{"id":614,"date":"2011-04-24T19:24:12","date_gmt":"2011-04-24T17:24:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/?p=614"},"modified":"2011-04-24T19:57:33","modified_gmt":"2011-04-24T17:57:33","slug":"ein-erkundungstagesausflug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/2011\/04\/ein-erkundungstagesausflug\/","title":{"rendered":"Ein Erkundungstagesausflug"},"content":{"rendered":"<p>Den Samstag haben Carsten und ich als Cabriotag auserkoren. Schon lange wollte ich mal nach Torgau fahren und nun passte das Wetter zur freien Osterzeit, weshalb\u00a0wir einen Tagesausflug in die historische Kreisstadt mit seinen 20.000 Einwohnern an der Elbe planten.<\/p>\n<p>Es gelang uns zwar nicht immer, direkt entlang der Elbe zu fahren, denn auf recht langen Abschnitten f\u00fchrte uns die Bundesstra\u00dfe immer wieder vom Flu\u00df weg und\u00a0manche unserer Bem\u00fchungen, diese Art der Stra\u00dfenf\u00fchrung mit einem Abbiegen zu \u00fcberlisten,\u00a0bescherte uns\u00a0regelm\u00e4\u00dfig\u00a0ein Sackgassenzeichen. Aber auch so war der Weg sch\u00f6n, die Stra\u00dfen waren nicht \u00fcberf\u00fcllt und die Umgebung entsprach voll der damaligen Vision von Helmut Kohl, der im Osten bl\u00fchende Landschaften sah. Schade nur, dass der Zustand etlicher H\u00e4user\u00a0in vielen D\u00f6rfern, die wir passierten, nicht im Einklang\u00a0mit dieser nat\u00fcrlichen Sch\u00f6nheit war.<\/p>\n<p>Nach\u00a0ca. 110 km\u00a0kamen wir in Torgau an und\u00a0stellten unseren\u00a0Smartie auf einem Parkplatz direkt am Schlo\u00df Hartenfels ab.\u00a0Wir standen\u00a0nur\u00a0ein paar Meter von dem Denkmal entfernt, der an die historische Begegnung der sowijetischen und amerikanischen Armeen im April\u00a01945 erinnerte. Der Parkplatz war geb\u00fchrenfrei und\u00a0mit der Parkscheibe konnte man dort seinen Wagen\u00a02 Stunden lang\u00a0abstellen. Wir lie\u00dfen uns von der kleinen Kneipe &#8222;Zum Zollhaus&#8220;\u00a0direkt gegen\u00fcber\u00a0verf\u00fchren und g\u00f6nnten uns nebst einem Toilettengang eine Kleinigkeit zu Essen: Carsten nahm ein Bauernfr\u00fchst\u00fcck, ich entschied mich f\u00fcr ein Omelett mit Waldpilzen.\u00a0Am Ende haben wir f\u00fcr das\u00a0Ganze plus ein Bier und eine gro\u00dfe\u00a0Cola\u00a0inklusive Trinkgeld\u00a0nur 17 EUR bezahlt &#8211; aufgrund der N\u00e4he zum Schlo\u00df und des Denkmals hatten wir mit wesentlich\u00a0h\u00f6heren Preisen\u00a0gerechnet. Das Essen war wirklich \u00e4u\u00dferst lecker und die Bedienung schnell und nett. Bloss ohne Bargeld w\u00e4ren wir ganz sch\u00f6n arm dran gewesen, denn EC-Karten spielen in dieser Gastwirtschaft als Zahlungsmittel keine Rolle.<\/p>\n<p>Danach erkundeten wir mit\u00a0einem Rundgang die Innenstadt. Nat\u00fcrlich stand ich auf dem Kopf\u00a0der ber\u00fchmten, von Faschisten gesprengten Br\u00fccke, wo die Aliierten aus Ost und West sich einst\u00a0begegneten. Weitere Sehensw\u00fcrdigkeit\u00a0sind das Schloss Hartenfels,\u00a0ein Aufstieg auf den Hausmannsturm (f\u00fcr 1 EUR pro\u00a0F\u00fc\u00dfepaar, welche 165 Stufen auf sich nehmen wollen) und das\u00a0Bestaunen der offenen Steinwendeltreppe im Schlo\u00dfhof, die ich wirklich wundervoll fand. \u00dcbrigens, die Toilette f\u00fcr die Schlo\u00dfbesucher\u00a0war in einem Topzustand und ist erstaunlicherweise v\u00f6llig kostenlos. Jede Menge Zeit haben wir dann am B\u00e4rengehege verbracht, die beiden Meister Petze f\u00fchlen sich dort offensichtlich recht wohl, aber da es so warm war, d\u00f6sten sie entweder in eine schattigen Erdkuhle oder schlenderten ganz gem\u00e4chtlich eine kleine Runde durch das Revier, um sich dann wieder zur Ruhe zu begeben.<\/p>\n<p>Unser\u00a0n\u00e4chste Ziel war die Marienkirche, in welcher unter anderem\u00a0der Grabstein\u00a0von Katharina Bora, der Witwe von Martin Luther steht, denn sie ist in Torgau gestorben. Ein sch\u00f6nes, gotisches Gotteshaus, sehr schlicht gestaltet, in dem auch schon Luther selbst mal gepredigt hat. Wir waren die einzigen\u00a0Besucher darin\u00a0und konnten uns in Ruhe umsehen. Dabei staunten wir nicht schlecht \u00fcber die Position der Orgel, denn diese\u00a0ist an der Seite des Kirchnschiffs angebracht und einzelne Pfeifen ragen f\u00f6rmlich in den Raum hinein &#8211;\u00a0ein sehr ungewohntes Bild.<\/p>\n<p>Danach schlenderten wir mit einer (ich) bzw. zwei (Carsten) Kugeln Eis\u00a0durch die kaum bev\u00f6lkerte Fussg\u00e4ngerzone und\u00a0erkannten\u00a0an angebrachten\u00a0Keramiktafeln, dass diese Stadt in der Vergangenheit wohl ein beliebtes Ziel f\u00fcr allerhand ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten war. Unter anderem weilten bereits\u00a0Napoleon Bonaparte\u00a0und Kaiser Alexander I von Russland hier. Ausserdem entdeckten wir einen 1685 gegr\u00fcndeten Spielwarenladen, der\u00a0damit der \u00e4lteste in ganz Deutschland ist.<\/p>\n<p>Aber zwei Stunden waren bereits v\u00f6llig ausreichend, um das Wichtigste in diesem St\u00e4dtchen zu entdecken, deshalb\u00a0sind wir v\u00f6llig stress- und hetzefrei\u00a0vor Ablauf der erlaubten Parkzeit\u00a0an unserem Auto angekommen. Unser n\u00e4chstes Ziel war die etwa 12 km von Torgau entfernte Stadt Annaburg, genauer gesagt der Ortsteil Prettin. Dort steht das Schlo\u00df Lichtenburg, welcher in den Nazijahren als KZ\u00a0fungierte und in welchem auch <a href=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/2010\/06\/olga\/\" target=\"_blank\">Olga Benario<\/a> eine zeitlang inhaftiert war.\u00a0 Das Schicksal dieser Frau hat mich, seit ich von ihr geh\u00f6rt habe, sehr fasziniert und interessiert, deshalb wollte ich diesen Ort schon immer mal besuchen. Da wir jedoch nicht einsch\u00e4tzen konnten, wie die im Schlo\u00df angebotenen Ausstellungen eingeordnet sind, zahlten wir bereitwillig 2 EUR pro Nase und fanden uns pl\u00f6tzlich in einem Heimatmuseum wieder. Aus verschiedenen Epochen waren Gegenst\u00e4nde zusammengetragen worden und sind nun mit einigen Kurzbeschreibungen erkl\u00e4rt. Allerdings\u00a0erfuhren wir erst sp\u00e4ter,\u00a0nachdem wir\u00a0Kr\u00e4utergeschichte,\u00a0Details\u00a0vom lokalen Weinbau und dessen Herstellung\u00a0sowie\u00a0die sozialistsche und feudalistische Geschichte des Ortes hinter uns hatten,\u00a0da\u00df\u00a0es eigentlich keine richtige\u00a0KZ-Gedenkst\u00e4ttenausstellung gibt. Wir konnten aber\u00a0eine Freiluftausstellung \u00fcber die KZ-Geschichte sowie den Gef\u00e4ngnisbunker besuchen, was wir auch taten. Der Bunker bedr\u00fcckte mich sehr, denn\u00a0drau\u00dfen war\u00a0ein warmer, sonniger Fr\u00fchlingstag, aber drinnen\u00a0ist es selbst unter diesen Umst\u00e4nden sehr kalt. Ich will gar nicht wissen, wie die Frauen, die dort auch im Winter eingesperrt waren, unter der Enge, Dunkelheit und der K\u00e4lte gelitten haben. Wir fanden unter anderem auch die Kammer, wo Olga\u00a0selber\u00a0eingeschlossen war. Jetzt hatte ich eine genaue Vorstellung von dem, wor\u00fcber ich im Buch von Ruth Werner gelesen habe. Dabei\u00a0ist das nur ein Bruchteil\u00a0des Leidenswegs der mutigen Frau &#8230;<\/p>\n<p>Erst die Sonne auf dem Nachhauseweg riss mich wieder aus der\u00a0etwas betr\u00fcbten Stimmung und als wir uns in Roitzschberg unweit von Mei\u00dfen auf\u00a0dem Rasen\u00a0mit wilden Tulpen und\u00a0reichlich bl\u00fchenden Apfelb\u00e4umen der Streuobstwiesen zum Picknick niederlie\u00dfen, war ich wieder vollst\u00e4ndig auf Erholung eingestellt. Wir kauten dann an den Gaben aus unserem K\u00fchlrucksack und lauschten dem Summen der Bienen in den Apelbl\u00fcten sowie einem redseligen &#8222;Gespr\u00e4ch&#8220; der Schafe in der N\u00e4he.\u00a0<\/p>\n<p>Eine Auswahl der Bilder von gestern gibt es <a href=\"https:\/\/picasaweb.google.com\/nimkenjaKH\/Fruhlingsausflug#\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Heute machte ich den ganzen lieben Tag kaum etwas anderes als v\u00f6llig entspannt unter dem, von meinem lieben Mann aufgespannten, Sonnensegel auf der Strandterrasse ein Buch zu lesen und so wie es aussieht, wird\u00a0mein morgiger Tag\u00a0genau so ablaufen.\u00a0\u00a0\u00a0 \ud83d\ude00\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a rel=\"attachment wp-att-615\" href=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/2011\/04\/ein-erkundungstagesausflug\/img_0183_klein\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-615\" src=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/IMG_0183_klein.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/IMG_0183_klein.jpg 800w, https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/IMG_0183_klein-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Samstag haben Carsten und ich als Cabriotag auserkoren. 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