Juli
Nach einer längeren Pause wird es nun mal wieder dringend Zeit, ein wenig aus den Leben der OLCAs und vor allem über Stephanies Weg zur Genesung zu berichten. Wir waren viel unterwegs, haben ganz viel Kultur genossen und feilten erfolgreich weiter an Stephanies Fortschritten.
Mit Letzterem möchte ich dann auch gleich mal beginnen:
Wir können ihr Training nun immer mehr von der horizontalen Ebene (Kriechen bzw. Bewegen auf der Matte) in die Vertikale verlagern, ob mit Hilfsmitteln …


… oder auch schon ab und zu mal nur mit dem eigenem Gleichgewicht:

Da ihr das Stehen schon seit Monaten nicht mehr so viel Schmerzen bereitet, können wir nun fast schon jede Gelegenheit nutzen, sie zum Aufstehen zu animieren. Ob beim Transfer aus dem Auto heraus in den Rollstuhl, …

… für die Verabschiedung von Freunden …


… oder auch mit Bewegungsspielchen:

Sie ist damit in der glücklichen Lage, dass ein Stehen und Gehen immer realer erscheint – andere Rollstuhlnutzer sind dafür mitunter auf so etwas angewiesen:

Sie durfte diesen elektrischen Stehrolli einmal auf der IRMA-Messe ausprobieren und fand es kurzzeitig zwar spaßig, aber im Alltag wäre es für sie schrecklich. Deshalb bleiben wir definitiv weiter fleißig dran …

… und versuchen durch eine gewisse Erweiterung unseres Equipments im Bootcamp …

… erste Schritte bei der Zwischenstufe von Stehen (Füße fest auf der Erde) und Gehen (Gewicht auf einen Fuß verlagern) zu trainieren. Wie immer geht es ihr aber mal wieder nicht schnell genug … deshalb dieser enttäuschte Blick hier:

Also müssen wir ab und zu mit Spiel und Spaß die Laune heben …

… und dann wieder für schnelle und sichtbare Erfolge sorgen. Wie z.B. hier, wo sie mittlerweile völlig unverkrampft auf einem Pezziball sitzt:

An diese Sache können wir endlich einen Haken dran machen, nach gefühlten Monaten der Überredungskunst 😉
Als nächstes wollen wir sie ans Schaukeln heranführen und haben dafür bei einem Spaziergang eine ganz tolle Gelegenheit an der Außenalster gefunden:

Standardspielplätze fallen ja meistens raus, da eine Schaukel in der Regel inmitten eines Sandkastens aufgestellt ist … das erreichen wir dann mit dem Rollstuhl nur ganz schlecht 🙁
Gutes Thema: Rollstuhl. Auch hier steht nämlich demnächst ein Fortschritt an, denn nach Claudi Blue (hier links im Bild) …

… bekommt sie bald ein sehr viel kleineres Modell (ähnlich dem ganz rechts), um dadurch noch mehr Agilität und Bewegungsfreiheiten (u.a. für ein Greifen hinter den Rücken) sowie weniger Fremdunterstützung (weg vom Sofa-Feeling) zu bekommen. Stephanie freut sich schon ganz dolle darauf, oder ?

Aber Claudi Blue wird natürlich noch weiter genutzt werden, denn das Zuggerät passt nur da dran und beim Fahren auf ungeradem Untergrund ist gegen ein gewisses Sofasitzgefühl absolut nichts auszusetzen.

Wir konnten unsere Ausfahrten mit dem Zuggerät mittlerweile von ca. 7 km …

… über 12 km …

… auf bis zu 23 km pro Ausflugsrunde ausdehnen und das Köpfchen läuft dabei nicht mehr heiß 😉

In einem Park am Schloss Eutin kurvte sie dann auch schon mal außerhalb unserer Sichtweite …

… und fand dennoch immer wieder zu uns zurück.

Wir sind echt gespannt, welche Zuggerättouren wir noch in diesem Jahr durchführen können und werden sicherlich weiter davon im Blog berichten, versprochen.

Zudem stand in den letzten Monaten ganz viel Kultur auf unserem Speiseplan …

… ja, für manche gehört auch ein saugeiler Döner bei unserem Dresdner Haus-&-Hof-Dönermann mit dazu 😉
Aber ich meine natürlich eher die nachfolgenden Dinge:
Wir waren bei einer TV-Aufzeichnung des Satiremagazins EXTRA3 (Ausstrahlung war am 9.4.), …

… guckten uns im English Theatre of Hamburg das Stück „“All New People“ an …

… (kleiner Funfact: den Hauptdarsteller Will Edgerton habe ich dann ein paar Tage in Hamburg auf der Straße getroffen und er konnte sich sogar an uns OLCAs erinnern – Kind fällt halt auf), …

… sangen, tanzten und schunkelten …

… zu der echt tollen Hit-Auswahl von „Night Wash – Das Sing Ding“ …

… und schauten uns an der Reeperbahn das Musical zu „Zurück in die Zukunft“ an:

Auch für 2027 ist zumindest schon mit diesen Konzertkarten ein kleiner Kulturblock vorbereitet: Hyper, Hyper – Scooter kommen nach Dresden !!!

Spätestens mit der Hymne „FCK 2020“ hat sich die Techno-Musikkapelle ganz tief in Stephanies Herz gedudelt.
Ebenfalls ganz nach ihrem Geschmack ist das derzeitige „Tierkino“ am Bootcamp:

Denn hier gibt es fast jeden Tag etwas zu sehen, wie z.B. Fasane, …

… Hasen …

… und jede Menge Vögel:


Das Kind ist echt enttäuscht, wenn sich z.B. bei großer Hitze keine Tier vom Fenster zeigt oder sie zum Training in den Nachbarraum ohne Panoramafenster gehen muss.
Selbst ihr Puzzeln hat sie deshalb vor das große Fenster verlegt …

… damit sie zwischendurch immer mal einen Blick nach Draußen werfen kann.
Apropos, sie hat zwischenzeitlich sogar mit ihrem ersten 500er-Puzzle angefangen …

… und mit Carstens Hilfe komplettiert:

Eine völlig andere Herausforderung suchte sie sich beim erneuten Kennenlernen von Powerpoint, welches sie zum Glück noch auf ihrem alten Laptop aus Studienzeiten nutzen und gleich von Anfang an mit viel Hintergrundwissen bedienen konnte:

Carsten suchte ihr typische Schaubilder bzw. Präsentationen raus und sie baute diese mit sehr viel Eifer nach. Auch mit Übergängen und Folienpräsentationen hat sie sich dann tagelang intensiv beschäftigt. Ihr altes Wissen kam dabei schneller und besser wieder zurück, als wir alle gedacht hätten.
Als nächstes wollen wir das Tischtennisspielen ausgraben und haben dafür extra eine mobile Platte für das Bootcamp besorgt:

Fotos vom eigentlichen Spielen haben wir leider noch nicht, aber mittlerweile sind auch die Tischtennisschläger und die Bälle angekommen und wir stehen kurz davor, uns die Bälle um die Ohren zu schmettern.
Carsten band Stephanie nach dem ersten Aufbau der Platte noch beim Zerteilen der großen Kartons mit ein und sie durfte dafür ein Messer schwingen … keine Angst, es sind noch alle Finger dran!

Wir binden sie sowieso immer in alles mit ein, damit sie stetig weiterlernen kann und vor allem ihre Stärken und Grenzen kennenlernt. Sie hält Carsten gerne die Leiter, …

… schiebt Einkaufswagen durch die Gegend (aber nur solange sie noch leer und somit leicht sind), …

… darf stets unser „Pack-Eselchen“ sein …

… und hilft mir derzeit immer wieder mal beim Aufrollen meiner Strickwolle:

Nicht vergessen: vor ein paar Jahren haben wir noch mit der Spastik an den Händen (vor allem links) zu kämpfen gehabt!!!
Und jetzt? Ihre Hände kann sie wieder zu 100% einsetzen, …

… um z.B. einen manuellen Ventilator zu bedienen, …

… und auch solche Kinderhandarbeiten sind fast schon im Nu erledigt:

Anfangs braucht sie noch ein wenig Zeit und Unterstützung, aber wenn sie den Dreh einmal raus hat und für sich eine Strategie zurechtlegen konnte, dann ist sie schneller fertig als gedacht.
So, jetzt bin ich mit den großen Rubriken durch, habe aber noch ein paar mehr Bilder mit einzelnen Geschichten … die werde ich nun noch mit in den Blog einfügen.
Bleiben wir zunächst noch bei Stephanie: Ihre Haarpracht musste zwischenzeitlich auch mal wieder beim Friseur für den Sommer ordentlich ausgedünnt werden, …

… damit die Hitze sie nicht umhaut:

Sie sitzt auch immer gerne an ihrem Tischchen und erledigt u.a. freiwillig (!!!) Matheübungen, Hausaufgaben oder andere Dinge, z.B. in ihrem Zimmer …

… oder auch mal öfters auf dem Balkon:


Ihr seht, es geht ihr wirklich supergut, …


… auch ohne Essen 😉

Doch dies ist mein Blog und deshalb darf ich am Ende auch ein paar Dinge über mich loswerden 🙂
Der Balkon wird natürlich nicht nur von Stephanie, sondern auch sehr gerne von mir genutzt:


Herrlich!!!
Und dann ist natürlich unbedingt dieser Moment zu erwähnen:

Hier halte ich ENDLICH meine Greencard in den Händen … hat ja auch lange genug gedauert. Carsten bekam seine schon im letzten Jahr und meine Zustellung gelang erst nach einer kleinen Odyssee mit vielen Telefonaten in die USA und nervenaufreibenden Wartezeiten.
Hier mal eine kleine Kurzzusammenfassung:
-
- Carstens Greencard wurde im September 2025 an unsere Agentur in New York zugestellt, mein Brief wurde zeitgleich wieder zur Einwanderungsbehörde U.S. Citizenship and Immigration Services (USCIS) zurückgeschickt
- Ein paar Wochen und drei Anrufe später wollte man es noch einmal versuchen, doch im Februar 2026 kam der Brief schon wieder zu USCIS zurück
- Nach weiteren Anrufen konnten wir endlich im April 2026 einen Versand zu einer Freundin nach Florida arrangieren und am 24. April kam der Brief endlich bei ihr an – Ende des ersten Aktes!
- Im zweiten Akt musste der Brief nun als Einschreiben „nur noch“ von Florida nach Wentorf und ich hing erneut wie eine Drogensüchtige an der Sendungsverfolgung, die ab dem 27. April einfach nur schleppend weiter kam und teils wochenlang ohne neuen Eintrag vor sich hin dümpelte … sicherlich nur, um mich zu ärgern!
- Exakt einem Monat später wurde der Brief dann endlich aus den USA nach Deutschland transportiert und auf diesem Terrain brauchte er nur drei Tage, um dann am 30. Mai 2026 in unserer Postfiliale einzutrudeln
- Am 1. Juni konnte ich dann endlich MEINE Greencard in Empfang nehmen und sie in den Händen halten … sage und schreibe ZEHN (!!!) Monate später als Carsten seine bekommen hat
Ihr könnte mir glauben, das war wahrlich ein aufreibendes und teures Post-Ping-Pong. Die langen Wartezeiten, wochenlang nicht zu wissen wo der Brief nun ist und die insgesamt neun kostenpflichtigen Anrufe in die USA (im Schnitt ca. 40 Euro pro Telefonat) waren echt kein Vergnügen – aber jetzt ist meine auch endlich da und unsere erste US-Reise mit unseren Greencards wird wieder ein ganz neues Reiseabenteuer werden. Denn wir dürfen dann als Permanent Residents zum ersten Mal die wesentlich schnellere Einreiseschlange der US-Bürger benutzen …
Davon dann aber erst im nächsten Blogeintrag … also bitte noch ein wenig warten.

Das war’s von uns, entschuldigt bitte die vielen Fotos. Habt noch eine ruhige Restarbeitswoche sowie ein erholsames Wochenende und seid gespannt, was Stephanie und die OLCAs bis zum nächsten Lebenszeichen erleben werden, um am Ende darüber dann wieder zu berichten. Ich hoffe, ihr könnt den Sommer genießen und drückt Stephanie bitte weiterhin die Daumen, dass die Fortschritte nie aufhören mögen. An uns soll es wahrlich nicht liegen …

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