Jan.
Zugegeben, es fĂ€llt mir eigentlich immer schwerer, die (fĂŒr uns stets) tollen Wochenenden und den Besuch im Pflegezentrum am Dienstag so zusammenzufassen, dass nicht stets alles doppelt erwĂ€hnt wird oder gar langweilig ist. Man kann bei Stephanie zwar noch lange nicht von einer Stagnation in ihrer positiven Entwicklung sprechen, dafĂŒr lernt sie andauernd neue Dinge hinzu, aber durch die mittlerweile sehr gut eingespielte Routine und die vielen tĂ€glichen Wiederholungen, machen wir viel weniger Fotos und kommen zudem auch so gut wie gar nicht raus. Zum einen natĂŒrlich wegen Corona und den zig EinschrĂ€nkungen, aber solange das Wetter nicht schöner und die Tage nicht lĂ€nger werden, lohnen sich auch keine groĂartigen AusflĂŒge. Doch ein Ende dĂŒrfte ja bald in Sicht sein – jedenfalls was die Helligkeit und den baldigen FrĂŒhling angeht đ
Ok, dann berichte ich heute mal ein wenig ĂŒber die allgemeine, wöchentliche Routine, ok?
Dienstags fahren wir fĂŒr ca. ein bis zwei Stunden nach LĂŒneburg (so kommt der Smart wenigstens auch mal wieder regelmĂ€Ăig mit den RĂ€dern auf die StraĂe), verbleiben aber meist mit dem Kind quatschend auf ihrem Zimmer, da es drauĂen noch viel zu kalt, zu dunkel und vor allem zu ungemĂŒtlich ist. Doch aufgrund des fehlenden Tisches und auch der recht kurzen Besuchszeit lohnt eben auch kein groĂartiges BeschĂ€ftigungsprogramm, denn spĂ€testens zum Abendessen mĂŒssen wir aufgrund der Corona-EinschrĂ€nkungen schon wieder gehen. Wir dĂŒrfen derzeit nicht einmal wie frĂŒher mitgebrachtes Essen verdrĂŒcken und hungrig dem Kind beim Kauen zugucken ist auch blöd :zunge-rechts:
Also muss das Quatschen und Ausfragen (leider) reichen … manchmal können wir zudem noch zusĂ€tzliche Infos vom Pflegepersonal oder den Therapeuten abgreifen.
Der Freitag ist nun wie folgt getaktet: am Nachmittag nach getaner Arbeit abholen, das Kind ins Auto und den Rollstuhl in den AnhĂ€nger verladen, ca. 10 min fahren, um dann beim LĂŒneburger Kaufland wieder alles auf dem Parkplatz „zusammenzufĂŒgen“. Dort starten wir nach alter OLCA-Tradition mit einem AuĂer-Haus-Essen (derzeit eine WĂŒrschtlbude mit ThĂŒringer Bratwurst oder Currywurst), um wie damals das kommende Wochenende einzulĂ€uten. AnschlieĂend erledigen wir unseren groĂen Wochen(end)einkauf und wĂ€hrend Carsten und ich mit BienenfleiĂ den Einkaufswagen fĂŒllen, darf Stephanie die Waren auf der Einkaufsliste abstreichen:

Nach ungefĂ€hr einer Stunde fahren wir dann die ca. 40 min bis zu uns nach Hause, verstauen alles in der KĂŒche und so gegen 20:00 bzw. 21:00 kann endlich mal der Tagesabschnitt namens Freizeit beginnen – ob auf dem Sofa, vor dem Fernseher oder am Rechner entscheiden wir dann immer ganz spontan. Doch spĂ€testens gegen 23:00 liegen wir definitiv alle völlig platt im Bettchen …
Am Samstag und Sonntag wird in der Regel ausgeschlafen, d.h. wir Erwachsenen bis ca. 7:00 und das Kind so bis ca. 9:00. Nach der sogenannten Morgentoilette fĂŒr unser Kind (wir drei (!!!) sind mit 40 min schon recht flott geworden) und dem In-den-Rolli-setzen des Kindes wird dann ausgiebig gefrĂŒhstĂŒckt – oftmals sogar bis weit nach 12:00 đ
Da wir Stephanie gerne möglichst viel in alles mit einspannen wollen, dauert es eben so seine Zeit: das gemeinsame Aufdecken …

… die Zubereitung ihres Kaffees, das Aufschneiden und Schmieren des Brötchens …

(um das Schmieren kĂŒmmern wir uns fast gar nicht mehr, aber beim Aufschneiden suchen wir noch den besten Weg fĂŒr sie – dieses Wochenende probierten wir es mal waagerecht und mal senkrecht)

… und natĂŒrlich das Essen. Vor allem, da sie derzeit jeden Bissen gefĂŒhlt 63 mal kaut … das hat sie noch so vom EĂtraining beibehalten. Doch egal, wir haben Zeit und eigentlich immer auch ganz viel zu erzĂ€hlen, aufzufrischen und erinnern. Dabei freuen wir uns immer wie ein Schneekönig, wenn wir merken, wie ihr KurzzeitgedĂ€chtnis so langsam wieder zurĂŒckkommt oder sie doch mal wieder eine Erinnerung aus alten Tagen auskramen kann.
Dieses Wochenende haben wir erstmals das Sitzen am Tisch auf das FrĂŒhstĂŒck sowie das Mittagessen ausgeweitet und erreichten bei beidem schon so ca. 60 bis 90 Minuten – pro Mahlzeit!

Aber man sieht am Ende schon ganz deutlich, wie anstrengend es noch fĂŒr sie ist und da sie sich leider noch nicht selbst neu positionieren bzw. zwischendurch mal ihre Haltung Ă€ndern kann, wird es ihr am Hintern und RĂŒcken zunehmend ungemĂŒtlich. Wir variieren mittlerweile das Anlehnen und durch ĂŒbertriebenes Beugen nach vorne können wir zudem das ZurĂŒck in den Rolli weiter hinauszögern. Zur weiteren Ablenkung wĂ€hrenddessen lieĂen wir dieses Wochenende u.a. einen Videochat …

… und die Suche in einem Wimmelbild mit einflieĂen:

Ich war echt erstaunt, wie viele Einzelheiten sie auf einem solchen Bild gefunden hat (Carsten fragte z.B. „Wo ist das Einhorn?“), denn vor ein paar Monaten wĂ€re so ein Durcheinander fĂŒr ihre Wahrnehmung und Orientierung ein echtes Fiasko gewesen. Klar, sie braucht immer noch etwas lĂ€nger, aber sie wird am Ende meist selbst fĂŒndig und es verwirrt sie nicht mehr so sehr wie damals. FrĂŒher galt so etwas fĂŒr sie noch als visueller Overkill.
Ein fester Bestandteil unserer Wochenendroutine sind danach meist Ruhe- und Beautyzeiten, wie das tĂ€gliche FuĂbad inklusive anschlieĂender FuĂmassage, sonntags zudem noch Haare waschen und in der Regel dann auch noch eine reinigende Gesichtsmaske hintendran. Dabei darf fĂŒr sie vor allem die Musik nicht fehlen! Noch kann sie zwar keinen MP3-Player oder gar den Kopfhörer selbst bedienen, aber mit Musik an oder auf den Ohren ist sie immer sowas von glĂŒcklich:

Dieses ein bis zwei Stunden lange Relaxen gönnen wir ihr auf jeden Fall sehr gerne, denn bei den zahlreichen Ăbungen und Trainings macht sie wiederum so intensiv mit, dass es manchmal wirkt, als wĂŒrde sie das am liebsten stundenlang durchfĂŒhren wollen. Doch so lange hĂ€lt ihre Konzentration aber noch nicht durch.
Dieses Wochenende konnten wir insgesamt viermal je 20 Minuten SprechĂŒbungen durchfĂŒhren (das haben wir der Ergo- und Logotherapeutin quasi versprochen) und wenn ich die Videos von der ersten Ăbung (Samstagvormittag) und von der letzten (Sonntagnachmittag) vergleiche, merke ich schon nach nur zwei Tagen einen recht groĂen Unterschied. Man mag es kaum glauben, wie sehr unsere Zunge fĂŒr das Sprechen antrainiert werden muss und dann aber auch weiterhin stets in Ăbung bleiben muss! đ

Zwischendurch fordern wir Stephanie zudem mit eigenstĂ€ndiger Körperpflege, Schnibbeln und Kochen, Abwasch bzw. Abtrocknen, (handgeschriebene) Briefe lesen, Nachrichten per Messenger oder Email tippen und regelmĂ€Ăigem GedĂ€chtnistraining. Als „Belohnung“ winken dafĂŒr eben ein DVD-Abend (samstags) sowie Spielen mit Apps oder old-school bzw. analog auf dem Tisch:

Bitte nicht falsch verstehen: es ist nicht so, dass wir Dinge vom Kind verlangen, die sie nicht mag oder die am Ende viel zu viel sein könnten. Ganz im Gegenteil, sie ist regelrecht enttĂ€uscht, wenn wir mal nicht spĂŒlen wollen oder letztendlich etwas aus zeitlichen GrĂŒnden rausfallen muss. Am Samstag sollte ich ihr ein ca. 10-zeiliges Gedicht raussuchen, welches sie gerne auswendig lernen möchte. Vor allem durch die Reimform erhofft sie sich eine bessere Orientierung und eine schnellere Umsetzung. Meine Wahl fiel ganz spontan auf „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern, da mir dieses Wintergedicht schon damals gefiel, als meine MĂ€dels es einmal in der Grundschule auswendig lernen mussten:
Die drei Spatzen
In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.
Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrĂŒber, da schneit es, hu!
Sie rĂŒcken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.
Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.
Mal sehen, was Stephanie davon am kommenden Wochenende aufsagen kann. Am Dienstag sind ihr schon die ersten Zeilen (fast) fehlerfrei gelungen. Wie gesagt, sie selbst möchte so gefordert werden, um dadurch schnellstmöglich wieder zu ihrem alten Zustand zurĂŒck zu gelangen. Carsten und ich sind dabei weniger die (An-)Treiber, sondern mehr die Gehilfen.
Carsten und ich stellen ĂŒbrigens immer wieder fest, dass wir ein richtig gut eingespieltes Team sind. Wir sind ganz gewiss keine perfekten Pfleger der klassischen Art und Weise, aber dem Kind geht es bei unseren inzwischen routinierten AblĂ€ufen offensichtlich gut und sie ist gern bei uns – das ist doch die Hauptsache, oder?






























































































































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