Nov.
Hmmm, ich glaube ich werde mein Blogkonzept mal ein wenig ändern müssen … lieber kleinere Beiträge und durchaus auch mal von Stephanie selbst, statt aufgrund der wenigen Schreibmöglichkeiten immer nur quartalsweise oder sogar noch seltener zu schreiben. Deshalb an dieser Stelle heute erst einmal nur eine gaaaaaanz grobe Übersicht dessen, was mich denn so vom Schreiben abgehalten hat … und natürlich, was es wieder von Stephanie und ihren Fortschritten zu berichten gibt.

Direkt nach dem letzten Blogeintrag Ende Juli begann auch gleich schon unser getrennter Urlaub: Stephanie wurde für zwei Wochen in die Kurzzeitpflege nach Salzhausen gebracht, während Carsten und ich eine weitere USA-Rundfahrt zum Erhalt unserer Greencard machten – ohne festen Wohnsitz in den USA ist für Greencard-Besitzer nämlich eine Einreise innerhalb von 364 Tagen Pflicht. Diesmal sind wir sogar erstmalig mit der nigelnagelneuen Greencard (ihr erinnert euch an meine mehrmonatige Odyssee bei der postalischen Zusendung – siehe vorherigen Blogeintrag) am Schalter für US-Citizens durchgegangen und es lief alles völlig unkompliziert ab. Im letzten Jahr haben wir noch die Greencard-Dokumente im versiegelten Briefumschlag bei der Einreisekontrolle abgeben müssen …

2025 lautete unser Roadtrip-Motto „Von NYC nach Miami immer an der Ostküste entlang“ und in diesem Jahr fuhren wir von New York City an den Great Lakes vorbei nach Atlanta, mit Zwischenstopps an den Niagara-Wasserfällen, sowie in Detroit, Chicago, St. Louis, Memphis und Nashville – 4185 km inklusive zwei Besuche bei Freunden. Auch diesmal suchten wir uns wieder unser Unterkünfte und Motels erst vor Ort via Internet und alles klappte super. Nächstes Jahr werden es aber wohl wieder mehr Nationalparks werden, denn Großstädte sind mittlerweile echt nicht mehr so faszinierend für uns.

Und Stephanie? Die genoss derweil die Auszeit in der Kurzzeitpflege bei den Johannitern in Salzhausen – sogar so sehr, dass diese Einrichtung für nächstes Jahr schon längst wieder gebucht ist. Man kann es kaum glauben, aber ihre Lieblingsbeschäftigung war vormittags stets der Küchendienst mit Kartoffeln schälen, Fleischklöpse formen, Salat schnibbeln und und und …

In der Freizeit schnackte sie z.B. mit den Leuten vor Ort, spielte mit anderen Mitbewohnern (sie erlernte dort u.a. das Spiel „Rummikub“) oder vertüdelte sich die Zeit mit ihrem iPad. Es wurde ihr überhaupt nicht langweilig und wir sind froh, für das nächste Jahr nicht schon wieder eine neue KZP-Einrichtung suchen zu müssen.
Nur eine Woche nach unserer Rückkehr und bei einer sehr langen Liste an liegengebliebenen Dingen, verbrachten wir zwangsläufig ein kurzes Wochenende in Frankfurt. Am Montagmorgen hatten wir einen wichtigen Termin bei der Federal Benefits Unit (FBU) im US-Generalkonsulat – wir mussten vor Ort eine Social Security Number (SSN) für unsere US-Steuererklärung (Pflicht für Greencard-Besitzer) beantragen. Ja, unsere Greencard-Odyssee war mit dem Erhalt der Plastikkarte also doch noch nicht vorbei und es wartete die nächste Überraschung auf uns: nach diversen Telefonaten und Recherchen war klar, dass bei unseren Greencard-Formalitäten leider keine SSN mit bestellt und somit auch nicht eingerichtet wurde. Doch vor Ort findet der Sachbearbeiter dann im System doch eine SSN – aber nicht bei Carsten als Greencard-Hauptperson, sondern im Zusammenhang mit meiner Akte … es kam allerdings wieder einmal nie ein entsprechender Brief bei uns in Wentorf, bei der Agentur in New York oder unserer Freundin in Florida an. Mittlerweile haben wir unsere Sozialversicherungskarten aber endlich bekommen und konnten damit für 2025 erfolgreich eine US-Steuererklärung durchführen.

Am 26. August feierten wir Stephanies 6. Geburtstag 2.0 abends mit einem Auswärtsessen im griechischen Restaurant in Wentorf – jep, sechs lange Jahre ist das jetzt schon her! Ihr Vorfall passierte am 26.08.2020, doch angesichts der bisherigen Erfolge und ihre Genesungsstandes sollte man diesen Zeitraum eher als kurz ansehen, denn insbesondere für das, was sie seit Januar 2025 bis heute geschafft hat, brauchen andere Hirngeschädigte Jahrzehnte … wenn sie überhaupt wieder so weit ins Leben und die Selbstständigkeit zurückkehren können.
Wie war das noch Anfang letzten Jahres: Carsten hat sie rücklinks auf eine Matte gelegt und von ihr verlangt, dass sie sich auf den Bauch dreht – eigentlich ganz einfach für uns, doch sie guckte ihn damals nur an und fragt „Wie macht man das?“.
Und wo stehen wir heute: Mittlerweile ist es uns ja gelungen, von der Horizontalen (Krabbeln) immer mehr in die Vertikale (Aufstehen, Stehen, Gleichgewicht) zu wechseln.

Derzeit weigert sich allerdings ihr Gehirn noch, den linken Fuß als gleichberechtigte Stehhilfe anzusehen und belastet diesen somit in der Regel nur ganz wenig – eigentlich steht sie fast so wie ein Flamingo nur auf dem rechten Bein. Doch nun haben wir doch tatsächlich eine sogenannte Fussheberorthese gefunden, die ihr Gehirn anscheinend akzeptiert und der es vertraut.

Denn zum ersten Mal seit Jahren schafft sie abgestützt den rechten Fuß zu heben und den linken relativ voll zu belasten – zuletzt völlig aus der Kalten heraus am Parallelbarren während der Neuro-Physio-Therapie. Die Orthese wurde angelegt, das Kind am Barren positioniert, sie hob das linke Bein dreimal an und danach auch ohne Zögern (!) das rechte Bein dreimal an – WOW!!! Wenn das bald zur Routine geworden ist, dürfte echt schon das Schrittchen-für-Schrittchen-nach-vorne-bewegen anstehen. Bis dahin geben wir uns aber mal geduldig noch so 4-6 Monate. OK?

Ein weiteres Wochenende führte uns nach Dresden, da eine Freundin ihren Geburtstag im kleinen Freundeskreis nachgefeiert hat. Der Höhepunkt für Stephanie war u.a. der Besuch des Minigolfplatzes in Ullersdorf, der tatsächlich rollstuhlgerecht eingerichtet wurde.

Eine gelungene Premiere für mein Kind, welche sie zudem recht passabel meisterte – der Konkurrenz mit Carsten und anderen Meisterspielern konnte sie aber natürlich noch nicht so viel entgegensetzen. Doch sie traf den Ball und auch die Löcher – Respekt!!!

An Carstens Geburtstag wurde es zeitlich echt eng, denn nach einem normalen Arbeitstag gingen wir zu seinen Ehren zuerst auswärts Essen und bereiteten danach noch das Auto für unsere am nächsten Tag stattfindende Fahrt in den Urlaub nach Dänemark vor: die Dachbox anbringen, den Fahrradgepäckträger samt der Räder vorbereiten und sogar schon mal den Alltagsrollstuhl einpacken – zum Glück hatten wir noch ein anderes Leihmodell zur Verfügung.

Am nächsten Tag fuhren wir dann für drei wundervolle Wochen in eine Ferienwohnung nach Kirke Hyllinge bei Roskilde (Seeland) und genossen eine unheimlich entspannende und ruhige Urlaubszeit. Mal keine Termine oder Verpflichtungen haben oder einfach nur herumcruisen und an ein paar Stellen einen Stopp zum Essen, Spazieren oder Entspannen einlegen oder mit Zuggerät und Fahrrad die Gegend erkunden oder einen Abstecher nach Kopenhagen machen – alles war möglich.

Sogar ein Segeltörn …

… mit insgesamt zwei Rollstuhlfahrern, bei dem Carsten …

… und Stephanie …

… abwechseln Kapitän sein durften … dafür einen riesengroßen Dank an Anders, …

… der selbst im Rollstuhl sitzt, sich aber trotzdem selbst vor Ozeanüberquerungen nicht scheut und das Steuer dabei sogar immer selbst im Griff hat.

Bei einem Hamburger Rollistammtisch durften wir mit Andreas Pröve einen weiteren, im Rollstuhl sitzenden Weltenbummler kennenlernen, der seit 45 Jahren immer wieder auf vier Rollen mal durch Indien, Ostasien oder China unterwegs ist – sein Vortrag war super-interessant!

Zumal er damit uns und vor allem Stephanie zeigt, was alles möglich sein kann – wenn man nur will, dabei äußerst hartnäckig ist und auf keinen Fall aufgibt.

Aufgeben kann Stephanie ebenfalls nicht bei ihrer neu kennengelernten Lieblingssportart Tischtennis. Wir sind zwar noch weit in den Anfängen, aber Carsten ist da ebenfalls hartnäckig und von Mal zu Mal werden die Ballwechsel besser und länger.

Angefangen hatte es mit der Tischtennisplatte im Keller unserer damaligen Ferienwohnung in Österreich beim Jahreswechsel von 2025 zu 2026 – siehe Blogeintrag:

An diesem Tag brauchte sie so ca. 30 min, bis sie überhaupt einen Ball mit dem Schläger gut auf die andere Plattenseite bringen konnte. Doch mittlerweile haben wir eine eigene Tischtennisplatte im Bootcamp und mit der Rückhand gelingen manchmal schon bis zu 10 Ballwechsel. Ihre Vorhand befindet sich gerade im Aufbau und Training, doch auch hier wird sie bestimmt bald sehr viel zielsicherer bei den Returns werden. Dafür sorgen ihr Ehrgeiz, ein sportlich affiner Carsten und 140 Tischtennisbälle …

… samt Aufhebhilfe 😉

Am 22.10. bekam die Residencia OLCA einen weiteren Neuzugang: nach Claudi Blue (Übergabe im April 2023, zukünftig nur noch Outdoor-Rolli) ist jetzt auch Wendi Blue (kleiner & wendiger, vor allem als Inhouse-Rolli) mit eingezogen.

Dieser ist schmaler, sodass Stephanie z.B. nun jederzeit selbst ins Badezimmer fahren und Zähne putzen kann. Er ist leichter und verfügt über einen bessern Kipp-Punkt, sodass sie jetzt definitiv auch selbst kleinere Schwellen und Bodenunebenheiten bewältigen kann, ohne sich festzufahren o.ä.

Sein Fußbrett ist höher und damit die Knie mehr angewinkelt, sodass sie nun sehr viel leichter Dinge im Schoß transportiert und z.B. fast zu 90% den Tisch abräumen kann.
Nur mit den neuen Integralbremsen tut sie sich noch sehr schwer, da sie hier entweder noch nicht den richtigen Kniff gefunden hat oder noch nicht über genügend Schmerzunempfindlichkeit an den Fingern und Händen für das kräftige Drücken zum Lösen verfügt. Aber das hatten wir beim Krabbeln und den Knien ja auch mal – heute ist da nichts mehr rot, aufgescheuert oder schmerzt.

Es läuft also auch an dieser Front wie erhofft.

So, damit seid ihr, meine lieben Leser, mal wieder vollständig über das OLCA-Leben und Stephanies Fortschritte und Erfolge informiert. Mal sehen, wer von uns die nächsten Tage tiefere Einblicke geben wird … Stephanie und mir juckt es zwar sehr in den Fingern, aber wäre da nicht immer dieser dummer Erfindung, dass ein Tag nur 24 Stunden hat 🙂

Genießt das Restwochenende und habt einen ruhigen Start in die neue (Arbeits-/Alltags)Woche. Wir werden jedenfalls wieder mehr im Bootcamp bzw. dortigen HomeOffice verbringen und weiterhin an Stephanies Übungen dran bleiben.


Die letzten Kommentare