Apr.
Kaum schrieb ich in diesem Blog meine Klage ĂŒber den viel zu langen Winter, kam unverzĂŒglich und ganz eilig der FrĂŒhling nach Dresden. Er erinnert mich an eine Person, welche sich wahnsinnig verspĂ€tet hat, dafĂŒr aber bei seiner Ankunft mit voller Wucht in den Raum hereinplatzt, in welchem alle anderen schon lange sitzen und auf eben diese Person warten.
Jedenfalls stelle ich gerade fest, dass ich von meinen Winterstiefel ziemlich nahtlos in Sommerschuhe umsteigen könnte, denn so stark sind die Temperaturen hier tagsĂŒber angestiegen! Ich traue dem allerdings noch nicht so ganz, dazu ist es am frĂŒhen Morgen ĂŒblicherweise noch ziemlich frisch – heiĂt: wenn ich zur Arbeit radele, ziehe ich bei meinem Kleidungsstil doch noch einen vernĂŒnftigen Zwiebellook vor.
Aber es ist einfach nur schön, wieder am frĂŒhen Morgen drauĂen munteres Vogelgezwitscher zu vernehmen, am Nachmittag und am Wochenende im Innenhof des HĂ€usercarrees die spielenden Kinder zu hören und unterwegs immer mehr frische grĂŒne BlĂ€tter sowie jede Menge Blumen zu entdecken.

Und dass der Himmel ein so unglaublich wunderschönes, krĂ€ftiges Blau haben kann, hat man in der grauen Jahreszeit auch beinah vergessen … aber nun freut man sich ĂŒber diesen Farbwechsel um so mehr!

Ja, ihr merkt schon, dass auch Carsten und ich den FrĂŒhlingsgefĂŒhlen nachgegeben haben und die letzten Tage unbedingt aus den eigenen vier WĂ€nden nach drauĂen wollten. So zog es uns am Samstag in die Dresdner Innenstadt aus zweierlei GrĂŒnden: Erstens wollte ich gern einige Bilder zu meinem Monatsprojekt „Mauern“ machen und zweitens wollten wir an der Igeltour „Erstunken und erlogen – die Schwindeltour fĂŒr Erwachsene“ teilnehmen.
Beim ersten Vorhaben musste mein armer Mann auf der 90-minĂŒtigen Runde durch die Dresdner Innenstadt zwar immer wieder auf mich warten, wĂ€hrend ich mich mit den entsprechenden Fotomotiven beschĂ€ftigte, aber das ist ja er inzwischen gewohnt đ

Er hat zum GlĂŒck kein Problem, einfach da zu sitzen und Leute zu beobachten – und es waren am gestrigen Tag logischerweise jede Menge Personen unterwegs. Ich finde allerdings schade, dass die Touristen derzeit anstelle einer historischen AugustusbrĂŒcke eine moderne Baustelle zu sehen bekommen:

Das wird wohl auch noch so bis 2019 bleiben. Ein GlĂŒck, dass Dresden noch sehr viel mehr zu bieten hat!

Das ist ja nur ein Mikroblick auf die schönen Seiten der Stadt!
Doch eigentlich wollten wir nicht nur die schönen und bereits bekannten SehenswĂŒrdigkeiten in Augenschein nehmen, denn diese Art von FĂŒhrungen können wir inzwischen selbst fĂŒr unser GĂ€ste ĂŒbernehmen. Die groĂe Frage aber, welche der allgemein bekannten und immer wieder kursierenden Geschichten nun wahr und welche nur eine Legende oder gar Erfindung bis hin zur faustdicken LĂŒge sind, sollte bei der oben schon erwĂ€hnten Igeltour endlich mal beantwortet werden.
Es stellte sich heraus, dass die EinschĂ€tzung der Geschichten ĂŒber deren Wahrheitsgehalt von den Teilnehmer zunĂ€chst selbst mit Wahr- und Falsch-KĂ€rtchen gegeben werden musste, bevor die Auflösung durch den ErzĂ€hler folgte. Die lebendigen und sehr amĂŒsanten ErzĂ€hlungen, Anekdoten und Legenden samt der alles entscheidenden Frage gab Herr Stephan Reher zum Besten – erst zeigten alle die ausgegebenen KĂ€rtchen und dann klĂ€rte er historisch belegbar auf:

Carsten und ich stellten dabei fest, dass wir bis auf zwei Geschichten von den anderen noch nie etwas gehört hatten, aber dennoch entschieden wir uns intuitiv in vielen FĂ€llen fĂŒr die richtige Seite der Karte. Von insgesamt 16 Geschichten mit anschlieĂender Frage nach deren Wahrheitsgehalt beantwortete mein Mann 10 und ich 11 richtig. FĂŒr jede korrekte Entscheidung gab es immer ein Loch mit einem echten, antiken Fahrkartenknipser und so konnten wir am Ende problemlos feststellen, wie oft wir bei dieser knapp 2 Stunden langen FĂŒhrung mit unserem Wissen oder unserem BauchgefĂŒhl richtig gelegen haben:

Am Ende der Tour wurde die Gewinnerin, eine Ă€ltere Dame mit 15 richtigen EinschĂ€tzungen, mit einer kleinen, sehr hĂŒbsch verpackten Flasche Sekt ausgezeichnet. Und der Rest der Truppe durfte als Bereicherung viele neue Informationen ĂŒber die Stadt, in welcher wir wohnen, mitnehmen. Verraten wird hier natĂŒrlich nix, damit jeder Dresdner Leser auch mal selbst in den Genuss der „erstunken und erlogenen Schwindeltour fĂŒr Erwachsene“ kommen kann đ
Auf dem Heimweg lieĂen wir erneut unseren Blick durch Dresden schweifen. Noch ist die Hochsaison der Touristen nicht gekommen und die Stadt sieht aus wie ein kleines Kind, welches gerade aufwacht und etwas vertrĂ€umt in die Welt schaut:

Gut gelaunt, holten wir uns unterwegs als Abendessen noch eine Currywurst auf der Wilsdruffer StraĂe und wurden bei ihrer „Vernichtung“ prompt von Luisa und Romy von der Irish Dance Company ĂŒberrascht đ Dresden ist eben doch nur ein 500.000-Seelendorf, denn egal wo man ist, fast ĂŒberall trifft man immer irgendwie unverhofft auf bekannte Gesichter đ
Ich schĂ€tze, vor allem jetzt wo das Wetter immer besser wird, werden wir unterwegs noch mehr vertraute und unbekannte Leute sehen, denn bei solch einladenden Sonnenschein hĂ€lt es eben keiner lange in seinen vier WĂ€nden aus đ


































































































































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