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Kommentar:   

 
Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 17.
Okt

Schwupps, erneut ist eine Woche vorbei und ich durchforste die Meldungen aus dem Familienchat, gucke noch einmal durch alle meine erstellten Fotos (101 St√ľck) und Videos (51 St√ľck), um die Highlights f√ľr den Blogeintrag rauszusuchen und kann es wieder nicht glauben, was sich in der kurzen Zeit doch noch so alles an Ver√§nderungen ergeben hat. Im Vergleich mit dem vorherigen Besuch ist es immer nur wenig, aber mit dem Wochenr√ľckblick wird es dann doch so einiges!!! Stephanie entwickelt sich weiterhin √§u√üerst pr√§chtig und es gibt gl√ľcklicherweise erneut nur Sch√∂nes zu berichten – und vor allem von Fortschritten!

Als fast täglicher Besucher fällt einem das, wie gesagt, nicht immer so sehr auf, aber hier mal zwei Beispiele, die es dann doch sehr eindrucksvoll wiederspiegeln:

Als ein persönliches Fazit aus dem letzten Wochenende haben ihr Vater und seine Frau den folgenden Kommentar an die Familie geschrieben:

‚ÄěWir konnten mit den Besuchen wieder einige Fortschritte bei ihr sehen, gegen√ľber dem letzten Besuch. Und so sind wir gespannt auf die Fortschritte bei unserem n√§chsten Besuch.‚Äú

Es f√§llt also nicht nur uns auf!!! Zudem k√∂nnen wir auch noch die folgenden Bilder gegen√ľberstellen:

In etwas weniger als zwei Wochen schafft Stephanie (h√∂chstwahrscheinlich besonders Dank der kontinuierlichen Botox-Behandlungen), ihre linke Hand bzw. die letzten beiden Finger aus eigener Kraft immer weiter zu √∂ffnen. Auf dem Foto links sieht man ganz deutlich, dass sie den Ringfinger und den kleinen Finger relativ gekr√ľmmt h√§lt, da der Spasmus im Unterarm und im Handgelenk die Muskeln noch zu sehr an der kurzen Leine halten. Als sie mir dann aber gestern mal ihre Fingern√§gel zeigen sollte, gelang ihr schon diese weite √Ėffnung – klasse! Und ich konnte zudem alle Finger mit meiner Hand noch etwas gerader ziehen, ohne dass es ihr Probleme bereitete oder schmerzte:

Bei unseren Besuchen ist es uns nicht so sehr aufgefallen, aber durch den direkten Vergleich der Fotos mit fast 14 Tagen Unterschied ergibt sich eine ganz andere Sicht auf solche Fortschritte. Stephanie und wir freuen uns jedes Mal wie Schneek√∂nige … und zum Gl√ľck motiviert sie das immer noch zus√§tzlich, trotz der gef√ľhlten „Langsamkeit“ kontinuierlich weiterzumachen, egal wie stupide und langweilig die √úbungen auch sein m√∂gen.

Ja, selbst bei den „stupidesten“ √úbungen macht sie tapfer mit – manchmal muss sie sogar selbst so herzlich dar√ľber lachen, dass ihr Tr√§nchen √ľber die Wangen kullern (die sie mittlerweile aber auch selbst wieder wegwischen kann!). F√ľhrt doch mal selbst als Erwachsener folgende Sprach√ľbungen f√ľr ca. 10 Minuten durch, ohne vorher gelangweilt abzubrechen    zwinker

Carsten liest vor und Stephanie muss das (sinnlose) Wortkonstrukt dreimal deutlich wiederholen:

BA-LA-KA … BA-LA-KA, BA-LA-KA, BA-LA-KA
DA-LA-KA … DA-LA-KA, DA-LA-KA, DA-LA-KA
BA-LA-KE … BA-LA-KE, BA-LA-KE, BA-LA-KE
DA-LA-KE … DA-LA-KE, DA-LA-KE, DA-LA-KE
BA-LA-KI … BA-LA-KI, BA-LA-KI, BA-LA-KI
DA-LA-KI … DA-LA-KI, DA-LA-KI, DA-LA-KI
BA-LA-KO … BA-LA-KO, BA-LA-KO, BA-LA-KO
DA-LA-KO … DA-LA-KO, DA-LA-KO, DA-LA-KO
BA-LA-KU … BA-LA-KU, BA-LA-KU, BA-LA-KU
DA-LA-KU … DA-LA-KU, DA-LA-KU, DA-LA-KU
BA-LA-K√Ą … BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą
DA-LA-K√Ą … DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą
BA-LA-K√Ė … BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė
DA-LA-K√Ė … DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė
BA-LA-K√ú … BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú
DA-LA-K√ú … DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú
BA-LA-KAU … BA-LA-KAU, BA-LA-KAU, BA-LA-KAU
DA-LA-KAU … DA-LA-KAU, DA-LA-KAU, DA-LA-KAU
BA-LA-KEI … BA-LA-KEI, BA-LA-KEI, BA-LA-KEI
DA-LA-KEI … DA-LA-KEI, DA-LA-KEI, DA-LA-KEI
BA-LA-KEU … BA-LA-KEU, BA-LA-KEU, BA-LA-KEU
DA-LA-KEU … DA-LA-KEU, DA-LA-KEU, DA-LA-KEU

Und danach sogar als Doppelwort:

BA-LA-KA-DA-LA-KA … BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA
BA-LA-KE-DA-LA-KE … BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE
u.s.w.

Na, Hand aufs Herz, wer hat mitgemacht und sich wirklich alles durchgelesen?    zwinker

Wir kannten diese Art der √úbung schon aus der Klinik in Geesthacht, wo allerdings mit der Silbenkombination PA-TA-KA (mit E, I, O & U) die Zunge und der Mundraum trainiert werden sollte. Damals noch, damit man Stephanie √ľberhaupt verstehen konnte, heute, damit man sie bald noch sehr viel besser versteht. Und wir ziehen das auch gerne gemeinsam durch, selbst wenn Pataka, Balaka und Dalaka uns allen in drei Wochen mit ziemlicher Sicherheit aus den Ohren herauskommen wird.

Wie sehr sie diese Zungenbewegungen anstrengt, sehen wir alleine schon dadurch, dass Stephanie zu Anfang unseres Besuches nur recht wenig nuschelt, aber nach dem vielen Erz√§hlen und auch den diversen Sprach√ľbungen zum Besuchsende hin immer undeutlicher in ihrer Aussprache wird. Glaubt uns, nach „BA-LA-KA“ und „DA-LA-KA“ folgen n√§mlich noch weitere √úbungen, z.B. mit „Str√∂mern“ und „Klingern“ … eben alles im Dienst der Medizin, der Gesundheit und des Heilungsprozesses.

Wer uns kennt, wei√ü allerdings auch, dass wir selbst bei solch ernsten Dingen genug Bl√∂delpotential mit unterbringen und sogar das Kind spielt dabei gerne mit. Als es einmal um die Str√∂mungslaute (z.B. „fffffff“) ging, musste Stephanie vorgegeben Worte von Carsten wiederholen. Bei Fffffffffrankfurt h√§ngte sie noch schelmisch l√§chelnd ein „an der Oder“ mit an und bei Carstens ausgesprochenen „Ffffffffereinigten Staaten von Amerika“ korrigierte sie sofort, dass das nicht gilt und mit einem V geschrieben wird.

Ihr merkt, selbst die dr√∂gesten √úbungen k√∂nnen wir OLCAs uns noch schmackhaft machen und vers√ľ√üen … wow, das sind sehr gute Stichw√∂rter, kommen wir gleich mal zum Essen    standard

Zur Erinnerung: an unseren Besuchstagen in der Woche (nach der Arbeit) essen wir stets mit Stephanie gemeinsam zu Abendbrot und holen dabei in der Regel auch den Geschmack-des-Tages (teils nur f√ľr sie, oft aber auch f√ľr uns alle) aus dem Transportbeutel. Am Dienstag waren es gleich zwei Sorten Fleischsalat, die unser Kind nat√ľrlich √§u√üerst gerne gegen den eigentlich f√ľr sie vorgesehenen Frischk√§se eingetauscht hat    zwinker

Einmal g√∂nnten wir uns Baumkuchenspitzen, die im Inneren nicht so kr√ľmelig waren, sodass Stephanie diese ohne Versto√ü gegen ihre Lebensmittelvorgaben essen konnte. Wir fanden an dem Tag zudem erstaunlich, mit welcher Vorsicht sie die einzelnen St√ľcke f√ľr sich und uns aus der zum Teil hakeligen Verpackung, √§hnlich wie bei Dominosteinen, fischte, ohne die mit Schokolade √ľberzogenen Kuchenteilchen zu zerquetschen oder gar zu zerbrechen. Klar, es fehlt ihr sicherlich noch einiges an Feinjustierung und Geschick, aber ansonsten hielten wir ihre Ausf√ľhrung schon f√ľr eine sehr beachtliche Sache. Geschmeckt hat der Baumkuchen nat√ľrlich ihr und uns √§u√üerst lecker!

Am Donnerstag bekam sie India-Frischk√§se auf Graubrot, welches sie zuvor selbst schmieren musste. Hier machen sich nat√ľrlich schon unsere vergangenen Trainingseinheiten bemerkbar, auch wenn Stephanie gr√∂√ütenteils immer noch angewiesen und im Umgang mit dem Besteck etwas gef√ľhrt werden muss. Beim Essen durfte aber selbst Linki auch mal ran und hatte damit die St√ľcke einer Broth√§lfte mit der Gabel zum Mund zu f√ľhren. F√ľr den ersten Bissen brauchte sie noch etwas Unterst√ľtzung (siehe Foto), aber dann klappte es so gut, als h√§tte sie das schon seit Wochen so gemacht.

Die weiteren Geschm√§cker-des-Tages: da der India-Frischk√§se es ihr echt angetan hatte, versprachen wir f√ľr Samstagnachmittag den Rest aus der Schale mit kleinen Pitabroten (ungetoastet und somit weich) und heute holte ich ihr den Geschmack von Kiwis ins Ged√§chtnis zur√ľck. Beim Telefonat mit Carsten √§u√üerte sie jetzt sogar den Wunsch, einmal Rosenkohl probieren zu wollen, da wir diesen heute als Mittagessen hatten. Sie testet echt alles aus!

Vor oder zusammen mit dem Essen muss sie aber auch immer ihre Medikamente nehmen. Eine Zugabe in fl√ľssiger Form gab es bislang immer zu Anfang und die Tabletten wurden entweder in gem√∂rserter Form als Pulver oder zerkleinert mit dem Yoghurt verabreicht. Carsten probierte nun mal die n√§chste Stufe aus, damit Stephanie ihren Yoghurt zuk√ľnftig auch g√§nzlich ohne bitteren Beigeschmack durch die Medis genie√üen k√∂nnte: er √ľbte mit ihr die Einnahme im Ganzen und mit Trinken. Doch das Kind brauchte gar keine √úbung und schluckte die zum Teil schon recht gro√üen Pillen und Kapseln sogar v√∂llig ohne eine zus√§tzliche Fl√ľssigkeitszufuhr runter. Wir haben nicht schlecht gestaunt und mittlerweile hat sie sogar mit den Pflegern den Deal, die jeweilige Pillendosis auf einmal in den Mund zu bekommen, herunter zu schlucken und anstandshalber danach doch noch etwas zu trinken. RESPEKT !!! Mit einer so raschen Entwicklung h√§tten wir nicht einmal in unseren k√ľhnsten Tr√§umen gerechnet … vor allem, da wir das so ja selbst nicht mal k√∂nnten    standard

Daf√ľr stehen wir wohl noch vor so mancher Herausforderung, wenn es um das Bew√§ltigen von Alltagssituationen geht. Hier fehlt ihr leider immer noch die Routine, Strategieentwicklung und Probleml√∂sung, wie man an solche Aufgaben heranzugehen hat.

Beim Bl√§ttern, √Ėffnen von Boxen, dem Einschalten von Ger√§ten (z.B. f√ľr Musik) oder dem Umgang mit Hilfsmitteln zeigen sich leider noch zu gro√üe L√ľcken, die wir nun mit immerw√§hrendem Training schlie√üen wollen. Dann gibt es jetzt eben eine √úberraschung nicht mehr direkt in die Hand gedr√ľckt, sondern in einer Schachtel und Stephanie muss zun√§chst mal da rankommen. Bislang hilft die linke Hand nur sehr wenig, wenn sie zwar die Box gegen das Verrutschen fixiert, dabei aber leider auch von oben auf den Deckel dr√ľckt – ihr f√§llt das noch nicht intuitiv auf und sie ackert umso mehr mit der rechten Hand an dem st√∂rrischen Objekt.

Auch beim Ausziehen ihrer linken Handorthese hat sie das Prinzip von Klettverschl√ľssen und den √Ėsen an der Seite nicht verstanden.

Sie findet die Anf√§nge der Verschl√ľsse noch nicht selbstst√§ndig und bekommt die Halteriemen zudem nicht von alleine aus den Metallringen heraus … erst wenn man ihr Anweisungen gibt und ihre Finger an die jeweiligen Stellen setzt bzw. diese dann in die richtigen Richtungen bewegt.

Carsten und ich haben dazu folgenden Gedanken entwickelt:
Stephanie geht es da wahrscheinlich √§hnlich wie einem Baby oder Kleinkind. Diese k√∂nnen solche Handgriffe ja auch nicht sofort, sondern gucken sich in der Regel die Handlungen erst bewusst oder unbewusst bei anderen Personen ab – Beispiele w√§ren hier das Tippen auf einer Fernbedienung oder ein Handy ans Ohr zu halten und dort hinein zu sprechen. Doch genau diese Abguck- und Beobachtungsphase fehlt unserem Kind v√∂llig. Ergo m√ľssen wir nun immer wieder auch mal solche Alltagssituationen, wie z.B. eine Box aufzumachen, einen Brief zu √∂ffnen u.s.w., mit ihr durchgehen und √ľben.

Das ist ihr zum Gl√ľck auch selbst sehr bewusst und somit macht sie jede in ihren Augen noch so stumpfsinnige √úbung ganz toll und bis zum Schluss (konzentriert) mit. Wir denken mal, auch das unterscheidet sie sehr von manch anderen Personen in einer √§hnlichen Situation, die irgendwann die Lust und Laune verlieren und dann ggf. nur noch resignieren oder abblocken. Davon ist sie derzeit aber noch weit entfernt, vor allem, da sie von allen Seiten so viel Zuspruch, Lob und Anerkennung bekommt – selbst f√ľr in ihren Augen schon recht popelige Selbstverst√§ndlichkeiten.

Anderes Beispiel: schon beim Ziehen von Grimassen scheint sie ihre Gesichtsmuskeln nicht auf die richtige Art und Weise kontrollieren zu k√∂nnen und wir k√∂nnten da noch so viel erkl√§ren, was denn genau zu tun w√§re. Hier sind wir wahrscheinlich wieder beim Thema Abgucken und Abkupfern von anderen (s.o.) – ihr und uns fehlt da einfach der ganzt√§gliche Kontakt, wie es eben bei Babys oder Kleinkindern normalerweise der Fall ist, wo ja st√§ndig zwischen Kindern und Eltern interagiert wird – „Oh guck mal, ein XYZ!“

Da auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung immer wieder mal Leute mit Hunden sind, hat sie dazugeh√∂rigen Verhaltensmuster beispielsweise schon sehr gut drauf. Sie freut sich √ľber jeden Dackel und jedes Schwanzwedeln und versucht auch stets, eine Streicheleinheit an den Wuffi abzugeben. Ob am Boden …

… oder auf dem Schoss:

Doch leider werden wir wohl nicht mehr lange vorbeilaufende Hunde sehen können, denn es wird zunehmend schattig in Deutschland, als dass man bald noch stundenlang draußen sitzen könnte. Vor allem, wenn sich unsere Besuchszeiten in der Regel auf 3-4 Stunden ausdehnen. Letztens habe ich schon mal ein wenig geschwächelt:

Mit Stephanies Muff und meinem Schal √ľber der Nase konnte ich dann nur noch an verbalen Spielen und √úbungen teilnehmen. Dem k√§lteliebenden Kind wird es sicherlich auch bald zu ungem√ľtlich werden und wir m√ľssen uns dann ein ruhiges Pl√§tzchen innerhalb der Geb√§ude suchen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Hier noch ein paar Infos in Newstickerform, da der Blogeintrag eh schon wieder viel zu lang und zu ausf√ľhrlich geworden ist:

  • Die Pflegekasse und der MDK haben sich nun final auf den Pflegegrad 5 geeinigt … damit w√§re zumindest die medizinische und therapeutische Versorgung in trockenen T√ľchern.
  • Ihr Kurzzeitged√§chtnis scheint wieder etwas aktiver zu werden, denn Stephanie erinnert sich immer mehr an Dinge von gestern oder vor Tagen. Am Dienstag befragten wir sie zum Wochenendbesuch und sie konnte sich unter anderem daran erinnern, mit Andrea telefoniert und beim Kniffel nur verloren zu haben. Und bzgl. K√§se denkt sie immer noch daran, wie sie vor zwei Wochen meinen ekeligen Bergk√§se erwischt hat … sowas kommt definitiv vor allem aus dem Kurzzeitged√§chtnis heraus.
  • Nach Auskunft der Ergotherapeuten war Stephanie selbst nach zwei Wochen Pause 15 min ohne Kreislaufprobleme im Standing, schaffte mit dem Motomed schon stattliche 1,7 km und bedient ein Spiel auf dem Tablet hochkonzentriert f√ľr ca. 10 min.
  • Carsten und ich haben uns vor Kurzem dar√ľber unterhalten, dass Stephanie nicht mehr so viel orientierungslos herumblickt, wie es z.B. noch damals in der Vamed-Klinik der Fall war. Ihr Orientierungssinn hat sich demnach schon sehr gebessert und sie fokussiert sich auch sehr viel einfacher auf das Geschehen um sie herum. Leider ist sie dadurch aber auch wieder etwas leichter ablenkbar …
  • An die guten, alten Kinderm√§rchen kann sie sich fast gar nicht mehr erinnern. Wir haben einmal drei Begriffe genannt und sie sollte das dazugeh√∂rige M√§rchen erkennen: Zwerge, Apfel, Hexe = nein … Wolf, rote M√ľtze, Oma = nein … Gei√ülein, Wolf, Steine im Magen = nein. Einerseits schade, aber andererseits auch wieder eine Chance, M√§rchen vorzulesen oder Stephanie am Ende mal selbst lesen zu lassen, wenn sie das mit dem Umbl√§ttern, Halten und Durchlesen wieder drauf hat.
  • Daf√ľr √ľberraschte sie uns bei einem (Kinder-)Quiz mit doch noch recht vorherrschendem Wissen. Ich las Fragen und vier Antwortm√∂glichkeiten vor, die wir dann alle beantworteten bzw. kommentierten. So wusste sie u.a., dass Mode keine Kategorie beim Nobelpreis ist (Physik, Chemie, Frieden, Mode) und dass Marie Curie eine Physikerin war.
  • Mit einem anderen Spiel testeten wir ihr Kurzzeitged√§chtnis und wollten mal ihre Phantasie aus der Reserve locken – ich habe ja schon im Blog geschrieben, dass kindliches und somit phantasiereiches Spielen bei ihr gar nicht mehr funktioniert. Also gab Carsten drei W√∂rter vor und sie sollte daraus eine kurze Geschichte oder einen Witz basteln (z.B. Drache, Schlo√ü & Himmel). Doch auch hier fiel es ihr sehr schwer, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Daf√ľr konnte sie sich anfangs noch recht gut die drei vorgegebenen Worte merken, aber sie verhaspelte sich zunehmend mit fr√ľheren Worten und „verga√ü“ somit eines von den Aktuellen. Doch nicht vergessen hatte sie, dass wir reihum spielen wollten und nach ihrem berechtigten Protest ging die zweite Kombination aus Hase, Huhn und Ei an mich    zwinker

So, langsam sollte ich mal Schluss machen РLob an die, die bis hier noch durchgehalten und aufmerksam mitgelesen haben. Wenn ich die Zusammenfassung der Woche schreibe, komme ich leider auch allzu oft ins Träumen und Schwärmen, sodass ich einfach kein Ende finden kann.

Alle Fotos sind nun in dem Text eingebunden, alle wichtigen Infos weitergegeben (glaubt mir, ich könnte noch sehr viel mehr auflisten!) und das Korrekturlesen wartet ja auch noch auf mich und Carsten. Wahrscheinlich bin ich ebenso wie ihr gespannt, wie sich so manches in der nächsten Woche entwickeln wird!

Habt noch einen sch√∂nen Abend und vor allem einen ruhigen Start in die neue (Arbeits-)Woche. Dr√ľckt Stephanie bitte weiterhin die Daumen, dass es auch k√ľnftig so bergauf geht, und habt nochmals vielen lieben Dank f√ľr eure zahlreichen Reaktionen, Kommentare und W√ľnsche – das bedeutet mir wirklich sehr viel! Und Stephanie hilft es ebenfalls …



2021 10.
Okt

Dieses Wochenende sind mal wieder Stephanies Vater und seine Frau aus der N√§he von Mei√üen bzw. Dresden in den Norden gekommen und haben die Besuchszeiten an den beiden Tagen √ľbernommen. Dadurch beschr√§nkt sich meine heutige Zusammenfassung eigentlich auch nur auf drei Besuche in der vergangenen Woche: Dienstag nach der Arbeit war ich alleine bei ihr, da Carsten abends w√§hrend eines Wartungsfensters anwesend sein musste, Mittwochvormittag warteten Stephanie, Carsten und ich auf jemandem vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), da eine Vor-Ort-Untersuchung f√ľr die Pflegegradbestimmung stattfinden sollte, und am Donnerstagnachmittag hatten wir drei unsere einzige „regul√§re“ und gemeinsame Besuchszeit. Dennoch gibt es reichlich zu berichten – keine Angst    zwinker

Dann fange ich doch gleich mal mit diese Meldung an: wir haben ihr Platzdeckchen gesehen und mal f√ľr euch abfotografiert …

Na, warum hat sie sich wohl daf√ľr entschieden? Na klar, dieser tolle Wolkenhimmel ist ganz und gar ihr Ding!!! Das begeistert sie definitiv sehr viel mehr als jedes Bild mit einem Sandstrand, einer Spiegelung im See, einem Fahrzeug, einer Filmsequenz oder einem Vereinsemblem. Unsere kleine Meteorologin …

Toll fand ich diese Woche besonders, dass man mit ihr insgesamt etwas mehr √ľber Dinge des Tages quatschen konnte, da sie sich diesmal sogar recht gut daran erinnern konnte. Sie scheint wohl gerade wieder mal einen erfreulichen Leistungsschub zu haben, denn viele √úbungen sitzen bereits nach nur wenigen Versuchen oder zeigen deutliche Entwicklungen von Besuch zu Besuch. So z.B. das Umbl√§ttern bei Zeitschriften oder auch Fotoalben, die Nutzung eines Lippenpflegestiftes (darf ich „Labello“ sagen, ohne gleich Werbung daf√ľr zu machen?) hat sie fast schon komplett von der √Ėffnung bis zu Schlie√üung drauf und selbst bei der Nutzung von bekannten und neuen Spiele-Apps machte sie immer wieder eine sehr gute Figur. So hatte sie bei einer erstmalig genutzten Puzzle-App nur am Anfang etwas Probleme, aber dann flutschte es zunehmend besser. Und bei unseren Gespr√§chen √ľber die vergangenen Tage nennt sie nun immer √∂fters Namen der anderen Bewohner, kann sich noch zielsicherer an √úbungen und die Dauer bei den Therapiestunden erinnern und spricht auch schon √ľber andere Kleinigkeiten des Tages. Besonders, wenn es ihr wichtig war.

So auch √ľber ihren letzten gro√üen Test der Logop√§den, die ja schlie√ülich √ľber die Freigabe weiterer Essensvarianten entscheiden. Am Dienstag bekam sie zum Abendessen schon Graubrot mit Rinde, Scheibenwurst, Gurkenscheiben und Paprikastreifen, da sie mittags mit einem unp√ľrierten (!!!), daf√ľr aber klein geschnittenen Nackensteak (!!!) keine sonderlich gro√üen Schwierigkeiten hatte und dadurch wohl die n√§chste Lockerung erreichte. Dieses Erfolgserlebnis mit dem Steak erz√§hlte sie sogar Carsten freudestrahlend am Telefon, so wichtig war ihr das:

Wenn wir schon mal beim Essen angelangt sind, kann ich mit diesem Oberbegriff ja erst einmal weitermachen. Da es insgesamt doch nur zwei regul√§re Besuchstage waren, bekam sie eben auch nur zwei Mal den Geschmack-des-Tages: am Dienstag waren das Apfel und Birne (sie hat sogar die Begriffe richtig zugeordnet) …

… und am Donnerstag einen Rest meines selbstgemachten Thunfischsalates, den sie trotz „Fisch“ als sehr lecker empfand und zum Abendessen gen√ľsslich wegl√∂ffelte.

Doch egal was wir ihr bislang vorsetzt haben, sie genie√üt derzeit jeden einzelnen kulinarischen Ausflug – selbst Oliven, nat√ľrlich ohne Stein (hat sie die vor dem Vorfall auch schon gegessen?), und einen Smoothie mit Banane, Ananas und Kokos fand sie letztendlich sehr lecker.

Nur bei eigentlich harmlosen Cornichons guckte sie uns nach dem ersten Kauen fragend an und betitelte sie als sehr scharf … h√§h?!? Und dabei hatte sie sogar Recht, denn das Gurkenglas war nicht von uns gekauft, sondern blieb nach einer kleinen Feier √ľbrig und wir hatten vorher nicht genauer auf das Etikett geachtet: Cornichons mit Chili. Sie machte aber dennoch keine gro√üen Anstalten oder wollte es ausspucken, sondern a√ü tapfer zu Ende und schluckte alles runter. Aber einen Nachschlag wollte sie hiervon nat√ľrlich nicht    zwinker

Doch trotz aller Gel√ľste und vermisster Geschm√§cker, selbst einen Bissen von ihrem hei√ügeliebten Mettbrot gibt sie weiterhin gerne ab … herrlich, Stephanie f√ľttert Carsten!!!

Nat√ľrlich haben wir die drei Besuchstage nicht nur gefuttert und gef√ľttert, sondern auch viel gespielt und ge√ľbt … letzteres durchaus √∂fters im Kontext Essen    standard

Wie schon die letzten Male, versuchen wir weiterhin ihr Abendbrot ungeschmiert aus der K√ľche zu bekommen, damit wir mit Stephanie das Schmieren eines Brotes mit Butter und Aufstrich √ľben k√∂nnen. Selbstverst√§ndlich braucht sie weiterhin noch viel Hilfe in Form von Anweisungen, Handgriffen und Halten, aber meiner Meinung nach wird auch das schon zunehmend besser:

Insbesondere Linki ist ja leider noch zu sehr in der Bewegung eingeschr√§nkt, als dass Stephanie mit ihren H√§nden schon all die Dinge erledigen k√∂nnte, wie jeder andere auch. Besonders beim Halten von Sch√ľsselchen und Bechern macht sich das deutlich bemerkbar, w√§hrend die rechte Hand mit einem Messer, einer Gabel oder einem L√∂ffel etwas herausfischen muss. Durch die Spastik ist es f√ľr sie z.B. sehr schwer, die jeweilige √Ėffnung immer sch√∂n gerade nach oben zu bringen oder sie dort zu halten. Sie kann daf√ľr ja nicht mal eben das Handgelenk richtig √∂ffnen und drehen, sondern das Gehaltene eigentlich nur gegen ein Wegrutschen fixieren, besonders wenn es zus√§tzlich auf dem Tisch o.√§. steht.

Beim Yoghurtbecher wollten wir es dann aber mal wissen, also starteten wir einen Versuch in die andere Richtung. Rechti kann den Becher zwar perfekt halten, aber Linki schafft die Bewegungen in alle Richtungen f√ľr das Herausfischen, das F√ľhren zum Mund ohne alles zu verlieren und auch das koordinierte Drehen und Halten des L√∂ffels noch nicht. Wir bleiben da aber dran, denn mit Rechts hatte sie anfangs ja die gleichen Probleme und es landete mehr auf dem Latz als im Mund    zwinker

Daf√ľr √ľberraschte sie uns auf Anhieb mit dem Schlucken ihrer Medikamente in Pillen- und Kapselform. Anfangs wurde im Vorfeld noch alles gem√∂rsert und w√§hrend Carsten sich mit Stephanie dem Hauptgang widmete, r√ľhrte ich das Pulvergemisch immer munter in den Pudding oder Yoghurt. Wenn wir dann mal ungem√∂rserte Medikamente bekamen, verteilte Carsten die Pillen und das Pulver der Kapseln auf einem L√∂ffel Yoghurt und Stephanie schluckte alles sofort und ohne Kauen runter. Leider blieb dann zu ihrem Leidwesen von Nachtisch am Ende nicht mehr so viel √ľbrig, dass sie diesen noch h√§tte genie√üen k√∂nnen. Doch am Donnerstag lie√üen wir mal alle Pillen und Kapseln in Rohform (auch die etwas Gr√∂√üeren) und Stephanie sollte sie mit ihrem Getr√§nk einzeln hinunterschlucken. Und siehe da, sie hatte Null Probleme damit und ab sofort werden wir ihr die Medis immer nur mit Wasser geben, damit ihr der Nachtisch als Genuss und Abschluss erhalten bleibt. Sp√§testens n√§chste Woche wissen wir, ob es immer so klappt und k√∂nnten dann einen Hinweis an das Pflegezentrum geben, damit sie zu jeder Mahlzeit auch ohne uns das Schlucken mit einer Fl√ľssigkeit durchf√ľhren kann. Denn: sie schluckt zwar die Medikamente erfolgreich runter, aber das Legen der Pille in den Mund bzw. auf die Zunge erfordert nat√ľrlich noch ein Zutun durch einen Dritten. Aber der erste Schritt ist mal wieder gemacht und wir drei sind gl√ľcklich √ľber diesen weiteren kleinen Fortschritt.

Wir sind auch noch immer mit Eifer dabei, mit ihr das √úberziehen der √Ąrmel zu √ľben (leider sind noch zu viele Anweisungen und Hilfen notwendig), sowie das Umbl√§ttern von Seiten (bei dickeren Seiten, z.B. einem Fotoalbum, erkennt sie sofort, wenn sie mehrere erwischt und korrigiert nach) …

… und das Finden und Ber√ľhren der eigenen Ohren (diese Bewegung hat sie jetzt sogar schon ganz autark mit Linki drauf!). Neu hinzugekommen sind nun noch die Benutzung eines Labellos (wie erw√§hnt ist das schon fast perfekt) und am Donnerstag starteten wir das eigenst√§ndige Ausziehen der linken Handorthese.

Warum ausgerechnet das? Weil man ihr nach dem Anlegen mal gesagt hat, dass sie diese nach mehr als drei Stunden Tragen auch gerne selbst abnehmen kann, worauf sie wiederum in Tr√§nen ausbrach, weil sie das leider nicht beherrscht. Deshalb bringen wir ihr nun das √Ėffnen der insgesamt sechs Klettverschl√ľsse sowie das Festhalten der Orthese mit Rechti, w√§hrend Linki sich herauszieht, bei. Beim allerersten Mal klappten die Handgriffe zwar schon recht gut, aber nat√ľrlich noch mit viel zu vielen Anweisungen und Hilfestellungen, z.B. wo der Anfang und das Ende eines solchen Klettverschlusses √ľberhaupt ist. Aber das beherrscht sie bald wie aus dem Effeff, wetten? Wir bleiben jedenfalls dran …

Kommen wir zum Spielen. W√§hrend ich weiterhin vorrangig f√ľr das k√ľnstlerische (Malen, Singen etc.) und sprachliche (Russisch, Englisch, Lesen etc.) zust√§ndig bin …

… k√ľmmert sich Carsten in erster Linie um das Variieren und die Zweckentfremdung von Gesellschaftsspielen – der Klassiker und Dauerbrenner ist hierbei schon seit Monaten dieses Memory:

Anfangs nahmen wir nur den hier schon öfters beschriebenen Sechserpack aus Wolke, Regenschirm und Huhn (die drei erkennt sie mittlerweile sofort) sowie Apfel, Birne und Möhre (hierbei kommt sie weiterhin ins Straucheln). Dann erweiterten wir auf die restlichen Kärtchen, die sie zunehmend auch erkannte und mittlerweile fast schon fehlerfrei benennt. Insbesondere hier merkt man, dass sie am Anfang noch völlig konzentriert und dadurch fehlerfrei ist, mit fortschreitender Zeit aber immer unkonzentrierter wird und dann mehr und mehr kleinere Hilfen benötigt.

Nun haben wir alles erweitert und am Mittwoch zum ersten Mal auch den bislang ausgemusterten Kartensatz mit den Umrissen bzw. Schatten dazu genommen. Ein Memoryp√§rchen besteht hier eigentlich aus einem bunten, aber gemalten Echtbild und einem Schattenbild bzw. nur dem schwarzen Umriss. Im richtigen Spiel gilt es also diese P√§rchen zu finden und aufzudecken – so weit ist Stephanie aber noch lange nicht. Doch sie bekam nun f√ľnf „Echtbilder“ vor sich gelegt und einen dazugeh√∂rigen Umriss, dann sollte sie das P√§rchen finden.

Wir waren echt beeindruckt, dass sie im direkten Vergleich der K√§rtchen kein Problem mit der Zuordnung hatte, aber man merkte das oben Erw√§hnte bzgl. der Konzentration schon sehr deutlich. Beim ersten Durchlauf mit allen Bildchen waren Affe und Banane kein Problem f√ľr sie und sie wusste auch, dass Affen gerne Bananen essen. Beim Durchlauf mit den Schattenbildern aber „fehlte“ ihr diese Info schon wieder und sie antwortete v√∂llig √ľberzeugt „Affen essen K√§se“. Erst mit unserer Hilfe („Affen essen Ba …“) kam sie auf die richtige L√∂sung. Ergo, das Wissen ist auf jeden Fall da, es wird eben nur nicht immer schnell gefunden. Ach ja, da ist ja wieder die Analogie zu Hund, Katze, Wuff und Miau    standard

Als Zusatztest haben wir ihr auch mal nur einzeln die Schatten des Sechserpacks gezeigt und hier ebenfalls das gleiche Bild wie mit den Echtbildern: Wolke, Regenschirm und Huhn erkennt sie auf Anhieb, Apfel, Birne und M√∂hre wiederum nicht, obwohl selbst die Schatten dieser drei Dinge mehr als eindeutig sein d√ľrften    traurig

Zum Abschluss möchte ich noch zwei Themen kurz anreißen.

Thema 1: Beim Warten auf den MDK haben wir von unserem Pavillon aus u.a. dem Treiben auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung zugeschaut, wo flei√üig f√ľr eine kleine Olympiade nach dem Mittag aufgebaut wurde. Zuerst hat Stephanie zwar bezweifelt, dass sie an den Stationen mit teilnehmen kann, doch am n√§chsten Tag zeigte ihr Stationsschein (unten rechts), dass es doch nicht so war, denn sie hatte ja schlie√ülich f√ľr alle sechs Aufgaben einen Aufkleber bekommen:

Hier scheint also immer jeder in alles mit involviert und einbezogen zu werden – wir finden das so toll! Somit bleibt es bei unserer Meinung und unserem Eindruck: diese Einrichtung war mitunter das Beste, was Stephanie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Rehastation passieren konnte.

Thema 2 zielt nat√ľrlich auf den Besuch des MDK ab. Stephanie hat ihre Sache recht gut gemacht und das Gespr√§ch mit der Dame verlief wie erwartet. Das Kind zeigte zum Gl√ľck keine √ľbertriebene Nervosit√§t oder ein ungew√∂hnliches Ausbrechen aus dem allgemeinen Zustand – bei Tests ist Stephanie leider immer etwas unberechenbar. Also stellte man „Frau Meier“ (das findet sie immer noch sehr komisch) Fragen, auf die sie Antworten wusste (Schmerzen, Geburtsdatum, Alter), aber dann auch welche, die sie zwar wahrheitsgem√§√ü, aber eben nicht richtig beantwortet hat … „Welchen Monat haben wir?“ – „Wei√ü nicht.“ … „Wo waren Sie vorher?“ – „Wentorf.“ … usw.

Jetzt hei√üt es f√ľr Stephanie, Carsten und mich sowie f√ľr die Einrichtung abwarten, bis dass der MDK aufgrund dieses Treffens samt Unterhaltung mit uns und dem Pflegepersonal eine finale Einsch√§tzung zum Pflegegrad abgibt. Stephanie kann zum Gl√ľck nicht viel dabei verlieren, aber auf uns kommt dann definitiv wieder etwas Arbeit zu, denn das Ergebnis m√ľssen wir ja an diverse Beh√∂rden und Institutionen verteilen, die daraus wiederum neue Berechnungen generieren und uns zur√ľckschreiben werden. Hoffentlich h√§lt sich der resultierende Papierkram in Grenzen … so viele Briefe, wie in den letzten paar Monaten, haben wir nicht mal in den vorangegangenen Jahren frankiert und verschickt.

Aber beenden wir diesen Blogeintrag doch mit etwas Sch√∂nerem als diese Erkenntnis – wir finden es jedenfalls immer ganz toll, wie sch√∂n und liebevoll man Stephanies Bett √ľber den Tag drapiert:

Oder was sagt ihr dazu?



2021 03.
Okt

Die richtig guten Nachrichten zuerst im Kurzticker:

  • die Krise von letzter Woche war gl√ľcklicherweise nur ein kleines und vor allem kurzes Strohfeuer … wir drei haben uns am Dienstag dar√ľber ausgesprochen, sie hat sich unendlich oft entschuldigt und es wurden auch gleich mal die n√§chsten Ziele von ihr festgelegt, an denen wir nun eifrig arbeiten
  • in der 42. KW ist die Entfernung der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie = k√ľnstlicher Mageneingang) geplant … Stephanie freut sich wie Bolle und damit verbleibt am Ende mit dem Urostoma (k√ľnstlicher Blasenausgang bzw. SPK) nur noch ein einziger Dauerschlauch an ihrem K√∂rper
  • unser Kind ist seit Donnerstag vollst√§ndig durchgeimpft … willkommen im Club der 2G-Nutzer
  • Stephanie sagt auch, dass sie wohl schon die positive Wirkung der Botox-Behandlung bemerkt, denn Linki ist ihrer Meinung nach noch etwas freier in der Bewegung geworden und in den Beinen hat sie nun sehr viel weniger Kr√§mpfe

Und mit diesen Stimmungsaufhellern verlief die letzte Woche auch insgesamt wie am Schn√ľrchen. Wir haben viel ausprobieren k√∂nnen, viel ge√ľbt und nat√ľrlich auch wieder ein paar kleinere Erfolge erzielt.

Mit unserem „Geschmack des Tages“ m√∂chten wir Stephanie im Rahmen ihres erlaubten Kostplans wieder langsam an die vielen kulinarischen Gen√ľsse heranf√ľhren und auch ausloten, was sich geschmacklich bei ihr eventuell ge√§ndert haben k√∂nnte: am Dienstag gab es auf ihrem Brot Zunge als Wurstscheibe (fand sie so lala), am Donnerstag Bierschinken im Ganzen (zugegeben, Wurst ohne Brot ist unfair, denn welcher Nichtvegetarier/-veganer w√ľrde das nicht m√∂gen?!?), am Samstag Rindermett (diese Form des „Hackepeters“ haben wir selbst erst hier im Norden kennen- und (wie unser Kind) mittlerweile lieben gelernt) und heute verw√∂hnte ich sie mit einer frischen Avocado.

Doch die gr√∂√üte √úberraschung gab es gestern zum Fr√ľhst√ľck, wo sie zu ihrem s√ľ√üen Br√∂tchen mit Belag auch noch zwei St√ľcke Pfirsich und zwei St√ľckchen Ananas bekam:

Ananas war ja eigentlich noch nie so richtig ihr Ding und bei der Beschreibung von Pizza Hawaii zeigt sie auch heute noch trotz ihres Ged√§chtnisverlusts nicht gerade ein Das-will-ich-essen-Gesicht. Doch pur scheint sie nun echt Freude dran gefunden zu haben – wir waren etwas baff. Gut zu wissen …    standard

Bei den neu eingef√ľhrten √úbungen hielten wir uns u.a. an ihren Wunsch, als Freizeitbesch√§ftigung zuerst das Lesen wieder durchf√ľhren zu k√∂nnen. Ergo besorgten wir ihr Zeitschriften und packten diese in eine Art Rollirucksack, mit denen sie ab jetzt immer dann trainieren kann, wenn ihr danach ist … nat√ľrlich, wenn ihr jemand zuvor jene herausholt und sie vor ihr auf den Tisch legt. Doch unsere erste Aufgabe war zun√§chst das Erlernen des Umbl√§tterns:

Zwar erwischt sie noch zu oft mehr als nur eine Seite, aber die Feinmotorik und F√§higkeit, mit den zum Teil auch mal durch Lecken angefeuchteten Fingern zu arbeiten, wurde von Besuch zu Besuch sichtbarer. Sie scheint wohl auch schon selbst hier und da mal zu √ľben und sich die Bilder und Texte anzuschauen. Der Anfang w√§re damit gemacht.

Am Donnerstag musste sie uns eine Postkarte vorlesen, die sie von einer Therapeutin bekommen hat, die derzeit in Dresden und der S√§chsischen Schweiz Urlaub macht. Das Lesen des Textblocks klappte dabei sogar schon √ľberraschend gut und Stephanie hat sich eigentlich nur einmal in der Zeile vertan und somit die richtige Stelle verloren, doch sie brauchte nicht lange, um sie wiederzufinden und weiterzulesen.
Heißt: wer also Lust hat, kann ab sofort gerne ein paar Zeilen auch direkt an sie schicken Рob als Brief, als Postkarte oder auch als Email. Falls es nicht mehr bekannt sein sollte, die Postadresse findet ihr hier und die Emailadresse setzt sich bei uns allen aus Vorname.Nachname@marvinchen.de zusammen. Wir werden ihr dann alles bei unserem nächsten Besuch mitbringen und sie selbst durchlesen lassen.

Wie schon im letzten Blogeintrag angedeutet, haben wir auch weiterhin das Schmieren ihres Brotes zum Abendessen ge√ľbt und es zeigen sich sogar schon erste Erfolge – doch ganz alleine geht es nat√ľrlich noch nicht. Und auch das Hunde-Memory kam wieder zum Einsatz, diesmal mit der Variante, dass vor ihr ein Welpenbild mit abgedecktem Rassenamen liegt und sie aus vier m√∂glichen Fotos von ausgewachsenen Hunden das m√∂gliche Elternteil heraussuchen muss:

Dabei soll sie auf hundetypische Merkmale, wie z.B. Farbe, stehende oder h√§ngende Ohren, L√§nge der Beine oder des Fells, Kopf, Gesicht und Schwanz achten und erst danach ihre Auswahl durchf√ľhren. Manches schlie√üt sie von Vornherein aus uns schiebt diese Karten dann weg, aber manchmal ist sie auch schon bei vier Karten sehr zielsicher. Auf dem Foto ist wohl eindeutig die Farbe der entscheidende Hinweis gewesen    zwinker

Einmal hatten wir sogar das Gl√ľck, dass sich ein echter Hund dazugesellte und Stephanie war au√üer sich vor Freude. Das Streicheln mit Linki gestaltete sich allerdings etwas suboptimal …

Egal, sie war gl√ľcklich und aus dem H√§uschen und sie wei√ü mittlerweile auch ganz genau, dass Hunde „wuff“ und Katzen „miau“ machen … war ja anfangs nicht immer so, ihr erinnert euch sicherlich noch.

Eine weitere praktische √úbung war diese Woche das Einfordern ihrer aktiven Hilfe beim Anziehen einer Strickjacke oder eines Pullis. Das Wetter h√§lt sich hier im Norden zwar erstaunlicherweise immer noch ganz gut und Regen bleibt in der Regel w√§hrend unserer Besuche aus, aber drau√üen zu sitzen wird nach ein paar Stunden durch die K√§lte und den Wind zunehmend ungem√ľtlich, sodass wir jetzt immer √∂fter reingehen m√ľssen. Bis dieser Schritt aber auch f√ľr unsere K√§lteliebhaberin (ihr Credo war ja schon immer „Island ist ein besseres Urlaubsland als Spanien“) unausweichlich ist, ziehen wir ihr erst mal eine w√§rmende Schicht √ľber. Und das Einf√§deln der Arme sowie das Hochziehen der √Ąrmel √ľberlassen wir dabei immer mehr ihr. Selbst mit Linki fasst Stephanie den Stoff mit Daumen und Zeigefinger an und zieht alles St√ľck f√ľr St√ľck nach oben, bis die vorher eingepackte Hand frei liegt – noch mit sehr viel Hilfe, aber in ein bis zwei Wochen hat sie das sicherlich auch wieder alleine drauf.

Doch der gr√∂√üte und zeitintensivste Block wird derzeit f√ľr das Neuerlernen des Schreibens genutzt. Angefacht wurde dies durch eine Therapeutin, welche mit Stephanie selbst schon damit anfing und uns deshalb √úbungen f√ľr die Handmotorik herausgesucht und mit einer Notiz ins Postfach gelegt hat … „vor allem, damit Stephanie wieder Schreiben lernt und sich traut es auszuprobieren.“

Dieser Aufgabe wollen wir sehr gerne nachkommen, doch leider zeigte sich, dass Stephanie das Nachzeichnen von Figuren und Buchstaben fast gar nicht beherrscht und uns immer nur fragend anschaute, was wir denn eigentlich von ihr wollen. Also fingen wir zunächst mit einfacheren Übungen an, um die Handhabung des Stiftes zu verinnerlichen, Striche und Linien zu zeichnen und vor allem, um ihr immer wieder zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen Рdenn nur dann bleibt sie auch mit Spaß und Eifer dabei.

Wir starteten mit Trocken√ľbungen auf einem wei√üem Blatt Papier, bei der sie Punkte verbinden oder auch mal Carstens Stift folgen sollte:

Hierbei ging es uns vor allem darum, bei ihr ein Verständnis aufzubauen, was mit dem Stift möglich ist und was man wie nachzeichnen oder verbinden sollte.

Dann wollten wir schon etwas koordinierter vorgehen und sie nach einem bestimmten Schema „malen“ lassen. Carsten hatte daf√ľr ein paar der sicherlich jedem bekannten Bilder ausgedruckt, bei denen man Punkte von 1 bis irgendwas verbinden soll und am Ende zeichnet sich dadurch eine Figur oder ein Ding ab.

Sie war voll konzentriert, hochmotiviert und es klappte auch gleich schon beim ersten Mal ganz wunderbar:

Dass es sich hierbei allerdings um eine Birne handelte, das erkannte sie nat√ľrlich nicht    zwinker

Auch auf dem Bild 2 hat sie alle Punkte toll verbunden, aber auch hier konnte sie das final sichtbare Tier nicht benennen (siehe rechts):

Doch darauf kam es ihr uns uns ja auch gar nicht an. Das Verbinden und die Handhabung mit dem Stift war das Ziel und bis hier hatten wir durchschlagenden Erfolg. Wir stellten nur immer wieder fest, dass sie die Zahlen nicht registrierte, die sich hinter ihren Fingern oder dem Handr√ľcken befanden. Sie hat aber auch kein Gef√ľhl daf√ľr, dass sie diese einfach nur durch sich selbst verdecken k√∂nnten – der fehlende √úberblick und der nicht vorhandene Orientierungssinn f√ľr die Suche schlugen ihr erneut ein Schnippchen …

Und ab Bild Nummer 3, 4 und 5 l√§sst sie zudem ihre Konzentration im Stich, denn ab da verliert sie immer mehr den Faden. Wie schon letzte Woche beschrieben, ist hier leider deutlich der Nebeneffekt „Kleinkind vs. Erwachsener“ offensichtlich: das Kleinkind in ihr baut sehr schnell ab und sie ger√§t v√∂llig neben die Spur. Dann hei√üt es genug ge√ľbt, Zeit f√ľr Ablenkung und Zerstreuung schaffen. z.B. mit einem leeren Blatt, auf das sie malen k√∂nnte, was sie nur will. Doch hier verliert wieder das Kleinkind, was sicherlich sofort drauflos malen w√ľrde (Baum, Haus, Sonne etc.), und Stephanies Erwachsenenbewusstsein l√§sst sie ideen- und phantasielos auf das Papier starren. Hier braucht sie dann doch etwas Input und eine Vorgabe, was sie denn malen soll. Allerdings, wenn man ihr erneut etwas vorgibt, z.B. ein Haus oder ein Schriftzug, meldet sich das Kleinkind und fragt „Wie geht das?“ … ein Teufelskreis, denn sie m√ľsste zwar zun√§chst erst einmal alles lernen, aber am Ende darf diese Lernperiode dann auch nicht all zu lange dauern. Dabei sitzt sie eigentlich auf hei√üen Kohlen, denn es geht ihr so nicht schnell genug.

Wir sind echt gespannt, wann und wie wir dieses „Hindernis“ √ľberwinden werden und vor allem, wann wir das Kleinkind vom Alter her einschulen k√∂nnen … so kann Stephanie zwar schon gut lesen, aber nicht selbstst√§ndig schreiben, auch nicht mit einem direkten Abgucken des zu schreibenden Wortes und am Ende leider auch nicht, wenn sie auf dem Wort nur die Linien nachziehen m√ľsste. Aber unsere Zeit wird kommen und eines Tages schreien wir „Heureka!“ in die gro√üe, weite Welt hinaus …     zwinker