben (anfangs legt sie gut vor, doch mit jedem Durchgang schleichen sich zunehmend Fehler und Nachl√§ssigkeiten ein) … aber ihr Ehrgeiz bleibt ungebrochen, es l√§sst sich beides leider nur nicht miteinander vereinbaren    traurig

Was dem Kind auch √ľberhaupt nicht schmeckt, ist das jetzige Wetter und die Jahreszeit – sie will eigentlich unbedingt immer nach Drau√üen und vor allem zum Pavillon, doch sp√§testens nach der Zeitumstellung am letzten Wochenende haben wir nun nicht mehr nur das Problem der fehlenden, w√§rmenden Sonne, sondern auch gleich noch das mit den Lichtverh√§ltnissen:

Am Dienstag waren wir noch v√∂llig unvorbereitet und Carsten bastelte mit seinem Handylicht und einer Wasserflasche eine Tischleuchte oder musste mit dem Handy das Schmieren des Brotes ausleuchten, doch gegen Wind und K√§lte sind wir komplett machtlos. Das Lichtproblem h√§tten wir mittlerweile durch einen Zukauf dauerhaft gel√∂st, aber bei unter 10 Grad f√ľr Stunden am Tisch zu sitzen, macht auf Dauer einfach keinen Spa√ü. Und das, obwohl Stephanie es lieber k√ľhl statt warm mag …

Mit ihrem Muff (hier im Caf√© sitzend) kann sie wenigstens zus√§tzlich noch die H√§nde warm halten, aber das schr√§nkt nat√ľrlich das Portfolio der √úbungen immens ein. Wir sind derzeit auf der Suche nach einer besseren L√∂sung, mal sehen, was wir da f√ľr uns erreichen k√∂nnen.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Essen:

Das Fr√ľhst√ľck k√∂nnen wir nicht beurteilen, aber da sowohl das Mittagessen …

… als auch das Abendessen …

… mehr als reichhaltig und laut Stephanie auch sehr lecker ist, d√ľrfte es beim morgendlichen Mahl sicherlich nicht anders sein. Dennoch freut sich das Kind nat√ľrlich auch immer sehr √ľber unsere Mitbringsel, sei es eine kleine S√ľ√üigkeit (Schokolade, Gummib√§rchen, …), ein au√üergew√∂hnliches Getr√§nk (Coke, Pepsi, Smoothie, Dunkelbier, …), den Geschmack-des-Tags (diesmal waren es Currywurst, Schafsk√§se & Camembert) oder einfach etwas, was uns gerade in die Finger f√§llt und wir denken „Ja, das k√∂nnte ihr gefallen.“

Diese Woche waren das u.a. Pfefferminzlutschbonbons, denn „Pfeffis“ hat sie eigentlich immer gemocht. Sie mag sie auch weiterhin sehr, hat das eine recht lange gelutscht und es dann, als es zu klein war, wie eine Tablette heruntergeschluckt ‚Ķ beim n√§chsten Mal will sie mal das von uns empfohlene Zerbei√üen zum Abschluss anwenden    zwinker

Oder der Milchreis mit Zimt, den sie sich einmal explizit gew√ľnscht hat, und den sie nach dem Abendessen statt des hauseigenen Nachtisches mit Hochgenuss vertilgte. Wir k√∂nnen ja w√§hrend unserer Besuche am Dienstag und Donnerstag gemeinsam zu Abend essen und teilen dann all das, was wir so mitbringen – hier zwei Sorten Schafsk√§se und H√§hnchenst√ľcke mit Ketchup:

Kurz zusammengefasst: sie f√ľhlt sich in diesem Pflegezentrum weiterhin √§u√üerst pudelwohl, sie entdeckt zunehmend ihre F√§higkeiten wieder und fragt deshalb auch stets nach neuen Herausforderungen, √úbungen und Trainings, um a) die aufkommende Langeweile w√§hrend des restlichen Tages zu bek√§mpfen und b) schnellstm√∂glich ihre Genesung voran zu bringen. Heute fragte sie mich z.B., ob wir uns mal eine Weile auf Englisch unterhalten k√∂nnten … am Ende wurden es fast 30 Minuten. Da ist definitiv noch sehr viel Luft nach oben und Stagnation ist gl√ľcklicherweise noch ein Fremdwort    standard

Ich habe fertig … und, konnte ich wenigstens diesmal mein Versprechen aus dem ersten Satz einhalten? Vom Text her ist es auf jeden Fall weniger als sonst geworden    zwinker



2021 31.
Okt

Wahnsinn, bis zum Ende der n√§chsten Woche werden es bereits 100 Tage im Pflegezentrum in L√ľneburg sein. Und was Stephanie alleine nur in dieser Zeit insgesamt geschafft hat, l√§sst uns weiterhin hoffen und das Kind weiter enthusiastisch durchhalten – manches beherrscht sie schon wieder auf dem Effeff, f√ľr manches muss sie noch eine gewisse Routine entwickeln und manches steht allerdings noch ganz tief in den Startbl√∂cken.

Auch diese Woche haben sich wieder Dinge gezeigt, die in diese drei Kategorien eingeteilt werden k√∂nnen – und dabei war es trainings- und √ľbungstechnisch eine wirklich sehr kurze Woche f√ľr uns, denn am Donnerstag bekam sie am Sp√§tnachmittag Besuch von einer Geo-Kommilitonin aus Potsdam, die gerade auf der Durchreise nach Bremen war (wir lie√üen die beiden nach dem Erhalt des Abendessens und dem Erledigen des Organisatorischen, wie z.B. Medikamente, alles Zeigen etc., dann auch schon fr√ľhzeitig alleine) …

… und da unser gestriger Samstag recht voll mit Terminen war, fuhren wir diesmal schon morgens zu Stephanie und fr√ľhst√ľckten gegen 9 Uhr zusammen mit ihr – f√ľr sie war es bereits das zweite, wir waren noch n√ľchtern.

Sie durfte nat√ľrlich alles, was wir f√ľr uns so vom B√§cker oder von zuhause mitgebracht haben, einmal probieren:

  • Kaffee … „Hmmmmm!“
  • Eibr√∂tchen … „Lecker!“
  • Mettbr√∂tchen … „Noch leckerer!“
  • K√§sebr√∂tchen mit Schinken und Tomate … „Noch noch noch leckererer!“
  • Knacker … „Ich bin leider schon so satt.“
  • Franzbr√∂tchen, eine s√ľ√üe Zimtspezialit√§t hier aus dem Norden … „Mist, ich bin doch schon so voll!!!“

Bei dem ganzen Gemapfe konnten wir nat√ľrlich sehr viel weniger trainieren, √ľben und spielen, doch daf√ľr haben wir uns mal wieder so richtig leergequatscht. Sprechen geh√∂rt definitiv zur Kategorie „Effeff“, auch wenn so manche Aussprache noch etwas hapert, und auch das Essen hat sich mittlerweile in diese Kategorie eingereiht. Ja, es wurde nun gr√∂√ütenteils offiziell freigegeben – f√ľr das Kind wird ein Traum wahr: nichts ist mehr p√ľriert und es winken noch mehr Freiheiten beim Geschmack-des-Tages und Probieren!!!

Wir haben am Anfang der Woche mit der Logop√§din telefoniert und Stephanie hat nun wohl die letzte Stufe vor der Vollkost erreicht, da sie die letzten vier Wochen beim gemeinsamen Esstraining nicht ein einziges Mal husten musste und auch so keinerlei Probleme mit dem Kauen und Schlucken zeigte. Einzig stark Knuspriges mit Kr√ľmelbildung (Chips, Crouton, Kekse etc.) und N√ľsse (diese Br√∂sel werden n√§mlich trotz Spucke leider nicht weich) d√ľrfen noch nicht gegeben werden. Alles andere kann sie nun in kleinen Schritten und m√∂glichst noch unter Beobachtung ausprobieren und essen. Im Rahmen ihrer eigenen Zielsetzung planen wir deshalb zu Olgas Geburtstag Ende November ihre erste Pizza, in der ersten Dezemberh√§lfte ihren erster Burger (muss ja nicht unbedingt einer vom Goldenen M sein) und zum Jahresende ihr selbsterkl√§rtes Endziel, einen D√∂ner. Zum Eingew√∂hnen schieben wir vielleicht vorher noch einen D√ľr√ľm in den Ablauf mit rein. Aber ihre Freude k√∂nnte ihr euch sicherlich sehr gut vorstellen, oder?

Die „Selbstversorgung“ steckt daf√ľr leider noch stark in den Kinderschuhen. Beim Schmieren ben√∂tigt sich viel Hilfe und Feintuning – doch es wird zunehmend besser:

Ein Essen mit Messer und Gabel ist von uns zum Beispiel noch gar nicht in Erw√§gung gezogen worden. Daf√ľr kann man sie mittlerweile mit einem Teller, auf dem mundgerechten St√ľcke liegen, sowie dem dazugeh√∂rigen Gabel oder L√∂ffel getrost alleine lassen. Damit geht sie auf alle F√§lle verletzungsfrei und erfolgreich um – geh√∂rt also zur Kategorie „Effeff“.

Als wir Stephanie am Samstag zum Mittagessen in den Speisesaal geschoben haben, hat sie sich ab da komplett alleine um das L√∂ffeln ihrer Kohlsuppe und ihres Yoghurts gek√ľmmert, sodass wir uns nach dem Verabreichen der Medikamente und vor dem ersten Bissen bei ihr verabschieden konnten. Doch schon beim Umr√ľhren durch Carsten flatterten ihre N√ľstern und sie freute sich total auf dieses Mittagessen:

Carsten sagte, dass er gl√ľcklicherweise die Maske im Gesicht bzw. √ľber dem Mund hatte, denn auch f√ľr ihn war die Versuchung gro√ü, einen L√∂ffel davon zu probieren – es ist endlich wieder Kohlzeit, herrlich!

Zur√ľck zum Trainieren und √úben … so manches haben wir im Laufe der letzten Woche doch durchf√ľhren k√∂nnen:

Unter unserer Mithilfe und Anweisung kann Stephanie mittlerweile ein Tablet bedienen, z.B. um ein Video anzugucken, um bei Facebook einmal die Timeline ihrer Freunde anzusteuern und auch, um mit dem ein oder anderen ein kurzes Telefonat zu f√ľhren. Alleine d√ľrfte man ihr das iPad sicherlich noch nicht in die Hand dr√ľcken, aber das mit dem Wischen, Scrollen und Antippen von Schaltfl√§chen klappt recht gut. Also Kategorie „Vertiefen & Routine entwickeln“.

Sie wechselt aber auch sehr gerne mal in die analoge Fotowelt und guckt mit mir weiterhin stundenlang ihre zahlreichen Fotoalben durch. Heute war Nummer 5 an der Reihe und wir konnten wieder viele Gedanken austauschen, Erinnerungen ausgraben und Geschichten erzählen. Manches erkennt sie auf Anhieb, manches erst nach einer gewissen Hilfestellung und manches ist noch gar nicht freigelegt, d.h. es ist ihr völlig unbekannt.

Doch ihr Erkennen von Personen hat sich im Vergleich zum ersten Halbjahr sehr deutlich verbessert und auch eine Analyse von Bildern gestaltet sich mittlerweile immer zielsicherer. Ich kann mich noch erinnern, dass sie nicht einmal eindeutige Dinge oder Situationen auf zweidimensionalen Abbildungen identifizieren konnte, da sich ihr das Gesamtbild einfach nicht erschloss.

Jetzt kann sie mit sehr sehr sehr gro√üer Hilfe die kleinen Puzzles (6 Teile) zusammenbringen – Kategorie „Startl√∂cher“ – und Fragen zum Bild beantworten:

Sie findet die darauf abgebildeten W√ľrfel(augen) recht schnell, erkennt die Arme und F√ľ√üe des Maulwurfs und auf dem oben gezeigten Foto auch sofort den Ball. Und das sogar mit den korrekten Farben. Daran war vor zwei bis drei Monaten ebenfalls noch gar nicht zu denken. Ihr fehlte damals wohl noch v√∂llig das abstrakte Verst√§ndnis f√ľr Formen (rund), Dimensionen (auf dem Bild wirkt alles ganz klein) und Gegenst√§nde (Auto ? N√∂. Tiere ? Alles Wuff oder Miau.).

Es gibt insgesamt drei 6er-Puzzles mit dem Maulwurf, den sicherlich jeder noch aus seiner eigenen Kindheit kennt, doch man merkte sehr deutlich, dass sie beim ersten Zusammenlegen noch hochkonzentriert war, aber dann immer weiter nachlie√ü. Doch an dem Tag wollte sie unbedingt alle Puzzles beenden und nicht aufgeben! Ja, so kennen und lieben wir sie …

Dieses Durchbeißen und Durchhaltevermögen zeigt sie auch jedes Mal beim hier im Blog schon öfters beschriebenen Memory, mit dem wir uns ja auch immer mehr rantasten mussten:

Zuerst mit sechs (eigentlich eindeutigen) Abbildungen … anfangs ein gro√ües Problem, die Darstellungen von Wolke, Regenschirm, Huhn, Apfel, Birne und M√∂hre zu erkennen. Mittlerweile sind die ersten drei Genannten „Easy Peasy“ und selbst bei den drei „Fr√ľchten“ wirkt sie heute sehr zielsicher    zwinker

Eine erste Steigerung waren dann die Bildchen der √ľbrigen 18 K√§rtchen (Auto, Hydrant, Basketball, Zwiebel, Zitrone, Baum, Lineal, Affe, Hund etc.), die jetzt ebenfalls gut sitzen und nur noch bis auf sehr wenige Ausnahmen Probleme bereiten, d.h. erst nach kleineren Tipps erkannt werden. Da es aber nicht immer die gleichen Gegenst√§nde sind, die sie „vergisst“, denken wir hier eher an eine Konzentrationsschw√§che oder Ablenkung, als an das Nichterkennen dieses Bildes. Sp√§testens in der zweiten Runde kommen n√§mlich auch die nach kurzem √úberlegen wieder zur√ľck ins Ged√§chtnis.

Stufe 3 ist jetzt sogar schon, dass sie die schwarzen Schatten, also das eigentliche Memoryp√§rchen, zuordnen kann. Es liegen 10 Karten mit den bunten Bildern vor ihr und sie muss ein einzelnes Schattenk√§rtchen zuordnen. Plus den Zusatzschritten, die Karte vom Tisch aufzunehmen, idealerweise mit Linki umzudrehen, diese auf die bunte Karte abzulegen, das P√§rchen in einem Griff aufzunehmen und abschlie√üend nach links auf dem Tisch abzulegen. Das Drehen und Agieren mit Rechti beherrscht sie nahezu perfekt, doch bei Linki hat sie den Dreh noch nicht heraus bzw. verinnerlicht, √ľber den Rest muss man nicht sprechen – eindeutig „Effeff“.

Aus den Therapien gibt es au√üer dem oben bereits erw√§hnten Erfolg beim Essen (Logop√§die) noch eine kleine Information von den Ergotherapeuten: man versucht sich bereits am Transfer ohne Lifter zwischen Bett und Rolli! Dazu fiel im Gespr√§ch sogar schon die auf jeden Fall nicht ganz ernst gemeinte Klage „Meine pers√∂nliche Trainingseinheit schwindet immer mehr, da Stephanie mittlerweile doch schon viel zu viel alleine macht.“ – wir waren fast sprachlos … nein, besser: wir waren voll des Lobes!!!

√úbrigens, da Stephanie jetzt so gut wie alles essen darf, wird sie wohl demn√§chst auch hin und wieder bei den „Kochkursen“ mitmachen d√ľrfen und darauf freut sie sich sehr. Das Kochen und Ausprobieren neuer Rezepte hat sie ja schon w√§hrend ihrer Studentenzeit dank der zahlreichen Kochshows im Fernsehen und der gemeinsamen Kochabende mit Freunden sehr zu sch√§tzen und lieben gelernt. Und als Nebeneffekt ist jetzt nat√ľrlich auch die zus√§tzliche Besch√§ftigung innerhalb einer Gruppe nicht zu verachten. Unsere Kleine freut sich schlie√ülich immer √ľber die M√∂glichkeit, mit jemanden zu schnattern oder sich zu besch√§ftigen    standard

Funfact: gestern hat sie sich sogar einige Minuten lang mit Spatzen im Baum nebenan gleich mal in ihrer Sprache unterhalten … dabei klang ihr „Tschiep-Tschiep“ zumindest in meinen Ohren √§u√üerst authentisch und sie haben recht h√§ufig geantwortet    zwinker
Diese kleinen Kerlchen haben ihr Herz ja schon lange erobert    standard



2021 24.
Okt

Bevor ich diesmal die Highlights der Woche anspreche, fasse ich zuerst mal die Kleinigkeiten in Wort und Bild zusammen:

Wenn Stephanie und ich sonntags unseren M√§delstag haben, gucken wir u.a. f√ľr einige Stunden ihre Fotoalben durch, die sie von mir zum 18. Geburtstag bekommen hat. Damals √ľberreichte ich ihr insgesamt 10 St√ľck … liebevoll mit Abz√ľgen ab dem Babyalter gef√ľllt, mit Kommentaren versehen und im letzten Album sogar mit ganz pers√∂nlichen Frageb√∂gen und Zeilen ihrer Freunde, der Familie und aus dem sonstigen Umfeld – eben all diejenigen, dich ich damals unbemerkt erreichen konnte. Nun kommt ihr und uns diese geb√ľndelte Sammlung an Fotos bzw. Dokumentation ihrer Jahre bis zur Vollj√§hrigkeit sehr zu Gute, denn hiermit kann sie nicht nur das Umbl√§ttern √ľben, sondern auch gleich mal nachpr√ľfen, was noch im Ged√§chtnis geblieben ist und was durch Bilder und Storys von mir aufgefrischt werden muss.

In dieser Woche haben wir zudem √∂fters mal mit den Holzkl√∂tzen die Konzentration (Vorgaben nachbauen) und die Geschicklichkeit beider H√§nde (von Person zu Person weiterreichen) ge√ľbt. Dabei zeigten sich leider wieder die √ľblichen Schwierigkeiten bei der Orientierung und einer Probleml√∂sung, wenn sie eine sinnvolle Drehung der Steine (um welche Achse ?) √ľberdenken musste oder einfach nur eine Vorgabe (Buchstaben & Gebilde) nachlegen sollte. Wir denken aber, dass die stetige Wiederholung dabei helfen wird, zudem es ihr ja sogar noch recht viel Spa√ü macht    standard

Und nat√ľrlich kamen auch diesmal wieder etliche Hunde an unserem Pavillon vorbei, die uns mittlerweile sehr gut kennen, da wir ja immer wieder den Weg hierhin suchen. Einmal haben wir aber schon geschw√§chelt, denn das stundenlange Sitzen in der K√§lte wird zunehmend unangenehmer: da Stephanies Zimmergenossin nicht da war, konnten Carsten und ich mit dem Kind im warmen Zimmer bleiben und eben dort unsere gesamte Besuchszeit zelebrieren.

An dem Tag √ľbergaben wir ihr eine Seniorenfernbedienung – also nur mit Kn√∂pfen f√ľr Ein/Aus (1x), f√ľr den Programmwechsel vor & zur√ľck (2x) sowie f√ľr die Lautst√§rke lauter, leiser & stumm (3x):

Im Zimmer konnten wir mit ihr jedenfalls mehrfach die Nutzung dieser intensiv √ľben, ohne vorher Trocken√ľbungen fernab des Fernsehers einplanen zu m√ľssen. Doch es ist echt erstaunlich, wie sehr sie schon nur diese sechs Tasten aus dem Konzept bringen k√∂nnen, w√§hrend sie andere komplexe Dinge im Nu beherrscht oder sogar noch im Ged√§chtnis hat. Egal, jetzt k√∂nnte sie jedenfalls selbstst√§ndig durch die Grundsender ARD, ZDF, NDR, RTL, RTL2, SAT1, Kabel1, Pro7, VOX und vor allem ihr hei√ügeliebtes Deluxe Music zappen. Sie braucht sich jetzt nur noch mit ihrer Mitbewohnerin einigen und nicht mehr umst√§ndlich f√ľr jede Ver√§nderung die Pflege zu sich rufen.

In dieser Woche waren der Geschmack-des-Tages ein Kringel Fleischwurst am Dienstag (wir waren echt √ľberrascht, wie selbstverst√§ndlich sie die mundgerechten St√ľcke mit der Gabel wahlweise in Ketchup, Senf, Remoulade oder in einer Kombination aus diesen eingetunkt hat!), eine Schale Kartoffelsalat am Donnerstag, Dominosteine und gef√ľllte Lebkuchenherzen am Samstag und heute eine Schlangengurke. Doch bald m√ľssen wir uns wahrscheinlich extravagantere Dinge einfallen lassen, denn die Logop√§den scheinen weiter gelockert zu haben – Stephanie bekommt ihr Mittagessen mittlerweile unp√ľriert! Allerdings ergeben sich f√ľr uns dadurch nun auch endlich mehr M√∂glichkeiten (z.B. Currywurst) und vor allem ihr Zwischenziel (Burger) sowie das Endziel (D√∂ner) r√ľcken immer n√§her. Sie freut sich jedenfalls b√§rigst und √ľberlegt schon in Gedanken eifrig ihre Wunschzutaten …    zwinker

Schon beim allgemeinen Abendessen zeigen sich durch die Lockerungen ganz andere Möglichkeiten:

Und auch das flei√üige Lernen f√ľr ein bisschen mehr Selbstst√§ndigkeit bei der Zubereitung ist nach wie vor ungeb√§ndigt. Sie schmiert ihre Brote in unserem Beisein immer besser und das Herausholen von Butter oder Schmelzk√§se aus dem T√∂pfchen klappt mit Linki als Festhalter und Rechti als Messerschwinger schon fast perfekt bzw. mit nur noch wenig Hilfe durch uns – an der Front gibt sie auch nicht so schnell auf!

Im Gegenteil, denn sie ist weiterhin sehr entt√§uscht, wenn wir es mal nicht rechtzeitig in die K√ľche schaffen, um an unseren Besuchstagen die vollumf√§ngliche Vorbereitung ihrer Schnitten zu verhindern    zwinker

Und gestern freute sie sich zwar, als wir gegen 13:00 zu Besuch kamen, doch sie konnte noch nicht ihren Teller mit Oktoberfestk√∂stlichkeiten beenden. F√ľr die Bewohner hatte man am Samstag ein kleines bajuvarisches Fest ausgerichtet und typische Leckereien kredenzt, auf die Stephanie nun nicht so gerne verzichten wollte. Also schoben wir sie auf ihren Wunsch hin mitsamt der unp√ľrierten (!) Wurst- und Leberk√§sest√ľckchen mit s√ľ√üem Senf sowie Kartoffelsalat und Obadzda zum Pavillon, wo sie sogar ohne Schunkelmusik („So gar nicht mein Fall!“) ganz gen√ľsslich zu Ende futtern konnte. Wie auch bei unseren bisherigen Mitbringseln genoss sie hiervon ebenfalls sichtlich jeden Bissen:

OK, nun zu den Highlights:

Nummer 1 ist definitiv ihre supergut √ľberstandene, kleine OP zur PEG-Entfernung am Montag. Ihr erinnert euch, ich schrieb ja am 3. Oktober:

„In der 42. KW ist die Entfernung der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie = k√ľnstlicher Mageneingang) geplant ‚Ķ Stephanie freut sich wie Bolle und damit verbleibt am Ende mit dem Urostoma (k√ľnstlicher Blasenausgang bzw. SPK) nur noch ein einziger Dauerschlauch an ihrem K√∂rper“

… nun hat sie auch das endlich hinter sich!!! Wir sind sogar ganz au√üerplanm√§√üig am Montag extra einmal zu ihr nach L√ľneburg gefahren, denn da konnte mein Mutterherz einfach nicht anders. Ich wollte wissen, wie es ihr geht und wie sie den kleinen Eingriff inklusive Magenspiegelung so √ľberstanden hat. Es verlief alles perfekt und schon am n√§chsten Tag sp√ľrte sie gar nichts mehr davon. Nach unseren √úbungen und denen der Ergotherapeuten am Dienstag bescheinigten wir ihr das G√ľtesiegel „Fit wie’n Turnschuh“, denn sie scheute absolut keine Bewegung mit den Armen, dem Oberk√∂rper und dem Rumpf, welche Auswirkungen und Spannungen auf die Bauchregion mit sich brachten. Puh, ich war sehr erleichtert!!!

Das zweite Highlight war der gestrige Besuchstag, weshalb ich diesen jetzt auch gerne noch etwas ausf√ľhrlicher beschreiben m√∂chte – in Wort, Bild und Ton.

Am Dienstag lockten wir sie schon einmal aus ihrer Komfortzone heraus, indem wir sie dazu brachten, sich und ihre Arme ganz lang zu strecken, um von Carsten oder mir etwas in die Hand zu bekommen, was sie dann zur anderen Seite an die wartende Person wieder abgeben musste. Es war echt erstaunlich, wie viel Kontrolle sie wieder √ľber ihren Rumpf bzw. die dortigen Muskeln zu haben scheint!!!

Am Samstag toppte sie das Ganze sogar noch einmal, als sie sich völlig unvermittelt nach vorne beugte, um ihr Trinken vom Tisch zu holen:

Weil Stephanie sehr wahrscheinlich beim Oktoberfestschunkeln ihr Getr√§nk versch√ľttet hatte, wollte Carsten einmal den Rollitisch reinigen. Er hat ihn also abmontiert und wienerte auch gleich die Rollilehne mit, als sie sich dann ganz selbstst√§ndig nach vorne bewegte und nach ihrem Becher griff. Die Bewegung bis dahin kannten Carsten und ich schon: wenn sie ihre Arme nach vorne streckte, plumpste der Oberk√∂rper wie ein nasser Sack in Richtung Schoss und blieb dort liegen – zum Gl√ľck ist sie im Rolli ja angeschnallt. Doch diesmal schaffte Stephanie es auch ganz alleine wieder, den ganzen, f√ľr sie bislang viel zu beschwerlichen Weg zur√ľck in die R√ľckenlehne. Wir guckten uns und den mitgebrachten Gast an und wir m√ľssen wie ein Honigkuchenpferd gegrinst haben, denn weder der Gast noch das Kind konnten anfangs unsere √ľberschw√§ngliche Freude verstehen. Ohne Fremdhilfe zur√ľck in den Rolli zu schafften war uns v√∂llig neu, also scheinen ihr endlich auch die Bauch- und R√ľckenmuskeln wieder zu gehorchen – klasse!

Das wir vorher in dieser Richtung nichts gemerkt haben ist v√∂llig verst√§ndlich, denn wir haben in der Regel ja grunds√§tzlich den Tisch vor ihr angeschnallt und deshalb kam es nach unseren vorherig gemachten Erfahrungen im Krankenhaus (Stichwort: Plumpssack) nie beabsichtigt zu so einer Situation. Am Samstag lie√üen wir die Bewegungseinschr√§nkung dann nat√ľrlich f√ľr weitere √úbungen dieser Art weg. Sie nahm Gegenst√§nde vom Tisch auf …

… und reichte sie uns …

… oder bekam sie auch mal von dem dritten Besucher:

Zu dieser Person nun endlich mehr:
Wir hatten an dem Samstag eine Freundin mitgebracht und trotzdem sich beide bisher noch nicht pers√∂nlich gesehen hatten, erkannte Stephanie sie schon nur nach der Vorgabe des ersten Buchstaben vom Vornamen … auch hier eindeutig ein Beweis f√ľr die R√ľckkehr ihres Kurzzeitged√§chtnisses. Wir haben dem Kind sicherlich schon ein paar Male von meiner Arbeitskollegin erz√§hlt und auch schon Fotos gezeigt, aber in der letzten Woche kam Stina und ihre Absicht, einmal mit nach L√ľneburg zu fahren, jedenfalls nicht zur Sprache. Also ist das Wissen √ľber sie schon √§lter als zwei bis drei Wochen.

Als n√§chstes √ľberraschte Stephanie alle mit der Kommunikation, denn wir unterhalten uns mit Stina, einer geb√ľrtigen Franz√∂sin, in der Regel in einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch, Doch mit Stephanie konnte sie nun auch recht viel Franz√∂sisch sprechen, vor allem, da unsere Kleine als Sch√ľlerin mal einen B2-Abschluss im DELF-Sprachlevel absolviert hat. Klar, Stephanie philosophierte nun nicht gerade in langen S√§tzen oder √ľber komplizierte Themen, aber dennoch waren wir auch hier wieder einmal erstaunt, was sie ganz spontan so alles an Franz√∂sisch aus ihrem Wissensfundus hervorkramen konnte:

 
Stina meinte, dass ihre Aussprache super sei und man merkte dem Kind an, dass sie auch echt viel von allem verstanden hat. Stephanie biss sich zu diesem Zeitpunkt mit der französischen Sprache, der Rumpfbewegungen und sogar der Nutzung von Linki gleichzeitig durch und hatte trotzdem ihren Spaß dabei. Toll!!!

Weil das Wetter den ganzen Tag schon so herrlich war Рnach zwei Tagen Dauerregen und Sturm auf jeden Fall eine Wohltat Рdrehten wir zudem mal eine kleine Runde durch die an das Pflegezentrum angrenzenden Felder bzw. Wälder.

Und wieder ein Ah und Oh, denn Stephanie sah auch mal ohne langes Umhergucken Tiere rechts und links abseits des Weges … am Himmel waren z.B. mehrere Keile von G√§nsen zu sehen und auf der Bank sa√ü eine Katze, die sie ebenfalls recht schnell nach unserer Richtungsweisung fokussieren konnte.

Wir glauben, dass sie auch mal wieder froh war, etwas anderes als nur den Innenhof und das Pflegezentrum zu sehen, obgleich sie bei den vielen neuen Eindr√ľcken teilweise etwas √ľberfordert schien:

Schade, dass der Sommer bzw. die warmen Tage gerade jetzt vorbei sind …

Ebenfalls schade ist, dass sie das Lesen einer analogen Uhr komplett vergessen hat. Bevor wir sie zum Abendessen schoben, blieben wir an einer solchen Uhr stehen und fragten sie nach der Zeit:

Anhand des kleinen Zeigers gelang es ihr noch, die 5 zu erkennen, aber die Einordnung des gro√üen Zeigers zwischen der 2 und 3 und somit die Verkn√ľpfung zu 10 bzw. 15 Minuten war ihr nicht mehr m√∂glich. Diese Aufgabe wird sich also in die Liste ganz weit nach hinten einreihen m√ľssen, da sind zun√§chst noch ganz andere, viel wichtigere Baustellen auf der Agenda.

Doch an diesem Besuchstag waren Carsten und ich schon v√∂llig begeistert, was Stephanie f√ľr Fortschritte zeigte und welche anderen √úberraschungen, u.a. der Ged√§chtnisleistung, sie so ad hoc aus dem Hut zaubern konnte. Es bleibt demnach weiterhin hartn√§ckig bei unseren Credos „√ľben, √ľben, √ľben“ und „nicht aufgeben“ …



2021 17.
Okt

Schwupps, erneut ist eine Woche vorbei und ich durchforste die Meldungen aus dem Familienchat, gucke noch einmal durch alle meine erstellten Fotos (101 St√ľck) und Videos (51 St√ľck), um die Highlights f√ľr den Blogeintrag rauszusuchen und kann es wieder nicht glauben, was sich in der kurzen Zeit doch noch so alles an Ver√§nderungen ergeben hat. Im Vergleich mit dem vorherigen Besuch ist es immer nur wenig, aber mit dem Wochenr√ľckblick wird es dann doch so einiges!!! Stephanie entwickelt sich weiterhin √§u√üerst pr√§chtig und es gibt gl√ľcklicherweise erneut nur Sch√∂nes zu berichten – und vor allem von Fortschritten!

Als fast täglicher Besucher fällt einem das, wie gesagt, nicht immer so sehr auf, aber hier mal zwei Beispiele, die es dann doch sehr eindrucksvoll wiederspiegeln:

Als ein persönliches Fazit aus dem letzten Wochenende haben ihr Vater und seine Frau den folgenden Kommentar an die Familie geschrieben:

‚ÄěWir konnten mit den Besuchen wieder einige Fortschritte bei ihr sehen, gegen√ľber dem letzten Besuch. Und so sind wir gespannt auf die Fortschritte bei unserem n√§chsten Besuch.‚Äú

Es f√§llt also nicht nur uns auf!!! Zudem k√∂nnen wir auch noch die folgenden Bilder gegen√ľberstellen:

In etwas weniger als zwei Wochen schafft Stephanie (h√∂chstwahrscheinlich besonders Dank der kontinuierlichen Botox-Behandlungen), ihre linke Hand bzw. die letzten beiden Finger aus eigener Kraft immer weiter zu √∂ffnen. Auf dem Foto links sieht man ganz deutlich, dass sie den Ringfinger und den kleinen Finger relativ gekr√ľmmt h√§lt, da der Spasmus im Unterarm und im Handgelenk die Muskeln noch zu sehr an der kurzen Leine halten. Als sie mir dann aber gestern mal ihre Fingern√§gel zeigen sollte, gelang ihr schon diese weite √Ėffnung – klasse! Und ich konnte zudem alle Finger mit meiner Hand noch etwas gerader ziehen, ohne dass es ihr Probleme bereitete oder schmerzte:

Bei unseren Besuchen ist es uns nicht so sehr aufgefallen, aber durch den direkten Vergleich der Fotos mit fast 14 Tagen Unterschied ergibt sich eine ganz andere Sicht auf solche Fortschritte. Stephanie und wir freuen uns jedes Mal wie Schneek√∂nige … und zum Gl√ľck motiviert sie das immer noch zus√§tzlich, trotz der gef√ľhlten „Langsamkeit“ kontinuierlich weiterzumachen, egal wie stupide und langweilig die √úbungen auch sein m√∂gen.

Ja, selbst bei den „stupidesten“ √úbungen macht sie tapfer mit – manchmal muss sie sogar selbst so herzlich dar√ľber lachen, dass ihr Tr√§nchen √ľber die Wangen kullern (die sie mittlerweile aber auch selbst wieder wegwischen kann!). F√ľhrt doch mal selbst als Erwachsener folgende Sprach√ľbungen f√ľr ca. 10 Minuten durch, ohne vorher gelangweilt abzubrechen    zwinker

Carsten liest vor und Stephanie muss das (sinnlose) Wortkonstrukt dreimal deutlich wiederholen:

BA-LA-KA … BA-LA-KA, BA-LA-KA, BA-LA-KA
DA-LA-KA … DA-LA-KA, DA-LA-KA, DA-LA-KA
BA-LA-KE … BA-LA-KE, BA-LA-KE, BA-LA-KE
DA-LA-KE … DA-LA-KE, DA-LA-KE, DA-LA-KE
BA-LA-KI … BA-LA-KI, BA-LA-KI, BA-LA-KI
DA-LA-KI … DA-LA-KI, DA-LA-KI, DA-LA-KI
BA-LA-KO … BA-LA-KO, BA-LA-KO, BA-LA-KO
DA-LA-KO … DA-LA-KO, DA-LA-KO, DA-LA-KO
BA-LA-KU … BA-LA-KU, BA-LA-KU, BA-LA-KU
DA-LA-KU … DA-LA-KU, DA-LA-KU, DA-LA-KU
BA-LA-K√Ą … BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą
DA-LA-K√Ą … DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą
BA-LA-K√Ė … BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė
DA-LA-K√Ė … DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė
BA-LA-K√ú … BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú
DA-LA-K√ú … DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú
BA-LA-KAU … BA-LA-KAU, BA-LA-KAU, BA-LA-KAU
DA-LA-KAU … DA-LA-KAU, DA-LA-KAU, DA-LA-KAU
BA-LA-KEI … BA-LA-KEI, BA-LA-KEI, BA-LA-KEI
DA-LA-KEI … DA-LA-KEI, DA-LA-KEI, DA-LA-KEI
BA-LA-KEU … BA-LA-KEU, BA-LA-KEU, BA-LA-KEU
DA-LA-KEU … DA-LA-KEU, DA-LA-KEU, DA-LA-KEU

Und danach sogar als Doppelwort:

BA-LA-KA-DA-LA-KA … BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA
BA-LA-KE-DA-LA-KE … BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE
u.s.w.

Na, Hand aufs Herz, wer hat mitgemacht und sich wirklich alles durchgelesen?    zwinker

Wir kannten diese Art der √úbung schon aus der Klinik in Geesthacht, wo allerdings mit der Silbenkombination PA-TA-KA (mit E, I, O & U) die Zunge und der Mundraum trainiert werden sollte. Damals noch, damit man Stephanie √ľberhaupt verstehen konnte, heute, damit man sie bald noch sehr viel besser versteht. Und wir ziehen das auch gerne gemeinsam durch, selbst wenn Pataka, Balaka und Dalaka uns allen in drei Wochen mit ziemlicher Sicherheit aus den Ohren herauskommen wird.

Wie sehr sie diese Zungenbewegungen anstrengt, sehen wir alleine schon dadurch, dass Stephanie zu Anfang unseres Besuches nur recht wenig nuschelt, aber nach dem vielen Erz√§hlen und auch den diversen Sprach√ľbungen zum Besuchsende hin immer undeutlicher in ihrer Aussprache wird. Glaubt uns, nach „BA-LA-KA“ und „DA-LA-KA“ folgen n√§mlich noch weitere √úbungen, z.B. mit „Str√∂mern“ und „Klingern“ … eben alles im Dienst der Medizin, der Gesundheit und des Heilungsprozesses.

Wer uns kennt, wei√ü allerdings auch, dass wir selbst bei solch ernsten Dingen genug Bl√∂delpotential mit unterbringen und sogar das Kind spielt dabei gerne mit. Als es einmal um die Str√∂mungslaute (z.B. „fffffff“) ging, musste Stephanie vorgegeben Worte von Carsten wiederholen. Bei Fffffffffrankfurt h√§ngte sie noch schelmisch l√§chelnd ein „an der Oder“ mit an und bei Carstens ausgesprochenen „Ffffffffereinigten Staaten von Amerika“ korrigierte sie sofort, dass das nicht gilt und mit einem V geschrieben wird.

Ihr merkt, selbst die dr√∂gesten √úbungen k√∂nnen wir OLCAs uns noch schmackhaft machen und vers√ľ√üen … wow, das sind sehr gute Stichw√∂rter, kommen wir gleich mal zum Essen    standard

Zur Erinnerung: an unseren Besuchstagen in der Woche (nach der Arbeit) essen wir stets mit Stephanie gemeinsam zu Abendbrot und holen dabei in der Regel auch den Geschmack-des-Tages (teils nur f√ľr sie, oft aber auch f√ľr uns alle) aus dem Transportbeutel. Am Dienstag waren es gleich zwei Sorten Fleischsalat, die unser Kind nat√ľrlich √§u√üerst gerne gegen den eigentlich f√ľr sie vorgesehenen Frischk√§se eingetauscht hat    zwinker

Einmal g√∂nnten wir uns Baumkuchenspitzen, die im Inneren nicht so kr√ľmelig waren, sodass Stephanie diese ohne Versto√ü gegen ihre Lebensmittelvorgaben essen konnte. Wir fanden an dem Tag zudem erstaunlich, mit welcher Vorsicht sie die einzelnen St√ľcke f√ľr sich und uns aus der zum Teil hakeligen Verpackung, √§hnlich wie bei Dominosteinen, fischte, ohne die mit Schokolade √ľberzogenen Kuchenteilchen zu zerquetschen oder gar zu zerbrechen. Klar, es fehlt ihr sicherlich noch einiges an Feinjustierung und Geschick, aber ansonsten hielten wir ihre Ausf√ľhrung schon f√ľr eine sehr beachtliche Sache. Geschmeckt hat der Baumkuchen nat√ľrlich ihr und uns √§u√üerst lecker!

Am Donnerstag bekam sie India-Frischk√§se auf Graubrot, welches sie zuvor selbst schmieren musste. Hier machen sich nat√ľrlich schon unsere vergangenen Trainingseinheiten bemerkbar, auch wenn Stephanie gr√∂√ütenteils immer noch angewiesen und im Umgang mit dem Besteck etwas gef√ľhrt werden muss. Beim Essen durfte aber selbst Linki auch mal ran und hatte damit die St√ľcke einer Broth√§lfte mit der Gabel zum Mund zu f√ľhren. F√ľr den ersten Bissen brauchte sie noch etwas Unterst√ľtzung (siehe Foto), aber dann klappte es so gut, als h√§tte sie das schon seit Wochen so gemacht.

Die weiteren Geschm√§cker-des-Tages: da der India-Frischk√§se es ihr echt angetan hatte, versprachen wir f√ľr Samstagnachmittag den Rest aus der Schale mit kleinen Pitabroten (ungetoastet und somit weich) und heute holte ich ihr den Geschmack von Kiwis ins Ged√§chtnis zur√ľck. Beim Telefonat mit Carsten √§u√üerte sie jetzt sogar den Wunsch, einmal Rosenkohl probieren zu wollen, da wir diesen heute als Mittagessen hatten. Sie testet echt alles aus!

Vor oder zusammen mit dem Essen muss sie aber auch immer ihre Medikamente nehmen. Eine Zugabe in fl√ľssiger Form gab es bislang immer zu Anfang und die Tabletten wurden entweder in gem√∂rserter Form als Pulver oder zerkleinert mit dem Yoghurt verabreicht. Carsten probierte nun mal die n√§chste Stufe aus, damit Stephanie ihren Yoghurt zuk√ľnftig auch g√§nzlich ohne bitteren Beigeschmack durch die Medis genie√üen k√∂nnte: er √ľbte mit ihr die Einnahme im Ganzen und mit Trinken. Doch das Kind brauchte gar keine √úbung und schluckte die zum Teil schon recht gro√üen Pillen und Kapseln sogar v√∂llig ohne eine zus√§tzliche Fl√ľssigkeitszufuhr runter. Wir haben nicht schlecht gestaunt und mittlerweile hat sie sogar mit den Pflegern den Deal, die jeweilige Pillendosis auf einmal in den Mund zu bekommen, herunter zu schlucken und anstandshalber danach doch noch etwas zu trinken. RESPEKT !!! Mit einer so raschen Entwicklung h√§tten wir nicht einmal in unseren k√ľhnsten Tr√§umen gerechnet … vor allem, da wir das so ja selbst nicht mal k√∂nnten    standard

Daf√ľr stehen wir wohl noch vor so mancher Herausforderung, wenn es um das Bew√§ltigen von Alltagssituationen geht. Hier fehlt ihr leider immer noch die Routine, Strategieentwicklung und Probleml√∂sung, wie man an solche Aufgaben heranzugehen hat.

Beim Bl√§ttern, √Ėffnen von Boxen, dem Einschalten von Ger√§ten (z.B. f√ľr Musik) oder dem Umgang mit Hilfsmitteln zeigen sich leider noch zu gro√üe L√ľcken, die wir nun mit immerw√§hrendem Training schlie√üen wollen. Dann gibt es jetzt eben eine √úberraschung nicht mehr direkt in die Hand gedr√ľckt, sondern in einer Schachtel und Stephanie muss zun√§chst mal da rankommen. Bislang hilft die linke Hand nur sehr wenig, wenn sie zwar die Box gegen das Verrutschen fixiert, dabei aber leider auch von oben auf den Deckel dr√ľckt – ihr f√§llt das noch nicht intuitiv auf und sie ackert umso mehr mit der rechten Hand an dem st√∂rrischen Objekt.

Auch beim Ausziehen ihrer linken Handorthese hat sie das Prinzip von Klettverschl√ľssen und den √Ėsen an der Seite nicht verstanden.

Sie findet die Anf√§nge der Verschl√ľsse noch nicht selbstst√§ndig und bekommt die Halteriemen zudem nicht von alleine aus den Metallringen heraus … erst wenn man ihr Anweisungen gibt und ihre Finger an die jeweiligen Stellen setzt bzw. diese dann in die richtigen Richtungen bewegt.

Carsten und ich haben dazu folgenden Gedanken entwickelt:
Stephanie geht es da wahrscheinlich √§hnlich wie einem Baby oder Kleinkind. Diese k√∂nnen solche Handgriffe ja auch nicht sofort, sondern gucken sich in der Regel die Handlungen erst bewusst oder unbewusst bei anderen Personen ab – Beispiele w√§ren hier das Tippen auf einer Fernbedienung oder ein Handy ans Ohr zu halten und dort hinein zu sprechen. Doch genau diese Abguck- und Beobachtungsphase fehlt unserem Kind v√∂llig. Ergo m√ľssen wir nun immer wieder auch mal solche Alltagssituationen, wie z.B. eine Box aufzumachen, einen Brief zu √∂ffnen u.s.w., mit ihr durchgehen und √ľben.

Das ist ihr zum Gl√ľck auch selbst sehr bewusst und somit macht sie jede in ihren Augen noch so stumpfsinnige √úbung ganz toll und bis zum Schluss (konzentriert) mit. Wir denken mal, auch das unterscheidet sie sehr von manch anderen Personen in einer √§hnlichen Situation, die irgendwann die Lust und Laune verlieren und dann ggf. nur noch resignieren oder abblocken. Davon ist sie derzeit aber noch weit entfernt, vor allem, da sie von allen Seiten so viel Zuspruch, Lob und Anerkennung bekommt – selbst f√ľr in ihren Augen schon recht popelige Selbstverst√§ndlichkeiten.

Anderes Beispiel: schon beim Ziehen von Grimassen scheint sie ihre Gesichtsmuskeln nicht auf die richtige Art und Weise kontrollieren zu k√∂nnen und wir k√∂nnten da noch so viel erkl√§ren, was denn genau zu tun w√§re. Hier sind wir wahrscheinlich wieder beim Thema Abgucken und Abkupfern von anderen (s.o.) – ihr und uns fehlt da einfach der ganzt√§gliche Kontakt, wie es eben bei Babys oder Kleinkindern normalerweise der Fall ist, wo ja st√§ndig zwischen Kindern und Eltern interagiert wird – „Oh guck mal, ein XYZ!“

Da auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung immer wieder mal Leute mit Hunden sind, hat sie dazugeh√∂rigen Verhaltensmuster beispielsweise schon sehr gut drauf. Sie freut sich √ľber jeden Dackel und jedes Schwanzwedeln und versucht auch stets, eine Streicheleinheit an den Wuffi abzugeben. Ob am Boden …

… oder auf dem Schoss:

Doch leider werden wir wohl nicht mehr lange vorbeilaufende Hunde sehen können, denn es wird zunehmend schattig in Deutschland, als dass man bald noch stundenlang draußen sitzen könnte. Vor allem, wenn sich unsere Besuchszeiten in der Regel auf 3-4 Stunden ausdehnen. Letztens habe ich schon mal ein wenig geschwächelt:

Mit Stephanies Muff und meinem Schal √ľber der Nase konnte ich dann nur noch an verbalen Spielen und √úbungen teilnehmen. Dem k√§lteliebenden Kind wird es sicherlich auch bald zu ungem√ľtlich werden und wir m√ľssen uns dann ein ruhiges Pl√§tzchen innerhalb der Geb√§ude suchen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Hier noch ein paar Infos in Newstickerform, da der Blogeintrag eh schon wieder viel zu lang und zu ausf√ľhrlich geworden ist:

  • Die Pflegekasse und der MDK haben sich nun final auf den Pflegegrad 5 geeinigt … damit w√§re zumindest die medizinische und therapeutische Versorgung in trockenen T√ľchern.
  • Ihr Kurzzeitged√§chtnis scheint wieder etwas aktiver zu werden, denn Stephanie erinnert sich immer mehr an Dinge von gestern oder vor Tagen. Am Dienstag befragten wir sie zum Wochenendbesuch und sie konnte sich unter anderem daran erinnern, mit Andrea telefoniert und beim Kniffel nur verloren zu haben. Und bzgl. K√§se denkt sie immer noch daran, wie sie vor zwei Wochen meinen ekeligen Bergk√§se erwischt hat … sowas kommt definitiv vor allem aus dem Kurzzeitged√§chtnis heraus.
  • Nach Auskunft der Ergotherapeuten war Stephanie selbst nach zwei Wochen Pause 15 min ohne Kreislaufprobleme im Standing, schaffte mit dem Motomed schon stattliche 1,7 km und bedient ein Spiel auf dem Tablet hochkonzentriert f√ľr ca. 10 min.
  • Carsten und ich haben uns vor Kurzem dar√ľber unterhalten, dass Stephanie nicht mehr so viel orientierungslos herumblickt, wie es z.B. noch damals in der Vamed-Klinik der Fall war. Ihr Orientierungssinn hat sich demnach schon sehr gebessert und sie fokussiert sich auch sehr viel einfacher auf das Geschehen um sie herum. Leider ist sie dadurch aber auch wieder etwas leichter ablenkbar …
  • An die guten, alten Kinderm√§rchen kann sie sich fast gar nicht mehr erinnern. Wir haben einmal drei Begriffe genannt und sie sollte das dazugeh√∂rige M√§rchen erkennen: Zwerge, Apfel, Hexe = nein … Wolf, rote M√ľtze, Oma = nein … Gei√ülein, Wolf, Steine im Magen = nein. Einerseits schade, aber andererseits auch wieder eine Chance, M√§rchen vorzulesen oder Stephanie am Ende mal selbst lesen zu lassen, wenn sie das mit dem Umbl√§ttern, Halten und Durchlesen wieder drauf hat.
  • Daf√ľr √ľberraschte sie uns bei einem (Kinder-)Quiz mit doch noch recht vorherrschendem Wissen. Ich las Fragen und vier Antwortm√∂glichkeiten vor, die wir dann alle beantworteten bzw. kommentierten. So wusste sie u.a., dass Mode keine Kategorie beim Nobelpreis ist (Physik, Chemie, Frieden, Mode) und dass Marie Curie eine Physikerin war.
  • Mit einem anderen Spiel testeten wir ihr Kurzzeitged√§chtnis und wollten mal ihre Phantasie aus der Reserve locken – ich habe ja schon im Blog geschrieben, dass kindliches und somit phantasiereiches Spielen bei ihr gar nicht mehr funktioniert. Also gab Carsten drei W√∂rter vor und sie sollte daraus eine kurze Geschichte oder einen Witz basteln (z.B. Drache, Schlo√ü & Himmel). Doch auch hier fiel es ihr sehr schwer, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Daf√ľr konnte sie sich anfangs noch recht gut die drei vorgegebenen Worte merken, aber sie verhaspelte sich zunehmend mit fr√ľheren Worten und „verga√ü“ somit eines von den Aktuellen. Doch nicht vergessen hatte sie, dass wir reihum spielen wollten und nach ihrem berechtigten Protest ging die zweite Kombination aus Hase, Huhn und Ei an mich    zwinker

So, langsam sollte ich mal Schluss machen РLob an die, die bis hier noch durchgehalten und aufmerksam mitgelesen haben. Wenn ich die Zusammenfassung der Woche schreibe, komme ich leider auch allzu oft ins Träumen und Schwärmen, sodass ich einfach kein Ende finden kann.

Alle Fotos sind nun in dem Text eingebunden, alle wichtigen Infos weitergegeben (glaubt mir, ich könnte noch sehr viel mehr auflisten!) und das Korrekturlesen wartet ja auch noch auf mich und Carsten. Wahrscheinlich bin ich ebenso wie ihr gespannt, wie sich so manches in der nächsten Woche entwickeln wird!

Habt noch einen sch√∂nen Abend und vor allem einen ruhigen Start in die neue (Arbeits-)Woche. Dr√ľckt Stephanie bitte weiterhin die Daumen, dass es auch k√ľnftig so bergauf geht, und habt nochmals vielen lieben Dank f√ľr eure zahlreichen Reaktionen, Kommentare und W√ľnsche – das bedeutet mir wirklich sehr viel! Und Stephanie hilft es ebenfalls …



2021 10.
Okt

Dieses Wochenende sind mal wieder Stephanies Vater und seine Frau aus der N√§he von Mei√üen bzw. Dresden in den Norden gekommen und haben die Besuchszeiten an den beiden Tagen √ľbernommen. Dadurch beschr√§nkt sich meine heutige Zusammenfassung eigentlich auch nur auf drei Besuche in der vergangenen Woche: Dienstag nach der Arbeit war ich alleine bei ihr, da Carsten abends w√§hrend eines Wartungsfensters anwesend sein musste, Mittwochvormittag warteten Stephanie, Carsten und ich auf jemandem vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), da eine Vor-Ort-Untersuchung f√ľr die Pflegegradbestimmung stattfinden sollte, und am Donnerstagnachmittag hatten wir drei unsere einzige „regul√§re“ und gemeinsame Besuchszeit. Dennoch gibt es reichlich zu berichten – keine Angst    zwinker

Dann fange ich doch gleich mal mit diese Meldung an: wir haben ihr Platzdeckchen gesehen und mal f√ľr euch abfotografiert …

Na, warum hat sie sich wohl daf√ľr entschieden? Na klar, dieser tolle Wolkenhimmel ist ganz und gar ihr Ding!!! Das begeistert sie definitiv sehr viel mehr als jedes Bild mit einem Sandstrand, einer Spiegelung im See, einem Fahrzeug, einer Filmsequenz oder einem Vereinsemblem. Unsere kleine Meteorologin …

Toll fand ich diese Woche besonders, dass man mit ihr insgesamt etwas mehr √ľber Dinge des Tages quatschen konnte, da sie sich diesmal sogar recht gut daran erinnern konnte. Sie scheint wohl gerade wieder mal einen erfreulichen Leistungsschub zu haben, denn viele √úbungen sitzen bereits nach nur wenigen Versuchen oder zeigen deutliche Entwicklungen von Besuch zu Besuch. So z.B. das Umbl√§ttern bei Zeitschriften oder auch Fotoalben, die Nutzung eines Lippenpflegestiftes (darf ich „Labello“ sagen, ohne gleich Werbung daf√ľr zu machen?) hat sie fast schon komplett von der √Ėffnung bis zu Schlie√üung drauf und selbst bei der Nutzung von bekannten und neuen Spiele-Apps machte sie immer wieder eine sehr gute Figur. So hatte sie bei einer erstmalig genutzten Puzzle-App nur am Anfang etwas Probleme, aber dann flutschte es zunehmend besser. Und bei unseren Gespr√§chen √ľber die vergangenen Tage nennt sie nun immer √∂fters Namen der anderen Bewohner, kann sich noch zielsicherer an √úbungen und die Dauer bei den Therapiestunden erinnern und spricht auch schon √ľber andere Kleinigkeiten des Tages. Besonders, wenn es ihr wichtig war.

So auch √ľber ihren letzten gro√üen Test der Logop√§den, die ja schlie√ülich √ľber die Freigabe weiterer Essensvarianten entscheiden. Am Dienstag bekam sie zum Abendessen schon Graubrot mit Rinde, Scheibenwurst, Gurkenscheiben und Paprikastreifen, da sie mittags mit einem unp√ľrierten (!!!), daf√ľr aber klein geschnittenen Nackensteak (!!!) keine sonderlich gro√üen Schwierigkeiten hatte und dadurch wohl die n√§chste Lockerung erreichte. Dieses Erfolgserlebnis mit dem Steak erz√§hlte sie sogar Carsten freudestrahlend am Telefon, so wichtig war ihr das:

Wenn wir schon mal beim Essen angelangt sind, kann ich mit diesem Oberbegriff ja erst einmal weitermachen. Da es insgesamt doch nur zwei regul√§re Besuchstage waren, bekam sie eben auch nur zwei Mal den Geschmack-des-Tages: am Dienstag waren das Apfel und Birne (sie hat sogar die Begriffe richtig zugeordnet) …

… und am Donnerstag einen Rest meines selbstgemachten Thunfischsalates, den sie trotz „Fisch“ als sehr lecker empfand und zum Abendessen gen√ľsslich wegl√∂ffelte.

Doch egal was wir ihr bislang vorsetzt haben, sie genie√üt derzeit jeden einzelnen kulinarischen Ausflug – selbst Oliven, nat√ľrlich ohne Stein (hat sie die vor dem Vorfall auch schon gegessen?), und einen Smoothie mit Banane, Ananas und Kokos fand sie letztendlich sehr lecker.

Nur bei eigentlich harmlosen Cornichons guckte sie uns nach dem ersten Kauen fragend an und betitelte sie als sehr scharf … h√§h?!? Und dabei hatte sie sogar Recht, denn das Gurkenglas war nicht von uns gekauft, sondern blieb nach einer kleinen Feier √ľbrig und wir hatten vorher nicht genauer auf das Etikett geachtet: Cornichons mit Chili. Sie machte aber dennoch keine gro√üen Anstalten oder wollte es ausspucken, sondern a√ü tapfer zu Ende und schluckte alles runter. Aber einen Nachschlag wollte sie hiervon nat√ľrlich nicht    zwinker

Doch trotz aller Gel√ľste und vermisster Geschm√§cker, selbst einen Bissen von ihrem hei√ügeliebten Mettbrot gibt sie weiterhin gerne ab … herrlich, Stephanie f√ľttert Carsten!!!

Nat√ľrlich haben wir die drei Besuchstage nicht nur gefuttert und gef√ľttert, sondern auch viel gespielt und ge√ľbt … letzteres durchaus √∂fters im Kontext Essen    standard

Wie schon die letzten Male, versuchen wir weiterhin ihr Abendbrot ungeschmiert aus der K√ľche zu bekommen, damit wir mit Stephanie das Schmieren eines Brotes mit Butter und Aufstrich √ľben k√∂nnen. Selbstverst√§ndlich braucht sie weiterhin noch viel Hilfe in Form von Anweisungen, Handgriffen und Halten, aber meiner Meinung nach wird auch das schon zunehmend besser:

Insbesondere Linki ist ja leider noch zu sehr in der Bewegung eingeschr√§nkt, als dass Stephanie mit ihren H√§nden schon all die Dinge erledigen k√∂nnte, wie jeder andere auch. Besonders beim Halten von Sch√ľsselchen und Bechern macht sich das deutlich bemerkbar, w√§hrend die rechte Hand mit einem Messer, einer Gabel oder einem L√∂ffel etwas herausfischen muss. Durch die Spastik ist es f√ľr sie z.B. sehr schwer, die jeweilige √Ėffnung immer sch√∂n gerade nach oben zu bringen oder sie dort zu halten. Sie kann daf√ľr ja nicht mal eben das Handgelenk richtig √∂ffnen und drehen, sondern das Gehaltene eigentlich nur gegen ein Wegrutschen fixieren, besonders wenn es zus√§tzlich auf dem Tisch o.√§. steht.

Beim Yoghurtbecher wollten wir es dann aber mal wissen, also starteten wir einen Versuch in die andere Richtung. Rechti kann den Becher zwar perfekt halten, aber Linki schafft die Bewegungen in alle Richtungen f√ľr das Herausfischen, das F√ľhren zum Mund ohne alles zu verlieren und auch das koordinierte Drehen und Halten des L√∂ffels noch nicht. Wir bleiben da aber dran, denn mit Rechts hatte sie anfangs ja die gleichen Probleme und es landete mehr auf dem Latz als im Mund    zwinker

Daf√ľr √ľberraschte sie uns auf Anhieb mit dem Schlucken ihrer Medikamente in Pillen- und Kapselform. Anfangs wurde im Vorfeld noch alles gem√∂rsert und w√§hrend Carsten sich mit Stephanie dem Hauptgang widmete, r√ľhrte ich das Pulvergemisch immer munter in den Pudding oder Yoghurt. Wenn wir dann mal ungem√∂rserte Medikamente bekamen, verteilte Carsten die Pillen und das Pulver der Kapseln auf einem L√∂ffel Yoghurt und Stephanie schluckte alles sofort und ohne Kauen runter. Leider blieb dann zu ihrem Leidwesen von Nachtisch am Ende nicht mehr so viel √ľbrig, dass sie diesen noch h√§tte genie√üen k√∂nnen. Doch am Donnerstag lie√üen wir mal alle Pillen und Kapseln in Rohform (auch die etwas Gr√∂√üeren) und Stephanie sollte sie mit ihrem Getr√§nk einzeln hinunterschlucken. Und siehe da, sie hatte Null Probleme damit und ab sofort werden wir ihr die Medis immer nur mit Wasser geben, damit ihr der Nachtisch als Genuss und Abschluss erhalten bleibt. Sp√§testens n√§chste Woche wissen wir, ob es immer so klappt und k√∂nnten dann einen Hinweis an das Pflegezentrum geben, damit sie zu jeder Mahlzeit auch ohne uns das Schlucken mit einer Fl√ľssigkeit durchf√ľhren kann. Denn: sie schluckt zwar die Medikamente erfolgreich runter, aber das Legen der Pille in den Mund bzw. auf die Zunge erfordert nat√ľrlich noch ein Zutun durch einen Dritten. Aber der erste Schritt ist mal wieder gemacht und wir drei sind gl√ľcklich √ľber diesen weiteren kleinen Fortschritt.

Wir sind auch noch immer mit Eifer dabei, mit ihr das √úberziehen der √Ąrmel zu √ľben (leider sind noch zu viele Anweisungen und Hilfen notwendig), sowie das Umbl√§ttern von Seiten (bei dickeren Seiten, z.B. einem Fotoalbum, erkennt sie sofort, wenn sie mehrere erwischt und korrigiert nach) …

… und das Finden und Ber√ľhren der eigenen Ohren (diese Bewegung hat sie jetzt sogar schon ganz autark mit Linki drauf!). Neu hinzugekommen sind nun noch die Benutzung eines Labellos (wie erw√§hnt ist das schon fast perfekt) und am Donnerstag starteten wir das eigenst√§ndige Ausziehen der linken Handorthese.

Warum ausgerechnet das? Weil man ihr nach dem Anlegen mal gesagt hat, dass sie diese nach mehr als drei Stunden Tragen auch gerne selbst abnehmen kann, worauf sie wiederum in Tr√§nen ausbrach, weil sie das leider nicht beherrscht. Deshalb bringen wir ihr nun das √Ėffnen der insgesamt sechs Klettverschl√ľsse sowie das Festhalten der Orthese mit Rechti, w√§hrend Linki sich herauszieht, bei. Beim allerersten Mal klappten die Handgriffe zwar schon recht gut, aber nat√ľrlich noch mit viel zu vielen Anweisungen und Hilfestellungen, z.B. wo der Anfang und das Ende eines solchen Klettverschlusses √ľberhaupt ist. Aber das beherrscht sie bald wie aus dem Effeff, wetten? Wir bleiben jedenfalls dran …

Kommen wir zum Spielen. W√§hrend ich weiterhin vorrangig f√ľr das k√ľnstlerische (Malen, Singen etc.) und sprachliche (Russisch, Englisch, Lesen etc.) zust√§ndig bin …

… k√ľmmert sich Carsten in erster Linie um das Variieren und die Zweckentfremdung von Gesellschaftsspielen – der Klassiker und Dauerbrenner ist hierbei schon seit Monaten dieses Memory:

Anfangs nahmen wir nur den hier schon öfters beschriebenen Sechserpack aus Wolke, Regenschirm und Huhn (die drei erkennt sie mittlerweile sofort) sowie Apfel, Birne und Möhre (hierbei kommt sie weiterhin ins Straucheln). Dann erweiterten wir auf die restlichen Kärtchen, die sie zunehmend auch erkannte und mittlerweile fast schon fehlerfrei benennt. Insbesondere hier merkt man, dass sie am Anfang noch völlig konzentriert und dadurch fehlerfrei ist, mit fortschreitender Zeit aber immer unkonzentrierter wird und dann mehr und mehr kleinere Hilfen benötigt.

Nun haben wir alles erweitert und am Mittwoch zum ersten Mal auch den bislang ausgemusterten Kartensatz mit den Umrissen bzw. Schatten dazu genommen. Ein Memoryp√§rchen besteht hier eigentlich aus einem bunten, aber gemalten Echtbild und einem Schattenbild bzw. nur dem schwarzen Umriss. Im richtigen Spiel gilt es also diese P√§rchen zu finden und aufzudecken – so weit ist Stephanie aber noch lange nicht. Doch sie bekam nun f√ľnf „Echtbilder“ vor sich gelegt und einen dazugeh√∂rigen Umriss, dann sollte sie das P√§rchen finden.

Wir waren echt beeindruckt, dass sie im direkten Vergleich der K√§rtchen kein Problem mit der Zuordnung hatte, aber man merkte das oben Erw√§hnte bzgl. der Konzentration schon sehr deutlich. Beim ersten Durchlauf mit allen Bildchen waren Affe und Banane kein Problem f√ľr sie und sie wusste auch, dass Affen gerne Bananen essen. Beim Durchlauf mit den Schattenbildern aber „fehlte“ ihr diese Info schon wieder und sie antwortete v√∂llig √ľberzeugt „Affen essen K√§se“. Erst mit unserer Hilfe („Affen essen Ba …“) kam sie auf die richtige L√∂sung. Ergo, das Wissen ist auf jeden Fall da, es wird eben nur nicht immer schnell gefunden. Ach ja, da ist ja wieder die Analogie zu Hund, Katze, Wuff und Miau    standard

Als Zusatztest haben wir ihr auch mal nur einzeln die Schatten des Sechserpacks gezeigt und hier ebenfalls das gleiche Bild wie mit den Echtbildern: Wolke, Regenschirm und Huhn erkennt sie auf Anhieb, Apfel, Birne und M√∂hre wiederum nicht, obwohl selbst die Schatten dieser drei Dinge mehr als eindeutig sein d√ľrften    traurig

Zum Abschluss möchte ich noch zwei Themen kurz anreißen.

Thema 1: Beim Warten auf den MDK haben wir von unserem Pavillon aus u.a. dem Treiben auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung zugeschaut, wo flei√üig f√ľr eine kleine Olympiade nach dem Mittag aufgebaut wurde. Zuerst hat Stephanie zwar bezweifelt, dass sie an den Stationen mit teilnehmen kann, doch am n√§chsten Tag zeigte ihr Stationsschein (unten rechts), dass es doch nicht so war, denn sie hatte ja schlie√ülich f√ľr alle sechs Aufgaben einen Aufkleber bekommen:

Hier scheint also immer jeder in alles mit involviert und einbezogen zu werden – wir finden das so toll! Somit bleibt es bei unserer Meinung und unserem Eindruck: diese Einrichtung war mitunter das Beste, was Stephanie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Rehastation passieren konnte.

Thema 2 zielt nat√ľrlich auf den Besuch des MDK ab. Stephanie hat ihre Sache recht gut gemacht und das Gespr√§ch mit der Dame verlief wie erwartet. Das Kind zeigte zum Gl√ľck keine √ľbertriebene Nervosit√§t oder ein ungew√∂hnliches Ausbrechen aus dem allgemeinen Zustand – bei Tests ist Stephanie leider immer etwas unberechenbar. Also stellte man „Frau Meier“ (das findet sie immer noch sehr komisch) Fragen, auf die sie Antworten wusste (Schmerzen, Geburtsdatum, Alter), aber dann auch welche, die sie zwar wahrheitsgem√§√ü, aber eben nicht richtig beantwortet hat … „Welchen Monat haben wir?“ – „Wei√ü nicht.“ … „Wo waren Sie vorher?“ – „Wentorf.“ … usw.

Jetzt hei√üt es f√ľr Stephanie, Carsten und mich sowie f√ľr die Einrichtung abwarten, bis dass der MDK aufgrund dieses Treffens samt Unterhaltung mit uns und dem Pflegepersonal eine finale Einsch√§tzung zum Pflegegrad abgibt. Stephanie kann zum Gl√ľck nicht viel dabei verlieren, aber auf uns kommt dann definitiv wieder etwas Arbeit zu, denn das Ergebnis m√ľssen wir ja an diverse Beh√∂rden und Institutionen verteilen, die daraus wiederum neue Berechnungen generieren und uns zur√ľckschreiben werden. Hoffentlich h√§lt sich der resultierende Papierkram in Grenzen … so viele Briefe, wie in den letzten paar Monaten, haben wir nicht mal in den vorangegangenen Jahren frankiert und verschickt.

Aber beenden wir diesen Blogeintrag doch mit etwas Sch√∂nerem als diese Erkenntnis – wir finden es jedenfalls immer ganz toll, wie sch√∂n und liebevoll man Stephanies Bett √ľber den Tag drapiert:

Oder was sagt ihr dazu?



2021 03.
Okt

Die richtig guten Nachrichten zuerst im Kurzticker:

  • die Krise von letzter Woche war gl√ľcklicherweise nur ein kleines und vor allem kurzes Strohfeuer … wir drei haben uns am Dienstag dar√ľber ausgesprochen, sie hat sich unendlich oft entschuldigt und es wurden auch gleich mal die n√§chsten Ziele von ihr festgelegt, an denen wir nun eifrig arbeiten
  • in der 42. KW ist die Entfernung der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie = k√ľnstlicher Mageneingang) geplant … Stephanie freut sich wie Bolle und damit verbleibt am Ende mit dem Urostoma (k√ľnstlicher Blasenausgang bzw. SPK) nur noch ein einziger Dauerschlauch an ihrem K√∂rper
  • unser Kind ist seit Donnerstag vollst√§ndig durchgeimpft … willkommen im Club der 2G-Nutzer
  • Stephanie sagt auch, dass sie wohl schon die positive Wirkung der Botox-Behandlung bemerkt, denn Linki ist ihrer Meinung nach noch etwas freier in der Bewegung geworden und in den Beinen hat sie nun sehr viel weniger Kr√§mpfe

Und mit diesen Stimmungsaufhellern verlief die letzte Woche auch insgesamt wie am Schn√ľrchen. Wir haben viel ausprobieren k√∂nnen, viel ge√ľbt und nat√ľrlich auch wieder ein paar kleinere Erfolge erzielt.

Mit unserem „Geschmack des Tages“ m√∂chten wir Stephanie im Rahmen ihres erlaubten Kostplans wieder langsam an die vielen kulinarischen Gen√ľsse heranf√ľhren und auch ausloten, was sich geschmacklich bei ihr eventuell ge√§ndert haben k√∂nnte: am Dienstag gab es auf ihrem Brot Zunge als Wurstscheibe (fand sie so lala), am Donnerstag Bierschinken im Ganzen (zugegeben, Wurst ohne Brot ist unfair, denn welcher Nichtvegetarier/-veganer w√ľrde das nicht m√∂gen?!?), am Samstag Rindermett (diese Form des „Hackepeters“ haben wir selbst erst hier im Norden kennen- und (wie unser Kind) mittlerweile lieben gelernt) und heute verw√∂hnte ich sie mit einer frischen Avocado.

Doch die gr√∂√üte √úberraschung gab es gestern zum Fr√ľhst√ľck, wo sie zu ihrem s√ľ√üen Br√∂tchen mit Belag auch noch zwei St√ľcke Pfirsich und zwei St√ľckchen Ananas bekam:

Ananas war ja eigentlich noch nie so richtig ihr Ding und bei der Beschreibung von Pizza Hawaii zeigt sie auch heute noch trotz ihres Ged√§chtnisverlusts nicht gerade ein Das-will-ich-essen-Gesicht. Doch pur scheint sie nun echt Freude dran gefunden zu haben – wir waren etwas baff. Gut zu wissen …    standard

Bei den neu eingef√ľhrten √úbungen hielten wir uns u.a. an ihren Wunsch, als Freizeitbesch√§ftigung zuerst das Lesen wieder durchf√ľhren zu k√∂nnen. Ergo besorgten wir ihr Zeitschriften und packten diese in eine Art Rollirucksack, mit denen sie ab jetzt immer dann trainieren kann, wenn ihr danach ist … nat√ľrlich, wenn ihr jemand zuvor jene herausholt und sie vor ihr auf den Tisch legt. Doch unsere erste Aufgabe war zun√§chst das Erlernen des Umbl√§tterns:

Zwar erwischt sie noch zu oft mehr als nur eine Seite, aber die Feinmotorik und F√§higkeit, mit den zum Teil auch mal durch Lecken angefeuchteten Fingern zu arbeiten, wurde von Besuch zu Besuch sichtbarer. Sie scheint wohl auch schon selbst hier und da mal zu √ľben und sich die Bilder und Texte anzuschauen. Der Anfang w√§re damit gemacht.

Am Donnerstag musste sie uns eine Postkarte vorlesen, die sie von einer Therapeutin bekommen hat, die derzeit in Dresden und der S√§chsischen Schweiz Urlaub macht. Das Lesen des Textblocks klappte dabei sogar schon √ľberraschend gut und Stephanie hat sich eigentlich nur einmal in der Zeile vertan und somit die richtige Stelle verloren, doch sie brauchte nicht lange, um sie wiederzufinden und weiterzulesen.
Heißt: wer also Lust hat, kann ab sofort gerne ein paar Zeilen auch direkt an sie schicken Рob als Brief, als Postkarte oder auch als Email. Falls es nicht mehr bekannt sein sollte, die Postadresse findet ihr hier und die Emailadresse setzt sich bei uns allen aus Vorname.Nachname@marvinchen.de zusammen. Wir werden ihr dann alles bei unserem nächsten Besuch mitbringen und sie selbst durchlesen lassen.

Wie schon im letzten Blogeintrag angedeutet, haben wir auch weiterhin das Schmieren ihres Brotes zum Abendessen ge√ľbt und es zeigen sich sogar schon erste Erfolge – doch ganz alleine geht es nat√ľrlich noch nicht. Und auch das Hunde-Memory kam wieder zum Einsatz, diesmal mit der Variante, dass vor ihr ein Welpenbild mit abgedecktem Rassenamen liegt und sie aus vier m√∂glichen Fotos von ausgewachsenen Hunden das m√∂gliche Elternteil heraussuchen muss:

Dabei soll sie auf hundetypische Merkmale, wie z.B. Farbe, stehende oder h√§ngende Ohren, L√§nge der Beine oder des Fells, Kopf, Gesicht und Schwanz achten und erst danach ihre Auswahl durchf√ľhren. Manches schlie√üt sie von Vornherein aus uns schiebt diese Karten dann weg, aber manchmal ist sie auch schon bei vier Karten sehr zielsicher. Auf dem Foto ist wohl eindeutig die Farbe der entscheidende Hinweis gewesen    zwinker

Einmal hatten wir sogar das Gl√ľck, dass sich ein echter Hund dazugesellte und Stephanie war au√üer sich vor Freude. Das Streicheln mit Linki gestaltete sich allerdings etwas suboptimal …

Egal, sie war gl√ľcklich und aus dem H√§uschen und sie wei√ü mittlerweile auch ganz genau, dass Hunde „wuff“ und Katzen „miau“ machen … war ja anfangs nicht immer so, ihr erinnert euch sicherlich noch.

Eine weitere praktische √úbung war diese Woche das Einfordern ihrer aktiven Hilfe beim Anziehen einer Strickjacke oder eines Pullis. Das Wetter h√§lt sich hier im Norden zwar erstaunlicherweise immer noch ganz gut und Regen bleibt in der Regel w√§hrend unserer Besuche aus, aber drau√üen zu sitzen wird nach ein paar Stunden durch die K√§lte und den Wind zunehmend ungem√ľtlich, sodass wir jetzt immer √∂fter reingehen m√ľssen. Bis dieser Schritt aber auch f√ľr unsere K√§lteliebhaberin (ihr Credo war ja schon immer „Island ist ein besseres Urlaubsland als Spanien“) unausweichlich ist, ziehen wir ihr erst mal eine w√§rmende Schicht √ľber. Und das Einf√§deln der Arme sowie das Hochziehen der √Ąrmel √ľberlassen wir dabei immer mehr ihr. Selbst mit Linki fasst Stephanie den Stoff mit Daumen und Zeigefinger an und zieht alles St√ľck f√ľr St√ľck nach oben, bis die vorher eingepackte Hand frei liegt – noch mit sehr viel Hilfe, aber in ein bis zwei Wochen hat sie das sicherlich auch wieder alleine drauf.

Doch der gr√∂√üte und zeitintensivste Block wird derzeit f√ľr das Neuerlernen des Schreibens genutzt. Angefacht wurde dies durch eine Therapeutin, welche mit Stephanie selbst schon damit anfing und uns deshalb √úbungen f√ľr die Handmotorik herausgesucht und mit einer Notiz ins Postfach gelegt hat … „vor allem, damit Stephanie wieder Schreiben lernt und sich traut es auszuprobieren.“

Dieser Aufgabe wollen wir sehr gerne nachkommen, doch leider zeigte sich, dass Stephanie das Nachzeichnen von Figuren und Buchstaben fast gar nicht beherrscht und uns immer nur fragend anschaute, was wir denn eigentlich von ihr wollen. Also fingen wir zunächst mit einfacheren Übungen an, um die Handhabung des Stiftes zu verinnerlichen, Striche und Linien zu zeichnen und vor allem, um ihr immer wieder zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen Рdenn nur dann bleibt sie auch mit Spaß und Eifer dabei.

Wir starteten mit Trocken√ľbungen auf einem wei√üem Blatt Papier, bei der sie Punkte verbinden oder auch mal Carstens Stift folgen sollte:

Hierbei ging es uns vor allem darum, bei ihr ein Verständnis aufzubauen, was mit dem Stift möglich ist und was man wie nachzeichnen oder verbinden sollte.

Dann wollten wir schon etwas koordinierter vorgehen und sie nach einem bestimmten Schema „malen“ lassen. Carsten hatte daf√ľr ein paar der sicherlich jedem bekannten Bilder ausgedruckt, bei denen man Punkte von 1 bis irgendwas verbinden soll und am Ende zeichnet sich dadurch eine Figur oder ein Ding ab.

Sie war voll konzentriert, hochmotiviert und es klappte auch gleich schon beim ersten Mal ganz wunderbar:

Dass es sich hierbei allerdings um eine Birne handelte, das erkannte sie nat√ľrlich nicht    zwinker

Auch auf dem Bild 2 hat sie alle Punkte toll verbunden, aber auch hier konnte sie das final sichtbare Tier nicht benennen (siehe rechts):

Doch darauf kam es ihr uns uns ja auch gar nicht an. Das Verbinden und die Handhabung mit dem Stift war das Ziel und bis hier hatten wir durchschlagenden Erfolg. Wir stellten nur immer wieder fest, dass sie die Zahlen nicht registrierte, die sich hinter ihren Fingern oder dem Handr√ľcken befanden. Sie hat aber auch kein Gef√ľhl daf√ľr, dass sie diese einfach nur durch sich selbst verdecken k√∂nnten – der fehlende √úberblick und der nicht vorhandene Orientierungssinn f√ľr die Suche schlugen ihr erneut ein Schnippchen …

Und ab Bild Nummer 3, 4 und 5 l√§sst sie zudem ihre Konzentration im Stich, denn ab da verliert sie immer mehr den Faden. Wie schon letzte Woche beschrieben, ist hier leider deutlich der Nebeneffekt „Kleinkind vs. Erwachsener“ offensichtlich: das Kleinkind in ihr baut sehr schnell ab und sie ger√§t v√∂llig neben die Spur. Dann hei√üt es genug ge√ľbt, Zeit f√ľr Ablenkung und Zerstreuung schaffen. z.B. mit einem leeren Blatt, auf das sie malen k√∂nnte, was sie nur will. Doch hier verliert wieder das Kleinkind, was sicherlich sofort drauflos malen w√ľrde (Baum, Haus, Sonne etc.), und Stephanies Erwachsenenbewusstsein l√§sst sie ideen- und phantasielos auf das Papier starren. Hier braucht sie dann doch etwas Input und eine Vorgabe, was sie denn malen soll. Allerdings, wenn man ihr erneut etwas vorgibt, z.B. ein Haus oder ein Schriftzug, meldet sich das Kleinkind und fragt „Wie geht das?“ … ein Teufelskreis, denn sie m√ľsste zwar zun√§chst erst einmal alles lernen, aber am Ende darf diese Lernperiode dann auch nicht all zu lange dauern. Dabei sitzt sie eigentlich auf hei√üen Kohlen, denn es geht ihr so nicht schnell genug.

Wir sind echt gespannt, wann und wie wir dieses „Hindernis“ √ľberwinden werden und vor allem, wann wir das Kleinkind vom Alter her einschulen k√∂nnen … so kann Stephanie zwar schon gut lesen, aber nicht selbstst√§ndig schreiben, auch nicht mit einem direkten Abgucken des zu schreibenden Wortes und am Ende leider auch nicht, wenn sie auf dem Wort nur die Linien nachziehen m√ľsste. Aber unsere Zeit wird kommen und eines Tages schreien wir „Heureka!“ in die gro√üe, weite Welt hinaus …     zwinker



2021 26.
Sep

Da wir ja flei√üig mitz√§hlen, m√∂chten wir euch die runden Zahlen zu Stephanie nat√ľrlich nicht vorenthalten: heute ist sie schon seit 60 Tagen im Pflegezentrum und am 30.9. werden es insgesamt 400 Tage seit dem Vorfall sein … man, wie doch die Zeit vergeht!

Aber es hat sich auch in dieser Woche wieder viel ereignet, wenn auch nicht immer alles sehr positiv war. Doch zu „unserem“ bzw. ihrem Kopfproblem m√∂chte ich erst am Ende meinen Senf dazugeben. Zuerst zu den Fortschritten und Weiterentwicklungen:

Am Montag wurde endlich ihr finaler Rollstuhl geliefert, denn der bisherige war eigentlich nur eine Leihgabe aus dem Geesthachter Krankenhaus. Voila, hier ist er:

Stephanie sagt, dass dieser hier megabequem ist (sie Sitzfl√§che ist ja auch fast 10 cm breiter!) und durch die ausgepolsterten Seitenteile hat sie nun sehr viel mehr Stabilit√§t beim Sitzen. Somit f√§llt jetzt sogar das Brustgeschirr weg und sie braucht nur noch zwei Sicherheitsgurte im Becken- und Oberschenkelbereich anzulegen. Er passt also perfekt … selbst die Radabdeckung mit VC Dresden gef√§llt ihr. Gut, es ist jetzt nicht gerade Gr√ľn-Wei√ü Dresden Cosch√ľtz oder der SV Babelsberg 03 (also einer ihrer ehemaligen Vereine), aber bei Volleyball und Dresden hat sich jemand zur √úbergabe „ab Werk“ doch schon ein paar pers√∂nliche Gedanken gemacht. Wir wissen nur nicht, bei wem wir uns daf√ľr bedanken k√∂nnen … und es h√§tte f√ľr sie z.B. mit Dynamo Dresden o.√§. auch sehr viel h√§rter kommen k√∂nnen    zwinker

Am Dienstag musste sie w√§hrend unserer Besuchszeit leider im Bett bleiben, da sich der Neurologe angek√ľndigt hat, um ihr eine weitere Botox-Behandlung zu Gute kommen zu lassen. Stephanies linke Hand sowie beide F√ľ√üe werden es ihm sicherlich danken, denn die damit einhergehende Entspannung sollte auch zu sehr viel weniger Tonus und Anspannungsschmerz verhelfen. Und wir haben an dem Nachmittag die Zeit im Liegen auch so ganz gut herumgebracht:

Hier zeigt Carsten ihr, wie kalt ihre H√§nde sind, indem sie sich selbst mal im Gesicht ber√ľhren sollte und mit einem Spiegel bekam sie wieder mal die M√∂glichkeit, ihr Gesicht zu erforschen und die verschiedenen Bereiche zu ber√ľhren – Nase, Augen, Stirn, Kinn und Ohren. Wobei letztere leider immer noch weit aus ihrem Fokus liegen und sie diese nicht alleine mit den Fingern lokalisieren kann. Egal ob mit oder ohne Spiegel …

Von den Ergotherapeuten bekamen wir die Info, dass Stephanie sich derzeit ganz toll im Standing (30 min ohne gro√üe Probleme) und mittlerweile auch schon bei der n√§chsten Stufe, dem Fast-ganz-alleine-Stehen, macht. Hierbei wird sie nahezu mit ihrem vollen Gewicht auf ihre eigenen Beine gestellt und durch die Ergos oder andere Hilfsmitteln nur noch sehr notd√ľrftig entlastet, damit sich ihr K√∂rper und Kreislauf langsam an das selbstst√§ndige Stehen gew√∂hnen kann. OK, hier erreicht sie gerade mal 3 Minuten und sie lamentiert wohl etwas mit „Nein“ und „Tut weh“ herum, aber am Ende hat sie es doch versucht und vor allem sehr gut durchgezogen und konnte dabei sogar mal beide Arme in die H√∂he rei√üen („Hoch die H√§nde – Wochenende“). Die Therapeuten sind jedenfalls schwer beeindruckt und wir stolz wie Bolle. Ein weiteres Schrittchen …

Ebenfalls gro√üen Lobes sind wir immer, wenn sie Linki vermehrt f√ľr diverse Standardhandgriffe nutzt. So z.B. beim Spielen oder f√ľr das Abwischen des Mundes und zum Greifen sowie zum Mund f√ľhren eines Marshmallows:

G√§nzlich ohne Probleme ist sie mittlerweile beim Ausw√§hlen ihrer Eissorte (s.u.) und beim Ausl√∂ffeln ihres Wunscheises aus einer Tasse, denn gestern blieb nicht einmal mehr noch etwas Nennenswertes f√ľr Carsten zum Nachbearbeiten √ľbrig. In der Regel hat er ihr n√§mlich die letzten L√∂ffelchen Eiswasser nachf√ľttern m√ľssen …

Am Donnerstag konnten wir Stephanie zum ersten Mal nach √ľber einem Jahr ein Messer und Schmierbelag in die Hand dr√ľcken, sodass sie sich selbst das Abendessen vorbereiten musste – jedenfalls ansatzweise. Sie bekam zu ihrem weichen und bereits mit Butter beschmierten Br√∂tchen …

… T√∂pfchen mit Mett und Frischk√§se, dessen Verteilung wir ihr dann √ľberlassen wollten. Carsten hat nat√ľrlich noch hier und da etwas Hilfestellung geben m√ľssen (Haltung des Messers mit der rechten Hand, Festhalten des T√∂pfchens Mett mit der linken Hand, wie bekommt man das Zeug vom T√∂pfchen aufs Br√∂tchen, wie verteilt man es am besten mit dem Messer auf dem mit Linki festgehaltenen Br√∂tchen etc.), aber alles in allem waren wir drei sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und Stephanie nat√ľrlich noch zus√§tzlich mit dem Geschmack ihres Lieblingsbelages    zwinker

Wie man auf den Bildern sehen kann, mussten wir zwischenzeitlich vom Pavillon drau√üen in die Essensr√§umlichkeiten nach drinnen wechseln, da neben der K√§lte es auch zunehmend mit starkem Wind und Regen recht ungem√ľtlich wurde … sowas muss man sich ja nicht unbedingt freiwillig antun.

Diese Woche brachten wir folgende Dinge als Geschmack-des-Tages mit: eine Dose Mandarinen (DI), mit Standardformat und Sticks zweierlei Gew√ľrzgurken (DO), Marshmallows (SA) und heute kleine K√§sew√ľrfel, die sie mit einem Zahnstocher aufpieksen und sich in den Mund stecken musste. Was soll ich sagen, geschmacklich haben ihr alle mitgebrachten Dinge sehr gefallen und f√ľr n√§chste Woche sind auch schon die ersten W√ľnsche ge√§u√üert worden. So erhofft sie sich u.a. mal wieder eine Avocado als Mitbringsel.

Wenn wir bei unseren Besuchen mit Sack und Pack zum Pavillon aufbrechen, haben wir mittlerweile ganz schön viel dabei:

Doch den meisten Platz nehmen neben unserem eigenen mitgebrachten Abendessen in der Brotdose (Stephanies Abendessen kommt ja erst ein paar Stunden sp√§ter und wird zudem frisch zubereitet) eindeutig die diversen Spiele ein. Wir probieren eben viel aus und f√ľr sie ist das Spielen mit uns zudem die sch√∂nste Besch√§ftigung, auf die sie sich jedes Mal auch sehr freut. Noch kann sie das ja leider nicht alleine machen … also weder Spielen, noch Aufbauen oder Organisieren.

Diese Woche haben wir ein Geschenk von einem Besucher aus der Vamed-Klinik ausprobiert …

… bei dem anhand von Hundebildern (als Welpe und als Ausgewachsener) das P√§rchen gesucht werden muss. Wir glauben allerdings nicht, dass Stephanie das an sichtbaren Merkmalen festmacht (Farbe, Fell, Schnauze, Schwanz etc.), sondern leider nur an den darunter geschriebenen Hunderassen – lesen kann sie ja sehr gut und auch recht schnell. Schon beim Raten des Namens eines Gegen√ľbers schielte sie ja immer sofort auf das Namensschildchen    standard

Nat√ľrlich verbrachten wir auch diesmal viel Zeit mit der Kl√∂tzchenbox, bei der sie alle Steine mittlerweile sehr schnell und auch gleich zu mehreren auf einmal mit der rechten Hand aus der Box rausfischt, danach alle Zahlen nach oben drehen muss, diese dann aufsteigend in einer Reihe ablegen soll (sie beh√§lt jetzt sogar den √úberblick auf dem Tisch und findet selbst gesuchte Steine au√üerhalb ihres bislang sehr eingeschr√§nkten Blickwinkels) und auch immer wieder die Farben und Formen zu benennen bzw. finden hat. Die Box wird in den n√§chsten ein bis zwei Wochen wohl mal Pause haben, um nicht ganz langweilig zu werden.

Ebenfalls neu wie das Hunde-Memory war in dieser Woche ein sogenanntes Matching-Game oder Buchstabenspiel, welches sie von einer Freundin aus den USA geschenkt bekommen hat:

Wir haben das Spiel zwar schon mehrmals mit an den Tisch unterm Pavillon genommen, aber bislang kamen wir dann doch nie dazu, es auszuprobieren. Am Samstag sollte es dann gleich das erste Spiel sein, was wir durchf√ľhren und wir nahmen uns zuerst die Spielanleitung zur Hand. Carsten las sie in der Originalsprache vor und Stephanie hat w√§hrenddessen auch gleich mit uns ein paar S√§tze auf Englisch gesprochen. Wir waren sehr beeindruckt.

Und so geht es: eine Karte zeigt ein Objekt mit 3-4 Buchstaben (nat√ľrlich im Englischen) und unser Kind sollte zuerst das Objekt erkennen und auf Deutsch benennen. Danach musste sie es √ľbersetzen und aus den vor ihr liegenden Buchstabenw√ľrfeln die entsprechenden Buchstaben suchen, um sie dann in der richtigen Reihenfolge in das lila Spielfeld zu setzen. Zum Abschluss wird die Karte einmal nach vorne gekippt und wieder zur√ľckgelehnt, sodass durch einen Klappmechanismus das gesuchte Wort auf der Karte sichtbar wird. Perfekt, das sind ja gleich mehrere Aufgaben und √úbungen f√ľr beide H√§nde auf einmal!!!    standard

Die Fleischdose auf der ersten Karte hat sie gleich erkannt und auch die dazugeh√∂rige Vokabel „can“ wusste sie. Das Greifen der W√ľrfel, das Suchen der Buchstaben und das Einsetzen ins das Spielfeld hat sie nach unserer Anleitung recht schnell kapiert, aber nat√ľrlich dauert es zum Teil etwas l√§nger, bis sie es richtig durchgef√ľhrt hat. Insbesondere beim Drehen der W√ľrfel √ľbersieht sie auch gerne mal den ben√∂tigten Buchstaben und legt diesen zu schnell aus der Hand. Hier m√ľssen wir dann helfend eingreifen und sagen, dass wir den gesuchten Buchstaben schon darauf gesehen haben … da fehlt ihr leider der √úberblick, welche W√ľrfelseiten sie schon durchgesehen hat und vor allem die Strategie, wie sie dabei am besten vorgehen kann.

Ein Schwein (f√ľr sie ein Hund) und eine Kuh auf den n√§chsten Karten hat sie weder erkannt, noch die √úbersetzung dazu gewu√üt. Fu√ü / foot klappte wieder hervorragend und eine Eule / owl war f√ľr sie im Deutschen ein Uhu … hier fehlte selbst uns die richtige Vokabel. Doch buchstabieren und die Buchstaben suchen und stecken gelang ihr immer besser.

Aber bei all den Spielen, sowie bei den Kinder-Apps und den Baukl√∂tzen zeigt sich das gr√∂√üte Problem von Stephanie: sie ist sowohl als 3-J√§hrige, als auch als 25-J√§hrige in ein und demselben K√∂rper gefangen. Wenn es um eigenst√§ndiges Spielen und ein fantasievolles Ausleben geht, fehlt der √§lteren Stephanie schlicht das kindliche Gem√ľt, und wenn sie als 25-J√§hrige agieren will, macht ihr zu oft das K√∂nnen und Benehmen eines Kleinkindes zu schaffen.

Hier ein paar Beispiele zur Erklärung, was ich genau damit meine:

Die vollumf√§ngliche und eigenst√§ndige Bedienung eines iPads ist ihr noch zu fremd, aber f√ľr die Kinderspiel-Apps mit simplem Antippen und Verschieben kann sie sich eben auch nicht besonders lange begeistern. Dennoch scheitert sie aber bereits bei den Kleinkinder-Apps an v√∂llig simplen Aufgaben, wie z.B. das Verschieben eines Puzzleteils in die sehr eindeutige und sichtbare Aussparung oder das Antippen aller vorhandenen M√∂glichkeiten.

Das Gleiche Dilemma beim Spielen mit Holzkl√∂tzen. Ein Kind w√ľrde die Teile nehmen, sie durch die Gegend schubsen, sie stapeln, umrei√üen, mit Autoger√§uschen √ľber den Tisch ziehen oder Figuren daraus bauen … eben seiner Fantasie v√∂llig freien Lauf lassen. Stephanies Erwachsenengedanken „verbieten“ ihr anscheinend ein solches Verhalten und sie muss von uns immer erst eine Aufgabe gestellt bekommen, da sie selbst mit sich und den Kl√∂tzchen nichts anzufangen wei√ü – eine regelrechte Zwickm√ľhle!

Und zudem gesellt sich dann auch noch immer wieder ihre Zweifel an den erbrachten Fortschritten, denn es geht ihr nicht schnell genug oder sie h√§lt sich f√ľr dumm. Vor allem, da sie die aus ihrer Sicht einfachsten Dinge nicht beherrscht.

Besonders dann bedarf es immer einer kleinen Aufmunterung und vor allem einer Aufz√§hlung der bisher tats√§chlich erreichten Ziele. Klar, in den Augen und Gedanken einer 25-J√§hrigen ist das eigenst√§ndige Essen, Atmen und kurzes Stehen auf den Beinen nicht gerade eine besonders herausragende Leistung, aber mit den Einschr√§nkungen und F√§higkeiten eines Kleinkindes muss man hier eben immer wieder den Unterschied machen. Stephanie wei√ü beispielsweise ohne gro√üartig nachzudenken, was Initialen sind und kann die der Familie auch sofort aufz√§hlen (SM, AM, CS, OS), aber eben an dem Erkennen eines Schweins auf einem Bild oder dem Begriff „Euter“ scheitert sie kl√§glich. Das nervt sie ungemein und sie h√§lt sich deshalb f√ľr dumm und unf√§hig. Hier ist durch uns immer wieder gebetsm√ľhlenartig die oben erw√§hnte Aufbauarbeit zu leisten.

Es geht ihr eigentlich alles viel zu langsam, doch was in ihren Augen schon mehr als ein Jahr her ist, ist f√ľr uns doch eher erst seit ihres langsamen Aufwachens im Januar/Februar m√∂glich geworden. Und vor allem, nachdem wir sie monatelang als H√§ufchen Elend an Maschinen angeschlossen gesehen haben und in der Charit√© die vielen wei√üen Bereiche auf dem Gehirnscan erl√§utert bekamen, ist es umso erstaunlicher, was ihr verbliebener Rest des Gehirns (und K√∂rpers) nun alles √ľbernehmen muss … und anscheinend ja auch schon √ľbernommen hat und gut kann. Gut, der Muskelaufbau geh√∂rt nat√ľrlich noch zu den gr√∂√üten Baustellen derzeit.

Aber vermittelt das mal einer Mischung aus 3- und 25-J√§hrigen, die sich zudem gerade in ihrer zweiten Pubert√§t zu befinden scheint … im einen Moment himmelhoch jauchzend und kurze Zeit sp√§ter wieder zu Tode betr√ľbt – ein v√∂lliges Wechselbad der Gef√ľhle. Zum Gl√ľck passiert das alles noch nicht t√§glich, denn dann w√ľrden wir es schlichtweg Depression nennen, aber zwei- bis dreimal im Monat ist auch schon √§u√üerst anstrengend f√ľr sie und f√ľr uns.

Doch Carsten und ich geben sicherlich nicht auf! Vor allem nicht, da wir es mit ihr gemeinsam und in dieser kurzen Zeit schon so weit geschafft haben!!! TSCHAKKA!!!!!

Unser Fazit lautet, dass es echt notwendig wird, dass sie sich endlich selbst besch√§ftigen kann, um sich Erwachsen zu f√ľhlen und wenn sie es braucht, sich ablenken zu k√∂nnen. Damit meinen wir vor allem das Lesen, Schreiben und ein Bedienen von Technik (z.B. Musik ein-/ausschalten, ein Tablet oder Telefon nutzen, selbst√§ndiges Aufladen), damit sie endlich aus ihrer t√§glichen Langeweile rauskommt. Fernsehen mag sie z.B. √ľberhaupt nicht, ja sie will nicht mal einen f√ľr sich gekauft haben.

Doch bis zum Erreichen dieses Fazits d√ľrfte es noch etwas dauern … m√∂ge sie noch genau diese Geduld daf√ľr aufbringen. Das w√ľnschen wir ihr aus ganzem Herzen!



2021 19.
Sep

Zack und die erste Arbeitswoche ist schon wieder rum … und f√ľr uns und Stephanie war es gleich auch die erste Woche mit dem neuen Besuchsschema: dienstags, donnerstags & samstags zusammen mit Carsten und sonntags ohne Carsten – letzteres nennen wir ja schon seit Monaten „M√§delstag“    standard

Unsere gemeinsamen Besuche in der Woche lassen sich mittlerweile auch ganz sch√∂n auf dieses wiederkehrende Schema runterbrechen: Quatschen, Spielen und Essen … und wenn es geht, nat√ľrlich immer drau√üen!

Kaum zeigt sich so ein Himmel …

… oder es regnet nicht in Str√∂men, dann zieht es uns sofort in Richtung des Lieblingspavillons. Bislang konnten wir das jedenfalls noch jeden Tag so machen und wir hoffen mal, dass die M√∂glichkeiten auch noch etwas l√§nger anhalten werden. Nur etwas w√§rmer einpacken werden wir uns wohl bald m√ľssen    zwinker

Punkt 1: das Quatschen

Wie schon zu Kinderzeiten versuchen wir auch jetzt wieder durch gezielte Fragen, den Tag oder die Woche betreffend, das Erinnerungsverm√∂gen zu trainieren. Anfangs wussten Andrea und Stephanie z.B. nicht einmal mehr, was es in der Schule zum Mittag gab, aber nach ein paar Wochen nervigem Nachhaken durch uns beim Abendessen, wussten sie ganz genau, was Carsten und mir wichtig war und was wir alles nachfragen w√ľrden – also hatten sie es sich schon mal sehr viel besser eingepr√§gt. So √§hnlich ergeht es jetzt auch Stephanie wieder. Wir fragen sie √ľber die letzten zwei Tage aus und von Besuch zu Besuch schafft sie es, sich wieder etwas mehr zu merken.

Noch reicht es zwar nicht ganz f√ľr den Geschmack des Mittagessens („Eintopf“ … p√ľriert eben) oder das Gespr√§chsthema der gerade stattgefundenen Bewohnerrunde („War nicht spannend“), aber so manche Info kann man ihr mittlerweile doch ganz gut entlocken. So erinnerte sie sich z.B. gl√ľcklich an ihren „zweiten Pieks Biontech“ (d.h. sie ist ab Anfang Oktober ebenfalls vollst√§ndig durchgeimpft) und dass sie wie wir beiden am n√§chsten Tag keine Probleme bzw. Nachwirkungen hatte. Oder auch ihre mehr oder weniger guten Erfolge beim Standing, wobei sie mit sich selbst wohl sehr viel h√§rter ins Gericht zu gehen scheint als die Ergotherapeuten. Letztere sind n√§mlich sehr zufrieden mit ihr und auch wenn das Training nach etwa 20 Minuten beendet werden muss, ist es immerhin schon eine so lange Zeit, die sie relativ stabil und in aufrechter Position auf ihren eigenen Beinen steht.

Daf√ľr √ľberraschte sie uns diese Woche mit sehr vielen Erinnerungen aus der Zeit vor dem Vorfall und Dingen, die sie sich trotz Problemen mit dem Kurzzeitged√§chtnis doch irgendwie wieder sehr gut einpr√§gen kann. Seien es die Namen des Personals und der Therapeuten (sie kann sie echt alle aufsagen!), oder typische Phrasen von fr√ľher. Hier mal ein paar konkrete Beispiele:

  • In einem Video von der Familie f√§llt das Wort „Amsel“ und Stephanie stimmt sofort zu „Amsel, Drossel, Fink und Star … und die ganze Vogelschar“ an.
  • Eine Katze macht bei ihr mittlerweile nur noch Miau und somit bleibt der Hund das einzige „Wuff-Tier“.
  • Nachdem Carsten einmal aus Jux „Allee Allee Allee“ (im Sinne von „es ist alle“) gesagt hatte, stieg sie gleich musikalisch mit ein: „… eine Stra√üe, viele B√§ume, ja das ist eine Allee, ALLEE !“ … Stephanie ist sicherlich kein Ballermann- oder Fu√üballfan, aber diese Ohrwurm (O-Ton von ihr!) blieb eben bis heute h√§ngen.
  • Wer sie etwas besser kennt, kann sich sicherlich auch an einen ihrer Lieblingsspr√ľche der letzten Jahre erinnern, den sie immer sagte, wenn alles OK war: „Juti Potuti“ … den hat sie immer noch drauf und kramte ihn jetzt auf einmal wieder aus ihrem Ged√§chtnis.
  • Vor zwei Wochen haben Andrea und Stephanie f√ľr Carstens Geburtstag ein Geschenk vorbereitet und sie konnte sich gestern wieder daran erinnern, nachdem sie von mir einen kleinen, wortlosen Wink f√ľr seinen Ehrentag bekam.
  • Als sie ein Video von Eileen guckte, fragte diese nat√ľrlich auch nach, ob sich unser Kind denn noch an die Herkunft und Bedeutung des Namens Chantal erinnern w√ľrde … nu gloor tat sie das!!!
  • Selbst unseren Obsttest in „Real-Life und 3D“ hat sie mit Bravour bestanden – auch wenn Carsten sie damit eigentlich mal so richtig ver√§ppeln wollte    zwinker    zuerst zog er eine kleine Gurke raus und sie antwortete „Gurke“ … dann holte er einen Apfel raus und sie antwortete „Apfel“ … dann holte er den n√§chsten Apfel raus und sie antwortete grinsend „noch ein Apfel“ … dann holte der Apfel Nr. 3 raus und sie musste lachen. Herrlich! Sie hat nicht ein einziges Mal versucht, uns eine Birne oder M√∂hre unterzujubeln …
  • Und als wir ein reines Ged√§chtnisspiel einschoben, damit ihre Arme und H√§nde auch mal etwas pausieren konnten und sie sich zur√ľcklehnen sollte, sind wir einmal von A bis Z durchs Alphabet gegangen und suchten Automarken. Das hat echt gut geklappt, denn manches hat sie von Anfang an selbst gewusst (BMW, VW/Volkswagen, Hyundai, KIA) und einige Marken konnten wir schon durch die ersten ein bis zwei Silben aus ihr hervorlocken. Vor allem die Franzosen (Citroen, Renault, Peugeot) und so manchen Asiaten (Suzuki, Mitsubishi) kramte sie auf diese Weise erfolgreich aus ihrem wirren Oberst√ľbchen hervor. Wir waren durchaus etwas √ľberrascht, denn ein Autofan war sie wahrlich noch nie … doch Vornamen, St√§dte, L√§nder und Orte haben wir schon in den letzten Wochen gespielt. Es sollte also mal was neues her.

Punkt 2: das Spielen

Um ein paar √úbungen so richtig zu vertiefen, haben wir uns diesmal nur auf sehr wenige Dinge konzentriert … aber vor allem auf ihre Holzbox:

Sie musste mit Rechti und Linki (!) mehrere Aufgaben erledigen und von Tag zu Tag wurde sie doch etwas schneller und geschickter:

  • die Kiste festhalten, aufklappen und alle Steine rausholen … zum Teil tat sie das einzeln, aber manchmal auch gleich mehrere auf einmal
  • Linki nimmt den Stein vom Tisch auf, beide H√§nde drehen zusammen bis Stephanie die Zahl vorlesen kann und der Stein wird abschlie√üend mit Zahl nach oben wieder auf den Tisch gestellt … das hat Linki nun auch schon ab und zu mal ganz alleine geschafft
  • Steine nach Farben aussortieren und von Rechti zu Linki geben … sie hatte leichte Unsicherheiten bei Rot, Orange und Pink
  • Zum Abschluss einen Stein in die richtige √Ėffnung (1 von 3 m√∂glichen) stecken … manches geht leicht von der Hand und mit manchen Formen (z.B. dem Halbkreis) steht sie doch arg auf Kriegsfu√ü

Am ersten Tag lag die Box noch auf dem Tisch vor ihr, beim n√§chsten Mal war sie schon in Stephanies Richtung der Augen angekippt …

… und gestern dann auf Augenh√∂he:

Wir glauben, dass sie beim Einsch√§tzen der Formen und der richtigen Steindrehung noch Probleme hat, wenn der gleiche Umriss eben nicht auf Anhieb erkennbar ist – Kreis, Quadrat, Halbkreis, Stern, Trapez, Dreieck & F√ľnfeck. Erst wenn sie frontal auf das Loch und die jeweilige Form des Stein in ihrer Hand gucken konnte, klappte vieles besser. Da fehlt ihr eben noch sehr die Vorstellung und das r√§umliche Denken. Sie versteht zum Teil auch √ľberhaupt nicht, warum z.B. so etwas denn verflucht-nochmal nicht funktionieren will:

Und es dauert manchmal auch sehr sehr lange, bis sie die Steine richtig in den H√§nden gedreht hat. Bei einem kleineren Spielw√ľrfel hatte sie da schon sehr viel weniger Probleme: sie sollte mit einem W√ľrfel w√ľrfeln und den der Seite gegen√ľberliegenden Wert mit einem zweiten W√ľrfel auf den Tisch legen – d.h.:

  • w√ľrfeln … kann sie mittlerweile ohne Probleme
  • den gegen√ľberliegenden Wert ausrechnen … beiden W√ľrfelseiten ergeben ja immer 7, dementsprechend sind die P√§rchen also 1 und 6, 2 und 5 sowie 3 und 4
  • den errechneten Wert mit W√ľrfel Nr. 2 auf den Tisch legen … Linki und Rechti drehten den W√ľrfel und legten ihn mit der gew√ľnschten Zahl nach oben ab

Sie hat die Aufgabenstellung erstaunlich schnell kapiert und konnte sie auch erfolgreich umsetzen Рdie Suche einer bestimmten Seite auf dem Holzstein dauerte da schon teilweise recht lange, je nachdem wie sie ihn gerade (durch Zufall?) in den Händen drehte.

Egal, es kommt ja nicht nur auf die Richtigkeit der √úbungen an, sondern insbesondere auch auf das Training der H√§nde und Finger. Ihre Motorik und vor allem das Gef√ľhl, Linki bei bestimmten Dingen mit einzubeziehen (und das nicht nur auf Kommando), scheinen sich jedenfalls stetig zu verbessern. Und wir m√ľssen nat√ľrlich ebenfalls viel Fingerspitzengef√ľhl bei ihrer Aufmerksamkeitsspanne beweisen, denn sobald sie unkonzentriert wird, muss eben auch mal abgebrochen oder etwas anderes stimulierendes gefunden werden.

Diese Woche hatten wir leider nur wenig Zeit f√ľr die schon einmal beschriebene Puzzle-App, aber die l√§uft uns nicht weg …

Punkt 3: das Essen

Na, ist es euch aufgefallen? Diesmal erw√§hne ich das Thema erst zum Ende hin    zwinker

In der Woche kommen wir ja direkt von der Arbeit (ca. 15:30 machen wir los, ca. 16:15 sind wir bei ihr) und statt wie bisher im Auto unser Abendbrot zu essen, haben wir es uns nun so eingerichtet, dass wir gegen 17:30 mit dem Kind zusammen essen. Sie bekommt ihren Teller und den Nachtisch inklusive Medikamentendosis vom Pflegezentrum und wir bringen unsere „Bemmen“ und die Yoghurts eben in einer Butterbrotdose mit. So schweigen wir uns dann kurzzeitig mal alle m√ľmmelnd an    standard

Am Ende √ľberreicht sie sogar schon ihren Teller samt aufgelegtem Besteck recht zielsicher an einen von uns … aber es fehlt nat√ľrlich noch an der Feinmotorik, wie z.B. das konstant waagerechte Halten, um eine rutschende Gabel zu verhindern.

Mit im Gep√§ck ist nat√ľrlich auch immer „Der Geschmack des Tages“ – diese Woche waren es Banane (DI), Gurke (DO), Camembert (SA) und Rosienenstuten (SO). Stephanie sieht beim Kauen dieser „Spezialit√§ten“ stets so unendlich gl√ľcklich aus! Doch eine Sehnsucht wird fast immer wieder von ihr erw√§hnt – nein, es ist √ľberraschenderweise nicht der D√∂ner, sondern ganz simples Mett bzw. Hackepeter. Das hat es ihr echt (geschmacklich) angetan und vielleicht ist es auch bald mal wieder so weit …

Zudem hatten wir am Samstag ein Fundst√ľck aus dem Kaufland mit dabei: diesen Pizza Hawaii-Smoothie

Trotz des √ľber 60 prozentigen Anteil an Ananassaft hat Stephanie erstaunlich mehr davon getrunken, als wir im Vorfeld und insbesondere nach unserem eigenen Probieren gedacht h√§tten. Fragt nicht, es schmeckte … √§hm … gew√∂hnungsbed√ľrftig. Und Carstens Fall war es √ľberhaupt nicht    zwinker    dabei bestellt er aus der Familie als einziger √∂fters gerne mal Pizza Hawaii.

Aber was sagt ihr eigentlich hierzu?

Ja, ihr seht richtig: diese Gurke hat sie tats√§chlich mit Linki gegessen. Stephanie ist zu Anfang nat√ľrlich nicht von allein darauf gekommen, aber sie hat im Laufe des Essens auch keine Anstalten gemacht, sie einmal wieder zur√ľck in die rechte Hand zu geben. Sie hat es echt supergut durchgezogen und das Essen mit Linki klasse zum Mund gef√ľhrt! Erst die untere Gurkenh√§lfte ging dann (leider) an mich, denn das Kind war satt. Schade, wir h√§tten doch so gerne gesehen, wie Linki den unteren Teil bewerkstelligt h√§tte. Beim n√§chsten Mal vielleicht …

Wie anfangs erw√§hnt sind dies also unsere drei Dinge, die wir derzeit jeden Besuchstag geplant durchziehen, um Erlerntes zu vertiefen, zu trainieren und um eine solche Gewohnheit reinzubringen, dass sie vielleicht eines Tages nicht einmal mehr dar√ľber nachdenken muss. Genau so, wie es wahrscheinlich bei jedem von uns angelernt ist, oder? Denn wer von euch denkt noch genau √ľber die Benutzung von Messer und Gabel nach? Eben, keiner.

Zum Abschluss w√ľrde ich gerne noch diese drei Kleinigkeiten erw√§hnen, um damit unsere letzte Woche komplettieren und abschlie√üen zu k√∂nnen:

Ihre Ecke bzw. ihr Bereich im Zimmer wird zunehmend wohnlicher und eigentlich sind nur noch ein paar Details hinzuzuf√ľgen, wie z.B. Beschriftungen, Aufh√§ngen des Nachrichtenbretts (im Fach oben rechts) oder vielleicht noch das ein oder andere Ding umr√§umen. Das Regal sowie der Stumme Diener scheinen jedenfalls gut anzukommen und wir freuen uns √ľber die vielen Ablagem√∂glichkeiten und den Platzgewinn:

Im Gespr√§ch mit den Ergos haben wir erfahren, dass man nun sogar schon angefangen hat, einen Transfer zwischen Bett und Rolli ohne Lifter und Rutschbrett zu √ľben. Damit k√∂nnte man dann Stephanie zu einem sp√§teren Zeitpunkt (wir denken immer an unser Credo „Gut Ding will Weile haben“ sowie „Schrittchen f√ľr Schrittchen“) auf den eigenen Beinen und mit viel K√∂rpereinsatz des Helfenden hin und her bewegen. Die ersten Versuche sahen wohl auch schon sehr vielversprechend aus, aber es dauert noch, bis alles als Workaround an Dritte (also uns) „√ľbergeben“ werden kann. Doch alleine schon, eine solche M√∂glichkeit √ľberhaupt mal in Aussicht gestellt zu bekommen, hat mich megagl√ľcklich gemacht.

Und hiermit noch kurz zu meinem Einsatz als Friseuse …

… wobei Stephanie das doch irgendwie zu genie√üen scheint. Mit Trockenshampoo hatten wir uns ja schon bei unserem gemeinsamen Campingurlaub in Kanada 2019 ausreichend besch√§ftigt und waren obgleich der Ergebnisse recht √ľberrascht. Jetzt muss sie nur noch ihre zweite Pubert√§t hinter sich bringen und wir m√ľssten uns nicht mehr so sehr im Kampf gegen das schnelle Fettigwerden der Haare und ihre hin und wieder erscheinenden Pickel plus Hautunreinheiten im Gesicht anstrengen – ach ja, ich warte weiterhin ganz geduldig auf sooooo viele Ergebnisse, Besserungen und das Erreichen von Zielen, versprochen!



2021 12.
Sep

Und wieder ist eine Woche vorbei – gef√ľhlt diesmal sogar noch schneller als sonst. Das k√∂nnte sicherlich aber auch daran liegen, dass es unsere letzte Urlaubswoche war und wir morgen schon wieder im allgemeinen Arbeitsalltag stehen werden. Geht euch doch bestimmt auch so, dass die letzte Woche einer Reise oder eines Urlaubs immer besonders flink an einem vorbeirast, oder nicht?

Doch beim Zur√ľckblicken und Recherchieren f√ľr diesen Blogeintrag realisierte ich, was wir in der gef√ľhlt kurzen Zeit dennoch alles unternommen und geschafft haben. Wir nutzten das sch√∂ne Wetter jedenfalls voll aus und machten u.a. zwei Tagestouren in die L√ľneburger Heide (zum Serengeti-Park Hodenhagen und Weltvogelpark Walsrode) mit anschlie√üendem Umweg zu Stephanie auf dem R√ľckweg und haben unter den strengen Blicken unseres Kindes ein neues M√∂belst√ľck f√ľr ihr Zimmer aufgebaut. Dann unternahmen wir nebenbei noch einen Abstecher zum Russenladen in Hamburg-Bergedorf und zum Baumarkt, haben den Smartie zusammen mit dem ADAC wieder ans Laufen gebracht und jetzt am Wochenende konnten wir endlich zahlreiche Formulare ausf√ľllen, die aufgrund von Stephanies Umzug von Geesthacht in Schleswig-Holstein (Krankenhaus) nach L√ľneburg in Niedersachsen (Pflegezentrum) auf unseren Tisch flatterten. Dank des leiblichen Vaters und seiner Frau hatten wir am Samstag und Sonntag n√§mlich besuchsfrei, da sie extra f√ľr diese beiden Tage aus Sachsen zu ihr gekommen sind.

Versteht mich nicht falsch, ich besuche Stephanie immer liebend gerne, aber insbesondere die Fahrerei von ca. zwei Stunden f√ľr das Hin und Zur√ľck raubt schon sehr viel Zeit von einem ohnehin schon gef√ľhlt viel zu kurzen Tag. Und da ab n√§chste Woche unsere Arbeitgeber berechtigterweise wieder ihre vertraglich zugesicherten 40-Stunden-Wochen einfordern, startet zudem das Agreement mit dem Kind, jetzt nur noch am Dienstag, Donnerstag und am Wochenende zu Besuch zu kommen – daf√ľr aber dann bestimmt auch mal ein St√ľndchen l√§nger als bisher. Das bringt ebenfalls sicher wieder etwas mehr Ruhe in unseren Alltag …

Genug √ľber mich bzw. uns geschrieben, wechseln wir einmal zu Stephanies Fortschritten oder auch zu ihren Problemchen – hier ist n√§mlich auch schon wieder viel passiert.

Beginnen wir mit dem Essen. Dort geht es bei ihr weiter stetig voran, denn sie bekommt f√ľr ihr Brot nun Scheibenk√§se und -wurst, morgens d√ľrfen es mittlerweile auch schon weiche Milchbr√∂tchen sein und beim Trinken wird sehr viel weniger angedickt. Zus√§tzlich haben wir ihr versprochen, an jedem unserer Besuchstage einen f√ľr sie „neuen“ Geschmack mitzubringen – nat√ľrlich unter Einhaltung jeglicher Ess- und Trinkbeschr√§nkungen. Wir starteten am Montag auf ihren eigenen Wunsch hin mit einer halben Flasche Dunkelbier/Malzbier/Kinderbier (das hat sie fr√ľher geliebt und trinkt es auch immer noch gerne), am Dienstag gab es inklusive Ansto√üen mit mir ein kleines Glas alkoholfreies Bier (auch dieser Geschmack bleibt weiterhin positiv f√ľr sie) und am Donnerstag servierten wir ihr ein kleines Potpourri von McDonalds …

… bei dem f√ľr sie ein Nugget mit s√ľ√ü-sauer So√üe, ein kleiner Bissen vom Hamburger, ein kleines St√ľck vom Veggi-Burger-Patty und drei Bissen H√§hnchenfilets ohne knusprige Panade aber mit s√ľ√ü-sauer So√üe abfiel. Leider haben wir von ihrem seligen Gesicht kein Foto gemacht, aber ihr k√∂nnte mir glauben, sie genoss wirklich jeden einzelnen Bissen!!!
Bei ihr braucht man auch nicht zu sagen, dass sie jeden Bissen 32 mal kauen soll … sie bringt es locker auf 60 mal und mehr    zwinker    und selbst bei solchen Dingen, wie das hier, kaut sie wie eine Besessene:

Dabei waren die am Freitag verkosteten Pflaumen- und Zwetschgenst√ľcke bereits butterweich, ohne Kern und ohne Haut. Aber wir kennen das ja von uns selbst: beim Kauen setzen sich noch viel mehr Geschmacksmolek√ľle frei. Stephanie liebte bislang jede kulinarische K√∂stlichkeit, die wir ihr vorsetzten. Noch geben wir ihr auch ausschlie√ülich nur ihre Lieblingsdinge, aber es werden sicherlich bald auch mal Mitbringsel f√ľr ein „so lala“ oder „b√§h pfui“ mit dabei sein. Schlie√ülich wollen wir mit ihr ja noch richtig viel ausprobieren    standard

Und unsere Raupe Nimmersatt m√∂chte sowieso st√§ndig essen. Erst heute haben wir erfahren, dass sie noch einmal zwei Schnitten zum Fr√ľhst√ľck ausgeh√§ndigt bekam, weil Stephanie der Meinung war, dass sie noch nicht gefr√ľhst√ľckt h√§tte. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass das nicht so ganz stimmte und sie dennoch hungrig war oder Lust auf mehr hatte. F√ľr die erste H√§lfte ihres Tellers reichte es zwar noch, aber dann war sie satt und wollte doch nicht mehr alles aufessen …

Wechseln wir mal vom Essen zum Lernen. Grundlegend k√∂nnen wir dem, was wir letzte Woche im Therapeutengespr√§ch zu h√∂ren bekamen, nur voll zustimmen: sie l√§sst sich allzu gerne ablenken – besonders beim Neulernen oder Trainieren. Wenn wir jetzt mit ihr unter unseren Lieblingspavillon gehen, entscheiden wir anhand der geplanten √úbungen, ob wir sie und den Rolli mit dem Blick in Richtung einer leeren Wiese oder doch lieber in Richtung des mitunter lebhaften Innenhofes positionieren. Bei unseren Aktivit√§ten guckt sie n√§mlich auch immer wieder mal gerne in der Weltgeschichte herum und interessiert sich f√ľr jeden Gespr√§chsfetzen oder jedes Umgebungsger√§usch, was bei Trainings und √úbungen nat√ľrlich mehr als hinderlich ist. Also machen wir es von ihrer Lust und Laune sowie von unseren Intentionen abh√§ngig – was bislang recht gut klappt.

Die Themen der heutigen Woche reichten vom Russisch …

(Da diese kyrillischen Buchstaben auch genau so im lateinischen Alphabet vorkommen, w√ľrde man sicherlich eher an das Silbendurcheinander „CA-PO-TA“ denken, aber Stephanie liegt mit ihren Antworten schon richtig und lacht sich eher √ľber „SA-RO-TA“ kaputt. Carstens Lieblingsbeispiel bleibt in diesem Zusammenhang „CCCP“, was aber eigentlich SSSR ausgesprochen wird Sojus Sowetskich Sozialistitscheskich Respublik.)

… √ľber die Bedienung eines Tablets …

(Das Tippen, Ziehen und Schaltflächen suchen bzw. immer nur mit der Fingerkuppe und nicht dem Fingernagel oder gar mehreren Fingern bedienen klappt schon recht gut.)

… das Aufschlagen eines Buches, das Umbl√§ttern von Seiten und auch das Lesen von Texten …

(Aufschlagen klappt, beim Bl√§ttern erwischt sie mitunter noch mehr als eine Seite und beim Lesen reicht die √úbersicht gerade mal f√ľr 2-3 Zeilen, danach verliert sie etwas die Orientierung.)

… die Gesamtprozedur f√ľr eine Briefwahl …

(Sie wollte zun√§chst noch alles alleine machen und somit im Geheimen w√§hlen, aber sp√§testens nach „du nimmst den Wahlzettel und setzt zwei Kreuze an die richtigen Stellen“ entschloss sie sich dann doch zu einer gemeinsamen Erledigung der zugeschickten Wahlunterlagen.)

… das Lesen einer Zeitung …

(Sie wollte eine Zeitung zum Lesen haben – bekam sie. Aber dann fragte sie „Wie geht das ?“ – wir zeigten es ihr und sie verzichtete lieber mit den Worten „zu kompliziert“.)

… bis hin zum √Ėffnen und Lesen eines Briefes.

(Schon beim ersten Schritt, den Inhalt aus dem Umschlag zu bekommen, zeigten sich wieder sehr deutlich ihre Defizite im strategischen und logischen Umgang mit Dingen bzw. f√ľr das Erkennen einer L√∂sungsstrategie. Selbst beim Vorlesen versuchte sie eher die Worte hinter Carstens Positionszeigers (Finger oder Stift) zu lesen, statt die deutlich erkennbarer am Ende des Zeigers … leider ist sie damit noch lange nicht bereit, eigenh√§ndig Post zu empfangen und selbst zu lesen – schade.)

Zudem versuchten wir es mal bei ihr mit dem Legen von ganz trivialen Puzzles:

Den Anfang machte ein 6-teiliges Puzzle, doch auch hier leider nur mit sehr wenig Erfolg. Stephanie fehlt bislang jegliches Verst√§ndnis f√ľr das Zusammenlegen von mit Nasen und Buchten ineinandergreifenden Pappk√§rtchen, wobei da auch leider das Motiv keine gro√üe Hilfe f√ľr sie zu bieten scheint. Zudem kann sie Ecken- und Seitenteile nicht auseinanderhalten bzw. bestimmen und sie kann die geraden Seiten an einem Puzzleteil nicht richtig einsch√§tzen. Das erste Puzzle haben wir f√ľr sie zusammengelegt und viel dazu erkl√§rt, in der Hoffnung, dass etwas h√§ngen bleibt. Fehlanzeige! Auch als wir ihr m√ľndlich eine Anleitung zum Zusammenlegen gaben, schaffte sie nicht, Nasen und Buchten zusammenzustecken. Selbst als nur ein einziges Eckteil fehlte und sie dieses schon richtig gedreht in der Hand hielt, kam f√ľr sie nicht der gew√ľnschte Aha-Effekt. Wir haben nach vielen Fehlversuchen abgebrochen, denn egal mit welchen Engelszungen wir auf sie einredeten, wir fanden einfach kein Mittel, ihr das allgemeine Prinzip zu verdeutlichen. Vor Ende n√§chster Woche starten wir sicherlich keinen zweiten Versuch.

Da sie mit dem iPad schon recht gute Fortschritte zeigte, versuchte Carsten es mal mit einer Puzzle-App f√ľr Kleinkinder, bei dem ein vorgeschlagenes Teil (i.d.R. oben rechts angezeigt) nur an die richtige Stelle des Bildes gezogen und losgelassen werden muss. Dabei stehen dem Nutzer nur drei entsprechend geformte L√∂cher im Bild zur Verf√ľgung, die sich deutlich durch eine Holzmaserung oder eine schwarze Fl√§che hervorhebt:

Zudem ist dieses Puzzleteil eben nicht klassisch mit Nasen und Buchten geformt, sondern die Lochumrisse zeigen zum Teil ganze Figuren, Wolken, Reifen, Kotfl√ľgel oder H√§user. Und am Ende kann man mit dem Bild dann auch noch etwas spielen (Hupen, Motor aufheulen lassen, Tag/Nacht, Blaulicht u.s.w.). Leider gestaltete sich auch dieser Weg lang und steinig und wir waren nach den ersten Minuten der Verzweiflung nahe, aber dann hat sie zum Gl√ľck doch noch etwas mehr den Draht dazu gefunden. Anfangs waren f√ľr sie gro√üe, einfarbige Fl√§chen des Bildes sehr viel sch√∂ner als der eigentliche Ablageort f√ľr das Puzzleteil mit seiner Maserung oder der dunklen Fl√§che. Doch da macht eben das Spiel nicht wirklich mit und das zu steckende Objekt schnippte wieder zur√ľck in die rechte, obere Ecke. Bei unseren m√ľndlichen Dirigierversuchen hatte sie zudem wieder ihre Probleme mit oben, unten, rechts und links … in der Trockentheorie (Finger in der Luft) klappte es einwandfrei, aber sobald das iPad mit ins Spiel kam, war ihr Ziehen nach links eher ein „schr√§g unten“ und „rechts oben“ – das hat aber sicherlich auch etwas mit der Konzentration und den vermehrten Reizen zwischen Vor√ľbung und iPad-Nutzung zu tun. Und wenn man alternativ ihre Hand f√ľhren wollte, verkrampfte sie total auf die von ihr ausgew√§hlte Stelle und der Finger ist vor lauter Dr√ľcken fast schon „abgebrochen“.

Mit viel Geduld und Spucke haben wir dann aber doch noch drei verschiedene App-Puzzles geschafft und wie wollen mal sehen, wie sie sich nun beim n√§chsten Mal Anfang kommender Woche schl√§gt. Schrittchen f√ľr Schrittchen … wir werden geduldig sein, aber dennoch nicht so schnell aufgeben, versprochen. Erst wenn die App-Puzzles besser sitzen, holen wir wahrscheinlich wieder mal das analoge Pendant mit seinen Nasen und Buchten raus.

Besonders am Ende eines fertiggestellten App-Bildes, also beim belohnenden Spielen, zeigte sich wieder ein deutlicher Unterschied zwischen dem Verhalten einer 25-J√§hrigen (ihr Wissen, die Sprachen, die Erinnerungen, der Wortschatz) und dem einer 3-J√§hrigen (ein leichter Anlass reicht zu Freude und Spa√ü). Sie freute sich √ľber die Show auf dem Bildschirm und lachte wie ein Kleinkind √ľber ihr selbst erzeugtes Hupen, ger√§uschvolles Anfahren, den Wechsel zwischen Tag und Nacht sowie √ľber das Bedienen von Blaulicht & Co..

Gar nicht wie ein Kleinkind verhielt sie sich dagegen bei den Diskussionen √ľber das Ablegen der Orthesen. Denn wenn es nach ihr ginge, w√ľrde sie sie lieber 24 Stunden lang tragen und erhofft sich dadurch eine schnellere Korrektur, als sie immer wieder mal abzulegen. Stellten wir bei ihr zunehmend Kr√§mpfe oder Unruhe fest, wollten wir ihr die Orthesen nach dem ausreichenden Tragen (mindestens 2-3 Stunden) lieber abnehmen – das wollte sie auf keinen Fall. Zum Gl√ľck kam einmal gerade bei einem solchen Disput ihre Ergotherapeutin vorbei und machte mit ihr folgenden Deal: die Orthesen werden f√ľr 30 min ausgezogen und wenn ihre Muskeln danach noch krampfen sollten, bekommt sie sie wieder angezogen … bleiben die Kr√§mpfe aber aus, w√§re das n√§chste Anlegen erst wieder am n√§chsten Morgen. Nat√ľrlich krampfte sie fortan nicht mehr und sie hielt sich auch brav an die Abmachung mit der Therapeutin.

Gegen√ľber Therapeuten zeigt sie sich ohnehin stets folgsam und ehrgeizig, denn sie wei√ü, dass deren √úbungen zu ihrem gew√ľnschten Endziel f√ľhren. So h√§ngt sie sich derzeit auch beim Standing (relativ alleine mit durchgedr√ľckten Knien auf ihren Beinen stehen und der K√∂rper wird nur noch mittels Halteb√§ndern einer Maschine unterst√ľtzt) sehr rein und gibt vor allem nicht auf. Wo ihr Kreislauf Anfang der Woche noch gestreikt hat und sie nach einer Viertelstunde recht blass geworden ist, schaffte sie am Donnerstag schon wieder ihre 30 min komplett und der Kreislauf spielte wieder sehr gut mit. Sowas sind dann nat√ľrlich immer ihre gr√∂√üten Erfolgserlebnisse des Tages!

Am Montag wurde es frei Haus geliefert, am Dienstag wurde es von Carsten an „unserem“ Pavillon innerhalb von ca. 3 Stunden aufgebaut: ein Kallax-Regal mit neun Einsch√ľben, damit Stephanies Dinge etwas benutzerfreundlicher verstaut werden k√∂nnen, als bislang alles nur im Kleiderschrank.

Nun k√∂nnen wir endlich zwischen Kleidung und Non-Kleidung trennen, denn die ganzen Spiele, Trainingsger√§te und sonstiger Schnulli kann ab sofort in diesem Regal untergebracht werden – Stephanie gef√§llt’s:

Zum Abschluss m√∂chte ich noch eine f√ľr mich √ľberraschend ausgegangene √úbung beschreiben. Als Schulkind musste Stephanie einmal das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane auswendig lernen und bei vielen Gelegenheiten (z.B. im Auto) haben wir immer wieder mal aus Spa√ü ein paar Zeilen (insbesondere die erste Strophe) rezitiert. Ich wollte diese Woche testen, ob davon immer noch etwas h√§ngen geblieben ist. Also habe ich das Gedicht ausgedruckt und nach Absprache mit ihr f√ľr sie vorgelesen. Dabei kam dann folgendes raus:

  • Ich: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“
  • Sie: „Ein Birnbaum in seinem Garten stand“

Wow, ich war begeistert!!! OK, diese Textsicherheit war aber wirklich auch nur bei der ersten Strophe so toll …

  • Ich: „Da sagte von Ribbeck: Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins …“
  • Sie: „Grab“

Immerhin …

  • Ich: „Aber der Alte, vorahnend schon und voll Mi√ütraun gegen den eigenen …“
  • Sie: „Sohn“

Einzelne Passagen sa√üen also weiterhin abrufbar im Hinterkopf …

  • Ich: „Und die Jahre gingen wohl auf und ab, L√§ngst w√∂lbt sich ein Birnbaum √ľber dem …“
  • Sie: “ Grab“

Hat sie das am Sinn oder an der Reimform erkannt oder sogar aus den Erinnerungen herausgeholt ? Egal …

  • Ich: „So spendet Segen noch immer die Hand des von …“
  • Sie: „Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“

Glaubt mir, ich war perplex und hatte kleine Tr√§nchen im Auge. Klar, es war sicherlich keine Glanzleistung, die in der Schule eine gute Note herbeigef√ľhrt h√§tte, aber nach all den oben aufgef√ľhrten Problemen bei den f√ľr uns einfachsten Dingen (Brief, iPad, Lesen, Puzzle etc.) finde ich, dass es doch ein recht ansehnliches Ergebnis f√ľr mein Experiment war, oder?

Wir arbeiten weiter an ihrem Erinnerungsverm√∂gen, an ihren Fingerfertigkeiten und vor allem an den vielen allt√§glichen Dingen, die sie erst noch wieder neu erlernen muss. Dr√ľckt uns bitte auch zuk√ľnftig ganz fest die Daumen, dass sie es schafft, dass wir durchhalten werden und dass wir vor allem unsere Geduld nicht obgleich der Erfolge verlieren m√∂gen. Wir ertappen uns n√§mlich immer wieder dabei, dass wir f√ľr uns normale Dinge auch bei ihr irgendwie als gegeben voraussetzen … zum Gl√ľck sind wir zu zweit und haben auf jeder Fahrt hin oder zur√ľck bis zu einer Stunde Zeit, unsere Eindr√ľcke, W√ľnsche und Erwartungen auszudiskutieren. Das erdet manchmal ungemein    standard