MĂ€rz
Jetzt ist es wirklich passiert: wir haben Stephanie am Sonntagabend nach LĂŒneburg ins Pflegezentrum gebracht … und es fĂŒhlte sich anfangs sooo falsch an. Wir kamen uns auf der Heimfahrt ein wenig wie VerrĂ€ter vor – blöd, nicht? Doch solche Gedanken hatten wir damals auch schon, als die Entscheidung getroffen wurde, sie nicht mehr jeden Tag zu besuchen. Da hatten wir am ersten Abend in der Wohnung genau das gleiche GefĂŒhl …
Die letzten sechs Wochen kommen uns wie Monate vor, aber nicht wegen der zusĂ€tzlichen Arbeit und der schon etwas fremdgesteuerten FreizeitbeschĂ€ftigung, sondern mehr aufgrund der vielen Dinge, die wir gemeinsam erleben durften. Wir haben mal in unseren Gedanken gesammelt und die Liste der Erinnerungen ist echt lang geworden: zweimal Notaufnahme, mehrere Besucher, zahlreiche AusflĂŒge, Stephanies Geburtstag im Februar, unser Hochzeitstag eine Woche spĂ€ter, das Erlernen neuer Dinge, die spontane Fahrt nach Berlin fĂŒr Sveta und vor allem unsere vielen gemeinsamen Stunden mit unheimlich intensiven GesprĂ€chen. Das sollen nur sechs Wochen gewesen sein? Im Kopf nie und nimmer!
Und dann folgte das, was wir immer wieder herausgezögert haben: Packen.

SpĂ€testens hier kam die erste Traurigkeit auf, aber zum GlĂŒck flossen selbst beim Abschied keine TrĂ€nen – ich war jedenfalls kurz davor und hĂ€tte vom Kind auch so etwas erwartet. Aber wir hielten uns alle ganz tapfer und freuten uns lieber innerlich auf das nĂ€chste Wiedersehen in der Woche und vor allem das kommende Wochenende wieder hier in Wentorf.
Zudem war da ja auch noch der Einzug ins neue Zimmer, welches anfangs noch total nackt war …

… aber durch ihr Regal und vor allem ihre Fotos wurde es nach ca. drei Stunden Umzugsarbeiten durchaus wieder etwas heimeliger:

Ich bin echt gespannt, wenn sie uns morgen von ihren ersten Tagen, EindrĂŒcken und Erlebnissen aus dem Pflegezentrum berichten wird. Denn im Gegensatz zu den letzten sechs Wochen haben wir diesmal von ihrem Tagesablauf ja nicht viel mitbekommen. Im gemeinsamen Alltag unter der Woche und bei den Höhepunkten des Wochenendes waren wir schlieĂlich immer hautnah mit dabei … genau da werde ich jetzt mal wieder ansetzten und einen kleinen Einblick geben.
WĂ€hrend unseres Home-Office-Alltags hat sie sich wie bisher auch ganz brav mit Lesen …

… Social Media, Apps, Wordle und Puzzeln …

… die Zeit vertrieben. Bei Letzterem verliebte sich sich vor allem in das Geschenk einer langjĂ€hrigen Bekannten von mir, die unserem Kind ein Set aus drei 12-teiligen Holzpuzzle zuschickte. Bis auf wenige Ausnahmen und vor allem innerhalb ihrer Aufmerksamkeitsspanne bzw. Konzentrationszeit von ca. einer Stunde schafft sie diese fast ohne fremde Hilfe zusammenzulegen.

Und zu erwĂ€hnen ist natĂŒrlich auch das Hören von Musik – dank des tollen Wetters war dies zunehmend auf dem Balkon möglich:

WĂ€hrend dieser Stunden ist sie immer ganz ganz weit weg mit ihren Gedanken – Musik war und ist auch weiterhin ihr Leben!
Am Mittwochmorgen konnten wir uns ausnahmsweise mal an diesem Anblick erfreuen:

Denn wir mussten frĂŒher aufstehen als sonst, da Sveta kurzfristig einen morgendlichen Onkologentermin in Hamburg bekommen hat. Carsten ist vor allem wegen der Fahrerei mitgekommen und somit konnte Stephanie nicht alleine zuhause bleiben. WĂ€hrend ich also mit Sveta bei der Ărztin war und dolmetschte, warteten die beiden im nahe gelegenen McDonalds und futterten sich durch das FrĂŒhstĂŒcksangebot:

FĂŒr Stephanie ein wahres Erlebnis, vor allem, da sie dort endlich den direkten Vergleich zwischen dem Original und unserer Sandwichmaker-Version der letzten Woche bekam – beides ist verdammt lecker!!!

Doch das gröĂte Abenteuer war auf jeden Fall unser Ausflug nach BĂŒsum am Samstag – leider ohne unseren ukrainischen Gast, der die Nacht davor nicht so gut geschlafen hatte. Nach ca. zwei Stunden Autofahrt mit unserem AnhĂ€nger sowie einer unverhofft kurzen Parkplatzsuche sogen wir das maritime Drumherum so gut es ging in uns auf:

Im Fischereihafen gönnten Carsten und ich uns erst mal ein Fischbrötchen, Stephanie entschied sich fĂŒr Kibbeling mit Remouladensauce – fĂŒr die Unwissenden: frittierte FischstĂŒcke im Backteig. Danach erklommen wir den Deich und erhaschten einen ersten Blick auf die Nordsee:

Leider war vom Watt nicht viel zu sehen, da wir unseren ca. 6 km langen Deichrundgang wĂ€hrend der Flut absolvierten, doch auch ohne diese Besonderheit strahlt diese Ecke hier so viel Schönheit aus. Wir genossen jeden Meter …

… freuten uns ĂŒber das sehr angenehme Wetter (nicht zu kalt und nicht zu windig) …

… und hatten zu jeder Zeit unseren SpaĂ:

Wirklich immer? Naja, fast immer … Â Â đ

FĂŒr wen war diese Tour wohl am entspanntesten? Rrrrrrrrichtig …

Nur auf ein leckeres Steak mussten wir bzw. vor allem Carsten verzichten, da das angesteuerte Restaurant leider wegen Corona geschlossen hatte. Kurz vor dem dem Parkplatz wurden wir aber doch noch fĂŒndig und mussten die zweistĂŒndige Heimfahrt nicht mit knurrendem Magen bewĂ€ltigen:

NatĂŒrlich gibt es auch in BĂŒsum genĂŒgend andere Restaurants, aber viele hatten (noch oder wieder) geschlossen, einige haben die Coronazeit nicht ĂŒberlebt (z.B. das „Luzifer“) oder sie sind eben nicht so ohne weiteres mit einem Rollstuhl zu befahren (z.B. „Gosch“). Doch egal, die CurrywĂŒrste mit Pommes haben uns nach dem Spaziergang auch sehr gemundet und glĂŒcklich gemacht. Oder können diese Gesichter etwa lĂŒgen?   đ

Was Sveta wÀhrend dieser Zeit genau gemacht hat, wissen wir nicht, aber sicherlich verbrachte sie auch ein paar Momente an bzw. in ihrem derzeitigen Lieblingsplatz bei uns:

Und damit bin ich auch schon mit der Beschreibung der 76. Woche durch … ĂŒber die erreichten Dinge von Stephanie werde ich sicherlich in den nĂ€chsten BeitrĂ€gen etwas mehr eingehen, denn wie ich schon beim letzten Mal beschrieben habe, ist wĂ€hrend des tĂ€glichen Umgangs mit ihr nichts Weltbewegendes festzustellen, da alles irgendwie so alltĂ€glich scheint.
Doch jetzt nach zwei Tagen ohne das Kind fallen mir spontan schon ein paar Dinge ein: sie putzt sich selbststĂ€ndig die ZĂ€hne, selbst mit nur einem Finger auf der Tastatur schreibt sie recht flott lĂ€ngere Texte und ich finde, dass sie ihren Körper noch viel besser in den Griff bekommen hat. Gut, die Spastik wirkt sich oft noch sehr hinderlich aus, aber Stephanie gibt nicht auf und versucht eben auch diese Körperteile immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen. Vor allem die linke Hand kommt dabei vermehrt zum Einsatz und beim Essen guckt sie bei uns zunehmend die aufrechte bis hin zur nach vorn gebeugten Sitzhaltung ab, um möglichst wenig auf ihren Kleidungsschutz zu kleckern. Vor allem hinterfragt sie immer mehr und mehr Dinge und möchte dann von uns auch das Wie und Warum wissen. Sie will definitiv zurĂŒck zur NormalitĂ€t und zu ihrer UnabhĂ€ngigkeit und kĂ€mpft mit allen Möglichkeiten – Bravo, weiter so meine Kleene!!!













































































































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