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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2020 05.
Jul

Die treuen Leser meines Blogs werden bestimmt auch ohne meinen Hinweis wissen, dass der 4. Juli fĂŒr mich persönlich ein besonderer, quasi mein eigener UnabhĂ€ngigkeitstag ist. Denn genau an diesem Tag ĂŒberquerte ich 1992 die deutsch-polnische Grenze und bin seitdem in Deutschland hĂ€ngen geblieben. Nach Adam Ries sind es also inzwischen 28 Jahre geworden! Aber auch nach so vielen Jahren hierzulande stelle ich immer wieder fest, dass ich bei Weitem noch nicht alles gesehen habe, was dieses vielfĂ€ltige und geschichtlich sehr interessante Land zu bieten hat.

Deshalb ist es auch nur zu verstĂ€ndlich, dass wir in diesem Jahr meinen kleinen Feiertag natĂŒrlich dazu nutzen wollen, sich mit unserer neuen Lebensumgebung vertraut zu machen. Die Empfehlung, einmal durch Ratzeburg zu schlendern, habe ich bereits von vielen Freunden und Bekannten gehört. Und da wir unserem Autokennzeichen „RZ“ nach ohnehin zu diesem Einzugsgebiet gehören, lag dieses Ziel auf der Hand.

Carsten hat im Netz einen schönen ca. 7 km langen Rundgang durch das InselstĂ€dtchen aufgetrieben und gleich nach dem zugegeben etwas sehr spĂ€ten FrĂŒhstĂŒcks (unsere einstĂŒndige Sportstunde ist uns eben heilig … und wir wollen ja schließlich auch unbedingt wissen, wie es bei „Lost“ weitergeht) durfte unser Smartie mal wieder die Tiefgarage verlassen. Leider war nicht wirklich Cabrio-Wetter – etwas kĂŒhl und bewölkt – aber immerhin regnete es nicht in Strömen.

Der Name unseres Ziels deutet ĂŒbrigens nicht auf die besonders ausgeprĂ€gte Schlafgewohnheiten ihrer Bewohner hin, sondern auf den slawischen FĂŒrsten Ratibor, der dort einst in einer Ringburg residierte. Da Slawen schon immer viele Kosenamen erfanden, wurde aus dem stolz klingenden Ratibor eben ein Rat’se, welches am Ende eben auch Pate fĂŒr den Stadtnamen stand.

Man hat an mehreren Stellen Teile der Umrisse der einstigen, slawischen Verteidigungsanlage fĂŒr die Umwelt nachgezeichnet:

Ratzeburg ist außerdem etwas ganz besonderes, weil die Innenstadt eine richtige Inselstadt ist. Die Verbindung zum Festland folgt lediglich ĂŒber insgesamt drei DĂ€mme (2x Auto, 1x ehemalige Kleinbahn), ansonsten ist man ĂŒberall vom Wasser umgeben: vom Ratzeburger See, Domsee, Kleiner KĂŒchensee und vom KĂŒchensee. Um unserem Rundweg mĂŒhelos zu folgen, mussten wir lediglich den pinkfarbenen Tatzen auf den Wegen unsere Aufmerksamkeit schenken:

Die links am Rand liegenden, bunten Steine auf dem Foto sind Teil eines Kunstprojektes, welches zu Corona-Zeiten entstand. Die Steine wurden von verschiedenen Kindern und Erwachsenen bemalt und dort aufgereiht. Dem schriftlichen Aufruf nach war der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt. Hier ein paar meiner FundstĂŒcke:

Die Stadt hat nicht mal 15.000 Einwohner vorzuweisen, dafĂŒr aber eine sehr lange Geschichte. Diese wirkt dort an vielen Ecken sogar noch ziemlich lebendig – zum Greifen nahe. Ich fand es zum Beispiel sehr beeindruckend, von dem jahrhundertealten Heinrichstein am sĂŒdwestlichen Eingang zum Domhof zu stehen (auf dem Foto rechts, eingezĂ€unt):

Damit man eine bessere Vorstellung davon hat, von welchem Stein ich spreche, habe ich noch ein besseres Foto vorbereitet    zwinker

Ich hoffe, dass ihr das ohne Probleme lesen könnt    zwinker    fĂŒr die sprachlich Unbegabten wie mich hat man aber zum GlĂŒck auch die Übersetzung gleich mit aufgeschrieben: „Zu Zeiten König Konrads und Herzog Heinrichs von Sachsen kam Graf Heinrich nach Ratzeburg und gab dort als erster dem Christentum eine feste Grundlage. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen“. Daran merkt man, die Sachsen haben schon frĂŒh ihre Spuren in dieser Gegend hinterlassen und bei unserem Besuch im Ratzeburger Dom, welcher ab 1160 gebaut wurde und heute leider zum Teil eingerĂŒstet ist, fanden wir sehr eindeutige, sĂ€chsische Andenken:

Der Dom war natĂŒrlich sehr beeindruckend, auch wenn es fĂŒr uns etwas seltsam war, durch eine Kirche mit Mundschutz laufen und sitzen zu mĂŒssen:

Aber zum GlĂŒck konnte man wenigstens draußen ohne Nase-Mund-Schutz herumlaufen    zwinker

Auch im Klosterhof ging es ohne obligatorischen „Schnutenpulli“ und von dort konnte man beim Sitzen auf einer Bank seinen Gedanken nachhĂ€ngen und sich u.a. den Bettler von Ernst Barlach ansehen:

Ein Teil der großzĂŒgigen Domanlage bietet eine Möglichkeit einer schnellen Durchfahrt – mitten durch ein Wohnhaus:

Allerdings scheint die Spannung dieses Bogens die AußenwĂ€nde des Hauses in eine schiefe Lage zu bringen:

Es sah fĂŒr uns aber dennoch sehr stabil aus    standard

Der große Dom ist natĂŒrlich nicht das einzige Gotteshaus in Ratzeburg. Wir schauten auch mal bei der evangelischen St.Petri-Kirche vorbei:

Innen ist diese sehr weiß und schlicht gehalten. Die Anordnung der BĂ€nke fanden wir allerdings ziemlich ungewohnt, denn es ist weder ein klassisches Kirchenschiff, noch eine Rundkirche – fĂŒr mich war dies eine ganz neue Art. Stellt euch ein Rechteck wie bei einer Tafel Schokolade vor und dieses Altarportal …

… samt „eingebauter Predigtkanzel (grĂŒn) und Orgel darĂŒber ist mittig an einer der beiden LĂ€ngsseiten an der Wand aufgebaut. Die BĂ€nke gehen dabei frontal und zu beiden Seiten weg. Eine Zeit lang rĂ€tselten Carsten und ich auch darĂŒber, wo denn der Orgelspieler bei diesem Aufbau sitzen könnte – wir kamen von links und des RĂ€tsels Lösung fanden wir dann auf der rechten Altarseite (hier leider etwas verdeckt).

Ebenfalls ungewohnt fanden wir auch die 1973 erbaute, katholische St. Answer Kirche – sie ist sehr modern erbaut:

Die Stadt lebt aber nicht nur von der Geschichte und von Kirchen, sondern auch von der Kunst. Das A. Paul Weber-Museum haben wir diesmal zwar nicht besucht, aber das werden wir sicherlich noch ĂŒber Kurz oder Lang nachholen, denn die bisher gesehenen Bilder (i.d.R. Illustrationen und Karikaturen) haben uns sehr gut gefallen:

Auch das Kreismuseum sieht sehr vielversprechend aus:

Man konnte auch auf den Straßen das eine oder das andere Kunstwerk entdecken, wie zum Beispiel die Skulptur „Junger Weidenhengst“ …

… oder die Statue „Der Landsmann“ vor dem Amt Lauenburgische Seen.

Die Darstellung des Braunschweiger Löwen hat in mir etwas Mitleid erweckt – ich fand, dass der Arme fĂŒr einen König der Tierwelt ganz schön mager und traurig aussieht:

Da sieht der „Taschenmann“ wesentlich gelassener aus, selbst wenn seine Taschen offensichtlich leer sind … aber er steht ja direkt vor der Sparkasse und kann dort sicherlich etwas Geld abholen:

Immerhin hat er – wenn schon kein Geld – dann wenigstens schon mal ein eigenes Gedicht von der Sparkasse bekommen:

Das nenne ich mal zielgruppengenaue Werbung    zwinker

Aber es gab unterwegs immer wieder etwas Interessantes zu entdecken. Egal ob eine kleine Lok als Wetterfahne auf dem GebĂ€ude des ehemaligen Bahnhofs …

… lustige Straßennamen und Protestaufkleber („Alpakas gegen Nazis“) …

… einen Otter mit Fisch an einem Jugendzentrum …

… oder auch eine riesige Buche, deren Astwerk einen wie in einem Zelt beherbergt:

Allerdings waren wir leider nicht mehr in ihrer NÀhe, als es ein wenig zu Tröpfeln begann:

Zum GlĂŒck war es nur von kurzer Dauer und wir konnten uns danach am Seeufer im „CafĂ© Köbke“ stĂ€rken:

Das gelbliche GetrĂ€nk im Weinglas ist Limoncello Spritz – sehr lecker, aber es hat es in sich und steigt auch sehr schnell zu Kopf, wie ich nun aus eigener Erfahrung berichten kann    standard    etwas beschwipst machte mir das bisschen Regen aber dann gar nichts mehr aus    zwinker

Alles in allem: ich fand den Ausflug zu meinem persönlichen Independance Day einfach wunderbar!

Zum Abschluss fuhren wir noch nach Salem (Wer kennt Stephen King ?) und hatten ein superleckeres Festmahl mit Antipasti und Steakteller.

Ich freue mich nun wirklich sehr, dass die Corona-Regeln nach und nach gelockert werden und wir demnÀchst sicherlich noch einige Ausflugsziele in der Umgebung aus- und dann auch besuchen können!

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