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Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2022 31.
Mrz

Stephanies erste Woche im Pflegezentrum ist rum und eigentlich war es gar nicht so schlimm, wie ich anfangs befĂĽrchtet habe. Sie hatte ihre Therapien und war somit oft beschäftigt, aber dazwischen kam immer wieder mal so etwas wie Langeweile auf – doch klagen tut sie ĂĽberhaupt nicht! Das sind dann ihre Worte: „Mama, is‘ halt so.“    *seufz*    meine Kleene …

Da sie am Dienstag ein volles Programm hatte – Orthesenanprobe, Botoxbehandlung an den FĂĽĂźen und Therapie mit der Logopädie – wollten Carsten und ich stattdessen am Mittwochnachmittag zu ihr fahren. Am Ende bin es leider doch nur ich alleine gewesen, da mein Mann sich ausgerechnet zu der Zeit auf Arbeit mit einer kleinen Havarie rumschlagen durfte.

Stephanie und ich nutzten unsere Zeit teils drauĂźen und teils im Zimmer. Gegen 19 Uhr konnten wir sogar etwas ausgedehnter mit Carsten telefonieren und insbesondere hier zeigte sich, was wir uns schon insgeheim gedacht haben: ihre Aussprache wird tatsächlich zusehends verständlicher. Er musste nur noch ganz selten nachhaken und sie den letzten Satz wiederholen lassen. Bei unseren gemeinsamen sechs Wochen waren wir uns ja noch nicht so ganz einig darĂĽber, ob ihre Verbesserung oder unsere Gewohnheit der Grund fĂĽr das gute Verstehen gewesen ist. Durch das Telefonieren, also die Kommunikation ohne Mimik und Gestik, tendieren wir nun mehr zur Verbesserung … wir finden das ganz ganz toll!!!

Und dann ging es auch schon wieder fĂĽr uns ab ins gemeinsame Wochenende. Unser ukrainischer Gast war bei der Kindesabholung ebenfalls mit dabei, da wir in LĂĽneburg wie frĂĽher immer zum Wochen(end)einkauf in den Kaufland wollten. Das Wetter war herrlich und somit saĂź Stephanie schon drauĂźen und wartete auf uns bzw. begrĂĽĂźte zuerst Sveta, da wir erst noch zur Anmeldung mussten:

Sprachlich hakt es zwar noch etwas zwischen den beiden, aber Sveta lernt schon fleiĂźig die deutsche Sprache und das Kind gräbt immer mehr ihrer Russischkenntnisse aus. Herrlich …

Das sommerliche Wetter nutzten wir am Samstag in vollen ZĂĽgen aus und unternahmen mal wieder eine Ă–PNV-Tour nach Hamburg – Carsten und Stephanie sind ja jetzt schon Profis fĂĽr die gebotenen Möglichkeiten    zwinker

Wir vier sind gegen 9:30 mit dem Bus (Niederflur & Rampe) …

… mit der S-Bahn (spezielle Rolliabteile) …

… und der U-Bahn (gekennzeichnete, deutlich erhöhte Bahnsteigbereiche) …

… zum Tierpark Hagenbeck gefahren, wo wir uns fĂĽr diesen Tag (nur) das Tropen-Aquarium vorgenommen haben. Den Zoo wollen wir dann mal im späteren FrĂĽhjahr oder Sommer besuchen, wenn die ganzen Tiere wieder etwas agiler sind und sich nicht noch halb im Winterschlaf, in der Winterruhe oder gar in der Winterlethargie befinden    standard

Für Stephanie war allein schon die Fahrt hierher ein Erlebnis und ich bin immer wieder begeistert, wie gut sie eigentlich mit ihrer gesamten Situation zurechtkommt. Klar, sie ist nie alleine unterwegs und Carsten übernimmt dabei den größten Anteil im Hinblick auf Transport & Co., aber ich habe sie bislang auch nie mosern gehört, dass sie dieses oder jenes nicht kann. Vor allem, wenn sie aufgrund ihrer geringen Bewegungsfreiheit nicht so viel sieht oder sich eben nicht wie wir irgendwohin strecken kann.

Schon der erste „Raum“ ging richtig gut los … wer es aus dem Fernsehen kennt („Leopard, Seebär & Co.“ im NDR), weiĂź wovon ich rede: Auge in Auge mit den Kattas – ohne Gitter und Absperrung. Doch leider hat sich keines der Tiere zu mir oder gar zu Stephanie auf den Rolli getraut – das wäre echt DAS Highlight gewesen!

Kurz zur Erklärung: es heiĂźt zwar „Tropen-Aquarium“, aber unter dem Dach sind auch noch Terrarien, GroĂźreptilien und ein paar Säugetiere mit untergebracht. So z.B. die Klippschliefer, die Stephanie ebenfalls sehr interessant fand:

Aber dann offenbarte sich schon die erste große Einschränkung für sie, denn wo sich Sveta bei der störenden Spiegelung nur an die Glasscheibe lehnen musste, ist für das Kind leider kein Rankommen möglich    traurig

Doch hat sie genörgelt? Nö, is‘ halt so!    *vormutterstolzplatz*

Auch die Sicht auf die Krokodile war nicht immer perfekt, denn eines lag zwar recht gut im Blick, aber fĂĽr das zweite musste man sich ĂĽber die BrĂĽstung lehnen. Somit also leider unerreichbar fĂĽr Stephanie.

Doch wir hatten auch viel Glück und sie konnte die ein oder andere Tierart erspähen, obwohl sie sich zu verstecken versuchte:

Doch bei sowas war sie dann einfach chancenlos:

Keine Angst, auch ich habe viel mit dem Kind gesprochen und mich ausgetauscht, selbst wenn die Fotos das gerade nicht so hergeben. Carsten übernahm eben hauptsächlich das Schieben von Stephanie und ich das Übersetzen für Sveta.

Doch dann ging es endlich „hinab“ in die Unterwasserwelten …

… und vor allem bei den groĂźen Fenstern haben wir vier uns hingesetzt und lange sowie ausgiebig den Fischen bei ihrem munteren Treiben zugeschaut:

Die ganzen Landschaften sind einfach mit so viel Liebe zum Detail gemacht und laden definitiv ein paar Minuten zum Verweilen ein:

Und wieder musste ich tief seufzen, denn ich vermisse das Schnorcheln im Urlaub soooooo sehr! Dabei ist es mir egal, ob in einem Ozeanriff (oben) oder in einem FluĂź (unten) – Hauptsache alle Viere von sich strecken, vom Wasser getrieben werden und den Blick umherschweifen lassen.

Dieses Nemo-Becken wird Stephanie noch SEHR lange in Erinnerung bleiben und das sogar in zweierlei Hinsicht:

Zum einen wegen der vielen aufgekratzten Kinder, die stets und ständig lauthals schrien „TAUSENDE NEMOS!“ und alle anderen zum Herkommen gerufen haben. Zum anderen aber auch wegen eines witzigen Fisches, der stur seine Runden drehte und alle 30 Sekunden mit einer Megageschwindigkeit und -ausdauer an einem vorbei geschwommen ist:

Wir – und vor allem das Kind – haben darĂĽber Tränen gelacht!!!

Sehr viel bedächtiger und gemächlicher ging es da am Aquarium mit den hochgiftigen Rotfeuerfischen zu:

Dann folgte der ganze Stolz des Aquariums: das Hai-Atoll mit einer 14 Meter langen, 6 Meter hohen und 22 Zentimeter dicken Acrylglasscheibe, die mit ihren 26 Tonnen in fĂĽnf Einzelteilen aus Japan hierher transportiert worden ist. An die 1,8 Millionen Liter fasst dieses „Becken“ und gilt damit als eines der größten Deutschlands. Davor hat man eine stadionartige TribĂĽne aufgebaut, um ungestört die Blicke in die Meereswelt schweifen lassen zu können:

Wir waren jedenfalls äuĂźerst begeistert …

Leider war es aber auch schon fast der Abschluss des Rundgangs. Beim Rausgehen führte dieser noch einmal kurz durch den Raum mit den Krokodilen, wo sich zudem auch ein paar Vögelchen aufhielten.

Stephanie und Vögel geht immer – im Pflegezentrum liebt sie vor allem die „Spatzis“, die sie von ihrem neuen Zimmer nun nicht nur sehen, sondern zudem lautstark hören kann … manchmal leider auch noch während des Einschlafens, was dann eben nicht so gut klappt    zwinker

Doch zurĂĽck zu den Vögeln im Zoo. Hier war ihre Sitzposition wieder sehr ungĂĽnstig und sie konnte die flinken Vögelchen nur kurz beim Fliegen sehen, aber nicht, wenn sie sich auf Seilen oder Ă„sten niedergelassen hatten. Schade fĂĽr sie, aber dafĂĽr mache ich ja auch immer so viele Fotos …

Wir hatten noch Zeit (es war erst nach Mittag) und entschieden uns für einen Abstecher zu den Landungsbrücken, die Carsten und Stephanie zwar schon vor zwei Wochen besucht hatten, aber dennoch gönnten die beiden Sveta und mir ebenfalls das Vergnügen.

Zumal Stephanie derzeit eigentlich alles recht ist – Hauptsache raus!    zwinker

Allerdings war im Gegensatz zu ihrem damaligen Besuch sehr viel mehr Trubel an den Anlegestellen …

… doch eines kann man den Leuten hier nicht vorwerfen: sie waren weder rĂĽcksichtslos, noch unfreundlich. Mit Carsten und dem Rolli als „Eisbrecher“ wurde uns immer recht schnell Platz gemacht, keiner rempelte Stephanie an und sowohl hier als auch in den Ă–ffis wurden wir immer wieder mal gefragt, ob man denn helfen könne. DafĂĽr liebe ich diesen nordischen Menschenschlag hier: zwanglos, zuvorkommend und stets fĂĽr einen kurzen Schwatz gut. Sorry, aber in Sachsen bzw. Dresden haben wir sowas von Einheimischen und Touristen etwas seltener erlebt.

Der Hunger trieb uns dann in die Fänge einer Fischbude, wo Stephanie ihre Portion Pommes mit Kibbelingen bekam und der Rest von uns Fischbrötchen sowie das ein oder andere Bierchen:

Wir hatten danach immer noch etwas Zeit, also durfte auch ich einmal den Alten Elbtunnel kennenlernen.

Am Aussichts- und Verweilpunkt auf der anderen Elbseite genossen wir (ja, auch wenn Stephanies Gesichtsausdruck es auf diesen Fotos nicht so ganz eindeutig wiedergibt) den Ausblick …

… und unsere, auf der Hinfahrt im Hauptbahnhof gekauften Donuts:

Der Einhorndonut (unten links) musste ein wenig beim Transport leiden, aber der Shaun-Donut (stilecht mit Schafskopf) ist doch einfach nur goldig, oder? Am leckersten war aber eindeutig der Toffifee-Donut (Reihe oben), von dem Carsten sogar gleich zwei mitgebracht hat!!!

Satt und erneut durch den Alten Elbtunnel gelaufen, sind wir mit dem Ă–PNV wieder verletzungsfrei und problemlos nach Hause gefahren.

Da es wahrscheinlich keinem so richtig aufgefallen ist, haben sich Stephanie und ich in der Residencia OLCA noch einmal gemeinsam damit abfotografieren lassen:

Dieses handgearbeitete Glasherz in den ukrainischen Landesfarben habe ich von einer Freundin erstanden, die mit ihrer Idee bzw. Aktion sogar schon an die 2.000 Euro Spendengelder sammeln konnte.

Apropos Kunsthandwerk: am Sonntagmittag sind Sveta und ich zu einem österlichen Kunsthandwerk-Markt im Schloss Reinbek gegangen …

… während das Kind und Carsten schon mal alles Notwendige fĂĽr das abendliche ZurĂĽckbringen ins Pflegezentrum zusammengesucht und vorbereitet haben.

Das Kleinste waren dabei Nägel, das Größte definitiv Stephanies neuer 48″-Fernseher, den wir ihr dann innerhalb von drei Stunden aufgebaut …

… und mit einer Kette gegen Kippen abgesichert haben sowie die grundlegenden Sender einprogrammieren konnten:

Man hat uns gegen 21 Uhr sehr sehr freundlich „rausgeworfen“ (normalerweise endet die Besuchszeit gegen 18 Uhr und vor 20 Uhr liegt Stephanie in der Regel schon gewaschen und umgezogen im Bett!), sodass wir die Restarbeiten erst beim nächsten Besuch erledigen konnten.

Deshalb aber von unserer Seite noch einmal vielen lieben Dank an das an dem Abend diensthabende Personal fĂĽr die Geduld mit uns und die Erlaubnis so weit ĂĽberziehen zu dĂĽrfen. Es wird auch nicht mehr so schnell wieder vorkommen, versprochen!

Das soll es schon mit meiner Zusammenfassung dieser Woche gewesen sein. Auch an euch, liebe Leser, eine kleine Entschuldigung, dass es nun so viele Fotos geworden sind und dass ich derzeit immer weniger über ihre gesundheitlichen Erfolge berichten kann. Die sichtbaren Fortschritte und Übungen gehen fließend mit in den Versuch über, unserer Stephanie bei ihren/unseren Besuchen immer einen äußerst angenehmen Tag zu bereiten. Vor allem an den Wochenenden wollen wir das natürlich weniger mit Übungen in der Wohnung, sondern lieber mit Tagesausflügen schaffen. Deshalb dürfte der Samstag bei schönem Wetter zukünftig auch immer ein außerhäuslicher Abenteuertag werden, zumal wir mittlerweile immer besser im Umgang mit dem Rollstuhl das draußen werden und keine Angst bzw. Unsicherheit mehr haben, auch mal unbekanntes Terrain zu betreten.

Wir wissen ja nicht, wie es noch vor 20 Jahren war, aber in Bezug auf die Ă–ffis konnten wir bislang keine unĂĽberwindliche Hindernisse feststellen. Man muss nur etwas mehr Zeit einplanen, da man nicht immer den kĂĽrzesten Weg nehmen kann und vor allem auf FahrstĂĽhle, Rampen und abgesenkte Bordsteine angewiesen ist. Aber wie gesagt: wie war es noch vor 20 oder 30 Jahren? Sicherlich sehr viel schlimmer …



2022 22.
Mrz

Jetzt ist es wirklich passiert: wir haben Stephanie am Sonntagabend nach LĂĽneburg ins Pflegezentrum gebracht … und es fĂĽhlte sich anfangs sooo falsch an. Wir kamen uns auf der Heimfahrt ein wenig wie Verräter vor – blöd, nicht? Doch solche Gedanken hatten wir damals auch schon, als die Entscheidung getroffen wurde, sie nicht mehr jeden Tag zu besuchen. Da hatten wir am ersten Abend in der Wohnung genau das gleiche GefĂĽhl …

Die letzten sechs Wochen kommen uns wie Monate vor, aber nicht wegen der zusätzlichen Arbeit und der schon etwas fremdgesteuerten Freizeitbeschäftigung, sondern mehr aufgrund der vielen Dinge, die wir gemeinsam erleben durften. Wir haben mal in unseren Gedanken gesammelt und die Liste der Erinnerungen ist echt lang geworden: zweimal Notaufnahme, mehrere Besucher, zahlreiche Ausflüge, Stephanies Geburtstag im Februar, unser Hochzeitstag eine Woche später, das Erlernen neuer Dinge, die spontane Fahrt nach Berlin für Sveta und vor allem unsere vielen gemeinsamen Stunden mit unheimlich intensiven Gesprächen. Das sollen nur sechs Wochen gewesen sein? Im Kopf nie und nimmer!

Und dann folgte das, was wir immer wieder herausgezögert haben: Packen.

Spätestens hier kam die erste Traurigkeit auf, aber zum GlĂĽck flossen selbst beim Abschied keine Tränen – ich war jedenfalls kurz davor und hätte vom Kind auch so etwas erwartet. Aber wir hielten uns alle ganz tapfer und freuten uns lieber innerlich auf das nächste Wiedersehen in der Woche und vor allem das kommende Wochenende wieder hier in Wentorf.

Zudem war da ja auch noch der Einzug ins neue Zimmer, welches anfangs noch total nackt war …

… aber durch ihr Regal und vor allem ihre Fotos wurde es nach ca. drei Stunden Umzugsarbeiten durchaus wieder etwas heimeliger:

Ich bin echt gespannt, wenn sie uns morgen von ihren ersten Tagen, EindrĂĽcken und Erlebnissen aus dem Pflegezentrum berichten wird. Denn im Gegensatz zu den letzten sechs Wochen haben wir diesmal von ihrem Tagesablauf ja nicht viel mitbekommen. Im gemeinsamen Alltag unter der Woche und bei den Höhepunkten des Wochenendes waren wir schlieĂźlich immer hautnah mit dabei … genau da werde ich jetzt mal wieder ansetzten und einen kleinen Einblick geben.

Während unseres Home-Office-Alltags hat sie sich wie bisher auch ganz brav mit Lesen …

… Social Media, Apps, Wordle und Puzzeln …

… die Zeit vertrieben. Bei Letzterem verliebte sich sich vor allem in das Geschenk einer langjährigen Bekannten von mir, die unserem Kind ein Set aus drei 12-teiligen Holzpuzzle zuschickte. Bis auf wenige Ausnahmen und vor allem innerhalb ihrer Aufmerksamkeitsspanne bzw. Konzentrationszeit von ca. einer Stunde schafft sie diese fast ohne fremde Hilfe zusammenzulegen.

Und zu erwähnen ist natĂĽrlich auch das Hören von Musik – dank des tollen Wetters war dies zunehmend auf dem Balkon möglich:

Während dieser Stunden ist sie immer ganz ganz weit weg mit ihren Gedanken – Musik war und ist auch weiterhin ihr Leben!

Am Mittwochmorgen konnten wir uns ausnahmsweise mal an diesem Anblick erfreuen:

Denn wir mussten früher aufstehen als sonst, da Sveta kurzfristig einen morgendlichen Onkologentermin in Hamburg bekommen hat. Carsten ist vor allem wegen der Fahrerei mitgekommen und somit konnte Stephanie nicht alleine zuhause bleiben. Während ich also mit Sveta bei der Ärztin war und dolmetschte, warteten die beiden im nahe gelegenen McDonalds und futterten sich durch das Frühstücksangebot:

FĂĽr Stephanie ein wahres Erlebnis, vor allem, da sie dort endlich den direkten Vergleich zwischen dem Original und unserer Sandwichmaker-Version der letzten Woche bekam – beides ist verdammt lecker!!!

Doch das größte Abenteuer war auf jeden Fall unser Ausflug nach BĂĽsum am Samstag – leider ohne unseren ukrainischen Gast, der die Nacht davor nicht so gut geschlafen hatte. Nach ca. zwei Stunden Autofahrt mit unserem Anhänger sowie einer unverhofft kurzen Parkplatzsuche sogen wir das maritime Drumherum so gut es ging in uns auf:

Im Fischereihafen gönnten Carsten und ich uns erst mal ein Fischbrötchen, Stephanie entschied sich fĂĽr Kibbeling mit Remouladensauce – fĂĽr die Unwissenden: frittierte FischstĂĽcke im Backteig. Danach erklommen wir den Deich und erhaschten einen ersten Blick auf die Nordsee:

Leider war vom Watt nicht viel zu sehen, da wir unseren ca. 6 km langen Deichrundgang während der Flut absolvierten, doch auch ohne diese Besonderheit strahlt diese Ecke hier so viel Schönheit aus. Wir genossen jeden Meter …

… freuten uns ĂĽber das sehr angenehme Wetter (nicht zu kalt und nicht zu windig) …

… und hatten zu jeder Zeit unseren SpaĂź:

Wirklich immer? Naja, fast immer …    zwinker

FĂĽr wen war diese Tour wohl am entspanntesten? Rrrrrrrrichtig …

Nur auf ein leckeres Steak mussten wir bzw. vor allem Carsten verzichten, da das angesteuerte Restaurant leider wegen Corona geschlossen hatte. Kurz vor dem dem Parkplatz wurden wir aber doch noch fündig und mussten die zweistündige Heimfahrt nicht mit knurrendem Magen bewältigen:

NatĂĽrlich gibt es auch in BĂĽsum genĂĽgend andere Restaurants, aber viele hatten (noch oder wieder) geschlossen, einige haben die Coronazeit nicht ĂĽberlebt (z.B. das „Luzifer“) oder sie sind eben nicht so ohne weiteres mit einem Rollstuhl zu befahren (z.B. „Gosch“). Doch egal, die CurrywĂĽrste mit Pommes haben uns nach dem Spaziergang auch sehr gemundet und glĂĽcklich gemacht. Oder können diese Gesichter etwa lĂĽgen?    zwinker

Was Sveta während dieser Zeit genau gemacht hat, wissen wir nicht, aber sicherlich verbrachte sie auch ein paar Momente an bzw. in ihrem derzeitigen Lieblingsplatz bei uns:

Und damit bin ich auch schon mit der Beschreibung der 76. Woche durch … ĂĽber die erreichten Dinge von Stephanie werde ich sicherlich in den nächsten Beiträgen etwas mehr eingehen, denn wie ich schon beim letzten Mal beschrieben habe, ist während des täglichen Umgangs mit ihr nichts Weltbewegendes festzustellen, da alles irgendwie so alltäglich scheint.

Doch jetzt nach zwei Tagen ohne das Kind fallen mir spontan schon ein paar Dinge ein: sie putzt sich selbstständig die Zähne, selbst mit nur einem Finger auf der Tastatur schreibt sie recht flott längere Texte und ich finde, dass sie ihren Körper noch viel besser in den Griff bekommen hat. Gut, die Spastik wirkt sich oft noch sehr hinderlich aus, aber Stephanie gibt nicht auf und versucht eben auch diese Körperteile immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen. Vor allem die linke Hand kommt dabei vermehrt zum Einsatz und beim Essen guckt sie bei uns zunehmend die aufrechte bis hin zur nach vorn gebeugten Sitzhaltung ab, um möglichst wenig auf ihren Kleidungsschutz zu kleckern. Vor allem hinterfragt sie immer mehr und mehr Dinge und möchte dann von uns auch das Wie und Warum wissen. Sie will definitiv zurĂĽck zur Normalität und zu ihrer Unabhängigkeit und kämpft mit allen Möglichkeiten – Bravo, weiter so meine Kleene!!!



2022 17.
Mrz

Ich kann es einfach nicht fassen, wie schnell doch schon wieder eine Woche vorbei ist … erneut hinke ich gnadenlos mit dem Blogeintrag fĂĽr die letzte Woche hinterher    traurig    tja, mit Stephanie und Sveta wird es eben nicht langweilig. Ja, Stephanie ist nun schon die 6. Woche am StĂĽck bei uns. Doch Sonntag könnte es wohl endlich klappen und sie kann dann endlich in ihr eigenes Zimmer einziehen – wir sind ja alle sowas von gespannt!!!

Doch was hat sie in der fĂĽnften Woche so erlebt und sich wobei evtl. weiterentwickelt? Ersteres könnte man chronologisch aufzählen (das möchte ich diesmal aber nicht tun) und zweiteres ist echt schwer einzuschätzen, wenn man tagtäglich mit Stephanie zu tun hat. Es ist ein wenig so wie die GroĂźelternphrase „Mensch Kind, Du bist aber groĂź geworden!“ … fĂĽr uns ist vieles so normal geworden, dass wir einfach nicht mehr den direkten Vergleich zum Wie-war-es-mal-vorher haben. Sie isst mit uns am Tisch und kleckert immer weniger, sie puzzelt weiterhin unheimlich gerne und wagt sich auch immer wieder mal an neue Motive ran (i.d.R. 15-20 Teile), sie lässt uns im Home-Office relativ ohne Unterbrechung durcharbeiten, sie versucht immer mehr Handgriffe von uns zu kopieren und sie lässt sich auch immer mehr zeigen, um es dann relativ erfolgreich nachzumachen.

Unsere Vergleiche werden sicherlich erst wieder differenzierter, wenn wir sie nur am Wochenende bei uns haben und sie die Wochentage im Pflegezentrum verbringt. Ehrlich, wir lassen sie definitiv mit einem lachenden (endlich wieder etwas mehr Herr ĂĽber die eigene Freizeit) und einem bitterlich weinenden Auge (sie wird uns im Alltag so sehr fehlen) gehen.

Wie schon angedeutet, will ich heute aber weniger ĂĽber die „Standards“, wie z.B. Schreiben, Puzzeln, Sprechen, Trainings etc., berichten, sondern mehr ĂĽber unsere AusflĂĽge und Erlebnisse.

Womit verbrachte sie in der Woche so die freie Zeit zuhause?

Zum einen mit dem Genießen des Wetters auf dem Balkon und dem Hören ihrer Musik:

Sie hat nun eine Leidenschaft fĂĽr das deutsche Wordle entdeckt und stellt sich dabei echt nicht sonderlich dumm an:

Beim Beschäftigen mit ihren Holzklötzen wollte sie nicht nur von mir fotografiert werden, sondern auch gerne mal hinter der Kamera sein – voila:

Und wenn unser ukrainischer Gast Sveta und Stephanie Lust hatten und das Wetter stimmte, sind sie in der Siedlung spazieren gegangen bzw. gefahren:

Ich habe auch diese Woche weiter mit ihr in Fotoalben geguckt, um die alten Zeiten aufzufrischen und die Namen der Leute wieder in ihr Gedächtnis zu rufen:

Einen Abend haben wir vier gemeinsam unseren neuen Breakfast-Sandwichmaker ausprobiert, der am Ende sogar richtig gute und leckere Egg-McMuffins ausgeworfen hat:

Wir hätten echt nicht gedacht, dass das Werbeversprechen am Ende so gut klappt und vor allem der Eierteil so einfach gelingen könnte. Allerdings haben sich Carsten und Stephanie zuvor so einige YouTube-Videos angeguckt, um schon im Vorfeld etwas mehr über die Handhabung der zwei Abteile und des Trenners zu lernen. Mein Urteil: es hat sich echt gelohnt!

Ausnahmsweise ziehe ich jetzt mal kurz den Sonntag vor, denn der Samstag ist diese Woche mit Abstand Stephanies Höhepunkt geworden und soll somit auch ausreichend gewürdigt werden. Meiner Meinung nach ist am Sonntagnachmittag auf jeden Fall das niedlichste Foto von ihr entstanden:

Wir sind allesamt zu einem Treffen für ukrainische Flüchtlingen nach Reinbek gefahren und während Sveta und ich uns in dem Pfarrheim mit den Anwesenden auf Russisch und Ukrainisch unterhielten, durfte Stephanie den dortigen Hund nach Lust und Laune herzen:

Damit waren sie und Carsten auch sehr gut fĂĽr die insgesamt 1,5 Stunden beschäftigt – verstanden haben sie sicherlich (fast) kein Wort    zwinker

Doch nun zum Samstag! Es sind an dem Tag zwei Selfies entstanden, da wir getrennte Wege gegangen sind. Während Sveta und ich „nur“ einen Spaziergang durch einen Wentorfer Wald gemacht haben …

… haben Carsten und Stephanie auf die Ă–ffis zugegriffen und sind etwas weiter weg gefahren:

Der Kenner weiĂź Bescheid: sie waren in der Hamburger Innenstadt bzw. an den LandungsbrĂĽcken. FĂĽr Stephanie ein Mega-Event, denn die Menge an EindrĂĽcken musste sie am Ende noch lange verdauen.

Hier wurden ĂĽber 5 Stunden lang VergnĂĽgen (Wetter ausnutzen, Hamburg angucken, lecker essen) und Testen miteinander kombiniert: Wie verhält es sich mit dem Rolli im Ă–PNV? Gibt es ĂĽberall FahrstĂĽhle statt Treppen? Wo sind abgesenkte Bordsteine statt mit groĂźen Schritten runterzuhĂĽpfen? Und kommt man ĂĽberhaupt ĂĽberall durch? Fragen ĂĽber Fragen, denen sich die beiden am Ende erfolgreich gestellt und sehr sehr viel dazugelernt haben. FĂĽr Stephanie war der Ausflug natĂĽrlich eine Mordsgaudi und wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte der Trip sogar auch noch sehr viel länger ausfallen können    standard

Gegen 14 Uhr sind die beiden mit dem Bus (Niederflur) und der S-Bahn (Rollstuhlabteile) zum Hamburger Hauptbahnhof gefahren:

An einem Laden kamen sie dort natĂĽrlich nicht so ohne Weiteres vorbei:

Von dort tingelten sie dann über die Fußgängerzone, ein kurzes Stück an der Binnenalster entlang, über den Jungfernstieg, am Rathaus vorbei und an Fleeten und über Straßen bis zur Speicherstadt. Von da ist es dann auch gar nicht weit bis zu den Landungsbrücken:

FĂĽr Stephanie war bis hier schon alles Neuland, aber auch Carsten durfte sein Ersterlebnis haben, denn wir beide waren noch nie im Alten Elbtunnel, da immer irgendetwas dazwischen kam. Mit Stephanie hat er es nun geschafft und sie sind unterirdisch rĂĽber auf die andere Elbseite gegangen:

Das hole ich aber auch irgendwann mal nach    zwinker

Vor allem die Sicht von dort auf die Hamburger Skyline mit Elbphilharmonie, Speicherstadt, Michel und den LandungsbrĂĽcken muss besonders toll sein:

Nach diesem Ausblick sind sie auch schon wieder Richtung Wentorf aufgebrochen – durch den Alten Elbtunnel zurĂĽck, mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof (die Station „LandungsbrĂĽcken“ ist bzgl. Treppen und Fahrstuhl wohl ein kleiner Alptraum), mit der S-Bahn nach Reinbek (zum GlĂĽck mussten sie im Hbf den Bahnsteig nicht wechseln, denn beide FahrstĂĽhle waren defekt) und das letzte StĂĽck wieder mit dem Bus (hier lernte Carsten zum ersten Mal die Benutzung der eingebauten Rampe kennen und wie freundlich Mitreisende sein können).

Diesen Tag wird Stephanie nicht so schnell vergessen und wir haben ihr schon versprochen, dass es auch nicht ihr letzter (Ă–PNV-)Trip nach Hamburg gewesen ist. Wenn der FrĂĽhling und Sommer endlich mal Einzug gehalten haben, stehen noch sehr viel mehr AusflĂĽge auf unserer Wunschliste: Zoo Hagenbeck, Aquarium Hagenbeck, Hafen-City, Stadtpark u.v.m.

Davon dann zu gegebener Zeit an dieser Stelle mehr …



2022 10.
Mrz

Wir leben gerade in einer recht wilden WG, dessen Alltag aber eben auch ganz ganz viel Zeit in Anspruch nimmt … deshalb leider wieder diese arg verspätete Berichterstattung zur letzten Woche. Neben Stephanie, die immer noch coronabedingt bei uns ist (5. Woche), und unserer täglichen Arbeit im Home-Office haben wir nun seit Sonntagnacht auch noch eine ehemalige Studienkollegin von mir in der Residencia OLCA. Sie ist an mehreren Tagen von Charkiw ĂĽber Warschau und Frankfurt (Oder) bis nach Berlin geflĂĽchtet, wo wir sie dann am Hauptbahnhof mit dem Auto abholen konnten.

Derzeit bin ich nach der Arbeit noch mit Behördengängen, Übersetzungen und anderen organisatorischen Dingen beschäftigt, sodass mir einfach die Zeit zum Bloggen fehlt(e). Aus diesem Grund wird dies wahrscheinlich auch nur eine kleine Stephanie-Zusammenfassung, die zudem wohl hauptsächlich aus Bildern bestehen könnte.

Es bleibt glĂĽcklicherweise dabei, dass während wir unser Wochenkontingent im Home-Office erbringen mĂĽssen, sich Stephanie größtenteils selbst und mittlerweile auch ĂĽber Stunden u.a. mit …

… Spielen, Lego (nach Anleitung), dem iPad (z.B. Telegram, Facebook & Co.), der App „Endlosquiz“, …

… etwas Essensbeschaffung (ErdnĂĽsse, Babybel etc.), Schreiben, Tippen, Puzzeln, Musikhören, FuĂźbad u.v.m. beschäftigt. In der letzten Woche entdeckte sie aber auch mal wieder ihre Freude am Liegen in der warmen Sonne, denn das Wetter war ja echt klasse, oder nicht ?

Gemeinsam haben wir dann u.a. eingekauft …

… gekocht, gespielt, Filme geguckt, Nachrichten im Fernsehen verfolgt und neue Dinge ausprobiert bzw. geĂĽbt. So konnten wir uns auch mal an das Thema „Zähneputzen von Anfang bis Ende“ wagen. Das Putzen an sich kann sie schon seit ein paar Wochen autark, aber es gehört ja letztendlich auch ein wenig mehr dazu. Also erweiterte ich ihr Portfolio um das Ă–ffnen und SchlieĂźen einer Zahnpastatube (ca. 1 Tag ĂĽben) und das Auftragen von Zahnpasta auf die ZahnbĂĽrste (ca. 3 Tage):

Ich muss sagen, mittlerweile lege bzw. stelle ich ihr echt nur noch Zahnbürste, Zahncreme, Spuckschüssel und ein Glas Wasser auf ihren Rollitisch und hänge ihr ein kleines Handtuch um den Hals, den Rest erledigt sie ganz alleine. Manchmal ist zwar noch etwas bei der Putztechnik zu bemängeln, aber insgesamt kann sie ihr Zähneputzen schon von Anfang bis Ende durchführen, ohne Hilfe von uns zu bekommen. Für uns wieder mal ein ganz großer Fortschritt!

Ansonsten gab es die Woche nur drei erwähnenswerte „AusreiĂźer“ aus dem Alltag:

1.) Am Montag nutzten wir das Wetter und die Zeit nach der Arbeit noch fĂĽr einen Spaziergang durch die Siedlung und verlegten das Abendessen kurzerhand in den Wentorfer McDonalds:

Das Kind war sehr sehr glĂĽcklich, denn wir konnten dort sogar noch zwei Donuts ergattern!!!

2.) Am gleichen Abend lernten wir aber (leider) auch die Reinbeker Notaufnahme kennen, denn beim allabendlichen Bettritual merkten wir, dass ihre SPDK Probleme machte und kein Urin mehr durch den Schlauch abgefĂĽhrt wurde. Den Wechsel des Teils, welcher durch die Bauchdecke fĂĽhrt, kann wohl nur eine Urologie durchfĂĽhren (deshalb auch kein erneuter Besuch der Notaufnahme in Hamburg-Bergedorf) und man sollte damit auch nicht allzu lange warten. Also schafften wir Stephanie gegen 23 Uhr vom Bett ins Auto sowie den Rolli in den Anhänger und nach nur 90 min kamen wir wieder zuhause an – danach „plätscherte“ alles wieder wie gewohnt und das Warten war dieses Mal auch nicht ganz so anstrengend und lang. Aber: wir lagen alle erst nach Mitternacht im Bett und am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 6:00 …

3.) Am Mittwochnachmittag bekam Stephanie Besuch von einer ehemaligen Pflegekraft aus dem Gut WienebĂĽttel – die beiden verstanden sich in LĂĽneburg absolut super. Wir haben viel gequatscht und lecker zu Abend gegessen. Das Kind war auch diesmal ĂĽberglĂĽcklich, was will man mehr?!?

FĂĽr Samstag planten wir eigentlich eine Fahrt an die Nordsee, doch bei 5 Grad und starkem Wind konnten wir uns alle nicht so richtig dazu aufraffen. Am Sonntag absolvierten wir dann, wie oben bereits beschrieben, gegen 16:00 die spontane Autofahrt nach Berlin – 3 Stunden hin, 1 Stunde am Bahnhof warten und suchen, 3 Stunden zurĂĽck. Jetzt ist Sveta, so ihr Name, erst einmal bei uns untergekommen und wir sind nun im regen Austausch mit Behörden, Organisationen und anderen Gruppen, um die versprochene „schnelle und unkomplizierte Hilfe“ in Anspruch nehmen zu können – bislang mit sehr groĂźem Erfolg. Nein, hier kann und will ich wahrlich nicht ĂĽber die deutsche BĂĽrokratie oder Beamte meckern …

Leider spricht meine Freundin aus Charkiw (im Osten, nahe der russischen Grenze) nur Russisch und Ukrainisch, sie musste ihre gesamte Familie in der Ukraine zurĂĽcklassen (Schwiegermutter ist bettlägerig, Mann kĂĽmmert sich um sie, Tochter und Enkel sind im Westen des Landes untergekommen), ihr Gepäck bestand nur aus einem eilig zusammengepackten Rucksack (was wĂĽrdet ihr bei solch einer Flucht darin mitnehmen?) und zudem befand sie sich gerade mitten ihn einer Krebsbehandlung und Chemotherapie.  Aber dazu werde ich sicherlich beim nächsten Eintrag etwas mehr schreiben können, versprochen.

Ihr merkt, bei uns wird es nie langweilig    zwinker



2022 03.
Mrz

Die erste Woche unseres Home-Office zusammen mit Stephanie ist rum und wie gehofft, kann sie sich mittlerweile so lange und auch „selbstständig“ beschäftigen, dass sie uns nie sonderlich von der Arbeit abgehalten hat. Aber zugegeben, es ist schon etwas anstrengend, neben dem Kind und der, im Gegensatz zur Urlaubszeit mit bedeutend wenigeren Stunden Freizeit nun auch noch eine 40-Stundenwoche mit unterzubringen. Hinzu kommen zudem die derzeitigen Ereignisse in meinem Heimatland und vor allem in meiner Heimatstadt. Auch wenn ich glĂĽcklicherweise keine direkte Verwandtschaft mehr dort habe, versuche ich natĂĽrlich so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen (Nachrichten, Sonderberichte, Internet-Zeitungen und Soziale Medien aus westlicher, ukrainischer & russischer Sicht) und mit ehemaligen Kommilitonen und Freunden aus Charkiw in Verbindung zu bleiben. Obwohl ich nun ja schon seit fast 30 Jahren in Deutschland wohne (ich bin am 4. Juli 1992 ĂĽber die deutsch-polnische Grenze gekommen), geht einem das Ganze schon ganz schön nahe … Heimat bleibt Heimat, Geburtsstadt bleibt Geburtsstadt.

Aber bleiben wir bei Stephanie, hier ist sie schlieĂźlich die Protagonistin.

Wie geschrieben, während wir unsere Brötchen verdient haben und unserem Arbeitgeber wie gewohnt zur Verfügung standen, saß unser Kind immer in der Nähe und verbrachte die Stunden mit Training, Spiel, Spaß oder Entspannung.

D.h. sie puzzelte, hörte Musik, las, schrieb mit der Hand, antwortete ihren Kontakten im Chat, knackte ErdnĂĽsse, half, wo sie nur konnte beim Kochen, malte, chillte, ging einmal ihre gesamten Briefe aus der Zeit nach dem Vorfall durch und vieles mehr …

Sicherlich war dies fĂĽr ihre Genesung nicht immer das Beste und Sinnvollste – Therapien wären da definitiv viel besser – aber die BegrĂĽndung, warum wir sie nach dem gemeinsamen Urlaub nicht wieder zurĂĽck ins Pflegezentrum gebracht haben, gab ich ja schon im letzten Blogeintrag. Solange wir können, werden wir sie trotz Booster von einer möglichen Corona-Ansteckung fernhalten, denn im August 2020 hat ihre Lunge wahrlich schon genug abbekommen.

Das Wochenende brachte dann aber auch die willkommene Abwechslung – vor allem das Wetter hat uns hier oben sehr verwöhnt.

Am Samstag sind zwei ehemalige Geo-Kommilitoninnen aus Potsdam vorbeigekommen und haben viel Zeit mit Stephanie verbringen können … ohne uns Alten    zwinker

Bei strahlendem Sonnenschein (zugegeben, etwas kalt war es leider doch noch, aber dafür gibt es schließlich Kleidung und Decken) nutzen die drei die Gelegenheit und sind fast zwei Stunden lang im Wentorfer Casinopark herumspaziert. Stephanie schwärmt noch heute davon!

Da uns das Wetter auch am Sonntag so wohlgesonnen war, sind wir erneut mit unserem dick eingepackten Kind fast den ganzen Tag drauĂźen gewesen – diesmal bei einem mehr als dreistĂĽndigen Rundgang in der Wentorfer Lohe.

Dieses weitläufige Areal (ein ehemaliges Militär- und PanzerĂĽbungsgelände) lädt heute mit vielen recht gut ausgebauten Wegen und einer tollen Mischung aus Wiesen, Feldern und Wald zu kilometerlangen Spaziergängen ein – wir legten an dem Tag insgesamt 9,8 km zurĂĽck.

Zuerst an StraĂźen vorbei und durch eine Neubausiedlung aus Wentorf raus …

… wo wir gleich zu Anfang des Rundgangs an einer erstaunlich groĂźen Hundewiese vorbeikamen, an der wir natĂĽrlich sehr interessiert den Vierbeinern und Herrchen bzw. Frauchen ein Weilchen zuschauen mussten:

Doch dann machten wir uns auf den Weg, den Carsten vorher per Karte und Google-Maps ausfindig gemacht hatte, und wir genossen diesen FrĂĽhlingsausritt so sehr! Dies ist definitiv eines meiner Lieblingsfotos:

Echt toll, oder? Wir haben sogar daran gedacht, alles fĂĽr ein Picknick einzupacken.

Ausgerechnet am entferntesten Punkt unserer Tour wurden die Wege für ca. 150 m etwas abenteuerlich, denn die Sturmschäden der letzten Woche und das schwere Gerät, um diese zu beseitigen, hinterließen in einem moorähnlichen Waldabschnitt richtig schlammige Spurrillen:

Hier war ein Durchkommen mit dem Rollstuhl nur rückwärts möglich, da sich die kleinen Vorderräder beim Schieben sofort eingegraben haben. Doch wie erwähnt, blieb uns diese Passage zum Glück nur ein kurzes Stück erhalten:

Der restliche Weg war ĂĽberaus phantastisch fĂĽr Stephanies Rolli geeignet und somit bleibt uns dieser Spaziergang sicherlich noch sehr lange in guter Erinnerung – vor allem nach den letzten Tagen mit viel Regen und starkem Wind. Endlich mal wieder drauĂźen sein … herrlich!!!

Das soll es auch schon wieder gewesen sein, was es von der 73. Woche zu berichten gibt. Warum es diesmal so lange gedauert hat, bis ich sie zusammenfassen konnte, erfahrt ihr dann beim nächsten Mal. Keine Angst, es ist nichts Schlimmes … eher etwas total Schönes, was man gerne dem Schreiben vorzieht    standard