{"id":7360,"date":"2021-01-03T18:12:38","date_gmt":"2021-01-03T17:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/?p=7360"},"modified":"2021-01-03T18:12:38","modified_gmt":"2021-01-03T17:12:38","slug":"wie-geht-es-stephanie-fazit-der-dreizehnten-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/2021\/01\/wie-geht-es-stephanie-fazit-der-dreizehnten-woche\/","title":{"rendered":"Wie geht es Stephanie ? \u2026 Fazit der dreizehnten Woche"},"content":{"rendered":"<p>Stephanie ist jetzt seit genau 90 Tagen in der Rehaklinik und vor 130 Tagen fand alles seinen Anfang. Schon allein die Vorstellung, \u00fcber vier Monate das gesellschaftliche Leben zu verpassen und auch ein Weihnachtsfest ohne Familie und ein Silvester ohne Freunde zu verbringen, ist doch irgendwie schwer vorstellbar, oder nicht? Nat\u00fcrlich sind die letzten beiden Dinge im Kontext mit den zus\u00e4tzlichen Einschr\u00e4nkungen durch Corona bzw. Covid-19 bei fast allen so oder \u00e4hnlich passiert &#8230;<\/p>\n<p>Also eigentlich f\u00fchrt das noch zu einem weiteren komischen Gef\u00fchl, denn man muss ihr ja \u00fcberhaupt mal diese ganze Pandemiesituation inklusive der Auswirkungen erkl\u00e4ren. Denn leider bedeuten die oben erw\u00e4hnten 130 Tage gleichzeitig auch die Dauer ihrer Bewusstlosigkeit bzw. ihres komat\u00f6sen Zustands. Carsten hat mir mal erz\u00e4hlt, dass sein Vater nach einem schweren Autounfall f\u00fcr ca. einen Monat im Koma lag (es war allerdings noch vor seiner Geburt) und selbst diese, durch seine Familie weitererz\u00e4hlte Geschichte, lie\u00df mich immer wieder \u00fcber eine solch lange Komadauer nachdenken. Wie ergeht es jemanden, der mehrere Wochen nichts aus der Umgebung mitbekommt? Und wie holt man diese L\u00fccke am Ende wieder auf? Bei Stephanie steht ja jetzt nicht nur eine noch viel l\u00e4ngere Zeitspanne im Raum, sondern leider auch immer noch die Frage, welche F\u00e4higkeiten sind geblieben, welche sind verloren und welche k\u00f6nnen wieder antrainiert werden. Doch vor diesem Ganzen kommt erst einmal noch der gro\u00dfe Schritt, dass sie aufwacht und wieder aktiv ein Geschehen um sie herum realisieren kann.<\/p>\n<p>Hieran wird weiterhin kr\u00e4ftig gearbeitet, denn die Dosierungen der Medikamente sind in den letzten Wochen erfolgreich reduziert worden und sie schl\u00e4gt deshalb nun wohl auch immer \u00f6fters die Augen auf (fokussiert aber weiterhin noch nichts), so dass ein vollst\u00e4ndiges Aufwachen in greifbarer N\u00e4he zu sein scheint. Zur Erinnerung: erst dann wird deutlich, welche F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten wieder g\u00e4nzlich zu erlernen und zu erarbeiten w\u00e4ren und welche &#8211; hoffentlich! &#8211; noch erhalten geblieben sind.<\/p>\n<p>Insbesondere das \u00d6ffnen der Augen scheint f\u00fcr alle Wartenden sehr positiv zu sein, denn auch die Therapeutinnen berichten mir immer sehr gerne davon:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7361\" src=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/zettel.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/zettel.jpg 560w, https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/zettel-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/p>\n<p>Und selbst, wenn \u00fcber die Feiertage jetzt nicht viel medizinisches und therapeutisches passiert ist, so gibt es dennoch wieder ein paar Neuigkeiten zu vermelden:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"line-height: 1.5;\">Die Beatmung mittels &#8222;Feuchter Nase&#8220; (ohne Maschine) ist in der letzten Woche von 12 auf 15 Stunden erweitert worden und man sch\u00e4tzt, dass man bald die gew\u00fcnschten 16 Stunden erreicht und vielleicht sogar schon langsam anf\u00e4ngt, an den verbleibenden 8 Stunden Nachtzeit zu &#8222;knabbern&#8220;.<\/span><\/li>\n<li>Das Abhusten und Schlucken wird immer besser, auch wenn es f\u00fcr Au\u00dfenstehende sicherlich zum Teil eher schlimm klingen d\u00fcrfte &#8230; das Personal findest diese Entwicklung jedenfalls sehr sehr gut.<\/li>\n<li>Selbst wenn ein Arm oder Bein steif oder verkrampft neben ihr liegt, kann auch ich mit viel Zureden und sanfter Mobilisierung eine Verlagerung schaffen, so z.B. ihre H\u00e4nde dauerhaft auf dem Bauch ablegen, ohne dass diese gleich wieder neben den K\u00f6rper herunterrutschen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zudem interpretiere ich manche Dinge f\u00fcr mich, als w\u00fcrde Stephanie schon etwas bewusst mitbekommen und irgendwie darauf reagieren wollen. Ihre Herzfrequenz, eine leichte Mimik und das Aufschlagen der Augen gehen meist mit irgendwelchen direkten Einfl\u00fcssen einher, als wenn sie ihre Umgebung wohl doch schon irgendwie wahrnehmen k\u00f6nnte:<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"line-height: 1.5;\">Wenn ich zu Anfang meiner Besuchszeit in den Vorraum komme und mich umziehe (Kittel anziehen, H\u00e4nde desinfizieren), f\u00fchrt bei ihr entweder Vorfreude oder Entsetzen (wer wei\u00df das schon so genau) zu einem leichten Anstieg der Herzfrequenz, ohne dass ich sie \u00fcberhaupt ber\u00fchrt oder sie schon angesprochen habe.<\/span><\/li>\n<li>Bei meinem&nbsp;<span style=\"line-height: 1.5;\">Wohlf\u00fchlprogramm mit Vorlesen, Massieren, Eincremen und &#8222;Bet\u00fcdeln&#8220; sinkt die Herzfrequenz in der Regel sehr schnell &#8230; bis hin zum entspannten Eind\u00f6sen beim Vorlesen aus dem Metorologiebuch &#8222;Wetter macht Liebe&#8220;.<\/span><\/li>\n<li>Wenn ich die mir zugeschickten Sprachnachrichten abspiele, reagiert sie auf manche Personen irgendwie gelassener (insbesondere auf M\u00e4nnerstimmen, wie die von Carsten, Karl &amp; Uwe) oder scheint noch gespannter zuh\u00f6ren zu wollen, um am Ende ja nichts zu verpassen.<\/li>\n<li>Ich glaube sogar, dass sie minimal auf gesprochene Inhalte reagiert, z.B. als Andrea und Karl das letzte Kapitel ihres Vorlesens angek\u00fcndigt haben, meine ich eine gewisse Entt\u00e4uschung in ihrer Mimik entdeckt zu haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7362\" src=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vorlesen.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vorlesen.jpg 560w, https:\/\/www.marvinchen.de\/olgas_welt\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/vorlesen-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/p>\n<p>Ab morgen ist Stephanies Therapieplan erneut gut gef\u00fcllt, denn nach den Feiertagen sind endlich auch wieder alle Gewerke vor Ort. Somit ist sie mit zahlreichen \u00dcbungen f\u00fcr die verschiedenen Sinne \u00fcber den Tag verteilt besch\u00e4ftigt und sie hat vielleicht auch wieder etwas weniger Zeit zum Langweilen. Aber da auch wir ab Montag unseren Arbeitgebern zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen, werden wir unser Kind jetzt wieder erst am Abend besuchen k\u00f6nnen. Die arbeitsfreien Tage nutzten wir n\u00e4mlich in der Regel f\u00fcr eine Besuchszeit \u00fcber den Mittag bzw. den Nachmittag, denn da war Stephanie noch nicht ganz so schl\u00e4frig &#8211; man sieht, die therapeutische Umstellung auf Tag- und Nachtzeiten scheint schon zu funktionieren. Ich bin allerdings schon jetzt sehr gespannt, ob sie dann immer noch genug Kraft und Aufmerksamkeit f\u00fcr mich \u00fcbrig hat &nbsp; &nbsp;\ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephanie ist jetzt seit genau 90 Tagen in der Rehaklinik und vor 130 Tagen fand alles seinen Anfang. 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