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Kommentar:   

 
Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2022 16.
Feb

Die erste Woche unseres Urlaubs ist schon wieder vorbei und mit Stephanie wird es eigentlich nie langweilig – eher sehr kurzweilig! Wir haben so viel zusammen gemacht, uns aber auch sehr sehr viel erholt und gaaaaanz lange gechillt. Dank einer Freundin aus Dresden hei√üen solche Nix-Tun-Tage seit unserem Wohnwagentrip durch Kanada bei uns nun auch „L√§mpeltage“.

Die damit verbundenen Ruhephasen verbrachten wir mal auf dem Sofa …

… mal vor dem Fernseher …

… mal am Rechner …

… und manche von uns ab und zu auch mal mit einem Fu√übad inklusive Musik auf den Ohren:

Hmmm, mache ich irgendetwas falsch, wenn ich bislang noch kein Fu√übad mit anschlie√üender Fu√ümassage bekommen habe?!?!    zwinker

Aber wie gesagt, trotz so einiger L√§mpelphasen waren wir die letzten Tage durchaus auch sehr aktiv, wie z.B. beim Kochen (hier: Salat) …

… beim Backen (hier: Pampuschki = kleine Br√∂tchen) …

… und beim Spielen (hier: ein auf zwei Karten geteiltes Tier wieder zusammenlegen):

Meteorologisch richtig sch√∂ne Tage hielten sich zwar noch in Grenzen, aber wenn es dann mal nicht bew√∂lkt, regnerisch, windig und/oder kalt war, versuchten wir das gleich mit auszunutzen. Leider hat es aber nie so richtig gut f√ľr unseren geplanten Tagesausflug an die See (entweder Nordsee oder Ostsee) gereicht, doch noch haben wir etwas Hoffnung    zwinker

Dauerhaft war es nur am Wochenende so richtig sch√∂n, doch f√ľr diesen Zeitraum hatten sich schon vor Wochen Stephanies Vater und seine Frau angek√ľndigt. Die letzten Monate mussten sie ihre Besuchsversuche leider immer wieder mal wegen Corona-Einschr√§nkungen verschieben, doch diesmal konnten sie die weite Anreise aus Sachsen antreten – und prompt passte eben auch das Wetter perfekt dazu. Die Drei sind in der nahe der gebuchten Ferienwohnung gelegenen Boberger D√ľne spazieren gegangen …

… und haben dort auch gleich mal (sehr zur Freude von Stephanie) ein wenig gepicknickt:

Im Vorfeld hatte man Stephanie auch gefragt, was sie denn gerne mal wieder essen w√ľrde und sie entschied sich f√ľr Roulade … voila:

Es war ja sooooooo lecker und sie hat noch lange davon erzählt!

Doch von diesem Wochenende d√ľrfte ihr wohl eher DIESES noch sehr viel mehr im Ged√§chtnis bleiben:

 
Ja, ihr seht richtig: sie ist mit Carstens Hilfe ca. 3 m weit „gelaufen“. Und das an diesen Besuchstagen sogar gleich insgesamt vier Mal!!!

Wir mussten aus der Not heraus spontan improvisieren, denn trotz der Zusage des Vermieters passte der Rollstuhl nicht durch die Zimmert√ľr – es fehlten 5 cm. Also wurde Stephanie erst auf einen Stuhl zwischengeparkt, der Rolli quer durch die T√ľr bugsiert …

… und die ca. 3 m des engen Flurs an der Eingangst√ľr √ľberbr√ľckten wir mit Stephanies ersten – zugegeben noch sehr staksigen – Gehversuchen. Wie schon √∂fters von mir erw√§hnt, entspricht das alles sicherlich nicht den Vorgaben aus dem Pflegerhandbuch, der Therapeutenbibel und dem Pfadfinderhandbuch des F√§hnlein Fieselschweif, aber an dem Wochenende war es eben eine sehr gute und vielleicht auch die einzige L√∂sung, damit Stephanie den Besuch ihres Vaters und seiner Frau in vollen Z√ľgen und mit leckerem, gemeinsamen Essen genie√üen konnte. Drau√üen w√§re es bei der K√§lte sicherlich niemals so sch√∂n und lustig geworden    zwinker

Mein anderes Highlight in dieser Woche ist zudem ihre Steigerung beim Puzzeln und somit auch das Wiederentdecken ihrer ehemaligen großen Leidenschaft Рdamals wie heute kann sie sich stundenlang damit beschäftigen.

Alles fing damit an, dass Carsten ihr einmal, w√§hrend ich in der H√§ngematte d√∂ste, anhand von Blankoteilchen das Prinzip eines Puzzles und den Nasen bzw. Einbuchtungen erkl√§rte. Sie startete zun√§chst mit der R√ľckseite eines 2er-Puzzles:

Noch am gleichen Abend versuchte sie sich erfolgreich an den Motiven eines einzelnen 2er-Puzzles, welches ihr Carsten auf den Tisch legte:

Schon am nächsten Tag suchte sie sich selbstständig aus 20 vor ihr ausgebreiteten Teilen die benötigten Pärchen zusammen:

Die weitere Steigerung war dann am nächsten Tag der Versuch mit einem 6er-Puzzle:

Am Ende hatte sie sogar schon kurz darauf große Freude an diesem 15er-Puzzle im Rahmen:

Mittlerweile kann sie dieses ganz alleine und ohne Hilfe zusammenlegen … braucht daf√ľr allerdings noch so ca. 5 bis 10 min. (wir Erwachsene i.d.R. weniger als 1 Minute), da ihr der Orientierungssinn gelegentlich ein Bein stellt und sie ein einzelnes Teilchen sehr lange im Kreis drehen muss, bis sie endlich die richtige Richtung gefunden hat. Aber es wird auch hier von Tag zu Tag besser – Schrittchen f√ľr Schrittchen!

Ich kann es ja schon vorweg nehmen: in der laufenden Woche hat sie jetzt auch mal mit einen „richtigen“ Puzzle (12 Teile) angefangen. D.h. kein helfender Rahmen und keine Hintergrundpappe, an der man die Ausstanzungen der jeweiligen Teile erkennen kann. Hier muss sie gem√§√ü „Lehrbuch“ vorgehen: immer wieder das Bild anhand des Kartons vergleichen, erst die Ecken legen, dann den Rand und danach mit dem Kartonmotiv pr√§gnante Bereiche zusammenf√ľgen. Hier ist sie von dem Status „alleine“ aber noch gaaaaaaaaaaaaaaaanz weit entfernt…

Ihr ganz gro√ües, pers√∂nliches Ziel d√ľrfte ein diesj√§hriges Geburtstagsgeschenk ihrer Freundin aus der Potsdamer Zeit sein: ein 100 Teile gro√ües Puzzle zu „K√∂nig der L√∂wen“ … vielleicht schon im Sommer? Mal sehen!

Wir genießen jetzt erst einmal noch unsere zweite Urlaubswoche und beim nächsten Blogeintrag schildere ich euch dann, was in unserem und Stephanies Leben wieder alles so passiert ist.

Kleine Spoiler:

  • Wir kehrten zum Valentinstag im „Ruff’s Burger“ in HH-Bergedorf ein, was f√ľr sie immerhin der erste Restaurantbesuch nach √ľber zwei Jahren war.
  • Morgen bekommt sie die F√§den am Kinn gezogen – es ist alles superschnell verheilt und wir haben eigentlich schon seit Tagen kein Pflaster mehr auf die Wunde gemacht.

Insgesamt stelle ich immer wieder fest, dass Stephanies Lernkurve weiterhin besser wird und sie die neuen Aufgaben mittlerweile sogar schon in recht kurzer Zeit versteht, diese dann mit viel Hingabe √ľbt bis es passt und dabei sogar noch Spa√ü hat! Ich hoffe, dass ihr dieser Lernwille noch ganz lange erhalten bleibt    standard



2022 19.
Jan

Zugegeben, es f√§llt mir eigentlich immer schwerer, die (f√ľr uns stets) tollen Wochenenden und den Besuch im Pflegezentrum am Dienstag so zusammenzufassen, dass nicht stets alles doppelt erw√§hnt wird oder gar langweilig ist. Man kann bei Stephanie zwar noch lange nicht von einer Stagnation in ihrer positiven Entwicklung sprechen, daf√ľr lernt sie andauernd neue Dinge hinzu, aber durch die mittlerweile sehr gut eingespielte Routine und die vielen t√§glichen Wiederholungen, machen wir viel weniger Fotos und kommen zudem auch so gut wie gar nicht raus. Zum einen nat√ľrlich wegen Corona und den zig Einschr√§nkungen, aber solange das Wetter nicht sch√∂ner und die Tage nicht l√§nger werden, lohnen sich auch keine gro√üartigen Ausfl√ľge. Doch ein Ende d√ľrfte ja bald in Sicht sein – jedenfalls was die Helligkeit und den baldigen Fr√ľhling angeht    zwinker

Ok, dann berichte ich heute mal ein wenig √ľber die allgemeine, w√∂chentliche Routine, ok?

Dienstags fahren wir f√ľr ca. ein bis zwei Stunden nach L√ľneburg (so kommt der Smart wenigstens auch mal wieder regelm√§√üig mit den R√§dern auf die Stra√üe), verbleiben aber meist mit dem Kind quatschend auf ihrem Zimmer, da es drau√üen noch viel zu kalt, zu dunkel und vor allem zu ungem√ľtlich ist. Doch aufgrund des fehlenden Tisches und auch der recht kurzen Besuchszeit lohnt eben auch kein gro√üartiges Besch√§ftigungsprogramm, denn sp√§testens zum Abendessen m√ľssen wir aufgrund der Corona-Einschr√§nkungen schon wieder gehen. Wir d√ľrfen derzeit nicht einmal wie fr√ľher mitgebrachtes Essen verdr√ľcken und hungrig dem Kind beim Kauen zugucken ist auch bl√∂d    zunge-rechts
Also muss das Quatschen und Ausfragen (leider) reichen … manchmal k√∂nnen wir zudem noch zus√§tzliche Infos vom Pflegepersonal oder den Therapeuten abgreifen.

Der Freitag ist nun wie folgt getaktet: am Nachmittag nach getaner Arbeit abholen, das Kind ins Auto und den Rollstuhl in den Anh√§nger verladen, ca. 10 min fahren, um dann beim L√ľneburger Kaufland wieder alles auf dem Parkplatz „zusammenzuf√ľgen“. Dort starten wir nach alter OLCA-Tradition mit einem Au√üer-Haus-Essen (derzeit eine W√ľrschtlbude mit Th√ľringer Bratwurst oder Currywurst), um wie damals das kommende Wochenende einzul√§uten. Anschlie√üend erledigen wir unseren gro√üen Wochen(end)einkauf und w√§hrend Carsten und ich mit Bienenflei√ü den Einkaufswagen f√ľllen, darf Stephanie die Waren auf der Einkaufsliste abstreichen:

Nach ungef√§hr einer Stunde fahren wir dann die ca. 40 min bis zu uns nach Hause, verstauen alles in der K√ľche und so gegen 20:00 bzw. 21:00 kann endlich mal der Tagesabschnitt namens Freizeit beginnen – ob auf dem Sofa, vor dem Fernseher oder am Rechner entscheiden wir dann immer ganz spontan. Doch sp√§testens gegen 23:00 liegen wir definitiv alle v√∂llig platt im Bettchen …

Am Samstag und Sonntag wird in der Regel ausgeschlafen, d.h. wir Erwachsenen bis ca. 7:00 und das Kind so bis ca. 9:00. Nach der sogenannten Morgentoilette f√ľr unser Kind (wir drei (!!!) sind mit 40 min schon recht flott geworden) und dem In-den-Rolli-setzen des Kindes wird dann ausgiebig gefr√ľhst√ľckt – oftmals sogar bis weit nach 12:00    standard

Da wir Stephanie gerne m√∂glichst viel in alles mit einspannen wollen, dauert es eben so seine Zeit: das gemeinsame Aufdecken …

… die Zubereitung ihres Kaffees, das Aufschneiden und Schmieren des Br√∂tchens …

(um das Schmieren k√ľmmern wir uns fast gar nicht mehr, aber beim Aufschneiden suchen wir noch den besten Weg f√ľr sie – dieses Wochenende probierten wir es mal waagerecht und mal senkrecht)

… und nat√ľrlich das Essen. Vor allem, da sie derzeit jeden Bissen gef√ľhlt 63 mal kaut … das hat sie noch so vom E√ütraining beibehalten. Doch egal, wir haben Zeit und eigentlich immer auch ganz viel zu erz√§hlen, aufzufrischen und erinnern. Dabei freuen wir uns immer wie ein Schneek√∂nig, wenn wir merken, wie ihr Kurzzeitged√§chtnis so langsam wieder zur√ľckkommt oder sie doch mal wieder eine Erinnerung aus alten Tagen auskramen kann.

Dieses Wochenende haben wir erstmals das Sitzen am Tisch auf das Fr√ľhst√ľck sowie das Mittagessen ausgeweitet und erreichten bei beidem schon so ca. 60 bis 90 Minuten – pro Mahlzeit!

Aber man sieht am Ende schon ganz deutlich, wie anstrengend es noch f√ľr sie ist und da sie sich leider noch nicht selbst neu positionieren bzw. zwischendurch mal ihre Haltung √§ndern kann, wird es ihr am Hintern und R√ľcken zunehmend ungem√ľtlich. Wir variieren mittlerweile das Anlehnen und durch √ľbertriebenes Beugen nach vorne k√∂nnen wir zudem das Zur√ľck in den Rolli weiter hinausz√∂gern. Zur weiteren Ablenkung w√§hrenddessen lie√üen wir dieses Wochenende u.a. einen Videochat …

… und die Suche in einem Wimmelbild mit einflie√üen:

Ich war echt erstaunt, wie viele Einzelheiten sie auf einem solchen Bild gefunden hat (Carsten fragte z.B. „Wo ist das Einhorn?“), denn vor ein paar Monaten w√§re so ein Durcheinander f√ľr ihre Wahrnehmung und Orientierung ein echtes Fiasko gewesen. Klar, sie braucht immer noch etwas l√§nger, aber sie wird am Ende meist selbst f√ľndig und es verwirrt sie nicht mehr so sehr wie damals. Fr√ľher galt so etwas f√ľr sie noch als visueller Overkill.

Ein fester Bestandteil unserer Wochenendroutine sind danach meist Ruhe- und Beautyzeiten, wie das t√§gliche Fu√übad inklusive anschlie√üender Fu√ümassage, sonntags zudem noch Haare waschen und in der Regel dann auch noch eine reinigende Gesichtsmaske hintendran. Dabei darf f√ľr sie vor allem die Musik nicht fehlen! Noch kann sie zwar keinen MP3-Player oder gar den Kopfh√∂rer selbst bedienen, aber mit Musik an oder auf den Ohren ist sie immer sowas von gl√ľcklich:

Dieses ein bis zwei Stunden lange Relaxen g√∂nnen wir ihr auf jeden Fall sehr gerne, denn bei den zahlreichen √úbungen und Trainings macht sie wiederum so intensiv mit, dass es manchmal wirkt, als w√ľrde sie das am liebsten stundenlang durchf√ľhren wollen. Doch so lange h√§lt ihre Konzentration aber noch nicht durch.

Dieses Wochenende konnten wir insgesamt viermal je 20 Minuten Sprech√ľbungen durchf√ľhren (das haben wir der Ergo- und Logotherapeutin quasi versprochen) und wenn ich die Videos von der ersten √úbung (Samstagvormittag) und von der letzten (Sonntagnachmittag) vergleiche, merke ich schon nach nur zwei Tagen einen recht gro√üen Unterschied. Man mag es kaum glauben, wie sehr unsere Zunge f√ľr das Sprechen antrainiert werden muss und dann aber auch weiterhin stets in √úbung bleiben muss!    standard

Zwischendurch fordern wir Stephanie zudem mit eigenst√§ndiger K√∂rperpflege, Schnibbeln und Kochen, Abwasch bzw. Abtrocknen, (handgeschriebene) Briefe lesen, Nachrichten per Messenger oder Email tippen und regelm√§√üigem Ged√§chtnistraining. Als „Belohnung“ winken daf√ľr eben ein DVD-Abend (samstags) sowie Spielen mit Apps oder old-school bzw. analog auf dem Tisch:

Bitte nicht falsch verstehen: es ist nicht so, dass wir Dinge vom Kind verlangen, die sie nicht mag oder die am Ende viel zu viel sein k√∂nnten. Ganz im Gegenteil, sie ist regelrecht entt√§uscht, wenn wir mal nicht sp√ľlen wollen oder letztendlich etwas aus zeitlichen Gr√ľnden rausfallen muss. Am Samstag sollte ich ihr ein ca. 10-zeiliges Gedicht raussuchen, welches sie gerne auswendig lernen m√∂chte. Vor allem durch die Reimform erhofft sie sich eine bessere Orientierung und eine schnellere Umsetzung. Meine Wahl fiel ganz spontan auf „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern, da mir dieses Wintergedicht schon damals gefiel, als meine M√§dels es einmal in der Grundschule auswendig lernen mussten:

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendr√ľber, da schneit es, hu!

Sie r√ľcken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie h√∂r’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Mal sehen, was Stephanie davon am kommenden Wochenende aufsagen kann. Am Dienstag sind ihr schon die ersten Zeilen (fast) fehlerfrei gelungen. Wie gesagt, sie selbst m√∂chte so gefordert werden, um dadurch schnellstm√∂glich wieder zu ihrem alten Zustand zur√ľck zu gelangen. Carsten und ich sind dabei weniger die (An-)Treiber, sondern mehr die Gehilfen.

Carsten und ich stellen √ľbrigens immer wieder fest, dass wir ein richtig gut eingespieltes Team sind. Wir sind ganz gewiss keine perfekten Pfleger der klassischen Art und Weise, aber dem Kind geht es bei unseren inzwischen routinierten Abl√§ufen offensichtlich gut und sie ist gern bei uns – das ist doch die Hauptsache, oder?



2022 12.
Jan

Hmmm, wie fasst man ganze 18 (genau genommen sogar 19) Tage am St√ľck in einem Blogeintrag zusammen, ohne dass man am Ende doch viel zu sehr ausschweift und es selbst mit einer sehr kleinen Auswahl aus unseren insgesamt 1616 Fotos und 198 Videos nicht zu einem Roman wird? Ich versuche es mal nur aus meiner pers√∂nlichen Perspektive … schon jetzt bitte ich euch um Entschuldigung, sollte ich mein Vorhaben nicht einhalten k√∂nnen    zwinker

Diese Tage waren einfach wundervoll!!! Klar, irgendwie agierten Carsten und ich recht selten selbstbestimmt, aber obwohl wir unser Tun und Handeln ganz auf Stephanie (22.12. bis 9.1.) sowie auf Andrea & Karl aus √Ėsterreich (28.12. bis 6.1.) ausrichteten, hatten wir dennoch jederzeit unseren Spa√ü und sehr gro√üe Freude – jede Minute.

Nur unsere leidliche To-Do-Liste konnte in dieser Zeit √§u√üerst rudiment√§r abgearbeitet werden und es kamen am Ende sogar noch sehr viel mehr Aufgaben hinzu, die wir derzeit immer noch St√ľck f√ľr St√ľck erledigen. So z.B. eben auch diesen versp√§teten Blogeintrag    zwinker

Aber egal was sich jetzt dadurch angesammelt hat, es war einfach insgesamt eine wundersch√∂ne und unvergessliche Zeit zu dritt bzw. zu f√ľnft. Da das Wetter nicht immer ganz mitgespielt hat und es entweder viel zu kalt oder zu regnerisch war …

… verlie√üen wir die Residencia OLCA entweder gar nicht oder nur f√ľr einen kurzen Moment. Einzig einen gro√üen Ausflug zum Willkomm H√∂ft (westlich von Hamburg, ca. 1,5 Stunden von uns mit dem Auto entfernt) konnten wir als Familie gemeinsam unternehmen:

An dem Tag hatten wir aber auch ein so unversch√§mtes Gl√ľck, was das Wetter (es regnete erst wieder, als wir alle im Auto sa√üen) und auch die vorbeifahrenden Schiffe (wir haben bei fr√ľheren Besuchen auch schon mal 45 min bis zum n√§chsten warten m√ľssen) anging. Vor allem d√ľrfen wir nicht die fantastische Hundebegegnung vergessen, die Stephanie irgendwie als ihr ganz ganz gro√ües Highlight der fast drei Wochen in Erinnerung behalten hat:

Als die Besitzer uns fragten, ob sie ihren gerade mal 6 Wochen alten Malamut an Stephanie ranf√ľhren d√ľrften, um ihn an alle m√∂glichen Dinge (also auch einen Rollstuhl) zu gew√∂hnen, haben sie auch unserem Kind ganz gro√üe Freude bereitet. Denn sehr oft denkt sie genau an diese tierische Begegnung zur√ľck!

Nat√ľrlich darf man den eigentlichen Anlass f√ľr diese OLCA-Familienzusammenf√ľhrung nicht unerw√§hnt lassen: Weihnachten und Neujahr. Zwar haben wir unseren Heiligabend aufgrund der Nachz√ľgler aus √Ėsterreich erst am 29.12. durchf√ľhren k√∂nnen …

… doch die traditionelle Speise Kartoffelsalat mit W√ľrstchen und die Zeit des OLCA-typischen Auspackens √ľber fast 3 Stunden lie√üen wir uns auf keinen Fall dadurch nehmen.

Neben dem Lieblingsbuch „Das NEINhorn“ (das bisherige war nur eine Leihgabe von Andrea & Karl) konnte sich Stephanie auch sehr √ľber den erst k√ľrzlich erschienenen zweiten Teil „Das NEINhorn und die SchLANGEWEILE“ freuen. Doch getoppt wurde das sogar noch durch ein √§u√üerst pers√∂nliches Geschenk ihrer ehemaligen Kommilitonen von der FU Berlin:

Im letzten Jahr war der 4. Durchlauf w√§hrend des Sommers … mal sehen, wann Stephanie laut dieser Liste an der Reihe ist    standard

Wenigstens fiel „unser“ Silvester auch genau auf „euer“ Silvester und wir haben zu f√ľnft auf unserem Balkon dem lauten und explosiven Treiben um uns herum zugeschaut:

Auch hier war der Wettergott wieder gnädig mit uns und hat genau die eine Stunde von 23:45 bis ca. 1:00 auf Regen verzichtet, sodass wir Stephanie ohne rot-gelber Wurstpelle (s.o.) ins Freie bringen und ohne Fensterscheibe die wenigen Raketen am Himmel genießen konnten.

Die Zeit mit ihrer Schwester hat Stephanie besonders intensiv genutzt und bei deren Bl√∂deleien waren Carsten, Karl und ich mal wieder nur Statisten, die man einfach nicht absch√ľtteln kann    zwinker

Dadurch und auch aufgrund der vielen anderen Besch√§ftigungen, die Stephanie so im Pflegezentrum aus erkl√§rlichen Gr√ľnden nicht bekommen kann, bl√ľhte das Kind unserer Meinung nach ungemein auf. Es gab auch nie nur ein Maulen oder ein Murren, sie wollte immer alles mitmachen und strengte sich dann dabei sogar besonders viel an. Egal ob beim Abtrocknen, Aufdecken, W√§sche abnehmen, und auch beim Kochen …

… sie war stets mit viel Freude und Elan bei der Sache. Bis auf die Spastik im Handgelenk wurde auch ihre linke Hand gef√ľhlt immer geschmeidiger und die Finger kamen des √Ėfteren ebenfalls ganz freiwillig zum Einsatz. Selbst unsere Hilfestellungen werden zunehmend weniger und ihre Geschwindigkeit steigert sich peu a peu. Wo sie anfangs gerade einmal 2-3 Dinge w√§hrend eines Sp√ľlens schaffte, sind es mittlerweile schon 7-10 Teile, die sie akribisch und ganz genau abtrocknet. Und fallen gelassen hat sie auch noch nichts!

Keine Angst, wir haben ihr aber neben den √úbungen, Trainings und Aktionen auch gen√ľgend Zeit zum (Herum-)Liegen …

… und Ausruhen gegeben. Vor allem mit Musik auf den Ohren driftete sie immer in eine v√∂llige Entspannung und Gl√ľckseligkeit ab:

Bez√ľglich Musik ist sie eben ganz die Alte geblieben, denn dies ist weiterhin ihr Ein und Alles. Es verging bis auf die Nachtruhe eigentlich fast keine Minute, wo nicht das Radio (N-JOY), Musikfernsehen (Deluxe Music) oder die eigene Musiksammlung dudelte. Und im Auto mag sie es besonders basslastig und laut – ganz zur Freude meines Mannes, der dann auch gerne mal bis zum Anschlag aufdreht. Stephanie darf bzw. kann auf der Fahrt sogar den DJ spielen und selbstst√§ndig bei den Liedern weiterdr√ľcken, die ihr gerade nicht so sehr zusagen. Wir hoffen, dass wir ihr auch bald mal ein eigenes Musikabspielger√§t (wir wissen noch nicht, was es am Ende sein wird) mit ins Pflegezentrum geben k√∂nnen, doch bis dahin muss sie erst noch das Ein-/Ausschalten, die Bedienung, das Auf-/Absetzen von Kopfh√∂rern sowie das Aufladen aller Komponenten lernen. Da sind wir aber bereits immer wieder mal dran …

Wo wir bei ihr allerdings relativ große Veränderungen feststellen, ist beim Essen. Sie mag mittlerweile auch den ein oder anderen Fisch, z.B. Kibbeling und Sushi, und versucht sich zudem weiterhin an Ananas oder auch mal an meinen Porridge-Variationen.

W√§hrend der drei Wochen bei uns haben wir versucht, m√∂glichst viele Variationen und Texturen aufzutischen …

… wie z.B. scharfe Antipasti, Chili con Carne, K√§se-Lauch-Suppe, gef√ľllte Paprika, belegte Br√∂tchen vom B√§cker, Gr√ľtzwurst und Sauerkraut, Ente, Sushi in allen Variationen, W√ľrzfleisch, Pancakes und Mc-Donalds-Burger sowie nordisch-typisches Mockturtle und Labskaus. Doch ihr Highlight war der f√ľrs Jahresende in Aussicht gestellte D√∂ner … wenn auch nur auf einem Teller statt im f√ľr sie noch sehr unhandlichen Fladenbrot:

Wir stellten bei allen Gerichten und Speisen keinerlei Unvertr√§glichkeiten oder √ľberm√§√üiges Husten fest – in DER Hinsicht ist Stephanie bereits v√∂llig genesen. Selbst am nebenbei genaschten Popcorn beim DVD- oder Fernsehgucken verschluckte sie sich kein einziges Mal – im Gegensatz zu uns    zwinker

Da sie hier bei uns scheinbar auch das Einkaufen f√ľr sich entdeckt hat, werden wir ab jetzt wie schon mal angedacht wieder freitags (statt dienstags) und mit ihr zum Kaufland in L√ľneburg fahren und dabei den Einkaufszettel unserer Chefabstreicherin auf den Rollitisch legen. Denn auch das mit dem Stift halten sowie den Anf√§ngen (!) des handschriftlichen Schreibens klappt immer besser:

Sie fordert es aber auch stets selbst mal ein und m√∂chte mit Carstens altem Lamy-F√ľller vorgegebene Striche und Muster aus meinem Vorschulbuch abarbeiten. Bis zu den Buchstaben d√ľrfte es somit nicht mehr lange dauern, zumal Stephanie ja gl√ľcklicherweise noch vollst√§ndig lesen (selbst schwierige Handschriften!) und mittlerweile schon recht selbstst√§ndig auf einer Tastatur Texte f√ľr kurze Emails oder Chats verfassen kann. Und Letzteres vor allem sogar mit einer recht guten Rechtschreibung, d.h. in der Regel ohne gro√üe Fehler. Nur beim Zusammenstellen eines Satzes erlaubt sie sich manchmal eine Wortdopplung oder Unvollst√§ndigkeit bei Subjekt – Pr√§dikat – Objekt. Das wird sicherlich wie damals in der Schule auch durch vermehrtes Lesen wieder zur√ľckkommen – davon bin ich √ľberzeugt.

Vor allem beim Spielen stellen wir auch immer wieder fest, dass sie mittlerweile einmal Erlerntes recht schnell behält und Anfangsschwierigkeiten schon nach ein paar Malen behoben sind. Neben der noch relativ kurzen Konzentrationsspanne (derzeit so ca. 30-45 Minuten) fehlt ihr aber besonders die Entwicklung einer eigenen Strategie. Tic-Tac-Toe konnte ich ihr schnell beibringen und sie achtete auch sehr aufmerksam darauf, wo sie mir eine Dreierreihe verbauen muss/kann, doch selbst schafft sie selten einen aktiven, eigenen Sieg.

So auch beim Mensch-√§rger-dich-nicht, wo sie zwar eigenst√§ndig w√ľrfeln und den Spielstein ziehen kann, aber bez√ľglich Schlagen und das eigene M√§nnchen in Sicherheit oder gar den Stall zu bringen braucht sie erst noch eine Ansage von uns.

Bei unserer F√ľnferrunde war das nat√ľrlich perfekt, denn so haben Andrea, Karl und ich als Einzelk√§mpfer und Carsten mit Stephanie als Team gespielt.

Doch dann kam am Sonntagabend auch schon der Abschied und das Zur√ľckbringen in die Pflegeeinrichtung:

Zum Gl√ľck blieb das gro√üe Heulen bei ihr und vor allem bei mir aus, denn nachdem wir sie aufs Zimmer gebracht und ihr Zeug im Schrank verstaut hatten, wurde sie auch gleich von zwei Pflegekr√§ften in Beschlag genommen und mit einem Schnelltest auf Corona getestet. Sie war dementsprechend besch√§ftigt bzw. abgelenkt und wir konnten die f√ľr alle sicherlich unangenehme Verabschiedung kurz halten. Perfekt!

Vielleicht bin ich ja etwas voreingenommen, aber ich denke schon, dass Stephanie in den fast drei Wochen bei uns wieder einmal so einige Fortschritte erreichen konnte:

  • Entweder sie sprach von Woche zu Woche deutlicher oder wir haben ihr Kauderwelsch nur besser verstehen k√∂nnen.
  • Ihr Kurzzeitged√§chtnis arbeitet zuverl√§ssiger, denn wir konnten jeden Tag recht viele Ereignisse und Erinnerungen vom Vortrag aus ihr herauskitzeln und auch beim gro√üen Res√ľmee am letzten Tag kramte sie sehr viel mehr aus allen 18 Tagen hervor, als wir es noch von ihr bei unseren Besuchen im letzten Jahr her gewohnt waren, wo sie zum Teil nicht einmal 2-3 Tage wiedergeben konnte.
  • Sie besch√§ftigte sich an mehreren Tagen eigenst√§ndig mit der Kl√∂tzebox und braucht dabei echt nur noch ganz wenig Unterst√ľtzung … es dauert eben nur etwas l√§nger, bis alle Teile eingeworfen sind.
  • Auch beim Spielen mit Apps auf dem Tablet kommt sie immer schneller zurecht und verinnerlicht zumindest nach ein paar Tagen das Prinzip. Klar, noch sprechen wir √ľber eine Sammlung aus „Die Maus“ und andere Kleinkinderspiele, aber selbst diese waren ja vor ein paar Wochen f√ľr sie noch ein gro√ües Problem.
  • Sie kann ihre Bewegungen sehr viel mehr koordinieren und t√§glich wiederkehrende Aufgaben klappen zunehmend besser, z.B. das Gesicht mit einem Wattepad reinigen, den Oberk√∂rper samt Arme mit einem Waschlappen waschen, die Arme und Beine beim Anziehen in die von uns geforderte Position bringen, Z√§hneputzen oder den Mund mit Listerine aussp√ľlen, leichte und schwere Dinge aufnehmen und sicher bzw. ohne Zittern ablegen und kleckerfreier mit der Hand, einer Gabel oder einem L√∂ffel essen.
  • Beim freien und eigenst√§ndigen Sitzen auf einem Stuhl oder der Sofakante sowie am Tisch erreichen wir ebenfalls schon stattliche 30-45 Minuten, ohne dass sie unvermittelt zur Seite wegkippt.
  • Das Entgegennehmen unserer Ansagen und das damit einhergehende Ansteuern von Muskeln bzw. der Extremit√§ten ist ebenfalls schneller und zielgerichteter geworden. √úber so simple Dinge, wie „rechts“, „links“, „vor“ und „zur√ľck“, denkt sie nicht mehr so lange nach.

Bevor die Liste hier noch viel zu lang wird und es den eh schon recht ausf√ľhrlich gewordenen Blogeintrag sprengt, werde ich jetzt mal lieber einen Schlussstrich ziehen.

Ich habe die sehr intensive Zeit mit unseren Kindern sehr genossen und Carsten und ich freuen uns schon wieder auf den n√§chsten Freitag, wo wir Stephanie erneut f√ľr das Wochenende nach Wentorf holen werden. Wir drei sind mittlerweile echt gut eingespielt und die sichtbaren Erfolge geben uns die Best√§tigung, dass wir sicherlich nicht alles gem√§√ü Handbuch machen, aber dennoch selbst mit unserem Laienverst√§ndnis wenig Schaden anrichten und dennoch viel Positives erreichen. Und das ist mir jede Minute meiner Freizeit wert!



2021 21.
Nov

Demn√§chst wird ein weiterer Meilenstein f√ľr und mit Stephanie erreicht sein – 60 Wochen nach der Verlegung von der Charit√© in die erste Reha-Einrichtung (im Oktober 2020), ca. 460 Tage seit dem Vorfall (Ende August 2020) und nach 11 Monaten bei Bewusstsein (aufgewacht Ende Dezember 2020). Glaubt man den Aussagen der √Ąrzte, Therapeuten und Pflege – und das machen wir mittlerweile nahezu blind – m√ľsste man die letzte Zeitangabe sogar so vervollst√§ndigen: „nach GERADE MAL 11 Monaten bei Bewusstsein“.

F√ľr die meisten von uns d√ľrften die oben genannten Zeitr√§ume eine Ewigkeit darstellen, aber f√ľr das Krankheitsbild von Stephanie sowie der damit einhergehenden Rehabilitationsphase ist es aus unseren bisher gemachten Erfahrungen mehr als kurz, wenn man sich einmal ansieht, was unser Kind mittlerweile schon so alles geschafft hat:

  • eine vollst√§ndige √úbernahme der eigenst√§ndigen Atmung (keine Maschine, kein Tracheostoma)
  • eine fast komplette Freigabe beim Essen und Trinken
  • sie kann eigentlich sogar fast selbst dieses Essen und Trinken zu sich nehmen (wird nicht mehr gef√ľttert)

  • nach Bereitstellung gelingt ihr eine v√∂llig autarke Einnahme der Medikamente (egal ob fl√ľssig oder Tablette)
  • eine verst√§ndliche Artikulation und sie versteht und reagiert auf komplexe S√§tze und Fragen
  • sie beherrscht weiterhin mehrere Sprachen: Deutsch, Englisch, Franz√∂sisch und Russisch
  • der obere K√∂rperbereich ist relativ umfangreich einsatzf√§hig (Sorgenkind bleibt nat√ľrlich Linki)
  • und vor allem ist ihr Wille ungebrochen, ihren Schicksalsschlag so schnell wie m√∂glich zu kompensieren

Nat√ľrlich ist die Liste der noch zu bew√§ltigenden Baustellen und (vor allem ihre) Erwartungen an weitere Fortschritte noch lang, aber selbst die gr√∂√üten Probleme entwickeln sich alle in die richtige Richtung … und das wie gesagt, schon nach so kurzer Zeit f√ľr eine Person mit ihrer Hirnsch√§digung, ausgel√∂st durch eine Lungenembolie, Sauerstoffunterversorgung und einem mehrmonatigem Koma. Viele, aber vor allem auch √§ltere Personen schaffen in dieser Zeit nicht einmal die Entfernung des Tracheostomas … das „nervige Teil“ war bei ihr schon Mitte Februar 2020 raus!

Und genau die oben aufgef√ľhrten Dinge erlauben ihr nun, dass sie das n√§chste Wochenende zum ersten Mal nach so vielen Monaten bei uns in Wentorf verbringen kann und wir tats√§chlich von Freitagvormittag bis Montagmittag 24/7 mit dem Kind zusammen sein k√∂nnen. Carsten, Stephanie und ich freuen uns schon seit Tagen wie Bolle dar√ľber, zumal an dem besagten Freitag ja auch noch mein Geburtstag ist und wir somit gemeinsam Pizza am heimischen Tisch essen k√∂nnen – auf die „Mafiatorte“ freut sie sich ja schon seit Wochen    standard

Neben dem vielen Absprechen und Planen gehen wir derzeit immer wieder alles ganz genau im Geiste durch, damit es f√ľr uns OLCAs ein unvergessliches Erlebnis wird und es vor allem auch √∂fters wiederholt werden kann – dr√ľckt uns mal bitte wieder ganz fest die Daumen. Weitere Einzelheiten und vor allem unsere Erlebnisse dazu dann im n√§chsten Blogeintrag – die oben erw√§hnte 60. Woche …

Auch wenn die Heimkehr in der vergangenen Woche Thema Nummer 1 war, sind doch auch andere Dinge passiert, die ich hier f√ľr euch zusammenfassen m√∂chte.

Ein weiteres Highlight war n√§mlich unser erster Versuch, Stephanie das Bewegen des Rollstuhls zu zeigen und beizubringen … auch wenn es nur zentimeterweise ist. Hierbei hat sie allerdings wieder einmal superschnell die Vorgaben verstanden, verinnerlicht und abgerufen – 10 cm vor und zur√ľck sind schon gar kein Problem mehr:

Bei uns in der Wohnung wollen wir ihr dann die M√∂glichkeit geben, etwas mehr Strecke zu machen (10 m am St√ľck sind auf jeden Fall drin) und ihr auch einmal die Auswirkungen zeigen, wenn es nach rechts oder links gehen soll. Selbst ihre linke Hand scheint jedenfalls trotz Spastik gut daf√ľr ger√ľstet zu sein und sie macht ebenfalls flei√üig mit. So gl√ľcklich haben wir Stephanie schon lange nicht mehr erlebt – wenn sie gekonnt h√§tte, w√§re sie wahrscheinlich aufgestanden und h√§tte Freudenspr√ľnge gemacht.

Das Rollen wird am n√§chsten Wochenende auf jeden Fall noch sehr viel mehr vertieft und ge√ľbt, denn einen solchen Zugewinn bei der Mobilit√§t bringt sie wieder einen gewaltigen Schritt weiter. Bislang scheint ihr der Griff an die R√§der jedenfalls noch nicht in den Sinn gekommen zu sein …

Wo andere Dinge mittlerweile nach st√§ndigem √úben und Trainieren zumindest in den Ans√§tzen sitzen (Lebensmittel mit oder ohne Besteck in etwas eintauchen bzw. ditschen, den Tisch abwischen, die TV-Fernbedienung nutzen, diverse Pappboxen √∂ffnen) …

… scheitert sie leider noch an anderen T√§tigkeiten, die wir aber ebenfalls schon seit Wochen erkl√§ren und durchf√ľhren lassen, wie z.B. Brille aufsetzen (abnehmen und an jemanden reichen ist kein Problem) und Einschalten von Musikger√§ten (MP3-Box mit nur einem einzigen, daf√ľr aber kleinen Schieber). Doch wir geben nicht auf – „Niemals!“ (O-Ton Stephanie).

Und vor allem, da wir bei unseren 3 bis 4-st√ľndigen Besuchen nicht immer f√ľr alles unendlich viel Zeit haben, erhoffen wir uns an den Tagen, wo sie denn dann mal bei uns in der Residencia OLCA ist, dass man ihr etwas in die Hand dr√ľcken kann und sie einfach machen l√§sst – auch wenn es am Ende eine Stunde dauert. Solange sie t√ľftelt und konzentriert an die Sache rangeht, soll sie muddeln und eigene Strategien entwickeln, denn Zeit spielt dann ja keine gro√üe Rolle mehr.

Genau eine solche Sache haben wir n√§mlich gestern erlebt, als wir mit ihr das neue Spiel „Karte! Wort! Klingel!“ angefangen haben:

Hierbei deckt man eine Karte auf (Stephanie erkennt die Bilder nun auch immer besser, sogar zur Freude aller gleich auf Anhieb eine Birne!), jeder legt das gesuchte Wort aus maximal f√ľnf Buchstaben mit seinen W√ľrfeln vor sich hin und bet√§tigt dann eine Klingel. Zuerst sollte das Kind alleine die W√ľrfel legen, aber sie wollte unbedingt, dass wir gem√§√ü der Spielregeln mitmachen. Also haben wir ca. 10 Runden gemeinsam gespielt, bei denen nat√ľrlich Carsten und ich immer sehr schnell fertig waren … sie hat dennoch ohne Mucken und Murren in aller Ruhe ihr Wort zusammengesucht! Wer sie noch aus Kinderzeiten kennt, erinnert sich vielleicht, wie ehrgeizig sie damals war und dass das Gewinnen bei ihr fast immer an erster Stelle stand. Jetzt z√§hlt f√ľr sie zum Gl√ľck nur noch der Spa√üfaktor und das Lernen ist zudem mit in den Vordergrund ger√ľckt.

Jedenfalls zeigte sie beim Drehen der Buchstabenw√ľrfel (eigentlich sind es ja nur 6 Seiten bzw. M√∂glichkeiten) keine sehr gro√üe √úbersicht und Koordination, denn sie drehte den W√ľrfel zigmal in ihren Fingern um die eigene Achse und fand den richtigen Buchstaben nicht sehr schnell. Und wenn sie ihn dann endlich ersp√§ht hatte, war es schwer f√ľr sie, diesen auch so abzulegen, dass er von oben lesbar war. Also haben wir etwas mitgeholfen, bis es passte. Doch wenn es zuk√ľnftig mal keine Zeiteinschr√§nkungen gibt und sie sich selbst besch√§ftigen muss, dann k√∂nnte man sie mit W√ľrfeln und Worten alleine probieren lassen, bis es bei ihr da oben endlich Klick macht. Darin liegt unsere gro√üe Hoffnung, wenn wir dann mal einen gewissen Zeitdruck rausnehmen k√∂nnen.

Beim gestrigen Spielen wurde Stephanie (verst√§ndlicherweise) immer unkonzentrierter, also haben wir nach den besagten ca. 10 Runden das Wortbasteln mit den W√ľrfeln weggelassen und nur noch die Bilder bzw. dargestellten Worte auf den K√§rtchen gesucht, bei der sie dann wiederum sehr gut und neu motiviert bzw. konzentriert mitgemacht hat. Sie hat sogar sehr viel auf Anhieb erkannt und gewusst, sp√§testens nach ein paar verbalen Hilfestellungen. Die W√∂rter, Bergriffe und Vokabeln hat sie also noch drauf und kennt diese, aber sie lassen sich eben nicht immer gleich so ad hoc abrufen.

Mit sich selbst beschäftigen lassen wollen wir sie dann auch mal zusammen mit einem Tablet, denn die Bedienung von Webseiten oder bei Facebook & Co. hat sie eigentlich noch drauf:

Was ihr fehlt, ist das Drumherum, wie z.B. das Hervorholen, Ein-/Ausschalten, Aufladen, mit dem Internet verbinden und andere Voraussetzungen, f√ľr die das Pflegepersonal verst√§ndlicherweise nicht immer Zeit finden kann. Bei uns wird das aber ja eine v√∂llig andere M√∂glichkeit sein, denn wir werden ihr auf jeden Fall eine ganzt√§gige 1:1-Betreuung (eigentlich sogar 1:2) geben k√∂nnen. An Tagen mit dem Kind m√ľssen andere Dinge dann eben pausieren … so auch leider der n√§chste Blogeintrag, der somit nicht wie gewohnt am Sonntag auf eure Bildschirme flattern kann. Versprochen, ich reiche ihn so schnell ich kann nach – also voraussichtlich Montagabend    zwinker



2021 26.
Sep

Da wir ja flei√üig mitz√§hlen, m√∂chten wir euch die runden Zahlen zu Stephanie nat√ľrlich nicht vorenthalten: heute ist sie schon seit 60 Tagen im Pflegezentrum und am 30.9. werden es insgesamt 400 Tage seit dem Vorfall sein … man, wie doch die Zeit vergeht!

Aber es hat sich auch in dieser Woche wieder viel ereignet, wenn auch nicht immer alles sehr positiv war. Doch zu „unserem“ bzw. ihrem Kopfproblem m√∂chte ich erst am Ende meinen Senf dazugeben. Zuerst zu den Fortschritten und Weiterentwicklungen:

Am Montag wurde endlich ihr finaler Rollstuhl geliefert, denn der bisherige war eigentlich nur eine Leihgabe aus dem Geesthachter Krankenhaus. Voila, hier ist er:

Stephanie sagt, dass dieser hier megabequem ist (sie Sitzfl√§che ist ja auch fast 10 cm breiter!) und durch die ausgepolsterten Seitenteile hat sie nun sehr viel mehr Stabilit√§t beim Sitzen. Somit f√§llt jetzt sogar das Brustgeschirr weg und sie braucht nur noch zwei Sicherheitsgurte im Becken- und Oberschenkelbereich anzulegen. Er passt also perfekt … selbst die Radabdeckung mit VC Dresden gef√§llt ihr. Gut, es ist jetzt nicht gerade Gr√ľn-Wei√ü Dresden Cosch√ľtz oder der SV Babelsberg 03 (also einer ihrer ehemaligen Vereine), aber bei Volleyball und Dresden hat sich jemand zur √úbergabe „ab Werk“ doch schon ein paar pers√∂nliche Gedanken gemacht. Wir wissen nur nicht, bei wem wir uns daf√ľr bedanken k√∂nnen … und es h√§tte f√ľr sie z.B. mit Dynamo Dresden o.√§. auch sehr viel h√§rter kommen k√∂nnen    zwinker

Am Dienstag musste sie w√§hrend unserer Besuchszeit leider im Bett bleiben, da sich der Neurologe angek√ľndigt hat, um ihr eine weitere Botox-Behandlung zu Gute kommen zu lassen. Stephanies linke Hand sowie beide F√ľ√üe werden es ihm sicherlich danken, denn die damit einhergehende Entspannung sollte auch zu sehr viel weniger Tonus und Anspannungsschmerz verhelfen. Und wir haben an dem Nachmittag die Zeit im Liegen auch so ganz gut herumgebracht:

Hier zeigt Carsten ihr, wie kalt ihre H√§nde sind, indem sie sich selbst mal im Gesicht ber√ľhren sollte und mit einem Spiegel bekam sie wieder mal die M√∂glichkeit, ihr Gesicht zu erforschen und die verschiedenen Bereiche zu ber√ľhren – Nase, Augen, Stirn, Kinn und Ohren. Wobei letztere leider immer noch weit aus ihrem Fokus liegen und sie diese nicht alleine mit den Fingern lokalisieren kann. Egal ob mit oder ohne Spiegel …

Von den Ergotherapeuten bekamen wir die Info, dass Stephanie sich derzeit ganz toll im Standing (30 min ohne gro√üe Probleme) und mittlerweile auch schon bei der n√§chsten Stufe, dem Fast-ganz-alleine-Stehen, macht. Hierbei wird sie nahezu mit ihrem vollen Gewicht auf ihre eigenen Beine gestellt und durch die Ergos oder andere Hilfsmitteln nur noch sehr notd√ľrftig entlastet, damit sich ihr K√∂rper und Kreislauf langsam an das selbstst√§ndige Stehen gew√∂hnen kann. OK, hier erreicht sie gerade mal 3 Minuten und sie lamentiert wohl etwas mit „Nein“ und „Tut weh“ herum, aber am Ende hat sie es doch versucht und vor allem sehr gut durchgezogen und konnte dabei sogar mal beide Arme in die H√∂he rei√üen („Hoch die H√§nde – Wochenende“). Die Therapeuten sind jedenfalls schwer beeindruckt und wir stolz wie Bolle. Ein weiteres Schrittchen …

Ebenfalls gro√üen Lobes sind wir immer, wenn sie Linki vermehrt f√ľr diverse Standardhandgriffe nutzt. So z.B. beim Spielen oder f√ľr das Abwischen des Mundes und zum Greifen sowie zum Mund f√ľhren eines Marshmallows:

G√§nzlich ohne Probleme ist sie mittlerweile beim Ausw√§hlen ihrer Eissorte (s.u.) und beim Ausl√∂ffeln ihres Wunscheises aus einer Tasse, denn gestern blieb nicht einmal mehr noch etwas Nennenswertes f√ľr Carsten zum Nachbearbeiten √ľbrig. In der Regel hat er ihr n√§mlich die letzten L√∂ffelchen Eiswasser nachf√ľttern m√ľssen …

Am Donnerstag konnten wir Stephanie zum ersten Mal nach √ľber einem Jahr ein Messer und Schmierbelag in die Hand dr√ľcken, sodass sie sich selbst das Abendessen vorbereiten musste – jedenfalls ansatzweise. Sie bekam zu ihrem weichen und bereits mit Butter beschmierten Br√∂tchen …

… T√∂pfchen mit Mett und Frischk√§se, dessen Verteilung wir ihr dann √ľberlassen wollten. Carsten hat nat√ľrlich noch hier und da etwas Hilfestellung geben m√ľssen (Haltung des Messers mit der rechten Hand, Festhalten des T√∂pfchens Mett mit der linken Hand, wie bekommt man das Zeug vom T√∂pfchen aufs Br√∂tchen, wie verteilt man es am besten mit dem Messer auf dem mit Linki festgehaltenen Br√∂tchen etc.), aber alles in allem waren wir drei sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und Stephanie nat√ľrlich noch zus√§tzlich mit dem Geschmack ihres Lieblingsbelages    zwinker

Wie man auf den Bildern sehen kann, mussten wir zwischenzeitlich vom Pavillon drau√üen in die Essensr√§umlichkeiten nach drinnen wechseln, da neben der K√§lte es auch zunehmend mit starkem Wind und Regen recht ungem√ľtlich wurde … sowas muss man sich ja nicht unbedingt freiwillig antun.

Diese Woche brachten wir folgende Dinge als Geschmack-des-Tages mit: eine Dose Mandarinen (DI), mit Standardformat und Sticks zweierlei Gew√ľrzgurken (DO), Marshmallows (SA) und heute kleine K√§sew√ľrfel, die sie mit einem Zahnstocher aufpieksen und sich in den Mund stecken musste. Was soll ich sagen, geschmacklich haben ihr alle mitgebrachten Dinge sehr gefallen und f√ľr n√§chste Woche sind auch schon die ersten W√ľnsche ge√§u√üert worden. So erhofft sie sich u.a. mal wieder eine Avocado als Mitbringsel.

Wenn wir bei unseren Besuchen mit Sack und Pack zum Pavillon aufbrechen, haben wir mittlerweile ganz schön viel dabei:

Doch den meisten Platz nehmen neben unserem eigenen mitgebrachten Abendessen in der Brotdose (Stephanies Abendessen kommt ja erst ein paar Stunden sp√§ter und wird zudem frisch zubereitet) eindeutig die diversen Spiele ein. Wir probieren eben viel aus und f√ľr sie ist das Spielen mit uns zudem die sch√∂nste Besch√§ftigung, auf die sie sich jedes Mal auch sehr freut. Noch kann sie das ja leider nicht alleine machen … also weder Spielen, noch Aufbauen oder Organisieren.

Diese Woche haben wir ein Geschenk von einem Besucher aus der Vamed-Klinik ausprobiert …

… bei dem anhand von Hundebildern (als Welpe und als Ausgewachsener) das P√§rchen gesucht werden muss. Wir glauben allerdings nicht, dass Stephanie das an sichtbaren Merkmalen festmacht (Farbe, Fell, Schnauze, Schwanz etc.), sondern leider nur an den darunter geschriebenen Hunderassen – lesen kann sie ja sehr gut und auch recht schnell. Schon beim Raten des Namens eines Gegen√ľbers schielte sie ja immer sofort auf das Namensschildchen    standard

Nat√ľrlich verbrachten wir auch diesmal viel Zeit mit der Kl√∂tzchenbox, bei der sie alle Steine mittlerweile sehr schnell und auch gleich zu mehreren auf einmal mit der rechten Hand aus der Box rausfischt, danach alle Zahlen nach oben drehen muss, diese dann aufsteigend in einer Reihe ablegen soll (sie beh√§lt jetzt sogar den √úberblick auf dem Tisch und findet selbst gesuchte Steine au√üerhalb ihres bislang sehr eingeschr√§nkten Blickwinkels) und auch immer wieder die Farben und Formen zu benennen bzw. finden hat. Die Box wird in den n√§chsten ein bis zwei Wochen wohl mal Pause haben, um nicht ganz langweilig zu werden.

Ebenfalls neu wie das Hunde-Memory war in dieser Woche ein sogenanntes Matching-Game oder Buchstabenspiel, welches sie von einer Freundin aus den USA geschenkt bekommen hat:

Wir haben das Spiel zwar schon mehrmals mit an den Tisch unterm Pavillon genommen, aber bislang kamen wir dann doch nie dazu, es auszuprobieren. Am Samstag sollte es dann gleich das erste Spiel sein, was wir durchf√ľhren und wir nahmen uns zuerst die Spielanleitung zur Hand. Carsten las sie in der Originalsprache vor und Stephanie hat w√§hrenddessen auch gleich mit uns ein paar S√§tze auf Englisch gesprochen. Wir waren sehr beeindruckt.

Und so geht es: eine Karte zeigt ein Objekt mit 3-4 Buchstaben (nat√ľrlich im Englischen) und unser Kind sollte zuerst das Objekt erkennen und auf Deutsch benennen. Danach musste sie es √ľbersetzen und aus den vor ihr liegenden Buchstabenw√ľrfeln die entsprechenden Buchstaben suchen, um sie dann in der richtigen Reihenfolge in das lila Spielfeld zu setzen. Zum Abschluss wird die Karte einmal nach vorne gekippt und wieder zur√ľckgelehnt, sodass durch einen Klappmechanismus das gesuchte Wort auf der Karte sichtbar wird. Perfekt, das sind ja gleich mehrere Aufgaben und √úbungen f√ľr beide H√§nde auf einmal!!!    standard

Die Fleischdose auf der ersten Karte hat sie gleich erkannt und auch die dazugeh√∂rige Vokabel „can“ wusste sie. Das Greifen der W√ľrfel, das Suchen der Buchstaben und das Einsetzen ins das Spielfeld hat sie nach unserer Anleitung recht schnell kapiert, aber nat√ľrlich dauert es zum Teil etwas l√§nger, bis sie es richtig durchgef√ľhrt hat. Insbesondere beim Drehen der W√ľrfel √ľbersieht sie auch gerne mal den ben√∂tigten Buchstaben und legt diesen zu schnell aus der Hand. Hier m√ľssen wir dann helfend eingreifen und sagen, dass wir den gesuchten Buchstaben schon darauf gesehen haben … da fehlt ihr leider der √úberblick, welche W√ľrfelseiten sie schon durchgesehen hat und vor allem die Strategie, wie sie dabei am besten vorgehen kann.

Ein Schwein (f√ľr sie ein Hund) und eine Kuh auf den n√§chsten Karten hat sie weder erkannt, noch die √úbersetzung dazu gewu√üt. Fu√ü / foot klappte wieder hervorragend und eine Eule / owl war f√ľr sie im Deutschen ein Uhu … hier fehlte selbst uns die richtige Vokabel. Doch buchstabieren und die Buchstaben suchen und stecken gelang ihr immer besser.

Aber bei all den Spielen, sowie bei den Kinder-Apps und den Baukl√∂tzen zeigt sich das gr√∂√üte Problem von Stephanie: sie ist sowohl als 3-J√§hrige, als auch als 25-J√§hrige in ein und demselben K√∂rper gefangen. Wenn es um eigenst√§ndiges Spielen und ein fantasievolles Ausleben geht, fehlt der √§lteren Stephanie schlicht das kindliche Gem√ľt, und wenn sie als 25-J√§hrige agieren will, macht ihr zu oft das K√∂nnen und Benehmen eines Kleinkindes zu schaffen.

Hier ein paar Beispiele zur Erklärung, was ich genau damit meine:

Die vollumf√§ngliche und eigenst√§ndige Bedienung eines iPads ist ihr noch zu fremd, aber f√ľr die Kinderspiel-Apps mit simplem Antippen und Verschieben kann sie sich eben auch nicht besonders lange begeistern. Dennoch scheitert sie aber bereits bei den Kleinkinder-Apps an v√∂llig simplen Aufgaben, wie z.B. das Verschieben eines Puzzleteils in die sehr eindeutige und sichtbare Aussparung oder das Antippen aller vorhandenen M√∂glichkeiten.

Das Gleiche Dilemma beim Spielen mit Holzkl√∂tzen. Ein Kind w√ľrde die Teile nehmen, sie durch die Gegend schubsen, sie stapeln, umrei√üen, mit Autoger√§uschen √ľber den Tisch ziehen oder Figuren daraus bauen … eben seiner Fantasie v√∂llig freien Lauf lassen. Stephanies Erwachsenengedanken „verbieten“ ihr anscheinend ein solches Verhalten und sie muss von uns immer erst eine Aufgabe gestellt bekommen, da sie selbst mit sich und den Kl√∂tzchen nichts anzufangen wei√ü – eine regelrechte Zwickm√ľhle!

Und zudem gesellt sich dann auch noch immer wieder ihre Zweifel an den erbrachten Fortschritten, denn es geht ihr nicht schnell genug oder sie h√§lt sich f√ľr dumm. Vor allem, da sie die aus ihrer Sicht einfachsten Dinge nicht beherrscht.

Besonders dann bedarf es immer einer kleinen Aufmunterung und vor allem einer Aufz√§hlung der bisher tats√§chlich erreichten Ziele. Klar, in den Augen und Gedanken einer 25-J√§hrigen ist das eigenst√§ndige Essen, Atmen und kurzes Stehen auf den Beinen nicht gerade eine besonders herausragende Leistung, aber mit den Einschr√§nkungen und F√§higkeiten eines Kleinkindes muss man hier eben immer wieder den Unterschied machen. Stephanie wei√ü beispielsweise ohne gro√üartig nachzudenken, was Initialen sind und kann die der Familie auch sofort aufz√§hlen (SM, AM, CS, OS), aber eben an dem Erkennen eines Schweins auf einem Bild oder dem Begriff „Euter“ scheitert sie kl√§glich. Das nervt sie ungemein und sie h√§lt sich deshalb f√ľr dumm und unf√§hig. Hier ist durch uns immer wieder gebetsm√ľhlenartig die oben erw√§hnte Aufbauarbeit zu leisten.

Es geht ihr eigentlich alles viel zu langsam, doch was in ihren Augen schon mehr als ein Jahr her ist, ist f√ľr uns doch eher erst seit ihres langsamen Aufwachens im Januar/Februar m√∂glich geworden. Und vor allem, nachdem wir sie monatelang als H√§ufchen Elend an Maschinen angeschlossen gesehen haben und in der Charit√© die vielen wei√üen Bereiche auf dem Gehirnscan erl√§utert bekamen, ist es umso erstaunlicher, was ihr verbliebener Rest des Gehirns (und K√∂rpers) nun alles √ľbernehmen muss … und anscheinend ja auch schon √ľbernommen hat und gut kann. Gut, der Muskelaufbau geh√∂rt nat√ľrlich noch zu den gr√∂√üten Baustellen derzeit.

Aber vermittelt das mal einer Mischung aus 3- und 25-J√§hrigen, die sich zudem gerade in ihrer zweiten Pubert√§t zu befinden scheint … im einen Moment himmelhoch jauchzend und kurze Zeit sp√§ter wieder zu Tode betr√ľbt – ein v√∂lliges Wechselbad der Gef√ľhle. Zum Gl√ľck passiert das alles noch nicht t√§glich, denn dann w√ľrden wir es schlichtweg Depression nennen, aber zwei- bis dreimal im Monat ist auch schon √§u√üerst anstrengend f√ľr sie und f√ľr uns.

Doch Carsten und ich geben sicherlich nicht auf! Vor allem nicht, da wir es mit ihr gemeinsam und in dieser kurzen Zeit schon so weit geschafft haben!!! TSCHAKKA!!!!!

Unser Fazit lautet, dass es echt notwendig wird, dass sie sich endlich selbst besch√§ftigen kann, um sich Erwachsen zu f√ľhlen und wenn sie es braucht, sich ablenken zu k√∂nnen. Damit meinen wir vor allem das Lesen, Schreiben und ein Bedienen von Technik (z.B. Musik ein-/ausschalten, ein Tablet oder Telefon nutzen, selbst√§ndiges Aufladen), damit sie endlich aus ihrer t√§glichen Langeweile rauskommt. Fernsehen mag sie z.B. √ľberhaupt nicht, ja sie will nicht mal einen f√ľr sich gekauft haben.

Doch bis zum Erreichen dieses Fazits d√ľrfte es noch etwas dauern … m√∂ge sie noch genau diese Geduld daf√ľr aufbringen. Das w√ľnschen wir ihr aus ganzem Herzen!



2021 19.
Sep

Zack und die erste Arbeitswoche ist schon wieder rum … und f√ľr uns und Stephanie war es gleich auch die erste Woche mit dem neuen Besuchsschema: dienstags, donnerstags & samstags zusammen mit Carsten und sonntags ohne Carsten – letzteres nennen wir ja schon seit Monaten „M√§delstag“    standard

Unsere gemeinsamen Besuche in der Woche lassen sich mittlerweile auch ganz sch√∂n auf dieses wiederkehrende Schema runterbrechen: Quatschen, Spielen und Essen … und wenn es geht, nat√ľrlich immer drau√üen!

Kaum zeigt sich so ein Himmel …

… oder es regnet nicht in Str√∂men, dann zieht es uns sofort in Richtung des Lieblingspavillons. Bislang konnten wir das jedenfalls noch jeden Tag so machen und wir hoffen mal, dass die M√∂glichkeiten auch noch etwas l√§nger anhalten werden. Nur etwas w√§rmer einpacken werden wir uns wohl bald m√ľssen    zwinker

Punkt 1: das Quatschen

Wie schon zu Kinderzeiten versuchen wir auch jetzt wieder durch gezielte Fragen, den Tag oder die Woche betreffend, das Erinnerungsverm√∂gen zu trainieren. Anfangs wussten Andrea und Stephanie z.B. nicht einmal mehr, was es in der Schule zum Mittag gab, aber nach ein paar Wochen nervigem Nachhaken durch uns beim Abendessen, wussten sie ganz genau, was Carsten und mir wichtig war und was wir alles nachfragen w√ľrden – also hatten sie es sich schon mal sehr viel besser eingepr√§gt. So √§hnlich ergeht es jetzt auch Stephanie wieder. Wir fragen sie √ľber die letzten zwei Tage aus und von Besuch zu Besuch schafft sie es, sich wieder etwas mehr zu merken.

Noch reicht es zwar nicht ganz f√ľr den Geschmack des Mittagessens („Eintopf“ … p√ľriert eben) oder das Gespr√§chsthema der gerade stattgefundenen Bewohnerrunde („War nicht spannend“), aber so manche Info kann man ihr mittlerweile doch ganz gut entlocken. So erinnerte sie sich z.B. gl√ľcklich an ihren „zweiten Pieks Biontech“ (d.h. sie ist ab Anfang Oktober ebenfalls vollst√§ndig durchgeimpft) und dass sie wie wir beiden am n√§chsten Tag keine Probleme bzw. Nachwirkungen hatte. Oder auch ihre mehr oder weniger guten Erfolge beim Standing, wobei sie mit sich selbst wohl sehr viel h√§rter ins Gericht zu gehen scheint als die Ergotherapeuten. Letztere sind n√§mlich sehr zufrieden mit ihr und auch wenn das Training nach etwa 20 Minuten beendet werden muss, ist es immerhin schon eine so lange Zeit, die sie relativ stabil und in aufrechter Position auf ihren eigenen Beinen steht.

Daf√ľr √ľberraschte sie uns diese Woche mit sehr vielen Erinnerungen aus der Zeit vor dem Vorfall und Dingen, die sie sich trotz Problemen mit dem Kurzzeitged√§chtnis doch irgendwie wieder sehr gut einpr√§gen kann. Seien es die Namen des Personals und der Therapeuten (sie kann sie echt alle aufsagen!), oder typische Phrasen von fr√ľher. Hier mal ein paar konkrete Beispiele:

  • In einem Video von der Familie f√§llt das Wort „Amsel“ und Stephanie stimmt sofort zu „Amsel, Drossel, Fink und Star … und die ganze Vogelschar“ an.
  • Eine Katze macht bei ihr mittlerweile nur noch Miau und somit bleibt der Hund das einzige „Wuff-Tier“.
  • Nachdem Carsten einmal aus Jux „Allee Allee Allee“ (im Sinne von „es ist alle“) gesagt hatte, stieg sie gleich musikalisch mit ein: „… eine Stra√üe, viele B√§ume, ja das ist eine Allee, ALLEE !“ … Stephanie ist sicherlich kein Ballermann- oder Fu√üballfan, aber diese Ohrwurm (O-Ton von ihr!) blieb eben bis heute h√§ngen.
  • Wer sie etwas besser kennt, kann sich sicherlich auch an einen ihrer Lieblingsspr√ľche der letzten Jahre erinnern, den sie immer sagte, wenn alles OK war: „Juti Potuti“ … den hat sie immer noch drauf und kramte ihn jetzt auf einmal wieder aus ihrem Ged√§chtnis.
  • Vor zwei Wochen haben Andrea und Stephanie f√ľr Carstens Geburtstag ein Geschenk vorbereitet und sie konnte sich gestern wieder daran erinnern, nachdem sie von mir einen kleinen, wortlosen Wink f√ľr seinen Ehrentag bekam.
  • Als sie ein Video von Eileen guckte, fragte diese nat√ľrlich auch nach, ob sich unser Kind denn noch an die Herkunft und Bedeutung des Namens Chantal erinnern w√ľrde … nu gloor tat sie das!!!
  • Selbst unseren Obsttest in „Real-Life und 3D“ hat sie mit Bravour bestanden – auch wenn Carsten sie damit eigentlich mal so richtig ver√§ppeln wollte    zwinker    zuerst zog er eine kleine Gurke raus und sie antwortete „Gurke“ … dann holte er einen Apfel raus und sie antwortete „Apfel“ … dann holte er den n√§chsten Apfel raus und sie antwortete grinsend „noch ein Apfel“ … dann holte der Apfel Nr. 3 raus und sie musste lachen. Herrlich! Sie hat nicht ein einziges Mal versucht, uns eine Birne oder M√∂hre unterzujubeln …
  • Und als wir ein reines Ged√§chtnisspiel einschoben, damit ihre Arme und H√§nde auch mal etwas pausieren konnten und sie sich zur√ľcklehnen sollte, sind wir einmal von A bis Z durchs Alphabet gegangen und suchten Automarken. Das hat echt gut geklappt, denn manches hat sie von Anfang an selbst gewusst (BMW, VW/Volkswagen, Hyundai, KIA) und einige Marken konnten wir schon durch die ersten ein bis zwei Silben aus ihr hervorlocken. Vor allem die Franzosen (Citroen, Renault, Peugeot) und so manchen Asiaten (Suzuki, Mitsubishi) kramte sie auf diese Weise erfolgreich aus ihrem wirren Oberst√ľbchen hervor. Wir waren durchaus etwas √ľberrascht, denn ein Autofan war sie wahrlich noch nie … doch Vornamen, St√§dte, L√§nder und Orte haben wir schon in den letzten Wochen gespielt. Es sollte also mal was neues her.

Punkt 2: das Spielen

Um ein paar √úbungen so richtig zu vertiefen, haben wir uns diesmal nur auf sehr wenige Dinge konzentriert … aber vor allem auf ihre Holzbox:

Sie musste mit Rechti und Linki (!) mehrere Aufgaben erledigen und von Tag zu Tag wurde sie doch etwas schneller und geschickter:

  • die Kiste festhalten, aufklappen und alle Steine rausholen … zum Teil tat sie das einzeln, aber manchmal auch gleich mehrere auf einmal
  • Linki nimmt den Stein vom Tisch auf, beide H√§nde drehen zusammen bis Stephanie die Zahl vorlesen kann und der Stein wird abschlie√üend mit Zahl nach oben wieder auf den Tisch gestellt … das hat Linki nun auch schon ab und zu mal ganz alleine geschafft
  • Steine nach Farben aussortieren und von Rechti zu Linki geben … sie hatte leichte Unsicherheiten bei Rot, Orange und Pink
  • Zum Abschluss einen Stein in die richtige √Ėffnung (1 von 3 m√∂glichen) stecken … manches geht leicht von der Hand und mit manchen Formen (z.B. dem Halbkreis) steht sie doch arg auf Kriegsfu√ü

Am ersten Tag lag die Box noch auf dem Tisch vor ihr, beim n√§chsten Mal war sie schon in Stephanies Richtung der Augen angekippt …

… und gestern dann auf Augenh√∂he:

Wir glauben, dass sie beim Einsch√§tzen der Formen und der richtigen Steindrehung noch Probleme hat, wenn der gleiche Umriss eben nicht auf Anhieb erkennbar ist – Kreis, Quadrat, Halbkreis, Stern, Trapez, Dreieck & F√ľnfeck. Erst wenn sie frontal auf das Loch und die jeweilige Form des Stein in ihrer Hand gucken konnte, klappte vieles besser. Da fehlt ihr eben noch sehr die Vorstellung und das r√§umliche Denken. Sie versteht zum Teil auch √ľberhaupt nicht, warum z.B. so etwas denn verflucht-nochmal nicht funktionieren will:

Und es dauert manchmal auch sehr sehr lange, bis sie die Steine richtig in den H√§nden gedreht hat. Bei einem kleineren Spielw√ľrfel hatte sie da schon sehr viel weniger Probleme: sie sollte mit einem W√ľrfel w√ľrfeln und den der Seite gegen√ľberliegenden Wert mit einem zweiten W√ľrfel auf den Tisch legen – d.h.:

  • w√ľrfeln … kann sie mittlerweile ohne Probleme
  • den gegen√ľberliegenden Wert ausrechnen … beiden W√ľrfelseiten ergeben ja immer 7, dementsprechend sind die P√§rchen also 1 und 6, 2 und 5 sowie 3 und 4
  • den errechneten Wert mit W√ľrfel Nr. 2 auf den Tisch legen … Linki und Rechti drehten den W√ľrfel und legten ihn mit der gew√ľnschten Zahl nach oben ab

Sie hat die Aufgabenstellung erstaunlich schnell kapiert und konnte sie auch erfolgreich umsetzen Рdie Suche einer bestimmten Seite auf dem Holzstein dauerte da schon teilweise recht lange, je nachdem wie sie ihn gerade (durch Zufall?) in den Händen drehte.

Egal, es kommt ja nicht nur auf die Richtigkeit der √úbungen an, sondern insbesondere auch auf das Training der H√§nde und Finger. Ihre Motorik und vor allem das Gef√ľhl, Linki bei bestimmten Dingen mit einzubeziehen (und das nicht nur auf Kommando), scheinen sich jedenfalls stetig zu verbessern. Und wir m√ľssen nat√ľrlich ebenfalls viel Fingerspitzengef√ľhl bei ihrer Aufmerksamkeitsspanne beweisen, denn sobald sie unkonzentriert wird, muss eben auch mal abgebrochen oder etwas anderes stimulierendes gefunden werden.

Diese Woche hatten wir leider nur wenig Zeit f√ľr die schon einmal beschriebene Puzzle-App, aber die l√§uft uns nicht weg …

Punkt 3: das Essen

Na, ist es euch aufgefallen? Diesmal erw√§hne ich das Thema erst zum Ende hin    zwinker

In der Woche kommen wir ja direkt von der Arbeit (ca. 15:30 machen wir los, ca. 16:15 sind wir bei ihr) und statt wie bisher im Auto unser Abendbrot zu essen, haben wir es uns nun so eingerichtet, dass wir gegen 17:30 mit dem Kind zusammen essen. Sie bekommt ihren Teller und den Nachtisch inklusive Medikamentendosis vom Pflegezentrum und wir bringen unsere „Bemmen“ und die Yoghurts eben in einer Butterbrotdose mit. So schweigen wir uns dann kurzzeitig mal alle m√ľmmelnd an    standard

Am Ende √ľberreicht sie sogar schon ihren Teller samt aufgelegtem Besteck recht zielsicher an einen von uns … aber es fehlt nat√ľrlich noch an der Feinmotorik, wie z.B. das konstant waagerechte Halten, um eine rutschende Gabel zu verhindern.

Mit im Gep√§ck ist nat√ľrlich auch immer „Der Geschmack des Tages“ – diese Woche waren es Banane (DI), Gurke (DO), Camembert (SA) und Rosienenstuten (SO). Stephanie sieht beim Kauen dieser „Spezialit√§ten“ stets so unendlich gl√ľcklich aus! Doch eine Sehnsucht wird fast immer wieder von ihr erw√§hnt – nein, es ist √ľberraschenderweise nicht der D√∂ner, sondern ganz simples Mett bzw. Hackepeter. Das hat es ihr echt (geschmacklich) angetan und vielleicht ist es auch bald mal wieder so weit …

Zudem hatten wir am Samstag ein Fundst√ľck aus dem Kaufland mit dabei: diesen Pizza Hawaii-Smoothie

Trotz des √ľber 60 prozentigen Anteil an Ananassaft hat Stephanie erstaunlich mehr davon getrunken, als wir im Vorfeld und insbesondere nach unserem eigenen Probieren gedacht h√§tten. Fragt nicht, es schmeckte … √§hm … gew√∂hnungsbed√ľrftig. Und Carstens Fall war es √ľberhaupt nicht    zwinker    dabei bestellt er aus der Familie als einziger √∂fters gerne mal Pizza Hawaii.

Aber was sagt ihr eigentlich hierzu?

Ja, ihr seht richtig: diese Gurke hat sie tats√§chlich mit Linki gegessen. Stephanie ist zu Anfang nat√ľrlich nicht von allein darauf gekommen, aber sie hat im Laufe des Essens auch keine Anstalten gemacht, sie einmal wieder zur√ľck in die rechte Hand zu geben. Sie hat es echt supergut durchgezogen und das Essen mit Linki klasse zum Mund gef√ľhrt! Erst die untere Gurkenh√§lfte ging dann (leider) an mich, denn das Kind war satt. Schade, wir h√§tten doch so gerne gesehen, wie Linki den unteren Teil bewerkstelligt h√§tte. Beim n√§chsten Mal vielleicht …

Wie anfangs erw√§hnt sind dies also unsere drei Dinge, die wir derzeit jeden Besuchstag geplant durchziehen, um Erlerntes zu vertiefen, zu trainieren und um eine solche Gewohnheit reinzubringen, dass sie vielleicht eines Tages nicht einmal mehr dar√ľber nachdenken muss. Genau so, wie es wahrscheinlich bei jedem von uns angelernt ist, oder? Denn wer von euch denkt noch genau √ľber die Benutzung von Messer und Gabel nach? Eben, keiner.

Zum Abschluss w√ľrde ich gerne noch diese drei Kleinigkeiten erw√§hnen, um damit unsere letzte Woche komplettieren und abschlie√üen zu k√∂nnen:

Ihre Ecke bzw. ihr Bereich im Zimmer wird zunehmend wohnlicher und eigentlich sind nur noch ein paar Details hinzuzuf√ľgen, wie z.B. Beschriftungen, Aufh√§ngen des Nachrichtenbretts (im Fach oben rechts) oder vielleicht noch das ein oder andere Ding umr√§umen. Das Regal sowie der Stumme Diener scheinen jedenfalls gut anzukommen und wir freuen uns √ľber die vielen Ablagem√∂glichkeiten und den Platzgewinn:

Im Gespr√§ch mit den Ergos haben wir erfahren, dass man nun sogar schon angefangen hat, einen Transfer zwischen Bett und Rolli ohne Lifter und Rutschbrett zu √ľben. Damit k√∂nnte man dann Stephanie zu einem sp√§teren Zeitpunkt (wir denken immer an unser Credo „Gut Ding will Weile haben“ sowie „Schrittchen f√ľr Schrittchen“) auf den eigenen Beinen und mit viel K√∂rpereinsatz des Helfenden hin und her bewegen. Die ersten Versuche sahen wohl auch schon sehr vielversprechend aus, aber es dauert noch, bis alles als Workaround an Dritte (also uns) „√ľbergeben“ werden kann. Doch alleine schon, eine solche M√∂glichkeit √ľberhaupt mal in Aussicht gestellt zu bekommen, hat mich megagl√ľcklich gemacht.

Und hiermit noch kurz zu meinem Einsatz als Friseuse …

… wobei Stephanie das doch irgendwie zu genie√üen scheint. Mit Trockenshampoo hatten wir uns ja schon bei unserem gemeinsamen Campingurlaub in Kanada 2019 ausreichend besch√§ftigt und waren obgleich der Ergebnisse recht √ľberrascht. Jetzt muss sie nur noch ihre zweite Pubert√§t hinter sich bringen und wir m√ľssten uns nicht mehr so sehr im Kampf gegen das schnelle Fettigwerden der Haare und ihre hin und wieder erscheinenden Pickel plus Hautunreinheiten im Gesicht anstrengen – ach ja, ich warte weiterhin ganz geduldig auf sooooo viele Ergebnisse, Besserungen und das Erreichen von Zielen, versprochen!



2021 22.
Aug

W√§hrend wir am Donnerstag unser allerletztes Testzertifikat ausdrucken konnten, da wir dann ab Freitag auch endlich zum erlauchten Kreis der „vollst√§ndig Durchgeimpften“ z√§hlten …

… und somit ab sofort per App (CovPass oder Luca) den Nachweis erbringen k√∂nnen, bekam Stephanie am Freitag ihre erste Dosis. Erstaunlich, wie gut sie sie vertragen hat. Mal sehen, wie es dann in ein paar Wochen bei Nummer 2 aussieht.

Medizinisch gibt es aus dieser Woche sogar nicht viel zu berichten, denn noch ist Stephanie mit den Therapeuten und den √Ąrzten in der Kennenlernphase. Einmal kamen wir genau zu einer Therapiesitzung der Ergos im Pflegezen-trum an und mussten drau√üen warten, bis Stephanie ihr Sitzen an der Bettkante abgeschlossen hatte:

Auf dem Foto schaut Carsten gerade ein wenig zu: l√§uft echt gut bei ihr! Das Kind hat uns auch schon erz√§hlt, dass sie mal beim Stehtraining ein paar Minuten aufrecht auf den eigenen F√ľ√üen stand – wow!!! Sicherlich mit Hilfe und viel Abst√ľtzen, aber dennoch ein weiterer Fortschritt f√ľr sie und f√ľr uns, denn das d√ľrften die ersten Aktionen hin zur Nutzung der Beine und F√ľ√üe sein.

Und wir stellen immer wieder erleichtert fest, wie unempfindlich sie doch mit ihrer linken Hand geworden ist. Vor wenigen Monaten konnte man die verkrampfte Linki kaum anfassen und heute l√§sst sie ohne Mucken und Murren sogar solche Dehn√ľbungen zu:

Auf dem ersten Bild sind die Finger (insbesondere die letzten drei: Mittel-, Ring- und kleiner Finger) im Vergleich zur normalen Ursprungshaltung schon recht weit geöffnet, aber mit ein wenig Streicheln und Massieren geht sogar noch mehr:

Klar, man sp√ľrt in dieser Situation nat√ľrlich sehr deutlich den Tonus am inneren Handgelenk und Unterarm, beson-ders wenn die Finger recht gerade und auch die Hand weniger eingedreht sind. Die Unterseite des Unterarms ist dann sehr hart und das Gewebe straff wie eine Gitarrensaite, aber sie zittert nicht und hat auch keine dauerhaften Schmerzen.

Ansonsten haben wir unsere Besuchszeiten in der Regel eigentlich nur mit Essen (wenn wir nach der Arbeit so gegen 16:30 bei ihr sind, bekommt sie immer eine Stunde sp√§ter das Abendbrot) und Spielen verbracht. Vor allem auch au√üerhalb ihres Zimmers, denn an einem Tag lag sie schon im Bett und wir sind gezwungenerma√üen drinnen geblieben … es ist insgesamt viel zu eingeengt, liegend ist sie teilweise recht bewegungsunf√§hig und zudem ist mit ihrer Zimmergenossin ja auch noch eine weitere Person im Raum, die entweder schlafen will oder gerne fernsehen m√∂chte – egal wie man es nimmt, man st√∂rt sich gegenseitig doch irgendwie ein wenig. Also dann lieber immer die Flucht im Rolli ins Au√üengel√§nde ergreifen oder, wenn bald die k√§lteren Tage n√§her r√ľcken, in einen Aufenthalts-raum.

Apropos Spiele: liebe Sandra, auch auf diesem Wege einen ganz gro√üen und herzallerliebsten Dank f√ľr dein tolles √úberraschungspaket aus den USA:

In der kommenden Woche werden wir mit ihr sicherlich mal beides ausprobieren Рhat sich einfach bis heute aufgrund der Besucher, der vorhandenen Aktivitäten und manchmal auch durch ihre Tagesform leider noch nicht ergeben.

In dieser Woche haben wir jedenfalls meist mit ihr „Wer ist es?“ gespielt, bei dem durch Fragen zu Gesichtsmerk-malen (m√§nnlich/weiblich, Brille, Kopfbedeckung, Bart, Haarfarbe, Glatze etc.) eine vorher gezogene Person erkannt werden muss. Man kippt nach der Antwort dann all diejenigen Personen um, die den angefragten Kriterien nicht entspricht: „Ist deine Person m√§nnlich?“ … „Ja.“ … ergo: alle weiblichen Personen werden umgeklappt usw.

Anfang der Woche haben wir uns erst einmal vorsichtig an das Spielprinzip herangetastet und vor allem ausge-testet, ob Stephanie die Personenpl√§ttchen √ľberhaupt einzeln umklappen kann. Erstaunlich, aber DAS beherrschte sie nach nur 2-3 Versuchen wie aus dem Effeff und war somit schon mal alleiniger Bediener des Spielfelds – perfekt. Ok, dann wollten wir auch schon mit unserer Hilfe die erste Figur erraten. Ich zog eine Karte und hatte somit eine Zielperson, Carsten stand hinter ihr und erkl√§rte ihr die Fragen sowie das Umklappen der nicht m√∂glichen Kandidaten. Hier musste er sie vor allem dazu bringen, dass sie bei der Durchsicht immer Reihe f√ľr Reihe vorgeht und nicht wild in den vier Reihen herumspringt, da sie dabei am Ende vielleicht auch jemanden √ľbersehen w√ľrde. Wir k√∂nnen uns in Sekunden einen √úberblick √ľber alle 24 M√∂glichkeiten verschaffen, ihr fehlt daf√ľr noch der √úberblick und vor allem der Orientierungssinn.

Am Ende der Woche haben wir sie sogar schon ganz alleine spielen lassen, also ohne dass jemand auf ihre Entscheidungen guckte und ggf. korrigierte. Sie erkennt die Personen auf den Bildern sehr gut, hilft sich beim Geschlecht mit den unten aufgef√ľhrten Namen und auch das Suchprinzip scheint sie recht gut verstanden zu haben. Die erste Runde war sogar v√∂llig fehlerfrei und am Ende hatte sie die richtige Person gefunden, die Carsten zuvor gezogen hatte – sie war stolz wie Bolle!

Bei der zweiten Runde zeigten sich dann aber mal wieder ihre kurzen Konzentrationsspannen, denn irgendwie hat sie sich zwischendurch vertan und kam somit diesmal leider nicht auf die gesuchte Person. Besonders deutlich wurde das bei der dritten Runde, zu der sich Carsten wieder hinter sie stellte und √ľber ihre Schulter guckte. So konnte er ihre Fehlinterpretationen (ist auf dem Bild nun eine M√ľtze oder eine Glatze zu sehen, die schwarzen Haare deutete sie pl√∂tzlich als gr√ľne etc.) korrigieren und letztendlich Stephanie mein K√§rtchen identifizieren. Klar, dies ist eigentlich noch nicht das richtige Spielprinzip, also ein gegeneinander spielen, aber bei diesem Modus kann sie, wenn sie sich eben nicht beim Umklappen vertut, immer nur gewinnen und hat am Ende zus√§tzlich zum Training auch noch das Erfolgserlebnis – Win-Win!     standard

Denn wenn wir ein entt√§uschtes Kind sehen wollen, dann brauchen wir nur die braune Papiert√ľte hervorkramen und Stephanie den Inhalt herausholen und bestimmen lassen. Ich habe ja schon im letzten Blogeintrag von der Umsetzung der Memoryk√§rtchen in „Real-Life und 3D“ berichtet und das korrekte Erkennen von Apfel, Birne und M√∂hre ist leider weiterhin ihr Waterloo …

Am einen Tag erkennt sie auf Anhieb Birne und M√∂hre, aber den Apfel nicht … dieser ist dann pl√∂tzlich auch eine M√∂hre. Oder sie schafft Apfel und Birne, doch die M√∂hre wird ebenfalls zur Birne usw.

Einmal, am Anfang unseres Besuches, vertauschte sie Apfel und Birne, erkannte aber die M√∂hre und zudem ohne gro√ües Z√∂gern die zwei neuen Gegenst√§nde: Gurke und Ei. Als wir das Spiel aber am Ende unseres Besuches wiederholt haben, wurde ausgerechnet die Gurke pl√∂tzlich zum Problem – sie erkannte darin eine M√∂hre, dabei sind alleine schon die unterschiedlichen Farben der entscheidende Hinweis auf die richtige L√∂sung. Jaja, das K√∂pfchen!!!    zwinker

Nur bei einem Mitbringsel haben wir von Anfang an nicht erwartet, dass sie es erkennt, denn mittlerweile befindet sich in der T√ľte auch ein Radieschen. Von alleine kommt sie bis heute noch nicht drauf, aber es reicht allein schon die Hilfestellung „R – A – …“.

Und was wir immer ganz witzig finden ist, dass sie an allem riecht und mittlerweile wohl auch damit schon ein Erkennen erreichen kann:

Wir warten schon √§u√üerst sehns√ľchtig auf den Tag, an dem sie auch mal in alle Mitbringsel gen√ľsslich reinbei√üen darf!!! Daf√ľr fehlt allerdings noch die Freigabe der Logop√§den und des Arztes. Doch dieser Tag wird kommen und Stephanie wird dann sicherlich der Zahn tropfen, wetten?

Was ebenfalls noch nicht so richtig erfolgreich geklappt hat, ist die Bedienung eines iPads bzw. das Scrollen von oben nach unten durch einen Text oder durch Fotos. Doch zugegeben, so oft konnten wir das aber auch noch nicht √ľben. An einem Tag wollte sie mal den Blog durchgehen und selbst auch ein paar Zeilen lesen, daf√ľr zeigten wir ihr die sicherlich typischste Fingerbewegung der letzten 10 Jahre: das Scrollen mit dem Zeigefinger. Hier agiert sie aber leider noch etwas unkoordiniert und rutscht seitlich immer ab, was das Tablet ihr nat√ľrlich sehr √ľbel nimmt und eben keinen weiteren Text anzeigt. Aber auch das bekommt sie sicherlich bald hin.

Manchmal liegen ihre „Unzul√§nglichkeiten“ einfach nur daran, dass sie von den Aktionen des Tages schon v√∂llig geschafft und m√ľde ist. Am Freitag haben wir mit ihr das Ziehen von Damesteinen ge√ľbt und zum Abschluss einen kleinen Parcours aufgebaut, doch leider nahm sie statt der vorgegebenen „Stra√üe“ immer nur die Abk√ľrzung durch die Rabatten:

Doch alleine an ihrer K√∂rperhaltung sieht man deutlich, dass sie da schon sehr in den Seilen hing. Ihre Konzentra-tion war weg und sie war eigentlich hundem√ľde, wollte es sich aber selbst nicht eingestehen. Doch (nicht nur) eine Mutter hat den Blick daf√ľr, wenn die Kinder den Kopf kaum noch aufrecht halten k√∂nnen    zwinker

Zum Gl√ľck √ľberwiegen aber weiterhin ihre wachen Stunden und vor allem die Erfolgserlebnisse. Bei manchem sind sogar wir mehr erstaunt, als sie selbst. Einmal zeigten wir ihr ein Video von ihrem Vater, der im Urlaub ein Tier abgefilmt hat. Carsten fragte, ob sie dieses erkennen w√ľrde und gab ihr den Hinweis „es hei√üt im Englischen Sloth“ und sofort kam wie aus der Pistole geschossen die √úbersetzung Faultier aus ihrem Mund – Wahnsinn!!! Es war DIE √úberraschung des Tages f√ľr uns …

Und auch bei diesem spielerischen Training konnte sie trotz der deutlich sichtbaren Anstrengung ihren kindlichen Trieb nicht unterdr√ľcken, mit einem Werkzeug in der Hand L√§rm machen zu k√∂nnen:

Ziel war es, mit einem Kl√∂ppel diese Glocke zu treffen und selbst Linki lief zur H√∂chstform auf und bimmelte bis die Ohren bluteten – obwohl Stephanies linker Arm dabei stark zitterte und die deutlich sichtbare Muskelkontraktion auftrat (siehe den langgezogenen Streifen auf ihrem Unterarm). Egal, bei der Chance, etwas laut und nervig ert√∂nen zu lassen, geht schlie√ülich jedes „Spielkind“ ab    zwinker

Zum Ende dieses Eintrags mal wieder ein Appell an euch:
Besuche sind ab jetzt ausdr√ľcklich erw√ľnscht, aber wir bitten um eine vorherige Voranmeldung bei uns, damit sowohl Carsten und ich uns darauf einstellen, die Besucherstr√∂me koordinieren und auch das Pflegezentrum dar√ľber informieren k√∂nnen. Zumal Stephanie ja noch weitere Abl√§ufe und Termine hat, die damit in Einklang gebracht werden m√ľssten. Also, wer Stephanie wieder in Persona sehen m√∂chte, kann sich gerne jederzeit bei mir melden.

Den Anfang machten bereits am Samstag ihr ehemaliger WG-Mitbewohner samt Freundin …

… die neben Quatschen und Erinnerungen austauschen auch eine Partie Mensch-√§rgere-dich-nicht gespielt haben:

Auch wenn Stephanie sich im Vorfeld bzw. bei der Ankunft sicherlich nicht sofort an die jeweilige Person erinnert und nach einem solchen Besuch sogar recht schnell wieder etwas vergisst, die Freude im Moment des Besuches ist bei ihr immer sehr gro√ü und auch beim sp√§teren Erz√§hlen √ľber das Erlebte kann sie sich dann doch wieder an Einzel-heiten erinnern – sie, oder besser gesagt ihre Ged√§chtnisverarbeitung, braucht manchmal eben einen kleinen Schubs in die richtige Richtung    zwinker



2021 15.
Aug

Ich glaube, wir haben dem Kind den gr√∂√üten Gefallen getan, als wir Anfang der Woche unsere Familienspiele-sammlung mit ins Pflegezentrum genommen haben. Zwar wird derzeit erst noch einiges davon zweckentfremdet, aber egal was wir uns mit dem Inhalt einfallen lassen, es macht ihr Spa√ü und sie m√∂chte eigentlich nicht eher aufh√∂ren, bis es wirklich beendet ist. Selbst wenn die Konzentration deutlich sichtbar mit der Zeit abnimmt, f√ľr sie muss ein Abschluss trotzdem einfach mit dabei sein.

Angefangen haben wir mit den Dame/M√ľhle-Steinen, die sie zuerst nach Farben sortieren und dann durchz√§hlen sollte. Vor dem Z√§hlen mit dem Finger baten wir sie zudem, dass sie erst einmal eine Sch√§tzung nur durchs Angucken abgibt – hier vertut sie sich nat√ľrlich ab und an mal um ein bis zwei Steine:

Wenn man aber die Steine nach dem W√ľrfelaugenprinzip anordnet, kann sie selbst Kombinationen aus 5 und 3 schon mit den Augen richtig ausrechnen – diese Anordnung sitzt einfach. Auch wenn sie mit f√ľnf W√ľrfeln gleichzeitig w√ľrfelt (das haben wir diese Woche Rechti beigebracht und vertieft), z√§hlt sie nahezu fehlerfrei alles zusammen. Ihre Mathesucht ist dabei fast schon be√§ngstigend!

Doch es macht ihr so viel Spa√ü und deshalb streuen wir √ľberall immer wieder mal kleinere und gr√∂√üere Zahlen-r√§tsel ein:

Von der Bravo Hits gibt es mittlerweile 114 St√ľck. Wenn im Jahr vier St√ľck erscheinen, wie lange gibt es die Bravo Hits dann schon ?
Carsten: „100 durch 4 ist?“ … Stephanie: „25“ … Carsten: „12 durch 4 ist?“ … Stephanie: „3“ … Carsten: „25 plus 3 ist?“ … Stephanie: „28“ … Carsten: „Also gibt es die Bravo Hits jetzt schon mindestens 28 Jahre – seit 1992.“ … Stephanie: „Toll, l√§nger wie mich!“

Dann haben wir ihr mal die bunten Spielsteine plus die W√ľrfel auf den Tisch gelegt und sie sollte zuerst alle W√ľrfel rausfischen sowie danach einmal die Farben der P√ľppchen sortieren – zuerst Rot, dann Gelb und zum Abschluss Blau.

Nat√ľrlich hat sie sehr viel l√§nger daf√ľr gebraucht als es jemand von uns ben√∂tigen w√ľrde, aber sie zeigte an mehreren Stellen gro√üe Fortschritte bei Dingen, die vor Wochen noch schier unm√∂glich schienen. Sie behielt in der Regel die √úbersicht und Orientierung trotz des gewaltigen Gewusels (aus Farben) auf dem Tisch. Sie griff mit der rechten Hand relativ zielsicher die gerade ben√∂tigte Farbe heraus. Sie stellte die P√ľppchen ohne gro√ües Zittern, Probleme und Umwerfen an der Seite ab, nachdem sie sie zuvor mit den Fingern richtig herum mit der Standfl√§che nach unten gedreht hatte. Wenn wir eines durch Stephanie gelernt haben, dann ist es das Erkennen von gewissen Komplexit√§ten bei selbst ganz banalen Dingen und Handgriffen – wir jedenfalls werden unsere Hirnleistungen so schnell nicht mehr untersch√§tzen!    zwinker

Als letzte √úbung baten wir sie um eine vollst√§ndige Aufstellung eines Mensch-√§rgere-dich-nicht-Spielbretts (dies hat sie sogar selbstst√§ndig erkannt und namentlich benannt), wobei die P√ľppchen nat√ľrlich diesmal ganz zielgerichtet in den jeweiligen Farbkreisen aufgestellt werden sollten. Auch das hat sie nach einer gewissen Zeit ganz alleine und ohne viele Korrekturen (au√üer nat√ľrlich am Anfang) geschafft. Sie war total happy!!!

Gestern haben wir es dann sogar hinbekommen, dass wir eine komplette Runde Mensch-√§rgere-dich-nicht durch-gespielt haben. Stephanie musste dabei selbst w√ľrfeln (sie wusste ganz genau, wann sie bei uns dreien an der Reihe war), das P√ľppchen nehmen und die Felder abz√§hlen (hier hatte sie noch nicht so viel √úbersicht und Carsten hat ihr viel mit einem St√§bchen gezeigt – bei seinem Finger achtete sie zu viel auf seine gesamte Hand) und dann den Spielstein auch wieder platziert loslassen (hierbei sind ihr erstaunlich wenig umgekippt). Die Taktik und richtigen Entscheidungen haben wir ihr nat√ľrlich abgenommen, denn das w√§re beim allerersten Mal sicherlich zu viel geworden.

Wie haben ca. eine ganze Stunde lang gespielt und trotzdem sie etwas unkonzentrierter wurde, wollte sie weiter-machen und h√§tte am Ende sogar fast auch gewonnen. Carsten kam ihr (leider) zwei W√ľrfelw√ľrfe zuvor, doch wir wollten nicht schummeln und sie somit absichtlich gewinnen lassen.

Egal, sie war auch als Zweite total gl√ľcklich, hat am Ende mehrfach √ľber ihre Platzierung und ihr K√∂nnen abge-klatscht und sich w√§hrend des Spiels auch dauernd entschuldigt … wenn sie irgendwas nicht gleich verstand und wir mit Engelszungen auf sie einreden mussten, wenn sie Fehler machte und vor allem, wenn sie jemanden raus-zuwerfen hatte. Wir fanden das ja soooo s√ľ√ü!!!

Sie freut sich sowieso immer √ľber so vieles – egal ob gro√ü oder klein. Wenn wir ins Caf√© gehen, freut sie sich √ľber ihr Eis, welches sie ganz autark bis zur Waffel runterschleckt – den Rest im H√∂rnchen gibt es dann mit einem L√∂ffel und das Geb√§ck geht sowieso traditionell an mich:

Wenn sie nach l√§ngerer Zeit wieder ins Zimmer zur√ľckkommt, freut sie sich √ľber das zum Teil sehr fantasievoll gemachte Bett – Hauptsache Elfi (die Taube), Wali und Schafi liegen griffbereit:

Sie freute sich z.B. auch √ľber diese Karte einer Bewohnerin und hat sich sogar bis zu unserem Besuch die Geschichte dazu gemerkt, sodass sie unsere Fragen dar√ľber auch beantworten konnte (Stichwort: nicht so gutes Kurzzeitged√§chtnis). Nat√ľrlich wurde das Bild dann auch gleich mit an ihre Fotowand geheftet:

Oder auch √ľber diese Spatzenkinder, die immer wieder mal von den Eltern gef√ľttert worden sind, hat sie sich gefreut. Und zwar so sehr, dass wir sie locker 20 min lang beobachtet haben. Sie waren aber auch nur weniger als einen Meter von unseren Sitzpl√§tzen entfernt und selbst Stephanie konnte sie somit nicht aus den Augen verlieren:

Ihr seht, es geht ihr gut und sie ist nun definitiv im Pflegezentrum in L√ľneburg angekommen. Nat√ľrlich denkt sie auch immer noch sehr gerne an die Mitarbeiter aus der Klinik zur√ľck und wir wiederholen oft die Namen und die damit verbundenen Ereignisse (an die sich gl√ľcklicherweise bis heute noch erinnern kann), aber mittlerweile sind ihr die hiesigen Pfleger und Bewohner auch nicht mehr fremd und man hat sich gegenseitig sehr ins Herz ge-schlossen. In ihrem jetzigen Zimmer bzw. Bett liegt sie ebenfalls mit dem Gesicht zur T√ľr, die in der Regel offen ist, und somit kann sie wie schon auf der Rehastation in Geesthacht den Flur beobachten und jeden gr√ľ√üen oder mal ein kurzes Wort wechseln. Sie erkennt manche sogar schon am Schritt …

Wenn ich mit ihr sonntags alleine bin (= M√§delstag), dann setzen wir uns irgendwohin, wo wir ungest√∂rt sind (meist drau√üen), lassen Musik (derzeit die letzten drei Bravo Hits) laufen und malen. Zwar zieht sie noch immer am liebsten mit den Stiften nur ihre Kreise, aber mir reicht schon, dass sie die Stifte mit Rechti richtig halten und auch aus der F√ľlle an Stiften gezielt ihre Wunschfarbe herausholen kann. Und da die rechte Hand mittlerweile so geschickt ist, haben wir auch schon einmal mit der Schere gearbeitet. Die kleineren Modelle fand sie jetzt nicht so angenehm in der Hand, aber bei der gro√üen klappt der „Schnipp“ aufgrund der guten Kraft√ľbertragung schon sehr sehr gut – sie zieht jedenfalls ganz ordentlich durch.

Vor allem aber hat sie sich weiterhin ihren Humor bewahrt, denn als wir mal sagten, dass wir „ein wenig Spazieren gehen“ antwortete sie nur schelmisch: „Haha, ich und spazieren !!!“. Oder wenn man sie fragt, ob sie Hunger hat, kontert sie gleich mit „I-M-M-E-R-!-!-!“.

Da Stephanie f√ľr den Grad der Fortschritte der direkte Vergleich fehlte und sie diese somit f√ľr nicht so gro√üartig erachtete, versprachen wir ihr, einmal gemeinsam ein paar √§ltere Videos anzugucken. Wir zeigten ihr die, wo man ihre Eingeschr√§nktheit sehr deutlich sehen konnte, damit sie mal eine genaue Vorstellung davon hat, wie gro√üartig ihre Fortschritte eigentlich sind – wir reden hier immerhin von nur drei Monaten !!!

Im ersten Video vom 13. April lag sie noch recht unbeweglich im Bett, konnte nicht sprechen und weigerte sich auch, den Mund aufzumachen. Ich wedelte verf√ľhrerisch mit einer Pommes im Gesicht, an der sie zwar immer sehr gerne gerochen hat, aber die Lippen blieben trotzdem versiegelt. Heute lacht sie dar√ľber …

Im zweiten Video vom 27. April sollte sie mit der rechten Hand ihren Bilby greifen, anheben und an mich √ľbergeben, doch die Hand und der Arm wollten noch nicht gehorchen. Zudem konnte sie das Erwartete gedanklich noch nicht richtig verarbeiten, sodass sie lediglich die Hand in die N√§he des Stofftieres ablegte. Ihre Augen fragten jetzt beim Angucken nur „Und warum?“ …

Im dritten Video vom 27. Mai starteten wir gerade mit dem Spiel „3-Dinge-zum-Essen-auf-dem-Tisch“, bei der sie sich f√ľr ein Wiener W√ľrstchen, eine kleine Gurke oder ein St√ľck K√§se entscheiden sollte, es zum Mund f√ľhrte, abbiss und wieder zur√ľck auf den Tisch legte. Leider konnte sie sich daran √ľberhaupt nicht mehr erinnern, doch heute ist Essen mit Gabel oder L√∂ffel und Teller kein gro√ües Problem mehr …

Im letzten Video vom 31. Mai sprach sie noch sehr sehr undeutlich. Wir mussten ihr mehrmals das Wort ‚ÄěLeber-wurst‚Äú vorsagen, damit sie es nach unz√§hligen Malen wenigstens etwas verst√§ndlich aussprach. Heute lacht sie sich √ľber sich selbst kaputt …

Und sie √ľberraschte uns, als sie sagte, das sie bei den Videos ja noch in ihrem alten Zimmer (auf der Intensiv-station) gelegen hat. DAS hat sie also auf Anhieb wiedererkannt!

Bevor wir zu den R√ľckschl√§gen in dieser Woche kommen    zwinker    hier noch eine weitere positive Erkenntnis: als wir gestern im Caf√© sa√üen und uns √ľber Russisch und das kyrillische Alphabet unterhielten, meine sie, dass sie diese Sprache total (!) vergessen h√§tte und ganz sicher nichts mehr kennen w√ľrde. Da liegt sie aber ganz falsch, denn schon nur nach der Nennung des Wortes „Sehensw√ľrdigkeit“ und der Hilfestellung „Dos…“ erinnerte sich sich sofort wieder an dieses lange und komplizierte Wort (siehe auch Blogeintrag vom 8.8.). Bei einzelnen, kyrillischen Buchstaben antwortete sie zwar recht schnell mit „Wei√ü nicht“, aber bei ganzen W√∂rtern entstanden ganz andere Eindr√ľcke:

Ich schrieb das erste Wort auf und wie aus der Pistole geschossen sagte das Kind „Stephanie“ … voila! Beim zweiten Wort kam sie leider nicht auf das gesucht „L√ľneburg“, aber als ich ihr Nummer 3 zeigte, musste sie erneut nicht lange √ľberlegen und las korrekt „Potsdam“. Mal ehrlich, kann man darauf kommen, wenn man das kyrillische Alphabet nicht mehr kennen w√ľrde? Sicher nicht …

Also denken wir, dass die Buchstaben noch sitzen, aber sie kann sie gerade nur nicht gezielt abrufen bzw. hat im Kopf noch nicht „den Weg dorthin“ gefunden. Ich werde ab jetzt auf jeden Fall immer wieder mal Russisch mit einflie√üen lassen, auch wenn sie behauptet, nix mehr zu wissen. Die Grundlagen und der passive Wortschatz scheinen auf jeden Falls noch da zu sein – wir bleiben also an der Sache dran.

Aber was waren die R√ľckschl√§ge? Naja, eigentlich sind es keine richtigen R√ľckschl√§ge, aber neue Erkenntnisse dar√ľber, was entweder versch√ľtt oder g√§nzlich verloren gegangen ist.

Ihr erinnert euch doch sicherlich an die Memory-Kärtchen und vor allem an den sogenannten Sechserpack? Carsten und ich haben mal drei Dinge davon physisch mitgebracht und sie gefragt, was das ist. Erkennt die vielleicht die Real-Life-Dinge, aber nur deren Abbildung nicht korrekt? Wir hatten im Gepäck: einen Apfel, eine Birne mit langem Hals, eine Birne mit kurzem Hals und einen Bund Möhren:

Leider hat sie die Gegenst√§nde nicht erkannt … auch nicht mit Hilfe der drei K√§rtchen. Fast alles bei ihr ist M√∂hre    traurig    und beim echten Bund M√∂hren blieb ihr Blick nur auf den gro√üen B√ľschel Gr√ľnzeug h√§ngen, statt auf dem eigentlich wichtigen Teil. Wie bei einem Kleinkind: das was gr√∂√üer ist (das Gr√ľnzeug am M√∂hrenbund) wird interessiert angeguckt, aber die eigentliche, kleinere Sache eben nicht (die orangen M√∂hren) – das passierte auch bei ihr erst nach Aufforderung. Und selbst nach diesem Haptiktest hat sie die Dinge auf die erneute Nachfrage durcheinander geworfen … sie blieb mehrheitlich bei M√∂hre. Aber ich bleibe dran und schleppe ab jetzt jeden Tag diese drei Dinge plus auch mal andere (z.B. Banane etc.) mit zu ihr. Irgendwann bleibt es haften – wetten?! Ich muss nur immer wieder den Kopf dar√ľber sch√ľtteln, dass sie Apfel, Birne oder M√∂hre auf den Bildchen nicht auseinander halten kann, aber sie guckt von oben auf ihre Socken und sagt von sich aus korrekterweise „Kirschen“. Unglaublich …

Ebenfalls irritiert waren wir, als sie nach dem wunderbaren Aufstellen des Mensch-√§rgere-dich-nicht-Spielfeldes am n√§chsten Tag so unvorstellbar gro√üe Probleme beim Aufstellen von Schachfiguren hatte. Sie sollte nur die acht wei√üen Bauern auf die zweite Reihe stellen, aber selbst unsere Hilfen per Fingerzeig halfen am Ende nicht und sie stellte die Figur nicht vor den Finger, sondern nur daneben oder versuchte es sogar dahinter. Jede Bauernfigur stellte f√ľr sie eine fast unm√∂gliche Herausforderung dar! Wir vermuten mal, dass sie einfach schon das Schachbrettmuster total √ľberfordert hat, denn wie gesagt, gestern hatte sie auf einem anderen Spielfeld ja nicht solche Probleme, den genauen Punkt zum Hinsetzen des P√ľppchens zu finden. Aber hier beim Karomuster v√∂llige Desorientierung und bei uns erneut die Frage samt Kopfsch√ľtteln, was den eigentlich da oben so im K√∂pfchen gerade vorgeht.

Damit sie aber danach nicht ganz ohne Erfolgserlebnis blieb, haben wir ein paar sichere Punkte aus der Spiele-sammlung gezogen: sie z√§hlte korrekt auf dem Tisch liegende Damesteine, sie nannte die angezeigte Farbe auf einem selbst geworfenen Farbw√ľrfel und sie versuchte sich auch mehrmals am W√ľrfeln mit der linken Hand. Zack, das Kind war wieder gl√ľcklich.

√úbrigens, Linki wird mittlerweile sogar schon ganz ohne Aufforderung zum Hochschieben der Brille genutzt. Doch man sieht deutlich, dass Stephanie mehr mit Rechti ausf√ľhren will und somit der Linken Hand auch des √Ėfteren mal die Arbeit wortw√∂rtlich „aus der Hand nimmt“. Solange es klappt, warum nicht?!?!

Mit zwei netten Dingen m√∂chte ich den Blogeintrag dieser Woche dann endlich auch mal beenden – ich hoffe, ihr seid lesenderweise √ľberhaupt bis hierhin gekommen    standard

1.) Laut mehreren Mitarbeitern – aber man sieht es auch so schon von ganz alleine – hat Stephanie hier ebenfalls mal wieder das ganze Personal im Sturm erobert!!! Sowas darf eine Mutter doch zurecht stolz machen, oder?

2.) Als wir einmal vor dem Regen unter einen sch√ľtzenden Pavillon gefl√ľchtet sind und dann den Tropfen im Innenhof zugeschaut haben, flogen immer wieder mal Schwalben und Spatzen vorbei. Wir haben den fl√ľchtenden V√∂geln zugesehen und Stephanie feuerte sie regelrecht an, dass sie sich doch bitte beeilen m√∂gen, um schnellst-m√∂glich in Sicherheit zu kommen. Ich fand das ja soooo s√ľ√ü!

Und nun wie versprochen das Ende dieser schon recht lang gewordenen Wochenzusammenfassung Рmit einer lächelnden Stephanie und auch mit einem Foto, wo ich mal mit drauf bin:

Keine Angst, noch sind es keine grauen Haare beim Kind, sondern nur Trockenshampoo aus der Spr√ľhdose, dessen „Pfffffft“ Stephanie total lustig fand    lachen



2021 08.
Aug

Einerseits haben Carsten und ich uns diese Woche an zwei Tagen (MO & MI) etwas schuldig gef√ľhlt, da wir zum allerersten Mal nicht zu Stephanie gefahren sind, obwohl wir eigentlich zuhause waren. Doch ein Besuch nach meinem Sp√§tdienst (Feierabend erst 17:00) macht bei einer Fahrerei von insgesamt ca. zwei Stunden keinen Sinn, wenn man letztendlich noch etwas vom Besuch und evtl. auch ein wenig vom Feierabend haben m√∂chte. Die Vernunft und erfreulicherweise auch Stephanie selbst haben uns in dieser Einsch√§tzung best√§rkt, aber ein klitzekleines Gef√ľhl von Verrat rumorte dennoch den gesamten Abend irgendwie in unseren K√∂pfen herum. Daf√ľr haben wir die Zeit dann wenigstens sinnvoll f√ľr das Durchlesen und Ausf√ľllen des Sozialhilfeantrags „Hilfe zur Pflege“ genutzt … so viele Formulare hatten wir wahrlich schon lange nicht mehr zu beackern!

Andererseits zeigt sich zum Gl√ľck immer mehr, dass Stephanie in ihrer neuen Umgebung angekommen ist und schon jetzt sehr viel Spa√ü dort hat. Von Tag zu Tag wurde ihre Laune n√§mlich besser und sie konnte sich sogar an gewisse Unternehmungen w√§hrend des Tages erinnern sowie davon berichten. Zum Beispiel von ihren Lese-runden, wo Bewohner zusammentreffen und sich aus Zeitungen √ľber die Nachrichten oder das Horoskop austau-schen, von ihren ersten Therapiesitzungen (Physio & Ergo) und sogar von ihrer Entt√§uschung, dass sie einmal beim Kaffeeklatsch keine Kekse bekommen hat, weil diese vom Arzt oder den Therapeuten leider noch nicht freigegeben worden ist. Ob positiv oder negativ ist egal, aber wenn sie von so etwas berichten kann, dann nimmt ihr Kurzzeitge-d√§chtnis so langsam wieder Fahrt auf – hallelujah !

Auch ihr Zimmer wird zusehend heimeliger. Sie bekam am Montag aufgrund ihrer K√∂rpergr√∂√üe ein gr√∂√üeres bzw. l√§ngeres Bett, einen Tag sp√§ter einen „Galgen“, den wir immer wieder mal f√ľr unsere √úbungen nutzen wollen, von uns eine f√ľr sie sehr viel besser ablesbare Uhr, auf der sie auch das Datum und den Wochentag sieht, …

… und wir planen gerade zusammen mit der Familie ihrer Zimmergenossin an einem n√ľtzlichen Regal f√ľr mehr Stauraum und einen darauf stehenden Fernseher, den dann beide gleicherma√üen optimal nutzen k√∂nnen sollen. Denn was wir auf keinen Fall wollen, sind zwei TV-Ger√§te in einem Raum, die sich dann vielleicht sogar in der Lautst√§rke hochschaukeln w√ľrden oder am Ende dazu f√ľhrt, dass die beiden nur noch mit Kopfh√∂rern im Bett liegen. Mal sehen, wie die M√§dels das alles am Ende hinbekommen – aber sie werden einen Weg finden, da bin ich mir ganz sicher    standard

Ihre persönliche Ecke liebt Stephanie schon mal sehr:

Und diese wurde mittlerweile auch um weitere, von ihr gew√ľnschte und ausgesuchte, selbstgemalte Bilder aus der ehemaligen Krankenhauszeit erg√§nzt. Schon allein deshalb sind wir der Meinung, dass sie angekommen ist.

Ein anderes Indiz daf√ľr ist definitiv der Umgang mit dem Personal, denn wie wir unsere Stephanie ja alle kennen, findet sie sich immer ganz schnell zurecht und kn√ľpft unheimlich schnell Kontakte. Das zeigt zum Beispiel diese Aussage in einem Gespr√§ch, welche wir gestern von einer Pflegekraft bekamen, als Stephanie noch beim Essen war und somit nicht mith√∂ren konnte: „Stephanie ist ja so s√ľ√ü, sie macht sich um meine Gesundheit Sorgen und hat mich sogar gebeten, dass ich mit dem Rauchen aufh√∂re.“

Oder auch die Tatsache, dass sie jetzt chinesische W√∂rter und Phrasen lernt, da dies die Muttersprache einer Pflegekraft ist. Diese hat ihr anfangs mal „Ni Hau“ (= Hallo) beigebracht und ich googelte sogleich Danke (= Xi√®xi√®), was das Kind dann noch am gleichen Besuchstag anwenden konnte – zumindest hat die Pflegerin danach sehr gel√§chelt und somit Stephanie best√§rkt, noch weitere W√∂rter herauszufinden … na, da habe ich mir vielleicht was eingebrockt    zwinker

Gestern √ľberraschte sie wiederum uns, denn wo ihr Russisch eigentlich sehr stark in Vergessenheit zu geraten scheint, erinnerte sich sofort und ohne langes Z√∂gern an die Vokabel „Sehensw√ľrdigkeit“ (= dostoprimecha-tel’nosti). Aber meine Z√§hlung „odin, dva“ (1, 2) vervollst√§ndigt sie lieber mit dem spanischen „tres“ statt dem russischen „tri“. Ach ja, das K√∂pfchen …

Womit man ihr definitiv immer eine Freude machen kann, ist Essen. Gut, die kr√ľmeligen Kekse wurden ihr zwar noch verweigert, aber daf√ľr bekommt sie jetzt nicht mehr nur p√ľriertes Mittagessen (nur, wo es wirklich notwendig ist, wie z.B. Schweinebraten mit So√üe) und auch schon Scheibenwurst und -k√§se aufs Brot … ein kulinarischer Traum geht f√ľr sie in Erf√ľllung!

Und wenn wir zu Besuch da sind und sie das Abendessen super kaut und herunterschluckt, so gut wie gar nicht hustet und wirklich jeden Bissen genie√üt, dann zaubern auch wir mal das ein oder andere Geschmackserlebnis aus dem √Ąrmel. Einmal hat Carsten als √úberraschung aus der K√ľche zwei Scheiben Salatgurke mitgebracht … DEN gl√ľcklichen und genie√üerischen Gesichtsausdruck beim Kauen h√§ttet ihr sehen m√ľssen! Und gestern im Caf√© auf dem Gel√§nde probierte sie voller Freude unsere beiden Kuchenst√ľcke …

… nachdem sie ihre Kugel Vanilleeis weggeschleckt hatte. Diesbez√ľglich mussten wir ihr auch gar nichts mehr gro√üartig zeigen, denn nachdem wir ihr die Waffel in die Hand gedr√ľckt hatten, fing sie schon an, wie ein Weltmeister zu lecken – das war letztes Wochenende ja noch v√∂llig anders. Also scheint sie trotz der einen Woche Pause dazwischen die Bewegungsabl√§ufe bereits verinnerlicht zu haben – Herz, was willst du mehr!

So etwas muss nat√ľrlich belohnt werden und als sie auch noch Carstens Fritz-Cola probieren wollte, hat er ihr gleich das letzte Viertel seiner Flasche f√ľr die n√§chste √úbung gesponsert: trinken ohne Strohhalm … zuerst mit Hilfe, dann mit geb√ľhrender Vorsicht …

… und prompt war auch das Thema gegessen. Fortan s√ľppelte sie fast schon wie ein Pullenprofi:

Leider geht es bei vielen anderen Dingen nicht immer ganz so schnell, aber wir geben nie auf. So hat sie z.B. das Prinzip des Dr√ľckens auf den Schwesternruf auch nach zigmaligem √úbungsansatz und Zeigen nicht hinbekommen. Statt den Schalter richtig in die Hand zu nehmen und das beleuchtete Teil mit dem Zeigefinger wie den Anzug einer Pistole zu dr√ľcken, presste sie leider immer wieder nur mit dem Daumen und dem Zeigefinger von der Seite auf das rote Licht – das hat nat√ľrlich nicht ganz so zuverl√§ssig funktioniert wie es sollte.

Nun will man ihr mal einen Buzzer besorgen, bei dem diese Schwierigkeiten dann nat√ľrlich nicht mehr bestehen.

Zum Gl√ľck blieb das Wetter hier im Norden noch recht angenehm, sodass wir w√§hrend unserer Besuche auch weiterhin viel Zeit mit ihr im Freien verbringen konnten – bei Regen auch durchaus mal unterm sch√ľtzenden Pavillon – sei es zum Abendessen im Gr√ľnen mit stets verfolgendem Blick auf die eifrig umherschwirrenden Schwalben und um sie herum h√ľpfenden Spatzen …

… oder zum Spielen mit uns, worauf sie sich immer ganz besonders freut. Da wird sie einfach nicht m√ľde, auch wenn ihre Konzentration schon nach ca. 15-20 Minuten deutlich sichtbar abnimmt und sie sich dann mehr und mehr vertut oder auch mal gar nicht weiter wei√ü. Immer wieder gerne von ihr gew√ľnscht sind erstaunlicherweise das Spiel mit den Memoryk√§rtchen (der „Sechserpack“ aus Wolke, Regenschirm, Apfel, Birne, M√∂hre und Huhn/Hahn sitzt mittlerweile recht gut, aber auch die anderen Motive erkennt sie schon immer besser und √ľberrascht mit neuen Worten – statt Wagen und Auto fiel einmal die Beschreibung Trabi) sowie Mathematikaufgaben und Z√§hlen, doch auch mit ihren Baukl√∂tzen und den Buchstabenkarten besch√§ftigen wir uns des √Ėfteren.

Aber bei all der Euphorie m√ľssen wir weiterhin sehr viel Geduld ansetzen, wie sich u.a. gestern mit den Buchstaben (gesucht waren Tiere) gezeigt hat: beim C kam sie sofort auf Cham√§leon, beim A wusste sie √ľber Austern Bescheid (kann man essen, leben im Meer, aus den Perlen kann man eine Kette machen), aber beim H fielen ihr weder Huhn, Hahn noch Hund ein und beim N musste man ihr das Nashorn sogar etwas erl√§utern, aber beim R reichte das H√∂ren des Wortes Rhinozeros schon wieder aus.

Solange sie nicht eigenst√§ndig Lesen oder im Internet surfen kann, bleiben wohl noch so einige Begriffe in ihrem Durcheinander da oben versch√ľttet, aber am Ende werden wir das sicherlich schon schaukeln. Wie schon √∂fters angemerkt: eine Baustelle nach der anderen und eben nicht alle gleichzeitig.

Zun√§chst bleiben wir bei der (Aus-)Sprache und dem Lockern der Zunge, der vollumf√§nglichen Nutzung der rechten Hand, der unterst√ľtzenden Hilfe der linken Hand und einer gewissen Bewegungsfreiheit im oberen K√∂rperbereich – das w√§re jedenfalls alles sehr n√ľtzlich f√ľr die oben genannte Zielstellung „Lesen und Surfen“. Danach k√ľmmern wir uns dann erst aktiv um die Beine, mehr M√∂glichkeiten in der eigenen Fortbewegung (Wechsel zwischen Bett und Rolli ohne Lifter sowie selbstst√§ndiges Herumfahren) und den erneuten Aufbau von Wissen.

Wie w√ľrde Stephanie sagen: „Tschakka, ich schaffe das!“ … in diesem Sinne weitermachen und √ľben, √ľben, √ľben. Dr√ľckt uns und dem Kind bitte weiterhin die Daumen, dass die von vielen prophezeite Stagnation und die damit einhergehenden Gedanken ans Aufgeben noch ein wenig auf sich warten lassen – vor allem jetzt, wo ihr weder Singer noch Barthel mit Index-Punkten im Nacken sitzen    standard    vielen lieben Dank. Den soll ich euch √ľbrigens auch von Stephanie ausrichten, wenn wir ihr aus dem Blog, aus Emails oder von den vielen Kommentaren bei Facebook berichten bzw. vorlesen. Ich glaube, genau dies gibt ihr zudem stets weiteren Schub und Kraft f√ľr ihren Weg zur Genesung.



2019 09.
Nov

Wenn wir alle ehrlich sind, dann wird mir gewiss jeder zustimmen, dass man nie zu alt zum Spielen ist. Der Spieltrieb ist eine ganz nat√ľrliches Verlangen, das sieht man sogar bei unseren vierbeinigen Freunden, denn sie spielen zumindest so ziemlich mit allem. Dabei ist es v√∂llig egal, ob es ein Fundst√ľck vom Strand ist …

… oder etwas, was auch die Menschen zum Spielen benutzen:

Wir haben uns im Laufe der Zeit ganz viele Spielarten ausgedacht. Es gibt Aktivitäten, wo man immer jemanden als Partner braucht:

Manche Spielsachen sind aus hartem Holz geschnitzt:

Ich bin zudem bereit zu wetten, dass in so gut wie jedem Haushalt zumindest ein Pl√ľschtier als Mitbewohner zugegen ist:

Die Auswahl solcher Sofa- und Bettgenossen ist heutzutage wirklich riesengroß!

Wir lieben sie daf√ľr, dass sie uns von Anfang an liebhaben und bei uns bleiben m√∂chten:

Manch ein Teddy muss allerdings etwas l√§nger auf eine „Adoption“ warten:

Sie nehmen es dennoch ganz gelassen in Kauf:

Aber die Welt der Spielsachen besteht nicht nur aus Teddys    zwinker    das Sch√∂nste an Spielen mit den dazugeh√∂rigen Sachen ist n√§mlich, dass wir der realen Welt f√ľr einige Zeit den R√ľcken kehren k√∂nnen und uns in einer Phantasiewelt wiederfinden. Welches M√§dchen, egal in welchem Alter, tr√§umte nicht  wenigstens einmal davon, eine Prinzessin zu sein und in einem Schloss zu leben?

Die Träume der Jungs drehen sich dann schon eher eher um Pferde Рanfangs als Ritter, Cowboy oder Indianer und anschließend konzentrieren sie sich eher auf Pferdestärken:

Das Eintauchen in eine andere Welt wird aber auch oft vom Verkleiden begleitet:

Manche von uns verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt:

F√ľr Spiel und Spa√ü sorgen zudem zahlreiche Freizeitparks:

Wobei in der Winterzeit eher die Indoor-Attraktionen interessant werden:

Beim Spielen werden alle Register gezogen. Es gibt sowohl f√ľr unsere H√§nde genug zu tun …

… als auch f√ľr unsere F√ľ√üe:

In der moderner Zeit ist die Technik als Spielbegleiter schon lange mit dabei, ob als ein Spielautomat …

… oder als Rechner. Zumindest war das noch so in der Zeit vor den allgegenw√§rtigen Smartphones:

Das Spielen auf einem Musikinstrument kann √ľbrigens auch sehr lustig sein:

Nat√ľrlich darf man bei diesem Thema Puppen nicht vergessen. Diese gehen jetzt mit der Zeit, so dass jedes Kind f√ľr sich eine passende Figur finden kann, mit der es sich identifiziert:

Damit man das Leben auch so richtig nachspielen kann, darf bei einem M√§dchen nat√ľrlich der m√§nnliche Puppen-Part nicht fehlen. Ich bin √ľbrigens von seiner Frisur sehr angetan    standard

Beim Spielen mit Puppen oder anderen Figuren, welchen wir daf√ľr auch mal gerne unsere Stimme leihen, vergisst man oft, dass sie ja gar nicht lebendig sind und schon diskutiert man mit ihnen √ľber Benimmregeln:

Wie auch immer es während des Spiels zugeht, im Endeffekt ist es nur wichtig, dass alles mit ganz viel Liebe und auch viel Phantasie geschieht:

Ich k√∂nnte zu diesem Thema noch ganz lange philosophieren, aber vielleicht haben auch meine Leser etwas dazu beizutragen? Das w√ľrde mich sehr freuen!    standard