{"id":1437,"date":"2013-10-13T21:44:25","date_gmt":"2013-10-13T19:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/?p=1437"},"modified":"2022-08-03T21:46:48","modified_gmt":"2022-08-03T19:46:48","slug":"carstens-gastbeitrag-warum-hat-niemand-etwas-dagegen-getan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/2013\/10\/carstens-gastbeitrag-warum-hat-niemand-etwas-dagegen-getan\/","title":{"rendered":"Carstens Gastbeitrag: Warum hat niemand etwas dagegen getan"},"content":{"rendered":"<p>Hier noch die ausstehende Meinung der OLCAs, wie weit man eigentlich dem deutschen Volk Mitschuld an den Verbrechen des 2. Weltkrieges geben k\u00f6nnte bzw. warum am Ende niemand etwas davon gewu\u00dft haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind Olga und ich schockiert \u00fcber das, was wir im Rahmen von F\u00fchrungen und Ausstellungen bei unseren diesj\u00e4hrigen KZ-Besuchen in Buchenwald, Auschwitz und Theresienstadt gesehen und gelernt haben, aber kann man gleich das &#8222;ganze deutsche Volk&#8220; daf\u00fcr verantwortlich machen ? Vor allem noch jetzt, mehr als 60 Jahre danach ? Und wie konnte es eigentlich so weit kommen ? Wir haben uns sp\u00e4testens im Anschlu\u00df an jeder Besichtigung viel dar\u00fcber unterhalten &#8230; nach Auschwitz sogar mit Polen.<\/p>\n<p>Ein paar Dinge m\u00fcssen aber bereits im Vorfeld mit in Betracht gezogen werden:<\/p>\n<p>1.) Wir sprechen jetzt \u00fcber ein \u00e4u\u00dferst komplexes, geschichtliches Ereignis, welches mittlerweile \u00fcber Jahrzehnte bis in jedes Detail untersucht und analysiert worden ist, d.h. wir haben heute ein zusammengetragenes Wissen und globale Kenntnisse, die w\u00e4hrend des Krieges nur sehr wenigen bekannt gewesen sein d\u00fcrfte. Zudem sprechen wir \u00fcber eine Entwicklung, die sich mindestens von 1933 bis 1945, also \u00fcber mehr als 12 Jahre hingezogen hat.<\/p>\n<p>2.) Wir betrachten die M\u00f6glichkeiten der Informationseinholung zum Teil immer etwas gepr\u00e4gt aus heutiger Sicht &#8230; zur damaligen Zeit wu\u00dfte man zum Teil nicht einmal was in der Nachbarstadt passiert ist &#8211; geschweige denn in Berlin oder gar im Ausland. Zudem wurden sp\u00e4testens ab Mitte der 30er alle Medien zu Propagandazwecke mi\u00dfbraucht und gaben somit nur eine sehr einseitige Sicht der Dinge wider. &#8222;Whistleblower&#8220; h\u00e4tten nicht mal den Hauch einer Chance gehabt, Tatsacheninformationen an das deutsche Volk durchzugeben, denn ein Internet gab es noch nicht, Fernsehen f\u00fcr alle galt ebenfalls noch als Zukunftsmusik, Radio wurde fr\u00fchzeitig kontrolliert und auch Zeitungen standen recht schnell unter staatlicher Kontrolle. Offizielle Bekanntmachungen wurden damals noch mit Plakaten an stark frequentierten Orten, z.B. am Marktplatz, publiziert &#8211; heute fast g\u00e4nzlich ausgestorben. Und der Vorwurf, da\u00df man Hitlers Absichten in seinem Buch &#8222;Mein Kampf&#8220; h\u00e4tte nachlesen k\u00f6nnen, kann mit der Tatsache entkr\u00e4ftet werden, da\u00df B\u00fccher nicht in dem Ma\u00dfe wie wir es heute kennen verf\u00fcgbar waren, geschweige denn beworben wurden.<\/p>\n<p>3.) Die Deutschen der 20er-Jahre waren aufgrund der Weltwirtschaftskrise verzweifelt und sahen in Hitler einen Mann, der sie vor dem Verhungern rettete und ihnen Arbeit, Ausbildung, Wohlstand, Erholung (Stichwort KdF) und ein bis dato fast unbekanntes Gemeinschaftsgef\u00fchl (Vereine und Organisationen) nicht nur in Aussicht stellte, sondern auch wirklich geben konnte. Zudem d\u00fcrfte der soziale Druck, da\u00df man den 1. Weltkrieg nicht nur angezettelt, sondern auch noch verloren hat, ebenfalls dazu beigetragen haben, da\u00df man jetzt wieder auf Erreichtes stolz sein wollte.<\/p>\n<p>4.) Dies alles und die Tatsache, da\u00df die Machtergreifung bzw. Herrschaft Hitlers gr\u00f6\u00dftenteils nur durch Unterdr\u00fcckung, Einsch\u00fcchterung, L\u00fcgen, Putsche, Verschleierungen und Falschmeldungen m\u00f6glich wurden, sollte man immer ber\u00fccksichtigen, wenn man geneigt ist, die Fragen nach dem Wieso und Warum zu stellen: Warum hat niemand etwas gegen die Gr\u00e4ueltaten an Juden unternommen ? Warum hat sich niemand gegen die Kriegshandlungen gewehrt ? Wieso konnte man es zulassen, dass Millionen Menschen vergast worden sind ? Wieso hat man die Nazis \u00fcberhaupt so weit gew\u00e4hren lassen ? usw.<\/p>\n<p>Nun also ein Versuch, unsere Sicht der Dinge darzulegen. Wir glauben, da\u00df die Euphorie der 30er-Jahre beim Volk ein kleines bi\u00dfchen Betriebsblingheit aufkommen lie\u00df, denn eine nicht ganz unerhebliche Anzahl von Zivilisten d\u00fcrften sehr wohl \u00fcber die schlimmen Zust\u00e4nde in den (Konzentrations-)Lagern Bescheid gewu\u00dft haben, denn es gab schlie\u00dflich auch externe Angestellte in den Einrichtungen, es wurden von externen Firmen gro\u00dfe Anlagen entwickelt bzw. in den Einrichtungen aufgebaut (z.B. Verbrennungs\u00f6fen mit damals sehr un\u00fcblicher Leistung) und umliegende Wirtschaftsbetriebe liehen sich in nicht gerade geringem Ausma\u00df Arbeiter f\u00fcr die eigene Produktion aus. Sp\u00e4testens letzterer Gruppe h\u00e4tte der miserable Zustand der Leiharbeiter auffallen m\u00fcssen. Aber wie schon erw\u00e4hnt, selbst wenn ein paar Bescheid gewu\u00dft haben, wie h\u00e4tten sie ihr Wissen an das deutsche Volk weitergeben k\u00f6nnen ? Die <del>Sowjets<\/del> Amerikaner haben hier z.B. in Buchenwald einen in unseren Augen richtigen Schritt getan und f\u00fchrten die Einwohner Weimars nach der Befreiung quasi als Pflichtbesuch durch das Arbeitslager.<\/p>\n<p>Zusammenfassend w\u00fcrden wir die damalige Situation des deutschen Volkes so beschreiben:<\/p>\n<p>&#8211; der steile Aufschwung des Landes l\u00e4\u00dft das Volk euphorisiert und somit auch etwas betriebsblind werden<\/p>\n<p>&#8211; der Unterdr\u00fcckungs- und \u00dcberwachungsapparat der Nazis l\u00e4\u00dft das Volk vorsichtig und nicht hinterfragend werden<\/p>\n<p>&#8211; die Propagandamaschinerie der Nazis l\u00e4\u00dft das Volk an die eigene Sache glauben (&#8222;wir sind Gewinner&#8220;) und blendet mit einer einseitig negativen Berichterstattung (&#8222;Der b\u00f6se Jude&#8220;, &#8222;Kampf den Kritikern&#8220;)<\/p>\n<p>&#8211; die Organisation in Vereinen und Gruppen, wie z.B. Hitlerjugend (HJ), Bund deutscher M\u00e4dchen (BDM), Kraft durch Freude (KdF) und nat\u00fcrlich der Wehrmacht vermittelt ein unschlagbares Gemeinschaftsgef\u00fchl, gibt gleichzeitig aber auch die unterschwellige M\u00f6glichkeit einer Gleichschaltung und fr\u00fchen Beeinflussung bzw. Einimpfung von Ideologien<\/p>\n<p>Fazit: Warum sollten also die Nachfolgegenerationen, zu deren auch wir uns z\u00e4hlen, weiterhin zur Verantwortung gezogen werden &#8230; eine Schuldigkeit besteht unserer Meinung nach nur in der Pflicht, soetwas nie wieder geschehen zu lassen. Und um das zu erreichen, helfen u.a. Besuche von Gedenkst\u00e4tten bestimmt mehr, als nur blanke Theorie und das zeigen mit dem Finger auf DIE Deutschen. Was wir gesehen haben, hat uns wirklich erschrocken, best\u00fcrzt und betroffen gemacht &#8211; soetwas darf sich nie noch einmal wiederholen.<\/p>\n<p>Wie seht ihr das ? Eure Kommentare sind jederzeit willkommen und werden keiner Zensur unterliegen.<br \/>\nHerzlichen Dank f\u00fcr euer Interesse an unserer Meinung,<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Olga &amp; Carsten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier noch die ausstehende Meinung der OLCAs, wie weit man eigentlich dem deutschen Volk Mitschuld an den Verbrechen des 2. Weltkrieges geben k\u00f6nnte bzw. warum am Ende niemand etwas davon gewu\u00dft haben m\u00f6chte. 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