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Kommentar:   

 
Manchmal hat man eben Lust darauf, etwas zu schreiben   ;0)

 
Web|log,  der;  -s,  <engl.>,  meist abgekürzt mit "Blog"
   
Digitales Tagebuch im Internet. Ein Weblog ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Es ist ein Medium zur Darstellung des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrung als auch der Kommunikation dienen und ist insofern mit dem Internetforum sehr verwandt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als "bloggen" bezeichnet.

Quelle: http://www.wikipedia.de    


 
2021 29.
Nov

Bei Facebook werden ja gerne mal alte Ereignisse aus der Timeline angezeigt, z.B. „Vor 1, 2, 3 oder 5 Jahren hast du …“ – kennt ihr sicherlich, stimmt’s ?

Heute stand dort jedenfalls bei mir der Blogeintrag von vor genau einem Jahr, also von vor 365 Tagen. Und darin schrieb ich damals solche Sachen:

  • Stephanie schafft weiterhin ihre kleinen, positiven Schrittchen, ist aber dennoch leider ohne erkennbares Bewusstsein beziehungsweise zeigt noch keine eindeutige Kontaktaufnahme.
  • Am meisten gefreut haben wir uns, dass der Perfusor / Infusionspumpenst√§nder mittlerweile seit Tagen ausgeschaltet nur noch vorsichtshalber in der Ecke steht.
  • Die n√§chsten tollen Fortschritte machte Stephanie mit ihrer (Be-)Atmung. Die Zeiten beim Entblocken steigerten sich kontinuierlich auf bis zu 30 min (gestartet wurde ja mit 4 min, in der sechsten Woche war sie bereits bei 12 min) und auch bei der Feuchten Nase (Atmen durch die Trachealkan√ľle mit einem Filter, aber ohne mechanisches Atemger√§t) steigerte sie sich von einmal 20 min t√§glich nun hin bis zu zweimal (1x am Vormittag, 1x am Nachmittag) je zwei Stunden t√§glich.
  • Wie man [an diesem Zettel] sehen kann, sind die Logop√§dinnen auch hier sehr begeistert:“Hallo Frau Sander, Stephanie war heute in der Logop√§die 21 Minuten entblockt. Sie hat flei√üig get√∂nt und mehr als 10 mal geschluckt! Wir sind super froh und zufrieden.“
  • Stephanie zeigt (in so ‚Äěkurzer‚Äú Zeit) aus der Sicht der Klinikkollegen sehr gute Fortschritte und macht bei fast allen Dingen immer wunderbar mit: beim Atmen, beim Schlucken, sie macht erste Augenaufschl√§ge, zeigt kleinere Reaktionen und laut Pflegepersonal erkennt man sogar schon eine Art Kontaktaufnahme.
  • Manchmal schl√§gt Stephanie bei meinen Besuchen die Augen auf, aber es findet noch keine Fixierung oder Blinzeln bzw. Bewegung statt. Sind es dennoch erste bewusste Reaktionen?
  • […] man stellt mittlerweile sogar Lockerungen in ihren Gliedma√üen und Muskeln fest, d.h. es sind insgesamt weniger ausgepr√§gte Fehlstellung zu sehen.
  • […] das Anlegen bzw. Abnehmen [der Orthesen] wird von Tag zu Tag mit immer mehr Ruhe quittiert ‚Äď sogar bis hin zu diesem Eintrag im Protokoll: ‚Äěproblemlos‚Äú.
  • Ich habe au√üerdem immer mehr das Gef√ľhl, dass sie die geh√∂rten Informationen zunehmend bewusster aufnimmt. Zumindest glaube ich, dass sie bei manchen Namen, die ich ihr beim Vorlesen nenne oder die bei einer Erz√§hlung aus dem Alltag erw√§hnt werden, so etwas wie k√∂rperliche Reaktionen: mal eine Kopfbewegung, mal ein ‚ÄěSeufzer‚Äú ‚Ķ ich kann nat√ľrlich nur hoffen, dass es nicht nur von mir reininterpretiert wird, weil ich das so gern sehen w√ľrde.
  • Ich habe mich wahnsinnig dar√ľber gefreut, dass sie genau an meinem Geburtstag zum Ende meines Besuchs die Augen aufgemacht hat ‚Äď mein pers√∂nliches Highlight! Seitdem klappt es damit ab und zu immer mal f√ľr kurze Zeit, auch wenn das Fixieren ‚Äď wie schon gesagt ‚Äď nat√ľrlich noch ausbleibt.

Und zu meinem diesjährigen Geburtstag bescherte mir Stephanie wieder ein persönliches Highlight, denn sie war von Freitagmorgen 10:00 bis Montagmittag 13:00 und zum ersten Mal bei uns in der Residencia OLCA.

Doch warum habe ich den alten Blogeintrag zitiert? Weil wir nach nur 365 Tagen jetzt schon so weit sind:

In der Residencia OLCA ankommen

Aus dem Flyer ganz alleine eine Wunschpizza aussuchen …

… und diese auch essen bzw. genie√üen k√∂nnen

Eine Kerze anz√ľnden

Beim Aufdecken helfen

Mit einer Tastatur zurechtkommen …

… um damit sogar eigenst√§ndig schon kleinere S√§tze zu schreiben

Beim Kochen und Schneiden helfen

Ein hartgekochtes Ei pellen

Wäsche abnehmen

Die Funktion und Nutzung einer W√§scheklammer verstehen …

… um dieses Wissen dann gleich auch selbst anwenden zu k√∂nnen

Und nicht nur beim W√§sche abnehmen helfen …

… sondern auch durch Anreichen beim Aufh√§ngen

Eine DVD gucken

Eine Beauty-Kur aus Haare waschen …

… und Gesichtsmaske …

… genie√üen

Pl√§tzchen ausstechen …

… und nach dem Backen auch noch gleich verzieren

Beim Abwasch helfen

Selbstst√§ndig Z√§hne putzen … naja, am Ende ist da immer noch sehr viel Hilfe notwendig    zwinker

Das Trinken klappt bereits ohne Hilfe – hier beim Morgenkaffee

Und auch das Essen …

… muss nur noch ganz selten gef√ľttert werden

Da vor allem der Transfer …

… vom Rollstuhl ins Auto zwar beschwerlich ist, aber daf√ľr klappt …

… und wir auch schon einen Anh√§nger f√ľr den Rolli haben …

… werden wir ab jetzt jedes Wochenende gemeinsam verbringen k√∂nnen!!!

Ich wei√ü nicht, wie es euch beim Anschauen dieser Bilder geht, aber ich bin √ľbergl√ľcklich √ľber diese wahnsinnigen Fortschritte meines Kindes!!!!!!!!

Und dabei behauptet Stephanie doch immer, dass sie eigentlich ja keine Fortschritte machen w√ľrde …

Fertsch – diesmal ist es sehr viel weniger Text geworden, daf√ľr aber Emotionen pur, oder ?



2021 29.
Nov

Hallo Mamas Bloginteressierte,
der n√§chste Eintrag wird sich leider um 1-2 Tage verschieben, denn ich habe Mama und Carsten von Freitagvormittag bis heute ganz sch√∂n auf Trab gehalten    zwinker    tut mir echt leid (f√ľr euch)

Aber gegen 13:00 werde ich gleich zur√ľck in die Pflegeeinrichtung gebracht und dann haben die beiden auch wieder mehr Zeit f√ľr ihren allgemeinen Alltag    standard    nach dem HomeOffice also auch f√ľr euch.

Tsch√∂ mit „√Ė“
   Eure Stephanie

P.S.: ja, ich tippe zwar mittlerweile kleinere S√§tze au der Tastatur, aber diesen hier habe ich nat√ľrlich noch nicht selbst verfasst     cool 

 



2021 21.
Nov

Demn√§chst wird ein weiterer Meilenstein f√ľr und mit Stephanie erreicht sein – 60 Wochen nach der Verlegung von der Charit√© in die erste Reha-Einrichtung (im Oktober 2020), ca. 460 Tage seit dem Vorfall (Ende August 2020) und nach 11 Monaten bei Bewusstsein (aufgewacht Ende Dezember 2020). Glaubt man den Aussagen der √Ąrzte, Therapeuten und Pflege – und das machen wir mittlerweile nahezu blind – m√ľsste man die letzte Zeitangabe sogar so vervollst√§ndigen: „nach GERADE MAL 11 Monaten bei Bewusstsein“.

F√ľr die meisten von uns d√ľrften die oben genannten Zeitr√§ume eine Ewigkeit darstellen, aber f√ľr das Krankheitsbild von Stephanie sowie der damit einhergehenden Rehabilitationsphase ist es aus unseren bisher gemachten Erfahrungen mehr als kurz, wenn man sich einmal ansieht, was unser Kind mittlerweile schon so alles geschafft hat:

  • eine vollst√§ndige √úbernahme der eigenst√§ndigen Atmung (keine Maschine, kein Tracheostoma)
  • eine fast komplette Freigabe beim Essen und Trinken
  • sie kann eigentlich sogar fast selbst dieses Essen und Trinken zu sich nehmen (wird nicht mehr gef√ľttert)

  • nach Bereitstellung gelingt ihr eine v√∂llig autarke Einnahme der Medikamente (egal ob fl√ľssig oder Tablette)
  • eine verst√§ndliche Artikulation und sie versteht und reagiert auf komplexe S√§tze und Fragen
  • sie beherrscht weiterhin mehrere Sprachen: Deutsch, Englisch, Franz√∂sisch und Russisch
  • der obere K√∂rperbereich ist relativ umfangreich einsatzf√§hig (Sorgenkind bleibt nat√ľrlich Linki)
  • und vor allem ist ihr Wille ungebrochen, ihren Schicksalsschlag so schnell wie m√∂glich zu kompensieren

Nat√ľrlich ist die Liste der noch zu bew√§ltigenden Baustellen und (vor allem ihre) Erwartungen an weitere Fortschritte noch lang, aber selbst die gr√∂√üten Probleme entwickeln sich alle in die richtige Richtung … und das wie gesagt, schon nach so kurzer Zeit f√ľr eine Person mit ihrer Hirnsch√§digung, ausgel√∂st durch eine Lungenembolie, Sauerstoffunterversorgung und einem mehrmonatigem Koma. Viele, aber vor allem auch √§ltere Personen schaffen in dieser Zeit nicht einmal die Entfernung des Tracheostomas … das „nervige Teil“ war bei ihr schon Mitte Februar 2020 raus!

Und genau die oben aufgef√ľhrten Dinge erlauben ihr nun, dass sie das n√§chste Wochenende zum ersten Mal nach so vielen Monaten bei uns in Wentorf verbringen kann und wir tats√§chlich von Freitagvormittag bis Montagmittag 24/7 mit dem Kind zusammen sein k√∂nnen. Carsten, Stephanie und ich freuen uns schon seit Tagen wie Bolle dar√ľber, zumal an dem besagten Freitag ja auch noch mein Geburtstag ist und wir somit gemeinsam Pizza am heimischen Tisch essen k√∂nnen – auf die „Mafiatorte“ freut sie sich ja schon seit Wochen    standard

Neben dem vielen Absprechen und Planen gehen wir derzeit immer wieder alles ganz genau im Geiste durch, damit es f√ľr uns OLCAs ein unvergessliches Erlebnis wird und es vor allem auch √∂fters wiederholt werden kann – dr√ľckt uns mal bitte wieder ganz fest die Daumen. Weitere Einzelheiten und vor allem unsere Erlebnisse dazu dann im n√§chsten Blogeintrag – die oben erw√§hnte 60. Woche …

Auch wenn die Heimkehr in der vergangenen Woche Thema Nummer 1 war, sind doch auch andere Dinge passiert, die ich hier f√ľr euch zusammenfassen m√∂chte.

Ein weiteres Highlight war n√§mlich unser erster Versuch, Stephanie das Bewegen des Rollstuhls zu zeigen und beizubringen … auch wenn es nur zentimeterweise ist. Hierbei hat sie allerdings wieder einmal superschnell die Vorgaben verstanden, verinnerlicht und abgerufen – 10 cm vor und zur√ľck sind schon gar kein Problem mehr:

Bei uns in der Wohnung wollen wir ihr dann die M√∂glichkeit geben, etwas mehr Strecke zu machen (10 m am St√ľck sind auf jeden Fall drin) und ihr auch einmal die Auswirkungen zeigen, wenn es nach rechts oder links gehen soll. Selbst ihre linke Hand scheint jedenfalls trotz Spastik gut daf√ľr ger√ľstet zu sein und sie macht ebenfalls flei√üig mit. So gl√ľcklich haben wir Stephanie schon lange nicht mehr erlebt – wenn sie gekonnt h√§tte, w√§re sie wahrscheinlich aufgestanden und h√§tte Freudenspr√ľnge gemacht.

Das Rollen wird am n√§chsten Wochenende auf jeden Fall noch sehr viel mehr vertieft und ge√ľbt, denn einen solchen Zugewinn bei der Mobilit√§t bringt sie wieder einen gewaltigen Schritt weiter. Bislang scheint ihr der Griff an die R√§der jedenfalls noch nicht in den Sinn gekommen zu sein …

Wo andere Dinge mittlerweile nach st√§ndigem √úben und Trainieren zumindest in den Ans√§tzen sitzen (Lebensmittel mit oder ohne Besteck in etwas eintauchen bzw. ditschen, den Tisch abwischen, die TV-Fernbedienung nutzen, diverse Pappboxen √∂ffnen) …

… scheitert sie leider noch an anderen T√§tigkeiten, die wir aber ebenfalls schon seit Wochen erkl√§ren und durchf√ľhren lassen, wie z.B. Brille aufsetzen (abnehmen und an jemanden reichen ist kein Problem) und Einschalten von Musikger√§ten (MP3-Box mit nur einem einzigen, daf√ľr aber kleinen Schieber). Doch wir geben nicht auf – „Niemals!“ (O-Ton Stephanie).

Und vor allem, da wir bei unseren 3 bis 4-st√ľndigen Besuchen nicht immer f√ľr alles unendlich viel Zeit haben, erhoffen wir uns an den Tagen, wo sie denn dann mal bei uns in der Residencia OLCA ist, dass man ihr etwas in die Hand dr√ľcken kann und sie einfach machen l√§sst – auch wenn es am Ende eine Stunde dauert. Solange sie t√ľftelt und konzentriert an die Sache rangeht, soll sie muddeln und eigene Strategien entwickeln, denn Zeit spielt dann ja keine gro√üe Rolle mehr.

Genau eine solche Sache haben wir n√§mlich gestern erlebt, als wir mit ihr das neue Spiel „Karte! Wort! Klingel!“ angefangen haben:

Hierbei deckt man eine Karte auf (Stephanie erkennt die Bilder nun auch immer besser, sogar zur Freude aller gleich auf Anhieb eine Birne!), jeder legt das gesuchte Wort aus maximal f√ľnf Buchstaben mit seinen W√ľrfeln vor sich hin und bet√§tigt dann eine Klingel. Zuerst sollte das Kind alleine die W√ľrfel legen, aber sie wollte unbedingt, dass wir gem√§√ü der Spielregeln mitmachen. Also haben wir ca. 10 Runden gemeinsam gespielt, bei denen nat√ľrlich Carsten und ich immer sehr schnell fertig waren … sie hat dennoch ohne Mucken und Murren in aller Ruhe ihr Wort zusammengesucht! Wer sie noch aus Kinderzeiten kennt, erinnert sich vielleicht, wie ehrgeizig sie damals war und dass das Gewinnen bei ihr fast immer an erster Stelle stand. Jetzt z√§hlt f√ľr sie zum Gl√ľck nur noch der Spa√üfaktor und das Lernen ist zudem mit in den Vordergrund ger√ľckt.

Jedenfalls zeigte sie beim Drehen der Buchstabenw√ľrfel (eigentlich sind es ja nur 6 Seiten bzw. M√∂glichkeiten) keine sehr gro√üe √úbersicht und Koordination, denn sie drehte den W√ľrfel zigmal in ihren Fingern um die eigene Achse und fand den richtigen Buchstaben nicht sehr schnell. Und wenn sie ihn dann endlich ersp√§ht hatte, war es schwer f√ľr sie, diesen auch so abzulegen, dass er von oben lesbar war. Also haben wir etwas mitgeholfen, bis es passte. Doch wenn es zuk√ľnftig mal keine Zeiteinschr√§nkungen gibt und sie sich selbst besch√§ftigen muss, dann k√∂nnte man sie mit W√ľrfeln und Worten alleine probieren lassen, bis es bei ihr da oben endlich Klick macht. Darin liegt unsere gro√üe Hoffnung, wenn wir dann mal einen gewissen Zeitdruck rausnehmen k√∂nnen.

Beim gestrigen Spielen wurde Stephanie (verst√§ndlicherweise) immer unkonzentrierter, also haben wir nach den besagten ca. 10 Runden das Wortbasteln mit den W√ľrfeln weggelassen und nur noch die Bilder bzw. dargestellten Worte auf den K√§rtchen gesucht, bei der sie dann wiederum sehr gut und neu motiviert bzw. konzentriert mitgemacht hat. Sie hat sogar sehr viel auf Anhieb erkannt und gewusst, sp√§testens nach ein paar verbalen Hilfestellungen. Die W√∂rter, Bergriffe und Vokabeln hat sie also noch drauf und kennt diese, aber sie lassen sich eben nicht immer gleich so ad hoc abrufen.

Mit sich selbst beschäftigen lassen wollen wir sie dann auch mal zusammen mit einem Tablet, denn die Bedienung von Webseiten oder bei Facebook & Co. hat sie eigentlich noch drauf:

Was ihr fehlt, ist das Drumherum, wie z.B. das Hervorholen, Ein-/Ausschalten, Aufladen, mit dem Internet verbinden und andere Voraussetzungen, f√ľr die das Pflegepersonal verst√§ndlicherweise nicht immer Zeit finden kann. Bei uns wird das aber ja eine v√∂llig andere M√∂glichkeit sein, denn wir werden ihr auf jeden Fall eine ganzt√§gige 1:1-Betreuung (eigentlich sogar 1:2) geben k√∂nnen. An Tagen mit dem Kind m√ľssen andere Dinge dann eben pausieren … so auch leider der n√§chste Blogeintrag, der somit nicht wie gewohnt am Sonntag auf eure Bildschirme flattern kann. Versprochen, ich reiche ihn so schnell ich kann nach – also voraussichtlich Montagabend    zwinker



2021 14.
Nov

Heute tue ich mich zugegeben etwas schwer mit dem Einteilen der Themen, denn sowohl ein Revue passieren lassen nach Tagen w√§re m√∂glich, aber eigentlich auch nach Fortschritten und Ereignissen – ich habe mich nun letztendlich f√ľr das zweite entschieden.

Am ereignisreichsten war wohl eindeutig der Donnerstag … der 11.11. … St. Martin … und f√ľr diesen Tag hat sich das Pflegezentrum mal wieder etwas ganz Tolles und R√ľhrendes einfallen lassen. Zun√§chst hat man alle Bewohner am sp√§ten Nachmittag zusammengeholt und gemeinsam gegessen – Stephanie war von der Ente und dem Rotkohl total begeistert! Danach brachte man die Anwesenden mit ihren, in den letzten Tagen gebastelten Laternen nach drau√üen und versammelte sie um den Rasen im Innenhof, wo mit Lichtern, Fackeln und Lagerfeuer eine richtig tolle Stimmung geschaffen wurde:

Und mit eben diesen Laternen in den H√§nden stimmten dann alle, Bewohner und Personal, in Begleitung einer Gitarre zu den typischen St. Martin-Liedern an: „Laterne, Laterne – Sonne, Mond und Sterne“ und „Ich geh‘ mit meiner Laterne“. Wir waren sehr erstaunt, wie gut Stephanie die Texte wieder aus ihren Erinnerungen kramen konnte und sie mit uns allen mitgesungen hat – so toll!

Anschlie√üend wurde w√§rmender Punsch gereicht und Stephanie kam sogar sehr sch√∂n mit ihrem hei√üen Getr√§nk in der Tasse zurecht. Nur das Pusten musste Carsten √ľbernehmen …

Und genau dieses direkte Trinken aus der Tasse, also ganz ohne Strohhalm oder andere Hilfsmittel, zeigte sie gleich mehrfach in dieser Woche – f√ľr uns w√§re damit mal wieder ein kleiner Meilenstein von der Aufgabenliste geschafft. Denn egal ob Kaffee aus der Tasse oder ein Kaltgetr√§nk aus dem Pappbecher, es wird nicht gekleckert, nichts zerdr√ľckt oder fallengelassen:

Ok, das Feintuning, wie z.B. das Halten einer Tasse am Henkel, fehlt noch    zwinker

Auch beim Essen geht nun immer weniger daneben bzw. f√§llt auf den Latz. Selbst beim ganz alleinigen Ausl√∂ffeln einer halben Dose Mais (sie war ja sooooo gl√ľcklich √ľber diese K√∂stlichkeit!) hat sie am Ende nicht ein einziges K√∂rnchen vom Teel√∂ffel verloren. Ihre rechte Hand f√ľhrt mittlerweile eine so ruhige und zielgerichtete Bewegung aus, an die vor ein paar Monaten noch gar nicht zu denken war:

Mit Linki konnten wir im Nachhinein noch das unterst√ľtzende Festhalten der Dose √ľben, da Stephanie derzeit noch das Abstellen auf dem Tisch f√ľr einen festeren Stand und das waagerechte Halten nicht ganz konsequent einh√§lt – sie hebt vieles automatisch hoch. Ein solche Maisdose ist n√§mlich doch etwas gr√∂√üer im Umfang als die bisher zu haltenden Yoghurtbecher und das wird dann eben sehr viel komplizierter und anstrengender f√ľr ihre linke Hand …

Eigentlich fehlt ihr jetzt (mal vom Zu- und Vorbereiten abgesehen) nur noch das Essen mit Messer und Gabel bzw. das Schneiden von Dingen. Demnach hat sie die Grundfertigkeiten doch relativ schnell wieder erlernen können, denn sie beherrscht völlig ohne Probleme:

  • die selbstst√§ndige Einnahme von Medikamenten, egal ob fl√ľssig im kleinen Becher oder in Tablettenform
  • das Trinken aus einem Becher, einer Tasse, einer Dose oder einer Flasche
  • das Essen mit Besteck vom Teller oder Brettchen
  • das relativ gute Leeren von Tellern, Sch√§lchen oder Dosen

(Mutter)Herz, was willst du mehr?!?!    standard

Und auch mit ungew√∂hnlicheren Darreichungen kommt sie nach einer kleinen m√ľndlichen und optischen Anleitung wunderbar zurecht. Diesen (neudeutsch) Schaum- bzw. Schokokuss …

… verputzte sie genau so souver√§n und „unfallfrei“, wie auch unsere mitgebrachten TicTacs und „Pfeffis“ (erst lutschen, dann zerbei√üen), Gummib√§rchen und Kaubonbons sowie ihre damalige und heute auch noch allerliebste Kalorienbombe: Donuts

Weil wir die Woche mal im Hamburger Hauptbahnhof waren, kauften wir bei ihrem favorisierten Donut-H√§ndler gleich mal ein Duzend dieser K√∂stlichkeiten ein, die wir dann an mehren Tagen unter uns dreien aufteilten, damit sie auch wirklich mal von jeder Variation probieren konnte. Und dabei strahlte sie wieder wie ein Honigkuchenpferd, mein √ľberaus gl√ľckliches Kind!

F√ľr sie und uns gab es die letzten Tage aber auch noch andere Gr√ľnde zum Freuen. Am Samstag bekam sie z.B. Besuch aus Berlin, mit dem sie wieder alte Erinnerungen austauschen konnte – manches ist sogar recht gut abrufbar gewesen:

Nur an den Besuch von Laura in der Klinik in Geesthacht Mitte Juli konnte sie sich leider so gar nicht mehr so genau erinnern. Doch die beiden haben sicherlich vieles wieder auffrischen k√∂nnen, denn in den fast vier Monaten von damals bis heute hat Stephanie laut wortw√∂rtlicher Aussage einer Therapeutin „einen Quantensprung“ hingelegt … auch wenn mein Kind das nicht immer so ganz sieht und obgleich ihrer Fortschritte immer ein klein wenig ungeduldig ist.

Und um eben genau diese Auffrischung von damaligen Ereignissen weiter zu f√∂rdern, verbringen wir beide an unseren M√§dels-Sonntagen gleich mehrere Stunden mit dem Bl√§ttern durch Fotoalben und dem gegenseitigen Austausch √ľber das Wann, Wo, Warum und vor allem mit wem:

Dadurch wird aber nicht nur ihr Geist und die Erinnerung trainiert, sondern gleich auch ihre Motorik Рguckt euch hier mal an, wie sie mittlerweile selbstständig die Seiten umblättert:

Vor nicht allzu langer Zeit hat sie die Seiten nicht einzeln in die Finger bekommen, beim Blättern geknickt und ihre linke Hand wusste auch noch nicht, welche Hilfestellung in ihr steckt. Ein weiterer Haken auf unserer langen Liste an Baustellen konnte somit endlich gesetzt werden.

Wo sie aber derzeit gar keinen Draht zu findet, ist das √Ėffnen und Schlie√üen einer Pappbox. Wir √ľben jetzt sogar schon mit verschiedenen Gr√∂√üen, aber der z√ľndende Gedanke blieb bei ihr bislang aus. Auf Anweisung und mit kleineren Hilfestellungen bekommt sie zwar irgendwann den Deckel auf, aber eine eigene Strategie hat sich bei ihr leider noch nicht entwickelt. Es scheint so, als h√§tte sie noch immer nicht ganz verinnerlicht, was eigentlich das √Ėffnen und Schlie√üen des Deckels von ihr verlangt. Aber wir bleiben weiter am Ball, um ihr mit diversen gro√üen, kleinen, eckigen und runden Boxen aus Pappe und Blech immer wieder das Prinzip zu zeigen, zu erkl√§ren und zu verdeutlichen. Irgendwann wird es wie bei den anderen Dingen schon Klick machen und dann lachen wir alle √ľber die bisher sehr unbeholfen aussehenden Versuche und gelegentliche Verzweiflung – w√§re ja nicht das erste Mal.

Beim Schachbrett hat es so doch ebenfalls geklappt – was zun√§chst wie ein unm√∂gliches Unterfangen begann, bereitet ihr heute keinerlei Probleme mehr. Das Karomuster bringt sie nicht mehr aus der Ruhe, Schachfiguren und Damespielsteine werden auf Anweisung dort positioniert, wo sie hingeh√∂ren und auch mit dedizierten Feldangaben, wie z.B. A4 oder C7, kann sie durch Abz√§hlen jetzt schon etwas anfangen. Darin ist Stephanie allerdings noch nicht so ganz sattelfest, sodass sie oft noch m√ľhsam z√§hlend jedes Feld abh√ľpft oder manchmal auch statt nur schnurstracks nach oben mal nach rechts oder links abbiegt.

Und sie setzt immer selbstverst√§ndlicher Linki gleich mit ins Geschehen ein, sei es zum Herausholen und √úbergeben oder auch zum Fixieren und Festhalten. Selbst, wenn sie durch diese zus√§tzliche Fummelei (Greifen und Feinjustierung f√§llt ihr mit dieser Hand noch besonders schwer) meist sehr viel langsamer ist, sie gibt einfach nicht auf und von uns bekommt sie alle Zeit der Welt, die sie braucht. Unsere Ungeduld und das Bew√§ltigen der vielen Baustellen k√∂nnen wir heute sehr viel besser koordinieren und auf die jeweilige Gem√ľtslage des Kindes und der Umwelt abstimmen, als noch vor einem halben Jahr. In dem Sinne ist sie sowieso ihr sch√§rfster Kritiker    zwinker

Dabei sieht sie aber leider eben nicht immer die wirklichen „Fortschrittchen“ – wir aber. Und wir testen diese auch hin und wieder mal aus. So z.B. kurz vor dem Gehen, wo Carsten ihr einmal wortlos die Seniorenfernbedienung √ľbergeben hat und sie ohne Anweisungen oder √§hnliches ihren Fernseher einschaltete, den Kanal auf ihr geliebtes „Deluxe Music“ umstellte und auch weil n√∂tig die Lautst√§rke justierte. Wir waren sehr beeindruckt, denn bei der √úbergabe und dem Anlernen im Oktober sch√ľttelten wir beide noch die K√∂pfe dar√ľber, dass sie so viele Probleme mit den lediglich sechs Kn√∂pfen hatte … und jetzt trotz wenig √úbung durch uns: Profimodus!

Zum Abschluss möchte ich noch eine kurze Erklärung zu diesem tollen Bild abgeben:

Am Donnerstag ist eine Therapeutin noch einmal durch die Zimmer gegangen, um auch den Patienten ein kleines St√§ndchen auf der Gitarre zu geben, die eben nicht das Bett verlassen und mit in den Innenhof zum Feiern kommen konnten. So also auch f√ľr die Zimmergenossin von Stephanie. Wir haben nat√ľrlich auch mitgelauscht und wurden in die Findung des dargebotenen Musikst√ľckes mit einbezogen – die Entscheidung fiel am Ende auf ‚ÄěMarmor, Stein und Eisen bricht‚Äú und interessanterweise war unser Kind beim Refrain auch hier relativ textsicher. Man kam danach so ins Gespr√§ch und da Stephanie w√§hrend ihrer Dresdner Zeit mal sowohl Fl√∂ten- als auch Gitarrenspielen gelernt hat, durfte sie das Instrument halten und selbst an den Saiten zupfen – damit hofften wir eventuell noch weitere Erinnerungen ausgraben zu k√∂nnen und Stephanie war ebenfalls nicht ganz abgeneigt. Wir wollen daran nun irgendwann mal ankn√ľpfen und sie zuk√ľnftig auf ihrer Gitarre von damals herumklimpern lassen, denn ggf. kann dadurch sogar etwas mehr Anreiz f√ľr eine noch viel bessere Bewegung (und Verwendung) von Linki mit herausspringen. Das h√§ngt dann am Ende aber nat√ľrlich ganz vom Kind ab …



2021 07.
Nov

Ich glaube, diesmal k√∂nnte es wirklich mal ein etwas k√ľrzerer Eintrag werden … viel Text sollte es jedenfalls nicht geben, denn wir waren nur dreimal bei Stephanie in L√ľneburg (DI, DO & SO – am Samstag kam ihr leiblicher Vater samt Frau aus Sachsen vorbei) und au√üer Essen und √úben ist eigentlich nicht viel passiert, √ľber das man hier berichten k√∂nnte.

Mittlerweile haben wir zudem fest eingefahren Rituale, die ich nat√ľrlich nicht in jedem Blogeintrag ausf√ľhrlich beschreiben m√∂chte. So z.B. das stundenlange Durchgucken von Fotoalben an unserem sonnt√§glichen M√§delstag oder ihr Versuch, eigenst√§ndig eine Pappbox zu √∂ffnen, um dann darin eine kleine S√ľ√üigkeit oder wie heute den Geschmack-des-Tages zu finden:

Leider tut sich Stephanie immer noch sehr schwer damit, aber wir kennen das ja. Wichtig ist, dass man nicht die Geduld dabei verliert, denn stetes Wiederholen hat bislang noch immer zum gew√ľnschten Ziel gef√ľhrt.

Durch das viele Angucken der Fotoalben kehren ebenfalls immer mehr Erinnerungen zur√ľck oder werden durch mein erg√§nzendes Erz√§hlen aufgefrischt. Und bei unseren Spielen mit Zahlen, Bildern und K√§rtchen schleicht sich zunehmend eine Routine ein, die ihr dann hilft, f√ľr neue Dingen gleich von Anfang an ein besseres Verst√§ndnis zu haben.

So konnte Stephanie letztens eine f√ľr sie v√∂llig neue Puzzle-App innerhalb k√ľrzester Zeit verstehen und dabei die Ziele erreichen, ohne vorher noch viele Anweisungen oder Erkl√§rungen von uns zu bekommen, wie es jedenfalls noch vor ein paar Wochen notwendig war:

Carsten hat diese Woche zudem mal wieder das Schachbrett rausgeholt – ihre Verwirrtheit durch das Muster Mitte August werden wir jedenfalls nicht so schnell vergessen:

„Ebenfalls irritiert waren wir, als sie […] so unvorstellbar gro√üe Probleme beim Aufstellen von Schachfiguren hatte. Sie sollte nur die acht wei√üen Bauern auf die zweite Reihe stellen, aber selbst unsere Hilfen per Fingerzeig halfen am Ende nicht und sie stellte die Figur nicht vor den Finger, sondern nur daneben oder versuchte es sogar dahinter. Jede Bauernfigur stellte f√ľr sie eine fast unm√∂gliche Herausforderung dar! Wir vermuten mal, dass sie einfach schon das Schachbrettmuster total √ľberfordert hat …“

Und dieses Mal? Keine Probleme! Alles klappte auf Anhieb!

Sie hat von Carsten die ersten zwei Bauern als Vorlage auf das Spielbrett aufgestellt bekommen und er dr√ľckte ihr danach jede Figur einzeln in die Hand, damit sie diese auf das benachbarte Feld positioniert. Klar, auch hier brauchte sie manchmal noch einen kleinen Fingerzeig auf die richtige Stelle, aber von Verwirrtheit war diesmal √ľberhaupt keine Spur. Am Ende standen in kurzer Zeit alle 16 Figuren dort wo sie hingeh√∂ren und das Kind freute sich wie Bolle … mit uns!

Ich habe insgesamt das Gef√ľhl, dass Stephanie mittlerweile sehr viel schneller begreift und erlernt, als noch vor ein paar Monaten. Innerhalb k√ľrzester Zeit hat sie sich jetzt u.a. schon eine fast autarke Einnahme der Medikamente erarbeitet, bei dem die Fl√ľssigmedizin im Becherchen angereicht werden kann und sie trinkt diesen ohne etwas zu versch√ľtten bis auf den letzten Tropfen aus. Dieses Ein√ľben hat erstaunlicherweise nur ganze zwei Besuchstage gedauert, danach konnte sie es schon. Die Tabletten legt man ihr auf den Tisch und sie greift und schluckt alle, egal wie gro√ü oder klein sie sind. Nur das Auspacken aus dem T√ľtchen oder dem Blister kann sie nat√ľrlich noch nicht.

Und auch von den Therapeuten bekam sie diese Woche eine Art Flei√übienchen (mit Sternchen)    zwinker

Selbst Malen und das Nutzen eines Stiftes geht ihr immer mehr ins Blut √ľber, denn bei diesen Wellenlinien klappt sowohl schon das Nachzeichnen als auch das Setzen einer parallelen Linie sehr viel besser, als noch vor wenigen Wochen bei sehr viel einfacheren Vorgaben:

Vor allem aber, weil sie weiterhin nicht aufgibt, immer ehrgeizig bleibt und am liebsten sogar erst einmal selbst herumt√ľfteln m√∂chte. Bei der oben erw√§hnten Box antwortete sie am Donnerstag auf Carstens Frage nach Hilfestellung („Soll ich es dir noch mal zeigen?“) wortw√∂rtlich: „Nein … wenn ich noch darf?“) – nat√ľrlich durfte sie, auch wenn sie es am Ende leider doch nicht ohne den entscheidenden Hinweis schaffte. Beim Schmieren ihres Brotes erkennt sie ebenfalls immer wieder Verbesserungspotential und ist am Ende sogar total entt√§uscht, wenn die K√ľchenhilfe diesen Part schon (aus Versehen) √ľbernommen hat …

Oftmals scheitert Stephanie aber leider auch einfach nur an ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne bzw. schwindender Konzentration, denn hier merkt man immer sehr deutlich, dass sie mit zunehmender Zeit mehr Fehler macht und somit stetig unkonzentrierter wird. Sei es beim Sprechen (zum Zeitpunkt unseres Kommens wird noch recht deutlich gesprochen, kurz vor dem Gehen fragt man fast schon bei jeden zweiten Satz nach) oder beim √úben (anfangs legt sie gut vor, doch mit jedem Durchgang schleichen sich zunehmend Fehler und Nachl√§ssigkeiten ein) … aber ihr Ehrgeiz bleibt ungebrochen, es l√§sst sich beides leider nur nicht miteinander vereinbaren    traurig

Was dem Kind auch √ľberhaupt nicht schmeckt, ist das jetzige Wetter und die Jahreszeit – sie will eigentlich unbedingt immer nach Drau√üen und vor allem zum Pavillon, doch sp√§testens nach der Zeitumstellung am letzten Wochenende haben wir nun nicht mehr nur das Problem der fehlenden, w√§rmenden Sonne, sondern auch gleich noch das mit den Lichtverh√§ltnissen:

Am Dienstag waren wir noch v√∂llig unvorbereitet und Carsten bastelte mit seinem Handylicht und einer Wasserflasche eine Tischleuchte oder musste mit dem Handy das Schmieren des Brotes ausleuchten, doch gegen Wind und K√§lte sind wir komplett machtlos. Das Lichtproblem h√§tten wir mittlerweile durch einen Zukauf dauerhaft gel√∂st, aber bei unter 10 Grad f√ľr Stunden am Tisch zu sitzen, macht auf Dauer einfach keinen Spa√ü. Und das, obwohl Stephanie es lieber k√ľhl statt warm mag …

Mit ihrem Muff (hier im Caf√© sitzend) kann sie wenigstens zus√§tzlich noch die H√§nde warm halten, aber das schr√§nkt nat√ľrlich das Portfolio der √úbungen immens ein. Wir sind derzeit auf der Suche nach einer besseren L√∂sung, mal sehen, was wir da f√ľr uns erreichen k√∂nnen.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Essen:

Das Fr√ľhst√ľck k√∂nnen wir nicht beurteilen, aber da sowohl das Mittagessen …

… als auch das Abendessen …

… mehr als reichhaltig und laut Stephanie auch sehr lecker ist, d√ľrfte es beim morgendlichen Mahl sicherlich nicht anders sein. Dennoch freut sich das Kind nat√ľrlich auch immer sehr √ľber unsere Mitbringsel, sei es eine kleine S√ľ√üigkeit (Schokolade, Gummib√§rchen, …), ein au√üergew√∂hnliches Getr√§nk (Coke, Pepsi, Smoothie, Dunkelbier, …), den Geschmack-des-Tags (diesmal waren es Currywurst, Schafsk√§se & Camembert) oder einfach etwas, was uns gerade in die Finger f√§llt und wir denken „Ja, das k√∂nnte ihr gefallen.“

Diese Woche waren das u.a. Pfefferminzlutschbonbons, denn „Pfeffis“ hat sie eigentlich immer gemocht. Sie mag sie auch weiterhin sehr, hat das eine recht lange gelutscht und es dann, als es zu klein war, wie eine Tablette heruntergeschluckt ‚Ķ beim n√§chsten Mal will sie mal das von uns empfohlene Zerbei√üen zum Abschluss anwenden    zwinker

Oder der Milchreis mit Zimt, den sie sich einmal explizit gew√ľnscht hat, und den sie nach dem Abendessen statt des hauseigenen Nachtisches mit Hochgenuss vertilgte. Wir k√∂nnen ja w√§hrend unserer Besuche am Dienstag und Donnerstag gemeinsam zu Abend essen und teilen dann all das, was wir so mitbringen – hier zwei Sorten Schafsk√§se und H√§hnchenst√ľcke mit Ketchup:

Kurz zusammengefasst: sie f√ľhlt sich in diesem Pflegezentrum weiterhin √§u√üerst pudelwohl, sie entdeckt zunehmend ihre F√§higkeiten wieder und fragt deshalb auch stets nach neuen Herausforderungen, √úbungen und Trainings, um a) die aufkommende Langeweile w√§hrend des restlichen Tages zu bek√§mpfen und b) schnellstm√∂glich ihre Genesung voran zu bringen. Heute fragte sie mich z.B., ob wir uns mal eine Weile auf Englisch unterhalten k√∂nnten … am Ende wurden es fast 30 Minuten. Da ist definitiv noch sehr viel Luft nach oben und Stagnation ist gl√ľcklicherweise noch ein Fremdwort    standard

Ich habe fertig … und, konnte ich wenigstens diesmal mein Versprechen aus dem ersten Satz einhalten? Vom Text her ist es auf jeden Fall weniger als sonst geworden    zwinker



2021 31.
Okt

Wahnsinn, bis zum Ende der n√§chsten Woche werden es bereits 100 Tage im Pflegezentrum in L√ľneburg sein. Und was Stephanie alleine nur in dieser Zeit insgesamt geschafft hat, l√§sst uns weiterhin hoffen und das Kind weiter enthusiastisch durchhalten – manches beherrscht sie schon wieder auf dem Effeff, f√ľr manches muss sie noch eine gewisse Routine entwickeln und manches steht allerdings noch ganz tief in den Startbl√∂cken.

Auch diese Woche haben sich wieder Dinge gezeigt, die in diese drei Kategorien eingeteilt werden k√∂nnen – und dabei war es trainings- und √ľbungstechnisch eine wirklich sehr kurze Woche f√ľr uns, denn am Donnerstag bekam sie am Sp√§tnachmittag Besuch von einer Geo-Kommilitonin aus Potsdam, die gerade auf der Durchreise nach Bremen war (wir lie√üen die beiden nach dem Erhalt des Abendessens und dem Erledigen des Organisatorischen, wie z.B. Medikamente, alles Zeigen etc., dann auch schon fr√ľhzeitig alleine) …

… und da unser gestriger Samstag recht voll mit Terminen war, fuhren wir diesmal schon morgens zu Stephanie und fr√ľhst√ľckten gegen 9 Uhr zusammen mit ihr – f√ľr sie war es bereits das zweite, wir waren noch n√ľchtern.

Sie durfte nat√ľrlich alles, was wir f√ľr uns so vom B√§cker oder von zuhause mitgebracht haben, einmal probieren:

  • Kaffee … „Hmmmmm!“
  • Eibr√∂tchen … „Lecker!“
  • Mettbr√∂tchen … „Noch leckerer!“
  • K√§sebr√∂tchen mit Schinken und Tomate … „Noch noch noch leckererer!“
  • Knacker … „Ich bin leider schon so satt.“
  • Franzbr√∂tchen, eine s√ľ√üe Zimtspezialit√§t hier aus dem Norden … „Mist, ich bin doch schon so voll!!!“

Bei dem ganzen Gemapfe konnten wir nat√ľrlich sehr viel weniger trainieren, √ľben und spielen, doch daf√ľr haben wir uns mal wieder so richtig leergequatscht. Sprechen geh√∂rt definitiv zur Kategorie „Effeff“, auch wenn so manche Aussprache noch etwas hapert, und auch das Essen hat sich mittlerweile in diese Kategorie eingereiht. Ja, es wurde nun gr√∂√ütenteils offiziell freigegeben – f√ľr das Kind wird ein Traum wahr: nichts ist mehr p√ľriert und es winken noch mehr Freiheiten beim Geschmack-des-Tages und Probieren!!!

Wir haben am Anfang der Woche mit der Logop√§din telefoniert und Stephanie hat nun wohl die letzte Stufe vor der Vollkost erreicht, da sie die letzten vier Wochen beim gemeinsamen Esstraining nicht ein einziges Mal husten musste und auch so keinerlei Probleme mit dem Kauen und Schlucken zeigte. Einzig stark Knuspriges mit Kr√ľmelbildung (Chips, Crouton, Kekse etc.) und N√ľsse (diese Br√∂sel werden n√§mlich trotz Spucke leider nicht weich) d√ľrfen noch nicht gegeben werden. Alles andere kann sie nun in kleinen Schritten und m√∂glichst noch unter Beobachtung ausprobieren und essen. Im Rahmen ihrer eigenen Zielsetzung planen wir deshalb zu Olgas Geburtstag Ende November ihre erste Pizza, in der ersten Dezemberh√§lfte ihren erster Burger (muss ja nicht unbedingt einer vom Goldenen M sein) und zum Jahresende ihr selbsterkl√§rtes Endziel, einen D√∂ner. Zum Eingew√∂hnen schieben wir vielleicht vorher noch einen D√ľr√ľm in den Ablauf mit rein. Aber ihre Freude k√∂nnte ihr euch sicherlich sehr gut vorstellen, oder?

Die „Selbstversorgung“ steckt daf√ľr leider noch stark in den Kinderschuhen. Beim Schmieren ben√∂tigt sich viel Hilfe und Feintuning – doch es wird zunehmend besser:

Ein Essen mit Messer und Gabel ist von uns zum Beispiel noch gar nicht in Erw√§gung gezogen worden. Daf√ľr kann man sie mittlerweile mit einem Teller, auf dem mundgerechten St√ľcke liegen, sowie dem dazugeh√∂rigen Gabel oder L√∂ffel getrost alleine lassen. Damit geht sie auf alle F√§lle verletzungsfrei und erfolgreich um – geh√∂rt also zur Kategorie „Effeff“.

Als wir Stephanie am Samstag zum Mittagessen in den Speisesaal geschoben haben, hat sie sich ab da komplett alleine um das L√∂ffeln ihrer Kohlsuppe und ihres Yoghurts gek√ľmmert, sodass wir uns nach dem Verabreichen der Medikamente und vor dem ersten Bissen bei ihr verabschieden konnten. Doch schon beim Umr√ľhren durch Carsten flatterten ihre N√ľstern und sie freute sich total auf dieses Mittagessen:

Carsten sagte, dass er gl√ľcklicherweise die Maske im Gesicht bzw. √ľber dem Mund hatte, denn auch f√ľr ihn war die Versuchung gro√ü, einen L√∂ffel davon zu probieren – es ist endlich wieder Kohlzeit, herrlich!

Zur√ľck zum Trainieren und √úben … so manches haben wir im Laufe der letzten Woche doch durchf√ľhren k√∂nnen:

Unter unserer Mithilfe und Anweisung kann Stephanie mittlerweile ein Tablet bedienen, z.B. um ein Video anzugucken, um bei Facebook einmal die Timeline ihrer Freunde anzusteuern und auch, um mit dem ein oder anderen ein kurzes Telefonat zu f√ľhren. Alleine d√ľrfte man ihr das iPad sicherlich noch nicht in die Hand dr√ľcken, aber das mit dem Wischen, Scrollen und Antippen von Schaltfl√§chen klappt recht gut. Also Kategorie „Vertiefen & Routine entwickeln“.

Sie wechselt aber auch sehr gerne mal in die analoge Fotowelt und guckt mit mir weiterhin stundenlang ihre zahlreichen Fotoalben durch. Heute war Nummer 5 an der Reihe und wir konnten wieder viele Gedanken austauschen, Erinnerungen ausgraben und Geschichten erzählen. Manches erkennt sie auf Anhieb, manches erst nach einer gewissen Hilfestellung und manches ist noch gar nicht freigelegt, d.h. es ist ihr völlig unbekannt.

Doch ihr Erkennen von Personen hat sich im Vergleich zum ersten Halbjahr sehr deutlich verbessert und auch eine Analyse von Bildern gestaltet sich mittlerweile immer zielsicherer. Ich kann mich noch erinnern, dass sie nicht einmal eindeutige Dinge oder Situationen auf zweidimensionalen Abbildungen identifizieren konnte, da sich ihr das Gesamtbild einfach nicht erschloss.

Jetzt kann sie mit sehr sehr sehr gro√üer Hilfe die kleinen Puzzles (6 Teile) zusammenbringen – Kategorie „Startl√∂cher“ – und Fragen zum Bild beantworten:

Sie findet die darauf abgebildeten W√ľrfel(augen) recht schnell, erkennt die Arme und F√ľ√üe des Maulwurfs und auf dem oben gezeigten Foto auch sofort den Ball. Und das sogar mit den korrekten Farben. Daran war vor zwei bis drei Monaten ebenfalls noch gar nicht zu denken. Ihr fehlte damals wohl noch v√∂llig das abstrakte Verst√§ndnis f√ľr Formen (rund), Dimensionen (auf dem Bild wirkt alles ganz klein) und Gegenst√§nde (Auto ? N√∂. Tiere ? Alles Wuff oder Miau.).

Es gibt insgesamt drei 6er-Puzzles mit dem Maulwurf, den sicherlich jeder noch aus seiner eigenen Kindheit kennt, doch man merkte sehr deutlich, dass sie beim ersten Zusammenlegen noch hochkonzentriert war, aber dann immer weiter nachlie√ü. Doch an dem Tag wollte sie unbedingt alle Puzzles beenden und nicht aufgeben! Ja, so kennen und lieben wir sie …

Dieses Durchbeißen und Durchhaltevermögen zeigt sie auch jedes Mal beim hier im Blog schon öfters beschriebenen Memory, mit dem wir uns ja auch immer mehr rantasten mussten:

Zuerst mit sechs (eigentlich eindeutigen) Abbildungen … anfangs ein gro√ües Problem, die Darstellungen von Wolke, Regenschirm, Huhn, Apfel, Birne und M√∂hre zu erkennen. Mittlerweile sind die ersten drei Genannten „Easy Peasy“ und selbst bei den drei „Fr√ľchten“ wirkt sie heute sehr zielsicher    zwinker

Eine erste Steigerung waren dann die Bildchen der √ľbrigen 18 K√§rtchen (Auto, Hydrant, Basketball, Zwiebel, Zitrone, Baum, Lineal, Affe, Hund etc.), die jetzt ebenfalls gut sitzen und nur noch bis auf sehr wenige Ausnahmen Probleme bereiten, d.h. erst nach kleineren Tipps erkannt werden. Da es aber nicht immer die gleichen Gegenst√§nde sind, die sie „vergisst“, denken wir hier eher an eine Konzentrationsschw√§che oder Ablenkung, als an das Nichterkennen dieses Bildes. Sp√§testens in der zweiten Runde kommen n√§mlich auch die nach kurzem √úberlegen wieder zur√ľck ins Ged√§chtnis.

Stufe 3 ist jetzt sogar schon, dass sie die schwarzen Schatten, also das eigentliche Memoryp√§rchen, zuordnen kann. Es liegen 10 Karten mit den bunten Bildern vor ihr und sie muss ein einzelnes Schattenk√§rtchen zuordnen. Plus den Zusatzschritten, die Karte vom Tisch aufzunehmen, idealerweise mit Linki umzudrehen, diese auf die bunte Karte abzulegen, das P√§rchen in einem Griff aufzunehmen und abschlie√üend nach links auf dem Tisch abzulegen. Das Drehen und Agieren mit Rechti beherrscht sie nahezu perfekt, doch bei Linki hat sie den Dreh noch nicht heraus bzw. verinnerlicht, √ľber den Rest muss man nicht sprechen – eindeutig „Effeff“.

Aus den Therapien gibt es au√üer dem oben bereits erw√§hnten Erfolg beim Essen (Logop√§die) noch eine kleine Information von den Ergotherapeuten: man versucht sich bereits am Transfer ohne Lifter zwischen Bett und Rolli! Dazu fiel im Gespr√§ch sogar schon die auf jeden Fall nicht ganz ernst gemeinte Klage „Meine pers√∂nliche Trainingseinheit schwindet immer mehr, da Stephanie mittlerweile doch schon viel zu viel alleine macht.“ – wir waren fast sprachlos … nein, besser: wir waren voll des Lobes!!!

√úbrigens, da Stephanie jetzt so gut wie alles essen darf, wird sie wohl demn√§chst auch hin und wieder bei den „Kochkursen“ mitmachen d√ľrfen und darauf freut sie sich sehr. Das Kochen und Ausprobieren neuer Rezepte hat sie ja schon w√§hrend ihrer Studentenzeit dank der zahlreichen Kochshows im Fernsehen und der gemeinsamen Kochabende mit Freunden sehr zu sch√§tzen und lieben gelernt. Und als Nebeneffekt ist jetzt nat√ľrlich auch die zus√§tzliche Besch√§ftigung innerhalb einer Gruppe nicht zu verachten. Unsere Kleine freut sich schlie√ülich immer √ľber die M√∂glichkeit, mit jemanden zu schnattern oder sich zu besch√§ftigen    standard

Funfact: gestern hat sie sich sogar einige Minuten lang mit Spatzen im Baum nebenan gleich mal in ihrer Sprache unterhalten … dabei klang ihr „Tschiep-Tschiep“ zumindest in meinen Ohren √§u√üerst authentisch und sie haben recht h√§ufig geantwortet    zwinker
Diese kleinen Kerlchen haben ihr Herz ja schon lange erobert    standard



2021 24.
Okt

Bevor ich diesmal die Highlights der Woche anspreche, fasse ich zuerst mal die Kleinigkeiten in Wort und Bild zusammen:

Wenn Stephanie und ich sonntags unseren M√§delstag haben, gucken wir u.a. f√ľr einige Stunden ihre Fotoalben durch, die sie von mir zum 18. Geburtstag bekommen hat. Damals √ľberreichte ich ihr insgesamt 10 St√ľck … liebevoll mit Abz√ľgen ab dem Babyalter gef√ľllt, mit Kommentaren versehen und im letzten Album sogar mit ganz pers√∂nlichen Frageb√∂gen und Zeilen ihrer Freunde, der Familie und aus dem sonstigen Umfeld – eben all diejenigen, dich ich damals unbemerkt erreichen konnte. Nun kommt ihr und uns diese geb√ľndelte Sammlung an Fotos bzw. Dokumentation ihrer Jahre bis zur Vollj√§hrigkeit sehr zu Gute, denn hiermit kann sie nicht nur das Umbl√§ttern √ľben, sondern auch gleich mal nachpr√ľfen, was noch im Ged√§chtnis geblieben ist und was durch Bilder und Storys von mir aufgefrischt werden muss.

In dieser Woche haben wir zudem √∂fters mal mit den Holzkl√∂tzen die Konzentration (Vorgaben nachbauen) und die Geschicklichkeit beider H√§nde (von Person zu Person weiterreichen) ge√ľbt. Dabei zeigten sich leider wieder die √ľblichen Schwierigkeiten bei der Orientierung und einer Probleml√∂sung, wenn sie eine sinnvolle Drehung der Steine (um welche Achse ?) √ľberdenken musste oder einfach nur eine Vorgabe (Buchstaben & Gebilde) nachlegen sollte. Wir denken aber, dass die stetige Wiederholung dabei helfen wird, zudem es ihr ja sogar noch recht viel Spa√ü macht    standard

Und nat√ľrlich kamen auch diesmal wieder etliche Hunde an unserem Pavillon vorbei, die uns mittlerweile sehr gut kennen, da wir ja immer wieder den Weg hierhin suchen. Einmal haben wir aber schon geschw√§chelt, denn das stundenlange Sitzen in der K√§lte wird zunehmend unangenehmer: da Stephanies Zimmergenossin nicht da war, konnten Carsten und ich mit dem Kind im warmen Zimmer bleiben und eben dort unsere gesamte Besuchszeit zelebrieren.

An dem Tag √ľbergaben wir ihr eine Seniorenfernbedienung – also nur mit Kn√∂pfen f√ľr Ein/Aus (1x), f√ľr den Programmwechsel vor & zur√ľck (2x) sowie f√ľr die Lautst√§rke lauter, leiser & stumm (3x):

Im Zimmer konnten wir mit ihr jedenfalls mehrfach die Nutzung dieser intensiv √ľben, ohne vorher Trocken√ľbungen fernab des Fernsehers einplanen zu m√ľssen. Doch es ist echt erstaunlich, wie sehr sie schon nur diese sechs Tasten aus dem Konzept bringen k√∂nnen, w√§hrend sie andere komplexe Dinge im Nu beherrscht oder sogar noch im Ged√§chtnis hat. Egal, jetzt k√∂nnte sie jedenfalls selbstst√§ndig durch die Grundsender ARD, ZDF, NDR, RTL, RTL2, SAT1, Kabel1, Pro7, VOX und vor allem ihr hei√ügeliebtes Deluxe Music zappen. Sie braucht sich jetzt nur noch mit ihrer Mitbewohnerin einigen und nicht mehr umst√§ndlich f√ľr jede Ver√§nderung die Pflege zu sich rufen.

In dieser Woche waren der Geschmack-des-Tages ein Kringel Fleischwurst am Dienstag (wir waren echt √ľberrascht, wie selbstverst√§ndlich sie die mundgerechten St√ľcke mit der Gabel wahlweise in Ketchup, Senf, Remoulade oder in einer Kombination aus diesen eingetunkt hat!), eine Schale Kartoffelsalat am Donnerstag, Dominosteine und gef√ľllte Lebkuchenherzen am Samstag und heute eine Schlangengurke. Doch bald m√ľssen wir uns wahrscheinlich extravagantere Dinge einfallen lassen, denn die Logop√§den scheinen weiter gelockert zu haben – Stephanie bekommt ihr Mittagessen mittlerweile unp√ľriert! Allerdings ergeben sich f√ľr uns dadurch nun auch endlich mehr M√∂glichkeiten (z.B. Currywurst) und vor allem ihr Zwischenziel (Burger) sowie das Endziel (D√∂ner) r√ľcken immer n√§her. Sie freut sich jedenfalls b√§rigst und √ľberlegt schon in Gedanken eifrig ihre Wunschzutaten …    zwinker

Schon beim allgemeinen Abendessen zeigen sich durch die Lockerungen ganz andere Möglichkeiten:

Und auch das flei√üige Lernen f√ľr ein bisschen mehr Selbstst√§ndigkeit bei der Zubereitung ist nach wie vor ungeb√§ndigt. Sie schmiert ihre Brote in unserem Beisein immer besser und das Herausholen von Butter oder Schmelzk√§se aus dem T√∂pfchen klappt mit Linki als Festhalter und Rechti als Messerschwinger schon fast perfekt bzw. mit nur noch wenig Hilfe durch uns – an der Front gibt sie auch nicht so schnell auf!

Im Gegenteil, denn sie ist weiterhin sehr entt√§uscht, wenn wir es mal nicht rechtzeitig in die K√ľche schaffen, um an unseren Besuchstagen die vollumf√§ngliche Vorbereitung ihrer Schnitten zu verhindern    zwinker

Und gestern freute sie sich zwar, als wir gegen 13:00 zu Besuch kamen, doch sie konnte noch nicht ihren Teller mit Oktoberfestk√∂stlichkeiten beenden. F√ľr die Bewohner hatte man am Samstag ein kleines bajuvarisches Fest ausgerichtet und typische Leckereien kredenzt, auf die Stephanie nun nicht so gerne verzichten wollte. Also schoben wir sie auf ihren Wunsch hin mitsamt der unp√ľrierten (!) Wurst- und Leberk√§sest√ľckchen mit s√ľ√üem Senf sowie Kartoffelsalat und Obadzda zum Pavillon, wo sie sogar ohne Schunkelmusik („So gar nicht mein Fall!“) ganz gen√ľsslich zu Ende futtern konnte. Wie auch bei unseren bisherigen Mitbringseln genoss sie hiervon ebenfalls sichtlich jeden Bissen:

OK, nun zu den Highlights:

Nummer 1 ist definitiv ihre supergut √ľberstandene, kleine OP zur PEG-Entfernung am Montag. Ihr erinnert euch, ich schrieb ja am 3. Oktober:

„In der 42. KW ist die Entfernung der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie = k√ľnstlicher Mageneingang) geplant ‚Ķ Stephanie freut sich wie Bolle und damit verbleibt am Ende mit dem Urostoma (k√ľnstlicher Blasenausgang bzw. SPK) nur noch ein einziger Dauerschlauch an ihrem K√∂rper“

… nun hat sie auch das endlich hinter sich!!! Wir sind sogar ganz au√üerplanm√§√üig am Montag extra einmal zu ihr nach L√ľneburg gefahren, denn da konnte mein Mutterherz einfach nicht anders. Ich wollte wissen, wie es ihr geht und wie sie den kleinen Eingriff inklusive Magenspiegelung so √ľberstanden hat. Es verlief alles perfekt und schon am n√§chsten Tag sp√ľrte sie gar nichts mehr davon. Nach unseren √úbungen und denen der Ergotherapeuten am Dienstag bescheinigten wir ihr das G√ľtesiegel „Fit wie’n Turnschuh“, denn sie scheute absolut keine Bewegung mit den Armen, dem Oberk√∂rper und dem Rumpf, welche Auswirkungen und Spannungen auf die Bauchregion mit sich brachten. Puh, ich war sehr erleichtert!!!

Das zweite Highlight war der gestrige Besuchstag, weshalb ich diesen jetzt auch gerne noch etwas ausf√ľhrlicher beschreiben m√∂chte – in Wort, Bild und Ton.

Am Dienstag lockten wir sie schon einmal aus ihrer Komfortzone heraus, indem wir sie dazu brachten, sich und ihre Arme ganz lang zu strecken, um von Carsten oder mir etwas in die Hand zu bekommen, was sie dann zur anderen Seite an die wartende Person wieder abgeben musste. Es war echt erstaunlich, wie viel Kontrolle sie wieder √ľber ihren Rumpf bzw. die dortigen Muskeln zu haben scheint!!!

Am Samstag toppte sie das Ganze sogar noch einmal, als sie sich völlig unvermittelt nach vorne beugte, um ihr Trinken vom Tisch zu holen:

Weil Stephanie sehr wahrscheinlich beim Oktoberfestschunkeln ihr Getr√§nk versch√ľttet hatte, wollte Carsten einmal den Rollitisch reinigen. Er hat ihn also abmontiert und wienerte auch gleich die Rollilehne mit, als sie sich dann ganz selbstst√§ndig nach vorne bewegte und nach ihrem Becher griff. Die Bewegung bis dahin kannten Carsten und ich schon: wenn sie ihre Arme nach vorne streckte, plumpste der Oberk√∂rper wie ein nasser Sack in Richtung Schoss und blieb dort liegen – zum Gl√ľck ist sie im Rolli ja angeschnallt. Doch diesmal schaffte Stephanie es auch ganz alleine wieder, den ganzen, f√ľr sie bislang viel zu beschwerlichen Weg zur√ľck in die R√ľckenlehne. Wir guckten uns und den mitgebrachten Gast an und wir m√ľssen wie ein Honigkuchenpferd gegrinst haben, denn weder der Gast noch das Kind konnten anfangs unsere √ľberschw√§ngliche Freude verstehen. Ohne Fremdhilfe zur√ľck in den Rolli zu schafften war uns v√∂llig neu, also scheinen ihr endlich auch die Bauch- und R√ľckenmuskeln wieder zu gehorchen – klasse!

Das wir vorher in dieser Richtung nichts gemerkt haben ist v√∂llig verst√§ndlich, denn wir haben in der Regel ja grunds√§tzlich den Tisch vor ihr angeschnallt und deshalb kam es nach unseren vorherig gemachten Erfahrungen im Krankenhaus (Stichwort: Plumpssack) nie beabsichtigt zu so einer Situation. Am Samstag lie√üen wir die Bewegungseinschr√§nkung dann nat√ľrlich f√ľr weitere √úbungen dieser Art weg. Sie nahm Gegenst√§nde vom Tisch auf …

… und reichte sie uns …

… oder bekam sie auch mal von dem dritten Besucher:

Zu dieser Person nun endlich mehr:
Wir hatten an dem Samstag eine Freundin mitgebracht und trotzdem sich beide bisher noch nicht pers√∂nlich gesehen hatten, erkannte Stephanie sie schon nur nach der Vorgabe des ersten Buchstaben vom Vornamen … auch hier eindeutig ein Beweis f√ľr die R√ľckkehr ihres Kurzzeitged√§chtnisses. Wir haben dem Kind sicherlich schon ein paar Male von meiner Arbeitskollegin erz√§hlt und auch schon Fotos gezeigt, aber in der letzten Woche kam Stina und ihre Absicht, einmal mit nach L√ľneburg zu fahren, jedenfalls nicht zur Sprache. Also ist das Wissen √ľber sie schon √§lter als zwei bis drei Wochen.

Als n√§chstes √ľberraschte Stephanie alle mit der Kommunikation, denn wir unterhalten uns mit Stina, einer geb√ľrtigen Franz√∂sin, in der Regel in einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch, Doch mit Stephanie konnte sie nun auch recht viel Franz√∂sisch sprechen, vor allem, da unsere Kleine als Sch√ľlerin mal einen B2-Abschluss im DELF-Sprachlevel absolviert hat. Klar, Stephanie philosophierte nun nicht gerade in langen S√§tzen oder √ľber komplizierte Themen, aber dennoch waren wir auch hier wieder einmal erstaunt, was sie ganz spontan so alles an Franz√∂sisch aus ihrem Wissensfundus hervorkramen konnte:

 
Stina meinte, dass ihre Aussprache super sei und man merkte dem Kind an, dass sie auch echt viel von allem verstanden hat. Stephanie biss sich zu diesem Zeitpunkt mit der französischen Sprache, der Rumpfbewegungen und sogar der Nutzung von Linki gleichzeitig durch und hatte trotzdem ihren Spaß dabei. Toll!!!

Weil das Wetter den ganzen Tag schon so herrlich war Рnach zwei Tagen Dauerregen und Sturm auf jeden Fall eine Wohltat Рdrehten wir zudem mal eine kleine Runde durch die an das Pflegezentrum angrenzenden Felder bzw. Wälder.

Und wieder ein Ah und Oh, denn Stephanie sah auch mal ohne langes Umhergucken Tiere rechts und links abseits des Weges … am Himmel waren z.B. mehrere Keile von G√§nsen zu sehen und auf der Bank sa√ü eine Katze, die sie ebenfalls recht schnell nach unserer Richtungsweisung fokussieren konnte.

Wir glauben, dass sie auch mal wieder froh war, etwas anderes als nur den Innenhof und das Pflegezentrum zu sehen, obgleich sie bei den vielen neuen Eindr√ľcken teilweise etwas √ľberfordert schien:

Schade, dass der Sommer bzw. die warmen Tage gerade jetzt vorbei sind …

Ebenfalls schade ist, dass sie das Lesen einer analogen Uhr komplett vergessen hat. Bevor wir sie zum Abendessen schoben, blieben wir an einer solchen Uhr stehen und fragten sie nach der Zeit:

Anhand des kleinen Zeigers gelang es ihr noch, die 5 zu erkennen, aber die Einordnung des gro√üen Zeigers zwischen der 2 und 3 und somit die Verkn√ľpfung zu 10 bzw. 15 Minuten war ihr nicht mehr m√∂glich. Diese Aufgabe wird sich also in die Liste ganz weit nach hinten einreihen m√ľssen, da sind zun√§chst noch ganz andere, viel wichtigere Baustellen auf der Agenda.

Doch an diesem Besuchstag waren Carsten und ich schon v√∂llig begeistert, was Stephanie f√ľr Fortschritte zeigte und welche anderen √úberraschungen, u.a. der Ged√§chtnisleistung, sie so ad hoc aus dem Hut zaubern konnte. Es bleibt demnach weiterhin hartn√§ckig bei unseren Credos „√ľben, √ľben, √ľben“ und „nicht aufgeben“ …



2021 17.
Okt

Schwupps, erneut ist eine Woche vorbei und ich durchforste die Meldungen aus dem Familienchat, gucke noch einmal durch alle meine erstellten Fotos (101 St√ľck) und Videos (51 St√ľck), um die Highlights f√ľr den Blogeintrag rauszusuchen und kann es wieder nicht glauben, was sich in der kurzen Zeit doch noch so alles an Ver√§nderungen ergeben hat. Im Vergleich mit dem vorherigen Besuch ist es immer nur wenig, aber mit dem Wochenr√ľckblick wird es dann doch so einiges!!! Stephanie entwickelt sich weiterhin √§u√üerst pr√§chtig und es gibt gl√ľcklicherweise erneut nur Sch√∂nes zu berichten – und vor allem von Fortschritten!

Als fast täglicher Besucher fällt einem das, wie gesagt, nicht immer so sehr auf, aber hier mal zwei Beispiele, die es dann doch sehr eindrucksvoll wiederspiegeln:

Als ein persönliches Fazit aus dem letzten Wochenende haben ihr Vater und seine Frau den folgenden Kommentar an die Familie geschrieben:

‚ÄěWir konnten mit den Besuchen wieder einige Fortschritte bei ihr sehen, gegen√ľber dem letzten Besuch. Und so sind wir gespannt auf die Fortschritte bei unserem n√§chsten Besuch.‚Äú

Es f√§llt also nicht nur uns auf!!! Zudem k√∂nnen wir auch noch die folgenden Bilder gegen√ľberstellen:

In etwas weniger als zwei Wochen schafft Stephanie (h√∂chstwahrscheinlich besonders Dank der kontinuierlichen Botox-Behandlungen), ihre linke Hand bzw. die letzten beiden Finger aus eigener Kraft immer weiter zu √∂ffnen. Auf dem Foto links sieht man ganz deutlich, dass sie den Ringfinger und den kleinen Finger relativ gekr√ľmmt h√§lt, da der Spasmus im Unterarm und im Handgelenk die Muskeln noch zu sehr an der kurzen Leine halten. Als sie mir dann aber gestern mal ihre Fingern√§gel zeigen sollte, gelang ihr schon diese weite √Ėffnung – klasse! Und ich konnte zudem alle Finger mit meiner Hand noch etwas gerader ziehen, ohne dass es ihr Probleme bereitete oder schmerzte:

Bei unseren Besuchen ist es uns nicht so sehr aufgefallen, aber durch den direkten Vergleich der Fotos mit fast 14 Tagen Unterschied ergibt sich eine ganz andere Sicht auf solche Fortschritte. Stephanie und wir freuen uns jedes Mal wie Schneek√∂nige … und zum Gl√ľck motiviert sie das immer noch zus√§tzlich, trotz der gef√ľhlten „Langsamkeit“ kontinuierlich weiterzumachen, egal wie stupide und langweilig die √úbungen auch sein m√∂gen.

Ja, selbst bei den „stupidesten“ √úbungen macht sie tapfer mit – manchmal muss sie sogar selbst so herzlich dar√ľber lachen, dass ihr Tr√§nchen √ľber die Wangen kullern (die sie mittlerweile aber auch selbst wieder wegwischen kann!). F√ľhrt doch mal selbst als Erwachsener folgende Sprach√ľbungen f√ľr ca. 10 Minuten durch, ohne vorher gelangweilt abzubrechen    zwinker

Carsten liest vor und Stephanie muss das (sinnlose) Wortkonstrukt dreimal deutlich wiederholen:

BA-LA-KA … BA-LA-KA, BA-LA-KA, BA-LA-KA
DA-LA-KA … DA-LA-KA, DA-LA-KA, DA-LA-KA
BA-LA-KE … BA-LA-KE, BA-LA-KE, BA-LA-KE
DA-LA-KE … DA-LA-KE, DA-LA-KE, DA-LA-KE
BA-LA-KI … BA-LA-KI, BA-LA-KI, BA-LA-KI
DA-LA-KI … DA-LA-KI, DA-LA-KI, DA-LA-KI
BA-LA-KO … BA-LA-KO, BA-LA-KO, BA-LA-KO
DA-LA-KO … DA-LA-KO, DA-LA-KO, DA-LA-KO
BA-LA-KU … BA-LA-KU, BA-LA-KU, BA-LA-KU
DA-LA-KU … DA-LA-KU, DA-LA-KU, DA-LA-KU
BA-LA-K√Ą … BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą, BA-LA-K√Ą
DA-LA-K√Ą … DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą, DA-LA-K√Ą
BA-LA-K√Ė … BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė, BA-LA-K√Ė
DA-LA-K√Ė … DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė, DA-LA-K√Ė
BA-LA-K√ú … BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú, BA-LA-K√ú
DA-LA-K√ú … DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú, DA-LA-K√ú
BA-LA-KAU … BA-LA-KAU, BA-LA-KAU, BA-LA-KAU
DA-LA-KAU … DA-LA-KAU, DA-LA-KAU, DA-LA-KAU
BA-LA-KEI … BA-LA-KEI, BA-LA-KEI, BA-LA-KEI
DA-LA-KEI … DA-LA-KEI, DA-LA-KEI, DA-LA-KEI
BA-LA-KEU … BA-LA-KEU, BA-LA-KEU, BA-LA-KEU
DA-LA-KEU … DA-LA-KEU, DA-LA-KEU, DA-LA-KEU

Und danach sogar als Doppelwort:

BA-LA-KA-DA-LA-KA … BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA, BA-LA-KA-DA-LA-KA
BA-LA-KE-DA-LA-KE … BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE, BA-LA-KE-DA-LA-KE
u.s.w.

Na, Hand aufs Herz, wer hat mitgemacht und sich wirklich alles durchgelesen?    zwinker

Wir kannten diese Art der √úbung schon aus der Klinik in Geesthacht, wo allerdings mit der Silbenkombination PA-TA-KA (mit E, I, O & U) die Zunge und der Mundraum trainiert werden sollte. Damals noch, damit man Stephanie √ľberhaupt verstehen konnte, heute, damit man sie bald noch sehr viel besser versteht. Und wir ziehen das auch gerne gemeinsam durch, selbst wenn Pataka, Balaka und Dalaka uns allen in drei Wochen mit ziemlicher Sicherheit aus den Ohren herauskommen wird.

Wie sehr sie diese Zungenbewegungen anstrengt, sehen wir alleine schon dadurch, dass Stephanie zu Anfang unseres Besuches nur recht wenig nuschelt, aber nach dem vielen Erz√§hlen und auch den diversen Sprach√ľbungen zum Besuchsende hin immer undeutlicher in ihrer Aussprache wird. Glaubt uns, nach „BA-LA-KA“ und „DA-LA-KA“ folgen n√§mlich noch weitere √úbungen, z.B. mit „Str√∂mern“ und „Klingern“ … eben alles im Dienst der Medizin, der Gesundheit und des Heilungsprozesses.

Wer uns kennt, wei√ü allerdings auch, dass wir selbst bei solch ernsten Dingen genug Bl√∂delpotential mit unterbringen und sogar das Kind spielt dabei gerne mit. Als es einmal um die Str√∂mungslaute (z.B. „fffffff“) ging, musste Stephanie vorgegeben Worte von Carsten wiederholen. Bei Fffffffffrankfurt h√§ngte sie noch schelmisch l√§chelnd ein „an der Oder“ mit an und bei Carstens ausgesprochenen „Ffffffffereinigten Staaten von Amerika“ korrigierte sie sofort, dass das nicht gilt und mit einem V geschrieben wird.

Ihr merkt, selbst die dr√∂gesten √úbungen k√∂nnen wir OLCAs uns noch schmackhaft machen und vers√ľ√üen … wow, das sind sehr gute Stichw√∂rter, kommen wir gleich mal zum Essen    standard

Zur Erinnerung: an unseren Besuchstagen in der Woche (nach der Arbeit) essen wir stets mit Stephanie gemeinsam zu Abendbrot und holen dabei in der Regel auch den Geschmack-des-Tages (teils nur f√ľr sie, oft aber auch f√ľr uns alle) aus dem Transportbeutel. Am Dienstag waren es gleich zwei Sorten Fleischsalat, die unser Kind nat√ľrlich √§u√üerst gerne gegen den eigentlich f√ľr sie vorgesehenen Frischk√§se eingetauscht hat    zwinker

Einmal g√∂nnten wir uns Baumkuchenspitzen, die im Inneren nicht so kr√ľmelig waren, sodass Stephanie diese ohne Versto√ü gegen ihre Lebensmittelvorgaben essen konnte. Wir fanden an dem Tag zudem erstaunlich, mit welcher Vorsicht sie die einzelnen St√ľcke f√ľr sich und uns aus der zum Teil hakeligen Verpackung, √§hnlich wie bei Dominosteinen, fischte, ohne die mit Schokolade √ľberzogenen Kuchenteilchen zu zerquetschen oder gar zu zerbrechen. Klar, es fehlt ihr sicherlich noch einiges an Feinjustierung und Geschick, aber ansonsten hielten wir ihre Ausf√ľhrung schon f√ľr eine sehr beachtliche Sache. Geschmeckt hat der Baumkuchen nat√ľrlich ihr und uns √§u√üerst lecker!

Am Donnerstag bekam sie India-Frischk√§se auf Graubrot, welches sie zuvor selbst schmieren musste. Hier machen sich nat√ľrlich schon unsere vergangenen Trainingseinheiten bemerkbar, auch wenn Stephanie gr√∂√ütenteils immer noch angewiesen und im Umgang mit dem Besteck etwas gef√ľhrt werden muss. Beim Essen durfte aber selbst Linki auch mal ran und hatte damit die St√ľcke einer Broth√§lfte mit der Gabel zum Mund zu f√ľhren. F√ľr den ersten Bissen brauchte sie noch etwas Unterst√ľtzung (siehe Foto), aber dann klappte es so gut, als h√§tte sie das schon seit Wochen so gemacht.

Die weiteren Geschm√§cker-des-Tages: da der India-Frischk√§se es ihr echt angetan hatte, versprachen wir f√ľr Samstagnachmittag den Rest aus der Schale mit kleinen Pitabroten (ungetoastet und somit weich) und heute holte ich ihr den Geschmack von Kiwis ins Ged√§chtnis zur√ľck. Beim Telefonat mit Carsten √§u√üerte sie jetzt sogar den Wunsch, einmal Rosenkohl probieren zu wollen, da wir diesen heute als Mittagessen hatten. Sie testet echt alles aus!

Vor oder zusammen mit dem Essen muss sie aber auch immer ihre Medikamente nehmen. Eine Zugabe in fl√ľssiger Form gab es bislang immer zu Anfang und die Tabletten wurden entweder in gem√∂rserter Form als Pulver oder zerkleinert mit dem Yoghurt verabreicht. Carsten probierte nun mal die n√§chste Stufe aus, damit Stephanie ihren Yoghurt zuk√ľnftig auch g√§nzlich ohne bitteren Beigeschmack durch die Medis genie√üen k√∂nnte: er √ľbte mit ihr die Einnahme im Ganzen und mit Trinken. Doch das Kind brauchte gar keine √úbung und schluckte die zum Teil schon recht gro√üen Pillen und Kapseln sogar v√∂llig ohne eine zus√§tzliche Fl√ľssigkeitszufuhr runter. Wir haben nicht schlecht gestaunt und mittlerweile hat sie sogar mit den Pflegern den Deal, die jeweilige Pillendosis auf einmal in den Mund zu bekommen, herunter zu schlucken und anstandshalber danach doch noch etwas zu trinken. RESPEKT !!! Mit einer so raschen Entwicklung h√§tten wir nicht einmal in unseren k√ľhnsten Tr√§umen gerechnet … vor allem, da wir das so ja selbst nicht mal k√∂nnten    standard

Daf√ľr stehen wir wohl noch vor so mancher Herausforderung, wenn es um das Bew√§ltigen von Alltagssituationen geht. Hier fehlt ihr leider immer noch die Routine, Strategieentwicklung und Probleml√∂sung, wie man an solche Aufgaben heranzugehen hat.

Beim Bl√§ttern, √Ėffnen von Boxen, dem Einschalten von Ger√§ten (z.B. f√ľr Musik) oder dem Umgang mit Hilfsmitteln zeigen sich leider noch zu gro√üe L√ľcken, die wir nun mit immerw√§hrendem Training schlie√üen wollen. Dann gibt es jetzt eben eine √úberraschung nicht mehr direkt in die Hand gedr√ľckt, sondern in einer Schachtel und Stephanie muss zun√§chst mal da rankommen. Bislang hilft die linke Hand nur sehr wenig, wenn sie zwar die Box gegen das Verrutschen fixiert, dabei aber leider auch von oben auf den Deckel dr√ľckt – ihr f√§llt das noch nicht intuitiv auf und sie ackert umso mehr mit der rechten Hand an dem st√∂rrischen Objekt.

Auch beim Ausziehen ihrer linken Handorthese hat sie das Prinzip von Klettverschl√ľssen und den √Ėsen an der Seite nicht verstanden.

Sie findet die Anf√§nge der Verschl√ľsse noch nicht selbstst√§ndig und bekommt die Halteriemen zudem nicht von alleine aus den Metallringen heraus … erst wenn man ihr Anweisungen gibt und ihre Finger an die jeweiligen Stellen setzt bzw. diese dann in die richtigen Richtungen bewegt.

Carsten und ich haben dazu folgenden Gedanken entwickelt:
Stephanie geht es da wahrscheinlich √§hnlich wie einem Baby oder Kleinkind. Diese k√∂nnen solche Handgriffe ja auch nicht sofort, sondern gucken sich in der Regel die Handlungen erst bewusst oder unbewusst bei anderen Personen ab – Beispiele w√§ren hier das Tippen auf einer Fernbedienung oder ein Handy ans Ohr zu halten und dort hinein zu sprechen. Doch genau diese Abguck- und Beobachtungsphase fehlt unserem Kind v√∂llig. Ergo m√ľssen wir nun immer wieder auch mal solche Alltagssituationen, wie z.B. eine Box aufzumachen, einen Brief zu √∂ffnen u.s.w., mit ihr durchgehen und √ľben.

Das ist ihr zum Gl√ľck auch selbst sehr bewusst und somit macht sie jede in ihren Augen noch so stumpfsinnige √úbung ganz toll und bis zum Schluss (konzentriert) mit. Wir denken mal, auch das unterscheidet sie sehr von manch anderen Personen in einer √§hnlichen Situation, die irgendwann die Lust und Laune verlieren und dann ggf. nur noch resignieren oder abblocken. Davon ist sie derzeit aber noch weit entfernt, vor allem, da sie von allen Seiten so viel Zuspruch, Lob und Anerkennung bekommt – selbst f√ľr in ihren Augen schon recht popelige Selbstverst√§ndlichkeiten.

Anderes Beispiel: schon beim Ziehen von Grimassen scheint sie ihre Gesichtsmuskeln nicht auf die richtige Art und Weise kontrollieren zu k√∂nnen und wir k√∂nnten da noch so viel erkl√§ren, was denn genau zu tun w√§re. Hier sind wir wahrscheinlich wieder beim Thema Abgucken und Abkupfern von anderen (s.o.) – ihr und uns fehlt da einfach der ganzt√§gliche Kontakt, wie es eben bei Babys oder Kleinkindern normalerweise der Fall ist, wo ja st√§ndig zwischen Kindern und Eltern interagiert wird – „Oh guck mal, ein XYZ!“

Da auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung immer wieder mal Leute mit Hunden sind, hat sie dazugeh√∂rigen Verhaltensmuster beispielsweise schon sehr gut drauf. Sie freut sich √ľber jeden Dackel und jedes Schwanzwedeln und versucht auch stets, eine Streicheleinheit an den Wuffi abzugeben. Ob am Boden …

… oder auf dem Schoss:

Doch leider werden wir wohl nicht mehr lange vorbeilaufende Hunde sehen können, denn es wird zunehmend schattig in Deutschland, als dass man bald noch stundenlang draußen sitzen könnte. Vor allem, wenn sich unsere Besuchszeiten in der Regel auf 3-4 Stunden ausdehnen. Letztens habe ich schon mal ein wenig geschwächelt:

Mit Stephanies Muff und meinem Schal √ľber der Nase konnte ich dann nur noch an verbalen Spielen und √úbungen teilnehmen. Dem k√§lteliebenden Kind wird es sicherlich auch bald zu ungem√ľtlich werden und wir m√ľssen uns dann ein ruhiges Pl√§tzchen innerhalb der Geb√§ude suchen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Hier noch ein paar Infos in Newstickerform, da der Blogeintrag eh schon wieder viel zu lang und zu ausf√ľhrlich geworden ist:

  • Die Pflegekasse und der MDK haben sich nun final auf den Pflegegrad 5 geeinigt … damit w√§re zumindest die medizinische und therapeutische Versorgung in trockenen T√ľchern.
  • Ihr Kurzzeitged√§chtnis scheint wieder etwas aktiver zu werden, denn Stephanie erinnert sich immer mehr an Dinge von gestern oder vor Tagen. Am Dienstag befragten wir sie zum Wochenendbesuch und sie konnte sich unter anderem daran erinnern, mit Andrea telefoniert und beim Kniffel nur verloren zu haben. Und bzgl. K√§se denkt sie immer noch daran, wie sie vor zwei Wochen meinen ekeligen Bergk√§se erwischt hat … sowas kommt definitiv vor allem aus dem Kurzzeitged√§chtnis heraus.
  • Nach Auskunft der Ergotherapeuten war Stephanie selbst nach zwei Wochen Pause 15 min ohne Kreislaufprobleme im Standing, schaffte mit dem Motomed schon stattliche 1,7 km und bedient ein Spiel auf dem Tablet hochkonzentriert f√ľr ca. 10 min.
  • Carsten und ich haben uns vor Kurzem dar√ľber unterhalten, dass Stephanie nicht mehr so viel orientierungslos herumblickt, wie es z.B. noch damals in der Vamed-Klinik der Fall war. Ihr Orientierungssinn hat sich demnach schon sehr gebessert und sie fokussiert sich auch sehr viel einfacher auf das Geschehen um sie herum. Leider ist sie dadurch aber auch wieder etwas leichter ablenkbar …
  • An die guten, alten Kinderm√§rchen kann sie sich fast gar nicht mehr erinnern. Wir haben einmal drei Begriffe genannt und sie sollte das dazugeh√∂rige M√§rchen erkennen: Zwerge, Apfel, Hexe = nein … Wolf, rote M√ľtze, Oma = nein … Gei√ülein, Wolf, Steine im Magen = nein. Einerseits schade, aber andererseits auch wieder eine Chance, M√§rchen vorzulesen oder Stephanie am Ende mal selbst lesen zu lassen, wenn sie das mit dem Umbl√§ttern, Halten und Durchlesen wieder drauf hat.
  • Daf√ľr √ľberraschte sie uns bei einem (Kinder-)Quiz mit doch noch recht vorherrschendem Wissen. Ich las Fragen und vier Antwortm√∂glichkeiten vor, die wir dann alle beantworteten bzw. kommentierten. So wusste sie u.a., dass Mode keine Kategorie beim Nobelpreis ist (Physik, Chemie, Frieden, Mode) und dass Marie Curie eine Physikerin war.
  • Mit einem anderen Spiel testeten wir ihr Kurzzeitged√§chtnis und wollten mal ihre Phantasie aus der Reserve locken – ich habe ja schon im Blog geschrieben, dass kindliches und somit phantasiereiches Spielen bei ihr gar nicht mehr funktioniert. Also gab Carsten drei W√∂rter vor und sie sollte daraus eine kurze Geschichte oder einen Witz basteln (z.B. Drache, Schlo√ü & Himmel). Doch auch hier fiel es ihr sehr schwer, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Daf√ľr konnte sie sich anfangs noch recht gut die drei vorgegebenen Worte merken, aber sie verhaspelte sich zunehmend mit fr√ľheren Worten und „verga√ü“ somit eines von den Aktuellen. Doch nicht vergessen hatte sie, dass wir reihum spielen wollten und nach ihrem berechtigten Protest ging die zweite Kombination aus Hase, Huhn und Ei an mich    zwinker

So, langsam sollte ich mal Schluss machen РLob an die, die bis hier noch durchgehalten und aufmerksam mitgelesen haben. Wenn ich die Zusammenfassung der Woche schreibe, komme ich leider auch allzu oft ins Träumen und Schwärmen, sodass ich einfach kein Ende finden kann.

Alle Fotos sind nun in dem Text eingebunden, alle wichtigen Infos weitergegeben (glaubt mir, ich könnte noch sehr viel mehr auflisten!) und das Korrekturlesen wartet ja auch noch auf mich und Carsten. Wahrscheinlich bin ich ebenso wie ihr gespannt, wie sich so manches in der nächsten Woche entwickeln wird!

Habt noch einen sch√∂nen Abend und vor allem einen ruhigen Start in die neue (Arbeits-)Woche. Dr√ľckt Stephanie bitte weiterhin die Daumen, dass es auch k√ľnftig so bergauf geht, und habt nochmals vielen lieben Dank f√ľr eure zahlreichen Reaktionen, Kommentare und W√ľnsche – das bedeutet mir wirklich sehr viel! Und Stephanie hilft es ebenfalls …



2021 10.
Okt

Dieses Wochenende sind mal wieder Stephanies Vater und seine Frau aus der N√§he von Mei√üen bzw. Dresden in den Norden gekommen und haben die Besuchszeiten an den beiden Tagen √ľbernommen. Dadurch beschr√§nkt sich meine heutige Zusammenfassung eigentlich auch nur auf drei Besuche in der vergangenen Woche: Dienstag nach der Arbeit war ich alleine bei ihr, da Carsten abends w√§hrend eines Wartungsfensters anwesend sein musste, Mittwochvormittag warteten Stephanie, Carsten und ich auf jemandem vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen), da eine Vor-Ort-Untersuchung f√ľr die Pflegegradbestimmung stattfinden sollte, und am Donnerstagnachmittag hatten wir drei unsere einzige „regul√§re“ und gemeinsame Besuchszeit. Dennoch gibt es reichlich zu berichten – keine Angst    zwinker

Dann fange ich doch gleich mal mit diese Meldung an: wir haben ihr Platzdeckchen gesehen und mal f√ľr euch abfotografiert …

Na, warum hat sie sich wohl daf√ľr entschieden? Na klar, dieser tolle Wolkenhimmel ist ganz und gar ihr Ding!!! Das begeistert sie definitiv sehr viel mehr als jedes Bild mit einem Sandstrand, einer Spiegelung im See, einem Fahrzeug, einer Filmsequenz oder einem Vereinsemblem. Unsere kleine Meteorologin …

Toll fand ich diese Woche besonders, dass man mit ihr insgesamt etwas mehr √ľber Dinge des Tages quatschen konnte, da sie sich diesmal sogar recht gut daran erinnern konnte. Sie scheint wohl gerade wieder mal einen erfreulichen Leistungsschub zu haben, denn viele √úbungen sitzen bereits nach nur wenigen Versuchen oder zeigen deutliche Entwicklungen von Besuch zu Besuch. So z.B. das Umbl√§ttern bei Zeitschriften oder auch Fotoalben, die Nutzung eines Lippenpflegestiftes (darf ich „Labello“ sagen, ohne gleich Werbung daf√ľr zu machen?) hat sie fast schon komplett von der √Ėffnung bis zu Schlie√üung drauf und selbst bei der Nutzung von bekannten und neuen Spiele-Apps machte sie immer wieder eine sehr gute Figur. So hatte sie bei einer erstmalig genutzten Puzzle-App nur am Anfang etwas Probleme, aber dann flutschte es zunehmend besser. Und bei unseren Gespr√§chen √ľber die vergangenen Tage nennt sie nun immer √∂fters Namen der anderen Bewohner, kann sich noch zielsicherer an √úbungen und die Dauer bei den Therapiestunden erinnern und spricht auch schon √ľber andere Kleinigkeiten des Tages. Besonders, wenn es ihr wichtig war.

So auch √ľber ihren letzten gro√üen Test der Logop√§den, die ja schlie√ülich √ľber die Freigabe weiterer Essensvarianten entscheiden. Am Dienstag bekam sie zum Abendessen schon Graubrot mit Rinde, Scheibenwurst, Gurkenscheiben und Paprikastreifen, da sie mittags mit einem unp√ľrierten (!!!), daf√ľr aber klein geschnittenen Nackensteak (!!!) keine sonderlich gro√üen Schwierigkeiten hatte und dadurch wohl die n√§chste Lockerung erreichte. Dieses Erfolgserlebnis mit dem Steak erz√§hlte sie sogar Carsten freudestrahlend am Telefon, so wichtig war ihr das:

Wenn wir schon mal beim Essen angelangt sind, kann ich mit diesem Oberbegriff ja erst einmal weitermachen. Da es insgesamt doch nur zwei regul√§re Besuchstage waren, bekam sie eben auch nur zwei Mal den Geschmack-des-Tages: am Dienstag waren das Apfel und Birne (sie hat sogar die Begriffe richtig zugeordnet) …

… und am Donnerstag einen Rest meines selbstgemachten Thunfischsalates, den sie trotz „Fisch“ als sehr lecker empfand und zum Abendessen gen√ľsslich wegl√∂ffelte.

Doch egal was wir ihr bislang vorsetzt haben, sie genie√üt derzeit jeden einzelnen kulinarischen Ausflug – selbst Oliven, nat√ľrlich ohne Stein (hat sie die vor dem Vorfall auch schon gegessen?), und einen Smoothie mit Banane, Ananas und Kokos fand sie letztendlich sehr lecker.

Nur bei eigentlich harmlosen Cornichons guckte sie uns nach dem ersten Kauen fragend an und betitelte sie als sehr scharf … h√§h?!? Und dabei hatte sie sogar Recht, denn das Gurkenglas war nicht von uns gekauft, sondern blieb nach einer kleinen Feier √ľbrig und wir hatten vorher nicht genauer auf das Etikett geachtet: Cornichons mit Chili. Sie machte aber dennoch keine gro√üen Anstalten oder wollte es ausspucken, sondern a√ü tapfer zu Ende und schluckte alles runter. Aber einen Nachschlag wollte sie hiervon nat√ľrlich nicht    zwinker

Doch trotz aller Gel√ľste und vermisster Geschm√§cker, selbst einen Bissen von ihrem hei√ügeliebten Mettbrot gibt sie weiterhin gerne ab … herrlich, Stephanie f√ľttert Carsten!!!

Nat√ľrlich haben wir die drei Besuchstage nicht nur gefuttert und gef√ľttert, sondern auch viel gespielt und ge√ľbt … letzteres durchaus √∂fters im Kontext Essen    standard

Wie schon die letzten Male, versuchen wir weiterhin ihr Abendbrot ungeschmiert aus der K√ľche zu bekommen, damit wir mit Stephanie das Schmieren eines Brotes mit Butter und Aufstrich √ľben k√∂nnen. Selbstverst√§ndlich braucht sie weiterhin noch viel Hilfe in Form von Anweisungen, Handgriffen und Halten, aber meiner Meinung nach wird auch das schon zunehmend besser:

Insbesondere Linki ist ja leider noch zu sehr in der Bewegung eingeschr√§nkt, als dass Stephanie mit ihren H√§nden schon all die Dinge erledigen k√∂nnte, wie jeder andere auch. Besonders beim Halten von Sch√ľsselchen und Bechern macht sich das deutlich bemerkbar, w√§hrend die rechte Hand mit einem Messer, einer Gabel oder einem L√∂ffel etwas herausfischen muss. Durch die Spastik ist es f√ľr sie z.B. sehr schwer, die jeweilige √Ėffnung immer sch√∂n gerade nach oben zu bringen oder sie dort zu halten. Sie kann daf√ľr ja nicht mal eben das Handgelenk richtig √∂ffnen und drehen, sondern das Gehaltene eigentlich nur gegen ein Wegrutschen fixieren, besonders wenn es zus√§tzlich auf dem Tisch o.√§. steht.

Beim Yoghurtbecher wollten wir es dann aber mal wissen, also starteten wir einen Versuch in die andere Richtung. Rechti kann den Becher zwar perfekt halten, aber Linki schafft die Bewegungen in alle Richtungen f√ľr das Herausfischen, das F√ľhren zum Mund ohne alles zu verlieren und auch das koordinierte Drehen und Halten des L√∂ffels noch nicht. Wir bleiben da aber dran, denn mit Rechts hatte sie anfangs ja die gleichen Probleme und es landete mehr auf dem Latz als im Mund    zwinker

Daf√ľr √ľberraschte sie uns auf Anhieb mit dem Schlucken ihrer Medikamente in Pillen- und Kapselform. Anfangs wurde im Vorfeld noch alles gem√∂rsert und w√§hrend Carsten sich mit Stephanie dem Hauptgang widmete, r√ľhrte ich das Pulvergemisch immer munter in den Pudding oder Yoghurt. Wenn wir dann mal ungem√∂rserte Medikamente bekamen, verteilte Carsten die Pillen und das Pulver der Kapseln auf einem L√∂ffel Yoghurt und Stephanie schluckte alles sofort und ohne Kauen runter. Leider blieb dann zu ihrem Leidwesen von Nachtisch am Ende nicht mehr so viel √ľbrig, dass sie diesen noch h√§tte genie√üen k√∂nnen. Doch am Donnerstag lie√üen wir mal alle Pillen und Kapseln in Rohform (auch die etwas Gr√∂√üeren) und Stephanie sollte sie mit ihrem Getr√§nk einzeln hinunterschlucken. Und siehe da, sie hatte Null Probleme damit und ab sofort werden wir ihr die Medis immer nur mit Wasser geben, damit ihr der Nachtisch als Genuss und Abschluss erhalten bleibt. Sp√§testens n√§chste Woche wissen wir, ob es immer so klappt und k√∂nnten dann einen Hinweis an das Pflegezentrum geben, damit sie zu jeder Mahlzeit auch ohne uns das Schlucken mit einer Fl√ľssigkeit durchf√ľhren kann. Denn: sie schluckt zwar die Medikamente erfolgreich runter, aber das Legen der Pille in den Mund bzw. auf die Zunge erfordert nat√ľrlich noch ein Zutun durch einen Dritten. Aber der erste Schritt ist mal wieder gemacht und wir drei sind gl√ľcklich √ľber diesen weiteren kleinen Fortschritt.

Wir sind auch noch immer mit Eifer dabei, mit ihr das √úberziehen der √Ąrmel zu √ľben (leider sind noch zu viele Anweisungen und Hilfen notwendig), sowie das Umbl√§ttern von Seiten (bei dickeren Seiten, z.B. einem Fotoalbum, erkennt sie sofort, wenn sie mehrere erwischt und korrigiert nach) …

… und das Finden und Ber√ľhren der eigenen Ohren (diese Bewegung hat sie jetzt sogar schon ganz autark mit Linki drauf!). Neu hinzugekommen sind nun noch die Benutzung eines Labellos (wie erw√§hnt ist das schon fast perfekt) und am Donnerstag starteten wir das eigenst√§ndige Ausziehen der linken Handorthese.

Warum ausgerechnet das? Weil man ihr nach dem Anlegen mal gesagt hat, dass sie diese nach mehr als drei Stunden Tragen auch gerne selbst abnehmen kann, worauf sie wiederum in Tr√§nen ausbrach, weil sie das leider nicht beherrscht. Deshalb bringen wir ihr nun das √Ėffnen der insgesamt sechs Klettverschl√ľsse sowie das Festhalten der Orthese mit Rechti, w√§hrend Linki sich herauszieht, bei. Beim allerersten Mal klappten die Handgriffe zwar schon recht gut, aber nat√ľrlich noch mit viel zu vielen Anweisungen und Hilfestellungen, z.B. wo der Anfang und das Ende eines solchen Klettverschlusses √ľberhaupt ist. Aber das beherrscht sie bald wie aus dem Effeff, wetten? Wir bleiben jedenfalls dran …

Kommen wir zum Spielen. W√§hrend ich weiterhin vorrangig f√ľr das k√ľnstlerische (Malen, Singen etc.) und sprachliche (Russisch, Englisch, Lesen etc.) zust√§ndig bin …

… k√ľmmert sich Carsten in erster Linie um das Variieren und die Zweckentfremdung von Gesellschaftsspielen – der Klassiker und Dauerbrenner ist hierbei schon seit Monaten dieses Memory:

Anfangs nahmen wir nur den hier schon öfters beschriebenen Sechserpack aus Wolke, Regenschirm und Huhn (die drei erkennt sie mittlerweile sofort) sowie Apfel, Birne und Möhre (hierbei kommt sie weiterhin ins Straucheln). Dann erweiterten wir auf die restlichen Kärtchen, die sie zunehmend auch erkannte und mittlerweile fast schon fehlerfrei benennt. Insbesondere hier merkt man, dass sie am Anfang noch völlig konzentriert und dadurch fehlerfrei ist, mit fortschreitender Zeit aber immer unkonzentrierter wird und dann mehr und mehr kleinere Hilfen benötigt.

Nun haben wir alles erweitert und am Mittwoch zum ersten Mal auch den bislang ausgemusterten Kartensatz mit den Umrissen bzw. Schatten dazu genommen. Ein Memoryp√§rchen besteht hier eigentlich aus einem bunten, aber gemalten Echtbild und einem Schattenbild bzw. nur dem schwarzen Umriss. Im richtigen Spiel gilt es also diese P√§rchen zu finden und aufzudecken – so weit ist Stephanie aber noch lange nicht. Doch sie bekam nun f√ľnf „Echtbilder“ vor sich gelegt und einen dazugeh√∂rigen Umriss, dann sollte sie das P√§rchen finden.

Wir waren echt beeindruckt, dass sie im direkten Vergleich der K√§rtchen kein Problem mit der Zuordnung hatte, aber man merkte das oben Erw√§hnte bzgl. der Konzentration schon sehr deutlich. Beim ersten Durchlauf mit allen Bildchen waren Affe und Banane kein Problem f√ľr sie und sie wusste auch, dass Affen gerne Bananen essen. Beim Durchlauf mit den Schattenbildern aber „fehlte“ ihr diese Info schon wieder und sie antwortete v√∂llig √ľberzeugt „Affen essen K√§se“. Erst mit unserer Hilfe („Affen essen Ba …“) kam sie auf die richtige L√∂sung. Ergo, das Wissen ist auf jeden Fall da, es wird eben nur nicht immer schnell gefunden. Ach ja, da ist ja wieder die Analogie zu Hund, Katze, Wuff und Miau    standard

Als Zusatztest haben wir ihr auch mal nur einzeln die Schatten des Sechserpacks gezeigt und hier ebenfalls das gleiche Bild wie mit den Echtbildern: Wolke, Regenschirm und Huhn erkennt sie auf Anhieb, Apfel, Birne und M√∂hre wiederum nicht, obwohl selbst die Schatten dieser drei Dinge mehr als eindeutig sein d√ľrften    traurig

Zum Abschluss möchte ich noch zwei Themen kurz anreißen.

Thema 1: Beim Warten auf den MDK haben wir von unserem Pavillon aus u.a. dem Treiben auf dem Gel√§nde der Pflegeeinrichtung zugeschaut, wo flei√üig f√ľr eine kleine Olympiade nach dem Mittag aufgebaut wurde. Zuerst hat Stephanie zwar bezweifelt, dass sie an den Stationen mit teilnehmen kann, doch am n√§chsten Tag zeigte ihr Stationsschein (unten rechts), dass es doch nicht so war, denn sie hatte ja schlie√ülich f√ľr alle sechs Aufgaben einen Aufkleber bekommen:

Hier scheint also immer jeder in alles mit involviert und einbezogen zu werden – wir finden das so toll! Somit bleibt es bei unserer Meinung und unserem Eindruck: diese Einrichtung war mitunter das Beste, was Stephanie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Rehastation passieren konnte.

Thema 2 zielt nat√ľrlich auf den Besuch des MDK ab. Stephanie hat ihre Sache recht gut gemacht und das Gespr√§ch mit der Dame verlief wie erwartet. Das Kind zeigte zum Gl√ľck keine √ľbertriebene Nervosit√§t oder ein ungew√∂hnliches Ausbrechen aus dem allgemeinen Zustand – bei Tests ist Stephanie leider immer etwas unberechenbar. Also stellte man „Frau Meier“ (das findet sie immer noch sehr komisch) Fragen, auf die sie Antworten wusste (Schmerzen, Geburtsdatum, Alter), aber dann auch welche, die sie zwar wahrheitsgem√§√ü, aber eben nicht richtig beantwortet hat … „Welchen Monat haben wir?“ – „Wei√ü nicht.“ … „Wo waren Sie vorher?“ – „Wentorf.“ … usw.

Jetzt hei√üt es f√ľr Stephanie, Carsten und mich sowie f√ľr die Einrichtung abwarten, bis dass der MDK aufgrund dieses Treffens samt Unterhaltung mit uns und dem Pflegepersonal eine finale Einsch√§tzung zum Pflegegrad abgibt. Stephanie kann zum Gl√ľck nicht viel dabei verlieren, aber auf uns kommt dann definitiv wieder etwas Arbeit zu, denn das Ergebnis m√ľssen wir ja an diverse Beh√∂rden und Institutionen verteilen, die daraus wiederum neue Berechnungen generieren und uns zur√ľckschreiben werden. Hoffentlich h√§lt sich der resultierende Papierkram in Grenzen … so viele Briefe, wie in den letzten paar Monaten, haben wir nicht mal in den vorangegangenen Jahren frankiert und verschickt.

Aber beenden wir diesen Blogeintrag doch mit etwas Sch√∂nerem als diese Erkenntnis – wir finden es jedenfalls immer ganz toll, wie sch√∂n und liebevoll man Stephanies Bett √ľber den Tag drapiert:

Oder was sagt ihr dazu?



2021 03.
Okt

Die richtig guten Nachrichten zuerst im Kurzticker:

  • die Krise von letzter Woche war gl√ľcklicherweise nur ein kleines und vor allem kurzes Strohfeuer … wir drei haben uns am Dienstag dar√ľber ausgesprochen, sie hat sich unendlich oft entschuldigt und es wurden auch gleich mal die n√§chsten Ziele von ihr festgelegt, an denen wir nun eifrig arbeiten
  • in der 42. KW ist die Entfernung der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie = k√ľnstlicher Mageneingang) geplant … Stephanie freut sich wie Bolle und damit verbleibt am Ende mit dem Urostoma (k√ľnstlicher Blasenausgang bzw. SPK) nur noch ein einziger Dauerschlauch an ihrem K√∂rper
  • unser Kind ist seit Donnerstag vollst√§ndig durchgeimpft … willkommen im Club der 2G-Nutzer
  • Stephanie sagt auch, dass sie wohl schon die positive Wirkung der Botox-Behandlung bemerkt, denn Linki ist ihrer Meinung nach noch etwas freier in der Bewegung geworden und in den Beinen hat sie nun sehr viel weniger Kr√§mpfe

Und mit diesen Stimmungsaufhellern verlief die letzte Woche auch insgesamt wie am Schn√ľrchen. Wir haben viel ausprobieren k√∂nnen, viel ge√ľbt und nat√ľrlich auch wieder ein paar kleinere Erfolge erzielt.

Mit unserem „Geschmack des Tages“ m√∂chten wir Stephanie im Rahmen ihres erlaubten Kostplans wieder langsam an die vielen kulinarischen Gen√ľsse heranf√ľhren und auch ausloten, was sich geschmacklich bei ihr eventuell ge√§ndert haben k√∂nnte: am Dienstag gab es auf ihrem Brot Zunge als Wurstscheibe (fand sie so lala), am Donnerstag Bierschinken im Ganzen (zugegeben, Wurst ohne Brot ist unfair, denn welcher Nichtvegetarier/-veganer w√ľrde das nicht m√∂gen?!?), am Samstag Rindermett (diese Form des „Hackepeters“ haben wir selbst erst hier im Norden kennen- und (wie unser Kind) mittlerweile lieben gelernt) und heute verw√∂hnte ich sie mit einer frischen Avocado.

Doch die gr√∂√üte √úberraschung gab es gestern zum Fr√ľhst√ľck, wo sie zu ihrem s√ľ√üen Br√∂tchen mit Belag auch noch zwei St√ľcke Pfirsich und zwei St√ľckchen Ananas bekam:

Ananas war ja eigentlich noch nie so richtig ihr Ding und bei der Beschreibung von Pizza Hawaii zeigt sie auch heute noch trotz ihres Ged√§chtnisverlusts nicht gerade ein Das-will-ich-essen-Gesicht. Doch pur scheint sie nun echt Freude dran gefunden zu haben – wir waren etwas baff. Gut zu wissen …    standard

Bei den neu eingef√ľhrten √úbungen hielten wir uns u.a. an ihren Wunsch, als Freizeitbesch√§ftigung zuerst das Lesen wieder durchf√ľhren zu k√∂nnen. Ergo besorgten wir ihr Zeitschriften und packten diese in eine Art Rollirucksack, mit denen sie ab jetzt immer dann trainieren kann, wenn ihr danach ist … nat√ľrlich, wenn ihr jemand zuvor jene herausholt und sie vor ihr auf den Tisch legt. Doch unsere erste Aufgabe war zun√§chst das Erlernen des Umbl√§tterns:

Zwar erwischt sie noch zu oft mehr als nur eine Seite, aber die Feinmotorik und F√§higkeit, mit den zum Teil auch mal durch Lecken angefeuchteten Fingern zu arbeiten, wurde von Besuch zu Besuch sichtbarer. Sie scheint wohl auch schon selbst hier und da mal zu √ľben und sich die Bilder und Texte anzuschauen. Der Anfang w√§re damit gemacht.

Am Donnerstag musste sie uns eine Postkarte vorlesen, die sie von einer Therapeutin bekommen hat, die derzeit in Dresden und der S√§chsischen Schweiz Urlaub macht. Das Lesen des Textblocks klappte dabei sogar schon √ľberraschend gut und Stephanie hat sich eigentlich nur einmal in der Zeile vertan und somit die richtige Stelle verloren, doch sie brauchte nicht lange, um sie wiederzufinden und weiterzulesen.
Heißt: wer also Lust hat, kann ab sofort gerne ein paar Zeilen auch direkt an sie schicken Рob als Brief, als Postkarte oder auch als Email. Falls es nicht mehr bekannt sein sollte, die Postadresse findet ihr hier und die Emailadresse setzt sich bei uns allen aus Vorname.Nachname@marvinchen.de zusammen. Wir werden ihr dann alles bei unserem nächsten Besuch mitbringen und sie selbst durchlesen lassen.

Wie schon im letzten Blogeintrag angedeutet, haben wir auch weiterhin das Schmieren ihres Brotes zum Abendessen ge√ľbt und es zeigen sich sogar schon erste Erfolge – doch ganz alleine geht es nat√ľrlich noch nicht. Und auch das Hunde-Memory kam wieder zum Einsatz, diesmal mit der Variante, dass vor ihr ein Welpenbild mit abgedecktem Rassenamen liegt und sie aus vier m√∂glichen Fotos von ausgewachsenen Hunden das m√∂gliche Elternteil heraussuchen muss:

Dabei soll sie auf hundetypische Merkmale, wie z.B. Farbe, stehende oder h√§ngende Ohren, L√§nge der Beine oder des Fells, Kopf, Gesicht und Schwanz achten und erst danach ihre Auswahl durchf√ľhren. Manches schlie√üt sie von Vornherein aus uns schiebt diese Karten dann weg, aber manchmal ist sie auch schon bei vier Karten sehr zielsicher. Auf dem Foto ist wohl eindeutig die Farbe der entscheidende Hinweis gewesen    zwinker

Einmal hatten wir sogar das Gl√ľck, dass sich ein echter Hund dazugesellte und Stephanie war au√üer sich vor Freude. Das Streicheln mit Linki gestaltete sich allerdings etwas suboptimal …

Egal, sie war gl√ľcklich und aus dem H√§uschen und sie wei√ü mittlerweile auch ganz genau, dass Hunde „wuff“ und Katzen „miau“ machen … war ja anfangs nicht immer so, ihr erinnert euch sicherlich noch.

Eine weitere praktische √úbung war diese Woche das Einfordern ihrer aktiven Hilfe beim Anziehen einer Strickjacke oder eines Pullis. Das Wetter h√§lt sich hier im Norden zwar erstaunlicherweise immer noch ganz gut und Regen bleibt in der Regel w√§hrend unserer Besuche aus, aber drau√üen zu sitzen wird nach ein paar Stunden durch die K√§lte und den Wind zunehmend ungem√ľtlich, sodass wir jetzt immer √∂fter reingehen m√ľssen. Bis dieser Schritt aber auch f√ľr unsere K√§lteliebhaberin (ihr Credo war ja schon immer „Island ist ein besseres Urlaubsland als Spanien“) unausweichlich ist, ziehen wir ihr erst mal eine w√§rmende Schicht √ľber. Und das Einf√§deln der Arme sowie das Hochziehen der √Ąrmel √ľberlassen wir dabei immer mehr ihr. Selbst mit Linki fasst Stephanie den Stoff mit Daumen und Zeigefinger an und zieht alles St√ľck f√ľr St√ľck nach oben, bis die vorher eingepackte Hand frei liegt – noch mit sehr viel Hilfe, aber in ein bis zwei Wochen hat sie das sicherlich auch wieder alleine drauf.

Doch der gr√∂√üte und zeitintensivste Block wird derzeit f√ľr das Neuerlernen des Schreibens genutzt. Angefacht wurde dies durch eine Therapeutin, welche mit Stephanie selbst schon damit anfing und uns deshalb √úbungen f√ľr die Handmotorik herausgesucht und mit einer Notiz ins Postfach gelegt hat … „vor allem, damit Stephanie wieder Schreiben lernt und sich traut es auszuprobieren.“

Dieser Aufgabe wollen wir sehr gerne nachkommen, doch leider zeigte sich, dass Stephanie das Nachzeichnen von Figuren und Buchstaben fast gar nicht beherrscht und uns immer nur fragend anschaute, was wir denn eigentlich von ihr wollen. Also fingen wir zunächst mit einfacheren Übungen an, um die Handhabung des Stiftes zu verinnerlichen, Striche und Linien zu zeichnen und vor allem, um ihr immer wieder zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen Рdenn nur dann bleibt sie auch mit Spaß und Eifer dabei.

Wir starteten mit Trocken√ľbungen auf einem wei√üem Blatt Papier, bei der sie Punkte verbinden oder auch mal Carstens Stift folgen sollte:

Hierbei ging es uns vor allem darum, bei ihr ein Verständnis aufzubauen, was mit dem Stift möglich ist und was man wie nachzeichnen oder verbinden sollte.

Dann wollten wir schon etwas koordinierter vorgehen und sie nach einem bestimmten Schema „malen“ lassen. Carsten hatte daf√ľr ein paar der sicherlich jedem bekannten Bilder ausgedruckt, bei denen man Punkte von 1 bis irgendwas verbinden soll und am Ende zeichnet sich dadurch eine Figur oder ein Ding ab.

Sie war voll konzentriert, hochmotiviert und es klappte auch gleich schon beim ersten Mal ganz wunderbar:

Dass es sich hierbei allerdings um eine Birne handelte, das erkannte sie nat√ľrlich nicht    zwinker

Auch auf dem Bild 2 hat sie alle Punkte toll verbunden, aber auch hier konnte sie das final sichtbare Tier nicht benennen (siehe rechts):

Doch darauf kam es ihr uns uns ja auch gar nicht an. Das Verbinden und die Handhabung mit dem Stift war das Ziel und bis hier hatten wir durchschlagenden Erfolg. Wir stellten nur immer wieder fest, dass sie die Zahlen nicht registrierte, die sich hinter ihren Fingern oder dem Handr√ľcken befanden. Sie hat aber auch kein Gef√ľhl daf√ľr, dass sie diese einfach nur durch sich selbst verdecken k√∂nnten – der fehlende √úberblick und der nicht vorhandene Orientierungssinn f√ľr die Suche schlugen ihr erneut ein Schnippchen …

Und ab Bild Nummer 3, 4 und 5 l√§sst sie zudem ihre Konzentration im Stich, denn ab da verliert sie immer mehr den Faden. Wie schon letzte Woche beschrieben, ist hier leider deutlich der Nebeneffekt „Kleinkind vs. Erwachsener“ offensichtlich: das Kleinkind in ihr baut sehr schnell ab und sie ger√§t v√∂llig neben die Spur. Dann hei√üt es genug ge√ľbt, Zeit f√ľr Ablenkung und Zerstreuung schaffen. z.B. mit einem leeren Blatt, auf das sie malen k√∂nnte, was sie nur will. Doch hier verliert wieder das Kleinkind, was sicherlich sofort drauflos malen w√ľrde (Baum, Haus, Sonne etc.), und Stephanies Erwachsenenbewusstsein l√§sst sie ideen- und phantasielos auf das Papier starren. Hier braucht sie dann doch etwas Input und eine Vorgabe, was sie denn malen soll. Allerdings, wenn man ihr erneut etwas vorgibt, z.B. ein Haus oder ein Schriftzug, meldet sich das Kleinkind und fragt „Wie geht das?“ … ein Teufelskreis, denn sie m√ľsste zwar zun√§chst erst einmal alles lernen, aber am Ende darf diese Lernperiode dann auch nicht all zu lange dauern. Dabei sitzt sie eigentlich auf hei√üen Kohlen, denn es geht ihr so nicht schnell genug.

Wir sind echt gespannt, wann und wie wir dieses „Hindernis“ √ľberwinden werden und vor allem, wann wir das Kleinkind vom Alter her einschulen k√∂nnen … so kann Stephanie zwar schon gut lesen, aber nicht selbstst√§ndig schreiben, auch nicht mit einem direkten Abgucken des zu schreibenden Wortes und am Ende leider auch nicht, wenn sie auf dem Wort nur die Linien nachziehen m√ľsste. Aber unsere Zeit wird kommen und eines Tages schreien wir „Heureka!“ in die gro√üe, weite Welt hinaus …     zwinker