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Kommentar:   

 
Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2022 12.
Mai

Stephanie war zwar von Dienstagnachmittag bis Sonntagabend bei uns, aber da das Wetter fĂŒrs Wochenende eigentlich sehr viel schlechter angekĂŒndigt wurde als es am Ende dann war, hatten wir im Vorfeld keine AusflĂŒge geplant und stattdessen viel gespielt, geĂŒbt, gefaulenzt und trainiert. Deshalb werde ich diesmal wieder sehr viel mehr Infos zu ihrer Entwicklung und den Fortschritten geben können.

Gleich am Dienstagabend ein kleines Highlight fĂŒr das Kind: der erste Spargel und die ersten Erdbeeren in diesem Jahr – beides fand sie sooooooo lecker!!!

Und wenn wir schon mal beim Essen sind, dann seien auch gleich mal diese kulinarischen Schmankerl erwÀhnt:

1.) Wir waren in einem American Diner zum Abendessen. Ihre erste Feststellung: „Hmmm, viel zu viel Auswahl!!!“ … am Ende entschied sie sich fĂŒr ein BLT-Sandwich:

2.) FĂŒr den Donnerstag hatte Sveta versprochen, morgens ein paar Bliny zu machen, auf die sich Stephanie natĂŒrlich ganz besonders freute:

3.) So ist das, wenn man ĂŒber einem EiscafĂ© wohnt: nach einem Spaziergang kommt man unweigerlich immer daran vorbei und man entscheidet sich spontan, ein oder zwei Kugeln Eis auf die Hand mitzunehmen, oder?

Aber keine Angst, ich wollte euch damit nicht nur unsere Leckereien zeigen, sondern auch gleich mal die Tatsache aufgreifen, dass Stephanie jetzt eigentlich fast alles selbst „verwalten“ kann. Sie durchforstet die Speisekarte und bestellt ganz alleine. Sie kann am Tisch oder an ihrem Rollitisch all das essen, was man mit den HĂ€nden, einer Gabel oder einem Löffel wegfuttern kann. Auch beim Trinken braucht sie weder Hilfe noch Hilfsmittel. Einzig das Schneiden in mundgerechte StĂŒcke oder das Abbeißen von besonders widerspenstigen Dingen (z.B. wenn es zĂ€h wie Schinken, groß wie ein Burger oder unhandlich wie eine Pizza ist) schafft sie noch nicht ohne uns.

Am Wochenende ist dann final noch dies zur wiedererlangten SelbststÀndigkeit hinzugekommen:

Sie hat sowohl am Samstag als auch am Sonntag die ersten Male (nahezu) ganz alleine ihr FrĂŒhstĂŒcksbrötchen aufgeschnitten und Carsten musste dabei weder physisch eingreifen, noch sehr viele Hinweise geben, was sie nun eigentlich tun solle. Und ehrlich, das Endergebnis konnte sich sogar sehen lassen! Nur an der Zeit mĂŒssen wir noch etwas verbessern, denn die ist mit 1 Minute und 30 Sekunden noch etwas zu lang, doch das wird sich ab jetzt hoffentlich sicherlich ebenfalls stetig verbessern.

Das Gleiche gilt fĂŒr das EinschĂŒtten von FlĂŒssigkeiten in GlĂ€ser und Tassen, wo sie jetzt zwar noch UnterstĂŒtzung braucht – vor allem beim Heben – doch sie stellt sich dabei weder dumm noch tollpatschig an. Und *klopfaufholz* bislang mussten wir auch noch nicht viel wegwischen    zwinker

Beim Saft ist es eher die Armkoordination, die noch von Carsten gefĂŒhrt wird …

… beim Wasserkocher macht ihr natĂŒrlich in erster Linie das Gewicht zu schaffen, gefolgt von der Angst, irgendwie doch an die heiße AußenhĂŒlle zu kommen:

In ein paar Monaten schauen wir sicherlich mit einem breiten LĂ€cheln auf unsere ersten Versuche zurĂŒck, wetten?

Stephanie hĂ€ngt sich jedenfalls in alle Herausforderungen so sehr rein, dass von uns immer wieder mal Ahs und Ohs zu hören sind. Sie öffnet und schließt mittlerweile beide Gurtsicherungen an ihrem Rollstuhl ohne fremde Hilfe und auch die Großbuchstaben sitzen fast fehlerfrei – jedenfalls die deutschen …

Die kyrillischen sind wir am Samstag zum allerersten Mal durchgegangen:

Wenn wir tĂ€glich ein paar Minuten ĂŒben könnten, wĂ€ren diese ebenfalls innerhalb von zwei Wochen kein Problem mehr – vielleicht sogar schneller. Doch im Pflegezentrum können die Wenigsten Russisch    zwinker

Das Lesen der analogen Uhr hat Stephanie ebenfalls innerhalb kĂŒrzester Zeit verinnerlicht. Sie braucht auch hier zwar noch etwas sehr viel lĂ€nger, als unsereins, aber sie weiß worauf es ankommt und wie die Zeiger abgelesen werden mĂŒssen. Dabei ist sie zudem sehr viel zielsicherer, wenn das Ziffernblatt groß und die Zeiger deutlich zu sehen sind, als wenn alles nur in ArmbanduhrgrĂ¶ĂŸe vorliegt (siehe KĂ€rtchen rechts):

FĂŒr ihr tĂ€gliches Üben hat sie jetzt eine analoge Wanduhr in ihrem Zimmer, welche sie nach eigener Aussage immer als erstes abliest und erst danach mit ihrer Digitaluhr (ebenfalls an der Wand hĂ€ngend) vergleicht. Die Grundlagen sind gelegt, die Schnelligkeit kommt dann bald von selbst.

In der Woche mussten Carsten und ich natĂŒrlich unsere und auch ihre Brötchen verdienen, also hat sie sich wĂ€hrend unserer Home-Office-Arbeit sehr viel selbst beschĂ€ftigt, z.B. mit diversen Puzzeln, wobei sie dieses zum ersten Mal ausprobiert hat …

… jedoch sehr schnell Gefallen daran fand …

… und dieses besonders gemein ist, da es eben nicht die klassische Nasen-Buchten-Variante hat:

Aber vor allem freute sich das Kind in der Residencia OLCA auf ihr tĂ€gliches Wordle – da hĂ€ngt sie sich echt ganz dolle rein, wie man an diesem Bild sehr gut sehen kann:

Oben links habe ich mal vergrĂ¶ĂŸert, was sie so auf dem Schreibtablet notiert, um das 5-stellige Wort herauszubekommen. Heute wĂ€re es fĂŒr sie sicherlich unlösbar gewesen … Carsten schaffte es beim fĂŒnften Versuch und ich sogar erst nach zwei Hinweisen von ihm beim sechsten. Es war aber auch ein sooooo gemeines Wort: insgesamt nur drei (!) verschiedene Buchstaben und das „N“ kam dreimal darin vor –> INNEN

Aber zurĂŒck zum Kind    zwinker

Carsten hat ihr und mir mal in der vergangenen Woche das „klassische“ Solitaire beigebracht …

… und auch das (stark vereinfachte) Memory-Spiel kam fĂŒr uns drei zum Einsatz:

Gegen mich hatte Stephanie noch keine Chance, aber als Carsten ihre „Intuition“ spielte und den Arm wie bei einer Marionette fĂŒhrte, wendete sich das Blatt ein wenig zu ihren Gunsten. Aber egal wer gewinnt, das stetige GedĂ€chtnistraining tut ihr unheimlich gut. Hier mal ein paar Runden Memory, am Telefon immer wieder die Frage nach dem Mittagessen und mit den Therapeuten scheint sie derzeit „Ich packe meine Koffer“ zu spielen.

Ihr seht, es geht weiter voran!!! Selbst beim Sitzen auf dem Stuhl konnten wir tolle Zeiten erreichen, denn am Samstag war es etwas mehr als 2 Stunden und am Sonntag erreichten wir sogar 2 Stunden und 39 Minuten am StĂŒck.

Und weil am Samstag der Regen dann doch ausblieb, haben wir Abends mal eine kleine Runde um den Block gedreht:

Inklusive Katzensichtung …

… und dem oben bereits erwĂ€hnten Eis zum Schlecken – das Kind war glĂŒcklich und wir auch:

Zum Abschluss noch ein Video. Ich erspare euch die 90 Sekunden Brötchenaufschneiden, aber ihr Spiel mit der Pusteblume muss an dieser Stelle einfach mal sein    standard

Ja, auch das Pusten mussten wir vor Monaten noch mit viel Aufwand und Geduld trainieren … heute ist es ein Klacks!

Weiter so, mein Kind !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



2022 02.
Mai

Ihr persönliches Highlight dieser Woche habe ich beim letzten Eintrag ja schon mal kurz angesprochen, deshalb greife ich das Thema natĂŒrlich auch gleich am Anfang auf: unsere Kleine schreibt wie eine Wilde!!! Und wird darin auch zusehends besser – vergleicht selbst:

Schon am Dienstag fanden wir diese, einfach mal so aus der Luft gegriffenen Wörter auf einem Blatt Papier niedergeschrieben. Sie hat sich die Buchstaben wohl woanders abgeguckt, gemerkt und nachgemalt. Bei manchen haben ihr sicherlich auch schon andere aus dem Pflegezentrum fĂŒr das flĂŒssige Schreiben geholfen, aber man merkt, dass es ĂŒberwiegend ihre Initiative war und sie einfach mal aus der Kalten heraus losgelegt hat. Sie hatte eben Langeweile und experimentierte deshalb ein wenig herum.

WĂ€hrend der nĂ€chsten Tage dann schon die ersten Steigerungen bei ihrer Graphomotorik, vor allem aber auch das Finden eines sinnvollen Einsatzzweckes. Sie notiert sich jetzt nĂ€mlich damit auch diverse Dinge als GedĂ€chtnisstĂŒtze:

Oben ist vor allem der Wunsch zu sehen, dass sie mal gerne (wieder) Flammkuchen und Halloumi-KĂ€se essen wĂŒrde. Die Tiere unten sind die Lieblingstiere unserer Familie: Stephanie = Giraffe, Andrea = Panda, Carsten = Wombat und bei mir = BĂ€r.

Mittlerweile notiert sie sich auch schon, was es bei ihr zum Mittagessen gab, da wir bei unseren tĂ€glichen Abendtelefonaten eh immer wieder danach fragen – aus Neugierde und um ihr GedĂ€chtnis immer wieder etwas mehr auf Trab zu halten. Wenn solch eine Niederschrift fĂŒr sie dafĂŒr eine gute Lösung ist, dann haben wir und sie doch alles richtig gemacht    zwinker

Und am Freitag sah die Schrift erneut noch sehr viel besser aus und die Texte werden ebenfalls immer lÀnger:

Schreibtechnisch haben wir sie also genau da, wo wir alle hin wollten. Es gibt jetzt sogar nur noch ganz wenige Buchstaben (z.B. X & Y) und eigentlich nur drei Zahlen (5, 8, 9), mit denen sie arge Probleme hat. Doch dieser ProblemfĂ€lle und ihre Graphomotorik an sich werden wir in der aktuellen Woche vermehrt ĂŒben können, denn ab Dienstagabend ist sie schon wieder fĂŒr ein paar Tage bei uns in der Residencia OLCA – jede erste Woche im Monat holen wir sie von DI bis SO zu uns.

Tschakka, wir schaffen das!

An diesem Freitag kam ein Paket aus Dresden an, welches dieses ganze Unterfangen sogar noch mehr unterstĂŒtzen kann:

Darin befand sich u.a. ein … hmmmm, frĂŒher nannte man das „Magic-Board“, jetzt muss ich erst einmal nachgucken … „Schreibtablet“. Magic dabei ist, dass man das Geschriebene durch einen einzelnen Knopfdruck wieder komplett löschen kann.

Diesen kompletten Dankesgruß schrieb sie am Freitag schon in unter 1 Minute und 30 Sekunden!!! Ich habe es von Anfang bis Ende mitgefilmt, deshalb weiß ich es ganz genau. Es sah wirklich sehr souverĂ€n aus, was sie da machte und wie sie es niederschrieb – kein Zögern, kein Verschreiben:

Aus diesem Grund auch von Carsten und mir auch noch einmal ein RIESENGROSSES Dankeschön an Barbara & GĂŒnter, die mit diesem Geschenk einen absoluten Treffer – und vor allem genau zur richtigen Zeit – gelandet haben. Stephanie hat es nun immer griffbereit in der NĂ€he und nutzt es andauernd, z.B. beim WORDLE-Spiel …

… und am Samstag fĂŒr eine Botschaft an ihre Freunde aus Potsdam und Berlin:

Diese machten sich nĂ€mlich gerade auf den Weg zu uns nach Wentorf, um Stephanie mal wieder besuchen zu können. Wir haben uns aufgrund des recht guten Wetters fĂŒr ein Grillen auf dem Balkon entschieden …

… und Stephanie bastelte im Vorfeld fast ganz allein am GrĂŒnen Salat – mit (am Ende fĂŒr sie wirklich ungewohnt wenig) Mais:

Aber wir hatten leider nur noch eine kleine Dose im Vorratsschrank    zwinker

Nach der herzlichen BegrĂŒĂŸung vor der HaustĂŒr …

… sind wir gleich raus auf den Balkon gegangen und haben viel gequatscht, gegrillt und gefuttert:

Als sĂŒĂŸen Abschluss haben die drei extra KĂ€sekuchen aus dem Potsdamer „CafĂ© Guam“ mitgebracht – nicht nur, weil der so gut schmeckt und das CafĂ© vor allem so viele verschiedene Sorten davon hat, sondern auch, weil sich die vier eigentlich genau dort bei ihren gastronomischen Nebenjobs kennengelernt haben. Gerade darum musste Stephanie die mitgebrachten KĂ€sekuchensorten erkennen und benennen:

Sie bekam das erstaunlich gut hin und sie konnte sich sogar noch an manche SpezialausdrĂŒcke und TĂ€tigkeiten von damals erinnern. So hatten z.B. Tische Kurzkennzeichen und es gab erinnerungswerte Besonderheiten bei der Nutzung und Pflege des Kaffeevollautomaten. Carsten und ich haben echt nicht schlecht gestaunt, was sie mal wieder alles aus dem hintersten Winkel ihres Gehirns ausgraben konnte – Chapeau!

Dieser ganz besondere Tag wurde natĂŒrlich mit einen Gruppenselfie festgehalten:

Das Kind hat an dem und am darauffolgenden Tag noch viel davon geschwĂ€rmt und es immer wieder mal angesprochen. Dabei war die Ablenkung vom Sonntag eigentlich auch nicht schlecht – Carsten zeigt ihr hier vom Balkon einen ersten Vorgeschmack:

Man sieht es nicht, aber sie steht hier tatsĂ€chlich auf ihren eigenen Beinen, hĂ€lt sich am GelĂ€nder fest und wird natĂŒrlich noch zusĂ€tzlich von Carsten gestĂŒtzt bzw. gehalten. Aber sie sollte trotz unserer BrĂŒstung, die aus dem Rolli heraus leider nicht zu ĂŒberschauen ist, mit eigenen Augen auf den Marktplatz unter uns gucken können, wo schon ab 8 Uhr ein ordentliches Gewusel herrschte:

Es war mal wieder Flohmarkt und auch wir konnten ein paar SchnĂ€ppchen fĂŒr uns, fĂŒr unseren ukrainischen Gast Sveta und ihren 2,5 Jahre alten Enkel ergattern:

Wir fanden hauptsĂ€chlich Spiele und einfache BĂŒcher in Deutsch und Russisch, doch unsere Suche galt vor allem fĂŒr Stephanies Feinmotorik und ggf. auch etwas, womit sie sich alleine beschĂ€ftigen könnte – das Spiel „Spring“ (unten links) kennt man wahrscheinlich eher als „SolitĂ€r“ , wo man durch Überspringen und Wegnehmen wie bei „Dame“ das Spielfeld möglichst leerrĂ€umen muss.

Laut Carsten kennt das wohl jedes deutsche Kind aus den 80ern, denn zu der Zeit hatte eigentlich fast jeder Haushalt dies als Spiel im Schrank oder sichtbar als Dekoration im Haushalt … stimmt das wirklich? Bei SolitĂ€r / Solitaire denke ich eigentlich immer nur an die Kartenversion aus dem Windows-Betriebssystem    standard

Hier noch zwei Dinge, die wir dieses Wochenende mit Stephanie zum allerersten Mal ausprobiert haben und die wir ab jetzt immer mehr festigen und beibringen wollen – zum Einen das EinschĂŒtten aus Flaschen und Saft-/MilchtĂŒten oder dem Wasserkocher …

.. zum Anderen das Spiel „Memory“ – hier erst einmal nur reduziert auf 12 KĂ€rtchen bzw. 6 PĂ€rchen:

Als Kind war Stephanie bei dieser PĂ€rchenjagd schier unschlagbar und auch jetzt blitzt noch ab und an mal wieder ein wenig GenialitĂ€t bei ihr auf. Dieses Spiel wollen wir ab sofort bei jedem unserer Besuche mindestens einmal nutzen, um durch dieses Training das GedĂ€chtnis weiter auf Vordermann zu bringen. Aber eines ist gewiss: das blaue Schreibtablet ist als GedĂ€chtnisstĂŒtze definitiv nicht erlaubt!    zwinker



2022 21.
Apr

Diesmal werde ich die Thematik des Blogeintrags wirklich aufteilen können: zum einen kann ich ĂŒber weitere, sichtbare Fortschritte bei Stephanie berichten und zum anderen wieder etwas ĂŒber unsere Unternehmungen erzĂ€hlen – das letzte ist ja schließlich das lange Osterwochenende gewesen:

Da unser Kind ganz dringend die unterstĂŒtzende Hilfe ihrer Familie brauchte, holten wir sie nicht erst am GrĂŒndonnerstag, sondern schon am Dienstagnachmittag ab. Somit war sie erneut eine ganze Woche (von Dienstag bis Ostermontag) bei uns in der Residencia OLCA. Dadurch konnten wir sie etwas schneller aus einem aufkeimenden GemĂŒtstief herausholen und gleichzeitig aber auch wieder mehr trainieren und ausprobieren, denn Carsten und ich hatten vor der Osterzeit schließlich noch zwei ganze Arbeitstage im Home-Office zu absolvieren. Sie musste also beschĂ€ftigt werden und es wurde erneut eine Win-Win-Situation, von der selbst unser ukrainischer Gast am Ende noch etwas hatte.

Denn bei so viel Freizeit konnten die beiden jeweils auf ihre Art trainieren, z.B. Stephanie ihre Motorik, wĂ€hrend Sveta sich intensiver mit der deutschen Sprache auseinandersetzen musste. Die beiden spielten u.a. „Wer ist es?“:

Hierbei muss anhand von Kopfmerkmalen (Haare, Bart, Augen, Geschlecht, Brille, Kopfbedeckung etc.) aus 24 Frauen und MĂ€nnern eine gesuchte Person herausgefunden werden. Mit Ja/Nein-Fragen kann man die unpassenden Bilder wegklappen und im Idealfall ist man am Ende schneller beim Identifizieren als der andere.

Sveta kĂ€mpfte sich wacker durch all die deutschen Begriffe, die mit dem Kopf zu tun haben, und Stephanie musste wiederum laut, deutlich und vor allem verstĂ€ndlich fĂŒr sie ihre eigenen Fragen formulieren. Wenn zwischenzeitlich nicht das Essen fertig gewesen wĂ€re, hĂ€tten die beiden wohl noch stundenlang weiterspielen können – ja, sie sind von dieser Jagd so richtig angefixt worden.

Dabei waren definitiv mehrere Fortschritte bei Stephanie erkennbar:

  • sie spricht immer deutlicher und selbst am Abend kann man sie mittlerweile noch gut verstehen
  • sie ist im Umgang mit dem Spielbrett und dem Umklappen der KĂ€rtchen sehr viel sicherer und geschickter geworden
  • sie kann sich nahezu perfekt auf ihr GegenĂŒber einstellen, sei es beim Sprechen und Verstehen als auch beim Helfen und Korrigieren
  • sie beherrscht die Spielregeln fast so gut wie jeder andere und brauchte wirklich nur noch ganz ganz wenig Hilfe … sie ließ diesmal sogar erste Anzeichen von Taktik erkennen

Das Kind bleibt zum GlĂŒck auch selbst weiter am Ball und machte in der letzten Woche mitunter von sich aus einen Vorschlag, was sie gerne mal wieder ausprobieren wĂŒrde, wie z.B. mit dem Rolli eigenhĂ€ndig durch das Wohnzimmer zu fahren und dabei auch nach rechts und links zu lenken:

Bitte verzeiht ihr unvorteilhaft eingefangenes Fotogesicht, aber es ist natĂŒrlich noch eine sehr große Anstrengung fĂŒr sie. Doch wir waren obgleich der zurĂŒckgelegten Strecke in unter zwei Minuten Ă€ußerst ĂŒberrascht und vor allem hocherfreut!

WĂ€hrend Carsten und ich im Home-Office ackerten und Sveta fleißig fĂŒr ihren Deutschkurs bĂŒffelte, schrieb Stephanie viel bei Facebook und Telegram, löste jeden Tag das deutsche Wordle und bemĂŒhte sich redlich, durch Schreiben weiterhin ihre Graphomotorik zu verbessern. Im Pflegezentrum hatte man es wohl schon einmal mit einzelnen Buchstaben versucht, aber soweit fĂŒhlt sie sich selbst noch nicht. Also schwenkten die Therapeuten und wir mal zurĂŒck auf das Schreiben von Zahlen …

… was bis zur 8 eigentlich auch ganz gut funktionierte – hiermit tat sie sich besonders schwer. Die Kreuzung in der Mitte wollte ihr einfach nicht gelingen und sie „bog“ anfangs immerzu wie eine umgekehrte Drei ab. Doch noch sind wir beim Nachmalen der Ziffern anhand von Strichen. Mit Blick auf eine Vorlage oder gar freihĂ€ndig schafft sie es leider noch (!) gar nicht, aber wir bleiben definitiv dran. Ich holte auch schon mal wieder die Heftchen mit den ersten SchwungĂŒbungen (Wellen, geometrische Figuren, Schleifen etc.) raus. WĂ€re doch gelacht, wenn wir das in den nĂ€chsten Wochen nicht hinbekommen wĂŒrden    zwinker

Ihre bislang zurĂŒckeroberten Fingerfertigkeiten konnte sie u.a. noch beim EierfĂ€rben unter Beweis stellen …

… sowie beim anschließenden Wienern mit Öl …

… damit die bunten Eier danach auch so richtig schön glĂ€nzten:

Bevor ich nun zu unseren beiden TagesausflĂŒgen schwenke, hier noch eine kurze Episode aus der Kategorie „Schei*** gelaufen …

… aber dennoch drĂŒber lachen können“    standard

Carsten verbrachte mit ihr am Karfreitag ĂŒber die Mittagszeit etwas mehr als drei Stunden in der Notaufnahme des Reinbeker Krankenhauses    traurig

Diesmal hatte sich bei ihr wieder die SPDK verstopft und musste von Ă€rztlichem Personal gewechselt werden. Zum GlĂŒck ist das Ganze keine schmerzhafte Prozedur und es bleibt auch ohne Nachwirkungen, aber mal ehrlich, so viel Zeit an einem Feiertag möchte man doch gerne anders miteinander verbringen, oder? Ich blieb gleich von Anfang an zuhause, denn aufgrund der Corona-BeschrĂ€nkungen darf eh nur eine Person mit in den Warte- und Untersuchungsbereich – ich hĂ€tte also im Auto warten mĂŒssen. Und hier ist Carsten als Begleitung sehr viel besser geeignet, vor allem fĂŒr den Fall, dass sie aus dem Rolli heraus und irgendwohin umgelagert werden muss.

Doch wie man am letzten Foto sieht: auch in einer solchen Situation verliert Stephanie nicht ihr sonniges GemĂŒt und kann selbst darĂŒber noch lachen. Bei einem Tagesausflug sollte das wiederum ja eine SelbstverstĂ€ndlichkeit sein und so war es natĂŒrlich auch.

Am Samstag sind wir gemeinsam mit Sveta nach BĂŒsum gefahren (beim letzten Mal kam ihr ja leider etwas dazwischen), wollten an der NordseekĂŒste das schöne FrĂŒhlingswetter genießen und unserem ukrainischen Gast vor allem das PhĂ€nomen Wattenmeer zeigen. Doch nach dem Aussteigen aus dem Auto und Umbetten von Stephanie in den Rollstuhl, galt unser primĂ€res Ziel zunĂ€chst der StĂ€rkung mit leckeren Fischbrötchen:

Zugegeben, Stephanie hÀlt dann doch lieber weiterhin nur an Kibbelingen mit Remoulade fest:

Aber dann kam endlich die Stunde der Wahrheit, als wir den Deich erklommen hatten:

Ebbe oder Flut? Watt oder nicht Watt?

Blöd, die Flut war noch da und somit vom Watt keine Spur    traurig

Aber egal, wir wollten ja eh noch ein paar Stunden herumlaufen und bis dahin wĂŒrde sich sicherlich noch etwas ergeben. Und glĂŒcklicherweise fand ausgerechnet heute auf der Familieninsel ein Drachenfestival statt, welches ebenfalls Ă€ußerst interessant war:

Es gab wirklich so viel zu gucken!!!

Und selbst die grĂ¶ĂŸere Menge an Menschen machte Stephanie nichts aus …

… sie war einfach nur froh mal wieder rauszukommen und auf Achse zu sein    zwinker

Das sieht man hier ganz deutlich, oder ?

Aber sie kann auch Pokerface!!!

Und fĂŒr mich sind die Pausen am schönsten:

Hmmm, doch wenn ich es genauer betrachte, bin ich auch ganz gerne unterwegs und suche unentwegt nach schönen Fotomotiven:

Und wie auf Bestellung konnten wir Sveta am spĂ€ten Nachmittag doch noch das PhĂ€nomen Watt zeigen, denn das Wasser war innerhalb von 30 min fast 500 m weit vom Ufer entfernt – hier der Anfang:

Egal wie oft ich mir dieses Schauspiel angucke, ich bin immer wieder völlig davon fasziniert. Schade nur, dass ich diesmal nicht mit den FĂŒĂŸen hineingehen und da durchwarten konnte – zum einen war es doch noch recht frisch bzw. kalt und in den jetzigen Zeiten will man sich sicherlich nicht erkĂ€lten und zum anderen kann Stephanie uns ja nicht ĂŒberall hin folgen. Also blieb es an dem Tag definitiv nur beim Gucken – „BerĂŒhren verboten!“    zwinker

Zum Abschluss unseres Rundgangs hatten wir sogar erneut GlĂŒck und das Steak-Restaurant war dieses Mal geöffnet. Wir teilten uns als Vorspeise einen Teller Labskaus

… und jeder bestellte dann als Hauptspeise was er wollte. Stephanie entschied sich an diesem, ihrem zweiten (!) richtigen (!) Restaurantbesuch, fĂŒr ein kleines Rumpsteak mit Bratkartoffeln …

… und hat alles sogar ganz alleine aufgegessen. Die einzige Hilfe, die sie benötigte, war das anfĂ€ngliche Schneiden des medium gebratenen Steaks in kleine, mundgerechte StĂŒcke – also auch hier ein Fortschritt!!!

Zudem muss man lobend anmerken, dass der Schlabberlatz Kleidungsschutz völlig sauber geblieben ist!

Es war insgesamt ein Ă€ußerst toller Tag und bei unserer RĂŒckfahrt nach Wentorf sahen wir am Horizont und teils auch neben der Autobahn noch etliche RauchsĂ€ulen und Flammen der vielen Osterfeuer sowie kurz vor der Durchquerung von Hamburg einen immens großen, rosafarbenen Vollmond, der an diesem Tag wohl auch Pink Moon genannt wird – ja, das Bild weiter unten auf der Webseite gibt genau das Rosa wieder, was wir auch gesehen haben, doch auf der Fahrt selbst nicht mit der Kamera einfangen konnten.

Der zweite Ausflug am Ostermontag fĂŒhrte uns zwar „nur“ in die nahegelegene Wentorfer Lohe, aber das Wetter und die Begleitung lassen auch diesen Tag fĂŒr uns unvergesslich werden. Unser Haushalt war mit Sveta, Stephanie, Carsten und mir vollstĂ€ndig vertreten und dazu kamen dann noch Svetas Tochter und Enkel samt der vierköpfigen Gastfamilie – wir wollten uns alle mal richtig kennenlernen und verabredeten uns an diesen Nachmittag zum gemeinsamen Picknick.

Der Weg zum angepeilten Rastplatz wurde zwar zum Teil etwas abenteuerlich und ruckelig, aber Stephanie ist bei Carsten die Ruhe selbst und vertraut seinen Entscheidungen mittlerweile blind. Wenn er sagt, dass das passt, dann passt das auch!

Dementsprechend kann sie selbst bei einem solchen Offroad-StĂŒck inklusive DurchschĂŒtteln völlig entspannt bleiben und hat sogar ihren Spaß dabei … sie wollte am Ende noch mehr davon!!!    zwinker

Übrigens, hier mal ein Foto meiner ehemaligen Kommilitonin aus Charkiv mit ihrer Tochter und dem zweieinhalbjĂ€hrigen LĂŒtten

… die eigentlich nur schnellstens das Ende des Krieges in der Ukraine herbeisehnen, um recht bald wieder zu ihren MĂ€nnern und den weiteren Familienmitgliedern zurĂŒckkehren zu können. Durch ihre tĂ€glichen Telefonate und Messenger-Nachrichten wissen sie wenigstens, dass es Freunden und Familie gut geht und ĂŒber die Geschehnisse in Charkiv Bescheid. Wir drĂŒcken allen ganz fest die Daumen!

NatĂŒrlich kann ich diesen Blogeintrag nicht mit einem solch schweren Thema enden lassen, deshalb wird hier und jetzt noch einmal die Hauptperson zum Tragen kommen. Carsten und Stephanie haben nĂ€mlich neben unserem Picknickplatz einige Zeit mit BĂ€llen gespielt …

… und das Werfen und Fangen …

… klappt zunehmend besser:

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es kehren bei Stephanie so viele Dinge wieder zurĂŒck (hier auf jeden Fall immer mehr Reaktionsgeschwindigkeit), dass wir noch lĂ€ngst nicht die Hoffnung aufgegeben haben, weitere Baustellen ebenfalls erfolgreich bewĂ€ltigen zu können. Ich gehe sogar so weit: „Bis hin zum Aufstehen und Laufen“ – ihr werdet sehen! Auch wenn es sicherlich nie wieder so hundertprozentig „richtig“ bzw. „geschmeidig“ sein wird, wie in ihrer Zeit vor dem Vorfall …



2022 11.
Apr

Wenn das Wetter von heute sich so gut weiterentwickelt, werden wir das nĂ€chste und lange (Oster-)Wochenende wohl endlich mal wieder rausgehen bzw. auf Achse sein können. WĂ€hrend des letzten Sams- und Sonntags spielte sich erneut alles nur in der Wohnung ab, aber wer uns kennt, weiß, dass wir auch hier durchaus unseren Spaß haben können …

Das Freitagsritual bleibt natĂŒrlich immer gleich: nachmittags im Pflegezentrum abholen, kurze Fahrt zum LĂŒneburger Kaufland, Abendessen draußen an der WĂŒrschtlbude (wenn das Wetter stimmt und es nicht zu kalt ist) oder drinnen beim BĂ€cker oder Asiaten …

…, ein fast einstĂŒndiger Wochen(end)einkauf, RĂŒckfahrt nach Wentorf und abschließend das Auspacken sowie Verstauen des Beutezuges – zack, da ist es auch schon 21 Uhr oder spĂ€ter. Also versacken wir danach gerne den Rest des Abends zappend auf dem Sofa und wenn wir es konditionstechnisch sogar schaffen sollten, gucken wir uns noch die „Heute-Show“ mit Oliver Welke live an.

FĂŒr den Rest des Wochenendes wird improvisiert. Stephanie fand vor ein paar Tagen im Pflegezentrum sehr großen Gefallen am Bingospiel, sodass sie sich das Equipment kurzerhand fĂŒrs Wochenende ausgeliehen hat. Also haben auch wir einmal die Kugeln krĂ€ftig rollen und das Auge geschwind ĂŒber unsere zwei ZahlenkĂ€rtchen schweifen lassen:

Mit diesem Song im Ohr und stĂ€ndig auf den Lippen („Popcorn“ von Hot Butter) spielten wir zweimal Best-of-Seven (wer hat die meisten Bingos nach insgesamt sieben StĂŒck) und ich schaffte beim ersten Durchgang in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Stephanie den Sieg …

… und beim zweiten kĂ€mpften wir verzweifelt gegen Carsten, der sogar unverschĂ€mt viele Zahlen auf seinen KĂ€rtchen „ankreuzen“ konnte:

Aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht und wir haben am Ende sicherlich keine dauerhaften SchĂ€den zurĂŒckbehalten … dĂŒpp dĂŒpp dĂŒddĂŒp dĂŒpp dĂŒddĂŒ, dĂŒpp dĂŒpp dĂŒddĂŒp dĂŒpp dĂŒddĂŒ    zwinker

„Oder was sagst du dazu, mein Kind?“

Paßt!!!

Auch ĂŒber diese zwei Neuerungen haben wir uns im Laufe des Wochenendes sehr gefreut:

1.) Stephanie wurde einmal aufgefordert, beim Tippen auf der Tastatur auch den linken Zeigefinger fĂŒr die Buchstaben mit einzusetzen und nicht nur fĂŒr das DrĂŒcken der SHIFT-Taste. Was soll ich sagen, nach ein wenig Eingewöhnung klappte es ganz toll und ihre erste Reaktion war „Oh, damit geht das Tippen ja sogar noch schneller.“ … Win-Win!!!

2.) Nachdem sie an mehreren Tagen gezeigt hat, dass sie schon ganz alleine eine halbe Avocado perfekt auslöffeln kann, sollte sie dies auch mal mit ihrem FrĂŒhstĂŒcksei versuchen – ebenfalls mit großem Erfolg!!!

Damit wĂ€re ein weiterer Schritt in die UnabhĂ€ngigkeit getan und ich warte echt sehnsĂŒchtig auf den Tag, an dem sie ihr FrĂŒhstĂŒck von Anfang bis Ende komplett alleine bewĂ€ltigen kann. Es kommt derzeit immer mehr dazu und viel fehlt nun wirklich nicht mehr …

Apropos Fortschritte: ab und an möchte sie den Vergleich zu frĂŒher sehen und wir gucken uns dann alte Videos an. Diesen Samstag z.B. Beweise davon, wie sie anfangs Mensch-Ă€rgere-dich-nicht gespielt hat – wir haben ihr beim Ziehen des PĂŒppchens jedes einzelne Feld zum AnzĂ€hlen zeigen mĂŒssen und auch beim WĂŒrfeln ging noch so einiges schief.

Nach so einem direkten Vergleich ist sie wieder etwas beruhigter und kann ihren Erfolg viel besser genießen. Denn selbst stellt sie das Erreichte eben nicht so fest, da sie im Hinterkopf auch immer noch die Erinnerung hat, dass sie es ja mal schon konnte. Am Gedanken ĂŒber das Wie und Womit scheitert es generell nicht, sondern nur am Befehligen ihrer Muskeln und Körperteile.

Besonders deutlich wird das derzeit beim Schreiben und Lesen. Sie kann perfekt lesen, sie kennt alle Buchstaben und sie tippt mittlerweile sogar schon richtig lange Texte auf der Tastatur. Auch das Halten eines Stiftes und das Ziehen einer geraden und geschwungenen Linie funktioniert getrennt betrachtet recht gut … aber all das zu einem handgeschriebenen Buchstaben zu kombinieren, vermag sie einfach noch nicht. Was bei ihr dafĂŒr trainiert werden muss, nennt man Graphomotorik und diese Baustelle wollen wir die nĂ€chsten Tage intensiver angehen.

Mal sehen, ob wir das am verlĂ€ngerten Oster-Wochenende etwas mehr erreichen können und am Ende sogar schon die ersten Erfolge erzielen – drĂŒckt uns bitte die Daumen dafĂŒr!

Klar, es können sicherlich keine Übungseinheiten in SchulstundenlĂ€nge sein, aber in kleineren HĂ€ppchen und mit der ein oder anderen Ablenkung, wie z.B. dem Helfen in der KĂŒche …

… oder mit einem Feinmotorik fördernden Spiel (mittels des roten Magnetstabs werden die farbigen Kugeln durch das Labyrinth an die jeweilen Sammelstellen bugsiert) …

… könnte ein kleiner Erfolg am Montagabend, wenn wir sie wieder zurĂŒck ins Pflegezentrum bringen, sicherlich schon erkennbar sein. Wir lassen uns mal ĂŒberraschen …



2022 07.
Apr

Da wetterbedingt an diesem Wochenende keine AusflĂŒge stattgefunden haben, können wir mal wieder gemeinsam einen Blick auf Stephanies Entwicklungen der letzten Wochen werfen. Auch die Anzahl der Fotos ist diesmal mit 17 StĂŒck eher moderat, oder?    zwinker

Am (Besuchs-)Dienstag haben wir ihre Fotowand weiter vervollstĂ€ndigt …

… und das Kind ist damit nun mehr als glĂŒcklich:

Es gibt sogar echt Zeiten, wo sie in ihrem Rollstuhl eben nicht in Richtung des Fernsehers gedreht werden möchte, sondern lieber mit Blick aufs Fenster oder auf ihre Fotos, die sie sich auch weiterhin mit wachsender Begeisterung anschaut. Das ist ein weiterer Beweis dafĂŒr, dass Stephanie meine Tochter ist – diese Fotoliebe hat sie definitiv von mir geerbt    standard

Neben unserem gemeinsamen Abendessen – diesmal mit Leckereien vom BĂ€cker auf dem Weg nach LĂŒneburg – …

… und damit auch der Befriedigung ihrer großen Leidenschaft fĂŒr Mettbrötchen …

… gaben wir ihr eine erste EinfĂŒhrung zum neu gekauften 5-Tasten-Handy:

Wir konnten dabei schon erste Telefonate tĂ€tigen und somit gemeinsam die wenigen und mit unseren Handyrufnummern programmierten Tasten testen, aber fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Nutzung hat es letztendlich doch noch nicht ganz gereicht. Das Gezeigte musste jetzt erst einmal ein wenig sacken und am Wochenende wurden auch noch ein paar Übungseinheiten fĂ€llig.

Aber sie fand die Idee ganz toll, da sie uns nun immer dann erreichen kann, wenn ihr danach ist. Vielleicht nutzen wir es zukĂŒnftig mal tĂ€glich fĂŒr einem abendlichen Schwatz inklusive ErzĂ€hlung, was jeder von uns so gemacht hat, sodass sie am Besuchstag und am Wochenende nicht immer gleich ĂŒber mehrere Tage nachdenken und referieren muss. Mal sehen, was am Ende möglich ist. Viel verkehrt kann sie damit jedenfalls nicht machen …

Aber ich versprach ja Ausblicke ĂŒber ihre (Weiter-)Entwicklungen. FĂŒr uns gehört dazu auf alle FĂ€lle ihr Umgang mit dem Wortquiz „Wordle„. Klar, bei besonders schweren Kombinationen oder von ihr unglĂŒcklich gewĂ€hlten Lösungsversuchen schafft sie es nicht immer innerhalb der sechs Möglichkeiten, aber sie bleibt generell bis zum Ende dran, ĂŒberlegt grĂ¶ĂŸtenteils sogar recht strategisch und schafft es somit auch immer öfter zu lösen. Am Freitag wollte sie nach dem Wochen(end)einkauf unbedingt noch „wördeln“ und mit dem letzten Versuch bekam sie ZWERG raus. Am Sonntagmorgen gelang ihr sogar dies:

Damit war sie echt schneller als wir beide (Carsten mit 4, ich mit 5 Versuchen) und natĂŒrlich megastolz auf sich – zu Recht!!! Sie geht mittlerweile immer mehr mit Strategie an Dinge ran und merkt sich am Ende sogar diese Wege. Im Vergleich zu vor einem halben Jahr definitiv eine deutliche Verbesserung.

Auch am FrĂŒhstĂŒckstisch erlangt sie weiterhin eine gute Routine fĂŒr ihre eigenen AblĂ€ufe. Ihre Kaffeezubereitung mĂŒssen wir nur noch wenig unterstĂŒtzen, denn sie schraubt das Glas mit dem löslichen Kaffeepulver selbststĂ€ndig auf, fĂŒllt alles ganz alleine in ihre Tasse und verschließt es hinterher auch wieder.

Ich gebe ihr noch 2-3 Monate und sie schneidet ihr Brötchen dann mit Sicherheit gĂ€nzlich ohne Hilfe auf – Carsten hilft ihr derzeit noch beim Drehen in der linken Hand und beim geraden Durchschneiden in zwei HĂ€lften. Schmieren und Essen geht ja schon seit Wochen völlig selbststĂ€ndig. Eine neue Herausforderung wird danach sicherlich das FrĂŒhstĂŒcksei, auf das sie an den Wochenenden in Wentorf nicht verzichten möchte, denn das Köpfen und Auslöffeln ist fĂŒr sie bestimmt die nĂ€chste richtig große Herausforderung. Hierbei darf schließlich nix schiefgehen und die Eierschale ist zudem empfindlicher als all das, was bei ihren bisherigen AblĂ€ufen so zum Einsatz kommt.

Apropos Einsatz: an diesem Wochenende konnten wir mit Stephanie zum ersten Mal den neuen Transportrollstuhl (rechts im Bild) …

… und den Badewannenlifter ausprobieren. Mit diesem Rolli passt sie endlich auch durch schmalere TĂŒren, wie z.B. die von unserem Bad, und durch den „Sitzfahrstuhl“ haben wir nun eine Möglichkeit, sie wieder aus der Wanne heraus zu bekommen – rein wĂ€re bislang das kleinste unserer Probleme gewesen    zwinker

Dieses Gesicht spricht BĂ€nde … „Und, wie fandest du das Baden und Haare waschen?“


[keine Angst, das Kind hat dieses Foto fĂŒr den Blog selbst freigegeben!]

Da aber nicht nur Stephanie bei uns etwas lernen soll, sondern auch unser Gast aus der Ukraine, kombinierte Carsten gleich mal mehrere Übungseinheiten:

Er zeigte auf eine Sache im Wimmelbuch, Stephanie musste das Bild erkennen und das deutsche Wort fĂŒr Sveta laut und verstĂ€ndlich mit dazugehörigem Artikel aussprechen. Und zwar so: „Katze … die Katze“, „Haus … das Haus“ oder „Baum … der Baum“. Umgangssprachliche „Vernuschelungen“ waren hierbei nicht erlaubt – also kein „Eima“, „Leita“ oder „Tafl“. Sveta hat sich jedes Wort inklusive Artikel notiert und dabei durch mich die Übersetzung ins Russische bestĂ€tigen lassen – was wiederum Stephanie aufschnappte und sich somit zum Teil auch noch an ihren eigenen russischen Wortschatz von damals erinnern konnte. Die drei haben ĂŒber eine Stunde damit zugebracht und wenigstens zwei Personen konnten dabei viel ĂŒben und lernen: Stephanie das Erkennen von Bildern und ihre deutliche Aussprache sowie Sveta mehr deutsche Wörter. Carsten wird sich sicherlich nicht sehr viele der russischen Begriffe gemerkt haben, was ich aber auch nicht erwarte. Er versteht eh schon jetzt viel zu viel, wenn Sveta und ich ĂŒber ihn lĂ€stern    zwinker

Samstagabend haben wir fast zwei Stunden lang zu viert Mensch-Ă€rger-dich-nicht gespielt und erneut konnte Stephanie uns ĂŒberraschen. Sie baute das Spielfeld ganz ohne Hilfe und Anweisung auf …

… wĂŒrfelte, als hĂ€tte sie das schon 1000. Male gemacht und selbst beim Ziehen des Spielsteins brauchte sie anfangs nur noch etwas UnterstĂŒtzung.

Allerdings haben wir an dem Abend auch sehr deutlich sehen können, wie Stephanies Konzentration so ab 45 Minuten kontinuierlich abnahm. Sie versuchte dann immer mehr mit dem Spielstein in die falsche Richtung zu gehen, ließ beim AbzĂ€hlen gerne mal ein Feld aus und vor allem suchte sie vor dem Ziehen immer lĂ€nger nach dem Pin in ihrer Farbe.

Stephanie erreichte mit GrĂŒn nach ca. 1 Stunde und 15 Minuten das Spielziel (lĂ€nger hĂ€tte sie sicherlich auch nicht mehr durchgehalten) und ich mit Gelb nur ca. 10 Minuten spĂ€ter (Hurra!!!), sodass danach noch Carsten mit Blau und Sveta mit Rot umherziehen mussten – diese VerhĂ€ltnisse sprechen BĂ€nde:

Arme Sveta … oder doch nicht? Sie erwischte Carstens Pin dann doch noch kurz vor seinem Stall und startete ab da eine unvergleichliche Aufholjagd. Da er jetzt nur noch 1er, 2er und 3er wĂŒrfelte, konnte sie nach und nach ihre PĂŒppchen in den Stall bringen und „lochte“ am Ende ganz dekadent mit einer 6 und einer 3 ein. Carsten war zu dem Zeitpunkt mit seinem Blauen gerade mal am Haus von GrĂŒn vorbeigezogen – was haben wir alle gelacht und gescherzt. Sprachenwirrwarr hin oder her! Ein toller Abend!!!

Das Nachlassen der Konzentration bei Stephanie zeigte sich auch am Sonntagvormittag ganz deutlich, als sie sich an einem Spiel der Maus-App versuchte, bei der sie RohrstĂŒcke verbinden und eine komplette Leitung mit einer vorgegebenen Anzahl an Teilen verlegen muss.

Nachdem das Spiel fĂŒr sie vor Wochen noch eine schier unlösbare Aufgabe darstellte (Carsten agierte zwischenzeitlich sogar schon mit zurechtgeschnittenen Knickstrohhalmen, um die jeweiligen RohrstĂŒcke zu simulieren), konnte er am Samstag gemeinsam mit ihr bis Level 12 lösen. Am nĂ€chsten Tag sollte sie alleine ganz von vorne anfangen und schlug sich anfangs auch richtig gut – endlich hatte sie das Prinzip verstanden. Ab Level 5 fiel ihr das Kombinieren schon schwerer (so nach ca. 30 min) und sie benötigte ab da wieder immer mehr seine UnterstĂŒtzung. Bei Level 8 bzw. nach 1 Stunde war aber komplett die Luft bei ihr raus und wir suchten lieber eine andere Aufgabe fĂŒr das Kind. Sie durfte mir dann kurzerhand in der KĂŒche helfen und ihren Akku beim Zuckerschotenschnibbeln aufladen.

Doch wir sehen hierbei vor allem das Positive: Stephanie kann bis zu 30 min auf Hochtouren laufen und schafft es trotzdem noch darĂŒber hinaus, sich wenigstens etwas auf die gestellte Aufgabe oder Übung zu konzentrieren. Und sie verliert danach auch nicht immer die Erinnerung ans Erlernte, sondern kann schnell wieder daran anknĂŒpfen … meist reicht sogar schon nur einmal drĂŒber zu schlafen. Wir haben schon so oft Übungen und Lernphasen abgebrochen, weil Stephanie auch nach dem 10. ErklĂ€rungsversuch keinen Zugang dazu fand, doch am nĂ€chsten Tag oder etwas spĂ€ter reichte ein einziges kleines Auffrischen und sie kam dann damit schon im Ansatz zurecht. Da wĂ€re ja wieder unser Credo: Schrittchen fĂŒr Schrittchen.

So war es auch bei der Übergabe ihrer neuen Fernbedienung, mit der sie sowohl den Fernseher als auch das Radio steuern kann. Wir brachten sie Sonntagabend ins Pflegezentrum, nagelten die in der Woche gelieferten Wanduhren an die dafĂŒr vorgesehen Stellen, ĂŒbten noch einmal kurz mit dem 5-Tasten-Handy und dann zeigte Carsten ihr ausfĂŒhrlich das neue „Werkzeug“.

Als wir gingen, lag sie schon im Bett (durch uns, da wir es auch ohne Lifter können) und versuchte mit der Fernbedienung klarzukommen …

… doch allzu viele Hoffnungen machten wir uns nicht. Zum GlĂŒck hĂ€tte sie bis Dienstag ja noch die alte Bedienung als Backup zur VerfĂŒgung. Aber weit gefehlt, denn sie sagte uns schon am ĂŒbernĂ€chsten Tag, dass sie es nach anfĂ€nglichen Schwierigkeiten doch noch hinbekommen hat. Und wann sagte sie uns das? Nicht nachmittags wĂ€hrend unseres Besuches, sondern schon am Dienstagvormittag per Handy!!!!!!!!!!!!    zwinker

Sie ist und bleibt unser ĂŒberdimensionales Überraschungs-Ei … und da steckt sicherlich noch enorm viel mehr drin, als nur Spiel, Spaß und Spannung. Wir halten durch, ihr auch?    zwinker



2022 22.
Mrz

Jetzt ist es wirklich passiert: wir haben Stephanie am Sonntagabend nach LĂŒneburg ins Pflegezentrum gebracht … und es fĂŒhlte sich anfangs sooo falsch an. Wir kamen uns auf der Heimfahrt ein wenig wie VerrĂ€ter vor – blöd, nicht? Doch solche Gedanken hatten wir damals auch schon, als die Entscheidung getroffen wurde, sie nicht mehr jeden Tag zu besuchen. Da hatten wir am ersten Abend in der Wohnung genau das gleiche GefĂŒhl …

Die letzten sechs Wochen kommen uns wie Monate vor, aber nicht wegen der zusĂ€tzlichen Arbeit und der schon etwas fremdgesteuerten FreizeitbeschĂ€ftigung, sondern mehr aufgrund der vielen Dinge, die wir gemeinsam erleben durften. Wir haben mal in unseren Gedanken gesammelt und die Liste der Erinnerungen ist echt lang geworden: zweimal Notaufnahme, mehrere Besucher, zahlreiche AusflĂŒge, Stephanies Geburtstag im Februar, unser Hochzeitstag eine Woche spĂ€ter, das Erlernen neuer Dinge, die spontane Fahrt nach Berlin fĂŒr Sveta und vor allem unsere vielen gemeinsamen Stunden mit unheimlich intensiven GesprĂ€chen. Das sollen nur sechs Wochen gewesen sein? Im Kopf nie und nimmer!

Und dann folgte das, was wir immer wieder herausgezögert haben: Packen.

SpĂ€testens hier kam die erste Traurigkeit auf, aber zum GlĂŒck flossen selbst beim Abschied keine TrĂ€nen – ich war jedenfalls kurz davor und hĂ€tte vom Kind auch so etwas erwartet. Aber wir hielten uns alle ganz tapfer und freuten uns lieber innerlich auf das nĂ€chste Wiedersehen in der Woche und vor allem das kommende Wochenende wieder hier in Wentorf.

Zudem war da ja auch noch der Einzug ins neue Zimmer, welches anfangs noch total nackt war …

… aber durch ihr Regal und vor allem ihre Fotos wurde es nach ca. drei Stunden Umzugsarbeiten durchaus wieder etwas heimeliger:

Ich bin echt gespannt, wenn sie uns morgen von ihren ersten Tagen, EindrĂŒcken und Erlebnissen aus dem Pflegezentrum berichten wird. Denn im Gegensatz zu den letzten sechs Wochen haben wir diesmal von ihrem Tagesablauf ja nicht viel mitbekommen. Im gemeinsamen Alltag unter der Woche und bei den Höhepunkten des Wochenendes waren wir schließlich immer hautnah mit dabei … genau da werde ich jetzt mal wieder ansetzten und einen kleinen Einblick geben.

WĂ€hrend unseres Home-Office-Alltags hat sie sich wie bisher auch ganz brav mit Lesen …

… Social Media, Apps, Wordle und Puzzeln …

… die Zeit vertrieben. Bei Letzterem verliebte sich sich vor allem in das Geschenk einer langjĂ€hrigen Bekannten von mir, die unserem Kind ein Set aus drei 12-teiligen Holzpuzzle zuschickte. Bis auf wenige Ausnahmen und vor allem innerhalb ihrer Aufmerksamkeitsspanne bzw. Konzentrationszeit von ca. einer Stunde schafft sie diese fast ohne fremde Hilfe zusammenzulegen.

Und zu erwĂ€hnen ist natĂŒrlich auch das Hören von Musik – dank des tollen Wetters war dies zunehmend auf dem Balkon möglich:

WĂ€hrend dieser Stunden ist sie immer ganz ganz weit weg mit ihren Gedanken – Musik war und ist auch weiterhin ihr Leben!

Am Mittwochmorgen konnten wir uns ausnahmsweise mal an diesem Anblick erfreuen:

Denn wir mussten frĂŒher aufstehen als sonst, da Sveta kurzfristig einen morgendlichen Onkologentermin in Hamburg bekommen hat. Carsten ist vor allem wegen der Fahrerei mitgekommen und somit konnte Stephanie nicht alleine zuhause bleiben. WĂ€hrend ich also mit Sveta bei der Ärztin war und dolmetschte, warteten die beiden im nahe gelegenen McDonalds und futterten sich durch das FrĂŒhstĂŒcksangebot:

FĂŒr Stephanie ein wahres Erlebnis, vor allem, da sie dort endlich den direkten Vergleich zwischen dem Original und unserer Sandwichmaker-Version der letzten Woche bekam – beides ist verdammt lecker!!!

Doch das grĂ¶ĂŸte Abenteuer war auf jeden Fall unser Ausflug nach BĂŒsum am Samstag – leider ohne unseren ukrainischen Gast, der die Nacht davor nicht so gut geschlafen hatte. Nach ca. zwei Stunden Autofahrt mit unserem AnhĂ€nger sowie einer unverhofft kurzen Parkplatzsuche sogen wir das maritime Drumherum so gut es ging in uns auf:

Im Fischereihafen gönnten Carsten und ich uns erst mal ein Fischbrötchen, Stephanie entschied sich fĂŒr Kibbeling mit Remouladensauce – fĂŒr die Unwissenden: frittierte FischstĂŒcke im Backteig. Danach erklommen wir den Deich und erhaschten einen ersten Blick auf die Nordsee:

Leider war vom Watt nicht viel zu sehen, da wir unseren ca. 6 km langen Deichrundgang wĂ€hrend der Flut absolvierten, doch auch ohne diese Besonderheit strahlt diese Ecke hier so viel Schönheit aus. Wir genossen jeden Meter …

… freuten uns ĂŒber das sehr angenehme Wetter (nicht zu kalt und nicht zu windig) …

… und hatten zu jeder Zeit unseren Spaß:

Wirklich immer? Naja, fast immer …    zwinker

FĂŒr wen war diese Tour wohl am entspanntesten? Rrrrrrrrichtig …

Nur auf ein leckeres Steak mussten wir bzw. vor allem Carsten verzichten, da das angesteuerte Restaurant leider wegen Corona geschlossen hatte. Kurz vor dem dem Parkplatz wurden wir aber doch noch fĂŒndig und mussten die zweistĂŒndige Heimfahrt nicht mit knurrendem Magen bewĂ€ltigen:

NatĂŒrlich gibt es auch in BĂŒsum genĂŒgend andere Restaurants, aber viele hatten (noch oder wieder) geschlossen, einige haben die Coronazeit nicht ĂŒberlebt (z.B. das „Luzifer“) oder sie sind eben nicht so ohne weiteres mit einem Rollstuhl zu befahren (z.B. „Gosch“). Doch egal, die CurrywĂŒrste mit Pommes haben uns nach dem Spaziergang auch sehr gemundet und glĂŒcklich gemacht. Oder können diese Gesichter etwa lĂŒgen?    zwinker

Was Sveta wÀhrend dieser Zeit genau gemacht hat, wissen wir nicht, aber sicherlich verbrachte sie auch ein paar Momente an bzw. in ihrem derzeitigen Lieblingsplatz bei uns:

Und damit bin ich auch schon mit der Beschreibung der 76. Woche durch … ĂŒber die erreichten Dinge von Stephanie werde ich sicherlich in den nĂ€chsten BeitrĂ€gen etwas mehr eingehen, denn wie ich schon beim letzten Mal beschrieben habe, ist wĂ€hrend des tĂ€glichen Umgangs mit ihr nichts Weltbewegendes festzustellen, da alles irgendwie so alltĂ€glich scheint.

Doch jetzt nach zwei Tagen ohne das Kind fallen mir spontan schon ein paar Dinge ein: sie putzt sich selbststĂ€ndig die ZĂ€hne, selbst mit nur einem Finger auf der Tastatur schreibt sie recht flott lĂ€ngere Texte und ich finde, dass sie ihren Körper noch viel besser in den Griff bekommen hat. Gut, die Spastik wirkt sich oft noch sehr hinderlich aus, aber Stephanie gibt nicht auf und versucht eben auch diese Körperteile immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen. Vor allem die linke Hand kommt dabei vermehrt zum Einsatz und beim Essen guckt sie bei uns zunehmend die aufrechte bis hin zur nach vorn gebeugten Sitzhaltung ab, um möglichst wenig auf ihren Kleidungsschutz zu kleckern. Vor allem hinterfragt sie immer mehr und mehr Dinge und möchte dann von uns auch das Wie und Warum wissen. Sie will definitiv zurĂŒck zur NormalitĂ€t und zu ihrer UnabhĂ€ngigkeit und kĂ€mpft mit allen Möglichkeiten – Bravo, weiter so meine Kleene!!!



2022 17.
Mrz

Ich kann es einfach nicht fassen, wie schnell doch schon wieder eine Woche vorbei ist … erneut hinke ich gnadenlos mit dem Blogeintrag fĂŒr die letzte Woche hinterher    traurig    tja, mit Stephanie und Sveta wird es eben nicht langweilig. Ja, Stephanie ist nun schon die 6. Woche am StĂŒck bei uns. Doch Sonntag könnte es wohl endlich klappen und sie kann dann endlich in ihr eigenes Zimmer einziehen – wir sind ja alle sowas von gespannt!!!

Doch was hat sie in der fĂŒnften Woche so erlebt und sich wobei evtl. weiterentwickelt? Ersteres könnte man chronologisch aufzĂ€hlen (das möchte ich diesmal aber nicht tun) und zweiteres ist echt schwer einzuschĂ€tzen, wenn man tagtĂ€glich mit Stephanie zu tun hat. Es ist ein wenig so wie die Großelternphrase „Mensch Kind, Du bist aber groß geworden!“ … fĂŒr uns ist vieles so normal geworden, dass wir einfach nicht mehr den direkten Vergleich zum Wie-war-es-mal-vorher haben. Sie isst mit uns am Tisch und kleckert immer weniger, sie puzzelt weiterhin unheimlich gerne und wagt sich auch immer wieder mal an neue Motive ran (i.d.R. 15-20 Teile), sie lĂ€sst uns im Home-Office relativ ohne Unterbrechung durcharbeiten, sie versucht immer mehr Handgriffe von uns zu kopieren und sie lĂ€sst sich auch immer mehr zeigen, um es dann relativ erfolgreich nachzumachen.

Unsere Vergleiche werden sicherlich erst wieder differenzierter, wenn wir sie nur am Wochenende bei uns haben und sie die Wochentage im Pflegezentrum verbringt. Ehrlich, wir lassen sie definitiv mit einem lachenden (endlich wieder etwas mehr Herr ĂŒber die eigene Freizeit) und einem bitterlich weinenden Auge (sie wird uns im Alltag so sehr fehlen) gehen.

Wie schon angedeutet, will ich heute aber weniger ĂŒber die „Standards“, wie z.B. Schreiben, Puzzeln, Sprechen, Trainings etc., berichten, sondern mehr ĂŒber unsere AusflĂŒge und Erlebnisse.

Womit verbrachte sie in der Woche so die freie Zeit zuhause?

Zum einen mit dem Genießen des Wetters auf dem Balkon und dem Hören ihrer Musik:

Sie hat nun eine Leidenschaft fĂŒr das deutsche Wordle entdeckt und stellt sich dabei echt nicht sonderlich dumm an:

Beim BeschĂ€ftigen mit ihren Holzklötzen wollte sie nicht nur von mir fotografiert werden, sondern auch gerne mal hinter der Kamera sein – voila:

Und wenn unser ukrainischer Gast Sveta und Stephanie Lust hatten und das Wetter stimmte, sind sie in der Siedlung spazieren gegangen bzw. gefahren:

Ich habe auch diese Woche weiter mit ihr in Fotoalben geguckt, um die alten Zeiten aufzufrischen und die Namen der Leute wieder in ihr GedÀchtnis zu rufen:

Einen Abend haben wir vier gemeinsam unseren neuen Breakfast-Sandwichmaker ausprobiert, der am Ende sogar richtig gute und leckere Egg-McMuffins ausgeworfen hat:

Wir hĂ€tten echt nicht gedacht, dass das Werbeversprechen am Ende so gut klappt und vor allem der Eierteil so einfach gelingen könnte. Allerdings haben sich Carsten und Stephanie zuvor so einige YouTube-Videos angeguckt, um schon im Vorfeld etwas mehr ĂŒber die Handhabung der zwei Abteile und des Trenners zu lernen. Mein Urteil: es hat sich echt gelohnt!

Ausnahmsweise ziehe ich jetzt mal kurz den Sonntag vor, denn der Samstag ist diese Woche mit Abstand Stephanies Höhepunkt geworden und soll somit auch ausreichend gewĂŒrdigt werden. Meiner Meinung nach ist am Sonntagnachmittag auf jeden Fall das niedlichste Foto von ihr entstanden:

Wir sind allesamt zu einem Treffen fĂŒr ukrainische FlĂŒchtlingen nach Reinbek gefahren und wĂ€hrend Sveta und ich uns in dem Pfarrheim mit den Anwesenden auf Russisch und Ukrainisch unterhielten, durfte Stephanie den dortigen Hund nach Lust und Laune herzen:

Damit waren sie und Carsten auch sehr gut fĂŒr die insgesamt 1,5 Stunden beschĂ€ftigt – verstanden haben sie sicherlich (fast) kein Wort    zwinker

Doch nun zum Samstag! Es sind an dem Tag zwei Selfies entstanden, da wir getrennte Wege gegangen sind. WĂ€hrend Sveta und ich „nur“ einen Spaziergang durch einen Wentorfer Wald gemacht haben …

… haben Carsten und Stephanie auf die Öffis zugegriffen und sind etwas weiter weg gefahren:

Der Kenner weiß Bescheid: sie waren in der Hamburger Innenstadt bzw. an den LandungsbrĂŒcken. FĂŒr Stephanie ein Mega-Event, denn die Menge an EindrĂŒcken musste sie am Ende noch lange verdauen.

Hier wurden ĂŒber 5 Stunden lang VergnĂŒgen (Wetter ausnutzen, Hamburg angucken, lecker essen) und Testen miteinander kombiniert: Wie verhĂ€lt es sich mit dem Rolli im ÖPNV? Gibt es ĂŒberall FahrstĂŒhle statt Treppen? Wo sind abgesenkte Bordsteine statt mit großen Schritten runterzuhĂŒpfen? Und kommt man ĂŒberhaupt ĂŒberall durch? Fragen ĂŒber Fragen, denen sich die beiden am Ende erfolgreich gestellt und sehr sehr viel dazugelernt haben. FĂŒr Stephanie war der Ausflug natĂŒrlich eine Mordsgaudi und wenn es nach ihr gegangen wĂ€re, hĂ€tte der Trip sogar auch noch sehr viel lĂ€nger ausfallen können    standard

Gegen 14 Uhr sind die beiden mit dem Bus (Niederflur) und der S-Bahn (Rollstuhlabteile) zum Hamburger Hauptbahnhof gefahren:

An einem Laden kamen sie dort natĂŒrlich nicht so ohne Weiteres vorbei:

Von dort tingelten sie dann ĂŒber die FußgĂ€ngerzone, ein kurzes StĂŒck an der Binnenalster entlang, ĂŒber den Jungfernstieg, am Rathaus vorbei und an Fleeten und ĂŒber Straßen bis zur Speicherstadt. Von da ist es dann auch gar nicht weit bis zu den LandungsbrĂŒcken:

FĂŒr Stephanie war bis hier schon alles Neuland, aber auch Carsten durfte sein Ersterlebnis haben, denn wir beide waren noch nie im Alten Elbtunnel, da immer irgendetwas dazwischen kam. Mit Stephanie hat er es nun geschafft und sie sind unterirdisch rĂŒber auf die andere Elbseite gegangen:

Das hole ich aber auch irgendwann mal nach    zwinker

Vor allem die Sicht von dort auf die Hamburger Skyline mit Elbphilharmonie, Speicherstadt, Michel und den LandungsbrĂŒcken muss besonders toll sein:

Nach diesem Ausblick sind sie auch schon wieder Richtung Wentorf aufgebrochen – durch den Alten Elbtunnel zurĂŒck, mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof (die Station „LandungsbrĂŒcken“ ist bzgl. Treppen und Fahrstuhl wohl ein kleiner Alptraum), mit der S-Bahn nach Reinbek (zum GlĂŒck mussten sie im Hbf den Bahnsteig nicht wechseln, denn beide FahrstĂŒhle waren defekt) und das letzte StĂŒck wieder mit dem Bus (hier lernte Carsten zum ersten Mal die Benutzung der eingebauten Rampe kennen und wie freundlich Mitreisende sein können).

Diesen Tag wird Stephanie nicht so schnell vergessen und wir haben ihr schon versprochen, dass es auch nicht ihr letzter (ÖPNV-)Trip nach Hamburg gewesen ist. Wenn der FrĂŒhling und Sommer endlich mal Einzug gehalten haben, stehen noch sehr viel mehr AusflĂŒge auf unserer Wunschliste: Zoo Hagenbeck, Aquarium Hagenbeck, Hafen-City, Stadtpark u.v.m.

Davon dann zu gegebener Zeit an dieser Stelle mehr …



2022 10.
Mrz

Wir leben gerade in einer recht wilden WG, dessen Alltag aber eben auch ganz ganz viel Zeit in Anspruch nimmt … deshalb leider wieder diese arg verspĂ€tete Berichterstattung zur letzten Woche. Neben Stephanie, die immer noch coronabedingt bei uns ist (5. Woche), und unserer tĂ€glichen Arbeit im Home-Office haben wir nun seit Sonntagnacht auch noch eine ehemalige Studienkollegin von mir in der Residencia OLCA. Sie ist an mehreren Tagen von Charkiw ĂŒber Warschau und Frankfurt (Oder) bis nach Berlin geflĂŒchtet, wo wir sie dann am Hauptbahnhof mit dem Auto abholen konnten.

Derzeit bin ich nach der Arbeit noch mit BehördengĂ€ngen, Übersetzungen und anderen organisatorischen Dingen beschĂ€ftigt, sodass mir einfach die Zeit zum Bloggen fehlt(e). Aus diesem Grund wird dies wahrscheinlich auch nur eine kleine Stephanie-Zusammenfassung, die zudem wohl hauptsĂ€chlich aus Bildern bestehen könnte.

Es bleibt glĂŒcklicherweise dabei, dass wĂ€hrend wir unser Wochenkontingent im Home-Office erbringen mĂŒssen, sich Stephanie grĂ¶ĂŸtenteils selbst und mittlerweile auch ĂŒber Stunden u.a. mit …

… Spielen, Lego (nach Anleitung), dem iPad (z.B. Telegram, Facebook & Co.), der App „Endlosquiz“, …

… etwas Essensbeschaffung (ErdnĂŒsse, Babybel etc.), Schreiben, Tippen, Puzzeln, Musikhören, Fußbad u.v.m. beschĂ€ftigt. In der letzten Woche entdeckte sie aber auch mal wieder ihre Freude am Liegen in der warmen Sonne, denn das Wetter war ja echt klasse, oder nicht ?

Gemeinsam haben wir dann u.a. eingekauft …

… gekocht, gespielt, Filme geguckt, Nachrichten im Fernsehen verfolgt und neue Dinge ausprobiert bzw. geĂŒbt. So konnten wir uns auch mal an das Thema „ZĂ€hneputzen von Anfang bis Ende“ wagen. Das Putzen an sich kann sie schon seit ein paar Wochen autark, aber es gehört ja letztendlich auch ein wenig mehr dazu. Also erweiterte ich ihr Portfolio um das Öffnen und Schließen einer Zahnpastatube (ca. 1 Tag ĂŒben) und das Auftragen von Zahnpasta auf die ZahnbĂŒrste (ca. 3 Tage):

Ich muss sagen, mittlerweile lege bzw. stelle ich ihr echt nur noch ZahnbĂŒrste, Zahncreme, SpuckschĂŒssel und ein Glas Wasser auf ihren Rollitisch und hĂ€nge ihr ein kleines Handtuch um den Hals, den Rest erledigt sie ganz alleine. Manchmal ist zwar noch etwas bei der Putztechnik zu bemĂ€ngeln, aber insgesamt kann sie ihr ZĂ€hneputzen schon von Anfang bis Ende durchfĂŒhren, ohne Hilfe von uns zu bekommen. FĂŒr uns wieder mal ein ganz großer Fortschritt!

Ansonsten gab es die Woche nur drei erwĂ€hnenswerte „Ausreißer“ aus dem Alltag:

1.) Am Montag nutzten wir das Wetter und die Zeit nach der Arbeit noch fĂŒr einen Spaziergang durch die Siedlung und verlegten das Abendessen kurzerhand in den Wentorfer McDonalds:

Das Kind war sehr sehr glĂŒcklich, denn wir konnten dort sogar noch zwei Donuts ergattern!!!

2.) Am gleichen Abend lernten wir aber (leider) auch die Reinbeker Notaufnahme kennen, denn beim allabendlichen Bettritual merkten wir, dass ihre SPDK Probleme machte und kein Urin mehr durch den Schlauch abgefĂŒhrt wurde. Den Wechsel des Teils, welcher durch die Bauchdecke fĂŒhrt, kann wohl nur eine Urologie durchfĂŒhren (deshalb auch kein erneuter Besuch der Notaufnahme in Hamburg-Bergedorf) und man sollte damit auch nicht allzu lange warten. Also schafften wir Stephanie gegen 23 Uhr vom Bett ins Auto sowie den Rolli in den AnhĂ€nger und nach nur 90 min kamen wir wieder zuhause an – danach „plĂ€tscherte“ alles wieder wie gewohnt und das Warten war dieses Mal auch nicht ganz so anstrengend und lang. Aber: wir lagen alle erst nach Mitternacht im Bett und am nĂ€chsten Morgen klingelte der Wecker um 6:00 …

3.) Am Mittwochnachmittag bekam Stephanie Besuch von einer ehemaligen Pflegekraft aus dem Gut WienebĂŒttel – die beiden verstanden sich in LĂŒneburg absolut super. Wir haben viel gequatscht und lecker zu Abend gegessen. Das Kind war auch diesmal ĂŒberglĂŒcklich, was will man mehr?!?

FĂŒr Samstag planten wir eigentlich eine Fahrt an die Nordsee, doch bei 5 Grad und starkem Wind konnten wir uns alle nicht so richtig dazu aufraffen. Am Sonntag absolvierten wir dann, wie oben bereits beschrieben, gegen 16:00 die spontane Autofahrt nach Berlin – 3 Stunden hin, 1 Stunde am Bahnhof warten und suchen, 3 Stunden zurĂŒck. Jetzt ist Sveta, so ihr Name, erst einmal bei uns untergekommen und wir sind nun im regen Austausch mit Behörden, Organisationen und anderen Gruppen, um die versprochene „schnelle und unkomplizierte Hilfe“ in Anspruch nehmen zu können – bislang mit sehr großem Erfolg. Nein, hier kann und will ich wahrlich nicht ĂŒber die deutsche BĂŒrokratie oder Beamte meckern …

Leider spricht meine Freundin aus Charkiw (im Osten, nahe der russischen Grenze) nur Russisch und Ukrainisch, sie musste ihre gesamte Familie in der Ukraine zurĂŒcklassen (Schwiegermutter ist bettlĂ€gerig, Mann kĂŒmmert sich um sie, Tochter und Enkel sind im Westen des Landes untergekommen), ihr GepĂ€ck bestand nur aus einem eilig zusammengepackten Rucksack (was wĂŒrdet ihr bei solch einer Flucht darin mitnehmen?) und zudem befand sie sich gerade mitten ihn einer Krebsbehandlung und Chemotherapie.  Aber dazu werde ich sicherlich beim nĂ€chsten Eintrag etwas mehr schreiben können, versprochen.

Ihr merkt, bei uns wird es nie langweilig    zwinker



2022 03.
Mrz

Die erste Woche unseres Home-Office zusammen mit Stephanie ist rum und wie gehofft, kann sie sich mittlerweile so lange und auch „selbststĂ€ndig“ beschĂ€ftigen, dass sie uns nie sonderlich von der Arbeit abgehalten hat. Aber zugegeben, es ist schon etwas anstrengend, neben dem Kind und der, im Gegensatz zur Urlaubszeit mit bedeutend wenigeren Stunden Freizeit nun auch noch eine 40-Stundenwoche mit unterzubringen. Hinzu kommen zudem die derzeitigen Ereignisse in meinem Heimatland und vor allem in meiner Heimatstadt. Auch wenn ich glĂŒcklicherweise keine direkte Verwandtschaft mehr dort habe, versuche ich natĂŒrlich so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen (Nachrichten, Sonderberichte, Internet-Zeitungen und Soziale Medien aus westlicher, ukrainischer & russischer Sicht) und mit ehemaligen Kommilitonen und Freunden aus Charkiw in Verbindung zu bleiben. Obwohl ich nun ja schon seit fast 30 Jahren in Deutschland wohne (ich bin am 4. Juli 1992 ĂŒber die deutsch-polnische Grenze gekommen), geht einem das Ganze schon ganz schön nahe … Heimat bleibt Heimat, Geburtsstadt bleibt Geburtsstadt.

Aber bleiben wir bei Stephanie, hier ist sie schließlich die Protagonistin.

Wie geschrieben, wĂ€hrend wir unsere Brötchen verdient haben und unserem Arbeitgeber wie gewohnt zur VerfĂŒgung standen, saß unser Kind immer in der NĂ€he und verbrachte die Stunden mit Training, Spiel, Spaß oder Entspannung.

D.h. sie puzzelte, hörte Musik, las, schrieb mit der Hand, antwortete ihren Kontakten im Chat, knackte ErdnĂŒsse, half, wo sie nur konnte beim Kochen, malte, chillte, ging einmal ihre gesamten Briefe aus der Zeit nach dem Vorfall durch und vieles mehr …

Sicherlich war dies fĂŒr ihre Genesung nicht immer das Beste und Sinnvollste – Therapien wĂ€ren da definitiv viel besser – aber die BegrĂŒndung, warum wir sie nach dem gemeinsamen Urlaub nicht wieder zurĂŒck ins Pflegezentrum gebracht haben, gab ich ja schon im letzten Blogeintrag. Solange wir können, werden wir sie trotz Booster von einer möglichen Corona-Ansteckung fernhalten, denn im August 2020 hat ihre Lunge wahrlich schon genug abbekommen.

Das Wochenende brachte dann aber auch die willkommene Abwechslung – vor allem das Wetter hat uns hier oben sehr verwöhnt.

Am Samstag sind zwei ehemalige Geo-Kommilitoninnen aus Potsdam vorbeigekommen und haben viel Zeit mit Stephanie verbringen können … ohne uns Alten    zwinker

Bei strahlendem Sonnenschein (zugegeben, etwas kalt war es leider doch noch, aber dafĂŒr gibt es schließlich Kleidung und Decken) nutzen die drei die Gelegenheit und sind fast zwei Stunden lang im Wentorfer Casinopark herumspaziert. Stephanie schwĂ€rmt noch heute davon!

Da uns das Wetter auch am Sonntag so wohlgesonnen war, sind wir erneut mit unserem dick eingepackten Kind fast den ganzen Tag draußen gewesen – diesmal bei einem mehr als dreistĂŒndigen Rundgang in der Wentorfer Lohe.

Dieses weitlĂ€ufige Areal (ein ehemaliges MilitĂ€r- und PanzerĂŒbungsgelĂ€nde) lĂ€dt heute mit vielen recht gut ausgebauten Wegen und einer tollen Mischung aus Wiesen, Feldern und Wald zu kilometerlangen SpaziergĂ€ngen ein – wir legten an dem Tag insgesamt 9,8 km zurĂŒck.

Zuerst an Straßen vorbei und durch eine Neubausiedlung aus Wentorf raus …

… wo wir gleich zu Anfang des Rundgangs an einer erstaunlich großen Hundewiese vorbeikamen, an der wir natĂŒrlich sehr interessiert den Vierbeinern und Herrchen bzw. Frauchen ein Weilchen zuschauen mussten:

Doch dann machten wir uns auf den Weg, den Carsten vorher per Karte und Google-Maps ausfindig gemacht hatte, und wir genossen diesen FrĂŒhlingsausritt so sehr! Dies ist definitiv eines meiner Lieblingsfotos:

Echt toll, oder? Wir haben sogar daran gedacht, alles fĂŒr ein Picknick einzupacken.

Ausgerechnet am entferntesten Punkt unserer Tour wurden die Wege fĂŒr ca. 150 m etwas abenteuerlich, denn die SturmschĂ€den der letzten Woche und das schwere GerĂ€t, um diese zu beseitigen, hinterließen in einem moorĂ€hnlichen Waldabschnitt richtig schlammige Spurrillen:

Hier war ein Durchkommen mit dem Rollstuhl nur rĂŒckwĂ€rts möglich, da sich die kleinen VorderrĂ€der beim Schieben sofort eingegraben haben. Doch wie erwĂ€hnt, blieb uns diese Passage zum GlĂŒck nur ein kurzes StĂŒck erhalten:

Der restliche Weg war ĂŒberaus phantastisch fĂŒr Stephanies Rolli geeignet und somit bleibt uns dieser Spaziergang sicherlich noch sehr lange in guter Erinnerung – vor allem nach den letzten Tagen mit viel Regen und starkem Wind. Endlich mal wieder draußen sein … herrlich!!!

Das soll es auch schon wieder gewesen sein, was es von der 73. Woche zu berichten gibt. Warum es diesmal so lange gedauert hat, bis ich sie zusammenfassen konnte, erfahrt ihr dann beim nĂ€chsten Mal. Keine Angst, es ist nichts Schlimmes … eher etwas total Schönes, was man gerne dem Schreiben vorzieht    standard



2022 22.
Feb

Dann will ich doch mal gleich da weitermachen, wo ich letzte Woche mit dem Spoilern aufgehört habe: am Montag war Valentinstag … ach ja, und unser 16. Hochzeitstag    zwinker

An dem Tag war sogar der Wettergott Ă€ußerst gnĂ€dig mit uns …

… und deshalb haben wir unser Vorhaben in die Tat umgesetzt und sind zu dritt in die FußgĂ€ngerzone von Hamburg-Bergedorf aufgebrochen. Das Auto samt AnhĂ€nger konnten wir glĂŒcklicherweise ganz in der NĂ€he abstellen und so lustwandelten wir gleich mehrere Stunden ĂŒber die Einkaufsmeile. Carsten und Stephanie gestatteten mir sogar den ein oder anderen Blick in ausgewĂ€hlte LĂ€den – leider kann das Kind mit ihrem ĂŒberdimensionalen Rollstuhl nicht ĂŒberall mit rein, sodass sie mit meiner OrangenhĂ€lfte draußen gewartet hat und die beiden die Umgebung beobachtet (vor allem Tiere) und gequatscht haben. Im Gegenzug musste ich dafĂŒr aber den ein oder anderen lukullischen Genuss organisieren, wie hier z.B. hollĂ€ndische Poffertjes:

Indoor konnte sich Stephanie insbesondere fĂŒr Rolltreppen begeistern, war sie bislang doch nur Fahrstuhl gefahren – sie fand es echt spannend und toll:

Doch natĂŒrlich wollte ich meine beiden Begleiter nicht nur an meiner Kauflaune teilhaben lassen, denn eigentlich haben Carsten und ich dem Kind ein Besuch im Steak-Restaurant in Aussicht gestellt. Wir konnten ja schon letztes Jahr unseren 15. Hochzeitstag coronabedingt nicht in gewohnter Weise mit einem Gaumenschmaus zelebrieren. FĂŒr dieses Jahr war das aber fest geplant … wenn nur wieder der ĂŒberdimensionale Rolli nicht gewesen wĂ€re. Man war im „Block House“ Ă€ußerst hilfsbereit und der nette Herr am Eingang hat auch mehrfach die Lage sondiert, aber leider sah er am Ende keine Möglichkeit fĂŒr uns    traurig

Wir haben dann noch etwas weiter in Bergedorf gesucht und sind letztendlich bei „Ruff’s Burger“ fĂŒndig geworden: ebenerdig, breite GĂ€nge, viel Platz am Tisch – perfekt!

Stephanie war total begeistert – zur Erinnerung, es war ihr erster Restaurantbesuch seit mehr als zwei Jahren gewesen (MĂ€cces mal ausgenommen). Völlig selbststĂ€ndig entschied sie sich aus der Karte fĂŒr einen Limette-Minze-Eistee, einen Pulled Pork-Burger und dazu SĂŒĂŸkartoffelpommes mit Mayo. Als unsere Bestellung kam, musste der Kellner aber zunĂ€chst Carstens BBQ-Platte bei ihr zwischenlagern – bei der Menge an Futter hat sie echt nicht schlecht gestaunt …

… und fast schon froh, dass sie „nur“ einen Burger bestellt hatte:

Zwar sah das Wetter der nachfolgenden Tage eher nicht danach aus (mehrere Tiefdruckgebiete mit viel Regen und starkem Wind bis hin zum Orkan), aber Stephanie aß ihre Bestellung plus mehrerer ProbierhĂ€ppchen aus unseren Speisen bis auf ein paar mickrige Pommes wirklich ganz alleine auf. Wir waren echt hin und weg!

Nach fast drei Stunden im Restaurant rollten wir satt, glĂŒcklich und sogar mit einer Valentinstags-Rose im GepĂ€ck zurĂŒck zum Auto:

Es war endlich mal wieder ein richtig toller Ausflug, ein schönes Hochzeitstagsessen unter Corona-Bedingungen und ein erster Einblick, wie der kommende FrĂŒhling wohl werden könnte. Hoffentlich gibt es bald mehr davon!!!

Denn auch in der zweiten Woche unseres Urlaubs schafften wir es wetterbedingt nicht wie erhofft an die Nord- oder Ostsee, sondern mussten fast ausschließlich in den eigenen vier WĂ€nden bleiben. Ich machte aus Verzweiflung sogar die ein oder andere Fotosession mit meinem ReisebĂ€ren inhouse:

Aber ich will nicht meckern, denn trotz zweier Orkane, wackelnder Fenster und knirschender Fassade blieb unsere Dachgeschosswohnung von SturmschĂ€den, vermissten GegenstĂ€nden und im Gegenzug erhaltenen Sturmwichtelgeschenken verschont. Andere hatten da ja leider nicht so viel GlĂŒck mit den Tiefs Ylenia und Zeynep …

Das Wetter ließ Dienstagmittag aber noch einen kleinen Ausflug mit Stephanie und windanfĂ€lligem AnhĂ€nger zu. Auf dem obligatorischen Weg zum Pflegezentrum in LĂŒneburg, um die nĂ€chste Wochenration Medikamente abzuholen, machten wir um Punkt 12 Uhr einen kleinen Zwischenstopp in Geesthacht und besuchten die ihre beiden ehemaligen Stationen IMC und B2 in der Vamed-Klinik. Stephanie hatte sich das Wiedersehen so sehr gewĂŒnscht und wollte noch einmal selbst fĂŒr alles Danke sagen, was Pflege-, Therapeuten- und Ärztepersonal am Ende zu ihrer Genesung mit beigetragen haben. Das im Dienst befindliche Personal war sehr erfreut, sie in dieser Verfassung begrĂŒĂŸen zu können, aber dennoch irgendwie auch erstaunt, wie weit es das Kind bisher schon (wieder) geschafft hat – eigentlich hatte man ehrlich gesagt anfangs nie und nimmer mit solch großen Fortschritten gerechnet. Nicht nur wir waren bei unserem Besuch den TrĂ€nen manchmal sehr nahe    standard

Stephanie ĂŒberreichte dabei auch eine von uns allen unterschriebene Dankeskarte:


[sie zeichnet hierbei Bleistiftlinien nach, obwohl sie eigentlich alle Buchstaben kennt und auch sehr gut lesen kann – wir haben heute im TherapeutengesprĂ€ch gelernt, dass es ihr noch an der Graphomotorik mangelt]

Die restlichen Tage brauche ich nicht tageweise zusammenfassen, denn aufgrund des oben beschriebenen Sauwetters haben wir die Zeit grĂ¶ĂŸtenteils mit Faulenzen und Chillen verbracht – erzwungene LĂ€mpeltage eben.

Wir kochten oder backten fast jeden Tag zusammen und auch hier sind schon wieder ein paar Fortschritte sichtbar, denn mittlerweile schneidet Stephanie zwar langsam, dafĂŒr aber selbststĂ€ndig und nur noch sehr selten mit Carstens oder meiner Hilfe:

Wir guckten diese Tage ein paar DVDs sowie Filme im Fernsehen, spielten …

… sie puzzelte weiter eifrig (mit viel Hilfe und Anleitung) …

… und fast jeden Abend bekam sie ihr entspannendes Fußbad inklusive abschließender Fußmassage von mir. Mal so:

Aber auch mal so:


[man beachte das Entertainmentpaket aus Fußentspannung, FingerbeschĂ€ftigung, Musik und dem DJ-Pult rechts]

NatĂŒrlich hielten wir trotz des erholsamen Mix aus Faulenzen, Chillen und LĂ€mpeln an unseren Trainingseinheiten, AlltagsĂŒbungen …


[einen Deckel aufzudrehen ist mittlerweile ĂŒberhaupt kein Problem mehr, er sollte allerdings nicht zu fest sitzen]

… und medizinischer Versorgung fest. Hier ist Stephanie in orthopĂ€discher Vollmontur abgelichtet, also mit beiden Fußorthesen (leider nicht zu sehen) und ihrer Handorthese – sie lĂ€chelt zum GlĂŒck trotzdem    zwinker

Am Freitag ist zudem noch endgĂŒltig die Entscheidung gefallen, dass sie auch die nĂ€chsten zwei Wochen bei uns in der Residencia OLCA verbringen wird, da im Pflegezentrum ein paar Corona-FĂ€lle gemeldet worden sind und aus dem Grund fast ĂŒberall eine QuarantĂ€nesituation gegeben ist. Die Bewohner sind ja auch nicht in einer geschlossenen Einrichtung und können sich somit frei bewegen, also z.B. in die Stadt fahren, um sich dort mit jemandem zu treffen. Aber da sich Stephanie mittlerweile fĂŒr mehrere Stunden ganz gut selbst beschĂ€ftigen kann, wird sie Carsten und mich im Home-Office wohl nicht sonderlich stören. Am 4.3. wird das nĂ€chste Mal anhand der aktuellen Lage entschieden, ob noch weiter verlĂ€ngert wird oder sie mal wieder in ihr Zimmer nach LĂŒneburg zurĂŒck kann.

Oh, fast hĂ€tte ich es vergessen: am Donnerstag bekam sie noch vom Hausarzt die beiden FĂ€den gezogen und wir nennen die nette Linienformation auf ihrem Kinn jetzt liebevoll „H-Schaltung“    zwinker
Autofahrer mit Schaltgetriebe werden diese Anspielung auf jeden Fall verstehen:

Wir werden somit auch weiterhin eine schöne Zeit zusammen haben und Stephanie kann ihre 2:1-Betreuung ohne Unterbrechung in vollen ZĂŒgen genießen. Davon dann beim nĂ€chsten Mal mehr – diesmal keine weiteren Spoiler von mir    zunge