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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 12.
Sep

Und wieder ist eine Woche vorbei – gefĂŒhlt diesmal sogar noch schneller als sonst. Das könnte sicherlich aber auch daran liegen, dass es unsere letzte Urlaubswoche war und wir morgen schon wieder im allgemeinen Arbeitsalltag stehen werden. Geht euch doch bestimmt auch so, dass die letzte Woche einer Reise oder eines Urlaubs immer besonders flink an einem vorbeirast, oder nicht?

Doch beim ZurĂŒckblicken und Recherchieren fĂŒr diesen Blogeintrag realisierte ich, was wir in der gefĂŒhlt kurzen Zeit dennoch alles unternommen und geschafft haben. Wir nutzten das schöne Wetter jedenfalls voll aus und machten u.a. zwei Tagestouren in die LĂŒneburger Heide (zum Serengeti-Park Hodenhagen und Weltvogelpark Walsrode) mit anschließendem Umweg zu Stephanie auf dem RĂŒckweg und haben unter den strengen Blicken unseres Kindes ein neues MöbelstĂŒck fĂŒr ihr Zimmer aufgebaut. Dann unternahmen wir nebenbei noch einen Abstecher zum Russenladen in Hamburg-Bergedorf und zum Baumarkt, haben den Smartie zusammen mit dem ADAC wieder ans Laufen gebracht und jetzt am Wochenende konnten wir endlich zahlreiche Formulare ausfĂŒllen, die aufgrund von Stephanies Umzug von Geesthacht in Schleswig-Holstein (Krankenhaus) nach LĂŒneburg in Niedersachsen (Pflegezentrum) auf unseren Tisch flatterten. Dank des leiblichen Vaters und seiner Frau hatten wir am Samstag und Sonntag nĂ€mlich besuchsfrei, da sie extra fĂŒr diese beiden Tage aus Sachsen zu ihr gekommen sind.

Versteht mich nicht falsch, ich besuche Stephanie immer liebend gerne, aber insbesondere die Fahrerei von ca. zwei Stunden fĂŒr das Hin und ZurĂŒck raubt schon sehr viel Zeit von einem ohnehin schon gefĂŒhlt viel zu kurzen Tag. Und da ab nĂ€chste Woche unsere Arbeitgeber berechtigterweise wieder ihre vertraglich zugesicherten 40-Stunden-Wochen einfordern, startet zudem das Agreement mit dem Kind, jetzt nur noch am Dienstag, Donnerstag und am Wochenende zu Besuch zu kommen – dafĂŒr aber dann bestimmt auch mal ein StĂŒndchen lĂ€nger als bisher. Das bringt ebenfalls sicher wieder etwas mehr Ruhe in unseren Alltag …

Genug ĂŒber mich bzw. uns geschrieben, wechseln wir einmal zu Stephanies Fortschritten oder auch zu ihren Problemchen – hier ist nĂ€mlich auch schon wieder viel passiert.

Beginnen wir mit dem Essen. Dort geht es bei ihr weiter stetig voran, denn sie bekommt fĂŒr ihr Brot nun ScheibenkĂ€se und -wurst, morgens dĂŒrfen es mittlerweile auch schon weiche Milchbrötchen sein und beim Trinken wird sehr viel weniger angedickt. ZusĂ€tzlich haben wir ihr versprochen, an jedem unserer Besuchstage einen fĂŒr sie „neuen“ Geschmack mitzubringen – natĂŒrlich unter Einhaltung jeglicher Ess- und TrinkbeschrĂ€nkungen. Wir starteten am Montag auf ihren eigenen Wunsch hin mit einer halben Flasche Dunkelbier/Malzbier/Kinderbier (das hat sie frĂŒher geliebt und trinkt es auch immer noch gerne), am Dienstag gab es inklusive Anstoßen mit mir ein kleines Glas alkoholfreies Bier (auch dieser Geschmack bleibt weiterhin positiv fĂŒr sie) und am Donnerstag servierten wir ihr ein kleines Potpourri von McDonalds …

… bei dem fĂŒr sie ein Nugget mit sĂŒĂŸ-sauer Soße, ein kleiner Bissen vom Hamburger, ein kleines StĂŒck vom Veggi-Burger-Patty und drei Bissen HĂ€hnchenfilets ohne knusprige Panade aber mit sĂŒĂŸ-sauer Soße abfiel. Leider haben wir von ihrem seligen Gesicht kein Foto gemacht, aber ihr könnte mir glauben, sie genoss wirklich jeden einzelnen Bissen!!!
Bei ihr braucht man auch nicht zu sagen, dass sie jeden Bissen 32 mal kauen soll … sie bringt es locker auf 60 mal und mehr    zwinker    und selbst bei solchen Dingen, wie das hier, kaut sie wie eine Besessene:

Dabei waren die am Freitag verkosteten Pflaumen- und ZwetschgenstĂŒcke bereits butterweich, ohne Kern und ohne Haut. Aber wir kennen das ja von uns selbst: beim Kauen setzen sich noch viel mehr GeschmacksmolekĂŒle frei. Stephanie liebte bislang jede kulinarische Köstlichkeit, die wir ihr vorsetzten. Noch geben wir ihr auch ausschließlich nur ihre Lieblingsdinge, aber es werden sicherlich bald auch mal Mitbringsel fĂŒr ein „so lala“ oder „bĂ€h pfui“ mit dabei sein. Schließlich wollen wir mit ihr ja noch richtig viel ausprobieren    standard

Und unsere Raupe Nimmersatt möchte sowieso stĂ€ndig essen. Erst heute haben wir erfahren, dass sie noch einmal zwei Schnitten zum FrĂŒhstĂŒck ausgehĂ€ndigt bekam, weil Stephanie der Meinung war, dass sie noch nicht gefrĂŒhstĂŒckt hĂ€tte. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass das nicht so ganz stimmte und sie dennoch hungrig war oder Lust auf mehr hatte. FĂŒr die erste HĂ€lfte ihres Tellers reichte es zwar noch, aber dann war sie satt und wollte doch nicht mehr alles aufessen …

Wechseln wir mal vom Essen zum Lernen. Grundlegend können wir dem, was wir letzte Woche im TherapeutengesprĂ€ch zu hören bekamen, nur voll zustimmen: sie lĂ€sst sich allzu gerne ablenken – besonders beim Neulernen oder Trainieren. Wenn wir jetzt mit ihr unter unseren Lieblingspavillon gehen, entscheiden wir anhand der geplanten Übungen, ob wir sie und den Rolli mit dem Blick in Richtung einer leeren Wiese oder doch lieber in Richtung des mitunter lebhaften Innenhofes positionieren. Bei unseren AktivitĂ€ten guckt sie nĂ€mlich auch immer wieder mal gerne in der Weltgeschichte herum und interessiert sich fĂŒr jeden GesprĂ€chsfetzen oder jedes UmgebungsgerĂ€usch, was bei Trainings und Übungen natĂŒrlich mehr als hinderlich ist. Also machen wir es von ihrer Lust und Laune sowie von unseren Intentionen abhĂ€ngig – was bislang recht gut klappt.

Die Themen der heutigen Woche reichten vom Russisch …

(Da diese kyrillischen Buchstaben auch genau so im lateinischen Alphabet vorkommen, wĂŒrde man sicherlich eher an das Silbendurcheinander „CA-PO-TA“ denken, aber Stephanie liegt mit ihren Antworten schon richtig und lacht sich eher ĂŒber „SA-RO-TA“ kaputt. Carstens Lieblingsbeispiel bleibt in diesem Zusammenhang „CCCP“, was aber eigentlich SSSR ausgesprochen wird Sojus Sowetskich Sozialistitscheskich Respublik.)

… ĂŒber die Bedienung eines Tablets …

(Das Tippen, Ziehen und SchaltflÀchen suchen bzw. immer nur mit der Fingerkuppe und nicht dem Fingernagel oder gar mehreren Fingern bedienen klappt schon recht gut.)

… das Aufschlagen eines Buches, das UmblĂ€ttern von Seiten und auch das Lesen von Texten …

(Aufschlagen klappt, beim BlĂ€ttern erwischt sie mitunter noch mehr als eine Seite und beim Lesen reicht die Übersicht gerade mal fĂŒr 2-3 Zeilen, danach verliert sie etwas die Orientierung.)

… die Gesamtprozedur fĂŒr eine Briefwahl …

(Sie wollte zunĂ€chst noch alles alleine machen und somit im Geheimen wĂ€hlen, aber spĂ€testens nach „du nimmst den Wahlzettel und setzt zwei Kreuze an die richtigen Stellen“ entschloss sie sich dann doch zu einer gemeinsamen Erledigung der zugeschickten Wahlunterlagen.)

… das Lesen einer Zeitung …

(Sie wollte eine Zeitung zum Lesen haben – bekam sie. Aber dann fragte sie „Wie geht das ?“ – wir zeigten es ihr und sie verzichtete lieber mit den Worten „zu kompliziert“.)

… bis hin zum Öffnen und Lesen eines Briefes.

(Schon beim ersten Schritt, den Inhalt aus dem Umschlag zu bekommen, zeigten sich wieder sehr deutlich ihre Defizite im strategischen und logischen Umgang mit Dingen bzw. fĂŒr das Erkennen einer Lösungsstrategie. Selbst beim Vorlesen versuchte sie eher die Worte hinter Carstens Positionszeigers (Finger oder Stift) zu lesen, statt die deutlich erkennbarer am Ende des Zeigers … leider ist sie damit noch lange nicht bereit, eigenhĂ€ndig Post zu empfangen und selbst zu lesen – schade.)

Zudem versuchten wir es mal bei ihr mit dem Legen von ganz trivialen Puzzles:

Den Anfang machte ein 6-teiliges Puzzle, doch auch hier leider nur mit sehr wenig Erfolg. Stephanie fehlt bislang jegliches VerstĂ€ndnis fĂŒr das Zusammenlegen von mit Nasen und Buchten ineinandergreifenden PappkĂ€rtchen, wobei da auch leider das Motiv keine große Hilfe fĂŒr sie zu bieten scheint. Zudem kann sie Ecken- und Seitenteile nicht auseinanderhalten bzw. bestimmen und sie kann die geraden Seiten an einem Puzzleteil nicht richtig einschĂ€tzen. Das erste Puzzle haben wir fĂŒr sie zusammengelegt und viel dazu erklĂ€rt, in der Hoffnung, dass etwas hĂ€ngen bleibt. Fehlanzeige! Auch als wir ihr mĂŒndlich eine Anleitung zum Zusammenlegen gaben, schaffte sie nicht, Nasen und Buchten zusammenzustecken. Selbst als nur ein einziges Eckteil fehlte und sie dieses schon richtig gedreht in der Hand hielt, kam fĂŒr sie nicht der gewĂŒnschte Aha-Effekt. Wir haben nach vielen Fehlversuchen abgebrochen, denn egal mit welchen Engelszungen wir auf sie einredeten, wir fanden einfach kein Mittel, ihr das allgemeine Prinzip zu verdeutlichen. Vor Ende nĂ€chster Woche starten wir sicherlich keinen zweiten Versuch.

Da sie mit dem iPad schon recht gute Fortschritte zeigte, versuchte Carsten es mal mit einer Puzzle-App fĂŒr Kleinkinder, bei dem ein vorgeschlagenes Teil (i.d.R. oben rechts angezeigt) nur an die richtige Stelle des Bildes gezogen und losgelassen werden muss. Dabei stehen dem Nutzer nur drei entsprechend geformte Löcher im Bild zur VerfĂŒgung, die sich deutlich durch eine Holzmaserung oder eine schwarze FlĂ€che hervorhebt:

Zudem ist dieses Puzzleteil eben nicht klassisch mit Nasen und Buchten geformt, sondern die Lochumrisse zeigen zum Teil ganze Figuren, Wolken, Reifen, KotflĂŒgel oder HĂ€user. Und am Ende kann man mit dem Bild dann auch noch etwas spielen (Hupen, Motor aufheulen lassen, Tag/Nacht, Blaulicht u.s.w.). Leider gestaltete sich auch dieser Weg lang und steinig und wir waren nach den ersten Minuten der Verzweiflung nahe, aber dann hat sie zum GlĂŒck doch noch etwas mehr den Draht dazu gefunden. Anfangs waren fĂŒr sie große, einfarbige FlĂ€chen des Bildes sehr viel schöner als der eigentliche Ablageort fĂŒr das Puzzleteil mit seiner Maserung oder der dunklen FlĂ€che. Doch da macht eben das Spiel nicht wirklich mit und das zu steckende Objekt schnippte wieder zurĂŒck in die rechte, obere Ecke. Bei unseren mĂŒndlichen Dirigierversuchen hatte sie zudem wieder ihre Probleme mit oben, unten, rechts und links … in der Trockentheorie (Finger in der Luft) klappte es einwandfrei, aber sobald das iPad mit ins Spiel kam, war ihr Ziehen nach links eher ein „schrĂ€g unten“ und „rechts oben“ – das hat aber sicherlich auch etwas mit der Konzentration und den vermehrten Reizen zwischen VorĂŒbung und iPad-Nutzung zu tun. Und wenn man alternativ ihre Hand fĂŒhren wollte, verkrampfte sie total auf die von ihr ausgewĂ€hlte Stelle und der Finger ist vor lauter DrĂŒcken fast schon „abgebrochen“.

Mit viel Geduld und Spucke haben wir dann aber doch noch drei verschiedene App-Puzzles geschafft und wie wollen mal sehen, wie sie sich nun beim nĂ€chsten Mal Anfang kommender Woche schlĂ€gt. Schrittchen fĂŒr Schrittchen … wir werden geduldig sein, aber dennoch nicht so schnell aufgeben, versprochen. Erst wenn die App-Puzzles besser sitzen, holen wir wahrscheinlich wieder mal das analoge Pendant mit seinen Nasen und Buchten raus.

Besonders am Ende eines fertiggestellten App-Bildes, also beim belohnenden Spielen, zeigte sich wieder ein deutlicher Unterschied zwischen dem Verhalten einer 25-JĂ€hrigen (ihr Wissen, die Sprachen, die Erinnerungen, der Wortschatz) und dem einer 3-JĂ€hrigen (ein leichter Anlass reicht zu Freude und Spaß). Sie freute sich ĂŒber die Show auf dem Bildschirm und lachte wie ein Kleinkind ĂŒber ihr selbst erzeugtes Hupen, gerĂ€uschvolles Anfahren, den Wechsel zwischen Tag und Nacht sowie ĂŒber das Bedienen von Blaulicht & Co..

Gar nicht wie ein Kleinkind verhielt sie sich dagegen bei den Diskussionen ĂŒber das Ablegen der Orthesen. Denn wenn es nach ihr ginge, wĂŒrde sie sie lieber 24 Stunden lang tragen und erhofft sich dadurch eine schnellere Korrektur, als sie immer wieder mal abzulegen. Stellten wir bei ihr zunehmend KrĂ€mpfe oder Unruhe fest, wollten wir ihr die Orthesen nach dem ausreichenden Tragen (mindestens 2-3 Stunden) lieber abnehmen – das wollte sie auf keinen Fall. Zum GlĂŒck kam einmal gerade bei einem solchen Disput ihre Ergotherapeutin vorbei und machte mit ihr folgenden Deal: die Orthesen werden fĂŒr 30 min ausgezogen und wenn ihre Muskeln danach noch krampfen sollten, bekommt sie sie wieder angezogen … bleiben die KrĂ€mpfe aber aus, wĂ€re das nĂ€chste Anlegen erst wieder am nĂ€chsten Morgen. NatĂŒrlich krampfte sie fortan nicht mehr und sie hielt sich auch brav an die Abmachung mit der Therapeutin.

GegenĂŒber Therapeuten zeigt sie sich ohnehin stets folgsam und ehrgeizig, denn sie weiß, dass deren Übungen zu ihrem gewĂŒnschten Endziel fĂŒhren. So hĂ€ngt sie sich derzeit auch beim Standing (relativ alleine mit durchgedrĂŒckten Knien auf ihren Beinen stehen und der Körper wird nur noch mittels HaltebĂ€ndern einer Maschine unterstĂŒtzt) sehr rein und gibt vor allem nicht auf. Wo ihr Kreislauf Anfang der Woche noch gestreikt hat und sie nach einer Viertelstunde recht blass geworden ist, schaffte sie am Donnerstag schon wieder ihre 30 min komplett und der Kreislauf spielte wieder sehr gut mit. Sowas sind dann natĂŒrlich immer ihre grĂ¶ĂŸten Erfolgserlebnisse des Tages!

Am Montag wurde es frei Haus geliefert, am Dienstag wurde es von Carsten an „unserem“ Pavillon innerhalb von ca. 3 Stunden aufgebaut: ein Kallax-Regal mit neun EinschĂŒben, damit Stephanies Dinge etwas benutzerfreundlicher verstaut werden können, als bislang alles nur im Kleiderschrank.

Nun können wir endlich zwischen Kleidung und Non-Kleidung trennen, denn die ganzen Spiele, TrainingsgerĂ€te und sonstiger Schnulli kann ab sofort in diesem Regal untergebracht werden – Stephanie gefĂ€llt’s:

Zum Abschluss möchte ich noch eine fĂŒr mich ĂŒberraschend ausgegangene Übung beschreiben. Als Schulkind musste Stephanie einmal das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane auswendig lernen und bei vielen Gelegenheiten (z.B. im Auto) haben wir immer wieder mal aus Spaß ein paar Zeilen (insbesondere die erste Strophe) rezitiert. Ich wollte diese Woche testen, ob davon immer noch etwas hĂ€ngen geblieben ist. Also habe ich das Gedicht ausgedruckt und nach Absprache mit ihr fĂŒr sie vorgelesen. Dabei kam dann folgendes raus:

  • Ich: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“
  • Sie: „Ein Birnbaum in seinem Garten stand“

Wow, ich war begeistert!!! OK, diese Textsicherheit war aber wirklich auch nur bei der ersten Strophe so toll …

  • Ich: „Da sagte von Ribbeck: Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins …“
  • Sie: „Grab“

Immerhin …

  • Ich: „Aber der Alte, vorahnend schon und voll Mißtraun gegen den eigenen …“
  • Sie: „Sohn“

Einzelne Passagen saßen also weiterhin abrufbar im Hinterkopf …

  • Ich: „Und die Jahre gingen wohl auf und ab, LĂ€ngst wölbt sich ein Birnbaum ĂŒber dem …“
  • Sie: “ Grab“

Hat sie das am Sinn oder an der Reimform erkannt oder sogar aus den Erinnerungen herausgeholt ? Egal …

  • Ich: „So spendet Segen noch immer die Hand des von …“
  • Sie: „Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“

Glaubt mir, ich war perplex und hatte kleine TrĂ€nchen im Auge. Klar, es war sicherlich keine Glanzleistung, die in der Schule eine gute Note herbeigefĂŒhrt hĂ€tte, aber nach all den oben aufgefĂŒhrten Problemen bei den fĂŒr uns einfachsten Dingen (Brief, iPad, Lesen, Puzzle etc.) finde ich, dass es doch ein recht ansehnliches Ergebnis fĂŒr mein Experiment war, oder?

Wir arbeiten weiter an ihrem Erinnerungsvermögen, an ihren Fingerfertigkeiten und vor allem an den vielen alltĂ€glichen Dingen, die sie erst noch wieder neu erlernen muss. DrĂŒckt uns bitte auch zukĂŒnftig ganz fest die Daumen, dass sie es schafft, dass wir durchhalten werden und dass wir vor allem unsere Geduld nicht obgleich der Erfolge verlieren mögen. Wir ertappen uns nĂ€mlich immer wieder dabei, dass wir fĂŒr uns normale Dinge auch bei ihr irgendwie als gegeben voraussetzen … zum GlĂŒck sind wir zu zweit und haben auf jeder Fahrt hin oder zurĂŒck bis zu einer Stunde Zeit, unsere EindrĂŒcke, WĂŒnsche und Erwartungen auszudiskutieren. Das erdet manchmal ungemein    standard



2021 05.
Sep

Da es im letzten Blogeintrag so gut geklappt hat, werde ich auch diese Woche mal ausnahmsweise in der tĂ€glichen Chronologie bleiben – es passt gerade einfach zu gut. ZusĂ€tzlich möchte ich in dieser Zusammenfassung auch etwas mehr OLCA-Leben als sonst mit einfließen lassen, denn zum einen haben Carsten und ich ja gerade Urlaub und zum anderen ist vieles davon auch Grundlage fĂŒr Stephanies Erlebnisse.

Eine (deutsche) Woche beginnt bekanntlich mit dem Montag … doch ausgerechnet an diesem Tag waren wir Stephanie leider nicht besuchen. Aber bevor ihr uns jetzt schief anguckt, sei hiermit auch gleich der Grund dafĂŒr nachgeschoben: wir haben ihre Schwester aus Dresden abgeholt, die dann wiederum bis Samstagmorgen im Norden geblieben ist. Also definitiv ein Langzeitbesuch, an dem sich Stephanie sehr erfreut hat!

Eine Fahrt Wentorf-Dresden-Wentorf (ca. 1000 km) reißt man nicht gerne an einem Tag ab, also haben wir in Dresden eine Übernachtung eingeplant. Ist schon komisch, in seiner eigenen (ehemaligen) Heimatstadt in einem Hotel einzuchecken    zwinker

Auf dem Hinweg hatten wir diesmal eine Vollsperrung (ca. 45 min) und bei Potsdam einen lĂ€ngeren Stau (auch ca. 45 min), doch das Abendprogramm entschĂ€digte fĂŒr alle Unannehmlichkeiten der Anreise:

Endlich mal wieder einen richtig leckeren Döner mit vernĂŒnftigem Inhalt (Dönertier, Salat, Rotkraut, Weißkraut, Tomaten, Gurken, KĂ€se) und den richtigen Soßen (rot/scharf, Knoblauch, Yoghurt) – hier im Norden packen sie viel weniger rein und es gibt so etwas wie Currysoße und/oder Cocktailsoße. Nicht gerade typisch tĂŒrkisch, oder? Egal, unser Dresdner Lieblingsdönermann hat uns gleich wiedererkannt, daraufhin ganz herzlich begrĂŒĂŸt und uns erst einmal durchgeknuddelt, um uns dann wie in alten Zeiten einen eingepackten (!) Superdöner mit KĂ€se (fĂŒr Carsten) und einen großen Dönerteller mit KĂ€se (fĂŒr mich) zu servieren – herrlich!!! Und sooooooooooo unendlich lecker!!! Leider hat es magentechnisch nicht mehr noch fĂŒr einen ordentlichen DĂŒrum gereicht – hier im Norden haben die wenigsten Dönerbuden nĂ€mlich einen Ofen und somit bleibt deren Teigrolle leider immer labbrig und zuweilen etwas zĂ€h.

Zudem stand fĂŒr den Abend ein Treffen mit meiner besten Freundin Anna und meinem ehemaligen Arbeitskollegen Alexander auf dem Programm. Meine ehemalige Chefin sollte eigentlich auch noch mit dazu, aber sie weilt derzeit leider an der Ostsee – dafĂŒr haben wir sie ja schon letzte Woche besucht … Stichwort: Kalifornien.

Diese beiden Dinge entschĂ€digten letztendlich fĂŒr alles, was uns die Autobahnen A24, A10 & A13 zuvor an Nerven gekostet hatten – aber unsere Dresden-Reise sollte sogar noch besser werden.

Am Dienstag trafen wir uns dann zum ersten Mal mit Andrea und ihrem Freund Karl im CafĂ© „MilchmĂ€dchen“ , wo wir noch zusammen frĂŒhstĂŒcken wollten, bevor sich unsere Wege letztendlich wieder trennen wĂŒrden. Carsten, Andrea und ich hatten das Pflegezentrum in LĂŒneburg als nĂ€chstes Ziel auf dem Schirm, fĂŒr Karl sollte es schon zurĂŒck nach Österreich gehen, da er leider keinen Urlaub fĂŒr die Woche bei uns bzw. Stephanie bekam. In einem recht unauffĂ€lligen Moment zog sich Andrea ihren Pulli aus und meinte nur, dass ihr etwas warm wĂ€re:

Der tatsĂ€chliche Grund war eindeutig ein völlig anderer – wir haben uns tierisch ĂŒber diese Neuigkeit gefreut, auch wenn ich mich eigentlich noch lange nicht als Oma fĂŒhle. Wir wĂŒnschen den beiden … sorry … dreien selbstverstĂ€ndlich alles GlĂŒck dieser Erde und gratulieren zur nĂ€chsten OLCA-Familienerweiterung. Was war ich gespannt, wie Stephanie am Nachmittag darauf reagieren wĂŒrde …

Als wir im Pflegezentrum ankamen, stand die Kleine mit ihrem Rolli im Zimmer und wir schickten Andrea zur BegrĂŒĂŸung bzw. Abholung rein. Leider hat sie sie nicht erkannt … erst, als Andrea die Maske herunterzog und noch einen weiteren Tipp gab, quiekte Stephanie freudestrahlend ein „Eumy“ durch den Raum – puh, es lag zum GlĂŒck grĂ¶ĂŸtenteils nur an der coronabedingten Gesichtsverschleierung und nicht am GedĂ€chtnis    standard

Unter unserem Stammpavillon bekam Stephanie von Andrea einen Briefumschlag, aus dem hervorging, dass sie demnĂ€chst Tante wird – ein Armband betitelt sie fortan sogar als „Coole Tante Steph“. Erstaunlicherweise hat sie das mit dem Baby recht schnell begriffen und sie freute sich ebenfalls ganz dolle darĂŒber. NatĂŒrlich sprachen wir in dem Zusammenhang auch mal ĂŒber unsere neuen Begrifflichkeiten: Bonusopa und Oma bzw. Babuschka … Mensch, so alt fĂŒhle ich mich doch noch nicht    betteln

Zum Abendessen gab es zwar auch eine Art Mett(wurst) fĂŒr sie, dennoch wollte sie sich es nicht nehmen lassen, mal ordentlich an unseren „richtigen“ Mettbrötchen mit Zwiebeln vom BĂ€cker zu schnuppern:

Denn knusprige Brötchen darf sie aufgrund ihrer Schluckprobleme leider immer noch nicht, aber spÀtestens morgen könnte der geplante Schluck-Endo-Test langfristig gesehen endlich weitere Freiheiten mit sich bringen.

Bei einem abschließenden Spaziergang wechselten Carsten und Stephanie die Brillen, was sehr zur Belustigung beigetragen hat … Stephanie steht Carstens Sonnenbrille jedenfalls sehr viel besser als anders herum    standard

Den Mittwoch haben Carsten, Andrea und ich mit einem Besuch im Wildpark LĂŒneburger Heide begonnen …

… von dem auch Stephanie noch etwas haben sollte, denn bei unserem Besuch am Nachmittag stanken zumindest unsere HĂ€nde total nach Stall! Egal wie oft wir sie gewaschen haben, Schaf, Reh und Co. hinterließen eine Ă€ußerst eindeutige Duftnote, die eben auch der Kleinen ab und an mal penetrant in die Nase stieg.

Vormittags war tatsĂ€chlich ihr Schluck-Endo-Test, vor dem sie anfangs tierische Angst hatte. Aber sie scheint ihre Sache wohl sehr gut gemacht zu haben, denn man hat sie krĂ€ftig gelobt und auch die Trink- und EssenseinschrĂ€nkungen können nun peu a peu gelockert werden. Allerdings wird es bis zu ihrem erhofften Ziel (ein Döner !) noch etwas dauern und bis dahin sicherlich auch noch sehr viel Training benötigen. Doch egal, fĂŒr sie zeigt sich wieder, dass etwas weitergeht und das ist doch das Wichtigste.

Den Besuch verbrachten wir hauptsĂ€chlich mit der Übergabe von Geschenken: eine Postkarte von Andrea & Karl aus dem Urlaub im Salzkammergut, die Stephanie trotz Handschrift recht gut vorlesen konnte, zwei Geschenke von Andrea, die erst nach dem gestrigen Besuch aus dem Koffer gezupft werden konnten, und ein Paket von meiner Bekannten Olga aus Dresden. Wie der Name es schon vermuten lĂ€sst, verbindet uns u.a. die russische Sprache und somit sollen auch ihre Geschenke dies bei Stephanie auffrischen. Erst kĂŒrzlich meinte mein Kind ja, dass sie Gefallen am Russischen gefunden hat und die Sprache schön findet. Jetzt können wir mit einem Buchstaben-Bilderbuch ab und an mal wieder darin eintauchen. Und da fĂŒr Carsten gerade geballtes Wissen am Tisch saß, hat er gleich schon mal die ersten Seiten ausprobiert. Stephanie wusste echt noch viele Vokabeln, Andrea sprang gerne bei den einfachen Dingen ein und ich wurde natĂŒrlich fĂŒr die „SpezialfĂ€lle“ zu Rate gezogen:

Aber ihr grĂ¶ĂŸtes Manko bleibt doch noch das Erkennen von GegenstĂ€nden, Tieren oder Personen auf Bildern – egal ob als Foto oder als gemalte Version. Einen Fernseher z.B. erkennt sie nicht, weil er wahrscheinlich auf dem Bild viel zu klein fĂŒr sie wirkt. Oder auch viele Tiere interpretiert sie eher als Hund statt richtigerweise als Hase, BĂ€r, Wombat oder Löwe … die GrĂ¶ĂŸenunterschiede gehen auf Bildern eben nicht deutlich hervor. Das abstrakte Denken schlummert noch viel zu sehr, als dass es bei der richtigen EinschĂ€tzung von Situationen hilfreich zur Seite stehen könnte – kommt noch!

Eine Überraschung des Tages war aber ihr Umgang mit einem Fidget Popper:

Sie hatte den Dreh recht schnell raus und konnte sich dann damit etwas intensiver beschĂ€ftigt, doch schon nach dem dritten Umdrehen war dann aber Schluss und sie verlor die Lust daran – komisch, eigentlich soll das doch den Nutzer ĂŒber Stunden beschĂ€ftigen können    zwinker

Am Donnerstag waren wir schon ab Mittag bei ihr, da Carsten und ich um 14:00 unser GesprĂ€ch mit den Therapeuten und Personal haben sollten. Nach unserem Mittagessen und dem Auspacken eines Paketes aus Australien ließen wir die Kinder auch schon alleine und hatten unser sehr informatives GesprĂ€ch, was am Ende sogar an die 2,5 Stunden dauerte.

Wir bleiben dabei: Diese Einrichtung ist eine sehr große Bereicherung fĂŒr unser Kind und wir werden unsere Entscheidung fĂŒr dieses Pflegezentrum sicherlich auch auf lange Sicht nicht bereuen. Insgesamt sagen alle Gewerke, dass Stephanie bei allem sehr gut mitmacht und sogar viel Spaß dabei hat, somit sieht sie die Übungen auch glĂŒcklicherweise nicht als nervenden Zwang und sperrt sich jedenfalls gegen nichts. Beste Voraussetzung also fĂŒr einen aussichtsreichen Trainingserfolg und weiterhin sichtbare Fortschritte. Aber auch immer mit dem Credo „Gut Ding will Weile haben“ sowie „Schrittchen fĂŒr Schrittchen“ im Hinterkopf. Wie gut, dass wir das schon in den letzten 12 Monaten erfolgreich gelernt haben und jedenfalls mit entsprechender Ausdauer an die Sache rangehen werden.

Selbst ihre körperlichen Baustellen geben weiterhin Anlass zur Zuversicht, so z.B. den immer rĂŒcklĂ€ufiger werdenden Muskeltonus an den Beinen und am linken Arm sowie die Aussicht auf eine baldige Entfernung der PEG, da bisher keine weitere Verwendung mehr vorliegt. Einen Tag vor Carstens Geburtstag wird sie zudem ihre zweite Biontec-Spritze bekommen und somit am Ende dieses Monats wie wir durchgeimpft sein    verliebt

Mit diesen tollen Neuigkeiten kehrten wir dann wieder zu den Kindern zurĂŒck und brachten dabei sogar eine kleine OLCA-Tradition mit an den Tisch: zum Geburtstag oder einer anderen Feierlichkeit gab es bei uns auf Wunsch der Kinder immer eine Benjamin BlĂŒmchen-Torte. Der Besuch von Andrea und das so toll verlaufene GesprĂ€ch war jedenfalls Anlass genug …

Keine Angst, dieses Gesicht bekam Stephanie nicht aufgrund des Angebots, sondern nur aus der Situation heraus … ich habe leider kein anderes Foto mit Törööö-Torte gefunden    zwinker

Am Freitag erfĂŒllten wir Andrea einen Herzenswunsch und machten einen Ausflug ans Meer … schließlich ist es von uns zu beiden Möglichkeiten nur eine 1-2 stĂŒndige Fahrt. Sie hat sich gegen die Nordsee (breiter Strand in Sankt Peter-Ording oder Watt z.B. in BĂŒsum) und fĂŒr die Ostsee entschieden:

Das Wetter passte jedenfalls perfekt dazu und auch beim anschließenden Besuch im Pflegezentrum konnten wir zu viert wieder die ganze Zeit draußen verbringen.

Im CafĂ© „Gut WienebĂŒttel“ zeigte uns Stephanie einen grĂŒnen „Stein“, den sie beim Gottesdienst bekam, zu dem sie sich wiederum freiwillig gemeldet hatte … ist wenigstens mal etwas Abwechslung    zwinker
Erstaunt waren wir nur, dass sie zwar den Ursprung bzw. die Geschichte dazu leider nicht mehr nacherzĂ€hlen konnte, aber sie wusste von sich aus, dass die Farbe GrĂŒn fĂŒr die Hoffnung steht … wurde es beim Gottesdienst gesagt oder ist das noch Wissen von vor dem Vorfall? Sie konnte es nicht beantworten    traurig

Eine weitere Antwort ĂŒberraschte uns, doch diesmal waren wir uns 100%ig sicher, dass dies aus dem Wissensfundus von vor dem 26. August 2020 stammte: ich fragte sie, wer das Buch „Der Schwarm“ geschrieben hat und sie sagte ad hoc den Namen Frank SchĂ€tzing. Eigentlich hat sie das Buch schon wĂ€hrend unseres Kanada-Urlaubs im Sommer 2019 durchgelesen, doch trotz des Vorfalls hat sie den Autor namentlich noch gewusst – Hut ab !

Leider war dieser Tag auch schon der letzte Besuchstag mit Andrea, denn sie musste am Samstagmorgen wieder zurĂŒck nach Leoben aufbrechen. Eigentlich sollte sie von uns zum Hauptbahnhof gebracht werden und gegen 8:00 den Zug nach Österreich nehmen, aber durch den Bahnstreik wechselte sie um aufs Flugzeug, sodass wir sie nun bis 6:30 zum Flughafen bringen mussten. DafĂŒr sind wir schon um 4:00 aufgestanden … aber egal, am Ende hat alles wie geplant geklappt und ein wenig ÜbermĂŒdung nimmt man fĂŒr die lieben Kleinen immer mal gerne in Kauf.

Nur an eine zweite Runde Schlaf konnten wir nicht denken, da wir vor dem Besuch bei Stephanie noch ĂŒber den in Vögelsen stattfindenden Flohmarkt streifen wollten, um noch ein paar Spiele und Trainingsmöglichkeiten fĂŒr sie zu ergattern. Ich wurde fĂŒr dieses Durchhaltevermögen mit zahlreichen BĂŒchern fĂŒr wenig Geld und das Kind mit insgesamt sieben Spielen belohnt.

Zum GlĂŒck konnten wir dabei auch dieses Kinderspielzeug finden:

Wir hatten uns ja schon mal eine Plastikversion im Krankenhaus ausgeliehen und stellten fest, dass es damit sehr viele Möglichkeiten fĂŒr Stephanie gibt. So ist es auch jetzt bei dieser Holzversion:

  • die Klötzchen durch die richtigen Öffnungen schieben … mit dem richtigen Zurechtdrehen des Bausteins fĂŒr die Öffnung im Deckel hakt es bei manchen Formen noch etwas
  • alle Klötzchen aufnehmen, in der Hand drehen, die Nummer vorlesen und mit der Nummer nach oben auf dem Tisch abstellen … das Drehen dauert auch hier zwar noch etwas, aber gelingt am Ende immer
  • nacheinander die Zahlen 1 bis 12 suchen, die Farbe des Klötzchens nennen und es dann in einer Reihe aufstellen … grĂ¶ĂŸtenteils kein Problem fĂŒr sie
  • aus der nach Zahlen sortierten Reihe eine bestimmte Farbe (je 2 Klötzchen pro Farbe sind vorhanden) suchen und ĂŒbergeben … auch damit ist sie relativ zielsicher
  • Linki muss einen Stein ihrer Wahl ĂŒbergeben und Rechti darf dabei sogar etwas (!) nachhelfen … erstaunlich, wie wenig sie freiwillig die rechte Hand dazu nimmt, wenn eine Aufgabe fĂŒr die linke Hand bestimmt ist

Jedenfalls werden wir diesen Klötzchenkasten wohl noch sehr viel öfters einsetzen, denn sie hat ihren Spaß damit, es ist abwechslungsreich (und noch nicht einmal in seinen Möglichkeiten ausgeschöpft, denn es gĂ€be noch die Nennung der Formen, das Aufeinanderstapeln usw.), es ist durch die Box ganz einfach zu transportieren und man kann damit auch gleich mal beide HĂ€nde trainieren – was will man mehr?!?!?!

Jedenfalls hatte sie sich ihre anschließende Kugel Eis im CafĂ© redlich verdient. Dort hat sie Carstens Arm mit beiden HĂ€nden, aber vor allem mit Linki, so schön umschlossen …

… dass wir schon mit der nĂ€chsten Kaufidee schwanger gegangen sind: eine Art Ball oder Rolle, bei der alle Finger etwas gestreckt werden, statt sich stets und stĂ€ndig zusammenzurollen. Da war es natĂŒrlich ein sehr glĂŒcklicher Umstand, dass heute auf dem Wentorfer Marktplatz ein weiterer, grĂ¶ĂŸerer Flohmarkt stattfand …

… auf dem wir erneut nach Spiel- und Trainingsmöglichkeiten schauen konnten (es wurden am Ende mehrere Spiele und Kinder- bzw. BilderbĂŒcher in Russisch) sowie eben nach einer Sache, die sie dauerhaft in der linken Hand behalten kann. So werden am Ende auch die letzten drei Finger öfters aus ihrer starken KrĂŒmmung herausgeholt. Und wir sind tatsĂ€chlich fĂŒndig geworden:

Ab sofort wird bei unseren Besuchen diese Faszienrolle zweckentfremdet und bei jeder Gelegenheit können wir nun Linki zum Halten auffordern und auch das Ablegen und eigenstĂ€ndige Wiederaufnehmen trainieren. Stephanie hĂ€lt sie jedenfalls lieber in der Hand, als z.B. ihren großen Volleyball. Perfekt, oder?

Und mit diesem schönen Ergebnis möchte ich meinen mal wieder viel zu lang gewordenen Blogbeitrag beenden – sorry … ich weiß, ich weiß, ich muss mich da nicht entschuldigen, ich will es aber dennoch tun    zwinker    !!!
Aber es ist eben auch sehr viel Neues zu berichten gewesen, oder nicht? Die schönste Überraschung fĂŒr mich bleibt auf jeden Fall die AnkĂŒndigung des Babys … Carsten wird da wohl eher den leckeren Döner als Highlight der Woche herausheben, wetten?!?

Zusatz von Carsten: „NatĂŒrlich! Und bitte entschuldigt, Karl und Andrea …“    zwinker



2021 29.
Aug

Was war das fĂŒr eine Woche!!! Statt zwei Personen an einem Tag hatte Stephanie diesmal Besuch von einer Person an zwei Tagen, am Donnerstag war der erste Jahrestag (ja, es sind tatsĂ€chlich schon mehr als 365 Tage seit dem Vorfall vergangen), aufgrund unseres dreiwöchigen Urlaubs sind wir derzeit (noch) jeden Tag bei ihr und zusĂ€tzlich gönnten wir uns zwischendurch sogar mal einen Ausflug nach Kalifornien – nein, nicht das in den USA, sondern das neben Brasilien    zwinker

Aber der Reihe nach …

Nach dem Besuch von Tobi und Lena aus Potsdam letzten Samstag (siehe vorhergehenden Blogeintrag) war Anfang dieser Woche Stephanies Freundin und ehemalige Volleyballmitstreiterin Eileen fĂŒr zwei Tage da. Wir hatten sie schon am Sonntagabend vom Hamburger Hauptbahnhof abgeholt und sie verbrachte zwei NĂ€chte in der Residencia OLCA. So konnten wir zum einen die beiden möglichst lange alleine lassen, hatten zum anderen aber auch die Gelegenheit, mit dem Besuch einmal durch die schöne Innenstadt von LĂŒneburg laufen zu können.

So viel sei vorweggenommen: Stephanie hat sich auch am Ende dieser Woche noch an alle drei Besucher erinnert und wusste zudem noch recht genau, was sie alles mit ihnen gemacht hat und erleben durfte. Es scheint ihr also sehr wichtig gewesen zu sein und deshalb haben diese Erinnerungen ihr stark vergessliches KurzzeitgedĂ€chtnis ĂŒberwunden – toll!

Am Montag konnten wir zwischen Stephanies Mittagessen (ca. 11:30) und ihrem Abendessen (ca. 17:30) die ganze Zeit bei ihr bleiben, da fĂŒr sie keine Therapien angesetzt waren – das war natĂŒrlich ideal. Sie hat sich sehr ĂŒber Eileen gefreut und sie zudem auch sofort erkannt. Kein Wunder, denn neben Andrea hat Eileen eigentlich bislang die meisten Videos und Updates von sich geschickt. So etwas bleibt selbst Stephanie im GedĂ€chtnis.

Und da Carsten und ich nicht der Mittelpunkt an diesem Tag sein wollten, haben wir uns nach dem ersten Wiedersehen und der GeschenkeĂŒbergabe verzogen und sind fĂŒr ein paar Stunden in der NĂ€he des Pflegezentrums spazieren gegangen – das GelĂ€nde und der Wald sind dafĂŒr weitlĂ€ufig genug, befinden wir uns hier ja ganz am Rande der Stadt LĂŒneburg. Die beiden hatten jedenfalls ihren Spaß …

Am Dienstag teilten wir unseren Besuch terminbedingt in zwei Etappen auf. Vormittags hat Eileen aus Stephanies derzeitigem Lieblingsbuch „Das Neinhorn“ von Marc-Uwe Kling vorgelesen …

… und danach mit ihr das Fotoalbum zum 18. Geburtstag samt Texten von Freunden und Familie durchgeschaut – sie blieben bei den Leuten hĂ€ngen, die beide kannten, z.B. vom Volleyballverein oder der Schule sowie natĂŒrlich auch bei Eileens eigenen Eintrag. Damals waren sie allerdings gerade einmal drei/vier Jahre befreundet.

Mittags standen bei Stephanie das Essen und eine Therapiestunde an, sodass wir zu dritt die Gelegenheit ergriffen und nach LĂŒneburg reingefahren sind. Zum einen, um unserem Besuch die wirklich sehr hĂŒbsche, alte und sehr gut erhaltene Innenstadt zu zeigen und zum anderen natĂŒrlich auch, um selbst etwas essen zu können.

Nachmittags ging es dann in Runde 2 im Pflegezentrum und wir haben gemeinsam sehr viel Spaß gehabt und viel gelacht. So z.B. als beide mit tiefstem SĂ€chsisch anfingen und u.a. den Ausspruch „Or’sch wer bleede !“ original zum Besten gaben. Bei der abschließenden Runde Mensch-Ă€rgere-dich-nicht hat Stephanie sogar (fast ehrlich) gewonnen – bei ihr haben wir gelegentlich mal eine Ausnahme bzgl. Rauswurfzwang gemacht. Aber sie stellte alleine das gesamte Spielbrett auf, zog eigenstĂ€ndig ihre Spielfigur wie Carsten es ihr zeigte (sie hat noch große Probleme mit der Richtung und in den Ecken bzw. im Stall), zĂ€hlte fast immer korrekt die gewĂŒrfelten Felder ab und wĂŒrfelt mittlerweile ja sowieso schon komplett selbststĂ€ndig.

Einmal begann Stephanie, nachdem ich sie zum dritten Mal rausgeworfen habe, von bislang „Mami“ auf „Olga“ umzuschwenken. Wir haben das dann aufgegriffen und wer nervte, wurde konsequent umbenannt: aus Eileen wurde Franziska, aus Carsten Bernd und Stephanie selbst mutierte zu Chantal. Erstaunlicherweise hatte sie mit den nun völlig anderen Namen keinerlei Probleme und nutzte sie ebenfalls dauerhaft im Spiel. Zudem rief sie nach ihrer Umbenennung zu Chantal sofort den Spruch „Heul leise!“ aus … wer es kennt, es ist ein Zitat aus „Fack Ju Göhte“ – also erneut eine Erinnerung aus alten Zeiten. Zack, ganz nebenbei einen neuen Weg dorthin gefunden    zwinker

Diese zwei Tage mit Eileen waren echt ein absolut gelungener Wochenanfang fĂŒr Stephanie – wir haben bis heute noch sehr oft darĂŒber gesprochen.

Am Mittwoch legten wir unsere Besuchszeit auf den Morgen, da Carsten und ich anschließend noch an die Ostsee fahren wollten. Diesmal statt wie bisher zum FĂŒĂŸe-ins-Wasser-stellen, um in Kalifornien (Schleswig-Holstein) meine ehemalige Chefin – jetzt in Rente und derzeit dort im Urlaub – zu besuchen und den Abend mit viel Quatschen und leckerem Essen im Fischrestaurant zu verbringen. Aber auch diese außergewöhnliche Besuchszeit brachte schöne Erkenntnisse: das Kind lag noch im Bett und hatte gerade ganz alleine ihr Marmeladenbrot gegessen. Gut, die „Umgebung“ und ihr LĂ€tzchen sahen dementsprechend aus, aber immerhin! Danach kĂŒmmerte ich mich um ihre Haare und sie bekam sogar eine Kopfmassage von mir, die sie wiederum sichtlich genoss:

Als wir zwischen Verwöhnprogramm und Abschied mit unseren Buchstabenkarten noch eine Runde „LĂ€nder, StĂ€dte und Gegenden mit den entsprechenden Anfangsbuchstaben“ spielten, blitzten ebenfalls wieder so einige Erinnerungen in ihr auf. Dementsprechend suchten wir nicht nur die uns bekannten Orte, wie z.B. USA, Potsdam, Quickborn, Dresden, Greiz, Italien, Helsinki, Spanien, Venedig, Bremerhaven, Verona, Island usw., sondern philosophierten mit denen fast immer noch ein wenig ĂŒber die Verbindung zu uns, wann wir schon mal waren und wen wir dort kennen wĂŒrden. Ich weiß, ich wiederhole mich … aber das mache ich gerne: bei ihrem GedĂ€chtnis ist nicht alles verloren, sondern nur etwas verschĂŒttet und muss mit unserer Hilfe wieder ans Erinnerungsnetz angeschlossen werden. Tschakka!!!

OK, wenn wir bis hier chronologisch geblieben sind, dann machen wir da auch gleich mal weiter – es folgt der Donnerstag. Zuerst wollten wir aufgrund unserer RĂŒckkehr aus dem „ganz hohen Norden“ eigentlich mal einen Besuch aussetzen, aber ausgerechnet an diesem Tag war es einfach nicht möglich. Denn vor genau 365 Tagen, also am 26. August 2020, hatte Stephanie ihre beidseitige Lungenembolie, musste auf der Fahrt ins Krankenhaus dreimal reanimiert werden und fiel dann fĂŒr mehrere Monate ins Koma. So einen Besuchstag können wir natĂŒrlich nicht ausfallen lassen und haben somit gemeinsam ihren Geburtstag 2.0 zelebriert.

Anmerkung aus gegebenen Anlass: bitte nicht denken, dass Stephanie mehrere Tage hintereinander immer das gleich T-Shirt tragen musste – die Fotos sind nur nicht immer chronologisch herausgesucht    zwinker

ZurĂŒck zum „Spezialtag“, der sogar noch ein paar andere tolle Neuigkeiten fĂŒr uns parat hatte:

  • Stephanie wurde heute vom Personal aufgefordert, auch mal Linki zum Essen mit dem Löffel zu verwenden. Anfangs wollte sie natĂŒrlich nicht (typisch „Teenager“) und es ging selbstverstĂ€ndlich auch so einiges daneben, aber zum Ende hin soll sie sich gar nicht so schlecht geschlagen haben. Sie war richtig stolz auf sich!
  • Auf dem Nachrichtenblock stand diese tolle Nachricht: „Hallo Familie Sander, Stephanie hat heute in der Therapie 30 min im Standing gestanden.“ – wow! Standing heißt: sie stand relativ alleine mit durchgedrĂŒckten Knien auf ihren Beinen und wurde nur noch mittels HaltebĂ€ndern einer Maschine unterstĂŒtzt. Ihr Körper und ihr Kreislauf haben es ohne Murren mitgemacht!!!
  • Als wir nun nach lĂ€ngerer Zeit mal wieder die Memory-KĂ€rtchen rausgeholt haben und natĂŒrlich mit dem Sechserpack (Wolke, Apfel, Möhre, Regenschirm, Birne & Huhn) anfingen, schaffte sie fast einen kompletten Durchgang – nur beim Apfel hatte sie etwas gezögert. Aber insgesamt ohne Fehler absolviert … das hatten wir noch nie! Selbst bei den restlichen Bildchen gelang ihr schon eine sehr viel höhere Erkennungsrate und sie hat so viel gewusst, wie noch nie: ca. 80% richtig und 20% falsch oder erst mit Hilfe.

Und was gibt es sonst noch so zu berichten ?

Wir haben mal wieder versucht, ihr den Schwesternruf nahezubringen. Doch auch weiterhin scheint es fĂŒr sie komplizierter zu sein, als wir bislang dachten. Folgende BewegungsablĂ€ufe bringt sie leider immer noch nicht als vollstĂ€ndige Aneinanderreihung zustande: den DrĂŒcker aufnehmen, ihn richtig in der Hand platzieren, mit dem Daumen von hinten stabilisieren und mit dem Zeigefinger auf die rote Aussparung drĂŒcken bis es klickt oder blinkt. Lag der Daumen einmal korrekt auf der RĂŒckseite, klappte das Klicken schon ohne Probleme. Aber den DrĂŒcker erst einmal so weit vorzubereiten und in der Hand zu platzieren, da hat sie fĂŒr sich leider noch kein Allheilmittel gefunden. Sie kann MĂŒnzen in den Fingern drehen, Spielkarten in der Hand drehen und sogar Besteck vernĂŒnftig greifen und nutzen, aber beim DrĂŒcker mussten wir nach ca. 30 min (etwas entnervt) aufgeben. Und das, obwohl sie eigentlich selbst immer weiter probieren wollte („Noch einmal !“) … bei nĂ€chster Gelegenheit werden wir das wieder aufgreifen, derzeit besteht zum GlĂŒck wohl noch keine Notwendigkeit, denn sie hat ja bislang immer irgendeinen Weg gefunden, sich bemerkbar zu machen – ohne zu nerven oder unangenehm aufzufallen.

Ein anderes Übungsfeld hat sie dafĂŒr mal wieder mit Bravur absolviert: mit Scrabble-Steinen Wörter bilden klappt nahezu perfekt:

Was mit ihrem eigenen Namen anfing, endete schließlich mit allen aktuellen Familiennamen, die die Buchstabensuppe so hergab:

Ihr grĂ¶ĂŸtes Problem war dabei eher das Finden eines bestimmten Buchstaben aus der Menge an der vor ihr liegenden Spielsteinen. Zu 75% meisterte sie das umgehend, aber bei manchen Buchstaben suchte sie sich einen Wolf. Dabei lag es nicht an den Buchstaben selbst (die erkennt sie alle problemlos), sondern wohl eher an der Aufmerksamkeitsspanne oder ihrer Konzentration in dem Moment. Nach einer kurzen Pause oder Ablenkung, wie z.B. Trinken oder Quatschen, konnte sie mit unserer mĂŒndlichen Hilfe (heiß/kalt sowie oben/unten/rechts/links) dann doch noch fĂŒndig werden. FĂŒr das Erlernen des Gesamtprinzips haben wir anfangs lediglich 10 min gebraucht und wir ließen sie dabei aus 15 Buchstabensteinen das fĂŒr sie völlig neue Wort PAGODE schreiben. Mehr nicht!

An einem anderen Tag legten wir ihr neun Buchstaben hin und Stephanie sollte erkennen, welchen unserer drei Namen sie daraus schreiben könne. Zu logischem Denken bzw. zur Nutzung des Ausschlussverfahrens, einer Strategie o.Ă€. ist sie noch nicht in der Lage, denn von selbst hat sie eben nicht auf Anhieb gesehen, das fĂŒr Olga ein O und fĂŒr Carsten ein C fehlte … ergo: es konnte ja nur ihr eigener Name STEPHANIE sein. Den Anfang schaffte sie auch recht fluffig, aber fĂŒr das A hat es gefĂŒhlt unendlich lange gedauert, denn sie hat es unter den restlichen Buchstabensteinen nicht gesehen und wollte somit immer nur das I anlegen.

DafĂŒr ĂŒberraschte sie uns mal wieder bei einem anderen Versuch: sie sollte durchzĂ€hlen, ob unser Kleingeld fĂŒr ihre Kugel Eis zu 1,30 ausreichen wĂŒrde … Carsten legte folgende MĂŒnzen auf den Tisch: 2 Euro, 20 Cent, 10 Cent & 5 Cent. Eigentlich ihre erste Begegnung mit Geld seit Langem, doch sie hat alle MĂŒnzen schnell und eindeutig identifiziert und zudem auf ihre eigene (etwas unkonventionelle) Art und Weise korrekt zusammengezĂ€hlt. Bravo, lass dir deine Kugel schmecken und die Waffel muss du leider immer noch direkt an mich abgeben …

Am Samstag zeigte sie uns, dass sie nicht nur das FrĂŒhstĂŒck (Brot mit den Fingern), sondern mit einem Löffel auch das Mittagessen ganz alleine und ohne Aufsicht wegmampfen kann – ohne dabei gleich die HĂ€lfte auf dem Teller, dem Tisch oder gar dem Schlabberlatz zu verteilen. Denn als wir reinkamen, lag sie im Bett (sie klagte laut Pflegepersonal kurz zuvor ĂŒber Schmerzen im rechten Fuß) und hatte soeben ihren Teller Kartoffel-GemĂŒse-Eintopf leergelöffelt. Nun fehlt ihr eigentlich nur noch, dass sie mehr als PĂŒriertes essen darf (der dafĂŒr vorgesehene Test ist am nĂ€chsten Mittwoch) und sie dann ihre ersten Schritte mit dem Messer bzw. mit dem Schneiden wagen kann. Mit dem Löffel scheppen und der Gabel aufspießen sowie dann zum Mund zu fĂŒhren beherrscht sie bereits ausreichend.

Es bleibt dabei, Stephanie lĂ€sst sich durch nichts unterkriegen und sie behĂ€lt eigentlich immer ihr LĂ€cheln bei. Das war diesmal auch meine hauptsĂ€chliche Intention bei der Fotoauswahl – ist euch bestimmt schon aufgefallen. Denn Freude steht ihr einfach ins Gesicht geschrieben …

… sei es mit uns, mit dem Personal in der Pflegeeinrichtung, mit anderen Bewohnern oder auch den Besuchern aus ihrem vorherigen Umfeld, sowie mittlerweile auch aus dem aktuellen. Die oben abgebildete Taube aus Ton (Tontaube wĂ€re zwar richtig, klingt aber eher nach einem abzuschießenden Diskus    standard    ) hat sie z.B. von jemanden aus der Geesthachter Klinik bekommen. Diese Person hat es sich an einem Vormittag nicht nehmen lassen wollen, einmal bei Stephanie vorbeizuschauen, da sie eh schon mal in der NĂ€he war. Unser Kind ist und bleibt einfach ein Steh-auf-MĂ€nnchen … oder wie Carsten auf Ruhrpottsch sagen wĂŒrde „Steht-auf-MĂ€nneken“.

So, mein letztes Dankeschön gilt einer Therapeutin des Pflegezentrums, denn diese tolle Frisur habe ich in den letzten Tagen ums Verrecken nicht hinbekommen:

Die ansonsten recht zottelig wirkenden, kurzen Haare im Stirnbereich konnte ich jedenfalls nie so gut verstecken.

Doch ein wenig gedulden mĂŒssen wir uns schon noch, damit Stephanies Körper zu einer gewissen altersgemĂ€ĂŸen NormalitĂ€t zurĂŒckkehren kann. Denn durch der anfangs gegebene Medikamentencocktail hat zwar in vielerlei Hinsicht zunĂ€chst gute Dienste geleistet, fĂŒhrte allerdings im Nachhinein auch zu einem ziemlich starken Haarausfall – besonders am Haaransatz. Diese wachsen nun nach, werden aber noch einiges an Zeit brauchen, bis auch sie wieder mal so lang werden, dass sie mit in den Zopf passen. Die Medis haben insgesamt einen schlimmen Einfluss auf ihren Hormonspiegel gehabt. Dieser pendelt sich zum GlĂŒck seit den letzten Tagen wieder sichtlich ein, denn beim Kind kommt derzeit immer mehr die PubertĂ€t mit allen Nebenwirkungen zum Vorschein … Pickel, plötzliche Stimmungsschwankungen sowie schnell fettenden Haare und Hautpartien. Man merkt, es gibt mehr als genug Baustellen an dem Projekt „Stephanie“    zwinker

Aber ich will mich nicht beklagen – sie bzw. wir konnten im letzten Jahr weitaus mehr schaffen als wir es uns auch nur annĂ€hernd zu trĂ€umen gewagt hĂ€tten. Und so werden wir gemeinsam mit Familie, vielen lieben Freunden und unermĂŒdlichen UnterstĂŒtzern aus Nah und Fern auch weiterhin die nĂ€chsten Schritte erfolgreich bewĂ€ltigen … Carsten wĂŒrde es „wuppen“ nennen     zwinker



2021 15.
Aug

Ich glaube, wir haben dem Kind den grĂ¶ĂŸten Gefallen getan, als wir Anfang der Woche unsere Familienspiele-sammlung mit ins Pflegezentrum genommen haben. Zwar wird derzeit erst noch einiges davon zweckentfremdet, aber egal was wir uns mit dem Inhalt einfallen lassen, es macht ihr Spaß und sie möchte eigentlich nicht eher aufhören, bis es wirklich beendet ist. Selbst wenn die Konzentration deutlich sichtbar mit der Zeit abnimmt, fĂŒr sie muss ein Abschluss trotzdem einfach mit dabei sein.

Angefangen haben wir mit den Dame/MĂŒhle-Steinen, die sie zuerst nach Farben sortieren und dann durchzĂ€hlen sollte. Vor dem ZĂ€hlen mit dem Finger baten wir sie zudem, dass sie erst einmal eine SchĂ€tzung nur durchs Angucken abgibt – hier vertut sie sich natĂŒrlich ab und an mal um ein bis zwei Steine:

Wenn man aber die Steine nach dem WĂŒrfelaugenprinzip anordnet, kann sie selbst Kombinationen aus 5 und 3 schon mit den Augen richtig ausrechnen – diese Anordnung sitzt einfach. Auch wenn sie mit fĂŒnf WĂŒrfeln gleichzeitig wĂŒrfelt (das haben wir diese Woche Rechti beigebracht und vertieft), zĂ€hlt sie nahezu fehlerfrei alles zusammen. Ihre Mathesucht ist dabei fast schon beĂ€ngstigend!

Doch es macht ihr so viel Spaß und deshalb streuen wir ĂŒberall immer wieder mal kleinere und grĂ¶ĂŸere Zahlen-rĂ€tsel ein:

Von der Bravo Hits gibt es mittlerweile 114 StĂŒck. Wenn im Jahr vier StĂŒck erscheinen, wie lange gibt es die Bravo Hits dann schon ?
Carsten: „100 durch 4 ist?“ … Stephanie: „25“ … Carsten: „12 durch 4 ist?“ … Stephanie: „3“ … Carsten: „25 plus 3 ist?“ … Stephanie: „28“ … Carsten: „Also gibt es die Bravo Hits jetzt schon mindestens 28 Jahre – seit 1992.“ … Stephanie: „Toll, lĂ€nger wie mich!“

Dann haben wir ihr mal die bunten Spielsteine plus die WĂŒrfel auf den Tisch gelegt und sie sollte zuerst alle WĂŒrfel rausfischen sowie danach einmal die Farben der PĂŒppchen sortieren – zuerst Rot, dann Gelb und zum Abschluss Blau.

NatĂŒrlich hat sie sehr viel lĂ€nger dafĂŒr gebraucht als es jemand von uns benötigen wĂŒrde, aber sie zeigte an mehreren Stellen große Fortschritte bei Dingen, die vor Wochen noch schier unmöglich schienen. Sie behielt in der Regel die Übersicht und Orientierung trotz des gewaltigen Gewusels (aus Farben) auf dem Tisch. Sie griff mit der rechten Hand relativ zielsicher die gerade benötigte Farbe heraus. Sie stellte die PĂŒppchen ohne großes Zittern, Probleme und Umwerfen an der Seite ab, nachdem sie sie zuvor mit den Fingern richtig herum mit der StandflĂ€che nach unten gedreht hatte. Wenn wir eines durch Stephanie gelernt haben, dann ist es das Erkennen von gewissen KomplexitĂ€ten bei selbst ganz banalen Dingen und Handgriffen – wir jedenfalls werden unsere Hirnleistungen so schnell nicht mehr unterschĂ€tzen!    zwinker

Als letzte Übung baten wir sie um eine vollstĂ€ndige Aufstellung eines Mensch-Ă€rgere-dich-nicht-Spielbretts (dies hat sie sogar selbststĂ€ndig erkannt und namentlich benannt), wobei die PĂŒppchen natĂŒrlich diesmal ganz zielgerichtet in den jeweiligen Farbkreisen aufgestellt werden sollten. Auch das hat sie nach einer gewissen Zeit ganz alleine und ohne viele Korrekturen (außer natĂŒrlich am Anfang) geschafft. Sie war total happy!!!

Gestern haben wir es dann sogar hinbekommen, dass wir eine komplette Runde Mensch-Ă€rgere-dich-nicht durch-gespielt haben. Stephanie musste dabei selbst wĂŒrfeln (sie wusste ganz genau, wann sie bei uns dreien an der Reihe war), das PĂŒppchen nehmen und die Felder abzĂ€hlen (hier hatte sie noch nicht so viel Übersicht und Carsten hat ihr viel mit einem StĂ€bchen gezeigt – bei seinem Finger achtete sie zu viel auf seine gesamte Hand) und dann den Spielstein auch wieder platziert loslassen (hierbei sind ihr erstaunlich wenig umgekippt). Die Taktik und richtigen Entscheidungen haben wir ihr natĂŒrlich abgenommen, denn das wĂ€re beim allerersten Mal sicherlich zu viel geworden.

Wie haben ca. eine ganze Stunde lang gespielt und trotzdem sie etwas unkonzentrierter wurde, wollte sie weiter-machen und hĂ€tte am Ende sogar fast auch gewonnen. Carsten kam ihr (leider) zwei WĂŒrfelwĂŒrfe zuvor, doch wir wollten nicht schummeln und sie somit absichtlich gewinnen lassen.

Egal, sie war auch als Zweite total glĂŒcklich, hat am Ende mehrfach ĂŒber ihre Platzierung und ihr Können abge-klatscht und sich wĂ€hrend des Spiels auch dauernd entschuldigt … wenn sie irgendwas nicht gleich verstand und wir mit Engelszungen auf sie einreden mussten, wenn sie Fehler machte und vor allem, wenn sie jemanden raus-zuwerfen hatte. Wir fanden das ja soooo sĂŒĂŸ!!!

Sie freut sich sowieso immer ĂŒber so vieles – egal ob groß oder klein. Wenn wir ins CafĂ© gehen, freut sie sich ĂŒber ihr Eis, welches sie ganz autark bis zur Waffel runterschleckt – den Rest im Hörnchen gibt es dann mit einem Löffel und das GebĂ€ck geht sowieso traditionell an mich:

Wenn sie nach lĂ€ngerer Zeit wieder ins Zimmer zurĂŒckkommt, freut sie sich ĂŒber das zum Teil sehr fantasievoll gemachte Bett – Hauptsache Elfi (die Taube), Wali und Schafi liegen griffbereit:

Sie freute sich z.B. auch ĂŒber diese Karte einer Bewohnerin und hat sich sogar bis zu unserem Besuch die Geschichte dazu gemerkt, sodass sie unsere Fragen darĂŒber auch beantworten konnte (Stichwort: nicht so gutes KurzzeitgedĂ€chtnis). NatĂŒrlich wurde das Bild dann auch gleich mit an ihre Fotowand geheftet:

Oder auch ĂŒber diese Spatzenkinder, die immer wieder mal von den Eltern gefĂŒttert worden sind, hat sie sich gefreut. Und zwar so sehr, dass wir sie locker 20 min lang beobachtet haben. Sie waren aber auch nur weniger als einen Meter von unseren SitzplĂ€tzen entfernt und selbst Stephanie konnte sie somit nicht aus den Augen verlieren:

Ihr seht, es geht ihr gut und sie ist nun definitiv im Pflegezentrum in LĂŒneburg angekommen. NatĂŒrlich denkt sie auch immer noch sehr gerne an die Mitarbeiter aus der Klinik zurĂŒck und wir wiederholen oft die Namen und die damit verbundenen Ereignisse (an die sich glĂŒcklicherweise bis heute noch erinnern kann), aber mittlerweile sind ihr die hiesigen Pfleger und Bewohner auch nicht mehr fremd und man hat sich gegenseitig sehr ins Herz ge-schlossen. In ihrem jetzigen Zimmer bzw. Bett liegt sie ebenfalls mit dem Gesicht zur TĂŒr, die in der Regel offen ist, und somit kann sie wie schon auf der Rehastation in Geesthacht den Flur beobachten und jeden grĂŒĂŸen oder mal ein kurzes Wort wechseln. Sie erkennt manche sogar schon am Schritt …

Wenn ich mit ihr sonntags alleine bin (= MĂ€delstag), dann setzen wir uns irgendwohin, wo wir ungestört sind (meist draußen), lassen Musik (derzeit die letzten drei Bravo Hits) laufen und malen. Zwar zieht sie noch immer am liebsten mit den Stiften nur ihre Kreise, aber mir reicht schon, dass sie die Stifte mit Rechti richtig halten und auch aus der FĂŒlle an Stiften gezielt ihre Wunschfarbe herausholen kann. Und da die rechte Hand mittlerweile so geschickt ist, haben wir auch schon einmal mit der Schere gearbeitet. Die kleineren Modelle fand sie jetzt nicht so angenehm in der Hand, aber bei der großen klappt der „Schnipp“ aufgrund der guten KraftĂŒbertragung schon sehr sehr gut – sie zieht jedenfalls ganz ordentlich durch.

Vor allem aber hat sie sich weiterhin ihren Humor bewahrt, denn als wir mal sagten, dass wir „ein wenig Spazieren gehen“ antwortete sie nur schelmisch: „Haha, ich und spazieren !!!“. Oder wenn man sie fragt, ob sie Hunger hat, kontert sie gleich mit „I-M-M-E-R-!-!-!“.

Da Stephanie fĂŒr den Grad der Fortschritte der direkte Vergleich fehlte und sie diese somit fĂŒr nicht so großartig erachtete, versprachen wir ihr, einmal gemeinsam ein paar Ă€ltere Videos anzugucken. Wir zeigten ihr die, wo man ihre EingeschrĂ€nktheit sehr deutlich sehen konnte, damit sie mal eine genaue Vorstellung davon hat, wie großartig ihre Fortschritte eigentlich sind – wir reden hier immerhin von nur drei Monaten !!!

Im ersten Video vom 13. April lag sie noch recht unbeweglich im Bett, konnte nicht sprechen und weigerte sich auch, den Mund aufzumachen. Ich wedelte verfĂŒhrerisch mit einer Pommes im Gesicht, an der sie zwar immer sehr gerne gerochen hat, aber die Lippen blieben trotzdem versiegelt. Heute lacht sie darĂŒber …

Im zweiten Video vom 27. April sollte sie mit der rechten Hand ihren Bilby greifen, anheben und an mich ĂŒbergeben, doch die Hand und der Arm wollten noch nicht gehorchen. Zudem konnte sie das Erwartete gedanklich noch nicht richtig verarbeiten, sodass sie lediglich die Hand in die NĂ€he des Stofftieres ablegte. Ihre Augen fragten jetzt beim Angucken nur „Und warum?“ …

Im dritten Video vom 27. Mai starteten wir gerade mit dem Spiel „3-Dinge-zum-Essen-auf-dem-Tisch“, bei der sie sich fĂŒr ein Wiener WĂŒrstchen, eine kleine Gurke oder ein StĂŒck KĂ€se entscheiden sollte, es zum Mund fĂŒhrte, abbiss und wieder zurĂŒck auf den Tisch legte. Leider konnte sie sich daran ĂŒberhaupt nicht mehr erinnern, doch heute ist Essen mit Gabel oder Löffel und Teller kein großes Problem mehr …

Im letzten Video vom 31. Mai sprach sie noch sehr sehr undeutlich. Wir mussten ihr mehrmals das Wort „Leber-wurst“ vorsagen, damit sie es nach unzĂ€hligen Malen wenigstens etwas verstĂ€ndlich aussprach. Heute lacht sie sich ĂŒber sich selbst kaputt …

Und sie ĂŒberraschte uns, als sie sagte, das sie bei den Videos ja noch in ihrem alten Zimmer (auf der Intensiv-station) gelegen hat. DAS hat sie also auf Anhieb wiedererkannt!

Bevor wir zu den RĂŒckschlĂ€gen in dieser Woche kommen    zwinker    hier noch eine weitere positive Erkenntnis: als wir gestern im CafĂ© saßen und uns ĂŒber Russisch und das kyrillische Alphabet unterhielten, meine sie, dass sie diese Sprache total (!) vergessen hĂ€tte und ganz sicher nichts mehr kennen wĂŒrde. Da liegt sie aber ganz falsch, denn schon nur nach der Nennung des Wortes „SehenswĂŒrdigkeit“ und der Hilfestellung „Dos…“ erinnerte sich sich sofort wieder an dieses lange und komplizierte Wort (siehe auch Blogeintrag vom 8.8.). Bei einzelnen, kyrillischen Buchstaben antwortete sie zwar recht schnell mit „Weiß nicht“, aber bei ganzen Wörtern entstanden ganz andere EindrĂŒcke:

Ich schrieb das erste Wort auf und wie aus der Pistole geschossen sagte das Kind „Stephanie“ … voila! Beim zweiten Wort kam sie leider nicht auf das gesucht „LĂŒneburg“, aber als ich ihr Nummer 3 zeigte, musste sie erneut nicht lange ĂŒberlegen und las korrekt „Potsdam“. Mal ehrlich, kann man darauf kommen, wenn man das kyrillische Alphabet nicht mehr kennen wĂŒrde? Sicher nicht …

Also denken wir, dass die Buchstaben noch sitzen, aber sie kann sie gerade nur nicht gezielt abrufen bzw. hat im Kopf noch nicht „den Weg dorthin“ gefunden. Ich werde ab jetzt auf jeden Fall immer wieder mal Russisch mit einfließen lassen, auch wenn sie behauptet, nix mehr zu wissen. Die Grundlagen und der passive Wortschatz scheinen auf jeden Falls noch da zu sein – wir bleiben also an der Sache dran.

Aber was waren die RĂŒckschlĂ€ge? Naja, eigentlich sind es keine richtigen RĂŒckschlĂ€ge, aber neue Erkenntnisse darĂŒber, was entweder verschĂŒtt oder gĂ€nzlich verloren gegangen ist.

Ihr erinnert euch doch sicherlich an die Memory-KÀrtchen und vor allem an den sogenannten Sechserpack? Carsten und ich haben mal drei Dinge davon physisch mitgebracht und sie gefragt, was das ist. Erkennt die vielleicht die Real-Life-Dinge, aber nur deren Abbildung nicht korrekt? Wir hatten im GepÀck: einen Apfel, eine Birne mit langem Hals, eine Birne mit kurzem Hals und einen Bund Möhren:

Leider hat sie die GegenstĂ€nde nicht erkannt … auch nicht mit Hilfe der drei KĂ€rtchen. Fast alles bei ihr ist Möhre    traurig    und beim echten Bund Möhren blieb ihr Blick nur auf den großen BĂŒschel GrĂŒnzeug hĂ€ngen, statt auf dem eigentlich wichtigen Teil. Wie bei einem Kleinkind: das was grĂ¶ĂŸer ist (das GrĂŒnzeug am Möhrenbund) wird interessiert angeguckt, aber die eigentliche, kleinere Sache eben nicht (die orangen Möhren) – das passierte auch bei ihr erst nach Aufforderung. Und selbst nach diesem Haptiktest hat sie die Dinge auf die erneute Nachfrage durcheinander geworfen … sie blieb mehrheitlich bei Möhre. Aber ich bleibe dran und schleppe ab jetzt jeden Tag diese drei Dinge plus auch mal andere (z.B. Banane etc.) mit zu ihr. Irgendwann bleibt es haften – wetten?! Ich muss nur immer wieder den Kopf darĂŒber schĂŒtteln, dass sie Apfel, Birne oder Möhre auf den Bildchen nicht auseinander halten kann, aber sie guckt von oben auf ihre Socken und sagt von sich aus korrekterweise „Kirschen“. Unglaublich …

Ebenfalls irritiert waren wir, als sie nach dem wunderbaren Aufstellen des Mensch-Ă€rgere-dich-nicht-Spielfeldes am nĂ€chsten Tag so unvorstellbar große Probleme beim Aufstellen von Schachfiguren hatte. Sie sollte nur die acht weißen Bauern auf die zweite Reihe stellen, aber selbst unsere Hilfen per Fingerzeig halfen am Ende nicht und die stellte die Figur nicht vor den Finger, sondern nur daneben oder versuchte es sogar dahinter. Jede Bauernfigur stellte fĂŒr sie eine fast unmögliche Herausforderung dar! Wir vermuten mal, dass sie einfach schon das Schach-brettmuster total ĂŒberfordert hat, denn wie gesagt, gestern hatte sie auf einem anderen Spielfeld ja nicht solche Probleme, den genauen Punkt zum Hinsetzen des PĂŒppchens zu finden. Aber hier beim Karomuster völlige Desorientierung und bei uns erneut die Frage samt KopfschĂŒtteln, was den eigentlich da oben so im Köpfchen gerade vorgeht.

Damit sie aber danach nicht ganz ohne Erfolgserlebnis blieb, haben wir ein paar sichere Punkte aus der Spiele-sammlung gezogen: sie zĂ€hlte korrekt auf dem Tisch liegende Damesteine, sie nannte die angezeigte Farbe auf einem selbst geworfenen FarbwĂŒrfel und sie versuchte sich auch mehrmals am WĂŒrfeln mit der linken Hand. Zack, das Kind war wieder glĂŒcklich.

Übrigens, Linki wird mittlerweile sogar schon ganz ohne Aufforderung zum Hochschieben der Brille genutzt. Doch man sieht deutlich, dass Stephanie mehr mit Rechti ausfĂŒhren will und somit der Linken Hand auch des Öfteren mal die Arbeit wortwörtlich „aus der Hand nimmt“. Solange es klappt, warum nicht?!?!

Mit zwei netten Dingen möchte ich den Blogeintrag dieser Woche dann endlich auch mal beenden – ich hoffe, ihr seid lesenderweise ĂŒberhaupt bis hierhin gekommen    standard

1.) Laut mehreren Mitarbeitern – aber man sieht es auch so schon von ganz alleine – hat Stephanie hier ebenfalls mal wieder das ganze Personal im Sturm erobert!!! Sowas darf eine Mutter doch zurecht stolz machen, oder?

2.) Als wir einmal vor dem Regen unter einen schĂŒtzenden Pavillon geflĂŒchtet sind und dann den Tropfen im Innenhof zugeschaut haben, flogen immer wieder mal Schwalben und Spatzen vorbei. Wir haben den flĂŒchtenden Vögeln zugesehen und Stephanie feuerte sie regelrecht an, dass sie sich doch bitte beeilen mögen, um schnellst-möglich in Sicherheit zu kommen. Ich fand das ja soooo sĂŒĂŸ!

Und nun wie versprochen das Ende dieser schon recht lang gewordenen Wochenzusammenfassung – mit einer lĂ€chelnden Stephanie und auch mit einem Foto, wo ich mal mit drauf bin:

Keine Angst, noch sind es keine grauen Haare beim Kind, sondern nur Trockenshampoo aus der SprĂŒhdose, dessen „Pfffffft“ Stephanie total lustig fand    lachen



2021 08.
Aug

Einerseits haben Carsten und ich uns diese Woche an zwei Tagen (MO & MI) etwas schuldig gefĂŒhlt, da wir zum allerersten Mal nicht zu Stephanie gefahren sind, obwohl wir eigentlich zuhause waren. Doch ein Besuch nach meinem SpĂ€tdienst (Feierabend erst 17:00) macht bei einer Fahrerei von insgesamt ca. zwei Stunden keinen Sinn, wenn man letztendlich noch etwas vom Besuch und evtl. auch ein wenig vom Feierabend haben möchte. Die Vernunft und erfreulicherweise auch Stephanie selbst haben uns in dieser EinschĂ€tzung bestĂ€rkt, aber ein klitzekleines GefĂŒhl von Verrat rumorte dennoch den gesamten Abend irgendwie in unseren Köpfen herum. DafĂŒr haben wir die Zeit dann wenigstens sinnvoll fĂŒr das Durchlesen und AusfĂŒllen des Sozialhilfeantrags „Hilfe zur Pflege“ genutzt … so viele Formulare hatten wir wahrlich schon lange nicht mehr zu beackern!

Andererseits zeigt sich zum GlĂŒck immer mehr, dass Stephanie in ihrer neuen Umgebung angekommen ist und schon jetzt sehr viel Spaß dort hat. Von Tag zu Tag wurde ihre Laune nĂ€mlich besser und sie konnte sich sogar an gewisse Unternehmungen wĂ€hrend des Tages erinnern sowie davon berichten. Zum Beispiel von ihren Lese-runden, wo Bewohner zusammentreffen und sich aus Zeitungen ĂŒber die Nachrichten oder das Horoskop austau-schen, von ihren ersten Therapiesitzungen (Physio & Ergo) und sogar von ihrer EnttĂ€uschung, dass sie einmal beim Kaffeeklatsch keine Kekse bekommen hat, weil diese vom Arzt oder den Therapeuten leider noch nicht freigegeben worden ist. Ob positiv oder negativ ist egal, aber wenn sie von so etwas berichten kann, dann nimmt ihr Kurzzeitge-dĂ€chtnis so langsam wieder Fahrt auf – hallelujah !

Auch ihr Zimmer wird zusehend heimeliger. Sie bekam am Montag aufgrund ihrer KörpergrĂ¶ĂŸe ein grĂ¶ĂŸeres bzw. lĂ€ngeres Bett, einen Tag spĂ€ter einen „Galgen“, den wir immer wieder mal fĂŒr unsere Übungen nutzen wollen, von uns eine fĂŒr sie sehr viel besser ablesbare Uhr, auf der sie auch das Datum und den Wochentag sieht, …

… und wir planen gerade zusammen mit der Familie ihrer Zimmergenossin an einem nĂŒtzlichen Regal fĂŒr mehr Stauraum und einen darauf stehenden Fernseher, den dann beide gleichermaßen optimal nutzen können sollen. Denn was wir auf keinen Fall wollen, sind zwei TV-GerĂ€te in einem Raum, die sich dann vielleicht sogar in der LautstĂ€rke hochschaukeln wĂŒrden oder am Ende dazu fĂŒhrt, dass die beiden nur noch mit Kopfhörern im Bett liegen. Mal sehen, wie die MĂ€dels das alles am Ende hinbekommen – aber sie werden einen Weg finden, da bin ich mir ganz sicher    standard

Ihre persönliche Ecke liebt Stephanie schon mal sehr:

Und diese wurde mittlerweile auch um weitere, von ihr gewĂŒnschte und ausgesuchte, selbstgemalte Bilder aus der ehemaligen Krankenhauszeit ergĂ€nzt. Schon allein deshalb sind wir der Meinung, dass sie angekommen ist.

Ein anderes Indiz dafĂŒr ist definitiv der Umgang mit dem Personal, denn wie wir unsere Stephanie ja alle kennen, findet sie sich immer ganz schnell zurecht und knĂŒpft unheimlich schnell Kontakte. Das zeigt zum Beispiel diese Aussage in einem GesprĂ€ch, welche wir gestern von einer Pflegekraft bekamen, als Stephanie noch beim Essen war und somit nicht mithören konnte: „Stephanie ist ja so sĂŒĂŸ, sie macht sich um meine Gesundheit Sorgen und hat mich sogar gebeten, dass ich mit dem Rauchen aufhöre.“

Oder auch die Tatsache, dass sie jetzt chinesische Wörter und Phrasen lernt, da dies die Muttersprache einer Pflegekraft ist. Diese hat ihr anfangs mal „Ni Hau“ (= Hallo) beigebracht und ich googelte sogleich Danke (= XiĂšxiĂš), was das Kind dann noch am gleichen Besuchstag anwenden konnte – zumindest hat die Pflegerin danach sehr gelĂ€chelt und somit Stephanie bestĂ€rkt, noch weitere Wörter herauszufinden … na, da habe ich mir vielleicht was eingebrockt    zwinker

Gestern ĂŒberraschte sie wiederum uns, denn wo ihr Russisch eigentlich sehr stark in Vergessenheit zu geraten scheint, erinnerte sich sofort und ohne langes Zögern an die Vokabel „SehenswĂŒrdigkeit“ (= dostoprimecha-tel’nosti). Aber meine ZĂ€hlung „odin, dva“ (1, 2) vervollstĂ€ndigt sie lieber mit dem spanischen „tres“ statt dem russischen „tri“. Ach ja, das Köpfchen …

Womit man ihr definitiv immer eine Freude machen kann, ist Essen. Gut, die krĂŒmeligen Kekse wurden ihr zwar noch verweigert, aber dafĂŒr bekommt sie jetzt nicht mehr nur pĂŒriertes Mittagessen (nur, wo es wirklich notwendig ist, wie z.B. Schweinebraten mit Soße) und auch schon Scheibenwurst und -kĂ€se aufs Brot … ein kulinarischer Traum geht fĂŒr sie in ErfĂŒllung!

Und wenn wir zu Besuch da sind und sie das Abendessen super kaut und herunterschluckt, so gut wie gar nicht hustet und wirklich jeden Bissen genießt, dann zaubern auch wir mal das ein oder andere Geschmackserlebnis aus dem Ärmel. Einmal hat Carsten als Überraschung aus der KĂŒche zwei Scheiben Salatgurke mitgebracht … DEN glĂŒcklichen und genießerischen Gesichtsausdruck beim Kauen hĂ€ttet ihr sehen mĂŒssen! Und gestern im CafĂ© auf dem GelĂ€nde probierte sie voller Freude unsere beiden KuchenstĂŒcke …

… nachdem sie ihre Kugel Vanilleeis weggeschleckt hatte. DiesbezĂŒglich mussten wir ihr auch gar nichts mehr großartig zeigen, denn nachdem wir ihr die Waffel in die Hand gedrĂŒckt hatten, fing sie schon an, wie ein Weltmeister zu lecken – das war letztes Wochenende ja noch völlig anders. Also scheint sie trotz der einen Woche Pause dazwischen die BewegungsablĂ€ufe bereits verinnerlicht zu haben – Herz, was willst du mehr!

So etwas muss natĂŒrlich belohnt werden und als sie auch noch Carstens Fritz-Cola probieren wollte, hat er ihr gleich das letzte Viertel seiner Flasche fĂŒr die nĂ€chste Übung gesponsert: trinken ohne Strohhalm … zuerst mit Hilfe, dann mit gebĂŒhrender Vorsicht …

… und prompt war auch das Thema gegessen. Fortan sĂŒppelte sie fast schon wie ein Pullenprofi:

Leider geht es bei vielen anderen Dingen nicht immer ganz so schnell, aber wir geben nie auf. So hat sie z.B. das Prinzip des DrĂŒckens auf den Schwesternruf auch nach zigmaligem Übungsansatz und Zeigen nicht hinbekommen. Statt den Schalter richtig in die Hand zu nehmen und das beleuchtete Teil mit dem Zeigefinger wie den Anzug einer Pistole zu drĂŒcken, presste sie leider immer wieder nur mit dem Daumen und dem Zeigefinger von der Seite auf das rote Licht – das hat natĂŒrlich nicht ganz so zuverlĂ€ssig funktioniert wie es sollte.

Nun will man ihr mal einen Buzzer besorgen, bei dem diese Schwierigkeiten dann natĂŒrlich nicht mehr bestehen.

Zum GlĂŒck blieb das Wetter hier im Norden noch recht angenehm, sodass wir wĂ€hrend unserer Besuche auch weiterhin viel Zeit mit ihr im Freien verbringen konnten – bei Regen auch durchaus mal unterm schĂŒtzenden Pavillon – sei es zum Abendessen im GrĂŒnen mit stets verfolgendem Blick auf die eifrig umherschwirrenden Schwalben und um sie herum hĂŒpfenden Spatzen …

… oder zum Spielen mit uns, worauf sie sich immer ganz besonders freut. Da wird sie einfach nicht mĂŒde, auch wenn ihre Konzentration schon nach ca. 15-20 Minuten deutlich sichtbar abnimmt und sie sich dann mehr und mehr vertut oder auch mal gar nicht weiter weiß. Immer wieder gerne von ihr gewĂŒnscht sind erstaunlicherweise das Spiel mit den MemorykĂ€rtchen (der „Sechserpack“ aus Wolke, Regenschirm, Apfel, Birne, Möhre und Huhn/Hahn sitzt mittlerweile recht gut, aber auch die anderen Motive erkennt sie schon immer besser und ĂŒberrascht mit neuen Worten – statt Wagen und Auto fiel einmal die Beschreibung Trabi) sowie Mathematikaufgaben und ZĂ€hlen, doch auch mit ihren Bauklötzen und den Buchstabenkarten beschĂ€ftigen wir uns des Öfteren.

Aber bei all der Euphorie mĂŒssen wir weiterhin sehr viel Geduld ansetzen, wie sich u.a. gestern mit den Buchstaben (gesucht waren Tiere) gezeigt hat: beim C kam sie sofort auf ChamĂ€leon, beim A wusste sie ĂŒber Austern Bescheid (kann man essen, leben im Meer, aus den Perlen kann man eine Kette machen), aber beim H fielen ihr weder Huhn, Hahn noch Hund ein und beim N musste man ihr das Nashorn sogar etwas erlĂ€utern, aber beim R reichte das Hören des Wortes Rhinozeros schon wieder aus.

Solange sie nicht eigenstĂ€ndig Lesen oder im Internet surfen kann, bleiben wohl noch so einige Begriffe in ihrem Durcheinander da oben verschĂŒttet, aber am Ende werden wir das sicherlich schon schaukeln. Wie schon öfters angemerkt: eine Baustelle nach der anderen und eben nicht alle gleichzeitig.

ZunĂ€chst bleiben wir bei der (Aus-)Sprache und dem Lockern der Zunge, der vollumfĂ€nglichen Nutzung der rechten Hand, der unterstĂŒtzenden Hilfe der linken Hand und einer gewissen Bewegungsfreiheit im oberen Körperbereich – das wĂ€re jedenfalls alles sehr nĂŒtzlich fĂŒr die oben genannte Zielstellung „Lesen und Surfen“. Danach kĂŒmmern wir uns dann erst aktiv um die Beine, mehr Möglichkeiten in der eigenen Fortbewegung (Wechsel zwischen Bett und Rolli ohne Lifter sowie selbststĂ€ndiges Herumfahren) und den erneuten Aufbau von Wissen.

Wie wĂŒrde Stephanie sagen: „Tschakka, ich schaffe das!“ … in diesem Sinne weitermachen und ĂŒben, ĂŒben, ĂŒben. DrĂŒckt uns und dem Kind bitte weiterhin die Daumen, dass die von vielen prophezeite Stagnation und die damit einhergehenden Gedanken ans Aufgeben noch ein wenig auf sich warten lassen – vor allem jetzt, wo ihr weder Singer noch Barthel mit Index-Punkten im Nacken sitzen    standard    vielen lieben Dank. Den soll ich euch ĂŒbrigens auch von Stephanie ausrichten, wenn wir ihr aus dem Blog, aus Emails oder von den vielen Kommentaren bei Facebook berichten bzw. vorlesen. Ich glaube, genau dies gibt ihr zudem stets weiteren Schub und Kraft fĂŒr ihren Weg zur Genesung.



2021 02.
Aug

Es ist natĂŒrlich DAS Ereignis der Woche: Stephanies Umzug vom Krankenhaus in Geesthacht in die Pflegeein-richtung nach LĂŒneburg – am Mittwoch war es soweit.

Am Dienstagabend haben wir schon mal alles zusammengepackt und auch ihre so heiß und innig geliebte Fotowand geleert …

… ist ja nur fĂŒr eine Nacht! Sie realisierte auch schon vorher, dass sie nun die beiden kennengelernten Stationen der Vamed-Klinik in Geesthacht sowie die ganz vielen schönen Kontakte verlassen wird. Aber damals beim Wechsel von der Intensiv- zur Reha-Station war es nicht anders: anfangs noch sehr traurig und sie mochte die neue Station gar nicht wirklich … und jetzt flossen auch hierfĂŒr die TrĂ€nchen. Doch bei den persönlichen Abschieden der ganz vielen lieben und netten Leute vom Pflege- und Therapeutenpersonal beider Stationen sowie sogar von Patienten und deren Angehörigen mit Stofftieren, Briefen und unendlich vielen Bussis zeigte sie wiederum StĂ€rke und ihr GegenĂŒber – zum Teil sogar gestandene MĂ€nner sowie auch bei Carsten – war der Kloß im Hals deutlich zu spĂŒren.

Ich freue mich ja so sehr, dass Stephanie hier ein so tolles Umfeld gehabt hat und die 296 Tage Geesthacht wohl fĂŒr so viele eine schöne Zeit gewesen ist … wenn man von den unausweichlichen UmstĂ€nden einmal absieht. Einen ganz herzlichen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!!! Bei Stephanies KurzzeitgedĂ€chtnis ist das nicht immer klar, aber Carsten und ich werden es euch nie vergessen, was ihr fĂŒr unser Kind und auch fĂŒr uns getan haben – ihr wart mit all eurem Tun und Handeln immer eine riesengroße StĂŒtze und vor allem eine stetige Hilfe auf Stephanies Weg zu Genesung …

Am Mittwochmorgen um Punkt 9 Uhr dann der Transfer – ganz unauffĂ€llig mit dem Rettungswagen     zwinker

In der Pflegeeinrichtung angekommen, wurde sie in ihr neues Zimmer gebracht … naja, wenigstens fĂŒr 24 Stunden, denn auch hier hat Stephanie wohl schon gleich zu Anfang einen ordentlichen Eindruck hinterlassen und man möchte ein Doppelzimmer mit den beiden jĂŒngsten Frauen der Abteilung befĂŒllen. Man war sich recht schnell einig, dass die Chemie stimmen wird und die beiden sich gegenseitig sehr gut ergĂ€nzen und fördern können. Stephanie könnte ihre Zimmergenossin vielleicht mehr zum Sprechen animieren und dafĂŒr im Gegenzug auch von ihrer AgilitĂ€t bzw. MobilitĂ€t profitieren. Wir drĂŒcken jedenfalls ganz fest die Daumen und auch unser bisheriger Eindruck lĂ€sst hier eigentlich keine Zweifel aufkommen.

Aber zunĂ€chst bezieht Stephanie am Tag der Ankunft fĂŒr den Übergang noch ein Einzelzimmer, bei dem schon auf den ersten Blick deutlich wird, dass man nun endlich das Krankenhausflair verlassen hat:

Die Betten und auch die NachschrĂ€nkchen mit allen gewohnten Verstellfunktionen sind in Holzoptik gehalten und auch diese krankenhaustypische SterilitĂ€t im Zimmer fehlt. Das soll jetzt keine Kritik am Krankenhausinterieur sein – alles hat seinen Sinn – doch der Unterschied ist eben gravierend und trĂ€gt sicherlich sehr zu einer gewissen Heimeligkeit fĂŒr die Bewohner bei. Carsten und ich finden es jedenfalls ganz toll.

Stephanie war weniger von der Ausstattung begeistert, sondern mehr von diesem BegrĂŒĂŸungsblumenstrauß …

… den ich heute sogar trocknen statt wegwerfen sollte. Schnittblumen sind aber nun mal leider vergĂ€nglich, doch ich bin schon verwundert, dass Stephanie an solchen Dingen Interesse findet. Tja, sie hat eben als Teenager das Haus verlassen und sich dann freiwillig auch z.B. fĂŒrs GĂ€rtnern und Dekorieren begeistert. WĂ€hrend der Zeit bei uns war so ein Schnickschnack mehr als ĂŒberflĂŒssig und jeglicher Gartenarbeit wurde mit allen KrĂ€ften ausgewichen. Da scheint also schon mal wieder etwas zurĂŒckzukommen.

Und am nÀchsten Tag bekamen wir diese tolle Nachricht auf unserem Papierblock zu lesen:

„Hallo, Stephie hat heute Morgen ein weiches Brötchen komplett mit Heben und Ablegen selbststĂ€ndig gegessen, sowie nicht angedickten Saft und Milchkaffee getrunken und wir haben gesungen. Bei der Grundpflege hat sie sehr gut mitgeholfen. Ich war begeistert. […] Auch Mittag hat sie selbststĂ€ndig gegessen. Ich habe ihr ein paar Bewohner vorgestellt sowie die Einrichtung gezeigt. Wir haben auch Pfeifen geĂŒbt und mit dem Ball gespielt.“

Ja, so schnell kann es gehen – wir freuen uns jedenfalls immer ĂŒber solch tolle Neuigkeiten.

Als wir dann am Donnerstag zu Besuch kamen, wurde natĂŒrlich im neuen Zimmer alles eingerĂ€umt und sogleich die Fotowand neu bestĂŒckt – sie durfte wieder aus den zahlreichen Bildern wĂ€hlen (Ja / Nein / Vielleicht) und Carsten hat geklebt – hier mal ein Vorher-/Nachher-Foto:

Das Personal ist auch hier in LĂŒneburg total nett und jeder aus der Schicht ist einmal ins Zimmer gekommen, um sich vorzustellen und uns zu begrĂŒĂŸen. Alles in allem gleicht es hier manchmal einem Urlaubs- und All-Inclusive-Aufenthalt, vor allem, wenn man sich diese Essenszeiten mal auf der Zunge zergehen lĂ€sst: FrĂŒhstĂŒck ab 8:00-9:30, Mittagessen ab 11:30-13:00, Kaffeetrinken ab 14:30-16:00, Abendessen ab 17:30-19:00 und auf Wunsch sogar FrĂŒh-/SpĂ€t-/Nacht- und Zwischenmahlzeiten. Wow! Vorgestern fragte ein Pfleger nach, ob Stephanie gerne ein „Leckerli“ hĂ€tte und sie bekam nach ihren „Ja“ gleich einen Pudding gebracht … diesmal sogar ganz ohne die lĂ€stigen und bitter schmeckenden Medikamente, welche vorher eigentlich immer bei ihrem Nachtisch der Mahlzeiten untergemischt werden. Ja, damit ist es wieder einmal bestĂ€tigt: mit Essen fĂ€ngt man die OLCAs im Handum-drehen!!!     zwinker

In den letzten Tagen haben wir dann zwar auch so manche Zeit drinnen bzw. im Zimmer verbracht – hier: Video-botschaften auf dem iPad gucken (links) und OrientierungsĂŒbungen mit einem Spiegel (rechts) …

… aber in der Regel zogen uns das schöne Wetter und die tolle Umgebung immer recht schnell nach draußen:

Hier mal ein Blick auf das Haus, in dem Stephanie untergebracht ist (in der Mitte, hinter dem weißen Pavillon) und dem großzĂŒgigen Innenhof mit vielen BĂ€nken und Sonnen- bzw. Regenschutz:

Es gibt auch ein CafĂ© direkt auf dem GelĂ€nde, wo Stephanie sich heute gleich mal fĂŒr eine Kugel Vanilleeis entschieden hat. Perfekt, denn das Lecken hat einen gewissen Übungseffekt fĂŒr die Zunge und fördert langfristig eben auch eine bessere Aussprache – sie nuschelt seit ein paar Wochen und ist somit sehr viel schwerer zu verstehen. Sie hat natĂŒrlich ganz schnell dazugelernt – zuerst das Schlecken ĂŒben, dann das eigenstĂ€ndige Essen mit ihrer rechten, stĂ€rkeren Hand ĂŒbernehmen:

Und auch fĂŒrs Spielen, Üben und Trainieren wollte Stephanie immer sehr gerne draußen bleiben, vor allem, um die herrliche „steife Briese“ genießen zu können! Da gelingen ihr selbst komplexere Aufgaben sehr viel besser: sie musste heute mit „Linki“ PappkĂ€rtchen aus einem Karton rausfischen (dabei wollte „Rechti“ immer wieder mal voreilig sein und vorpreschen), sollte dieses dann an ihre rechte Hand ĂŒbergeben, selbst angucken, mit den Finger in der Hand drehen, um Carsten und mir zu zeigen, und dann das darauf abgebildete Objekt benennen. NatĂŒrlich erkannte sie nicht viel auf Anhieb, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie sie anhand unserer Beschreibungen a la Activity das richtige Wort dann doch findet … Ananas, Lineal, Basketball, Frosch, Hamburger, SĂ€ge, Baum, Himbeere, Zitrone, Zwiebel. Ihr merkt, selbst alltĂ€gliche Dinge sind namentlich nicht mehr vorhanden, aber anhand von Beschreibungen kann sie das gesuchte Wort dann doch wieder ausgraben. Wir sind jedes Mal erstaunt, was noch so alles in diesem Köpfchen verschĂŒttet und noch nicht gĂ€nzlich verloren ist …

Also heißt es weiterhin „ĂŒben, ĂŒben, ĂŒben“ und vor allem mit viel Zeit alles „Schrittchen fĂŒr Schrittchen“ angehen. Wir jedenfalls sind bereit dafĂŒr und auch diese Einrichtung hier wird sicherlich ihr ganz bedeutendes Scherflein dazu beitragen.

Heute war z.B. eine Gruppenrunde fĂŒr die Angehörigen angesetzt worden, wo eine Bewohnerin wie ein Kummerkas-ten Lob und Tadel einsammelt und dies als Bewohnerbeirat bei einer der nĂ€chsten Leitungssitzung mit anbringt. Es waren insgesamt so ca. 5-6 Familien zugegen und eigentlich gab es ĂŒberwiegend nur Lob fĂŒr das Pflegepersonal und die Therapeuten und nur ganz wenig zu meckern … auch von den Vertretern der Bewohnern, die schon mehrere Jahre hier leben. Das hat uns dann auch noch einmal bestĂ€tigt, dass unsere Wahl fĂŒr diese Einrichtung keine schlechte Entscheidung gewesen sein kann.

Stephanie muss sich jetzt aber erst noch mehr eingewöhnen, mehr tĂ€gliche Routine bekommen, das umfangreiche Angebot der Freizeitgestaltung genauer kennenlernen (Singen, Töpfern, Zeitung lesen, Musizieren etc.) und vor allem so manche Seltsamkeit bei den zum Teil sehr viel Ă€lteren Bewohnern verarbeiten – bislang war sie ja nur in einer Kinder- & Jugendeinrichtung untergebracht und gehörte da schon mit zu den Ältesten. Die erste Aufregung scheint bei ihr aber mittlerweile verflogen zu sein und noch fehlt ihr ein wenig mehr Action, wie z.B. die Therapien. Diese werden sehr wahrscheinlich ab ĂŒbernĂ€chster Woche starten, wenn alle wieder aus dem Urlaub zurĂŒck sind und mit dem gesamten Personal geplant werden kann. Auch hier sind wir mehr als zuversichtlich und freuen uns auf die nĂ€chsten Tage, Wochen, Monate und vielleicht auch Jahre … wir rechnen optimistisch mit zwei bis drei. Wir werden das Ganze schon gemeinsam wuppen, versprochen!



2021 18.
Jul

So, jetzt kann ich endlich verbindlich ĂŒber ihre Entlassung aus dem Krankenhaus sprechen, denn in dieser Woche wurde nun alles fix gemacht: Stephanie wird am 28. Juli von der Rehaklinik in eine Pflegeeinrichtung verlegt werden – die behandelnde Ärztin sah aufgrund der fĂŒr die BegrĂŒndung wichtigen Indexpunkte im Singer (weiterhin gleich-bleibend bei 13) und Barthel (0 Punkte) leider keine Chance, eine weitere VerlĂ€ngerung bei der Krankenkasse zu erreichen. Doch als wir mit der Ärztin dieses entscheidende GesprĂ€ch am Mittwoch fĂŒhrten, sind Carsten und ich schon sehr viel gelassener an die Sache rangegangen, denn bereits seit Montag wussten wir, dass fĂŒr Stephanie sowohl Ende Juli als auch Ende August ein freier Platz in der Pflegeeinrichtung zur VerfĂŒgung stehen wĂŒrde. Damit war diese nicht ganz unerhebliche Unsicherheit vor dem GesprĂ€ch zum GlĂŒck schon lĂ€ngst aus dem Weg gerĂ€umt. Nun fĂ€llt ihr „Umzug“ zwar leider nicht in unsere eingereichte Urlaubszeit Ende August, aber damit können wir trotzdem ganz gut leben.

Ergo: nach 40 Tagen in der CharitĂ© in Berlin und bis dahin 296 Tagen in der Vamed-Klinik in Geesthacht, wird ihr neues Zuhause dann im von uns 40 km entfernten LĂŒneburg sein. Mal sehen, wie wir das mit den Besuchen wĂ€hrend der Arbeitswoche und an den Wochenenden regeln werden – wir haben uns natĂŒrlich schon erste Gedanken gemacht. Leider wird bei ca. 45 min pro Fahrt fĂŒr uns ein tĂ€glicher Besuch dann nicht mehr möglich sein, aber wir denken mal, dass wir insgesamt doch noch auf vier Tage pro Woche kommen werden: DI, DO, SA & SO. Doch dazu erst mehr, wenn es mal so weit ist. Anfangs werden wir sicherlich doch noch tĂ€glich hinfahren und wĂ€hrend unseres Urlaubs sowieso …

Wenn wir die Verlegung als das erste Highlight dieser Woche verbuchen, dann wÀre Nummer 2 auf jeden Fall der gestrige Besuch ihrer Freundin Laura aus Berlin:

Wie schon bei ihrem Vater hat Stephanie auch sie leider nicht auf Anhieb erkannt, als sie ins Zimmer trat, aber im Laufe des Besuches kamen ihr dann doch immer mehr Erinnerungen an die gemeinsame Zeit zurĂŒck. Zudem konnte sie sich an verschiedenste Dinge aus Lauras diversen Videos erinnern, die ich ihr immer wieder mal auf dem iPad vorgespielt habe. So zum Beispiel an den Namen ihres neuen Hundes und auch, dass dessen Vor-gĂ€nger traurigerweise kurz zuvor ĂŒber die RegenbogenbrĂŒcke gegangen ist.

An sich ist das ja nichts besonderes, aber ihr mĂŒsst bei Stephanie immer im Hinterkopf behalten, dass ihr Kurz-zeitgedĂ€chtnis meist gehörige Aussetzer hat. Einmal kamen wir am frĂŒhen Abend zu Besuch und sie war zuvor offensichtlich mit jemandem vom Personal draußen im Park, denn sie hatte von dieser Person zwei Blumen ins Haar gesteckt bekommen … aber auf unsere Frage mit bzw. von wem, wusste sie leider keine Antwort. Oder auch bezĂŒglich dessen, was sie immer so zum FrĂŒhstĂŒck isst, stimmen ihre mitunter sehr ĂŒberzeugend ausgespro-chenen Antworten („Brot mit Marmelade“) in der Regel nicht mit den Aussagen des im Anschluss daran befragten Pflegepersonals ĂŒberein („Weißbrot mit KrĂ€uterquark“) – erst, wenn man dann mit ihr noch einmal darĂŒber spricht, scheint sie sich wieder korrekt zu erinnern. Und unser Klassiker: „Wie macht die Katze ?“ beantwortet sie leider immer noch mit WUFF, aber am Freitag gab es schon die erste Entwicklung, denn die starb mit „Wu…“ ab und schob ein ĂŒberzeugendes „Miau“ hinterher. Sie hat sich also sofort selbst beim Sprechen korrigiert – wir sehen das als einen weiteren sehr guten Anfang.

Und es ist auch nicht immer so schlecht um ihr (Kurzzeit-)GedĂ€chtnis und ihren Erinnerungen bestellt, denn in manchen GesprĂ€chen ruft sie bei uns immer wieder mal große Verwunderung hervor. Beim letzten Mal habe ich ja schon ĂŒber die Penne Funghi geschrieben und auch diese Woche konnte sie das ein oder andere aus ihren Gehirnwindungen hervorkramen.

Beispiel 1: Carsten hat ihr von den Unwettern im SĂŒden erzĂ€hlt und fĂŒr ihren Besuch aus Berlin und fĂŒr das Wochen-ende gehofft, dass es dann eben nicht regnen möge, da sie ja immer wieder gerne mal im Rolli raus möchte. An diesem Besuchstag sah es gut dafĂŒr aus und die Prognosen sagten Sonnenschein voraus. Carstens „Aber du weißt ja, was ein Wetterbericht von heute fĂŒr Sonntag wert ist, oder ?“ beantwortete sie wie schon damals wĂ€hrend ihres Meteorologiestudiums mit „Ja, die Chancen stehen Fifty-Fifty.“ … das hat sie also im GedĂ€chtnis behalten.

Beispiel 2: Ich habe mich mal mit ihr ĂŒber die aktuell gespielten Lieder unterhalten (sie guckt ja immer nur den Sender „Deluxe Music“ im Fernsehen und ist somit ganz gut auf dem Laufenden) und Stephanie hört derzeit das Lied „Wellermann“ sehr gerne. Das Lied „Strip“ von Lena findet sie blöd und auch Mark Fosters aktuelle Single mag sie derzeit nicht so dolle. Und wie bei mir geht ihr mittlerweile diese ewige Wiederholung und Endlosschleife des Liedes von Pink und ihrer Tochter auf die Nerven. D.h. an sowas erinnert sie sich also schon wieder – großartig!

Doch zurĂŒck zu Laura – entschuldigt bitte meinen kleinen Ausflug in die Gedankenwelt des Kindes. Noch im Zimmer bekam Stephanie ein eingewickeltes Geschenk ĂŒbergeben und meine Kleine fand mal wieder großen Gefallen daran, das Geschenkpapier zu zerreißen. Laura hat ein Erinnerungsbuch zusammengestellt, was die beiden im Nachhinein dann wohl auch noch gemeinsam durchgesehen und besprochen haben. Aber zunĂ€chst sind wir zu dritt in den Park zu unserer Lieblingsbank gegangen und nachdem ich sah, dass die beiden supergut miteinander zurechtkommen, habe ich mich verabschiedet und bin zu Carsten nach Hause gefahren. Sollten sie die Stunden doch ganz fĂŒr sich haben und genießen. Laut Laura hatten sie eine sehr schöne Zeit und auch fĂŒr Stephanie werden die Stunden zwischen 13:00 und 18:00 hoffentlich noch lange einen bleibenden Eindruck hinterlassen – Kurzzeit-gedĂ€chtnis hin oder her.

Noch einmal zurĂŒck zur Aussage, dass Stephanie sehr gerne draußen ist. Das hat zwei GrĂŒnde:

1.) Sie ist natĂŒrlich sehr neugierig und saugt alles um sich herum auf wie ein Schwamm. Aufgrund ihrer Art der Orientierungslosigkeit bzgl. des Sehens entgeht ihr zwar vieles oder sie braucht z.B. sehr lange, bis sie einen Vogel auf dem Weg vor ihr finden und fokussieren kann, aber dann ist ihre Freude natĂŒrlich umso grĂ¶ĂŸer. Sie möchte auch so viel wie möglich anfassen und berĂŒhren – also im wahrsten Sinne des Wortes ihre Umwelt beGREIFEN …

2.) Ihr Zimmer liegt nach SĂŒden und die Sommersonne knallt deshalb unerbittlich rein, sodass es in ihrem Zimmer sehr schnell recht warm wird – sie kann ja selbst nicht raus, den Sonnenschutz schließen oder sich gar im Bett anders hinlegen. Zudem ist es bei solchen Einrichtungen ja ĂŒblich, dass die Fenster aus sicherheitstechnischen GrĂŒnden nicht zu öffnen sind und somit kein Durchzug Erleichterung bringen könnte. Wer Stephanie genauer kennt, weiß ja wie sie zu sommerlicher WĂ€rme bzw. Hitze steht – Urlaub am Strand niemals, dann schon eher Island oder eine andere, kalte Destination. Deshalb sehnt sie sich derzeit immer nach jedem Luftzug (einen Ventilator hat sie schon) und genießt sehr gerne den Wind da draußen – ob natĂŒrlich oder kĂŒnstlich ist ihr wiederum gleich:

Unser Hauptaugenmerk bei den körperlichen Übungen (die Aussprache ĂŒben wir natĂŒrlich immer wieder durch den nebenbei gefĂŒhrten verbalen Austausch) galt diese Woche den Fingern bzw. der Fingerfertigkeit. Beim Spielen oder unbewussten Agieren setzt sie trotz der EinschrĂ€nkung durch die Spastik erfreulicherweise immer mehr die linke Hand ein, sodass eben nicht alles nur von „Rechti“ ausgefĂŒhrt wird. Sie kann mittlerweile sogar mit beiden HĂ€nden (besser: Zeigefingern) ihre Brille auf der Nase wieder hochschieben – „Linki“ ist dabei zwar die Unbeholfenere, aber Anfang der Woche war das sogar noch ein ganz unmöglicher Bewegungsablauf. Derzeit arbeiten wir noch an einem eigenstĂ€ndigen Absetzen der Brille, da sie die Finger der rechten Hand schon sehr gut als „Pinzette“ einsetzen kann und nicht wie ein Baby alles mit der Faust greifen will:

Doch ob man es glaubt oder nicht, das Schwierigste dabei ist nicht das Greifen mit den Fingern und die entspre-chende Bewegung des Arms, sondern das Finden eines Punktes in ihrem Gesicht, den sie nicht sieht. Sie kann sich nicht ans Ohr fassen oder auf die Stirn tippen (einen Vogel zeigen), da sie das zu berĂŒhrende Ziel einfach nicht mit den Augen fixieren kann – das Thema hatte ich ja schon einmal hier angesprochen. Also zerlegen wir derzeit komplexe BewegungsablĂ€ufe, die fĂŒr uns völlig easy erscheinen, immer wieder in Teilaufgaben, die es dann zuerst zu bewĂ€ltigen gilt. Zum Beispiel das Drehen einer 1-Euro-MĂŒnze mit in Fingern (klappt!), mit dem Zeigefinger die Nase, die Stirn und die SchlĂ€fe erst bei ihrem GegenĂŒber (leider haben wir keinen großen Spiegel fĂŒr sich selbst zur Hand) und dann bei sich berĂŒhren bzw. ertasten (klappt al einziges noch nicht), das Aufnehmen von Dingen vom Tisch mit nur zwei Fingern und das Drehen eines Flummis in selbigen …

… das Bewegen (Beugen, Strecken, Rotieren, BerĂŒhren) einzelner Finger, das sichere Halten und leichte Aus-balancieren von kleinen und großen BĂ€llen auf der HandflĂ€che, mit Griffsicherheit GegenstĂ€nde von A nach B bewegen oder auch einen Austausch von Gegenstand X in der rechten Hand und Gegenstand Y in der linken Hand, sodass sich am Ende beide GegenstĂ€nde jeweils in der anderen Hand befinden. Dazu kann sie entweder eine Ablage nutzen (sie muss dabei nur aufpassen, dass der Gegenstand nicht wegrollt oder herunterfĂ€llt) oder auch als Zwischenschritt beide GegenstĂ€nde kurz in eine Hand aufnehmen – nach ca. 20 Versuchen hatte sie den Dreh fĂŒr Variante 2 raus.

Und mit diesen Teilschritten können wir dann in der Regel auch wieder zur Gesamtaufgabe zurĂŒckkehren und ihr GefĂŒhl der Sicherheit und natĂŒrlich des Erfolges bei den kleinen Dingen mit in die GesamtkomplexitĂ€t einfließen lassen. Dabei entwickelt sie zum Teil auch schon dann unbewusst eigene Vereinfachungen und Verbesserungen. Also zurĂŒck zum Credo „Schrittchen fĂŒr Schrittchen“ sowie dem Mantra „ĂŒben, ĂŒben, ĂŒben“    zwinker

Als ich mal mit ihr ein Fotobuch angeschaut habe, erinnerte sie auch schon selbst an die notwendigen Bewegun-gen fĂŒr das UmblĂ€ttern – natĂŒrlich teilweise noch mit drei oder mehr Seiten gleichzeitig:

Die Texte bei solchen BĂŒchern liest sie auch schon durch, doch je lĂ€nger es dauert, desto schneller verliert sie die Lust – ihre derzeitige Aufmerksamkeitsspanne dĂŒrfte so ca. bei 20 bis 30 min liegen. Aber sie versucht es nach einer kleinen Pause immer wieder selbst und hat auch schon mal ganz ĂŒberraschend nach einem mit SchriftgrĂ¶ĂŸe 16 auf DinA4 ausgedruckten Brief gefragt. Sie konnte sich also erstens an diesen Brief erinnern und zweitens muss ich sie keineswegs zum Lesen zwingen oder dazu ĂŒberreden. Dieser Ehrgeiz ist jedenfalls Gold wert und hilft ihr sicherlich noch viel mehr, irgendwann einmal in ein eigenstĂ€ndiges Leben zurĂŒckzufinden.

Über ihren gesamten Rumpf hat sie jedenfalls noch keinerlei Kontrolle, denn als sie einmal im Rollstuhl die Arme nach vorne gestreckt hat, fiel sie völlig in sich zusammen und kam mit dem Körper aus eigener Kraft nicht mehr hoch. Zum GlĂŒck ist sie im Rolli immer angeschnallt. Erst als sie die Arme wieder an den Körper zurĂŒckgefĂŒhrt hat und einen kleinen Schubs von uns bekam, plumpste sie mit dem Körper zurĂŒck an die RĂŒckenlehne. Baustelle Nr. 23.564 … PrioritĂ€t mittel     standard

Eines hat mich diese Woche aber noch sehr ĂŒberrascht: sie trinkt mittlerweile Kaffee mit Milch zum FrĂŒhstĂŒck und es schmeckt ihr sogar!!! Als ich vor ca. zehn Wochen mit einem Becher Latte Macchiato von McDonalds vor ihr stand und sie fragte, ob sie probieren wölle, war Kaffee fĂŒr sie noch eine Ausgeburt der Hölle … oder so Ă€hnlich    zwinker

Aus unserer Beobachtung hat sich Stephanies Schlucken beim Essen und Trinken schon enorm verbessert. Mal schauen, ob vor der Entlassung noch eine Wiederholung der Schluck-Endo-Untersuchung (zweiter Absatz) statt-finden kann. Ich wĂŒrde unserer Kleinen doch so gern etwas Bissfesteres gönnen, denn derzeit ist ihr Mittagessen immer noch pĂŒriert …

Man sieht von Tag zu Tag eine kleine Neuentwicklung und selbst wenn diese fĂŒr eine Einstufung nach Bla-Bla-Index nicht relevant sind, bedeuten diese fĂŒr Stephanie und fĂŒr uns ein kleines StĂŒck ihrer zurĂŒckkehrenden SelbstĂ€ndig-keit. Und in Summe werden auch die kleinen Dinge irgendwann einmal groß, nicht wahr?



2021 11.
Jul

Keine Angst, ich werde zu Anfang meines Schreibens nicht wieder unken, dass es diesmal gar nicht so viel zu berichten gibt … obwohl es jetzt gefĂŒhlt eigentlich so ist    zwinker

Und auch zum eventuellen Entlaßdatum 1. August will ich noch nicht viel schreiben, da wir erst nĂ€chste Woche die dazu klĂ€renden GesprĂ€che fĂŒhren werden. Wenn wir noch diesen einen Monat bekommen könnten, wĂ€re mir sehr viel wohler, denn dann wĂŒrde ihr „Umzug“ genau in unseren eingereichten Urlaub fallen und wir könnten uns sehr viel freier mit all den neuen UmstĂ€nden und abzuĂ€ndernden ZeitablĂ€ufen beschĂ€ftigen. Mal sehen, was geht …

Diese Woche haben wir mit dem Kind vorrangig die ersten beiden Punkte der im letzten Blogeintrag zusammenge-stellten Liste „Baustellen bei Stephanie“ beackert: die deutlichere Aussprache und das Bewegen der Arme, HĂ€nde und Beine. Sie hat auch immer ganz toll mitgemacht und sich selbst wie Bolle ĂŒber jedes noch so kleine Erfolgs-erlebnis gefreut.

Beim Sprechen zeigt sich immer wieder, was ich schon des Öfteren hier erwĂ€hnt habe: je frĂŒher am Tag, desto besser die Aussprache, je spĂ€ter es wird, umso unverstĂ€ndlicher wird sie. Ihre Zunge scheint also von Stunde zu Stunde schwerer zu werden, was aber vielleicht auch daran liegt, dass man eben nicht tĂ€glich jede freie Minute mit ihr spricht bzw. sie sprechen lĂ€sst. Es ist echt erstaunlich, wie schnell bei einem Erwachsenen die Muskeln abbauen, wenn sie fĂŒr Wochen und Monate nicht so intensiv wie sonst genutzt werden und wie lange dann auch der anschließende Aufbau wieder dauert.

Wir haben sie also immer wieder mal wĂ€hlen lassen, was wir als erstes wĂ€hrend unseres Besuches trainieren sollten und sie hat sich echt fĂŒr alle Dinge mal entschieden – es gibt also keine ĂŒberaus unbeliebte Übung. Fiel die Wahl auf den Mund, holten wir ein paar Aufgaben raus, die uns freundlicherweise die LogopĂ€dinnen fĂŒr unsere eigenen Übungszeiten zur VerfĂŒgung gestellt haben:

Dazu gehören z.B. die deutliche Artikulation von Silbenformationen, die bestimmte Bereiche im Mund oder auch die Zunge trainieren. Stephanie musste dann jede Zeile fĂŒnfmal wiederholen und nach drei bis vier Zeilen haben wir erst mal wieder ein „richtiges“ Wort genommen – sonst wird man ja völlig meschugge im Kopf    standard

Bei den im deutschen Sprachgebrauch vorkommenden Wörtern (auch diese muss sie fĂŒnfmal hintereinander wiederholen) haben wir sie sie nicht nur laut und deutlich aussprechen lassen, sondern auch gleich mal nach der Bedeutung bzw. einer ErklĂ€rung gefragt. Manches ist vom Wort her aus ihrem GedĂ€chtnis futsch (Kurkuma, Salmiak), aber nach unserer ErklĂ€rung schien sie sich doch wohl wieder etwas zu erinnern (indisches GewĂŒrz und Bestandteil von Curry, Lakritzart). Andere Wörter kennt sie noch, aber es ist schwierig fĂŒr sie, diese auszusprechen (Lakritz, Praktikumsplatz). Und je schwerer die Zunge wird, desto schneller wird auch aus einem simplen Du ein Wu oder Bu, obwohl sie fest der Meinung ist, es richtig ausgesprochen zu haben. Zum GlĂŒck gibt es da ja die moderne Technik des Aufnehmens und Abspielens    zwinker

Völlig baff aber waren wir, als wir mit ihr den Speiseplan fĂŒr die kommende Woche ausgefĂŒllt haben und sie sich an einem Tag umgehend und ohne Nachfrage fĂŒr Penne Funghi entschied. Das mussten wir natĂŒrlich hinterfragen:

„Weißt du was das ist ?“ 
 „Ja.“
„OK, was sind Penne ?“ 
 „Nudeln.“
„Und Funghi ?“ 
 „Pilze.“

Wow, auf der einen Seite fehlen ihr die einfachsten Wörter und seit Wochen antwortet sie auf die Frage, wie denn die Katze macht mit „Wuff“, aber dann kennt sie die korrekte Bedeutung solcher Bezeichnungen … was geht bloß in diesem OberstĂŒbchen vor?!?!?

Beim Reden stellen wir auch immer wieder fest, dass sie manche Dinge trotz offensichtlich gestörtem Kurzzeit-gedĂ€chtnis hervorkramen kann, vieles aber innerhalb von Minuten vergisst. Noch finden wir nicht die kausalen ZusammenhĂ€nge, aber sie scheint was das angeht wirklich sehr selektiv zu sein. Was ihr wichtig ist, speichert sie sich sehr oft fest ab, alles andere wird gnadenlos ĂŒber Bord geworfen – blöd nur, wenn man schon gerne wissen wĂŒrden, was sie so gegessen hat oder in den Therapiestunden machen durfte. Ist ihr eben nicht sonderlich wichtig … aber Spaß machen ihr die Therapien, denn sie war gestern sehr enttĂ€uscht, dass sie am nĂ€chsten Tag (SO) keine haben wĂŒrde.

Kommen wir nun zu den Fingern bzw. HĂ€nden. Hier kann man eindeutig festhalten, dass sie aus dem Affekt und Spiel heraus förmlich ĂŒber sich hinauswachsen kann, doch wenn man sie um etwas Spezielles bittet, sie schon ein paar Probleme hat, manche ihrer Muskeln punktgenau zu steuern.

Beispiele sind hier die Fingerhaltung „Weltraumschnecke“ (bis Mittwoch schaffte sie nur die flache Hand, mittler-weile schon die erste Steuerung einzelner Finger) und die EinschrĂ€nkungen der linken Hand aufgrund ihrer Spastik (siehe das Bild weiter unten bei „Beispiel einer uneingeschrĂ€nkten Muskelkontraktion“ bzw. „Beispiel einer Spastik im Handgelenk“). Denn wenn man derzeit von ihr verlangt, die Finger dieser Hand auszustrecken, bleiben in der Regel ab dem Mittelfinger bis zum kleinen Finger diese weiterhin recht stark gebeugt. Aber mitten im Spiel konnten wir schon so manches Mal bei ihr beobachten, dass sie genau diese Finger sehr viel weiter gerade bekommt – sobald man sie aber darauf anspricht und sie sich darauf konzentrieren muss, nimmt die KrĂŒmmung wieder zu.

Auch das Strecken der HĂ€nde und Arme nach oben zeigt dieses PhĂ€nomen: mit rechts kommt sie bei geraden Armbeugen bis weit ĂŒber den Kopf und mit links noch angewinkelt so ca. auf Mundhöhe. Wenn man mir ihr jetzt aber etwas spielt und ihr z.B. einen Ball oder Stab in die Hand gibt, um diesen dann gaaaaanz Hoch zu bekommen, erreicht selbst Linki mittlerweile schon eine Höhe bis zum Scheitel (am Mittwoch war es noch Augenhöhe). Also verpacken wir immer sehr viel in Spielen und SpĂ€ĂŸen. Wir reichen uns GegenstĂ€nde im Kreis (Rechti wie Linki mĂŒssen dabei ran), sie muss sich zum Teil sehr weit nach oben oder vorne strecken, um uns diese aus den HĂ€nden nehmen zu können und wir lassen sie sich durchaus auch mal ganz weit nach vorne beugen, um die GegenstĂ€nde abzulegen oder dem nĂ€chsten zu geben. Aus dem Affekt heraus kann sie echt schon so viel!!!

Von einer Freundin bekam sie vor Kurzem Holzbauklötze geschenkt und wir können damit jetzt noch sehr viel mehr variieren, als mit den bisherigen fĂŒnf kleinen Steinen – vielen, lieben Dank an Stina:

Stephanie sortiert sie nach Form und GrĂ¶ĂŸe, sie stapelt sie so hoch sie kann (teilweise supervorsichtig, teilweise aber auch total unbeholfen), sie sucht diese mitunter auch etwas lĂ€nger auf dem Tisch oder wenn kleinere hinter grĂ¶ĂŸeren Klötzen versteckt sind, sie dreht sie mittlerweile etwas in der Hand, um in eine bessere Ausgangsposition zu kommen oder sie gibt sich die Klötzchen von links nach rechts und umgekehrt. Insbesondere aufgrund der verschiedenen GrĂ¶ĂŸen muss sich Linki dabei zum Teil sehr anstrengen. Und wir mĂŒssen sie immer bremsen, wenn ihre rechte Hand der linken alles abnehmen möchte – Linki tut ihr sicherlich nicht mehr weh, aber in den letzten Wochen und Monaten war diese Hand nicht besonders gut zu gebrauchen und somit hat Stephanie fĂŒr sich beschlossen, dass Rechti immer das Zepter zu ĂŒbernehmen hat. Aber auch das werden wir sicherlich noch in den Griff bekommen.

Sehr oft suchen wir demnach auch Spiele und Situationen raus, bei denen sie beide HÀnde nutzen MUSS. Ein kleiner Ball ist locker mit einer Hand (also der rechten) zu kontrollieren und weiterzugeben, deshalb holen wir derzeit immer öfters den Volleyball aus dem Schrank:

Hier muss sie beim Weiterreichen von der einen Seite des Bettes zur Person auf der anderen Seite schließlich beide HĂ€nde zur Hilfe nehmen … auch wenn Carsten ihr mittlerweile recht erfolgreich das Halten des Volleyballs mit nur der rechten Hand beigebracht hat (ĂŒben mit Gleichgewicht und KrĂ€fteeinteilung in den einzelnen Fingern) …

… vom Bett aufnehmen wird sie weiterhin nur beidhĂ€ndig machen können – Ă€tsch.

Als sie letzten Sonntag mit ihrem Besuch aus Miltitz draußen war, hat sie eine Leidenschaft und Freude fĂŒr das Zerreißen von BaumblĂ€ttern entdeckt und wir haben das nun ebenfalls ĂŒbernommen. Denn auch das geht schließ-lich nur mit beiden HĂ€nden und mit etwas Fingerfertigkeit. FĂŒr BlĂ€tter vom Baum reicht es dicke und sie lacht sich dabei jedes Mal kaputt wenn es ritscht und ratscht, aber bei Papier hat sie den Dreh irgendwie noch nicht so ganz herausfinden können. Üben, ĂŒben, ĂŒben …

Die letzten Geschichten werde ich nur mal aufzĂ€hlen und völlig unkommentiert im Raum sehen lassen – aber sie sind auf jeden Fall aus dieser Woche erwĂ€hnenswert:

  • Am Montag hatte sie mal einen kleinen Depri-Tag („Ich kann nix“, „Ich bin schlecht“, etc.), aber den Rest der Woche war davon schon wieder nichts zu spĂŒren … da hat unser mentales Aufbauen also geholfen.
  • Laut LogopĂ€din hat sie an einem Tag im Speisesaal mit einem Jungen ĂŒber das Anrichten von Nudeln philosophiert … Pilzsoße, Sahnesoße, Tomatensoße, Bolognese etc.
  • Am liebsten ist sie ohne Arm- und Beinorthesen sowie im Bett liegend. Zwar bietet der Rolli so manche Freiheit und auch die Sinnhaftigkeit der Orthesen ist ihr mehr als bewusst (sie sieht die Erfolge ja schließlich selbst), aber nachdem wir sie wĂ€hrend der letzten Besuchsabende ins Bett geliftert und dann auch alle Orthesen entfernt haben, manifestierte sich bei ihr ein dickes, fettes Grinsen im Gesicht. So ist es fĂŒr sie doch am schönsten und bequemsten – ob mit uns oder alleine mit „Deluxe Music“ macht dann wieder keinen großen Unterschied. Doch wenn wir oder jemand anderes da sind, ist der Fernseher aus und sie genießt jede Minute mit ihrem Besuch.
  • Aber trotz ihres gemĂŒtlichen Bettes, beantwortet sie die Frage des Pflegepersonals, ob sie lieber im Bett oder im Speiseraum essen möchte, auch immer wieder mal zu Gunsten des gemeinsamen Essens … auch wenn die Fragende sicherlich gehofft hat, dass sich das Kind fĂŒrs Bett entscheidet, damit sie nicht erst liftern mĂŒssen    standard    da scheint Stephanie also etwas anders gepolt zu sein, als andere Mitbewohner.
  • Als sie in einem GesprĂ€ch zwischen Pflegepersonal und mir mitbekommen hat, dass sie es mit dem Trinken schon fast bis zur Entfernung des PEG geschafft hat, leerte sie demonstrativ einen fast vollen Trinkbecher, mit nur dreimal von den Lippen abzusetzen.
  • Wenn wir mit ihr auf Achse sind, unterhĂ€lt sie sich unterwegs auch immer wieder mal mit den Leuten die sie kennt, z.B. dem Personal der alten Station, den Therapeuten und anderen. Sie erkennt sie dann sogar ohne Maske.
  • Ach ja, die Maske: wenn wir die Bremsen vom Rolli lösen und sie noch nicht ihren Mundschutz im Gesicht hat, macht sie einen darauf sofort aufmerksam – egal ob drinnen oder draußen. Sie macht definitiv keinen Meter durchs GebĂ€ude ohne Maske …

Ich habe außerdem das GefĂŒhl, dass Stephanies Streben nach EigenstĂ€ndigkeit und Bewegungsfreiheit von Tag zu Tag immer mehr zunimmt. Immer öfter wird aus ihrem „Das kann ich nicht“ am Ende doch die Verbesserung „Das kann ich NOCH nicht“ – anfangs korrigierte ich sie noch und nun korrigiert sie sich schon selber. Sie weiß eben auch, dass wir sie wo immer es geht, unterstĂŒtzen und begleiten werden – spĂ€testens bei den ersten Gehversuchen wird es wohl wieder sehr interessant sein. Dass „Ohana“ fĂŒr uns alle nicht nur ein Wort ist, das hat unsere Kleine mit Kampfgeist und starkem Willen jetzt sicherlich noch intensiver verinnerlicht als je zuvor.

Ich möchte mich zum Schluss auch bei euch allen dafĂŒr bedanken, dass ihr uns auf diesem nicht einfachen Weg immer begleitet, unterstĂŒtzt, anfeuert und fest an sie und uns glaubt! Das ist fĂŒr uns alle enorm wichtig!



2021 05.
Jul

Hallo liebe Leser! Keine Angst, es ist alles in Ordnung und Stephanie geht es wirklich gut. Allerdings haben Carsten und ich einmal die Chance genutzt und sind ĂŒbers Wochenende an die NordseekĂŒste von Cuxhaven gefahren – wir mussten unsere Gedanken auch mal um etwas anderes kreisen lassen als nur Arbeit, Krankenhaus und Alltagstrott. Das tat richtig gut!

Da sich Stephanies Papa samt Frau als Sonntagsbesuch angekĂŒndigt haben, nutzten wir gleich mal diese Möglichkeit aus und sind am Samstagmorgen zuerst ins Krankenhaus gefahren und von dort dann direkt bis zur MĂŒndung der Elbe:

Diese Kugelbake symbolisiert u.a. das Ende des fast 1100 km langen Flusses. Damit hatte ich jetzt meine FĂŒĂŸe also schon in der Quelle (SpindlermĂŒhle im Riesengebirge, Tschechien) und in der MĂŒndung (Nordufer = Friedrichskoog, SĂŒdufer = Cuxhaven) dieses Stroms. Welchen durch Deutschland fließenden Fluss nehme ich mir jetzt mal als nĂ€chsten vor?     zwinker

Aber genug von uns, ihr seid ja eher hier, um mehr ĂŒber Stephanies Zustand zu lesen und mehr von ihren Erfolgen der letzten Woche in Erfahrung zu bringen. Diesmal könnte der Eintrag aber sogar etwas kĂŒrzer als sonst werden, denn leider sind keine richtig großen Ziele erreicht und der Singer-Index (als PDF) bleibt gerade fest bei 13 stehen. Aber nicht, weil Stephanies Fortschritt stagniert oder sie nicht mehr will (ganz im Gegenteil!), sondern eher, weil die erreichten Dinge nicht unbedingt in diesem Index berĂŒcksichtigt werden … es sind eben wieder nur die klitzekleinen Schrittchen, die auf das ganz Große vorbereiten:

  • Bislang nur immer gewollt, schafft sie jetzt endlich einen richtigen High-Five-Gruß, d.h. die lĂ€sst ihre Hand beim Zusammenklatschen offen und ballt die Finger nicht noch schnell vorher zu einer Faust. Allerdings zieht sie dabei auch immer gleich noch das gesamte BegrĂŒĂŸungsprogramm aus High-Five + Kartoffel (allgemein auch als Fistbump bekannt) + Pommes durch.
  • Die linke Hand kann auch schon immer öfters mit eingebunden werden und wir trainieren stets mit ihr das Aufnehmen, Weitergeben und Festhalten. Zwar ist Rechts eindeutig die dominantere Seite und Stephanie will auch immer öfters alles nur mit „Rechti“ erledigen bzw. sogar „Linki“ die Dinge aus der Hand nehmen, aber dann schreiten wir ein. Die Spastik ist schon noch sehr hinderlich …

  • Innerhalb von nur zwei Tagen konnte sie ein rundes KĂ€rtchen mit ca. 5 cm Durchmesser in der rechten Hand rumdrehen und am nĂ€chsten Tag sogar eine 1-Euro-MĂŒnze mit nur drei Fingern.
  • Sie schiebt sich mittlerweile mit dem rechten Zeigefinger selbststĂ€ndig die Brille hoch – und zwar nicht mehr nur auf Zuruf, sondern immer dann, wenn sie selbst merkt, dass sie verrutscht ist.
  • Essen ohne Besteck und Trinken aus dem Schnabelbecher klappt ja schon seit ein paar Wochen, aber mittlerweile putzt sie sich auch selbst die rechte Hand am SchlabberlĂ€tzchen ab und wischt sich sogar den Mund damit … aber sie macht leider auch keinen Unterschied, ob da jetzt ein LĂ€tzchen vor ihr baumelt oder ob es das eigene T-Shirt ist    zwinker
  • Sie nimmt nun beim Husten die Hand vor den Mund, auch wenn die Platzierung (zu weit entfernt) oder die Handhaltung (geballte Faust) noch recht optimierungsbedĂŒrftig ist.

Das schöne Sommerwetter lĂ€dt derzeit natĂŒrlich immer mehr zum Rausgehen ein, was sie ebenfalls sehr zu genießen scheint:

Dort kurven wir ein bisschen durch die Außenanlagen und den Wald und hocken uns am Ende immer irgendwo hin und quatschen, futtern oder spielen etwas. Einmal hat es draußen allerdings sehr stark geregnet und da sie aus dem Bett nicht viel davon sehen konnte, haben Carsten und ich sie an die Bettkante zum Fenster hingesetzt – sie war total happy! Sie findet ja gerade Regen so toll!

Doch glaubt mir, einfach ist es nicht, einen erwachsenen Menschen ohne jegliche Mithilfe seinerseits in die aufrechte Position zu bekommen und dann dort auch zu halten. Ich saß am Ende auf dem Bett in Stephanies RĂŒcken und Carsten hockte neben ihr. Ich warte wirklich sehr sehnsĂŒchtig auf den Tag, an dem sie dabei helfen kann, sich an der Bettkante aufrecht hinzusetzen oder auch mal in den Rollstuhl zu kommen. Hier ein Beispiel, wie so etwas mit dem Lifter, den sie mittlerweile viel mehr akzeptiert hat, aussieht:

Neben unserem tĂ€glichen Arm-, Hand- und Fingertraining, mit z.B. Holzklötzchen, BĂ€llen in jeder GrĂ¶ĂŸe, stapelbaren Plastikbechern, einer Art Expander oder einen Kleinkindbuch mit extradicken Seiten zum BlĂ€ttern, streuen wir derzeit auch immer wieder mal eine Bewegungseinheit fĂŒr die Beine und FĂŒĂŸe ein. Sie kann das linke Bein anziehen, aber nicht so gut gerade machen … dafĂŒr kann sich das rechte Bein wiederum besser durchdrĂŒcken als anwinkeln:

Baustelle neben Baustelle, doch wir mĂŒssen weiterhin lernen, eines nach dem anderen zu erledigen und gewisse PrioritĂ€ten zu setzen:

  • sie braucht eine sehr viel deutlichere Aussprache
  • sie muss beide Arme und HĂ€nde sehr viel mehr nutzen können und vor allem mit ihnen beweglicher werden
  • das Gleiche gilt fĂŒr die Beine und FĂŒĂŸe
  • hoffentlich schafft sie bald das Schlucken und Essen besser, denn laut Ärztin lĂ€sst sich gerade keine große Weiterentwicklung erkennen
  • sehr viel mehr Freiheit wĂŒrde sie auch durch eine Verbesserung beim Sehen und der Wahrnehmung erlangen, denn derzeit sucht sie manchmal noch zu sehr im Raum und findet nicht das Ziel … beim Finden und Fokussieren offenbart sich immer wieder eine ihrer großen SchwĂ€chen
  • danach können die ersten Schritte zur SelbststĂ€ndigkeit (ZĂ€hne putzen, waschen etc.) folgen, die so wichtig fĂŒr ihre Indexpunkte wĂ€ren
  • schon nach 20-30 Minuten merkt man, dass das Gehirn immer mehr in den Energiesparmodus wechselt und sie sehr unkonzentriert wird
  • große Sorgen bereiten uns ihre UnbestĂ€ndigkeit bei den Farben (mal mehrere hintereinander richtig, an anderen Tagen scheint alles GrĂŒn oder Gelb zu sein) und ihre Erkennungsrate bei den Memory-KĂ€rtchen (Wolke und Regenschirm derzeit top, dafĂŒr werden Apfel, Birne, Möhre und Hahn/Huhn weiterhin nicht erkannt)

Zum GlĂŒck will sie ja insgesamt schon immer alles mitmachen und ausprobieren, d.h. sie blockt nicht ab oder schmollt, sondern findet an allem was wir machen großen Gefallen. Das ist schon mal sehr viel wert. So haben wir ihr auch noch einmal das Gesamtbild erlĂ€utert, denn jetzt kommt es immer mehr darauf an, dass sie Fortschritte macht. Die Krankenkasse hat nun bis zum 1.8. verlĂ€ngert, aber man könnte so langsam immer mehr Zweifel bekommen, dass es noch lĂ€nger so weiter geht. Der Singer-Index mit 13 scheint sich gerade leider nicht sonderlich Ă€ndern zu wollen, da hierbei aber auch nur auf ganz bestimmte Dinge fokussiert wird, die derzeit bei ihr noch Zukunftsmusik und somit weit entfernt sind. So z.B. selbststĂ€ndiges Waschen und Körperpflege, An- und Auskleiden, Toilettennutzung oder aber die FĂ€higkeiten der Fortbewegung und des Gehens. Da mĂŒssen bald sehr viel deutlichere Erfolge her – andernfalls steht demnĂ€chst dann doch der Wechsel in eine Pflegeeinrichtung ins Haus, was am Ende aus medizinischer Sicht sicherlich nicht schlechter ist, aber fĂŒr uns wĂŒrde sich der Weg dorthin leider verdoppeln. Wir hangeln uns da gerade etwas von Monat zu Monat …

Oh oh, es ist ja doch sehr viel mehr geworden als ich anfangs gedacht habe – ich bitte um Entschuldigung. Aber diese Punkte möchte ich noch schnell mal loswerden, denn sie machen mich unheimlich stolz:

Ein mit dem Zeige- und Mittelfinger geformtes Handzeichen hat sie sofort als Peace-Zeichen erkannt. Dann hat Carsten sie noch gefragt, welcher Buchstabe damit gezeigt werden wĂŒrde und sie antwortete darauf völlig selbstverstĂ€ndlich „Das V!“. Also legte ich noch einen drauf und habe gefragt, welche Zahl das V in der römischen Schreibweise darstellt und ihre Antwort war ohne große Überlegung „FĂŒnf!“. Wow, ich war platt – sie kann also noch die römischen Zahlen erkennen!

Als nĂ€chstes ĂŒberraschte sie mit ihrem Wissen bezĂŒglich Uhrzeiten. Eine Zeigeruhr kann sie zwar leider nicht mehr ablesen, dafĂŒr aber eine digitale Uhr und dabei sogar auch noch ausrechnen, wie viele Minuten es z.B. noch bis zur vollen Stunde sind – bei 19:55 nannte sie korrekterweise 5 Minuten. Damit hatte ich eigentlich nicht gerechnet.

Und auch bei der Sprache erstaunt sie mich immer wieder. Sie weiß, dass „Vielen Dank“ auf Französisch „merci beaucoup“ heißt und auch im GesprĂ€ch mit einer Zypriotin lĂ€sst sie weiterhin gekonnt die ein oder andere englische Phrase raus. Zum Russischen sage ich jetzt lieber nichts …     zwinker

Wir haben ihr mal ein paar Zeilen ihrer Schwester ausgedruckt (DinA4 mit Arial 16) und sie hat alles selbststĂ€ndig und ohne uns durchgelesen, verstanden (selbst so ein Wort wie Bouldern … Wir: „Was ist das?“, sie: „Ein Sport, Klettern!“) und konnte am nĂ€chsten Tag sogar ein paar Informationen daraus wiedergeben:

Beim heute veröffentlichten Facebook-Eintrag (eine Story ĂŒber Stephanie) hat die Klinik sie nicht ganz zu Unrecht als „Die KĂ€mpferin“ betitelt – ja, das ist sie!

Halte weiterhin durch, meine kleine/große KĂ€mpferin!!!



2021 27.
Jun

Carsten und ich hatten diese Woche Urlaub und somit waren wir nicht nur nach der Arbeit abends bei Stephanie im Krankenhaus, sondern auch schon mal aufgrund von Terminen vormittags sowie am frĂŒhen Nachmittag. FĂŒr das Kind definitiv ein Gewinn!

Ich versuche, die Zusammenfassung wieder in sinnvolle Blöcke zu unterteilen und fange mal mit der Aufgabe der Woche an … jedenfalls die, die Stephanie sich selbst gestellt hat. Dazu muss ich kurz ein wenig ausholen. Als sie weder trinken noch essen konnte, mussten natĂŒrlich Alternativen her. Die NĂ€hrstoffe bekam sie ĂŒber einen Beutel direkt an ihr PEG (ihre Magensonde durch die Bauchdecke), was sich ja erledigt hatte, nachdem sie wieder ausreichend aß. Bis heute bekommt sie aber auch noch ihren FlĂŒssigkeitsbedarf ĂŒber dieses PEG, in der Regel verschiedene Tees aus einem hĂ€ngenden Beutel Ă€hnlich eines InfusionsstĂ€nders.

Nun stellte man ihr Anfang der Woche in Aussicht, dass wenn sie ausreichend trinkt, auch der Beuteltee endlich wegfallen wĂŒrde … und das hat sie so richtig angespornt. Vor ein paar Tagen konnte sie noch nicht einmal alleine den Becher vom NachtschrĂ€nkchen nehmen und trinken, da sie a) den (Schnabel-)Becher nicht immer gut in der Hand positioniert bekam und b) beim Absetzen noch zu viel verkleckerte. Doch jetzt mit Hilfe ihres selbst gesteckten Ziels „Der Schlauch muß weg!“ hing sie sich so richtig rein und bis zum Wochenende legte sie zumindest schon mal alle dafĂŒr notwendigen Grundsteine: sie nimmt jetzt mit der rechten Hand den (Schnabel-)Becher auf, fĂŒhrt ihn relativ zielsicher zum Mund, trinkt und schluckt wie man es von ihr erwartet und setzt den Trinkbecher auch wieder ohne großes Geschlabber zurĂŒck. Gestern Vormittag schaffte sie so schon an die 600 ml Trinken und in meinem Beisein (ich unterhielt mich gerade mit dem Pflegepersonal) leerte sie zudem schon wieder den nĂ€chsten Becher. Freiwillig und ohne Druck samt des Credos „ĂŒben, ĂŒben, ĂŒben“ scheint sie nun einen weiteren Meilenstein geschafft zu haben. Mal sehen, wann der Beutel tatsĂ€chlich verschwinden wird.

Und wie auch schon einmal von mir angesprochen, sind Carsten und ich jetzt definitiv sicher, dass man Stephanie mit einem Teller voller Essen (egal ob fĂŒr die Finger oder einer Gabel portioniert oder auch zum Greifen und Abbeißen) und ihrer Trinktasse an einen Tisch setzen kann und sie wĂŒrde schon ganz allein in Eigenregie essen können. NatĂŒrlich wenigstens noch unter direkter Beobachtung, falls doch mal etwas passieren sollte, aber eben nicht mehr zum stetigen FĂŒttern. Leider ist das noch bei den Mahlzeiten notwendig, bei denen Löffel oder Messer und Gabel unabdingbar sind … aber an dieser Fingerfertigkeit werkeln auch schon mehrere – u.a. wir.

Da wir wĂ€hrend unseres Urlaubs nicht auf ein strenges Zeitmanagement oder Arbeitszeiten angewiesen waren, konnten wir direkt nach ihren tĂ€glichen Therapien (i.d.R. gegen 15:30) auch mal etwas mehr Zeit fĂŒr unsere eigenen kleinen Therapie- und ÜbungsansĂ€tze nutzen. Das mit dem Essen und Trinken sehen wir aufgrund der letzten Tagen als relativ erfolgreich abgeschlossen, denn es fehlt jetzt eigentlich nur noch das Feintuning. Als neuere Ziele haben wir uns nun sehr viel mehr Fingerfertigkeit der rechten Hand sowie ĂŒberhaupt eine regelmĂ€ĂŸige Nutzung der linken Hand (diese ist immer noch stark von der Spastik betroffen) vorgenommen.

Dass Stephanie die linke Hand mit der rechten kompensiert, sieht man daran, dass sie Dinge sehr schnell mit rechts aus der linken Hand nehmen und verwenden kann. Dementsprechend starteten wir die Aufgabe, einen Gummiball nicht nur mit links aufzunehmen und an rechts weiterzugeben, sondern eben auch in die Gegenrichtung. Es dauerte ein wenig, bis Stephanie die richtige Handpositionen fĂŒr eine Übergabe gefunden hat, denn ihre beiden HandinnenflĂ€chen zeigen noch kontinuierlich nach unten oder höchstens zum Körper – eine Drehung der Handge-lenke kann sie mit eigener Muskelkraft leider noch nicht umsetzen. Aber selbst trotz dieser EinschrĂ€nkung konnte sie in nur wenigen Tagen recht zielsicher etwas von links nach rechts ĂŒbergeben (da war es wieder: ĂŒben, ĂŒben, ĂŒben).

Also haben wir gegen Ende der Woche weitere Aufgaben mit in unser Trainingsprogramm aufgenommen: sie kann jetzt schon mit den einzelnen Fingern ihrer rechten Hand Holzklötzchen aufnehmen und diese mit etwas Finger-spitzengefĂŒhl (und Geduld!) zu einem TĂŒrmchen stapeln – Maximum = 5 Klötzchen … mehr haben wir im Zimmer leider nicht zur VerfĂŒgung.

Das gleiche Ziel erreichten wir auch schon mit hohlen Plastikbechern, die Stephanie der GrĂ¶ĂŸe nach zu einen Turm aufstapeln kann – da hier aber mehr PrĂ€zision beim Aufsetzen bzw. Feinmotorik als bei den Holzklötzchen erforderlich ist, Ă€rgert sie sich am Ende umso mehr, wenn der Turm vorzeitig einstĂŒrzt. Doch wer sie kennt weiß: sie lĂ€sst nicht locker, bis es nicht mindestens einmal geklappt hat!

So nutzen wir hauptsĂ€chlich Spiel und Spaß fĂŒr unsere Bewegungs- und Koordinationstrainings, aber selbst bei offensichtlichen MuskelĂŒbungen macht sie bislang viel mit und freut sich selbst wie Bolle ĂŒber die Erfolge. So hat Carsten z.B. mal eine Stange „gebaut“, mit der wir nun die Drehung der Handgelenke ĂŒben wollen, sowie hoffentlich etwas mehr Beweglichkeit in ihren Rumpf bekommen können:

Und glaubt mir, auch fĂŒr uns sind solche Übungen – selbst als „Lehrer“ – mehr als anstrengend …    zwinker

Derzeit liebt sie aber besonders das Zuwerfen von BĂ€llen oder GegenstĂ€nden (z.B. Taube Elfie), die sie zuerst auf dem Bett oder an ihrem Körper suchen muss, dann natĂŒrlich vornehmlich mit der rechten Hand aufnimmt und nach Aufforderung an eine Person im Raum weitergibt oder sogar auch schon etwas zurĂŒckwirft. Ja, auch hier herrscht wieder mal eine große LĂŒcke zwischen unserem „ist doch leicht“ und dem fĂŒr sie recht komplizierten AusfĂŒhren einer VorwĂ€rtsbewegung mit gleichzeitigem Loslassen – am Ende dann doch gar nicht sooooo einfach!

So wurde zudem mal wieder der Volleyball aus dem Schrank geholt und sie hat sofort vor GlĂŒck strahlende Augen bekommen. Den wirft sie natĂŒrlich noch nicht, aber sie kann ihn schon mit beiden HĂ€nden annehmen oder vom Bett aufheben und an jemand anderen weiterreichen. Als Carsten sie aufforderte, doch mal gegen den Ball zu schlagen, sagte sie sofort „Wie beim Abschlag!“ … dies erneut ein Erinnerungsfetzen aus der Vergangenheit, der in dem Moment sofort abrufbar war. Doch an einfachen Alltagsbegriffen und / oder vor Kurzem ereignete Dinge scheitert sie leider immer wieder …

Ich nehme dies jetzt mal als Übergang vom körperlichen Training zum geistigen – hier wartet auf alle Beteiligten noch eine sehr sehr große Baustelle. Stephanies KurzzeitgedĂ€chtnis ist … hmmm, mir fehlen die richtigen Worte    traurig    … vielleicht etwas seltsam strukturiert?!? Sie kann sich nĂ€mlich nicht immer erfolgreich an allgemeine Dinge erinnern, wie z.B. was es zum FrĂŒhstĂŒck bzw. Abendessen gab oder wer gerade dies oder jenes (z.B. Orthese angelegt) gemacht hat oder wer sie heute schon im Zimmer besucht hat. Andererseits lernt sie die Namen der Personen um sie herum sehr schnell und selbst ein so komplizierter Name wie Basheer Farsherat (der Name ist aus DatenschutzgrĂŒnden etwas verĂ€ndert worden) wusste sie selbst noch, nachdem dieser Arzt aus dem vierwöchigen Urlaub zurĂŒckgekehrt war und nun vor ihr in ihrem Zimmer stand – nee nee, ohne Namensschildchen lesen! Darauf hatte der gute Mann schon geachtet    zwinker

Es lĂ€sst sich also nie genau sagen, ob ihr KurzzeitgedĂ€chtnis funktioniert oder nicht, denn manchmal ja, manchmal aber auch nicht. Und genau so ist es bei Alltagswörtern, denn sie erkennt eine Gabel und einen Löffel auf Anhieb, aber ein Messer und auch einen Teller kann sie nicht benennen, wenn man es ihr zeigt. Oder sie kennt Wörter bzw. reagiert adĂ€quat auf SprĂŒche und Phrasen, die eigentlich nicht sehr alltĂ€glich sind … der Oberarzt bei der Visite: „Sie sitzt da wie ein Pascha.“ … Stephanie lachte sehr herzlich ĂŒber diesen Satz … woher kannte sie noch den Begriff Pascha?

Und genau bei dieser Visite stellte der Oberarzt im Beisein von uns, der Pflegedienstleitung und oben genanntem Arzt noch die Frage, wie sie denn die neue Station so findet und von ihr kam ein recht enttĂ€uschendes „Geht so.“ … *SCHLUCK* … dann aber auch gleich der Nachtrag:“So viele neue Namen!“ … *PUH*

Aber zurĂŒck zum geistigen Zustand. Seit knapp zwei Wochen versuche ich, ihr diese sechs Memory-KĂ€rtchen beizubringen:

Also noch kein richtiges Memory spielen, sondern erst einmal nur das Bestreben, ihr die Symbole auf diesen sechs KĂ€rtchen ins Bewusstsein zu pflanzen. Das Huhn bleibt fĂŒr sie wohl immer ein Hahn (oder Vogel) – geschenkt. Die Wolke erkennt sie mittlerweile auf Anhieb – wenigstens eines. Aber den Rest, also Apfel, Birne, Möhre und Regenschirm, erkennt sie einfach nicht … selbst nicht nach zahlreichen, aber vom Wort noch nicht zu viel verratenden Hinweisen, wie z.B. „Das frisst der Hase gerne“, „Man hĂ€lt es zum Schutz in der Hand“ (bei Regen wĂ€re zu einfach!) oder „Dieses Obst isst jeder Deutsche gerne“. Klar, auch ich weiß, das diese FĂ€higkeit sicherlich mal wieder zurĂŒckkommen wird, aber ich finde es schon recht schrĂ€g, wenn man mit ihr mehrere Tage hintereinander nur diese paar Bildchen durchgeht und sie am nĂ€chsten Tag leider immer wieder bei Null anfangen muss.

Ein völlig anderes Bild dann wieder bei mathematischen Aufgaben (mittlerweile ist es egal, ob es abgelesene oder ausgesprochene Zahlen mit Rechenzeichen sind) oder anderen Dingen, die vermeintlich komplizierter sein sollten. Hier z.B. meine gestrigen Fragen aus dem „Übungsbuch Hirnleistungstraining“:

VervollstĂ€ndige: Am liebsten esse ich … „KĂ€sekuchen“ (eindeutig etwas aus der Vergangenheit)
VervollstĂ€ndige: Abends mache ich oft … „Fernsehen“ (aktuelles Geschehen)
VervollstĂ€ndige: Ich finde es schrecklich, daß … „ich so viel vergesse“ (sie ist sich der Lage bewusst)
VervollstĂ€ndige: Am meisten habe ich Angst davor, daß … „ich nicht gesund werde“ (vorausschauend)
Wahr oder Falsch: Ein Dutzend sind 12 StĂŒck … „Richtig“ (das kam dann auch ohne große Überlegung)
Einmal fiel das Wort Bier und sie meinte, dass sie richtig Lust darauf hĂ€tte …

NatĂŒrlich hat sie auch bei vielen Fragen nicht immer richtig gelegen oder die oben genannten LĂŒcken bei den AlltagsgegenstĂ€nden taten sich auf:

Wahr oder Falsch: Eine Gabel ist grĂ¶ĂŸer als eine Mistforke … „Was ist eine Mistforke?“
Wahr oder Falsch: Die SekretĂ€rin öffnet die Briefe mit dem Handfeger … „Was ist ein Handfeger?“

Hier mal ein direkter Bezug zu meinen oben getroffenen Aussagen bei einem Kartenspiel, wo anhand von Motiv, Farbe oder Anzahl ein Anlegen möglich sein soll oder nicht. Denn wĂ€hrend einer Ergotherapie mit Schwerpunkt Hirnleistungstraining – Carsten und ich waren nur zufĂ€llig anwesend – wurden wir prompt zum Mitspielen eingeladen. Zu viert spielten wir also das Kartenspiel „Speed“ , bei dem eine Karte je nach Motiv (Ballon, Tanne, Fahne, Stern Haus & Drache) …

… Farbe (blau, grĂŒn, gelb, lila, rot & schwarz) oder der Motivanzahl (1-5) abgelegt werden sollte. Wir kommunizierten sehr viel mit Stephanie, was genau sie auf ihrer Karte und den dreien auf dem Tisch erkennen könne bzw. was man richtig zuordnen könnte. Sie hatte Spaß, war beim Spielen sehr konzentriert und bewies Überblick sowie ein Ver-stĂ€ndnis fĂŒr das Spiel, aber leider stimmte immer nur die Anzahl der Motive bei ihr, bei der Farbe hatte sie manch-mal ihre SchwĂ€chen und bei den doch recht eindeutigen Motiven (s.o.) erkannte sie fast nie eine Übereinstimmung zu den Karten auf dem Tisch und der in ihrer Hand. Auch hier also wieder deutlich ihre StĂ€rken im mathematischen (Anzahl) und ihre SchwĂ€chen beim Verarbeiten von Bildern (Motiv).

Zum jetzigen Zeitpunkt und in ihrem Zustand ist dies sicherlich nichts, was einen beunruhigen oder gar verĂ€ngsti-gen sollte – aber mal ehrlich, wir haben doch bislang alle gedacht, dass das Sehen und Wahrnehmen mit die einfachste Form der Verarbeitung im Hirn sein dĂŒrfte. Schließlich ist dies gefĂŒhlt doch mit das SelbstverstĂ€ndlichste auf unsere Sinne bezogen, oder liege ich mit meiner Meinung da so sehr daneben?

Zum GlĂŒck zeigen ihre derzeitigen Fortschritte (die jetzt ĂŒbrigens wohl auch zu einer AufenthaltsverlĂ€ngerung im Krankenhaus bis zum 1.8. gefĂŒhrt hat) aber, dass Stephanie noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt ist. So konnten wir in den letzten Tagen und Wochen bei ihr schon wieder diese Dinge ĂŒben und sie fĂŒr eine eigenstĂ€ndige DurchfĂŒhrung verinnerlichen:

  • ihre Brille mit dem gestreckten Zeigefinger der rechten Hand hochschieben
  • aus der Schnabeltasse trinken (vom Tisch nehmen, trinken, absetzen)
  • einen Gegenstand von der linken in die rechte Hand und umgekehrt ĂŒbergeben
  • Essen mit den Fingern oder einer Gabel vom Teller nehmen, abbeißen und den Rest wieder zurĂŒcklegen

Und das sogar bei der Bullenhitze, die in der letzten Woche ĂŒber Deutschland und den Norden hinweg gezogen ist. Stephanies Fenster liegt leider genau zur SĂŒdseite und aus versicherungstechnischen GrĂŒnden lassen sich diese nicht öffnen – nur ein kleines Oberlicht kann Frischluft spenden. Anfangs musste Carsten noch als Handtuch wedelnder KĂ€ltespender ran und sie hat es richtig genossen …

… aber seit Dienstag hat sie nun auch einen Miefquirl a.k.a. Standventilator neben dem Bett stehen. So lĂ€sst es sich bestimmt etwas besser aushalten und die nĂ€chste Hitzewelle rollt ja schon wieder auf uns zu.

Stephanie scheint zudem auch mittlerweile sehr gut auf der neuen Station angekommen zu sein und fĂŒhlt sich dort so richtig wohl, denn wo sie anfangs noch gegen den Speisesaal war und lieber alleine im Zimmer essen wollte, antwortete sie einmal im Laufe dieser Woche auf die Frage einer Schwester, ob sie im Rolli mit in den Speiseraum kommen will, mit einem deutlichen „Ja“. Carsten und ich waren gelinde gesagt etwas ĂŒberrascht …

Wir nutzten unseren Urlaub auch dazu, einmal bei der Chefarztvisite am Mittwochmorgen anwesend zu sein und das Fazit ist, dass man weiterhin sehr mit ihrer Entwicklung (auch nach dem Stationswechsel) zufrieden ist. Die linke Hand bleibt ein wenig das Sorgenkind (evtl. spĂ€ter noch einmal Botoxen) und die Pflege arbeitet als nĂ€chstes Ziel mehr am selbststĂ€ndigen Essen und Trinken sowie ggf. am eigenstĂ€ndigen Waschen, ZĂ€hneputzen und KĂ€mmen – natĂŒrlich immer mit einem Blick auf den Singer-Index (als PDF).

Zum Abschluss noch diese kleine Anekdote:
Ich sollte ihr gestern den aktuellen Blogeintrag vorlesen und sie fand alles ganz toll … nur der sinngemĂ€ĂŸe Satz „25 Jahre alt, aber manchmal wie eine DreijĂ€hrige“ fand sie etwas enttĂ€uschend. Aber sie will unbedingt weitermachen und weiter so tapfer durchhalten – TSCHAKKA!!!